Ist Estland eigentlich "baltisch"? Die estnische Sprache ist ja dem Finnischen ähnlich (finno-ugrisch), und das sogenannte "Baltikum" ist sowieso ein Behelfsbegriff ohne Grundlage. Noch viel zu wenig ist in Deutschland bekannt über Kultur und Geschichte, über Politik und Gesellschaft in Estland. Die jungen Europäer in Deutschland und Estland werden die Zukunft prägen! Wir rufen auf zur Diskussion.
Präsident Ilves nahm kürzlich mit Skypes CEO Josh Silverman an einer Internet- Debatte ueber Innovationen teil. Ilves machte dabei eine Bemerkung über eine bekannte Eigenschaft vieler Esten: Sich mit seiner Meinung zurückzuhalten, gerade in Gegenwart anderer Personen.
"Why is it that we get questions from the computer rather than from people sitting here because they would rather not raise their hand? If that is the national character and there's nothing we can do to change that, we'd might as well just go to outsourcing," Ilves quipped.
Wer kennt das nicht, eine Diskussionsrunde wird eröffnet und keiner meldet sich zu Wort. Das Internet spielt hier in Estland eine ganz andere Rolle.
Vielleicht deshalb entstand die Idee in nächster Zukunft zu einem nationalen Brainstorming im Internet und anderswo aufzurufen: Minu Eesti Die Aktion ist jedenfalls groß angelegt:
On the 1st of May we will set up more than 400 brainstorming centers all over Estonia.
Eine andere Nachricht gilt dem Film Magnus der Regisseurin Kadri Kousaar. Der internationale Filmbann wurde von der nächsthöheren Instanz aufgehoben. Bleibt für die Klägerseite nur noch das Oberste Gericht. Hier alle Posts zu "Magnus" im Estland-Blog.
Update 27. März Hinweis. Auch dieses Jahr findet wieder das goEast Filmfestival statt:
Weitere Jurymitglieder sind die estnische Regisseurin Kadri Kõusaar, deren Film Magnus beim vergangenen goEast-Filmfestival den Škoda-Preis für den Besten Film und den FIPRESCI-Preis gewann
Wiesbaden - Das Programm des 9. goEast – Festival des mittel- und osteuropäischen Films (22.4. - 28.4.2009)
Seit Oktober posten wir über den Film "Magnus", der seit 2007 auf den internationalen Festivals zu sehen ist. Einige Preise hat er schon erhalten, jetzt ist er von einem estnischen Gericht für sieben Jahre auf den Index gesetzt worden. Das Urteil fiel Mitte Mai. Elver, mit Kommentaren zur Filmproduktion, zeigt sich enttäuscht. Auch bemerkt er, dass auf einer bekannten Filmkritik-Webseite kaum ein Produzent bzw. Direktor so persönlich angegriffen wurde wie Kadri Kõusaar. Er hält das für einen "estnischen Nationalsport".
Apparently kicking people who are down is the Estonian national sport. In popularity this is followed closely by kicking people who are trying to get up.
The Estonian film Magnus by Kadri Kõusaar is the only film I’ve ever seen where half the IMDB reviews attack the writer/director directly instead of focusing on the film itself. And it’s not a bad film, really. As a prevention film it’s got the same basic structure as the much-celebrated Klass. Only Magnus is about suicide and Klass about school violence.
Oh and Magnus was banned in Estonia. Apparently the judge has some odd delusions, because the court’s decision is to ban the film not just in Estonia, but in the whole world [Europäische Union]. I had no idea its jurisdiction went so far. Or that judges can bluff like that.
The point of contention is that it’s based on a real life incident. With the actual real life Magnus’ father playing the father in the film. Trying to raise awareness of teenage suicide and maybe help prevent it in the future. Which is something you gotta give him credit for.
Marta Mustik, ein weiterer Blogger, über die verworrene Lage, inwieweit der Film in näherer Zukunft noch gezeigt werden darf.
Magnus ist als Kinofilm konzipiert und wurde bereits bei mehreren Festivals unter anderem in Frankreich, Polen und Korea vorgestellt. Im Oktober haben wir darüber berichtet. Nun sind die Treiler im Netz verfügbar, aber die Frage bleibt, ob Magnus in Estland veröffentlicht werden darf. Die Geschichte des Films wurde vor dem Hintergrund einer wahren Tragödie entwickelt.
Magnus is a sensitive boy from a family where no-one really cares about him. His parents consider that given food and shelter, their children will just grow up on their own. As a child Magnus suffers from a potentially fatal lung disease and he plays bizarre games to cheat death. Ten years later modern medicine has cured the disease, but Magnus' death wish continues. After his second attempt to take his own life his father's conscience finally awakens. He tries to convince his son to go on living, applying some rather unorthodox techniques.
Erst muss in einem Gerichtsverfahren geklärt werden, ob eine Person, die meint sich darin wieder zu erkennen und gegen die Veröffentlichung prozessiert, diesen Prozess gewinnt. Jedenfalls ist es für mich eine der bemerkenswertensten Produktionen aus Estland, die ich bisher gesehen habe, Der Treiler Teil 1
Hier die übrigen Teile auf der Magnus-Hauptseite. Mart Laisk spielt den Vater, und damit einen Teil seiner Biografie. Etwas schwer verdaulich sind seine Rückblicke auf sein reales Leben:
Mart Laisk, who plays Magnus' father, did let his 17-year-old son go: he stood at the edge of the field while his son walked into the forest with a rope. Later he found the dead hanging body. Yes, that was a shock, he said, the actual hanging body.
At the time," he explained. "I thought it was the best thing. The boy was suffering so much. And I myself knew what it meant to suffer. I was depressed all through my thirties. I thought my son was making a good decision."
zitiert aus brightlights film journal. Die Filmdirektorin bei der Suche nach Drehorten in Estland, hier ein Youtube-Video "Magnus location tour" Wie schwierig es war ein unabhängiges Filmprojekt zu starten und zum Abschluss zu bringen, zeigt ein Interview im Avanti newsletter.
Sie ist Jahrgang 1980, hat mit 13 Jahren angefangen journalistisch zu arbeiten, auch fürs Radio, schreibt während des Internationalen Film Festivals in Korea Kolumnen für das wichtigste estnische Wochenmagazin Eesti Ekspress, selbst von Korea aus, hat schon mehrere Bücher veröffentlicht. Aber in Busan stellt sie ihren ersten Film vor. Wahrscheinlich ist Filmemachen der nächste Schwerpunkt ihrer Projekte. Und mit ihrem Film war es die erste estnische Produktion, die in Cannes, ebenfalls in diesem Sommer, jemals als unabhängig produzierter Film aus dem immer noch recht unbekannten und nördlichen Land vorgestellt wurde. "Hinter der Leinwand" bedeutet häufig so eine Szene: Die Estin, eine Filmpromoterin mit ihrer Tochter, ein Fotograf und zwei Interviewerinnen. Das sind die Pflichten, die bei einem Festival als Beteiligter absolviert werden müssen. Ausserdem ist sie eine der Wenigen, die jetzt noch schwimmen gehen in Busan. Wüßte nicht, dass noch andere Filmdirektoren das Wasser getestet haben. Außer ein paar Surfern, war nichts mehr los. In der Mitte des Fotos einer der Haupttreffpunkte des Filmfestivals, der Piff Pavilon. Trotzdem, Wald und Wasser und Abgeschiedenheit sind für viele Esten wichtig. Eine der wichtigsten Szenen neben dem offiziellen Programm findet hier statt, vielleicht eine Idee für zukünftige Produktionen:
Und wenn schon 10 000 km entfernt über Estland gesprochen wird. Wir haben dieselben Menschen kennengelernt und darüber berichtet, wie zum Beispiel die erwähnte "Magnetnaine" aus einem der letzten Posts. Update: 9.10.2007 Und so sieht das Ergebnis des Interviews in der Tageszeitung Pusan Ilbo aus. Zahlenspiele: Diese Tageszeitung hat eine Auflage von 600 000. Damit dürfte sie für eine zeitlang die bekannteste Estin in dieser Gegend sein. Die größte estnische Tageszeitung hat übrigens eine Auflage von etwa 68 000. Nur mal so zum Vergleich. Und gerechterweise angemerkt, die Zahlen sagen nichts über die Qualität einer Zeitung aus. Aber wem sag ich das. Update 11.10.2007 Der estnische Film hat einen festen Platz bei diesem Festival. Nimed Marmortahvlil zum Beispiel, oder Shop of Dreams 2005, The revolution of pigs. Nur Magnus hat ein Problem, die Vorstellung des Films in Busan war am Dienstag. Die kann als Erfolg verbucht werden, wichtige Tageszeitungen in Korea werden berichten, allerdings hat die Sache einen Haken. Gegen den Film “Magnus” läuft ein Verfahren in Estland. Er wurde gedreht nach einer wahren Begebenheit und obwohl Namen und alles geändert wurden, hat sich eine darin verwickelte Person wiedererkannt und persönlich bloßgestellt gefühlt. So traut sich kaum ein Kinobetreiber diesen Film aufzuführen, und man kann damit auch nichts verdienen, eine vertrackte Situation. Drei Jahre Arbeit stecken bereits in diesem Projekt
Nachtrag 25.10., hier ein Video über das Zusammenteffen einiger koreanischer Mittelstufen-Schülerinnen mit der estnischen Filmdirektorin.