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Dienstag, Februar 20, 2018

Die Legende vom falschen "Realisten"

Am 24. Februar 2018 jährt sich zum 100.sten Mal der Tag, an dem die unabhängige Republik Estland ausgerufen wurde. Wenn sich jedoch Estland in diesen Tagen zurückerinnert, dann wird auch klar, dass am Tag dieser Verkündung die staatliche Unabhängigkeit noch nicht erreicht war - zumindest noch nicht gesichert. Nur einen Tag vorher hatten sich die Truppen der Bolschewiki zurückgezogen, die hofften, Estland würde sich der Russischen Revolution anschließen, und die ehemaligen Rittergüter könnten zu Kolchosen umwandelt werden. Und bereits einen Tag später wurde Estland durch die 8.deutsche Armee besetzt. Es dauerte noch bis 1920, zwei lange Jahre, bis der unabhängige Staat Estland als gesichert betrachtet werden konnte, und bis auch der wichtige Friedensvertrag mit Russland abgeschlossen wurde.

Bildquelle: Nekropole.lv
Wie es in den ersten Tagen der estnischen Unabhängigkeit zuging, symbolisiert das Schicksal eines Menschen, der in Estland Johann Muischneek genannt wird. Der 25. Februar 1918 war ein Montag. Die deutsche Armee rückte aus Richtung der estnischen Inseln auf Tallinn vor. Von estnischer Seite war ein "Estnisches Rettungskomitee" (Eestimaa Päästekomitee) gegründet worden, mit dabei waren u.a. Konstantin Päts (später Regierungschef und Staatsoberhaupt), und die Sozialdemokraten Jüri Vilms und Konstantin Konik.

Ein inzwischen aus Schülern, Pfadfindern und Studierenden gebildeter "Heimatschutztrupp" ("Omakaitse") war die einzige militärische Einheit, die zu dieser Zeit die estnischen Interessen am Ort des Geschehens schützen konnten - darunter auch Schüler der "Tallinna reaalkool", die sogenannten "Realisti". Sie patroullierten durch Tallinn, und wurden auch am 24. Februar 1918 eingesetzt, als mit den Bolschewiki sympathisierende Marosen die Besetzung einer Elektrostation ankündigten. Gegen vier Uhr nachmittags entwickelte sich eine Schießerei in der Altstadt, die "Roten" zogen sich in die Nähe der "dicken Margarethe" (Turm an der Altstadtmauer) zurück. Hier zog sich dann Johann Muischneek tödliche Schußverletzungen zu. Da erst wenige Stunden zuvor die Unabhängigkeit Estlands verkündet worden war (schon am 23.2.18 in Pärnu, am 24.2. in Tallinn), galt er als der erste Este, der für die Unabhängigkeit des Landes starb.

Die "Tallina reaalkool" feiert 100 Jahre
estnische Unabhängigkeit
Lange wurde angenommen, Muischneek sei ein estnischer Schüler gewesen - eben ein "Realisti". 1936 wurde eine Erinnerungsplakette an seinen Tod am Turm angebracht. Als 1991 sich das Bestehen der Realschule Tallinn zum 110.mal jährte, wurde eine neue Tafel angebracht - sie ist heute nicht mehr draußen zu finden, sondern im Museum der estnischen Seefahrt (das heute auch den Kanonenturm Dicke Margarethe umfasst). Tatsächlich aber zeigen neuere Forschungen, dass der Betroffene in Wahrheit Jānis Muižnieks war, ein Lette. Ursache der Unklarheiten waren exil-estnische Publikationen, besonders eine Publikation die 1972 in Schweden erschien, die den jungen Freiwilligen noch als estnischen Helden herausstellte - obwohl auch an dieser Schilderung eigentlich Zweifel aufkommen mussten, da die Schießerei erst am Abend des 24.2. - im Dunklen - stattfand. Dieser Fehler wurde von estnischen Historikern erst 1989 offen angespochen (Looming, Nr.2 1989), aber der Irrtum, Muižnieks sei ein junger Este gewesen, wurde noch bis ins Jahr 2005 wiederholt.

Heute ist sich die Wissenschaft einig, dass  Muižnieks der 1883 erstgeborene Sohn von Pēteris Muižnieks und seiner Frau Liene (geborene Bebris) aus der nordlettischen (damals livländischen) Gemeinde Rauna (dt. Ronneburg) war. Obwohl über seinen Lebensweg wenig bekannt ist, kann doch gesagt werden, dass er eine Ausbildung im russischen Militär absolvierte. Als 1917 die Deutschen den Norden Lettlands besetzten, konnte er nicht nach Hause zurückkehren; estnische Quellen weisen aus, dass er sich ab Dezember 1917 in Tallinn aufhielt - schon seines Alters wegen aber sicher selbst kein Schüler mehr. Als sich dann die Schüler- und Studenteneinheiten bildeten, war er einer der Anführer.

Inzwischen hat man auch im Stadtarchiv von Tallinn weitere Informationen gefunden: dort ist ein "Jahn Muischneek" verzeichnet, der am 25. Februar um 9.30 Uhr starb und dessen Beerdigung am 3.März in der Niguliste Kirche abgehalten wurde. Sogar die Todesursache wird dort erwähnt: eine tödliche Schußverletzung im Rahmen der Kämpfe vom Vortag. Sein Grab befindet sich heute in Tallinn, und die lettischen Nachbarn (siehe TVnet) wie auch die Esten (siehe ERR) sind heute gemeinsam so stolz auf diese Tatsache, dass sie für mögliche Besucher den genauen Ort angeben: auf dem Friedhof Rahumäe, nahe am Haupttor, Kvartal C, 6. Reihe, Platz 3.

Freitag, März 29, 2013

Das Maß der Freiheit

Nur wenige Tage nach den lettischen Nachbarn gibt es jetzt auch seitens des estnischen Außenministeriums eine Pressemeldung zur zeitlichen Dauer der estnischen Unabhängigkeit. Die Letten setzten den Tag am 21.März fest, die Esten am 27.März 2013: den Eintritt in die zeitlich längste Periode des Andauern staatlicher Unabhängigkeit. Wie aber kann diese enge zeitliche Nähe entstehen, wo doch Estland seine Unabhängigkeit bereits am 24.Februar 1918 verkündet hatte, Lettland aber erst am 18.November 1918?

Die lettische Rechnung sieht so aus: vom 18.11.18 bis zum 17.6.1940, als die Rote Armee Lettland besetzte, vergingen ebenso viele Tage (7884) wie vom 21.8.1991 bis zum 20.3.2013. Genau am 21.März 2013 verging also ein Tag mehr - der Eintritt in die zeitlich längste Periode der lettischen Unabhängigkeit.

Die Esten rechnen aber anders:
Am 24.Februar wurde ein "Manifest der Bürger Estlands" als Unabhängigkeitserklärung aufgesetzt und verkündet. Aber schon am folgenden Tag besetzten Truppen des Deutschen Reichs Tallinn - die Freiheit Estlands dauderte also zunächst nur .... einen Tag.
Erst am 11.November 1918, als Wilhelm des Ersten Deutsches Reich endgültig zusammenbrach, konnte Estland die Erklärung vom 24.Februar voll umsetzen - erklärt uns das estnische Ministerium heute. An diesem Tag kam die estnische Regierung ins Amt, die Ministerien begannen ihre Arbeit.
Das Ende dann am 17.Juni 1940 abrupt, als in Folge des Hitler-Stalin-Pakts Truppen der Roten Armee Estland besetzten - nach 7889 Tagen des freien Estlands.
Am 27.März 2013 seien genau diese 7889 Tage wieder erreicht gewesen - so die Diplomaten-Mathematiker des Außenministeriums - plus ein Tag. Also sei der 27.März 2013 der Tag, der die bisher längste Freiheitsperiode Estlands gekennzeichnet habe.

Immerhin wurde einiges unternommen, um diesen Tag besonders zu begehen. Es wurde ein offizieller Beflaggungs-Tag ausgerufen, an allen Schulen stand das Thema auf dem Lehrplan, mittags läuteten Kirchenglocken, und früh morgens habe es in mehreren estnischen Städten Gesangsvorführungen gegeben. Ob es auch eine Rolle spielte, dass Estland "fünf Tage mehr Freiheit" bekannt geben konnte? (allerdings auch erst ein paar Tage später). Vorerst werden dann also für den gegenwärtigen Zeitraum die estnischen und lettischen "Freiheitslängenrechnungen" angeglichen. Womit die Politik wieder zu wichtigeren Themen übergehen könnte ...

Freitag, November 12, 2010

Mein Traum

Vor 5 Jahren haben wir die Photos eines Offiziers an der Ostfront des 1. Weltkriegs veröffentlicht, von Preußen über Litauen, Estland bis nach Finnland. Eine Mischung aus privaten Aufnahmen und verschiedener damals offizieller Fotos. Einige haben den Weg durchs Internet angetreten. Manche sind nun in Archiven gelandet. Eines auch in der Online-Bibliothek der Oxford Universität. Das Besondere daran: Da es bei Flickr gespeichert ist, können Mitglieder kommentieren. Und die Kommentare drehen sich fast ausschließlich um die Identifizierung des Aufnahmeortes. Ich habe darüber schon einmal gepostet. Das Suchen nach der richtigen Stelle hat schon fast "absurde" (siehe unten) Formen angenommen, inklusive eines Videoclips, einer Aufnahme mit Hilfe eines Flugdrachens mit Kamera. Es geht um die Möglichkeiten der Zusammenarbeit im Internet, die nur in Anfängen genutzt wird. Darüber hat aber jemand einen schönen Post geschrieben:

In 2005 a Flickr. Member, Jens-Olaf Walter, posted a photograph from WWI of German soldiers scrambling across railroad tracks somewhere in Finland. He accompanied it with the phrase: “official army photo, German-Finnish Sign “Haltpunkt”?” It was not long before another (rather eccentric looking I might add) user “timonoko” posted a comment identifying a sign in the photo and noting that it was near Helsinki but that he did not recognize the scenery. Another member took the challenge up almost three years later, using the clue of the railway and Google Maps to suggest a possible location. In response to this both Jens-Olaf and ‘timonoko’ posted photos of Finish maps, one of which indicated a change in the railway line through that particular town. Next, and perhaps even more astonishingly, “timonoko” posts a video clip from a Finish TV series “Memories of 1918” showing the exact same scene of the soldiers in the photograph crossing the railroad—except that it had been caught on film!

The stream of comments and image posts does not end there. The amount of collaborative research recorded on this single photo verges on the absurd. All this to say, examining the photograph and reading the comments was a shocking experience for me. I have not seen as dramatic a display of effective crowdsourcing to describe and identify an historical artifact on the internet to date. Interestingly the First World War Poetry Digital Archive, a project of the University of Oxford, asked to post the image in their archive. And there it sits, where I first found it, bereft of its amazing string of comments.

What the above example says to me is that we have not even begun to reach the potential that collaboration can achieve in the digital humanities. What many of the projects lack right now is the sheer mass of user traffic that something like Flickr generates. This suggests to me that more efforts should be made to integrate digital humanities projects with existing free commercial sites. The sky would be the limit.


Crowdsourcing, Flickr, and the Digital Humanities

Freitag, Oktober 16, 2009

Othello an der Ostfront 1918

drakegoodman ist im Besitz unzähliger Postkarten und Fotos aus dem 1. Weltkrieg und veröffentlicht sie ebenfalls wie wir (Infobalt-Archiv) bei Flickr.
Diese Szene oben zeigt eine Aufführung des Othello.
Auf der Rückseite steht "Letter on reverse dated 22.7.1918 with admin stamp from Kgl. 11. Komp. Landw. Inf. Regt. Nr. 21." Drakegoodman hat recherchiert und herausgefunden, dass dieses Regiment zur Zeit der Aufnahme als Besatzungstruppe in Estland oder Russland im Nordosten eingesetzt war.
Es ist erstaunlich wie viel unbekanntes Bildmaterial noch auftauchen kann. Gerade, wo sich das allgemeine Bildgedächtnis auf immer wiederkehrende Motive reduziert. Online kann man den umgekehrten Weg gehen.

Freitag, Mai 22, 2009

Vier Jahre Photoarchiv 1. Weltkrieg

Zugegeben, indem ich wiederholt über die Photos aus dem Besitz von Erwin Biesenbach poste, die er während des Ersten Weltkriegs gesammelt und aufgenommen hat, wird dieser Blog noch geschichtslastiger als er schon ist. Aber ich möchte der mit der Westfront vergleichsweise bildarmen Gegenseite im Osten 1914-1918 etwas nachhelfen.
Einige neuere Ergebnisse der Recherche und Tipps von Dritten, Orte die ich lokalisieren konnte (bei einigen erwarte ich noch Bestätigung von Ortskundigen):
Zwei Photos (hier eins von beiden) von der Brücke bei der Festung Modlin, westlich Warschau in Polen. Beim Zusammenfluss der Vistula und Narew. (Bug und Weichsel). Sie war im Juli 1915 umkämpft. Die sich zurückziehende russische Armee sprengte die Brücke:
WWI Eastern Front- Waggons and bridge
Die heute angeblich längste Brücke in Litauen - Lyduvėnų tiltas:
Hindenburg Bridge - Lyduvėnų tiltas
Diese gefallenen Soldaten der russischen Armee. Das wird irgendwann mal Anlass hier oder im Lettlandblog über die Geschichte der lettischen Schützen zu posten.
15.10.1915 zwei gefallene Soldaten der Russischen Armee bei Groß Ekau. Nähe Mitau/Jelgava heute Lettland, Lecavas
laut Beschreibung durch Granaten im Unterstand getötet
Russian soldiers hit by shell splinters
The New York Times already reported about an Russian operation on October 3th 1915:
RUSSIANS GAIN ON VILNA FRONT; Germans Forced to Fall Back Over Wider Area
...
The Germans attacks have continued in the region of Groß Ekau, but have been unsuccessful.



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Eine wahrscheinlich für Propagandazwecke gestellte Aufnahme. Wir beissen uns seit Jahren die Zähne daran aus. Das Ganze hat schon epische Ausmaße. Ein "Kite" mit Photoapparat war bei der Suche in Helsinki auch schon im Spiel.

Attack of German Army in Finland WWI

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Das sind wahrscheinlich die Brücken bei Jelgava, Lettland über die Lielupe:
Gesprengte Bahnanlagen

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Und noch einmal Finnland: Vor dem Kämp Hotel in Helsinki. Immer noch eine erste Adresse. Damals berüchtigt, weil es zeitweise Aufenthaltsort von Mannerheim war, der aber nicht in diesem Foto zu sehen ist. Links stehend ein finnischer Soldat, ansonsten einige Deutsche:
Mannerheim? WWI Finland

Freitag, Mai 30, 2008

Was wäre wenn?


Jelgava 29.05.1916
Originally uploaded by Jens-Olaf
Jelgava. Hier betritt der älteste Sohn Kaiser Wilhelms II. die Stufen eines Gebäudes in Jelgava, deutsch: Mitau, Lettland. Wahrscheinlich am 29.05.1916, beim Besuch des Kaisers, seines Vaters.
Die Pläne der Deutschen sahen eine Form der Angliederung an das Deutsche Reich vor. Auch die Ereignisse nach dem 1. Weltkrieg mit den Vorstößen deutscher Einheiten Richtung Estland 1919 hinterließen den Eindruck, dass Deutschland der Hauptgegner sei. In den 30ern wurde entsprechend in Estland gefeiert. Über den Sieg bei Wenden, Cesis (Lettland), der die noch junge Unabhängigkeit Estlands gegen die deutschen Truppen sicherte. Der 2. Weltkrieg hat die Perspektive vollständig geändert. Den Esten wurde blinde Kollaboration mit den Deutschen vorgeworfen, was aber bei diesem Hintergrund widersprüchlich ist und so pauschal auch nicht stimmt.

Das Foto ist wahrscheinlich bisher unveröffentlicht.

Anmerkung: Warum poste ich wiederholt über dieses Thema?
Das hat mehrere Gründe. Einmal gibt es viel weniger Dokumente über das Geschehen an der Ostfront im 1. Weltkrieg als von der Gegenseite im Westen. Zum Teil sind die Fotos bisher unbekannt, einige haben mindestens für den regionalen Bezug historische Bedeutung. Und wichtig: Der 2. Weltkrieg ist nur zu verstehen, wenn man die Ursachen und Folgen des 1. Weltkriegs mit berücksichtigt.

Samstag, Mai 10, 2008

In eigener Sache - Das WWI Archiv

Seit bald drei Jahren sind die Fotos von der Ostfront im 1. Weltkrieg, einst im Besitz eines deutschen Offiziers, online verfügbar.Siehe Blogroll rechts auf dem estland-Blog.
Jetzt kam eine Reaktion aus Israel. Eine Webseite erinnert an die ermordeten Juden von Vilkaviskis, Fotos aus der Dokumentation sind in der neuen Webseite aufgenommen worden.
Ralph Salinger hat sich auf die Suche nach der Geschichte seiner Familie und seines Vaters gemacht. Und da spielt auch der 1. Weltkrieg eine wichtige Rolle. Denn Ernst Salinger kämpfte ebenfalls wie der Photograf für den deutschen Kaiser
Photo oben, der Kaiser zu Besuch in Oberost, Jelgava (Lettland)

Hier das Projekt: Vilkaviskis - A small town in Southern Lithuania
Where the Jewish Community no longer exists

Ralph Salinger schrieb in einer E-Mail:

Also enclosed are a couple of pictures regarding my father Ernst Salinger who as I said fought first on the Eastern Front and then on the Western Front for the Kaiser.
The second is the block at Sachenshausen where he was imprisoned from November 1938 till the summer of 1939 - its a strange world.


Die verwendeten Photos befinden sich auf dieser Unterseite.

Mittwoch, Januar 30, 2008

Ein Foto aus dem Jahr 1918

Im Ersten Weltkrieg stießen in Osteuropa die Armeen Russlands mit denen des Deutschen Reichs und Österreich-Ungarns aufeinander. Bis 1917. Die Revolution in Russland folgte. Bis dahin hatten die Deutschen schon Lettland erreicht, im Kriegsjahr 1918 Estland und Finnland.
In unserer Blogroll sind zwei Links auf WWI-Fotos, die wir online zugänglich gemacht haben. Im zweiten Teil dieser WWI Fotoserie ist eine Szene Nahe Helsinki festgehalten. Das Foto hat einige bemerkenswerte Kommentare hervorgerufen, die den Ort der Aufnahme betreffen. Nur auf das Bild klicken und man landet bei der neuesten Entdeckung von Timonoko.

Freitag, Dezember 29, 2006

Die Weihnachtskämpfe 1917

Verbrüderungen zu Weihnachten 1914 an der Westfront des 1. Weltkrieges, in den letzten Jahren Thema für Buchveröffentlichungen, einen Kinofilm und jetzt auch in der Regionalpresse, wo neu aufgetauchte Feldpostbriefe dieses Ereignis aus Soldatensicht beschreiben.
An der Ostfront gab es auch historische Wendungen zum Jahreswechsel 1917. Letten in der Russischen Armee starben zu tausenden, für den Zaren, gegen die Deutschen. Diese Zeitperiode ist völlig ausgeblendet im deutschen Geschichtsbewusstsein. Und nach den Siegen der Deutschen und dem Frieden mit Russland entstand ein eigenartiges Staatsgebilde, das an das Deutsche Reich angegliedert werden sollte: Das Vereinigte Baltische Herzogtum mit Adolf Pilar von Pilchau an der Spitze. Eigentlich ein deutsches Thema. Aber wiedereinmal, wenn es um diese Jahrzehnte während des 1. Weltkriegs und danach geht, bringt der deutsche Wikipedia-Artikel nur dürftige Informationen. Der englischsprachige ist viel ausführlicher.
Hier die Flagge des Herzogtums, das nur vom Deutschen Reich anerkannt wurde. Nach der Revolution 1917 wurden die lettischen Schützenregimenter eine der Hauptstützen der späteren Roten Armee. Hauptgegner unter anderem wieder die Deutschen. Trotzdem sind die Einheiten nicht pauschal gleichzusetzen mit den Zielen der Bolschewisten. Ein genauerer Blick auf die Geschichte ist hier notwendig. Peteris Cedrins in Daugavpils hat es in diesem Post getan, hier lesen.

Donnerstag, November 02, 2006

1. Weltkrieg und der Fotofund

Die unbekannten Fotos von der Ostfront im 1. Weltkrieg, worüber es hier schon eine längere Beitragsfolge gab, sind seit einiger Zeit auch Bestandteil des deutschen Wikipedia-Artikels "1.Weltkrieg". Der gesamte Artikel wurde als "exzellent" qualifiziert. So haben die Aufnahmen, die teils im hervorragenden sich aber auch im physikalischen Endstadium befinden einen würdigen Platz gefunden. Denn das Fotomaterial ist rar über den östlichen Kriegsschauplatz von 1914-1918. Dagegen prägt uns das übermächtige Bild der Westfront, wie Verdun oder Orte in Flandern. Übrigens gehören die Fotos auch zum englischsprachigen Artikel der Online-Enzyklopädie Wikipedia Eastern Front (World War I).

Mittwoch, April 26, 2006

Narva - 1.Weltkrieg und die Fotos


Narva Church WWI Eastern Front
Originally uploaded by Jens-Olaf.
Im letzten Jahr handelten einige Posts von der deutschen Ostfront im 1. Weltkrieg. Ein deutscher höherrangiger Soldat hatte Fotos aus den Besatzungsgebieten aufbewahrt. Zum großen Teil war er selbst mit der Kamera unterwegs. Bis vor kurzem waren die Aufnahmen in Privatbesitz. Wir haben diese bei dem Fotoprogramm Flickr im letzten Jahr hochgeladen. Mit der Zeit gab es Reaktionen und Kommentare darauf. Sie reichen von Finnland, Russland bis in die USA. Einige haben wertvolle Zusatzhinweise geliefert. Hier ist eine Information, die ich per Email erhalten habe, und zwar zu dieser Straße in Narva im Nordosten Estlands.
"This new pic You uploaded is a view of the church by "Kiriku street". "Kirik"="church" in Estonian. The street used to be a straight line from orthodox church to lutherian church, both built by Krenholm manufactory for their workers. Narva was till 1917 actually in a unique situation. When the territory, refered nowadays as Estonia was divided between Livonian and Estlandian Gouvernments of the Russian Empire, the city of Narva belonged to St. Petersburgh Gouvernment. But only the city itself. The surroundings, including the Krenholm factories that are inside city now, belonged to Estlandian Gouv. In factories worked much more people, than lived in the city. So the factories decided to build there own churches, as people couldn't go to church into another Gouvernment. Crazy ... "

von Seemerep (Synonym), der Historiker in Narva ist.

Montag, November 14, 2005

Zeitungs- Rückblick Revaler Bote

Das Weltkriegs-Bildarchiv ist jetzt fast vollständig. Fotos aus dem 1. Weltkrieg und vor allem von der unbekannten Ostfront. Siehe Blogroll-Liste. Sie stammen von einem Soldaten, und dabei muss hinzugefügt werden,einem Soldat des Deutschen Reiches. Auf der anderen Seite der Front kämpften auch Deutsche, vor allem in der Russischen Armee. Viele sind Balten(deutsche) gewesen, also Nachkommen der vor Jahrhunderten ausgewanderten Westfalen usw..
Nach dem 1. Weltkrieg gab es in Deutschland eine Revolution und die Weimarer Republik wurde gegründet, Estland wurde auch Republik, die mit einem zweijährigen Unabhängigkeitskrieg begann. Die Baltendeutschen fanden sich also in einem neuen Staat wieder. Das Erstaunliche ist, wie die deutschsprachige Zeitung dort Berliner Politik 5 Jahre nach Kriegsende fast eins zu eins überträgt. Sehr gut zu sehen am Ende des Leitartikels, wo die angespannte Aufregung über die geforderte Auslieferung des Kronprinzen kommentarlos zitiert wird:

Für die Rückkehr des Kronprinzen, meinte der Kanzler[Stresemann], möchte er lieber neuen französischen Brutalitäten ausgesetzt sein, als den Vorwurf tragen, daß der letzte Deutsche aus dem Weltkrieg noch im Auslande fern von seiner Familie weilen müsse. Die Forderung der Auslieferung werde selbstverständlich abgelehnt.
Mit solchen Leitartikeln war die Verbindung zu Estland fast vollständig aufgehoben. (Der Artikel läßt sich herausvergrößern)

Freitag, Oktober 28, 2005

From boingboing to flickr to WWI Eastern Front

Now here are more readers from the English blogoshpere than from the German one.

Since boingboing.net published the url link to a set of more than 130 photos of a German soldier on the EASTERN FRONT during WWI I will try to give some further information. Though millions of soldiers experienced the other huge front in WWI there is a big gap of images compared to the Western Front. WWI seems to be a war almoust exclusivly devasting areas in Belgium and France.

In recent years more studies were done, about the way the Germans established a strange military state, called Ober Ost. This occupation and its result was one of the reason for the decision making 20 years later during WWII conquering Eastern Europe and the way they did it. Here are some results:

one of the major studies from US Historian, Vejas Gabriel Liulevicius
his book: War Land on the Eastern Front

Or this one from Erin Gettmann
The Baltic region during WWI

Ältere Posts zum Thema Ostfront im 1. Weltkrieg im Estland Blog:

1. Weltkriegserie - Die Archive
1. Weltkriegs- Fotoserie Zwischenbilanz

Donnerstag, Oktober 27, 2005

boingboing

Monatelang haben wir ein kleines Fotoarchiv mit über 100 unveröffentlichten Eindrücken von der Ostfront im 1. Weltkrieg zusammen gestellt, geordnet in einem Set des Foto-Weblogprogramms flickr.com. Die Fotos stammen aus dem Nachlass eines deutschen Militärs, Jahrzehnte in Privatbesitz. Nun: bis gestern haben sich das Set etwa 50 Viewer angesehen, einige Museen im Baltikum haben die Fotos direkt per E-mail bekommen. Sie helfen dort eine historische Bilderlücke zu schließen. Heute werden es auf dem Set im Fotoblog wohl 20 000 Viewer sein. Die Ursache konnte ich erst nach 10 Stunden erfahren. Zeitweise war der Zugang zur Webseite nicht mehr möglich. Die Ursache liegt hier.
boingboing sammelt interessante Themen aus dem Internet und zwar extrem weit gestreut vom Inhalt.

Montag, August 22, 2005

1. Weltkrieg Fotoserie - Die Archive


Seit wir mit der 1.Weltkriegs-Fotoserie angefangen haben, stellt sich die Frage: Wieviel ist aus dem Nachlaß des Soldaten Biesenbach über die Ostfront bereits bekannt oder in der Zwischenzeit verschwunden. Nach der Ansicht des amerikanischen Historikers Liulevicius, Kriegsland im Osten, ist das schwierig zu beantworten. Ein Großteil des Bildarchivs WWI ist im 2. Weltkrieg verloren gegangen.
Liulevicius:
Somit stellt die Vernachlässigung der Ostfront in der Historiographie des Ersten Weltkrieges eine bemerkenswerte Lücke dar. ...
... Nach dem Zweiten Weltkrieg ging man davon aus, daß vor allem im Potsdamer Reichsarchiv fast alles Dokumentationsmaterial den Bomben zum Opfer gefallen war, während die Archive in der Sowjetunion unzugänglich oder unbekannt waren (im nachhinein stellte sich allerdings heraus, daß wichtige Materialien erhalten geblieben sind, wenn auch weit verstreut und mitunter unvollständig).

Das oben gezeigte Foto, Vormarsch der deutschen Truppen nach Tartu, stammt aus dem Militärarchiv und besitzt eine Numerierung. Ob es bis jetzt der Forschung zugänglich war oder nicht, lässt sich von uns aus nicht feststellen.

Freitag, August 12, 2005

Unknown images of the Eastern Front WWI

The Eastern Front is also called the "Unknown Front" of WWI. But recently published works has led to a new discussion about the after war concepts of Germany for the western part of Russia what is Poland, the Baltics and Belarussia today.This article of BBC explains the ideology of "Lebensraum" in the East.
Here are the WWI photos we have published at flickr.com.

1. Weltkrieg Fotoserie Zwischenbilanz


Seit zwei Monaten ist das Internet- Bildarchiv von der Ostfront des 1. Weltkrieges auf über 100 Aufnahmen angewachsen. Von der Preussischen Grenze bis nach Finnland reichen die Dokumente. Und sie stammen alle aus dem Besitz eines höherrangigen Soldaten, der für Transport und Versorgung zuständig war. Hier im Vordergrund mit Lederhandschuhen, Ort noch nicht identifiziert.
Seine eigene Einstellung zum Krieg und den Umständen lässt sich nicht erfassen, die Albumeinträge und Fotorückseiten sind sehr kurz gehalten. Lange Zeit hielt er sich in Mitau - Jelgava und Schaulen - Siauliai auf, jetzt Lettland und Litauen. Damals gehörten die Städte zum Russischen Reich. Die deutsche Besatzungszone bekam eine besondere Militärherrschaft, genannt Oberost. Hier Auszüge einer Buchrezension aus DIE ZEIT:

Dieses wenig bekannte Kapitel in der Geschichte des Ersten Weltkrieges hat der an der University of Tennessee lehrende Historiker Vejas Gabriel Liulevicius zum Gegenstand einer großen Untersuchung gemacht. Gestützt auf einen reichen Fundus von Quellen aus deutschen und litauischen Archiven, beschreibt er die Praxis der deutschen Militärverwaltung in den Jahren 1915 bis 1918. Er schildert die Konflikte, die sich zwischen den Besatzern und der einheimischen Bevölkerung entwickelten, und er fragt danach, welches „Bild vom Osten“ sich in den Köpfen der deutschen Soldaten festsetzte und welche Wirkung es hinterließ.

Im Verlauf des Krieges dienten zwei bis drei Millionen deutsche Soldaten an der Ostfront. Für viele war es die Begegnung mit einer fremden Welt. Mehr noch als unter der Weite des Landes und den Unbilden der Witterung litten sie unter den scheinbar allgegenwärtigen kleinen Plagegeistern, den Läusen, die, wie der Autor anmerkt, in den Augen der Besatzer zum „Markenzeichen des Ostens“ wurden. Hinzu kam das verwirrende Gemisch aus verschiedenen ethnischen Gruppen – Litauern, Letten, Esten, Weißrussen, Ostjuden –, das so gar nicht dem Klischee vom monolithischen zaristischen Großreich entsprach. Aus den ersten Eindrücken formte sich der Wille, Ordnung in diesem Chaos zu schaffen. Die deutschen Militärs machten sich mit der Überzeugung ans Werk, eine „kulturelle Mission“ zu vollbringen. Im Militärstaat Ober Ost sollten Land und Leute nach deutschem Bilde umgeformt und der Weg für eine dauerhafte Herrschaft geebnet werden.

In der ersten Phase der Besetzung ging es darum, ein engmaschiges System der Kontrolle zu errichten. Das Territorium mit seinen drei Millionen Einwohnern wurde in sechs Verwaltungsbezirke gegliedert; die Grenzziehung erfolgte willkürlich, ohne Rücksicht auf die Gegebenheiten des Landes. Zugleich wurde die Infrastruktur – Eisenbahnlinien, Straßennetz sowie Post- und Telegrafenverbindungen – wiederhergestellt beziehungsweise deutschen Standards angepasst. Militärische Sicherheitsinteressen verbanden sich hier mit der Absicht, die Ressourcen des Landes für die deutsche Wirtschaft verfügbar zu machen. Dem diente auch die statistische Erfassung der Bevölkerung. Nichts durfte nach dem Willen der Militärs ungeregelt bleiben; eine Flut von Verordnungen überschwemmte das Land. Überdies mühten sich Reinigungskommandos und Entlausungsstationen darum, deutsche Vorstellungen von Sauberkeit durchzusetzen. Einheimische, die unter Aufsicht Straßen und Plätze säubern mussten – das war in den Worten des Autors der „archetypische Akt“ deutscher Militärherrschaft im Osten.

Die unterworfene Bevölkerung sollte freilich nicht nur kontrolliert und zur Reinlichkeit erzogen, ihr sollte auch eine neue Gesinnung eingepflanzt werden. Zu diesem Zwecke entwarf die Besatzungsmacht ein umfassendes „Kulturprogramm“. Dabei versicherte sie sich der Mitarbeit von Schriftstellern wie Richard Dehmel oder Arnold Zweig und auch junger Wissenschaftler wie Victor Klemperer. Die Zeitungen wurden ganz auf die Bedürfnisse der Militäradministration zugeschnitten; ein „Buchprüfungsamt“ wachte über den Literaturkanon. In den Theatern avancierte Friedrich Schillers Wallensteins Lager zum meistgespielten Stück. „Jetzt bietet sich eine einzigartig dastehende Gelegenheit, Fremdvölkern zu zeigen, was das Wesen deutscher Kunst ist“, hieß es in der offiziellen Darstellung Das Land Ober Ost aus dem Jahr 1917.

Auch das Schulsystem wurde von Grund auf neu organisiert. Deutsch war Pflichtfach von der ersten Klasse an. Der Betrieb höherer Bildungseinrichtungen wurde stark eingeschränkt. Denn eine einheimische Intelligenz wurde nach Ansicht der Besatzer nicht gebraucht.


Militärs und Beamte führten sich im Lande Ober Ost wie Kolonialherren auf, die glaubten, „primitive“ Völker mit den Segnungen deutscher Arbeit und Kultur beglücken zu können – und ihnen doch durch Einschränkung ihrer Bewegungsfreiheit, durch willkürliche Requisitionen und demütigende Rituale wie die Grußpflicht gegenüber deutschen Offizieren das Leben immer beschwerlicher machten. „Die russische Knute tat manchmal weh, die preußische Fuchtel immerfort“ lautete eine wiederkehrende Klage.
Je länger die Besatzung dauerte, desto mehr wuchsen Erbitterung und Hass. Die deutsche Militärverwaltung erreichte das Gegenteil dessen, was sie beabsichtigt hatte: Statt die Grundlagen zu legen für eine dauerhafte Beherrschung der eroberten Gebiete, förderte sie die nationalen Bestrebungen der unterjochten Völker. Nach der Russischen Februarrevolution 1917 wurde der Ruf nach Selbstbestimmung immer lauter. Längst bevor die deutsche Oberste Heeresleitung Ende September 1918 die militärische Niederlage eingestehen musste, war Ludendorffs ehrgeiziges Projekt gescheitert.
Das besprochene Buch in der englischsprachigen Ausgabe.

Dienstag, Juli 12, 2005

Donnerstag, Juli 07, 2005

1.Weltkriegserie - Die andere Seite


Der Fotonachlass eines deutschen Soldaten im 1.Weltkrieg ist nun Bestandteil des Infobalt e.V.-Archivs. Als Militär war er überwiegend an der sogenannten "Vergessenen Front" im ehemaligen Russischen Zarenreich eingesetzt. Um das Bildgedächtnis an die Geschehnisse im Osten aufzufrischen, werden große Teile des Nachlasses bei flickr.com veröffentlicht. Die originalen Fotountertitel adressieren oft die andere Seite: "Die Russen". Aber so einfach war die Sache nicht. Gegen die Deutschen kämpften damals auch Esten und Baltendeutsche, wie hier auf dem Gruppenbild. Alles "russische" Offiziersschüler aus Tallinn, die noch keine Vorahnung eines drohenden Weltkrieges hatten. Posted by Picasa

Freitag, Juli 01, 2005

Erster Weltkrieg - "Zukunftskarte"


Die Zukunftskarte zeigt 1915 die Expansionsfantasien, die durch die ersten Anfangserfolge des deutschen Heeres noch reichlich vorhanden waren. Die Karte beinhaltet eine der viel diskutierten Möglichkeiten der Eingliederung des Baltikums ins Herrschaftsgebiet des Kaiserreiches. Selbst weit in ureigensten russischen Gebieten verläuft die Grenze bereits. Ein Vorgriff auf die Planungen im 2. Weltkrieg. Beim genaueren Betrachten fällt auf, dass Russland fast ganz aus Europa herausgedrängt wird. Österreich-Ungarn bekommt den Hauptanteil im Osten. Polen wird auf das Zentrum reduziert und dem Russischen Kaiserreich wieder ausgegliedert. Auch hier gibt es Anklänge an das spätere Generalgouvernement nach der Zweiteilung Polens durch die Sowjetunion und Deutsches Reich 1939. Posted by Picasa
Fortsetzung der Fotoserie 1. Weltkrieg.