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Dienstag, Oktober 20, 2020

Krise und Kreuzfahrten

Aufgrund der Corona-Krise, den erforderlichen Sicherheitsmaßennahmen, und einiger Schwierigkeiten auf Kreuzfahrten der Saison 2020 stand die Kreuzfahrtbranche monatelang still. Geplante Schiffsneubauten wurden gestrichen, einige Schiffe verkauft. Kreuzfahrtschiffe gelten als Umweltsünder, Sinnbild für Luxus und Konsum und den desaströsen Einfluss des Menschen auf die Natur. Das Bordpersonal muss teilweise bis zu elf Monate ohne Urlaub durcharbeiten, stellte die "Stiftung Warentest" fest. Und manche schalten auch umweltverträgliche Abgasfilter einfach ab, sobald das Schiff auf hoher See ist - meint Greenpeace.

Bevor die Krise ausbrach, hatten die internationalen Reedereien bereits so viele neue Kreuzfahrtschiffe bestellt, dass die deutschen Werften schon fast bis ans Ende des laufenden Jahrzehnts ausgelastet sind.

In der Abwägung sei es "besser, mit weniger Auslastung zu fahren als nicht zu fahren", meint inzwischen TUI-Kreuzfahrtchefin Wybke Meier im "Tagesspiegel". AIDA-Cruises will sogar spezielle "Ausnahmeregeln" von den strengen Corona-Bestimmungen (NDR). Die norwegische "Hurtigrouten" sagte dagegen bis Ende 2020 alle Fahrten mit ihren Expeditionsschiffen komplett ab (t-online). Und dort, wo Kreuzfahrten wieder stattfinden, sind die Veranstalter deutlich nervöser - und untersagen ihren Gästen auch schon mal die Weiterfahrt, wenn sie sich nicht an die Regeln halten (merkur). 

Kreuzfahrten ohne Landgang?  Auch in Tallinn war der Strom der Kreuzfahrttouristen in den vergangenen Jahren unverkennbar. Wer einen Rundgang durch die Altstadt plante, brauchte eigentlich nur mal kurz im Hafen zu schauen: Kreuzfahrtschiff da, Altstadt voll. 334 Kreuzfahrtschiffe hätten 2020 eigentlich in Tallinn anlegen sollen, zwischen dem 27. April und dem 19. Oktober 2019 seien in Tallinn über 650.000 Passagiere von Bord gegangen (nordisch-info).

Nun: eine Sommersaison ohne Kreuzfahrtgäste. Und was meldet Tallinn im Oktober? Der Vanasadam (Altstadthafen) wird kräftig erweitert, und wird - danke Krise - nun früher fertig als geplant. Schon im Mai 2021 soll das neue Terminal fertig sein (err). Die estnischen Kreuzfahrtoptimisten schreckt der andauernde Ausnahmezustand offenbar nicht ab: 20 Millionen Euro Kredit machten es möglich (err). Und wenn die Kreuzfahrtschiffe doch ausbleiben? Im Hafenareal sollen auch noch fünfstöckige Wohnblöcke entstehen, und eine Strandpromenade. Eine ebenfalls noch zu bauende Fußgängerbrücke soll die einzelnen Terminals verbinden (err). Wer sagt da noch, dass Estlands Zukunft immer digital und virtuell sein muss?

Dienstag, September 29, 2020

Späte Tieftaucher, wenig Sensationen

Über die Jahre haben wir hier an dieser Stelle schon öfters über das Unglück der M/S Estonia berichtet, das 1994 geschah. (Neues Altes, Vergangenheitsbewältigung, 12 Jahre danach, Neue Untersuchung, das Ende der Geheimnistuerei?). Auch das Buch "The Hole" (Das Loch, "Auk" in der estnischen Ausgabe) von Drew Wilson, das auch die "U-Boot-Theorie" enthält, ist nun schon viele Jahre alt (auch wenn es immer wieder neu aufgelegt wird). Wir sind uns also durchaus unsicher, ob die Schlagzeile dieser Woche wirklich eine ist: Was wurde nun am Wrack der "M/S Estonia", weit unten in den Tiefen der Ostsee, durch angeblich illegale Tauchgeräte gefunden? Ein Loch? Wie bitte? Sind hier die Recherche-Fans zu lange in Selbstisolation gewesen?

Oj, Oj, Oj - Tiefseefilmer inszenieren sich
live im schwedischen Fernsehen

Das, was jetzt in verschiedenen deutschen Medien zu lesen war, ist also nicht neu. Demzufolge wird auch nicht von wirklichen "Neuigkeiten" geschrieben, sondern nur von angeblich notwendigen "neuen Untersuchungen". Estlands Ministerprädient Jüri Ratas habe diese Untersuchungen nicht nur gefordert, sondern wolle diese auch leiten, behauptet die "Tagesschau". "Unser Wunsch ist es, dass die Wahrheit definitiv ans Licht kommt," so zitiert die FAZ Ratas, erwähnt aber auch, dass Schweden und Finnen weiterhin am offiziellen Untersuchungsbericht aus dem Jahr 1997 festhalten. Einige stellen aber auch die angeblich neue Uboot-Theorie groß heraus - so "Tagesspiegel" und MDR. Aufgeworfen, man könnte auch sagen aufgewirbelt, hat die These des Zusammenstoßes mit einem Uboot Margus Kurm, estnischer Ex-Staatsanwalt und 2005 bis 2009 Leiter des Untersuchungskommittees zur Estonia-Kathastrophe.

Also schauen wir doch mal in der estnischen Presse nach. Dort ist nicht etwa von Jüri Ratas die Rede, der neue Untersuchungen am gesunkenen Wrack leiten will. "Ingenieure der Technischen Universität Tallinn zweifeln an der Uboot-Theorie" heißt es bei ERR. Immerhin bestätigt auch das schwedische Fernsehen SVT, wo auch die neuen Tiefseeaufnahmen zuerst zu sehen waren, ein Treffen mit dem estnischen Ministerpräsidenten. Bei SVT heißt es: die Größe des Loches, was nun gefilmt wurde, sei neu - vier Meter im Durchmesser. SVT bringt auch noch einen Ex-Ubootkommandanten zur Aussage, der aber eher ausschließt, ein derart großes Loch könne von einer Kollision mit einem Uboot herrühren.

Was also wirklich neu ist: es gibt neue Filmaufnahmen. Es gibt nun, nach 25 Jahren, ein 4 Meter großes Loch. Nun ja, die Filmaufnahmen waren sicher teuer, die müssen irgendwie ja finanziert werden. "Eurotopics" zitiert die estnische "Postimees", wo auch mögliche Schadenersatzansprüche ins Spiel gebracht werden, wenn sich herausstellen sollte, dass das Unglück auch Verursacher hatte. "Was sollen wir jetzt mit diesen neuen Informationen machen?" so fragten die Journalisten des ERR den wieder erwachten Ankläger Kurm. Der antwortet etwa so: "Die estnische Regierung sollte in aller Ruhe überlegen, wem sie in Zeiten wie diesen trauen kann." 

Aha, daher weht der Wind! Es sind offenbar vor allem "Zeiten wie diese" - oder die Hoffnung darauf. Zeiten, die offenbar besonders geeignet sind für Verschwörungstheorien, und für Behauptungen, Politiker*innen könnten nur dann das "Vertrauen des Volkes" wieder gewinnen, wenn solchen Mythen mehr geglaubt wird. Wir werden sehen.

Sonntag, Juli 29, 2018

Und wie nu nach Ruhnu?

Bereits kurz vor den Mitsommerfeiern gab es eine böse Überraschung für die touristischen Dienstleister auf der kleinen estnischen Insel Ruhnu: die seit 2012 im Einsatz befindliche Fähre "Runö" war mit Maschinenschaden im Hafen von Pärnu liegen geblieben und machte so die Anreise vieler Sommergäste wochenlang unmöglich.(bnn)

Zwar fährt gelegentlich noch eine weitere kleine Fähre vom lettischen Roja aus nach Ruhnu, aber viele Gäste hatten Aufenthalt und Anreise ja bereits gebucht, und so blieb kaum eine Alternative. Und damit nicht genug: die "Amalie", als Ersatzschiff für die "Runö" herbeigeholt, konnte Ende Juni ebenfalls den Hafen nicht verlassen - "starke Winde" wurden diesmal als Grund genannt. "Amalie" sollte wenigstens eine Verbindung nach Saaremaa möglich machen - wenn auch langsamer, kleiner und unbequemer als die reguläre Lösung.

Während bei der "Runö" unterdessen erst einmal der Motor komplett ausgebaut wurde - ein neuer musste bei Volvo in Schweden bestellt werden - waren estnische Politiker mit recht seltsamen Aussagen zur Stelle. "Ruhnu war immer schon ein extremer Ort zum Leben und für Besuche," so locker sah es Janek Mäggi, estnischer Minister für öffentliche Verwaltung. Nun hat sich auch Wirtschaftsministerin Kadri Simson zu Wort gemeldet. Auch ihre Aussage klingt wenig hilfreich, aus Sicht der Einwohner der Insel: "Sie haben diese Katamaran-Fähre gewollt doch selbst gewollt!". (ERR)

Dem vorausgegangen war ein Brief aus Ruhnu an die Ministerin, in dem die Tauglichkeit des eingesetzten Schiffes für die Route anzweifelte. Die Ministerin wiederum beruft sich auf die Aussagen der estnischen Seefahrtsverwaltung, der zufolge die "Runö" allen Anforderungen entspricht. Bereits seit 2012 habe das in Estland gebaute Schiff auch schon mehrere Verbesserungen bekommen, um eine sichere Fahrt und eine zuverlässige Verbindung zwischen der Insel in beide Richtungen - Saaremaa und Pärnu - zu gewährleisten. 2009 hatte das Ministerium eine Untersuchung in Auftrag gegeben, die drei verschiedene mögliche Lösungen zum Ergebnis hatte. Diese wurden dann den Einwohnern auf Ruhnu präsentiert, und die Gemeinde habe sich dann für den Katamaran entschieden.

Inzwischen hat die "Runö" den regelären Fährbetrieb, mit einem komplett neuen Motor, wieder aufgenommen. Das Schiff war 2012 auf der "Baltic Workboats AS (BWB)" gebaut worden und war Teil eines EU-geförderten Projekts zur Förderung der Verkehrsverbindungen zwischen den estnischen Inseln und dem Festland gewesen. 1998 wurde die BWB von den beiden Geschäftsleuten Margus Vanaselja und Märten Väikmaa gegründet - ein estnisches Vorzeigeprojekt des "Made-in-Estonia". Drei weitere Schiffe wurden bei "BWB", die bis dahin vor allem schnelle Patrouillenboote gebaut hatten, in Auftrag gegeben: die "Ormsö" (Linie nach Vormsi), die "Abro" (Abruka-Linie) und die "Kihnu virve" (Kihnu und Manija). Zusätzlich baute "Reval Shipbuilding" die "Wrangö" für die Linie nach Prangli - kleine Schiffe, die außer ein paar Dutzend Passagieren noch maximal zwei Autos oder einen LKW mitnehmen können. 

Ein weiteres Boot kam im April 2017 dazu. Die "Soela" soll zwischen Hiiumaa und Saaremaa verkehren, ist 45m lang, hat ein Fassungsvermögen von 200 Personen plus 22 PKWs und kostete 9,4 Millionen Euro (85% EU-finanziert).

"Der Fährverkehr nach Ruhnu kostet 530.000 Euro jedes Jahr," erinnert Minister Mäggi, "dazu 420.000 Euro für die die Flugverbindung von Mai bis Oktober. Das ist das Dreifache des Gesamtbudgets der Inselgemeinde." Von Pärnu aus fliegt ein kleines, achtsitziges Flugzeug die Strecke nach Ruhnu. Die Insel hat gegenwürtig 170 Einwohner. Bei solch hohen Kosten sei es einfach nicht möglich, kurzfristig auch noch einen Plan B in der Schublade bereit zu halten. (ERR) "Schon als 1918 Estland seine Unabhängigkeit errang, da bekamen die Insulaner das erst irgendwann im Mai heraus, nachdem das Eis geschmolzen war."

Der estnischen Regierung kann aber momentan schwerlich vorgeworfen werden, die Sorgen in Ruhnu vergessen zu haben. Erst kürzlich wurde ein weiteres ambitioniertes Projekt (Eesti Energia) eröffnet, gar nicht weit vom Flugplatz: eine 150KW-Solaranlage, die zur nachhaltigen energetischen Selbstversorgung beitragen soll. Auch die seit 2007 bestehende Windenergieanlage soll in Kürze erneuert werden. (ERR)

Samstag, Januar 14, 2017

Mega-Sterne auf dem Wasser

Ende Januar wird der Schiffsverkehr zwischen Tallinn und Helsinki um eine neue Dimension bereichert: die Reederei "AS Tallink Grupp" wird dann erstmals die neue "Megastar" einsetzen; nach Auskunft der Betreiber schnell, modern und umweltfreundlich. Allerdings ist bei dieser Art Schiffsreise niemand mehr mit dem Sonnenuntergang allein: das neue Schiff wird bis zu 2850 Passagiere befördern können. Manche Gäste werden nicht einmal den Unterschied zum Festland bemerken - bis auf den Blick aufs Wasser natürlich. Aber wer will schon bloß aufs Wasser schauen, wenn Restaurants, Einkaufsmärkte, Bars und Kinderbelustigung locken. 400 Menschen werden gleichzeitig am Buffet aufschlagen können, und bei 2800 Quadratmeter Supermarkt-Verkaufsfläche hat jeder Gast sozusagen seinen eigenen kommerziellen Meter.

Gebaut wurde das Schiff bei der "Meyer Turku Oy" in Finnland, die 2014 von der deutschen Meyer-Werft übernommen wurde. Neuartige Motoren des Herstellers Wärtsila werden hier eingesetzt, die mit LNG (verflüssigtes Erdgas) als Antriebsstoff arbeiten, was als umweltfreundlich gilt (jedenfalls im Vergleich mit Diesel oder Schweröl). Damit können Reisende zwischen Tallinn und Helsinki sich selbst einen Eindruck davon verschaffen, was als "Wettrüsten auf den Meeren" bezeichnet wird (siehe Spiegel). Mit diesem Schritt Richtung "Green Shipping" erhofft sich der Konzern natürlich auch positive Schlagzeilen.

Um die neugierigen Nachfragen zu befriedigen, hat die "Megastar" im Internet auch einen eigenen Blog: in Englisch, Estnisch Finnisch und Russisch können Interessierte sich hier Eindrücke verschaffen. In Turku arbeitet die Firma "Modelco" bereits an Miniaturen des Schiffes. Und in Helsinki wird, rechtzeitig zur Inbetriebnahme des Schiffes, ein neues Abfertigungsterminal eingeweiht werden. Ob man so große Schiffe mag oder nicht - zumindest ohne stinkenden Qualm aus dem Schornstein wird es also jetzt zwischen Tallinn und Helsinki zugehen.
9,5 Millionen Menschen transportierte die "AS Tallink Grupp" im Jahr 2016 insgesamt; der stärkste Passagieranstieg (7%, auf über 5 Millionen) war dabei auf der Strecke Tallinn-Helsinki zu verzeichnen (Kreuzfahrtblog). 

Montag, August 17, 2015

Zwischen Chemie und Alter Liebe: mit den Esten über die Elbe

In der Sommer- und Ferienzeit ist im deutschen Verkehrsfunk eine Durchsage über einen Stau an der Fähre Wischhafen-Glückstadt die Regel - und verkehrstechnisch bezeichnen viele, die nach Schleswig-Holstein wollen, auch den Weg durch Hamburg als "Nadelör".

Neben Hamburg, Bremerhaven, und auch Wilhelmshaven ist Cuxhaven eher als Kurort bekannt: auf der einen Seite das familien- und kinderfreundliche flache Wasser des Nationalparks Wattenmeer, auf der anderen Seite ein wenig Romantik um den Leuchtturm "alte Liebe", einen Helgoland-Anleger, die Reste des früher zu Hamburg gehörenden alten Amerikahafens, ein ziemlich heruntergekommender Fischereihafen, und eine Menge Alterswohnsitze für küstenliebende Rentner.
Diese leicht verschlafene "Halbinsel-Atmosphäre" scheint jetzt ein wenig aufgefrischt zu werden: schon die Investition von SIEMENS in ein Rotorenwerk für Windräder ließ aufhorchen, nun scheint auch eine schnelle Elbquerung wieder zu einem wirtschaftlich attraktiven Modell zu werden. Zwischen Cuxhaven und Brunsbüttel, einer Strecke von (wg. der Strömungsverhältnisse nautisch anspruchsvollen) 17 Seemeilen (ca. 30 km) wird eine neue Fährverbindung eingerichtet. Die Betreiberin, die neu gegründete ELB-LINK-Reederei ist eine Tochter der estnischen "Saaremaa"-Reederei, Christian Schulz der Geschäftsführer. Irritationen entstanden durch Presseberichte, dahinter stehe auch der estnische TALLINK-Konzern - was dieser aber angeblich dementierte, berichtet "Schiffe-und-Kreuzfahrten.de".

Wer Teele Viira noch nicht kennen sollte: vielleicht
braucht jemand in Cuxhaven noch eine
Galionsfigur?
Das hindert die Betreiber jedoch nicht, die Eröffnung in Cuxhaven ausgiebig ESTNISCH zu feiern: auftreten sollen am Mittwoch, den 19.August in Cuxhaven die Folkband "Viirelind", die Akkordeonspielerin Reet Lõugas von der Insel Saaremaa, sowie die Popsängerin Teele Viira und ihre Band (Mai Agan, Ain Agan) (Cuxhavener Nachrichten).
Zur Eröffnung hat sich neben den beiden Wirtschafts- und Verkehrsministern aus Schleswig-Holstein und Niedersachsen auch Vjatseslav Leedo von der "Saaremaa Laevakompanii" angesagt. Angeblich soll es am Nachmittag auch Ansprachen geben von Arnold Rüütel, Ex-Präsident Estlands, und Viljar Arakas vom Estnischen Unternehmer-Verband. Ein echter Estland-Stützpunkt in Deutschland also - vielleicht bei Erfolg der Fährlinie ausbaubar in Richtung einer Städtepartnerschaft? 

Die Wirtschaftsförderung in Cuxhaven hatte ein Verkehrsaufkommen für die neue Linie von jährlich 265.000 Pkw, 48.000 Lkw sowie 625.000 Passagieren vorausgesagt. Wie es heißt, soll sich besonders die Chemieindustrie in Brunsbüttel über die neue Verbindung freuen - denn die beiden Fährschiffe "Grete" und "Anne-Marie" (Ex "MV Saaremaa" und "MV Muhumaa") werden auch Waren aller Art, wie es heißt sogar Gefahrgut, transportieren. Die Schiffsnamen nehmen angeblich Bezug auf eine Cuxhavenerin, die zwischen 1919 und 1938 bereits einen Fährverkehr zwischen ihrer Heimatstadt und Brunsbüttel betrieben hatte (siehe "SHZ", Cux-Wiki - "Anne-Marie" war damals ein als Fähre umgebauter Fischkutter, die damalige "Grete" ein Krabbenkutter).
24 Fährfahrten pro Tag, das ergibt einen Abstand von 1 1/2 Stunden zwischen den einzelnen Abfahrten. Pro Fähre sollen 160 Pkw (oder 52 Pkw plus 16 LKW) Platz finden, dazu 600 Personen. Ohne Fahrzeug gelangt man schon für 5 Euro auf die andere Elbseite, eine Person plus Fahrrad kommt mit 8 Euro aus - eine Option also auch für Touristen und Reiseradler.
Dennoch: es gibt auch kritische Kommentare. Frank Behling weist in den "Kieler Nachrichten" auf die unterschiedlichen Fahrpreise hin: während man seinen PKW in Glückstadt / Wischhafen für 5 Euro über die Elbe bringen kann, sind es in Cuxhaven 25 Euro. Ob die Verhältnisse dann so bleiben, dass in Wischhafen die Autoschlangen teilweise stundenlang warten müssen und in Cuxhaven "Fährplatz frei" meldet, muss abgewartet werden. Für den Betrieb der Linie Cuxhaven-Brunsbüttel hatte es aber auch andere Interessenten gegeben: die Bremer "Naval Consult Lasse und Pache GmbH" hatte erst Anfang des Jahres ihr Projekt "Elbe-Ferry" vorgestellt. Diese Schiffe sollten mit schadstoffarmem verflüssigtem Erdgas betrieben werden, das Projekt fand jedoch keine Investoren.
Der letzte bisherige Versuch des Bremer Unternehmers Egon Herbert Harms mit seiner "Elb Ferry" dauerte nur 19 Monate, von 1999 bis 2001. Ob es unter estnischer Regie erfolgreicher sein wird? Vielleicht bringen die Esten ja auch noch ein paar "e-Lösungen" (e-Elbe von e-estonia?) mit nach Art der mobilen Cuxhaven-Info bei "Geocatching" - wundern würde mich es nicht. Eine Online-Buchungsmöglichkeit gibt es jedenfalls schon jetzt.

Einladung zur Eröffnung (PDF) / Webseite Elb-Link / Facebookseite Elb-Link/
Elb-Link auf Twitter
Berichte zur Eröffnung auf Estnisch:
meiemaa.ee / Saarte Hääl