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Montag, November 06, 2006

Das Grenzabkommen


Mit wem wohl? Mit der Russischen Förderation. Ist diese auch wirklich eine? Ach egal, es geht um diesen Kompromiss: Titel eines Buches von 1996. Zehn Jahre sind vergangen "auf der Suche nach einem würdigen Kompromiss". Der Grenzvertrag war letztes Jahr fertig, aber die Esten konnten sich nicht verkneifen auf 1920 hinzuweisen. Sie haben in ihrer Version auf den Friedensvertrag von 1920 verwiesen, in dem die UDSSR auf ewig die Estnische Republik anerkannte. Ewig bedeutet heutzutage nicht viel. Fast nur eine Menschengeneration und alles ist wieder in Frage gestellt. Das gegenwärtige Problem: Estland war früher (zwischen 1920 und 1940) größer. Es gehörten auch Orte und Landstriche jenseits der heutigen Grenze hinzu. Russland unterstellt, dass mit der Anerkennung von 1920 auch die jetzige Grenze in Frage gestellt werden könnte. Da gibt es ein Kommunikationsproblem. Estland möchte endlich anerkannt werden, ganz, ohne wenn und aber. Und ohne 1920 gäbe es kein unabhängiges Estland. Das erste Mal übrigens seit 700 Jahren Fremdherrschaft. Die Russen feiern ja auch ihre Befreiung von den Tartarentributen. Oder hat die Mongolei noch Ansprüche heutzutage an Rußland?
Egal, als selbstreklamierte Großmacht stellt Russland weitere Forderungen: Respektierung der Minderheitenrechte. Nein, Einhaltung der Menschenrechte gegenüber den Minderheiten. Aber das ist absurd. Die Mehrheit der Minderheit besitzt mittlererweile einen estnischen Pass: Während in Estland ALLE russischsprachigen Kinder weitestgehend in russchischsprachige Schulen gehen, auch wenn die MEHRHEIT dieser Minderheit den estnischen Pass besitzt, sieht es in Russland ganz anders aus. Ein Blick auf die Situation der finno-ugrischen Minderheiten genügt. Muttersprachlicher Unterricht bleibt häufig ein visionärer Wunschtraum in Russland. Eher werden Aktivisten der Minderheiten verfolgt. Dagegen macht Russland Druck auf europäische Institutionen, sich der russischsprachigen Minderheit anzunehmen. Aber was soll erreicht werden? Wenn estnischsprachiger Unterricht an russischen Schulen gefordert wird, so dient das auch der INTEGRATION der Minderheiten. Wie sonst will man einen Job bei der expandierenden Medienbranche in Estland bekommen? Der letzte Post handelt von Nagi und diese neue Fotowebseite ist nur auf estnisch zu bedienen. Mit exzellenten Russischkenntnissen auch?
Hier ein Beispiel aus den Berichten des Europarats, auf die sich die offizielle Kritik Russlands bezieht:
An increasing number of parents belonging to national minorities have requested that their children be enrolled in regular Estonian-medium pre-schools and schools. The Advisory Committee considers that introducing classes with pupils from both majority and minority communities can be a valuable way not only to improve the pupils’ language skills but also to promote intercultural dialogue, provided the required specific pedagogical skills and tools and careful planning are ensured. There is a need to consider ways to further initiatives of this nature. This may need to involve changes in the current regulatory framework, which provides inter alia that, in order to enrol pupils in a school, they must have the sufficient proficiency in the language of instruction of the school concerned.


Images: Edgar Mattisen, Searching for a dignified compromise, Ilu Print, Tallinn, 1996. ISBN 9985-57-114-2

Freitag, September 08, 2006

Politik alter Schule



Estland und Russland haben keinen Grenzvertrag. Seit 1991 nicht. Verhandlungen gab es genug. Jetzt folgt eine nächste Runde:
Russland besteht auf der Fortsetzung der Verhandlungen mit Estland über den Grenzvertrag - in der Befürchtung, dass der in Tallinn ratifizierte Text dieses Dokumentes in Zukunft juristisch für Territorialforderungen an Moskau genutzt werden könnte.

Das teilte der stellvertretende Außenminister Russlands Wladimir Titow der RIA Novosti mit.

"Das Problem besteht darin, dass sie (die Esten) in das Ratifizierungsgesetz Bestimmungen aufgenommen hatten, die aus rein juristischer Sicht die Möglichkeit bieten, gegen uns irgendwelche territoriale Ansprüche zu erheben", sagte der Diplomat.

Ich werde hier nicht wieder die estnische Position ausbreiten. Aber das Ganze sieht wieder nach internationaler Hinterzimmerdiplomatie aus, mit den Medien als Instrument. Denn bald kommt Präsident Bush zu Besuch in das Nato-Land Estland. Giustino hat es schon angekündigt. Amerikaner und Esten werden sehr wohl in der Vorbereitung des Treffens über das russisch-estnische Verhältnis sprechen.
Clinton war der erste Präsident der USA zu Staatsbesuch im Baltikum 1994. In seiner Biografie ' My Life', schreibt er:
On the way, I stopped in Riga, Latvia, to meet the leaders of the Baltic states and celebrate the withdrawl of russian troops from Lithuania and Latvia, a move we helped to speed up by providing large number of housing vouchers for Russian officers who wanted to go home.
Lennart Meri, der estnische Präsident, hatte seinen eigenen Beitrag zum Abzugsbeschluss, indem er angeblich während eines Vodkaduells Boris Jelzin überzeugen konnte. Bush wird nun der erste US-Präsident in Estland sein.

Photo aus'Meie Lennart' Tänapäev 2000

Montag, Juli 04, 2005

Aufregung um Grenzvertrag mit Russland


Putin meint, Estland habe neuerdings wieder Gebietsansprüche an Russland, da die estnischen Parlamentarier in der kürzlich hinzugefügten Präambel des neuen Grenzvertrages auf den Friedensvertrag von 1920 hinweisen. Da gehörte Ivangorod (links) noch zur estnischen Republik. Rechts liegt Narva. Foto ist um 1918 enstanden. Wahrscheinlich während der deutschen Besatzung. Siehe Fotoserie. Posted by Picasa

Ria Novosti:
SVETLOGORSK (Kaliningrad region), July 3 (RIA Novosti) - Russia's decision to revoke its signature on the border agreement with Estonia was right because the reference to the Tartu treaty might entail territorial claims, President Vladimir Putin told a press conference in Svetlogorsk Sunday."We did not denounce the agreement because it had not been ratified. We revoked the signature and did the right thing," Putin said.

"Even if we do not take into account political appraisals of the past, any juridical grounds for territorial claims of one country against another in the modern united Europe are absolutely inadmissible."

Russia and Estonia signed the land and sea border agreement in Moscow on May 18. However, Russia revoked its signature on June 27.


Die Gebietsansprüche sind aber reine russische Interpretationen. Russland fühlt sich als Rechtsnachfolger der Sowjetunion. Spricht man aber Moskau auf deren Verträge an, ist das auf einmal ein ganz andere Geschichte.

Dienstag, Juni 21, 2005

Der Grenzvertrag mit Russland - Das estn. Parlament stimmt zu


Der Grenzvertrag mit Russland ist auf estnischer Seite vom Parlament mehrheitlich abgesegnet worden. Hillar Metsa kommentiert das lakonisch mit: Der Klügere gibt nach. Seine täglichen Zeichnungen können bei epl.ee unter Karikatuur abgerufen werden.
In der Darstellung ist links der Lange Hermann, der große Turm der ehemaligen Ordensburg (Tallinn) und nationales Symbol, dargestellt, rechts der Kreml in Moskau.

Update 22.06., es geht weiter, zu früh die Akte geschlossen, ein Hinweis bei russland.RU :
Russland wird die Klauseln, die das estnische Parlament in den russisch-estnischen Grenzvertrag bei dessen Ratifizierung eingetragen hat, nicht akzeptieren, ist der Vorsitzende des Föderationsrats (Oberhaus des russischen Parlaments), Sergej Mironow, überzeugt.

Posted by Hello

Mittwoch, Mai 18, 2005

Realpolitik

Die Reaktionen in Estland über das Grenzabkommen (vorheriger Blog) sind ziemlich ablehnend. Viele sehen hier Realpolitik am Werk und einige haben ihre Meinung darüber beim lettischen Nachbarn geäußert. Lettland hat immer noch keinen Grenzvertrag mit Russland. Aus dem Internetportal delfi.lv


Estonian, 18.05.2005 13:57
What a shame! I am not proud about our politicians!
I think that Estonian parlamentarians do not dare to ratify it before Latvia has signed the border treaty with Russia. If you succeed to conclude the treaty with Latvian declaration, it is a great success of Latvian diplomacy.
If not, then...

Polls show that more than 60% of Estonian population were against signing the border treaty now.
Estonian politicians are playing their games over our heads. I will ask in written from my MEP, I have chosen, what will be his position when they start to vote in parliament.

Voldis, 18.05.2005 13:58
Estīši var izdarīt, bet letiņi, kā vienmēr nekā. Nu nevajag mums to Abreni. Ja Streipam, kas tur savu vecvecāku māju bildē redzējis vajag,lai brauc un kārto papīrus. Kompensāciju saņems.

!!!, Ainārs, 18.05.2005 13:59
Paldies, paldies!


2 Estonian, 18.05.2005 14:10
It is a shame that your governement signed the treaty deliminating border between two states! You left over 4000 estonian citizens in Russia. Its a shame. Latvian constitution does not allow changes in state territory without referendum of nation.

Andra, 18.05.2005 14:10
Hello,I`m writing from Estonia,our goverment sold our people out and mr.Paet is an idiot.All estonian people think so.If you could see the comments,that are in www.delfi.ee!!!!


Das war die Umfrage von Gallup, die hier erwähnt wurde. Aus den Kommentaren von postimees.ee:

Rahvas arvab nii
18.05.2005 12:23
Rahvas - Eesti Vabariigi PS § 1 kohaselt kõrgeima võimu teostaja - arvab nii:

Gallupi lõpptulemus EPL-is seisuga
KOLMAPÄEV 18. mai 2005 [12:20]

Kas Eesti peaks 18. mail kirjutama alla Eesti-Vene piirilepingule?

jah 38%
ei 62%
Kokku vastajaid: 5173


Ablehnung 62%, Ja 38%

Grenzabkommen Estland -Russische Förderation

Grenzabkommen wird heute durch den russischen und estnischen Außenminister unterzeichnet.
Seit 6 Jahren bereit: Russland und Estland unterzeichnen heute ihr Grenzabkommen
Damit auch Teil der EU-Außengrenze festgelegt
Vertrag wird danach noch von Parlamenten ratifiziert
Estland und Russland wollen heute in Moskau das seit sechs Jahren zur Unterschrift bereit liegende Abkommen über die Festlegung der gemeinsamen Grenze unterzeichnen. Nach der Unterzeichnung durch die Außenminister beider Länder, Sergej Lawrow und Urmas Paet, muss der Vertrag noch von den jeweiligen Parlamenten ratifiziert werden. Mit der Grenze zwischen Estland und Russland wird auch die EU-Außengrenze in diesem Abschnitt völkerrechtlich fixiert. News-Networld


Aber Vorsicht: Erstmal nur die Außenminister, und die russische Duma hat gezeigt, dass sie bockig sein kann. Eigentlich verzichtet Estland auf größere Teile seines Staatsgebietes aus der ersten Unabhängigkeitsperiode. Aber russische Politiker fabulieren wieder so lange bis SIE selbst als Opfer dastehen.
Besser ist es einen genaueren Blick auf die Grenzregion zu werfen, in der die Minderheit der Setukesen lebt, beiderseits der Kontrolllinie. Hier ein Einblick in die Problematik über Sprache, Schule, Zusammenarbeit zwischen Voru (Est) und Petseri (Rus)

Samstag, Mai 14, 2005

Kriegserinnerungen - Vor dem Unterzeichnen des Grenzvertrags mit der Russischen Förderation am 18.Mai 2005

Estnischer Panzerzug Nr.3 im Unabhängigkeitskrieg 1918-1920

Dies sind Aufzeichnungen über die Kriegswirren 1914-1920 im Baltikum. Bisher unveröffentlicht. Von E.Lüdtke über ihren Vater Verner Palmberg. 1920 wird der Friedensvertrag, der auf ewig gelten sollte,mit der Sowjetunion abgeschlossen.  Posted by Hello
Werner Palmberg 1913
Im August 1914 brach der 1.Weltkrieg aus. August, ein Freund meines Vaters, schrieb auf offener Karte auf Deutsch: “Es lebe der Krieg, mögen es die Deutschen büßen!³ Wahrscheinlich ironisch gemeint. Verner trug die Farben der nichtschlagenden Verbindung ESTONIA, nannte sich stud.chem. und machte viele Radtouren in Mittelestland. 1915/16 wurde die Universität nach Moskau verlegt, bedingt durch die vordringenden deutschen Truppen. Er muss sich aber nur kurz in Moskau aufgehalten haben, da es dorthin nur wenige Briefe gibt. Bis zum August 1916 studierte er im Rigaer Polytechnischen Institut, Chemische Abteilung, dann wurde er in das russische Heer eingezogen und kam in die Offiziersschule nach Odessa. Leider hat mein wortkarger Vater nur sehr wenig vom Kriege erzählt. Nur von Odessa schwärmte er: vom schönen Strand und den weißen Häusern an der Küste. Nach seiner Ausbildung als Fähnrich der Infanterie bekommt er Heimaturlaub und wird anschließend gleich hinter den Ural nach Sibirien - Irbit versetzt. Die Fahrt des frischgebackenen Fähnrichs ging erstmal von Reval - St.Petersburg - Moskau, zusammen mit seinem Schulkameraden John, nach Kasan. Dort wurde ihnen das 168. Reserve Infanterieregiment in Irbit zugewiesen. Er untersteht dort dem Regimentsstab der 8. Kompanie. Das Leben in Sibirien war recht eintönig. Im Sommer hoffen sie in den wildreichen Wäldern, auf Jagd gehen zu können. Ein Höhepunkt war der jährliche Fellmarkt, mit 10. Millionen Goldrubeln Umsatz. Ein Bekannter verkaufte 15 000 Eichhörnchenfelle. Eigentlich wollte mein Vater in seinen Erinnerungen noch ausführlich über Irbit schreiben: In der Umgebung die vielen Kriegsgefangenen, Bären, das angefrohrene Ohr im Sturm, essen von Zedernnüssen, Tataren - und endlich auch die ersten Demonstrationen mit angehefteten Rosetten im März 1917. In diesem Jahr ereignen sich in Russland große Dinge. Der Zar dankt ab und wurde mit seiner ganzen Familie verhaftet. Kerenski übernahm die provisorische Regierung. Es wurde der gregorianische Kalender statt des julianischen eingeführt. Verner war nun plötzlich am 3.11 statt am 22.10.1895 geboren. Am 13.April 1917 wurde er ins Sibirische Reserve-Pontonbataillon in Jaroslaw versetzt. Die Fahrt führte wieder endlos über Jekaterinenburg - Perm - Wjotka - Wolodja. 6 Monate führte er dort wieder, wie damals, das typische Soldatenleben in der Reserve: Sprengarbeiten auf der Wolga, Brückenbau, Kartenspielen im Offizierskasino.
WWI Russian officers on a pontoon
Am 15 Oktober 1917 begleitete er mit Remmel (Schulkamerad) ein Kommando Soldaten für das 12. Pontonbataillion nach Dorpat. Er durfte zu einem 6-tägigen Urlaub nach Reval. Ende Oktober fuhr er wieder über Dorpat zurück zu seiner Kompanie, die in Hoppenhof bei Walk an der späteren lettischen Grenze stand. Dort wohnte er auf dem Bauernhof Krewan im Laizenschem Landbezirk. In November war aber nun die bolschewischtische Revolution ausgebrochen. Kerenski war gestürzt worden, Lenin und Trotzki hatten die Herrschaft ergriffen und im Dezember mit Deutschland einen Waffenstillstand geschlossen. Die russische Armee befand sich in Auflösung.
Der Oberkommandierende des russischischen Heeres, der Matrose Krylenko befahl, alle Offiziere zu Soldaten zu degradieren. Am 7.12.1917 wurden allen Offizieren die Epauletten abgeschnitten. In Estland wurde der Belagerungszustand ausgerufen und eine Welle von Verhaftungen des deutschen Adels und der estnischen Intelligenz begann. Verner wurde mit allen gewesenen Offizieren einer ärztlichen Durchmusterung unterworfen. Er wurde aus Krankheitsgründen freigestellt und fuhr zu einem 6-monatigen Urlaub nach Hause zu seinen Eltern nach Reval in die Dörptsche Straße. Von dieser Musterung³ in Dorpat erzählte uns meine Mutter Näheres: Bevor Verner vor dem Militärarzt antrat, wäre er mehrfach im Dauerlauf um Dorpat gerannt. So trat er schweißüberströmt mit wild klopfendem Herzen zur Untersuchung an. Der “Herzfehler³, der ihm bescheinigt wurde, verhalf ihm zum Heimaturlaub. Aber nicht immer ging es so gut ab. Offiziere wurden auch erschossen, die Deutschen in Turnhallen, Kinos, Gefängnisse und im Hafen interniert und nach Sibirien verschleppt. Die Front der deutschen Truppen rückte immer näher. Am 23.2.1918 verlassen die roten Garden Reval fluchtartig. Am 24.2.1918 veröffentlicht der estnische Ältestenrat ein Manifest an alle Völker Estlands zur Rettung des Landes und erklärt Estland zur selbstständigen Republik. Die in der Nacht gebildete Regierung konnte nicht mehr zusammentreten, da am 25.2. die deutschen Truppen Reval einnehmen und andere Gremien zur Verwaltung des Landes einsetzen. Während dieser Zeit arbeitet Verner als Student in der chemischen Fabrik R.Mayer.

Im November 1918 brach in Deutschland die Revolution aus. Die deutschen Truppen zogen sich aus Reval zurück und die roten kommunistischen Truppen strömten über Narva und Petseri wieder ins Land. Aber nun nahmen die Esten ihr Schicksal selber in die Hand. Die bürgerliche Regierung kehrte ins Amt zurück. Die Republik Eesti wurde ausgerufen, die Landesfahne war blau-schwarz-weiss. Im Dezember erscheint ein englisches Geschwader im Revaler Hafen. Die Deutschen hatten die estnische Regierung nicht anerkannt. Ihre Vorstellungen gingen dahin, das Baltikum als Großherzogtum unter Friedrich von Mecklenburg zu vereinnahmen. Nachdem nun auch England die Republik anerkannt hatte und Waffen lieferte, mußte das Deutsche Reich es auch tun. Im Blitztempo wurde in Estland ein Heer aufgestellt, unterstützt durch finnische Freiwillige. Verner wurde als einer der Ersten eingezogen. er stellte sich als einfacher Soldat vor (die Roten hatten ihn ja degradiert). Dies war wieder typisch mein Vater. Uniformen, Orden und Ehrenzeichen waren ihm suspekt. Natürlich wurde er sehr schnell von seinen alten Kameraden geoutet. Ausserdem brauchte das estnische Heer dringend Offiziere, da die meisten von den Roten in ihr Heer vereinnahmt worden waren. Zuerst machte Verner Dienst im Ingenieurbataillon. Mitte 1919 wurde er zum Chef des Wachkommandos der 1. Division bestimmt. Im Mai diente er in der 5. Kompanie des Reservebataillons der Panzerzüge in Südestland. 50 Jahre später, nach einer eindrucksvollen Vorführung des Breitwandfilms “Dr. Schiwago³ in Berlin, wurde mein Vater gesprächig. Von den wunderschönen Aufnahmen von Sibirien animiert, erzählte er mir von seinen Erfahrungen als Offizier in einem Panzerzug (im Film kommen Episoden vor, die die Panzerzugszenen mit dem berühmt-berüchtigten roten General Strelnikow beinhalten). Als er im Panzerzug diente, gerieten sie in einen Stellungskrieg mit den Roten. Sie lagen in vorderster Linie in Schützengräben. Es war kalt und sehr neblig. Ihm unterstanden alle estnischen Soldaten, und er hatte die Verantwortung. Da tönten plötzlich Lautsprecher über das Niemandsland: “Genossen, kommt rüber zu uns, wir haben Schnaps in Mengen!³ Wie gesagt es war dunkel und der Nebel immer dicker. Im Laufe der Nacht dezimierte sich seine Mannschaft immer mehr. Es wurde für ihm immer ungemütlicher. - Ende seiner Erzählung. Ich daraufhin ganz aufgeregt: “Ja, mein Gott, was war dann - Pappi?³ “ Am nächsten Morgen waren sie alle wieder da.³ “Aber - wieso denn?³ “Noh, Wodka war drüben alle !³
Kama WWI Russia
Die Baltendeutschen bildeten freiwillige Baltenregimenter und kämpften zusammen mit den Esten für ihre Heimat. Am ersten Jahrestag der Unabhängigkeit war Estland freigekämpft.
In Lettland waren die Verhältnisse ganz anders. Es bildete sich eine baltische Landeswehr, die zum Teil mit der Eisernen Division (Restbestände aus dem deutschen Heer) zusammen gegen die einmarschierenden Roten und zur Befreiung von Riga kämpften. Dies war sehr verständlich und nötig, da die baltische Bevölkerung fürchterlich unter dem roten Terror litten. Leider unternahm der Kommandeur der baltischen Landeswehr v. Manteuffel einen Staatstreich. Er setzte in Libau die neugebildete lettische Regierung ab und eroberte Riga. Die Roten waren endgültig geschlagen. Er wollte die Macht der baltischen Barone zurückgewinnen. Nun kamen aber die Esten den Letten zu Hilfe. Am 22. Juni 1919 standen sich bei Wenden die Esten und die baltische Landeswehr gegenüber. In einer sehr blutigen Schlacht siegten die Esten. Wenden wurde ein nationales Symbol. Zum ersten Mal seit 700 Jahren hatten die Esten erfolgreich gegen die baltischen Barone gekämpft und gesiegt. Diese Ereignisse haben jahrzehntelang das baltischdeutsch-lettische Verhältnis in Lettland belastet, während die Esten weit lockerer zu ihren Baltendeutschen standen. Leider wurde gerade die Enteignung des Großgrundbesitzes beschlossen, als die Nachricht vom Sieg bei Wenden eintraf. Daher auch die Festlegung der Restgüter auf 50 Hektar. Trotzdem: die estnische Regierung erließ 1925 ein Minderheitenstatut, das im Völkerbund als vorbildlich zitiert wurde. Die Deutschen erhielten eine Kulturselbstverwaltung und etwas, das einmalig in Europa und auf der Welt war: Jeder Bürger konnte seine Nationalität selber bestimmen und sich in das entsprechende Nationalregister eintragen.
Zurück zum Jahre 1920. Gott sei Dank war mein Vater schon am 2.4.1920 im Zuge der Demobilisierung zur Beendigung seines Studiums freigestellt. Am 2.8.1920 wurde er endgültig aus dem estnischen Heeresdienst entlassen.

Anmerkung:
1920 wird durch den Friedensvertrag in Tartu die Grenze zur Sowjetunion festgelegt und die Republik Estland von Moskau anerkannt.
1939 arbeitet Verner Palmberg bei der Abteilung Gasschutz/Chemische Kriegsführung des Verteidigungsministeriums der estnischen Regierung in Tallinn. Ihm wird von seinen Vorgesetzten dringend geraten, das Land vor dem Einmarsch der Roten Armee zu verlassen (Hitler-Stalin-Pakt). Er wandert bereits im Oktober 1939 zusammen mit den Baltendeutschen aus. Zurückbleibende estnische Offiziere werden nach Besetzung des Baltikums durch die Sowjetunion 1940 nach Sibirien deportiert und dort zum Teil hingerichtet.
Vor über zwei Jahren kam ein Film in die estnischen Kinos. Ein Film über das Entscheidungsjahr 1918 und die Rolle der Tartuer Studenten im Unabhängigkeitskrieg. Es wurde der bis dahin erfolgreichste Kinoerfolg: Nimed Marmortahvlil, hier der Trailer. Anmerkung: Das Eesti Sõjamuuseum, Estonian War Museum, hat über die Jahre ein Projekt verwirklicht. Eine Liste mit der Laufbahn aller etwa 10 000 Offiziere des Landes von 1918 bis 1940. Unter ohvitser ist Verner Palmberg aufgelistet. Er diente auf dem Panzerzug Nummer 3. Ausserdem wurden unzählige Fotos aus der Zeit des Unabhängigkeitskrieges auf der Seite des Rahvusarhiivs veröffentlicht. The National Archives of Estonia. Darunter viele Fotos mit dem Panzerzug Nr. 3 im Sommer 1919. foto, soomusrong nr 3, suurtüki platvorm "Onu Tom" esiplaanil 75 mm õhutõrje suurtükk., KLM FT 1105 F 1105:41, Eesti Sõjamuuseum - Kindral Laidoneri Muuseum, http://www.muis.ee/en_GB/museaalview/113897 Eesti Sõjamuuseum - Kindral Laidoneri Muuseum

Donnerstag, Mai 12, 2005

Seltenheitswert: Lob aus Russland

Die online-Ausgabe russland.RU berichtet über die bevorstehende Unterzeichnung des Grenzvertrages zwischen Russland und Estland. Bei der Ankündigung gab es einen herben Seitenhieb aus Moskau in Richtung Lettland. Die Grenzen waren zu Sowjetzeiten geändert worden, die aber jetzt vertraglich geregelt werden.

Die Unterzeichnung des Vertrages mit Estland über die Staatsgrenze und über die Festlegung der Seegrenzen im Finnischen Meerbusen sowie in der Bucht von Narva ist für den 18. Mai geplant, teilte Außenminister Sergej Lawrow am Donnerstag in der Sitzung der russischen Regierung mit.

"Wir bekamen (von der estnischen Seite) die Zusicherung, dass es keinerlei einseitige Interpretationen nach dem Muster der lettischen Albernheiten geben wird", erläuterte der Minister.

Ihm zufolge wurde mit Estland vereinbart, "dass die Frage der Staatsgrenze mit Unterzeichnung des Vertrages für immer und endgültig gelöst ist".

Der Vertragstext ist mit der estnischen Seite vollständig abgestimmt worden und entspricht dem russischen Gesetz über die Staatsgrenze, so Sergej Lawrow.