Ein Schaufenster des nordischen Films nach Europa - diese oder ähnliche Zielsetzungen waren von Seiten der Lübecker Filmtage schon öfter zu hören und zu lesen. Da müsste doch ein Land, dass sich öfters ausdrücklich eher "nordisch" als "baltisch" definiert, ganz richtig sein, dachte ich mir und habe mich dieses Jahr mal nach Lübeck auf den Weg gemacht um die neuen Trends zu erkunden. Um die Frage dann umzudrehen: sind die "Nordischen Filmtage" auch "baltisch"? Finden estnische (lettisch, litauische) Filmproduktionen hier ihr Publikum, ihre Verleihpartner, oder eine kollegiale Diskussionsebene?
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| aus: "Tänze für die Milchstraße" (Tantsud Linnuteele) |
Um es gleich zu sagen: die feierliche Preisverleihung habe ich mir gespart. Aber obwohl offenbar niemand Filme aus Estland preiswürdig fand ("Nachwuchs im höheren Sinne", so bezeichnete Festival-Intendantin Christine Berg im NDR-Fernsehen die Produktionen aus den baltischen Staaten), kann ich andererseits sagen: Ich habe auch keinen schlechten Film gesehen.
49 Kinos, inklusive 3 Multiplex-Kinos, existieren momentan in Estland - von den 49 sind aber nur 12 Kinos ganzjährig betrieben. Durchschnittlich 3,70 Euro muss ein Zuschauer in Estland für ein Ticket bezahlen, aber nur 2% der insgesamt 2,1 Millonen Zuschauer sehen sich in den Kinos einen in Estland produzierten Film an (Baltic Film Statistik 2010). Im Jahr 2010 hatten 4 estnisch produzierte Spielfilme Premiere, 6 Kurzfilme, 1 Animationsfilm - aber 34 Dokumentarfilme. So begrenzt ist der einheimische Markt für jede estnische Filmemacherin und jeden Filmemacher - jeder fertige Film ein kleines Wunder.
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| aus: "Vahetus" (Schicht) |
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| aus: "Eesti lood - vanad kalad" (Estnische Geschichten - alte Fische) |
Dann "Vahetus" (Schicht) von Anu Aun, gleichfalls ein Kurzfilm (15min.). Hier treffen das ganz normale Alltagsleben auf die Lustbarkeiten der estnischen dünnen Oberschicht, und gleichzeitig gedankenlose Männer auf willensstarke Frauen. Lichter der Großstadt, grelle und verblassende Farben, leise und rücksichtslose Töne. Der Film heimste schon eine Reihe estnische und internationale Preise ein - unter anderem den Titel "bestes estnisches Filmdebut" - völlig zurecht. Von Anu Aun wird man noch hören und sehen - wie zu lesen ist, ist sie gleich an mehreren neuen Filmproduktionen beteiligt.
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| Regisseur Andres Maimik als Gast der Nordischen Filmtage Lübeck |
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| "Kuku" - Arvo Kukumägi als Arvo Kukumägi |
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| des Friedhofswärters Frau und Tochter: "Surnuaiavahi tütar" |
Der estnische Film wird 2012 einhundert Jahre alt - schon jetzt darf man gespannt sein, ob von dieser langen Schaffensspanne irgendwo in Deutschland im nächsten Jahr etwas zu sehen sein wird.















