Samstag, Mai 14, 2022

Baltisches im Norden

Wer Tallinn jemals besucht hat, hat bestimmt auch einmal auf dem "Islandi väljak", dem Island-Platz gestanden. Seit dem Jahr 2000 trägt dieser Platz diesen Namen und ist die offizielle Adresse des estnischen Außenministeriums. Es erinnert vor allem daran, dass Island schon am 22. August 1991, nur zwei Tage nachdem Estland seine Unabhängigkeit erklärt hatte, diese bereits bestätigt und anerkannt hatte. "Andere Länder folgten dann langsam", so formulieren es estnische Geschichtsbücher heute gern. Denn bereits am 19. Dezember 1990 und am 11. Februar 1991 hatte das Parlament Islands, das Althing, zwei Resolutionen zur Unterstützung der Unabhängigkeit Estlands, Lettlands und Litauens verabschiedet. Dies schloss auch die Bereitschaft Islands ein, als Vermittler zwischen den baltischen Staaten und der Sowjetunion zu wirken, falls dies gewünscht sei.

Manche nehmen das ja heute sogar zum Anlass jährlich einen "Islandtag" in Estland zu feiern. Nur wenige Tage nachdem der Putsch gegen Gorbatschow gescheitert war, trafen sich am 26. August 1991 bereits der estnische Außenminister Lennart Meri und sein isländischer Kollege Jón Baldvin Hannibalsson in Reykjavik, um eine gemeinsame Erklärung zur Aufnahme diplomatischer Beziehungen zu unterzeichnen. "Island first" - gegen diesen Ausruf hat in Estland niemand etwas einzuwenden. 

Nun werden zum ersten Mal auch in Rejkjavik, der Hauptstadt Islands, drei Straßen nach Ländernamen benannt: Eistlandsbryggja, Lettlandsbryggja und Lithaenbryggja. Die Straßen liegen im Norden der Stadt, wo der Stadtteil Artunshöfdi noch bis 2026 weiter ausgebaut und entwickelt werden soll. Die Bezeichnung "bryggja" könnte Deutsch mit "Pier" übersetzt werden, also ein Schiffsanleger oder Bootsliegeplatz - ein Platz am Wasser also. 

Pawel Bartoszek, Stadtrat in Rejkjavik, teilte gegenüber estnischen Medien mit, dass die "Estland-Pier" eine verkehrsberuhigte Straße mit eingeschränktem Autoverkehr sein wird (ERR / vidreisn.is / dv.is)

Montag, April 18, 2022

Lieber flüssig

Kalt muss es sein: bei Temperaturen um –162 °C wird Ergas "verflüssigt", und dieses "Flüssiggas" ("Liquified Natural Gas" LNG) hat dann im Verhältnis zum gasförmigen Zustand ein Expansionsverhältnis von 1:600, daher können große Mengen an Energie effizient gelagert und transportiert werden.

Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine hat die Diskussion um die Energieversorgung völlig verändert. Auch Estland plant nun mit einem Flüssiggasgterminal. Angeblich kann schon das LNG-Terminal im litauischen Klaipeda die Hälfte des Gasbedarfs der baltischen Staaten decken - die entstandene Lücke, bei Wegfall des Bezugs aus Russland, soll nun ein estnisch-finnisches Projekt in Paldiski schließen.

Vorteil: die Pläne für den Standort in Paldiski lagen schon fertig in der Schublade.Schon seit einigen Jahren wird über ein Flüssiggas-Terminal an diesem Standort nachgedacht - aber bisher schien es zu teuer (siehe "Baltic Course"). Bauen soll es nun die estnische "Alexela"-Gruppe, bei der die Brüder Heiti und Marti Hääl eine nicht unbedeutende Rolle spielen. Unternehmer Heiti Hääl ließ sich gleich mal zu der Aussage hinreißen: "Das sieht unglücklich aus, wenn erst ein Krieg die Notwendigkeit eines LNG-Terminals nachweisen muss." Und er behauptet gleichzeitig: "Das neue Terminal wird noch in diesem Herbst fertig sein." (err

Diese Planungen bestätigte auch der estnische Wirtschaftsminister Taavi Aas. Estland wolle bezüglich des erforderlichen LNG-Spezialschiffes auch mit Finnland und Lettland zusammenarbeiten. (err / IR). Auch Litauen hatte sich vor Jahren zunächst gemeinsamen Planungen angeschlossen, dann aber, als es kaum konkrete Fortschritte gab, sich für ein eigenes LNG-Terminal entschieden (das 2014 fertiggestellt wurde). 2020 wurde auch das Projekt "Balticconnector" abgeschlossen - eine Gaspipeline zwischen Paldiski in Estland und Inkoo (Ingå) in Finnland.

Estland verbraucht gegenwärtig etwa 5 Terrawattstunden Gas, zwei Drittel davon für Energieversorgung und Industrie. Am 7. April hatte die estnische Regierung beschlossen, bis Ende 2022 völlig auf den Bezug russischen Gases zu verzichten (valitsus.ee). Partner für den Bau des LNG-Terminals in Paldiski werden auch die Investmentgesellschaft "Infotar" und "Eesti Gaas" sein. In einem ersten Bauabschnitt soll zunächst eine Verbindung zwischen dem Schiffsliegplatz und der "Balticconnector"-Pipeline geschaffen werden. Die Pipeline-Infrastruktur wird vom staatlichen estnischen Gasbetreiber Elering bereitgestellt.

Zunächst soll - als finnisch-estnisches Gemeinschaftsprojekt - ein schwimmendes Terminal angemietet werden, bevor in der zweiten Phase eine dauerhafte Lösung für das Terminal gebaut wird (mkm). Die Kosten für die Terminal-Infrastruktur, die im Herbst fertig gestellt werden soll, werden auf 40 Millionen Euro geschätzt. Ain Hanschmidt (Infotar) forderte aber auch eine staatliche Garantie zur Absicherung der Preisdifferenz zu russischem Gas, um das Projekt gegen eine (politisch mögliche) Rückkehr zur Versorgung mit russischem Gas abzusichern. (err) Die estnische Finanzministerin hatte bereits Pläne zu einem Ergänzungshaushalt in Höhe von 170-230 Millionen Euro vorgestellt (err)

Schon im November 2021 hatte das LNG-Bunkerschiff «Optimus» der estnischen Energiegesellschaft Elenger seinen Betrieb aufgenommen - es dient der Betankung von LNG-getriebenen Fähren zwischen Tallinn und Helsinki und ist Teil einer wachsenden LNG-Infrastruktur. (Schiffundhafen / elenger)

Sorgen um die Umwelt jedenfalls scheinen bei dieser Diskussion keine Rolle zu spielen. In Deutschland wird ja viel über das umstrittene "Fracking"-Verfahren diskutiert (BUND / Umwelthilfe), wobei davon ausgegangen wird, dass ein LNG-Gas-Import eben auch das durch Fracking-Verfahren in den USA gewonnene Gas einbeziehen würde. Kritisiert wird unter anderem, dass schon die Verflüssigung von Gas 10-25% des Energiegehalts verbrauchen würde. Von dieser Seite wird auch bestritten, dass Deutschland einen LNG-Importbedarf habe - es wird darauf verwiesen, dass Deutschland die viertgrößte Gasspeicherkapazität der Welt habe. Allerdings ging diese Einschätzung noch von einem Bau der Nordstream-2-Pipeline aus. In der deutschen Diskussion wird "LNG-Gas" oft mit "Fracking-Gas" gleichgesetzt - so wie die Deutsche Welle am 29. März titelte: "Freiheit oder Klima-Selbstmord?"

Aber Estland muss sich wohl kaum Sorgen um mögliche größere Proteste in Paldiski machen. "In Estland bestimmen immer noch weitgehend die Industrie und die großen Unternehmen die Tagesordnung", meinte Züleyxa Izmailova, die bis vor wenigen Wochen noch Vorsitzende der Grünen Partei Estlands ("Erakond Eestimaa Rohelised", die in Umfragen aktuell bei 1,7% liegen) war. "Und manche Leute glauben, wärmere Winter würden eben einfach ihre Heizungsrechnung verringern. ... Radikale Umweltschützer wie in Westeuropa gibt es in Estland so gut wie nicht." (err)

Donnerstag, April 07, 2022

Brückendiskussion

Die "Võidu sild" ist eine in den Jahren 1952 bis 1957 gebaute Stahlbetonbrücke über den Fluss Emajõgi, im Zentrum von Estlands zweitgrößter Stadt Tartu gelegen. Ihren Namen erhielt die Brücke im Jahr 1965, auf Beschluss des Stadtrats, zum 20. Jahrestag des Sieges im Großen Vaterländischen Krieg. Denn "Võidu sild" heißt übersetzt "Brücke des Sieges". 

Die Diskussion im Stadtrat von Tartu, die Brücke anders zu benennen, geht schon einige Jahre. Aber als Tourist/in könnten wir uns zunächst fragen: Was für eine Brücke ist das? Reiseinfoseiten wie "Estland-com" erwähnen eine Reihe von Brücken: Bogenbrücke (Kaarsild), Steinbrücke (Kilvisild), Marktbrücke (Turusild), Engelsbrücke (Ingisild), Teufelsbrücke (Kuradisild). Aber "Siegesbrücke"? "Visittartu" beschreibt ausführlich die Bogenbrücke. Aus touristischer Sicht wird die Brücke der Durchfahrtsstraße, die einfach die Riga-Straße mit der Narva-Straße verbindet, am wenigsten hervorgehoben.

Seit 1926 gab es auch schon eine "Freiheitsbrücke" in Tartu: nach der sowjetischen Besetzung 1940 schon einmal kurzzeitig in "Siegesbrücke" umbenannt, überstand sie den Krieg nicht (von den abziehenden Deutschen zerstört). Am Ende des 2.Weltkriegs waren in Tartu alle Brücken zerstört. Die heutige "Freiheitsbrücke" wurde 2009 eröffnet.

Nun sucht Tartu einen neuen Namen für die bisherige "Siegesbrücke" (tartu.ee / err) "Wir können einen solche Sieg nicht weiter feiern", heißt es (tartu.ee). Bis zum 10. April sollen nun Namensvorschläge gesammelt werden. Ein witziger (wohl nicht ernst gemeinter) Vorschlag war auf dem Portal "Lugejakiri" (Eigenwerbung: "die seriöseste Nachrichtenquelle in Estland") zu lesen: um Geld und Mühe zu sparen, solle nur der erste Buchstabe ausgetauscht werden - statt "Võidu sild" (Siegesstraße) nun "Sõidu sild" (Fahrstraße). 

Ein Thema, dass vielleicht aber nur symbolisch die andauernde Diskussion um die russische Haltung zu Putins Angriffskrieg wiederspiegelt. Nikolai Põdramägi, Arzt und Mitglied der Zentrumspartei in Tartu, sprach sich nicht nur gegen die Umbenennung der Brücke aus, sondern bezeichnete auch die gegenwärtigen Vorgänge in der Ukraine als "Bürgerkrieg" (err). Als Reaktion distanzierte sich nicht nur die Zentrumspartei von ihm, sondern auch die Ärztekammer (Postimees / delfi)

Samstag, März 12, 2022

Es war doch unser Tag ... !

Nun weiß die Welt, was am 24. Februar passiert ist. Eigentlich war ja für Estland viel wichtiger, was am 23. Februar 1918 vom Balkon des Endla-Theaters in Pärnu, und dann am 24. Februar in Tallinn verkündet wurde: die Erklärung der Unabhängigkeit des Landes, das sich selbst Eesti nennt. "Die Geburt einer Nation", wie es "Visit Estonia" ausdrückt. Aber seit kurzem ist dieser Tag auch mit etwas verbunden, das tatsächlich aktuell eher einer Loslösung vom russischen Bahnstrahl entgegen steht. Oder vielleicht lesen wir bei den Autor/innen der Kinderseite von "Hanisauland" nach: demzufolge ist in Estland der Höhepunkt dieses Tages immer eine "prachtvolle Militärparade".

Nein, niemand wollte es zunächst wirklich glauben: Putin befiehlt einen militärischen Einmarsch in einem Nachbarland - und auch Estland ist Nachbarland.

Das deutsche Fernsehen berichtete am 11. März vom Biathlon-Weltcuprennen im estnischen Otepää. ARD Moderator Michael Antwerpes entschuldigt sich, dass hier aus einem "sicheren" Studio in Deutschland moderiert wird, und begründet das mit einem Blick auf die Landkarte. Zur Einstimmung wird dann der Wintersportort Otepää vorgestellt, und der estnische Sportreporter Alvar Tiisler mit der Aussage zitiert: "Nein, wir haben keine Angst. Wir haben in den 90iger Jahren kluge Entscheidungen getroffen." 

Aber auch Estland übt sich in Solidarität mit der Ukraine. Die Universität Tartu will den Zugang für russische und belarussische Studierende beschränken. (err) Die gegenwärtig schon in Tartu 257 Studierenden aus Russland und 25 aus Belarus dürfen aber bleiben, so Aune Valk, Vize-Rektor der Universität. Allerdings gibt es auch ein Unterschriftensammlung gegen die Restriktionen der Universität.

Der Zoo Tallinn sammelt Spenden für Zoos in der Ukraine und meldet, in Kiew seien etwa 50 Angestellte mit Familien in den Zoo umgezogen, um dort die Tiere zu beruhigen und ihnen im Krieg beizustehen. 

Eine der größten Tageszeitungen Estlands, die "Postimees", erscheint nun auch mit einer ukrainischsprachigen Ausgabe. "Russland benimmt sich wie Nazideutschland" ist dort zu lesen - so sieht es die Jüdische Gemeinde in Odessa

Der 9. März war dabei für Tallinn noch ein ganz besonderer Gedenktag: an diesem Tag vor 78 Jahren (1944) bombardierte die Rote Armee die estnische Hauptstadt. Allein an diesem Tag sollen damals 3000 Bomben über Tallinn abgeworfen worden sein, 30% des städtischen Wohngebiets wurde zerstört, es gab mehrere Hundert Tote. Für die Stadt ein ganz besonderer Grund, an die aktuellen Ereignisse in der Ukraine zu denken. 

Bis zum 11. März waren bereits über 14.000 Flüchtlinge aus der Ukraine in Estland angekommen, davon seien etwa 3500 weiter in andere Länder gereist, und etwa 5000 seien Kinder (err) Mehrere estnische Gemeinden wandten sich bereits mit der Bitte um Unterstützung an die estnische Regierung, denn ihre Aufnahmekapazitäten seien überlastet.

Montag, Februar 21, 2022

Begegnung mit Jaan

Nun wird man ihm auch beim Spaziergang durch Tallinns Altstadt begegnen - und Touristen werden ihn kaum noch ignorieren können, denn die neu errichtete Statue zu seinem Gedenken steht direkt vor der Touristinformation. Mikhail Kõlvart, Bürgermeister von Tallinn, war persönlich bei der Einweihung anwesend und wird mit den Worten zitiert: "die Geschichte der Stadt Tallinn und Kulturgeschichte haben durch die Werke von Jaan Kross viel gewonnen". (err / tallinn.ee)

Geboren war er 1920, gestorben ist er 2007 im Alter von 87 Jahren. Es war nicht nur die Idee der estnischen Literaturszene, dass er auch mit dem Nobelpreis gebührend hätte geehrt werden können. Er übersetzte unter anderem Heine, Brecht, Shakespeare und Balsac ins Estnische. Aber ihm wird auch der Satz zugeschrieben, Estland sei aus einem Gefängnis gekommen und in einem Warenhaus gelandet. 2010 wurde ein Jaan-Kross-Literaturpreis geschaffen - der aktuelle Preisträger ist der Literaturwissenschaftler Jüri Talvet.

Die Überlegungen zu einem Denkmal für Jaan Kross konkretisierten sich rund um seinen 100. Geburtstag, aber es wurden verschiedene mögliche Standorte diskutiert (Baltic Times). Nun steht die Statue mit Blick direkt auf das Haus des Schriftstellerverbandes, in dem Jaan Kross zusammen mit seiner Frau Ellen Niit einige Jahre gewohnt hatten.

Palju õnne sünnipäevaks - typisch estnische Ehrung?
Google erinnerte an Estlands bekanntesten Schriftsteller

Die Statue wurde als Ergebnis eines Designwettbewerbs vom Bildhauer Jaak Soans erstellt (unter Mitwirkung der Architekten Karmo Tõra und Mark Kovalenko) und soll die Stadt Tallinn 165.000 Euro gekostet haben. In Deutschland ist Soans vor allem in Schwerin bekannt, denn auch die dort noch immer standhaft erhaltene Lenin-Statue wurde 1985 von ihm geschaffen (hauspost / Deutschlandfunk FAZ / dreesch-schwerin)


Samstag, Januar 29, 2022

Insel ohne Õ

Wer vielleicht, schon wegen schwieriger Reiseumstände, seit 2019 nicht mehr auf estnischen Insel Saaremaa war, wird sich vielleicht wundern: nun gibt es neue Grenzen. Nein, keine Angst - es ist weder eine Zollgrenze, noch muss ein Passdokument vorgezeigt werden. Es ist lediglich ein ausdrücklicher linguistischer Hinweis: der Buchstabe Õ, auf desssen Existenz alle Estnisch-Sprechenden sonst so stolz sind, gilt in weiten Teilen der Insel Saaremaa nicht. 

Nun wird auch jeder Gast, mehr oder weniger dezent, auf diesen sprachlichen Umstand hingewiesen; anfangs waren sogar Straßenschilder aufgestellt worden, die allerdings von der estnischen Straßenverwaltung beanstandet wurden.

Nun ist es einfach ein 5 Meter großes Õ, aufgestellt an der Straße zwischen Kuressaare und Kuivastu. Taavi Pae, Professor der Geografie und einer der Initiatoren dieser Aktion, wird mit den Worten zitiert: "Es gibt ja viele Witze über dieses Thema, aber dieses Zeichen steht auch als Bekenntnis zu unserer kulturellen Identität. Es gibt eben doch auch Dialekte in der estnischen Sprache, und es ist wichtig sie zu achten." (err)

Als wissenschaftliche Grundlage wird meist auf die Untersuchung von Theodor Kaljo aus dem Jahr 1928 verwiesen, der die genaue Sprachgrenze analysierte und eigene Aufzeichnungen machte (Saarte Hääl).

Rattasõit või rattasöit? fragte auch "Visitsaaremaa" etwas scherzhaft ("Radfahren oder Radfahren"), weist aber doch auf Otto Wilhelm Masing hin, der zuerst auf die Existenzberechtigung des Õ hingewiesen hatte. Und inzwischen hat der Buchstabe selbstverständlich einen eigenen Wikipedia-Eintrag

Ob es ehemals deutsche Besiedlung oder schwedischer Einfluss war, die das Ö auf Ösel hinterließen? Da wird die gebotene Information ungenau. Aber, es bleibt dabei: ein Besuch beim Õ / Ö, vielleicht eine neue Touristenattraktion! Und, vielleicht als "Geheimtipp": es gibt auch ein Ö-Restaurant - das befindet sich allerdings in Tallinn.

Montag, Januar 17, 2022

e-zählung

Wie findet eine Volkszählung in Estland statt? Helfer und Helferinnen des Statistikamtes gehen von Tür und versuchen willige Freiwillige fürs Fragebogenausfüllen zu finden? Wohl kaum. In Estland setzen verantwortlichen Ämter ganz auf die elektronische Selbstzählung, kombiniert mit Daten, die aus bereits bestehenden Datenregistern stammen, wie zum Beispiel dem Bau- und Wohnungsregister, dem Arbeitsregister oder dem Steuerregister.

Am 22. Januar 2022 läuft die Beteiligungsmöglichkeit an der estnischen Volkszählung aus, wobei der 31.12.2021 der Stichtag für die Daten sein soll. Zur Beteiligung aufgerufen sind alle Menschen mit ständigem Wohnsitz in Estland. Dem voraus gingen mehrere Probeläufe in den vergangenen Jahren. Zwischenbilanz der estnischen Statistikbehörde am 6. Januar: bisher haben sich 150.000 Estinnen und Esten beteiligt. 

Liina Osila, Projektmanagerin bei "Statistics Estonia" gibt zu, dass es noch Lücken gibt: "Ich möchte besonders Menschen in der Region Ida-Viru zur Beteilgigung einladen, denn hier ist der Prozentsatz der Antworten mit 4% noch am niedrigsten. Und es ist auch klar ersichtlich, dass unter den Antwortenden insgesamt 61% Frauen sind, aber nur 39% Männer." 

Mit dem 22. Januar ist die Datenerfassung aber nicht vorbei. Im Zeitraum 1.-28. Februar werden dann gezielt Menschen befragt, die in ausgewählten Bezirken wohnen, die als statistisch relevant identifiziert worden sind - per zufälliger Auswahl. Hier gilt die Beteiligung (für ca. 60.000 Menschen) dann obligatorisch - und dafür kommen dann doch "Interviewer" zum Einsatz. Interessant dabei: der oder die Befragte hat das Recht, eine/n andere/n Interviewer/in anzufordern, wenn es für nötig gehalten wird. Das Statistikamt betont zu einigen Themen Daten über die bereits vorhandenen Register hinaus zu benötigen - wie zum Beispiel Fragen zu (Fremd-)Sprachkenntnis und religiöser Zugehörigkeit.