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Dienstag, März 03, 2009

Kiiking - wenn nicht in Estland, dann im eigenen Garten!


Offenbar angeregt durch unseren Beitrag zu KIIKING schickte uns ein Leser dieses Blogs schöne Fotos zu, die eindrucksvoll demonstrieren, was als Eigenbau im eigenen Garten möglich ist.
Diesen Beitrag möchte ich doch dann auch den Kiiking-Fans auf keinen Fall vorenthalten!

Hallo,nicht nur in Estland ist Kiiking beliebt - auch bei uns im Garten gibt's das seit 1982.
Leider sind Überschlag Schiffschaukeln aus Kostengründe
n (Versicherung) fast ausgestorben.Meine Schaukel hat eine Höhe von 3,15 m und ist inzwischen aus Sicherheitsgründen mit einem Kahn versehen worden.
Meine Kinder und Freunde haben damit ihr Vergnü
gen. Freunde aus Estland, die hin und wieder zu Besuch kommen, haben sich allerdings bisher noch nicht getraut!
Ich hänge ein paar Bilder an, die Sie auch gern veröffentlichen dürfen.

Mit freundlichen Grüßen
Winfried Voigt

Mittwoch, Oktober 22, 2008

Frauen in Estland: Funsport oder lustiges Landleben?

Als deutschsprachiger Mensch und Estland-Freund ist es immer interessant mitzuverfolgen, welches Bild sich in den deutschsprachigen Medien wiederspiegelt. Da fallen in dieser Woche zwei Beiträge auf, die Frauen aus und in Estland zum Thema haben.

Da ist einerseits Evelin Ilves. "SCC-Running" interviewt sie als teilnehmende Inline-Skaterin beim Berlin-Marathon 2008. Das steht wohl unter dem Motto "Coole Präsidentin haben diese Esten (und Estinnen)"...

Interessant die Begründung zur Frage, wie denn die Bedingungen zum Inline-Skaten in Estland ausfallen: "
Jede neue Straße in Estland muss einen Fahrradweg haben, daher sind die Bedingungen besser als in vielen anderen Ländern." - Nun, sehr vereehrte Frau Ilves, das ist Europarecht (das mit den neuen Straßen und den dazu zu bauenden Radwegen!). Aber können Sie uns erstens verraten, ob Sie nun etwa auf den Radwegen skaten (ist das in Estland erlaubt? oder wegen nur wenigen Radfahrer/innen möglich?), und zweitens, warum denn die anderen EU-Länder (etwa die Nachbarländer Lettland und Litauen) nicht auch diese Gesetze gleichermaßen umsetzen?

Andere Aspekte zum Thema "Frauen in Estland" sind bei Agrar-heute nachzulesen. Dass die angeblich positive Entwicklung in der estnischen Landwirtschaft immer nur in Form von kurzfristigen Statistiken gemessen wird (nicht etwa von 1990 an gerechnet oder damit verglichen!), das sind wir ja schon gewohnt. Hier aber steht unkommentiert, dass 37% der 12.700 Inhaber landwirtschaftlicher Betriebe in Estland Frauen seien. "Frauen spielen eine wichtige Rolle", steht da zu lesen. Als Geringverdiener, als landwirtschaftliche Zuerwerbsbetriebe (40% aller Betriebe haben zusätzlich eine außerlandwirtschaftliche Tätigkeit), als Alleinerziehende, als Öko-Bäuerinnen, oder als Liebhaberinnen des Landlebens? Vielleicht steht das ja mal woanders nachzulesen.

Donnerstag, Oktober 09, 2008

Was ist das schon wieder: Kiiking?

Kiiking - dieses Wort klingt wie der Begriff für einen neuen Straftatbestand – wie Stalking oder eine neu erfundene Sportart. Alles in der Regel eine Anleihe aus dem Englischen. Die Annahme mit dem Sport ist zutreffend, aber die bezeichnung kommt nicht aus dem Englischen, sondern aus dem Estnischen und bedeutet Schaukeln.

Schaukeln eine Sportart? Haben in Estland Kinderspielplätze und Sportplätze fusioniert? Keineswegs. In Estland ist Schaukeln nicht nur ein Kinderspaß und es wird viel geschaukelt. An Stränden und in Parks oder Naturschutzgebieten stehen überdimensionale Schaukeln aus Holz, auf denen problemlos zehn Erwachsene Platz haben. Da diese Konstrukte das ganze Jahr über bei Wind und Wetter im Freien stehen, ächzt es regelmäßig verdächtig beim Schaukeln, aber bislang wurde von nennenswerten Unfällen nicht berichtet.

Da diese Schaukeln schon im benachbarten Lettland weniger bekannt sind, verwundert es wenig, daß gerade die Esten daraus einen Sport machen. Daher auch der Name. „Kiik“ heißt Schaukel, „kiikuma“ schaukeln und Kiiking ist eben das Schaukeln – obwohl das korrekt substantivierte Verb „kiikumine“ heißt. Es gibt sogar einen Weltmeister im Schaukeln, der heißt Andrus Ääsmäe und kommt natürlich auch aus Estland. Davon berichtet nunmehr sogar der Spiegel online.

Aber wenn Schaukeln nun ein Sport ist, in dem sogar Wettbewerbe stattfinden, wo liegt dann die Leistung, die sich messen und vergleichen läßt? Schaukeln ist eben doch nicht gleich Schaukeln. Es geht beim Kräftemessen um den Überschlag. Die Wettbewerbschauekeln sind denn auch andere als jene, die vielerorts an öffentlichen Plätzen in Estland zu finden sind.

Ääsmäe erklärt im Interview, wie man sich zum Weltmeister aufschaukelt. Während der Bewegung nach unten müsse man in die Knie gehen und sich dann blitzschnell am tiefsten Punkt wieder aufrichten, um Schwung zu holen. Dabei liege die Anstrengung eben vor allem darin, den Körper aus den Beinen hochzustemmen, während gleichzeitig die Eingeweide nach unten sacken.
Auf jeden Fall, so Ääsmäe, mache Schaukeln süchtig. Und es sei doch toll, ohne Drogen in den Himmel zu fliegen. Die Gefahr betreffend berichtet der Weltmeister nur von einem gebrochenen Handgelenk bei einem Athleten, der vor der Akrobatik doch nicht auf flüssiges Doping hatte verzichten wollen.

Dienstag, Juli 24, 2007

Die "köln" uns mal, die Esten!

Tallinn entwickelt sich in letzter Zeit offensichtlich zu einem Treffpunkt einer gewissen "In-Szene" der deutschen Möchtegern-Kulturavantgarde. Waren die turbulenten Tage im Mai ein Auslöser? "In Tallinn ist was los!" Das sollte ja eigentlich auf andere Ereignisse bezogen sein.

Nach den berauschend belanglosen Kolumnen von Hendryk M. Broder bei SPON (der inzwischen auch Riga-Kolomnen schreibt), kritzelt nun auch ein Freizeit-Kolumnist aus Köln seine Notizen aus Tallinn in sein Blog-Notizbuch. "Et is, wie et is," (für Nicht-Kölner: "es ist, wie es ist"), so das Motto von Edgar Franzmann auf www.koeln.de. Ganze drei Wochen habe er sich in Estland und Lettland aufgehalten, gibt er bekannt. Was ist dabei herausgekommen?

"Tallinn, die Hauptstadt Estlands, ist - wie Köln - eine alte Hansestadt." Gut, Herr Franzmann, dass Sie's gemerkt haben. Vielleicht hätte er die "alte Hansestadt" Köln in Tallinn etwas bekannter machen können? Welche Fremdsprachen der Kölsche Reisende beherrscht, wird leider nicht bekannt gegeben. Jedenfalls kommt Freude auf, dass estnische Lokale "Kehrwieder" heißen können, und Blutwurst auf dem Speiseplan steht. - Und dann die "landestypische Musik". Zitat: "Hörst du”, stieß mich meine Frau an, “das ist doch ‘Schnaps, das war sein letztes Wort’.” Tatsächlich lief da der alte kölsche Schlager - allerdings auf Estnisch gesungen, eine Sprache mit 14 Fällen."

Tja, leider wurde die Karnevalstauglichkeit der Esten nicht getestet. Denn das war es dann auch schon - die Ausbeute einer zweiwöchigen Reise. Reaktionen der Kölner Leser? Zitat: "Man, Edgar lass et jut sinn, höre auf mit der Schreiberei, die hier eh niemanden mehr interessiert und fahre Taxi in Köln."

EDGAR! Halte durch! Bleib am Ball!
Glücklicherweise hat Edgar noch ein zweites Motto: "Et hätt noch immer jot jejange." (= "bisher ist es immer noch gut gegangen ...")