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Dienstag, November 17, 2009

Das Wendejahr "1989"?



Mauerfall, Wendejahr. Überblicke über die Geschehnisse in Osteuropa vor 20 Jahren wurden von allen großen Medien geliefert. Aber die Verkürzung fällt schon auf. Die Konzentration auf Polen und die anderen pseudo-selbstständigen Sowjet-Staaten. Nur was in der Sowjetunion vorging wird oft nur am Rande erwähnt. Beispiel: 2o minuten aus der Schweiz. Die UDSSR ist also gleich Gorbatschow. Gleiches Bild bei der österreichischen Seite Europa - 1989 geteilt 2009 geeint. Baltikum, Fehlanzeige auch hier.
Zur Erinnerung eine kleine Chronik der Schlagzeilen aus Estland in der deutschsprachigen Presse:

"Nur noch Wunder - Uno-Mitgliedschaft für Lettland, Wirtschaftsautonomie für Estland - die Balten fordern Unabhängigkeit von Moskau"

SPIEGEL Nr. 26 1988

"Drei verratene Völker - Wie die baltischen Republiken von Hitler ausgeliefert, von Stalin unterworfen wurden"

Die Zeit Nr.41 7. Oktober 1988


"Wir reiten auf einem Tiger - SPIEGEL Redakteur Jörg R. Mettke über die Volksfront in Estland"

Spiegel Nr. 41 1988
"Volksfronten blühen im Baltikum - Nach Litauen und estland haben sich jetzt auch in Lettland die unabhängigen Gruppen zur "Volksfront" erklärt"

taz 10.10.1988

"Wir wollen keine Fremdbestimmung durch Bürokraten - Die estnische Ökonomin Marju Lauristin ist eine der sieben gewählten Führungsmitglieder der "Volksfront" in Estland"

taz 10.10.1988
"Vom Balkan bis zum Baltikum In allen sozialistischen Staaten regt sich das Selbstbewußtsein der Völker"

Die Zeit Nr. 42 14. Oktober 1988
"Schlimme Garotte - Die Esten gegen Moskau - zwischen der Zentralgewalt und den Balten zeichnet sich ein Verfassungskonflikt ab"

SPIEGEL Nr.47 1988
"Baltikum - Nur ein Wunder kann helfen"


und

"Mein Vaterland ist meine Liebe" - Im Baltikum wächst die Ungeduld. Vor allem in Estland werden Gorbatschows Reformversprechen wörtlich genommen - Wie Estland zum Experimentierfeld der Perestrojka wurde"

Die Zeit Nr. 49 2. Dezember 1988

"Deutliche Warnung Moskaus an das Baltikum - die "Die Prawda" nennt einige Aspekte der Reformbewegungen rechtswidrig und undemokratisch"


und

"Die Balten hören nicht auf Moskau"

SZ 19/20.11. 1988

englischsprachig:
"Sovereignty Now - In Estonia legislators call for a constitional new deal"

TIME 28.11.1988

"Der Schritt über den Rubikon -Verfassungsänderungen in Moskau - Esten, Letten und Litauer machen Ernst mit ihrem Anspruch auf Autonomie"

Die Zeit Nr. 48 25. November 1988

"Panzer in Baku, Ordnungstruppen in Eriwan, Massenkundgebungen in baltischen Städten: In den Randrepubliken der UDSSR formiert sich Widerstand gegen die Zentralgewalt - Opposition gegen Moskau - Gorbatschows Verfassungsreform stößt in vielen Unionsrepubliken auf Ablehnung"


und

"Reform säen, Sturm ernten - Aufruhr und Widerstand: Was wird aus Gorbatschows Erneuerung von oben?"

Die Zeit Nr. 49 2. Dezember 1988

Anmerkung: rahvarinne.ee hat eine Quellensammlung. Darunter gehört auch das dokumentierte Jahr 1988, unten am 17. Juni 1988, da bequemten sich die damaligen Westkorrespondenten in Moskau nur selten ins Baltikum, ein Grund mit, warum die aufkommende Entwicklung oft aus Gorbatschows Sicht kommentiert wurde. Das hält bis heute an. hier die Fotoseite.


Danach dauert es noch ein Jahr bis zum Baltischen Weg 1989, dann noch ein Jahr im spannungsreichen 1990, das im Januar 1991 in die militärischen Übergriffe von Sowjeteinheiten in Litauen und Lettland mündet. Bis im August 91 mit dem Putsch in Moskau die Unabhängigkeit wiederhergestellt wurde.

Sonntag, April 06, 2008

Wo ist zu Hause?


Tallinn Korea
Originally uploaded by Jens-Olaf
Koreaner in Estland. Koreaner in Kasachstan. Warum? Die Antwort ist einfach, aber keiner weiß warum. Das ist "normal", jedenfalls, wenn es die Geschichte der Sowjetunion betrifft. In den USA läuft der erste (!) Dokumentarfilm über das Schicksal der Koreaner in Russland.
Giustino und Peteris Cedrins haben letztens gestritten, ob die Deportationen in Estland 1941 gegen die Nation Estland oder gegen die Esten als Ethnie gerichtet waren. Bei den Koreanern liegt die Sache einfacher. Darüber zu streiten wäre rein akademischer Natur. Sie wurden einfach deportiert, bereits 1937, und zwar alle. Vom äußersten Osten der SU bis nach Kasachstan. Ohne Rücksicht auf Verluste.
Obwohl viele Koreaner ihr Land wegen der japanischen Besetzung verlassen hatten, dachte Stalin, sie könnten japanische Spione sein, möglicherweise Landesverräter. Die Überlebenden der Deportationen leben heute überwiegend in Kasachstan, aber einige haben in den Jahrzehnten den Weg nach Estland gefunden.
Oben im Foto ein Fernseher im Restaurant Ariran in der Telliskivi in Tallinn, wo gerade ein südkoreanischer Fersehkanal übertragen wird.
Der Film "Unreliable Koreans" läuft in den USA bald auch an der Harvard University. Die Webseite zum Film hat jetzt einen 10 minütigen Trailer, den ich wirklich zum Ansehen empfehle.
Die erste Seite hat zwei Fotos, unten findet sich der weiterführende Link.

Montag, September 17, 2007

Bornholm - Estland und die Befreiung durch die Sowjetarmee

Das alles liest sich anders durch die dänische Erfahrung der Besetzung bis Frühjahr 1946.
Bornholm atter frit

Man oplevede russernes sidste dage på Bornholm, dansen og musikken på kajen, og lastning af den sidste russiske damper.

Den 5. april 1946 var alt klart til afgang - og til en bornholmsk fest- og mindedag - en dag, der i historien korn til at stå som dagen for Bornholms befrielse.


Und ehrlich gesagt habe ich kaum Lust, das zu übersetzen. Es heisst dort "Befrielse", also Befreiung von den Sowjets.
Wer diesen Blog regelmäßig liest, weiß, dass oft auf Giustino verwiesen wird. Er hat eine Zeit lang in Dänemark verbracht, bevor er sich in Estland niedergelassen hat. Sein Blog dreht sich vor allem um die Gegensätze zwischen Russland und Estland. Welche Rolle spielt nun Dänemark darin? Ganz einfach. Sie haben auf Bornholm eine sowjetische Besetzung bis ins Frühjahr 1946 erlebt, und Gedenken dem Abzug als BEFREIUNG. Ein unbekannter und interessanter Aspekt der jüngeren Ostseehistorie. Anmerkung vom mir: Obwohl indirekt deutsche Geschichte betreffend, gehen die deutschsprachigen Quellen im Internet gegen Null. Hier Giustinos Post.
Ach ja, vergessen. Die Dänen waren unter den Ersten, die Estland wieder diplomatisch anerkannt haben, 1991.

Mittwoch, Mai 09, 2007

Wie Estland sich "freiwillig" der Sowjetunion anschloss

Über die Opfer der Sowjetarmee, die Millionen Soldaten, die für den Sieg über Nazideutschland ihr Leben lassen mussten gibt es kein Zweifel. Die Zahl der Gefallenen ist gewaltig und übersteigt ein mehrfaches die Einwohnerzahl Estlands. Warum tun sich die Esten schwer mit dem 9. Mai? Ganz einfach, und nicht der einzige Grund: Sie verloren mit dem Überfall der Deutschen auf Polen und der schrittweisen Besetzung durch die Sowjetunion ihren Staat. Gleich zu Beginn des Krieges jagten Deutsche und Sowjets ein polnisches Uboot durch die Ostsee. Der Wikipedia-Artikel ORP Orzeł (1939) dazu. Estland verlor deswegen nicht nur den Staat, sondern auch seine Rerpäsentanten. Sie wurden hingerichtet. Deswegen ist es mehr als nur ein symbolische Geste, wenn gestern offiziell von estnischer Seite der Sowjetsoldaten gedacht wurde. Giustino hat ganze Arbeit geleistet und eine Liste der verlorenen Staatsmänner aufgestellt, hier ist sie.