Posts mit dem Label Soziales werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Soziales werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, November 15, 2023

Risiko: Leben in Estland

Es liest sich zunächst harmlos: 3,5% der Bevölkerung Estlands lebt in Armut. Statistiken, die auch europaweit erhoben werden, fassen allerdings die zweite Kategorie mit dieser Zahl zusammen: insgesamt 22,5% leben in Estland "mit Armutsrisiko" (stat.ee). Ein Viertel der Bevölkerung Estlands hat also kein finanziell abgesichertes Leben. Im (statistischen) Durchschnitt aller Länder der Europäischen Union liegt dieser Prozentsatz (Arme plus Gefährdete) bei 21,6% - alle drei baltischen Staaten liegen darüber (Litauen 24,6%, Lettland 26%). Aber auch Deutschland liegt mit 20,9% nur knapp besser. Am unteren Ende der Scala liegen, vielleicht erstaunlicherweise, Tschechien (11,8%), Slowenien (13,3%) und Polen (15,9%). 

Es lohnt sich genauer hinzuschauen. Vom "Armutsrisiko" betroffen sind vor allem zwei Altersgruppen in Estland: Erstens, wer allein lebt. Und zweitens, wer allein lebt und alt ist. Bei den Menschen älter als 65 Jahren liegt das Armutsrisiko inzwischen bei 79,1%! Bei Ein-Personen-Haushalten sind 51,9% gefährdet (stat.ee) 

"303,900 Menschen in Estland lebten 2022 mit einem Armutsrisiko", sagt Epp Remmelg, Chefanalytiker bei 'Statistics Estonia'. "Das bedeutet, ihr Einkommen pro Haushalt war geringer als 856 Euro. Und auch bei Familien mit Kindern, insbesondere solche mit drei oder mehr Kindern, ist das Armutsrisiko gegenüber 2021 am meisten gestiegen." 

Auch die Alltagsrealität der 48.000 Menschen in Estland, die 2022 in absoluter Armut lebten, versucht das Statistikamt in Zahlen zu fassen: hier betrage das Einkommen pro Haushalt nicht mehr als 303 Euro. 

"Wir müssen aber die Regionen unterscheiden," meint Ellu Saar, Professorin für Sozalwissenschaften an der Universität Tallinn. "In Süd-Ost oder Ost-Estland ist das Armutsrisiko fast doppelt so hoch wie in Tallinn. Bisher hat das estnische soziale Sicherungssystem nicht genug getan, um zur Linderung der Armut im Land beizutragen." (err)

Samstag, Oktober 25, 2014

Schweizer Ansichten

Die Schweiz stellt für Estland 40 Millionen Franken zur Verfügung, berichtet die dafür eigens eingerichtete Webseite des schweizer-estnischen Kooperationsprogramms. Bis 2017 sollen in Estland 18 Projekte umgesetzt werden, heißt es da. Ziel: "Verminderung der wirtschaftlichen und sozialen Ungleichheiten."
Mutig, der Schweizer, oder? Wenn auch der Este oder die Estin selbst nicht gern über mögliche soziale Ungleichheiten reden - schließlich sind wir das Land des Internet und der digitalen Staatsbürgerschaft - die Schweizer wollen Estland bis zum Jahr 2017 besser machen. Bis dahin sollen 18 Projekte mit dem oben benannten Ziel abgeschlossen sein, geleitet vom "Schweizer Büro für die Umsetzung des Erweiterungsbeitrags" - hoffentlich nicht so bürokratisch, wie der Name klingt.
Erstaunlich ist der Blick auf die Landkarte, welche die Schweizer den an ihren Projekten bieten: Neben der estnischen Hauptstadt Tallinn sind da nur noch Viljandi und Haapsalu zu sehen. Also ist dort die Ungleichheit am größten? Oder sind es zentrale Punkte der Schweizer Aktivitäten?

Teilweise ist es wohl so, das zeigen die aufgeführten Projektbeispiele. Technische Hilfe für ein Kinderkrankenhaus in Tallinn, Unterstützung für Kinderheime in Viljandi, Sarepedi, Juru und Elva, und vier energieeffizient genutzte Gebäude werden gebaut: in Rakvere, Lasva und Haapsalu Kindergärten, in Väätsa ein Altersheim. Vier der insgesamt 18 Projektvorhaben seien bereits abgeschlossen, heißt es. Die anhand der Karte vielleicht naheliegende Vermutung, größere Städte Estlands wie etwa Pärnu, Tartu oder Narwa würden dabei vielleicht ausgespart, bewahrheitet sich aber nicht. Es war wohl nur ein etwas eigenwilliger Kartenzeichner.

Info zu den Schweizer Projekten  /  Text des Kooperationsabkommens 

Dienstag, April 01, 2008

Dieter Thomas wirbt bei Kerner

Der König der deutschen Schlagerparade tritt heute bei Kerner im ZDF auf - oder sollte ich sagen der "Altmeister"? Dieter Thomas Heck wird heute abend für seine "neuen Projekte" in Tallinn werben, das melden die Agenturen.
Wir empfehlen dazu: Schauen Sie mal in einer der alten Ausgaben der Zeitschrift "INFOBALT.DE - Infoblatt baltische Staaten", Ausgabe 1 aus dem Jahr 2002, nach. Dann können Sie ja immer noch gern vergleichen, was an den Heckschen Aktionen "neu" ist, oder ob es nur medial wieder aufgewärmt wird.

Link zum Archiv der Zeitschrift

Link zum Beitrag (PDF-Datei)

Pressemeldung von heute (DDP / Yahoo)