Montag, April 03, 2006

Estland und die Neue Hanse in Osnabrück


Die Vorbereitungen auf die Hansetage im Juni in Osnabrück schreiten voran.Hier das große Banner mit den Mitgliedern der Neuen Hanse. Ein Programmpunkt aus estnischer Sicht steht schon fest. Der Dirigent Tonu Kaljuste wird das Osnabrücker Symphonieorchester bei einem Konzert im Theater leiten.
Heutzutage werden die positiven Seiten der historischen Hanse betont, dass aber die Hanse auch anders gesehen werden kann, dazu gibt es bereits einen älteren Beitrag im Estlandblog.

Freitag, März 31, 2006

Anmerkung zur "Singenden Revolution"


Der Eindruck könnte entstehen, dass in den Jahren 1988-1991 vor allem die Chormusik eine entscheidene Rolle gespielt hat. Nicht nur. Besonders die Musik von Alo Mattiisen, der die Rock-Pop-Musik zur Revolution lieferte, spielte bei den Jüngeren eine herausragende Rolle. Mattiisen verstarb schon 1996, er war erst 35.
Hier ein Song von 1988, einer von vielen, von der Webseite Music Export Estonia.

Dienstag, März 28, 2006

Was ist eine Kulturhauptstadt?

Vielleicht das hier. Eine Stadt mit einem Stadion nur für Sänger. O.k., Riga in Lettland besitzt das auch. In regelmäßigen Abständen finden hier nationale Chorwettbewerbe statt. Aber einmalig ist das trotzdem. Grund genug sich als Kulturhauptstadt Europas zu bewerben. Von diesen Orten stammt der Begriff "Singende Revolution" von 1988 als Estland, Lettland und Litauen noch zur Sowjetunion gehörten und diese Republiken sich für den Weg zur Unabhängigkeit entschieden.

Tallinn gegen Tartu

In Estland gibt es ernsthafte Bestrebungen für die Bewerbung zur Kulturhauptstadt Europas 2011. In Frage kommen nur Tallinn, die Hauptstadt, oder Tartu die zweitgrößte aber wichtigste Universitätsstadt. Anlaß genug, um sich in den Webportalen von Delfi und Postimees gegenseitig zu beharken. Hier vorweg die Selbstdarstellung Tallins zur Bewerbung. Das Kulturministerium hat für die Hauptstadt entschieden. Es gibt eine alte Rivalität zwischen beiden Städten, dazu gehörten sogar Stimmen, die für eine Hauptstadt Tartu warben.

Blick in die Zukunft - Präsidentschaftswahlen

In Estland werden zur Zeit die Kandidaten der politischen Parteien für die anstehende Präsidentenwahl ernannt. Toomas Hendrik Ilves hat da gute Aussichten, er war auch schon Aussenminister. Auf seiner offiziellen Homepage finden sich zahlreiche Texte dazu. Einer fällt dabei besonders auf. 2001 verfasst, werfen die "Reflections of Estonia's Foreign Policy Landscape" kein gutes Licht auf die deutsche Diplomatie und ihr Verhältnis zu Estland. Einmal beschreibt er eine Periode aus der Zeit der Unabhängigkeitsbewegung, als ein deutscher Gelehrter im Frühjahr 1991 anreiste und mehr als nur anriet von der Idee der Unabhängigkeit Abstand zu nehmen. Ein weiteres Mal 1997 wurde dem estnischen Aussenminister in Deutschland erklärt, Estland könne nicht EU-Mitglied werden, da es sonst auch Aussichten auf die NATO-Mitgliedschaft habe, aber das wäre nicht im deutschen Interesse. Das soll ein "security adviser" im Bundeskanzleramt gesagt haben.

Der ganze Text (unauthorisierte Übersetzung, Englisch)hier im pdf-Format.

Diese Episode 1997 scheint so unglaublich, das Treffen mit dem Berater des Bundeskanzleramtes sollte geheim und inoffiziell bleiben. Ich hoffe, dass das Ganze im estnischen Original nicht so einen harten Unterton hat.

Kleine Randnotiz zu Ilves, da der letzte Post von den estnisch-schwedischen Beziehungen handelte: Er wurde in Stockholm geboren.

Montag, März 27, 2006

Lennart Meri und die Estland-Schweden

Die schwedisch-estnischen Verbindungen haben einen historischen Hintergrund, der in Deutschland kaum wahrgenommen wird.
In den letzten Tagen wurde dies deutlich, als die Estlandschweden an Lennart Meri erinnerten.
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President Meri hade även en gedigen kunskap om svenskestland och personlig anknytning till Nuckö, där han även lät uppföra presidentens sommarresidens.

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Die Vereinigung weist darauf hin, dass Meri eine Sommerresidenz in Nuckö errichten ließ. Dieser Ort gehörte bis 1944 zu dem Siedlungsgebiet der Schweden in Estland. Nach dem Hitler-Stalin Pakt 1939 wurde die Situation bedrohlich, besonders für die gesellschaftlich aktiven Estlandschweden.
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Föreningen förbjöds omedelbart vid den sovjetiska ockupationen i juni 1940 och förblev otillåten framgent i hemlandet fram till Sovjets sammanbrott. Dess siste ordförande, Mathias Westerblom från Gutanäs på Nuckö, deporterades i juni 1941 liksom den siste folksekreteraren, Nils Blees från Höbring i Rickull, för att aldrig återvända. Bägge lär ha avrättats i Sibirien. Kustbon blev också omedelbart förbjuden. Sovjets ockupation av Estland innebar vidare att flertalet öar längs kusterna, svenskarnas traditionella boplatser, avhystes och blev militärbaser, samt att mängder av unga män på ett enligt folkrätten otillåtet sätt tvångsmobiliserades.

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Zuerst verlor Estland 1940 seine Unabhängigkeit und wurde der Sowjetunion einverleibt. Noch bevor die Wehrmacht angriff, wurden am 1. Juni 1941 wichtige Repräsentanten der Schweden nach Sibirien deportiert. Darauf weist das Zitat oben hin.Erwähnt werden Mathias Westerblom und Nils Blees. Als 1944 die Rote Armee nach Westen Richtung Baltikum vorstieß, verließen 80% der schwedischen Bevölkerung Estland, zum Teil in kleinen Booten über die Ostsee.
Ausserdem gibt es eine weitere sehenswerte Seite zu den Estlandschweden, hier mit einigen historischen Aufnahmen.

Samstag, März 25, 2006

Das erste Mal

Morgen wird es für die Esten ein emotionales Staatsereignis geben. Und das ist eher selten für die unterkühlten Nordeuropäer. Das erste Mal in der Geschichte wird ein frei gewählter Präsident in einem unabhängigen Estland beerdigt. Schwedens Ex-Premier Carl Bildt ist dafür angereist und berichtet hier. Er durfte eine der wenigen Abschiedsreden halten:
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He was the foremost of Estonians and among the foremost of Europeans. He knew only too well that the fate of a small nation is always linked to what happens well beyond its immediate boundaries.

For him, Europe wasn’t only the richness of its diverse cultural heritage, within which his Estonia had its proud place.

For him – in this time of ours - it was also the imperative of building of freedom and democracy and security together, with firm bonds also stretching across the wide Atlantic Ocean and – let that not be forgotten – reaching out to the Russia whose culture he cherished so deeply.

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Das ist ein Zeitungsbericht der Eesti Sonumid über eine der umstrittensten Entscheidungen, die Lennart Meri mitgetragen hat,hier im Gespräch mit dem Schweden Lars Grundberg. Es geht um den Abzug der russischen Truppen 1994. Als Gegenleistung durften bereits pensionierte sowjetische Offiziere in Estland bleiben. Das Foto unten zeigt eine 1992 verlassene sowjetische Militäranlage nahe Voru im Südosten Estlands.

Hier die Fotos der Trauerfeier vom 26. März, ETV und die Fotos vom Nachrichtenportal DELFI. Hier die Fotos von Postimees.

Freitag, März 24, 2006

Russischer Nebel

russland.Ru
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Lettland und Estland sind weniger demokratische Staaten als Weißrussland. Diese Meinung hat der Direktor des russischen Instituts für politische Studien, Sergej Markow, am Donnerstag bei einem Gespräch mit Journalisten vertreten. "Was Sanktionen betrifft, so müssen sie gegen Lettland und Estland verhängt werden, die überhaupt 25 Prozent ihrer Bevölkerung aus dem politischen Leben verbannt haben", sagte Markow mit Blick auf die Präsidentschaftswahlen in Weißrussland.

"Ich werde nicht unaufrichtig sein und behaupten, die Wahlkampagne in Weißrussland sei voll und ganz demokratisch abgelaufen", unterstrich der Politologe. "In Weißrussland gilt Lukaschenko als Retter des Landes vor Oligarchen und Banditen", ergänzte er.
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der Link hier.


Das nennen sie also Politik lehren. Sie können demnach noch nicht einmal rechnen. Vielleicht gibt es Politologen, die sich aus Prinzip nicht mit Mathematik beschäftigen. Wer weiss? Was sollen dennn diese 25 Prozent Minderheit in Estland bedeuten? Die Russen mit russischem Pass, die Staatenlosen, oder was? Die Zahlen sind bekannt, Giustino hat sie zusammengefasst:
BNS - Number of Non-Citizens Down to 10 Percent

What is Russian Foreign Minister Sergei Lavrov going to complain about in five years?

According to Baltic News Service, "As of the end of November the country had 136,533 residents of undefined citizenship.". BNS quoted the Estonian Population Minsitry as saying that "since 1992 until this November 30 Estonian citizenship by naturalization had been granted to 137,617 people."

And according to the Estonian Statistical Office there are 1.35 million people in Estonia. Which means non-citizens in 2005 account for 10.1 percent of the population, and declining.

10 Prozent Staatenlose und es werden weniger. Das ist die Bevölkerungsgruppe, die noch nicht an Wahlen teilnehmen kann. Was die Politologen in Moskau und sonstwo verbreiten ist Propaganda, und nicht nur das. Ihre Informationen sind falsch.
Und Giustino hat gleich noch die Kontroverse über die Sprachregelung in Schulen aufgegriffen, hier seine Meinung dazu.

Mittwoch, März 22, 2006

Die Zeiten haben sich geändert- EU Aussenpolitik


Kaum zwei Jahre leben wir nun in der erweiterten EU und das zeitigt Folgen. Besonders in der EU-Aussenpolitik. War Estland 1992 noch mit Selbstfindung beschäftigt, das Foto zeigt den Estnischen Präsidenten Lennart Meri mit der bis dahin "tödlichsten Waffe" des Landes, so nimmt das kleine Land nun Einfluß auf die Entscheidungen der Europäer. Es geht um nichts anderes als das Verhalten zu Weißrussland, es geht um Demokratie oder Wegducken vor den Ereignissen in Minsk.

Belarusnews.de 17.02.2006
Vor der Wahl in vier Wochen aber scheint Bewegung in die europäische Weißrussland-Politik gekommen zu sein. Befeuert von den osteuropäischen Neulingen wie Polen und den Baltenstaaten beschäftigt sich die EU nun deutlich intensiver mit seinem ungeliebten Nachbarn. ¸¸Den weißrussischen Nichtregierungsorganisationen müssen wir mehr Aufmerksamkeit schenken, sagt etwa Estlands Außenminister Urmas Paet, ¸¸denn sie binden jene Menschen ein, die etwas verändern wollen. Über die Stiftung Open Estonia Foundation unterstützt Estland zivile Organisationen in Weißrussland, hilft Journalisten und schickt 14 eigene Beobachter zur Wahl.

Noch nie hat es im Europaparlament derart viele Debatten über Weißrussland gegeben. Vor zwei Wochen sprach sogar der Herausforderer Lukaschenkos, Alexander Milinkiewitsch, vor den Abgeordneten und ließ sich anschließend die Hilfe der EU zusagen. Die EU-Kommission fördert westliche Radioprogramme, mit denen die Menschen im Lukaschenko-Land mit unabhängigen Informationen versorgt werden sollen. Sogar mit einer Ausweitung der Sanktionen wie dem Einfrieren von Vermögen droht Brüssel, falls die Abstimmung im März gefälscht werde. Und erst im September hatte die Europäische Union Einreiseverbote für jene Weißrussen verlängert, die in eine Affäre um das Verschwinden von Oppositionellen verstrickt sind.


Hier setzt sich fort,was bei der Orangenen Revolution in der Ukraine schon einmal stattgefunden hat: die sogenannte "Einmischung" der neuen EU-Länder in die "inneren Angelegenheiten" der Nachbarstaaten.
Oder anders formuliert, die Unterstützung der Opposition, auf deren Wunsch hin. Von wo sonst sollte diese Hilfe auch kommen?
Hier ein estnischer Politiker, der in seinem Blog Weißrussland als Hauptthema behandelt: Silver Meikar, er hat die letzten Tage in Minsk verbracht. Larko berichtet darüber.

Montag, März 20, 2006

Reich werden in Estland

Wie geht das? Man sollte Teilinhaber einer expandierenden Softwarefirma werden. Wie bei der Firma Skype, die in der Spitze schwedisch dominiert ist aber bei der die Software in Tallinn entwickelt wird. So ist es auch bei Playtech. Die Entwickler sitzen in Tallinn, und die Firma ist an die Börse gegangen. Und das erfolgreich mit einer sogenannten IPO in London. Ein Este besitzt jetzt bei heutigem Stand 35 Millionen Euro. Jüri Kaljundi berichtet darüber, hier.

Zwei Freunde

Jaan Kross, der bekannteste Schriftsteller Estlands und Freund Lennart Meris wird offiziell eine Erinnerungsrede am 26. März für den verstorbenen Präsidenten (1992-2001) halten.
Beide verband die Sorge um das Weiterbestehen Estlands, seiner Kultur und Sprache. Beide waren in der Sowjetzeit in den Osten der Union verbannt.
Wie skeptisch wir im Westen vor über 15 Jahren noch gegenüber der Zukunft eines unabhängigen Estlands waren, zeigt ein Interview der FAZ. Dort wurde folgende Frage an Jaan Kross gestellt:

FAZ: Geben zwanzig Jahre Unabhängigkeit (1920-1940) die Garantie dafür, daß das Baltikum politisch, ökonomisch und kulturell im internationalen Wettbewerb bestehen kann?

Kross: Die Frage zwingt mich zu einer Gegenfrage. Gehen wir einmal davon aus, daß ein halbes Jahrhundert im Leben eines Volkes nicht viel mehr ist als ein halbes Jahr im Leben eines Menschen. Und nehmen wir einmal an, ein Durchschnittsbürger hat vor fünf, sechs Monaten duch einen Schlag vor die Stirn das Bewußtsein verloren. Nun beugen sich die Ärzte über ihn und kratzen sich nachdenklich am Kopf. Lohnt es sich, ihn zu erwecken? Denn wer oder was garantiert, daß er nach fünf Monaten des Scheintodes seine frühere Tüchtigkeit wiedergewinnt?


Anders als Lennart Meri, der vor seiner Politikerkarriere Schriftsteller, Historiker und Filmemacher war, erging es Kross folgendermaßen:

Rheinischer Merkur (1997)
Jaan Kross begann schon in den achtziger Jahren, seine selbsterlebte Deportation literarisch aufzuarbeiten, nicht nur in dem auf deutsch erschienen Erzählband "Die Verschwörung". Wohl auch vor diesem Hintergrund beschloß er, kurzzeitig im neuen estnischen Parlament mitzuarbeiten. "Aber da bin ich dann auch mit Neumeilenstiefeln herausgestürmt", witzelt er. Seine Neugierde hatte er befriedigt, der Sache Estlands könne er mehr von seinem Schreibtisch aus helfen.

Donnerstag, März 16, 2006

Zwei Nachbetrachtungen zu Lennart Meri

Ein Amerikaner beschreibt seine Gedanken und persönlichen Erinnerungen an den ehemaligen Präsidenten Estlands: Ross Mayfield, ein junger Berater damals mitte der 90er jetzt in Palo Alto lebend, USA.
Radio Free Europe berichtet über eine Legende gewordene Szene bei George Bush vor über 15 Jahren.

Dienstag, März 14, 2006

Mehr über Lennart Georg Meri

Weitere Nachbetrachtungen, erste Reaktionen aus der Bloggerszene zu Lennart Meri sind zu lesen bei
- Paul Goble / englisch (Death of a Statesman)
- Lauretta Blogger / estnisch
- Hello Estonia / englisch (zwei Beiträge: Leader of Independence Movement, und "Wednesday is a day of mourning")
- Vilhelm Konnanders Weblog / englisch (Lennart Meri dead)
- Online Kondolenz-Buch / estnisch
- Jaanus on the Internet / englisch
- Aet aus Estland / estnisch (Hüvasti, Härra President)
- Feuilles d'automne / französisch (Lennart Meri est mort)
- kurvakujuryytel Blogger / estnisch (nädal poliitikas)
- Paranka / estnisch (Kurb)
- Pia Kusik / englisch (Sad day for Estonians)
- Mats Hilli, Vasa, Finnland / schwedisch (Lennart Meri dog inatt)
- Moi, Estland / englisch (He passed away at the Estonian Language day...)
- Cicero, London / englisch
- Fotos von Jens-Olaf zu Lennart Meri

und sonst noch:
- Kurzbiographie zu Lennart Meri, verfasst vom estnischen Aussenministerium (englisch)
- Beileidsschreiben von Bundeskanzlerin Angela Merkel
- Nachruf der FRANKFURTER RUNDSCHAU Online
- Infotext des MDR Fernsehens

Wir haben einen großen Europäer verloren - Lennart Meri


So spontan und unberechenbar konnte Lennart Meri auftreten. Palastwache vor der Residenz Kadriorg in Tallinn
Foto: Meie Lennart, Tänapäev Verlag 2000








Estonian President Lennart Meri
Originally uploaded by Jens-Olaf.
Lennart Meri, Estlands Präsident von 1992-2001, ist gestorben. Er war ein europäischer Politiker, der wie nur wenige verstand, auch über den eigenen nationalen Horizont zu blicken. Fast bei jedem Staatsbesuch oder bei seinen zahllosen im Ausland gehaltenen Reden konnte er Verbindungen zwischen Estland und dem Gastgeber entdecken. Hinzu kam, dass er öffentlich auf Französich, Deutsch, Englisch, Russisch, Finnisch und anderen Sprachen in Interviews Antwort geben konnte.

Hier der Präsident bei der Wiedereröffnung der estnischen Botschaft in Berlin 2001. (pdf Datei)
Hier eine Rezension, der in Interview-Form gehaltenen und einzigen auf deutsch erschienen Biografie über Lennart Meri.



Und Meri beim Pro Baltica Forum in Hamburg.














Der Präsident in Berlin, hier beim Besuch seiner Grundschule, in der Nähe der estnischen Botschaft, wo sein Vater für einige Jahre als Legationsrat tätig war.



Bereits während der Sowjetzeit ging er an die Grenzen aller Möglichkeiten, um ein unabhängiges Leben führen zu können. Ein riskantes Unterfangen. Hier auf einer Expedition nach Ostsibirien.

Mittwoch, März 01, 2006

Post-sowjetisches Tallinn 1992 und 2003


Post Soviet Tallinn 1992
Originally uploaded by Jens-Olaf.
Zwei stellvertretende Fotos. Das erste zeigt weder alt noch neu, sondern typische Sowjetatmosphäre im Jahr 1 nach Wiedererlangung der Unabhängigkeit. Links in den blinden Fenstern sind Löcher.Sie bedeuten: Ungebetenen Besuchern wird nicht geöffnet.

Das zweite Foto bedeutet alt UND neu, aber auf eine etwas andere Art. Nun kann man die Entwicklung zur Kommerzialisierung bedauern. Das Gebäude im Hintergrund gehört einer Bank. Es ist eines der Hochhäuser, die allmählich die Altstadt Tallinns einrahmen. Aber bitte nicht von den schönen Zeiten vorher schwärmen.

Montag, Februar 27, 2006

Olympische Nachlese - von Claudsch bis zur nicht mehr aktiven Karin

Die Medaillen sind verteilt - das Wintersportland Estland hat einigen Neid hinterlassen bei seinen nordischen Nachbarn. Die drei Goldmedaillen von Smigun und Veerpalu ließen den estnischen Verband in der Statistik vor den finnischen Nachbarn, und sogar vor den erfolgsverwöhnten Norwegern landen - beide mit mehr Medaillenausbeute, aber die Norweger nur mit zwei goldenen und die Finnen ohne einen Platz auf dem obersten Siegerpodest.

Und was bewegt die Deutschen? Offensichtlich
zunächst deutsch-estnische verwandtschaftliche Beziehungen. Sehr einfach waren diese gar nicht mal zu verstehen. "Der Zwillingsbruder meines norwegischen Mannes Trond ist der Mann der inzwischen nicht mehr aktiven Katrin, die ich schon aus gemeinsamen Junioren-Wettkämpfen kenne." - so gibt zum Beispiel die FINANCIAL TIMES DEUTSCHLAND Äusserungen der Langläuferin Claudia Künzel wieder. Dass diese Claudia eigentlich "Claudsch" gerufen wird, das weiß sogar die NEUE PRESSE TENERIFFA, aber wie war das gleich? Wer ist hier der Zwilling von wem?

Clautsch (so die Schreibweise der
WM-Zeitung 2005 in Oberstdorf) wollte ja eigentlich Grafik-Design studieren, und wurde dann zu einer der gegenwärtig stärksten deutschen Skilangläuferin. Aber wie kommt nun die Verwandschaft mit Estland zustande? Lesen wir mal in der Berliner Morgenpost nach: "Kristinas Schwester hat ein Kind von dem Bruder meines Mannes bekommen," steht dort zu lesen, und es folgt die Feststellung: "Glückliche Langlauf-Branche."

Wer nun aufzulösen weiß, dass mit "Kristina" natürlich Frau Langläuferin und Olympiasiegerin Smigun gemeint ist, der ist schon einen Schritt weiter.
Und der Bruder des Mannes von Frau Künzel hat nun auch nichts Ungewöhnliches gemacht, sondern ist mit Schwester Smigun ganz normal verheiratet. So kann denn auch die FAZ nach dem abschließenden Olympia-Langlaufrennen vom "Tanten-Doppel" titeln. "Smiguns jüngere Schwester Katrin brachte Tochter Kristin Helena zur Welt", jubeln hier auch deutsche Leser mit, "und das am 29. Geburtstag der Olympiasiegerin in der Doppelverfolgung und über 10 Kilometer" (womit nun wieder Kristina gemeint ist - ein wenig sportinteressiert muß man für solche Beiträge schon sein!).

Angeblich sollen nun die estnischen Geburtshelfer von Katrin das Baby bewußt am 29. Geburtstag der dreifachen Gold-Schwester zur Welt gebracht haben .... und den estnischen Nationalfeiertag schnöde übergangen haben (das wäre einen Tag später - der 24.2.). Ist das einer Estin würdig?


Claudia Künzel selbst, die "Künstlerseele in der Loipe" (eigene Homepage), klärt über ihre eigenen Familienplanungen bei XC-SKI auf: "Mein Mann hat glücklicherweise ein sehr großes Vorstellungsvermögen und glänzt oft mit phantastischen Ideen. So kam es nicht umhin, dass wir auch über unsere Planung nachgedacht haben, aber zurzeit üben wir bloß."

So, so, Claudia, wir üben noch.
Der estnische Präsident Arnold Rüütel wird sowohl Smigun wie auch Veerpalu einen der höchsten estnischen Staatsorden verleihen, wie das Präsidentenbüro verlauten läßt. Die estnische Post gibt Sondermarken und -postkarten heraus. Smiguns Sponsoren hoffen auf mehr. Ist Kristina eigentlich verheiratet?.Egal! Claudia übt noch - aber fühlt sich schon mal verwandt.

Samstag, Februar 25, 2006

Bloggen über Estland

Wer hat eigentlich damit angefangen? Schwer zu sagen. Aber einer der ersten war Scott Abel. Ein Amerikaner, der an einem kleinen Medieninstitut in Tallinn doziert. Sein erster Eintrag geht bereits auf das Jahr 2002 (!) zurück, als noch kaum jemand etwas vom Bloggen wusste. Vor allem in Deutschland noch nicht. Sein erster Post im balticblog vom 29.12.2002 begann so:
Welcome to Baltic Blog
TALLINN -- I'm Scott Abel, a media professor at Concordia International University Estonia, a small private college on the outskirts of Tallinn, Estonia. Tallinn is a former Hanza League trading city and capital of Estonia, which is about 50 or so kilometers south of Helsinki across the Gulf of Finland.
I spent six months in Estonia in 2001 and planned to come back at the start of 2002, but September 11th and the war in Afghanistan derailed my return until August. Concordia has an eclectic mix of students from the Baltic States of Estonia, Latvia, and Lithuania, as well as students from Scandinavia, southeastern European countries such as Ukraine, with some Chinese students thrown into the mix. The local students always seem surprised than an American would return to the Baltics a second time instead of taking advantage of what they see as greater opportunities in the States and elsewhere. Their eyes tend to pop out on stalks when I tell them my main reason for coming back: it's an exciting time to be here.


Er spricht auch von seinen Studenten. Und die hat er in den folgenden Jahren auf den Weg in die Blogosphäre geschickt. Darunter Dace und Elli mit ihren englischsprachigen Blogs 'Estonia: Through the eyes of a Latvian' und 'SadEst!. Elli haben wir bereits vorgestellt und beide werden ihre Blogs weiterführen. Jeweils ein Semester mussten sie sich ein Thema wählen und regelmäßig für Blogeinträge sorgen. Dace hat durchblicken lassen, dass ihr Prof zufrieden sei und besonders darüber dass sie das Projekt auch über die Mindestleistungen für das Studium weiterführen wollen.
Im englischsprachigen Raum, dazu gehört übrigens auch ganz Europa, haben die Blogs einen hohen Stellenwert innerhalb der Medienszene erreicht. Einer der Unterschiede zu den alten Medien ist: Es wird fortlaufend aus einem bestimmten Bereich oder Land berichtet und nicht nur wenn es die alten Leitmedien wollen, wie das Fernsehen, Rundfunk oder die Presse. Von der Vernetzung ganz zu schweigen. Die Möglichkeiten für Osteuropa sind hier noch lange nicht ausgeschöpft. Und wer noch mehr über die Entwicklung der Blogosphäre im Allgemeinen lesen will, der ist hier gut bedient. Obwohl ich nicht immer die gleiche Meinung, wie dort vertreten, teile.

Samstag, Februar 18, 2006

Olympische Spiele - aber wo liegt Estland?

Diese Frage lässt sich mittlererweile einfacher beantworten, da das estnische Team in Turin bereits drei Goldmedallien gewonnen hat. Als Beschreibung Estlands taucht nun häufiger der Begriff Ostseerepublik auf. Das ist schon recht genau. Im vorigen Post hat unser Teamblogger estland darauf hingewiesen, dass der Begriff Baltikum stattdessen zum Aussterben verurteilt sei und die drei darunter versammelten Länder heutzutage eher direkt adressiert werden: Also Litauen, Lettland und Estland. Ein Tendenz, die gerade bei der geschichtlich unbelasteten jüngeren Generation anzutreffen ist.
Ja, es gibt Verschiebungen in der Wahrnehmung. AFP nennt in seinen Nachrichten Estland - ein Baltischer Staat nahe Finnland. Sowas ist neu, passt aber zur Selbstdefinition Estlands als nordisches Land. Skandinavien ginge wohl auch zu weit hier.
Aber wie war die Ausgangslage vor über 10 Jahren? Hier ein Kommentar von 1994, Olympische Spiele in Lillehammer:
The Baltic Independent March 1994, Lisa Clifford in Lillehammer (Norway) reports:
...
'But Bob stayed with me. He scanned the media pass around my neck and enquired about The Baltic Independent.
"It´s based in Estonia," I said. A blank look came over Bob's chubby face.
"Where?"
"Estonia," I persisted. Perhaps a geographical locator would help clear his mind."In the Baltics. Estonia."
Bob smiled, the mystery solved: " So you're from Down Under, mate. I couldn't place the accent. It must be cold for you here."

Down Under ist das Synonym für Australien.

Und was noch bemerkenswert ist: Sport ist die größte emotionale Klammer zwischen Litauen, Lettland und Estland wie mir scheint. Gegenseitig werden Gratulationen wegen der Erfolge bei den Spielen in Turin in den Internetforen ausgetauscht,tausendfach die Daumen gedrückt, "cross my fingers", und überhaupt sich gegenseitig unterstützt. Bei der Politik sieht das dann später wieder ganz nüchtern aus.

Donnerstag, Februar 16, 2006

Richtige Antworten auf falsche Fragen ... neue Mythen vom "Baltikum"

Wo bitte liegt das Baltikum? Vielen mag diese Frage nur aufkommen, wenn mal wieder die Wetterkarte der Ostseeregion gezeigt wird. Wer aber heute noch losgeht, und scheinbar wissenschaftliche Untersuchungen ausschließlich auf dieses "Scheinwissen" um die angebliche Identität eines "Baltikum" fußt, der ist wohl selbst Schuld. Eine derartige Vorgehensweise findet sich in einem Bericht einer gewissen Kathrin Fielenbach, der Mitte Februar 2006 auf der Internetseite der Deutschen Botschaft in Tallinn zu lesen war.

Warum nach "Baltikum" suchen, wenn man Estland, Lettland und Litauen finden kann?
Einiges der im Bericht von Frau Fielenbach dargestellten Ergebnisse läßt überraschen: allerdings nicht wegen der Ergebnisse, sondern wegen der merkwürdigen Fragen. "Was weißt Du über's Baltikum?" Mit dieser Frage überfiel Fielenbach ihre Freunde und Bekannten, und berichtet erstaunt, dass diese erst dann Kenntnisse hervorkramten, als die Bezeichnungen der Länder (also Estland, Lettland, Litauen) hinzugefügt wurden. Aber wen wundert das, und wen erfreut es? Die alten Deutschbalten mag es enttäuschen, die immer noch ganze Vortragsreisen unter dem Motto "Die Deutschen und das Baltikum" gestalten. Die junge Generation, die als erste deutsche Generation seit Jahrhunderten (!) endlich mal zu lernen die Chance hat, dass dort in der Region eben Esten, Letten und Litauer wohnen, wohl eher nicht.
Selbst wenn mit "Baltikum" die Besinnung auf alte Traditionen gemeint sein sollte, dann sind alle drei Länder eben doch sehr unterschiedlich, und Litauen hatte zum Beispiel gar keine Dominierung durch eine deutsche Oberschicht. Und auch die Esten werden wohl die ersten sein, die sich lieber als "nordisch" denn als "baltisch" bezeichnen, und somit vom "Baltikum" überhaupt nicht mehr reden werden.

Vermittlung veralteter Perspektiven? Oder die "deutsche Brille" nicht abgesetzt?
Es ist ganz allein der schlechten Berichterstattung und Kulturvermittlung estnischer, lettischer und litauischer Perspektiven durch Deutsche in Deutschland zu "verdanken", dass diese eigene Perspektive der Esten, Letten und Litauer so schlecht vermittelt wird!

Frau Fielenbach reiht sich da ein. Unfreiwillig? Angeblich konnte keiner der Befragten die "baltischen Hauptstädte" nennen. Zitat Fielenbach: "
Die beiden anderen baltischen Hauptstädte, Reval (Estland) und Wilna (Litauen), nannte mir hingegen nur mein Freund, der sich aber auch liebend gern mit Landkarten beschäftigt und somit nicht ganz repräsentativ ist." Liebe Frau Fielenbach: Haben Sie tatsächlich Deutsche nach "Reval" befragt, ohne zu erklären dass Tallinn gemeint ist? Und warum benennen Sie Vilnius mit seiner polnischen Bezeichnung? Und welche Art Landkarten hat Ihr Freund da wohl zu Rate gezogen?

Da müssen wir uns doch Sorgen um solche "Kulturvermittler" machen! Warum steht so etwas auf den Internetseiten der Deutschen Botschaft, und nicht im Lehrbuch: "Wie Sie garantiert Mißverständnisse erzeugen?"
Immerhin stellt auch Frau Fielenbach noch fest, dass "die
baltischen Staaten ... sich auf dem Weg zur EU-Osterweiterung stark gewandelt" haben. Ein Schüler, der gerade frisch die Länder im Erdkundeunterricht durchgenommen hatte, konnte ihr dann doch Antworten geben. Aber - aufgepaßt, Frau Fielenbach - wovon sprach dieser Schüler die ganze Zeit? Von Litauen! (vergessen Sie also besser das "Baltikum" und die damit verbundenen Mythen ...)

Wo kommen solche Mißverständnisse her?
Über Frau Fielenbach und ihre möglichen eigenen "Baltikum"-Erfahrungen ist leider wenig bekannt. Im Internet läßt sich lediglich nachlesen, dass sie sich im Jahr 2000 in Griechenland aufgehalten hat, im Zusammenhang mit der Arbeit eines "Instituts für angewandte Pädagogik" in Apolda. Als "Auftraggeber" ihrer Befragung steht die "Internationalen Medienhilfe", die im praktischen Sinne leider sehr wenigen Medien "hilft", mit einer Ausnahme: für Publikationen deutscher Minderheiten im Ausland. So kommt zum Beispiel die Unterstützung der "Baltischen Rundschau" zustande, deren Mitarbeiter- und Trägerkreis sich weitgehend aus Kreisen deutscher Minderheitengruppen in Litauen rekrutiert.

Leider ist die Vermittlung von estnischen, lettischen und litauischen Perspektiven in Deutschland äußerst schwach ausgeprägt. VHS-Veranstaltungen, im Schnellverfahren von Honorarkräften kurzfristig angeboten, helfen da ebenso wenig wie private Diavorträge im Vereinsrahmen. Gute Bildungsangebote, die sich der normal verdienende (und immer mehr von Arbeitslosigkeit bedrohte) Deutsche leisten kann, gibt es kaum. Studentische Projekte bleiben meist im universtitären Elfenbeinturm, oder man plaziert entsprechende Veranstaltungen viel zu oft ins Hauptstadt-Berlin, wo dann (wegen der Vielzahl des gesamten Angebots dort) nur 5 bis 10 Besucher erscheinen.
Die Landeszentrale für politische Bildung in Bremen antwortete vor kurzem auf ein Angebot, Veranstaltungen zu Estland, Lettland und Litauen in Kooperation zu veranstalten, sinngemäß so: "Aufgrund unserer schwierigen Haushaltslage können wir nichts machen, was Geld kostet." ("Haushaltstopp" nennt sich das in der "Fachsprache")

Ja, woher soll denn dann das steigende Bewußtsein für ein gemeinsames Europa kommen?

Montag, Februar 13, 2006

Goldenes Olympiamärchen

Ein paar Sätze dürfen wir ja noch verlieren zum estnischen Erfolgstag. Nach 26 estnischen Meisterschaften, etlichen Weltcupsiegen und Weltmeister- schaftsmedaillen jetzt also noch der erste Olympiasieg bei den Winterspielen 2006 für Estland!
Es war das erste Olympiagold für eine estnische Frau überhaupt. Einige Konkurrenten zeigten sich am Tage der Entscheidung nicht ganz topfit: die favorisierte Norwegerin Margit Björgen ebenso nicht wie die deutsche Hoffnung Claudia Künzel. Dazu überraschen uns deutsche Medien mit familiären Kenntnissen: Der Zwillingsbruder von Künzels Mann soll, wie es die FAZ weiß, mit der Schwester von Kristina Smigun liiert sein. "Wenigstens bleibt der Sieg in der Familie", soll Künzel laut FAZ geäußert haben.

Auch andere zeigen schnelle Reaktion: die estnische wie auch die deutsche Fassung der Wikipeda Seite zu Smigun wurde schon wenige Stunden nach ihren Olympiasieg nachgebessert und aktualisiert, und bei Ebay stehen bereits "Autogramme der Olympiasiegerin 2006" zur Versteigerung.

Kristina Smigun feiert am 23.Februar ihren 29. Geburtstag. Sie war mehrfach Estlands Sportlerin des Jahres, ist geboren in Tartu und lebt heute in Estlands Winterhochburg Otepää.

"Estland hat eine neue Nationalheldin", schreibt der österreichische KURIER zurecht. Die Esten wussten das schon seit langem: "Smigun, die Schneekönigin" so wirbt das estnische Außenministerium mit der sportlichen Imageträgerin.

Sonntag, Februar 12, 2006

Tubli - estnisches Wort des Tages

Warum?
Deswegen (aus www.delfi.ee):
Super !, 12.02.2006 11:46
Super! Tubli!
m, 12.02.2006 11:46
juhuuuuuuuuu!!!!! jessssssss!!!!!!!
:D
allboxing.ru, 12.02.2006 11:46
TUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUUBLI KIKU !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
!!!!!!!!!!!!
Horse, karifs@inbox.lv, 12.02.2006 11:46
Congratulations from Latvia!!!

Das ist ein Ausschnitt aus dem Kommentarbereich des Nachrichtenportals Delfi.
Kristina Smigun hat eine Goldmedaille bei den Olympischen Winterspielen für Estland gewonnen, im Skilanglauf 15 km.
Tubli wird heute das meistbenutzte Wort sein, wenn es um diesen Erfolg geht und bedeutet: Gut! Großartig!
Wer etwas von der estnischen Begeisterung für den Wintersport mitbekommen möchte , hier bei ETV, die Videoklipid-leiste suchen und 'Kristina Smiguni kuldne finis' anklicken.
Gestern gab es einen Hellseher im Eurosport Forum mit seiner Vorhersage:
So all estonians hope,she has some luck going her way in these olympics.
p.s. i think the winner in the 7,5+7,5 km will be kristina smigun naturally with neumanova being second and scott in third....
KEEP UP THE GOOD WORK IN EUROSPORT AND TRY TO TALK MORE ABOUT THE LESSER NATIONS LIKE ESTONIA!!!
Rain from Tallinn

Donnerstag, Februar 09, 2006

Finnen in Tallinn: Jagd nach Alkohol, Süßigkeiten, Zigaretten?

Finnische Tagestouristen waren schon seit Jahren die eifrigsten Tallinn-Besucher: schon zu Zeiten der Sowjetunion war eine Tagestour von Helsinki hinüber in die nur 80km entfernte estnische Hauptstadt attraktiv. Nach 1991 fielen alle Hemmungen: Billiger Wodka, ja sogar die im Nachbarland Estland günstiger erhältlichen einheimischen finnischen Produkte waren Objekte der Kauflust. Auf den vielen Fährschiffen zwischen Helsinki und Tallinn waren 90% finnische Touristen keine Seltenheit. Das hatte sogar Steuererleichterungen in Finnland zur Folge, um die neue Mobilität der Konsumenten etwas zu bremsen.
Nun hat das estnische Statistikinstitut EMOR die Kauflust der Finnen in Tallinn einmal genauer untersucht. Die Untersuchung wurde im Dezember 2004 durchgeführt, also zu einer Jahreszeit, in der zudem viele noch auf der Suche nach Geschenken für die Lieben daheim unterwegs sind. Eine Befragung unter 500 finnischen Gästen ergab, dass die Mehrheit von 67% so etwa ein bis zweimal im halben Jahr zu einem Kurzeinkauf nach Tallinn aufbrechen. Nur 2% der Befragten waren zum erstem mal da. 78% der Gäste kaufen Alkohol, je 40% gaben Kleidung oder Süßigkeiten als bevorzugte Waren an, 39& Tabak oder Zigaretten und 23% sogar medizinische Artikel oder Optikwaren.
Inzwischen führen die Esten diese Marktuntersuchung zweimal pro Jahr durch.

Auch ohne offizielle Umfragen bilden sich andere Gäste in Tallinn ihre Meinung zu den Finnen. Da erzählt Ina in ihrem Tallinn-Blog, gerade in der Oper seien Finnen häufig anzutreffen - was ihr angeblich kulturloses Gehabe vielleicht etwas aufwertet?
Studenten des Geografischen Instituts der Uni Kiel hingegen bestätigen in ihrem Projektbericht, dass finnische Touristen überwiegend aus "konsumorientierten Motiven" nach Tallinn kommen. Nun gut, auch ein preisgünstiger Opernbesuch mag ja "konsumorientiert" sein. Genau dieselbe Fomuulierung verwendet ein Architekturstudent in seinem "New Towns" Blog (dieselben Quellen?).

Der "FALTER", eine Zeitschrift aus dem österreichischen Alpenlande, formulierte 2003 im Abschnitt "die liebe Familie": "Devisen bringen jedes Wochenende finnische Touristen, die sich mit billigem estnischen Fusel besaufen." (hier war wohl eher die plastische Ausdrucksweise gefragt...)

Eine Serviceseite der POSTBANK zitiert einen Beitrag des Manager-Magazins zu Estland mit der Headline: "Land, Leute und finnische Touristen." Nun, stören sie denn nun, die Finnen? Der Verfasser dieses Beitrags glänzt zunächst mal nicht mit tollen Aussagen: "Im Süden hat Lettland eine weitgehend trockene Grenze zu Lettland." (vielleicht doch selbst vom Fusel genascht? Und was meint er genau mit "trocken"?) Zitiert wird dann aber der Reiseführer aus der Marco-Polo Reihe mit der Aussage: "Finnen sind in Estland selten nüchtern anzutreffen." Na, da haben wir es ja wieder. Es folgen aber Steuertricks für Investoren in estnische Kapitalgesellschaften - das funktioniert scheinbar auch im lockeren Plauderton.


Esten sind unfreundlich, eigensinnig, und ohne Ideale - so beschreibt es die Deutsche Pferdeliebhaberin Ute Wohlrab auf ihrer Internetseite. Eine weiter ungenannt bleibende "Sandra" pflichtet ihr bei: "ohne Auslandsinvestoren und finnische Touristen würde hier gar nichts passieren." Na, da wird den angeblich so haltlosen Säufern doch mal ein Denkmal gesetzt! (ob Sandra ebenfalls in Estland lebt, wird leider nicht verraten)

Schließlich bietet uns noch "Alex auf Weltreise" ein akutelles Foto, aufgenommen kurz nach dem Beitritt Estlands zur EU, untertitelt mit "estnische und finnische Touristen". Na, können Sie erkennen, wer da mehr torkelt? (siehe Foto oben)

Liebe Leserinnen und Leser: und was machen eigentlich die deutschen Touristen so in Tallinn?

Nachtrag zu den Reisenotizen aus Estland


Peter bemerkt in seinem Weblog Ich bin Papst:

"War mal im Museum der estnischen Geschichte, und habe ein bisschen besser verstanden, was die Esten ueberhaupt sind - ein kleines Voelkchen, dass kaum einmal einen eigenen Staat hatte, sondern seine Erfahrungen mit Deutschen und Russen sammelte. Neulich habe ich mit meinem Petersburger Geschichtslehrer noch eine Diskussion darueber gefuehrt, ob die estnische Staatengruendung nicht eigentlich etwas voellig Kuenstliches sei. Er meinte, dass es dabei allein um die Machtinteressen der lokalen Eliten gegangen sei. Das sehe ich nicht so."


Die Vergangenheit veblasst. Dass einmal die Deutschen über den längeren Zeitraum das Sagen hatten in Estland, gehört anscheinend nicht mehr zum Allgemeinwissen.
Aber in Estland ist man sich dieser Zeit immer noch bewusst. Hier ein Foto und ein Ausschnitt daraus, von der deutschen Ordensritterburg in Rakvere (Sommer 2003). Das Ziel des Bogenschützen im Foto-Detail, ein Ordensritter.

Sonntag, Februar 05, 2006

Auf Durchreise von St.Petersburg über Tallinn

Hier ein seltener Perspektivenwechsel. Als Deutscher, der zum ersten Mal von Russland aus nach Estland kommt, für einen Zwischenstopp. Die Eindrücke zusammengefasst in diesem Post bei "Ich bin Papst".

Mittwoch, Februar 01, 2006

Herderpreis zum letzten Mal - 2006 auch an eine Estin

Fünf süd- und osteuropäische KünstlerInnen und WissenschafterInnen erhalten die von der Alfred-Toepfer-Stiftung F.V.S. (Hamburg) gestifteten Herder-Preise 2006, darunter auch die estnische Schriftstellerin Ene Mihkelson.

Wie die Stiftung mitteilte, geht die jeweils mit 15 000 Euro dotierte Auszeichnungen an Personen, die einen besonderen Beitrag zur europäischen Kulturlandschaft geleistet haben (Schwäbische Zeitung). Überreicht werden die Preise am 6. Mai an der Universität Wien.

Mit dem Preis ist auch ein Stipendium für ein Studienjahr an einer Wiener Universität verbunden, das auf Vorschlag jedes Preisträgers einer begabten Nachwuchskraft aus dem gleichen Land zuerkannt wird.

Die Alfred-Töpfer-Stiftung schreibt zur Person Ene Mihkelson: "ihr poetisches Programm – „Schreiben ist die Wunde am weißen Körper aus Papier“ – ist von schmerzhafter Intensität und stellt sich den katastrophischen Ereignissen des 20. Jahrhunderts ebenso wie den Herausforderungen der Zukunft."

Die 1944 in Imavere geborene Ene Mihkelson studierte Literatur an der Universität Tartu, arbeitete dann kurzeitig als Lehrerin, danach als Wissenschaftlerin im estnischen Literaturmuseum. Die größte Zeit ihres Lebens, so drückt es das estnische Institut aus, verbrachte Mihkelson aber als freie Autiorin in Tartu. Bisher veröffentlichte sie 9 Gedichtbände und vier Romane, darunter „Die Pein des Namens" (1995), und einen Erzählband „Des Todes Geburtstag" (1996). Auf Deutsch sind ausgewählte Gedichte in dem Band „Das Leben ist noch neu. Zehn estnische Autoren" (1992) erschienen.

Auf Grund einer "Neustrukturierung des Stiftungsprogramms" werden die Herder-Preise in diesem Jahr zum letzten Mal vergeben.