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Mittwoch, September 09, 2026

Frühaufstehende Lernwillige

Wer es noch nicht wusste: in Estland beginnt der Unterricht in den Schulen inzwischen in der Regel um 9:00 Uhr. Wir ersparen uns eine Recherche, wie es dazu kam - viele werden in Deutschland ihre Schulstunden früher begonnen haben. Wenn aber estnische Schulen so früh zum Unterricht rufen - gibt es Proteste. 

Der Bus kommt pünktlich 

Der aktuelle Streitfall dreht sich um die Grundschule Kõrveküla (Kõrveküla Põhikool), in der Nähe von Tartu gelegen. Eigentlich gilt seit 2025 in staatlichen estnischen Schulen 9:00 Uhr als Unterrichtsbeginn - aber offenbar gibt es die Möglichkeit für Ausnahmeregelungen. Die Stadt Tartu, die die Schule betreibt, stellt sich aktuell auf den Standpunkt: die Schulbusse kommen nun mal um kurz vor acht, und das können wir nicht so einfach ändern. 

Ein erstaunliches Argument für ein Land, das - im Gegensatz zu Deutschland - in der PISA-Studie regelmäßig ganz gut abschneidet, auch beim Start um 9:00 Uhr. Zitat: "Im neu hinzugefügten Bereich der computergestützten Problemlösung konnten nur die jungen Teilnehmer aus Japan (557 Punkte) die estnischen Schüler (541 Punkte) übertreffen (siehe ERR). Vielleicht sollten also mal ein paar dieser glanzvollen Problemlöser/innen bei ihrem eigenen Gemeinderat anklopfen? 

Klagende Eltern

Der Gemeinderat meint: eine Änderung der Fahrpläne des öffentlichen Nahverkehrs sei kompliziert und vor allem kostspielig. Es folgte aber etwas, das vielleicht auch nicht in vielen Schulen zum Alltag gehört: 142 Eltern von Grundschülern zogen wegen des Schulbeginns vor Gericht, 18 reichten sogar Klage beim Verwaltungsgericht ein. Es sind die ersten Eltern in Estland, die dieses Thema vor Gericht brachten. 

Während andere Schulen in Tartu schon auf 9:00 Uhr Schulbeginn gewechselt sind, haben drei Schulen in Kõrveküla, Lähte and Tabivere den frühen Start bisher noch beibehalten. Agu Laas, stellvertretender Bürgermeister von Tartu, erklärt seinerseits, eine Umstellung der Busfahrpläne würde so etwa 500.000 Euro kosten (UA / ERR). Er bezeichnet die klagenden Eltern als "lautstarke Minderheit". Man habe an der Schule eine Umfrage durchgeführt, und im Ergebnis sei ein Drittel für 9 Uhr gewesen, ein Drittel sei dagegen gewesen, und dem letzten Drittel sei es offenbar egal. Laas wurde 2025 in Tartu als "Persönlichkeit des Jahres" ausgezeichnet - allerdings für sein Engagement im Bereich Sport. (tartuvald) 

Ott Oja, Leiter der Abteilung für Vorschul- und Grundschulbildung im Ministerium für Bildung und Forschung, weist auf wissenschaftliche Erkenntnisse zugunsten eines späteren Schulbeginns hin. „Aus jahrzehntelangen Studien wissen wir, dass ein späterer Schulbeginn in erheblichem Maße dazu führt, dass die Schüler mehr Schlaf bekommen, und das trägt dazu bei, eine Vielzahl von gesundheitlichen Problemen zu verhindern.“

Mehr Schlaf, oder mehr Freizeit?  

Vertreter der Schule dagegen argumentieren, dass bei spätem Beginn ältere Schülerinnen und Schüler dann erst um 17 Uhr aus der Schule kommen könnten - und bei vielen stünde dann noch Musikunterricht, Sporttraining oder andere außerschulische Aktivitäten auf dem Plan. 

Eine aktuelle Umfrage des estnischen Schulleiterverbands ergab, bei einer Rückmeldung von 122 Schulen, dass nur 31 Schulen um 9 Uhr beginnen, während an 74 Schulen der erste Klingelruf bereits um 8:30 Uhr oder noch früher ertönt. In Tallinn beginnt der Unterricht an 36 von 61 städtischen Schulen vor 9 Uhr morgens, in Tartu sind es 10 von 23 Schulen, in Pärnu ist es allerdings nur eine der 14 städtischen Einrichtungen. 

Das Gerichtsverfahren in der Sache soll im November beginnen. Die Gemeinde hat jedoch bereits angedeutet, dass der Schulbeginn in Kõrveküla im nächsten Schuljahr auf 9 Uhr verlegt werden könnte.

Donnerstag, April 10, 2025

Bildung jetzt auch künstlich

An Schulen in Estland soll es in Zukunft mehr künstliche Intelligenz geben - aber nein, das bedeutet nicht das Lehrerinnen und Lehrer nun durch Roboter oder Plastikpöppel ersetzt werden sollen. Vor einigen Wochen kündigte Präsident Alar Karis den "TI-Hüpe" (den "KI-Sprung") an, und mit dieser Initiative, benannt nach dem "Tiigri-Hüpe" ("Tigersprung"), der symbolisch die Digitalisierung Estlands einleitete, soll mehr künstliche Intelligenz in den Schulen nutzbar gemacht werden. Die estnische Regierung hat dazu ein Partnerschaftsabkommen mit "OpenAI" abgeschlossen, der Firma die auch "ChatGPT" entwickelte. (Estonian World Review / Forbes)
 

Nur die klügsten

"Wir werden nicht diejenigen sein, die künstliche Intelligenz am meisten nutzen, aber am klügsten", so lässt sich Präsident Karis zitieren. Und Linnar Viik, einer der Initiatoren des "TI-Hüpe", meint: "Künstliche Intelligenz wird uns nicht die Jobs der Zukunft ersetzen, sondern diese Jobs werden Menschen einnehmen, die KI klug nutzen können." 
In einer ersten Projektphase erhalten am 1. September 2025 20.000 Schüler an Hoschulen (Klassen 10–11) und 3.000 Lehrer Zugang zu KI-basierten Lernanwendungen. Danach soll das Programm dann auf Berufsschulen und neue Schüler der 10. Klasse erweitert werden und letztendlich weitere 38.000 Schüler und 2.000 Lehrer im Jahr 2026 erreichen. (ti-hupe.ee)
 

KI zum Sonderpreis

Programme wie "ChatGPT Edu" sollen dann in Estland eingesetzt werden. Dazu berichten Portale wie "decoder", "cointelegraph" oder "Unidigital", dass die US-Firma auch bei deutschen Hochschulen schon angeklopft und "Bildungsrabatte" angekündigt habe; als Alternative stünde aber auch "HAWKI" (datenschutzkonform) zur Verfügung. 
Auch die Uni Göttingen nutzt KI-Programme, weist aber auch auf Schwierigkeiten hin: es gebe keine Garantie, dass von einer KI generierten Texte auch stimmen, denn die KI "lerne" auch aus Falschinformationen. 
 
Workshops zur Weiterbildung von Lehrkräften an Schulen oder Universitäten bietet in Estland eine "Eesti Haridustehnoloogide Liit" EHTL (Union der estnischen Bildungstechnologen) an (750 Euro pro Kurs). Dabei gilt als "Bildungtechnologe", wer "Mitarbeiter einer Bildungseinrichtung ist, die ein modernes Verständnis für Lernen und Kompetenz in der digitalen Technologie hat." Schon 120 Schulen hätten sich für solche Workshops angemeldet, heißt es (err). Gut ausgebildete Menschen auf diesem Gebiet wurden auch schon mal als "Geheimwaffe des estnischen Bildungswesens" angesehen. 
 

Künstlich, aber gesteuert

"Die Sorge ist, ob das, was die Schüler gegenwärtig mit KI tun, tatsächlich nützlich ist, ob sie ihnen hilft, zu lernen", meint Diana Veskimägi, Vorsitzende der EHTL. Ilona Tragel dagegen, Professorin für Estnische Sprache an der Universität Tartu, sorgt sich eher darum dass die bisherigen KI-Trainingsprogramme eher mit englischer Sprache entwickelt worden seien. "Wenn Schülerinnen und Schüler häufig großen Mengen an Text ausgesetzt sind, die in Estnisch zu sein scheinen, aber tatsächlich den englischen Satzstrukturen folgen - und, noch schlimmer, nur dem englischsprachigen Weltwissen - dann kann es problematisch werden", meint sie. (err)
 
Und auch die estnische Behörde für Cybersicherheit ("Information System Authority" RIA) möchte noch ein Wörtchen mitreden. "Wenn es keine klaren Richtlinien gibt, dann laden Studierende alles Mögliche, also Schuldokumente, persönliche Daten, auch etwas von zu Hause in diese Systeme hoch - daher sollten die Schulen und Hochschulen auch eigene Sicherheitssysteme entwickeln," sagt RIA-Repräsentant Lauri Tankler. (ERR)

Montag, Juli 03, 2023

Alles fägt mit Aabits an

Ein estnisches "Aabits" - hier in Variante
aus der bekannten "Lotte"-Reihe

In Estland fängt das Lernen mit "Aabits" an - Deutsch würden wir vielleicht "ABC-Fibel" sagen. Solche estnischen "Aabits" soll es bereits seit dem 16. Jahrhundert gegeben haben. Für die Heranwachsenden in Estland gibt es gegenwärtig einige Änderungen: Für Schülerinnen und Schüler der Klassen 1 bis 4 beginnt ab 2024 der Übergang zum Sprachunterricht ausschließlich in estnischer Sprache, mit dem Ziel, diesen Prozess bis 2030 abzuschließen. 

Bis das soweit ist, gibt es aber offenbar noch einige Probleme. Da ist zunächst mal der Mangel an Lehrkräften, die Estnisch unterrichten können. Und es geht auch nicht nur um Kinder: in Bezirk Ida-Virumaa etwa, im Nordosten Estlands gelegen, seien es zumeist Frauen älter als 40 Jahre, die sich verbesserte Estnisch-Kenntnisse aus beruflichen Gründen wünschten (ERR). Darunter seien auch Lehrerinnen, die bisher zwar Estnisch verstehen, aber nicht unbedingt gefordert waren ihren Unterricht tatsächlich auf hohem Niveau in Estnisch abzuhalten. Und auch für die Flüchtinge aus der Ukraine werden Estnisch-Kurse und entsprechend Lehrkräfte gebraucht. Tallinns Bürgermeister Mihhail Kõlvart stellt allein für die Hauptstadt 700 Erzieher/innen mit guten Estnisch-Kenntnissen in den Kindergärten und weitere 144 Pädagog/innen für die ersten vier Grundschulklassen fehlen würden. (err)

Der estnische Rechnungshof (Riigikontroll) hatte hatte Anfang Juni einen Bericht vorgelegt, der im Ergebnis mehr Sorgfalt beim Übergang zur estnischen Sprache in den forderte. Hier wird zum Beispiel festgestellt, dass obwohl in Schulen mit Russisch als Unterrichtssprache in neun Grundschuljahren insgesamt 1050 Stunden Estnisch unterrichtet wird, etwa ein Drittel der dortigen Absolvent/innen nicht genügend Estnisch-Kenntnisse aufweisen um ein Studium anschließen zu können. 

Bemängelt wird in diesem Bericht auch, dass die estnischen Kommunalverwaltungen nicht genügend auf Fortschritte in diesem Bereich achten würden - weder durch Anreize, noch durch Strafen. Die estnische Bildungsministerin Kristina Kallas (Eesti200, ein Koalitionspartner der Reformpartei von Regierungschefin Kaja Kallas) gab zu dass etwa das Berufsbildungszentrum in Ida-Virumaa weiterhin auch in Russisch unterrichte und forderte den dortigen Schuldirektor Hannes Mets zum Rücktritt auf. (err). Nach Darstellung von Mets habe man im vergangenen Herbst 1500 neue Studierende aufgenommen, von denen 1350 nicht über ausreichende Estnisch-Kenntnisse verfügten. Allerdings lehre seine Schule auch Kenntnisse in den Bereichen Handel und Wirtschaft und sei nicht auf Sprachen spezialisiert. Ende Juni trat Mets dann zurück (ERR), und nur kurze Zeit später wurde Mati Lukas zum neuen Leiter ernannt (ERR). 

Die estnische Sprachaufsichtsbehörde (Keelamet) hatte bereits eine Reihe von Strafen für Lehrkräfte des Bildungszentrums wegen unzureichender Estnisch-Kenntnisse verhängt. Das Strafmaß für Schulen, welche die Anforderungen an den Estnisch-Unterricht nicht erfüllen wurde auf maximal 10.000 Euro erhöht und dem "Keeleamet" das Recht zugestanden, Klassräume zu besuchen und Sprachkenntnisse der Pädagog/innen zu prüfen. Für Schulen im Bezirk Ida-Virumaa habe es bisher etwa 200 Strafen gegeben, in einer Höhe zwischen 30 - 400 Euro. (err)

Nach Angaben der estnische Regierung liegt das Ziel des Übergangs zum estnischen Sprachunterricht vor allem darin, allen Kindern in Estland, unabhängig von ihrer Muttersprache, die Möglichkeit zu bieten, einen qualitativ hochwertigen estnischen Sprachunterricht zu bekommen.

Freitag, April 09, 2021

Von Ausgangssperre zu Hüpffreiheit

Für die Dauer von zwei Wochen werden in Tallinn Straßen gesperrt - aber nicht aus Gründen des Gesundheitsschutzes, und auch nur für Autos. Von abends 21 Uhr bis morgens früh um 6 Uhr ist dann das Befahren verboten - es gibt Ausnahmen für den Öffentlichen Nahverkehr. (err / bnn). Das geschieht im Tallinner Stadtteil Habersti, vor allem im Bereich der Straßen der Astangu tänav und der Kotermaa tänav. Auch beim Zitieren der Aussage von Oleg Siljanov, stellvertretender Bürgermeister von Habersti, muss genau hingehört bzw. gelesen werden: "Wir wollen ein Massensterben verhindern." 

Gemeint ist in diesem Fall allerdings die jahreszeitlich bedingte Wanderung von Kröten und Fröschen. "Die Astangu tänav ist ein der bedeutendsten Migrationswege für Amphibien in Estland," erläutert Siljanov, "und wir sorgen hier für geschützte Tierarten, die von ihren Winterplätzen zu den Laichgewässern wandern." 

Wegen der Pandemie sei es in diesem Jahr auch nicht möglich, freiwillige Helfer/innen einzusetzen, so entschieden es die zuständigen Amtsstellen. 

2019 hatte der Estnische Naturschutzfond sogar zu einem Gedichtwettbewerb "Springender Frosch" eingeladen, um das Bewußtsein für die ökologische Bedeutung von Amphibien in Estland zu stärken. 

Infoseite: Amphibienarten in Estland (estnisch, mit Bild und Audio)

Donnerstag, Juli 16, 2020

Lernende Gäste

Nein, im Gegensatz zu den USA müssen Studierende aus dem Ausland auch zu Krisenzeiten nicht um ihren Aufenthaltsstatus in Estland fürchten. Insgesamt 5528 junge Menschen sind es derzeit insgesamt, einer aktuellen Statitik zufolge, die an Hochschulen und Universitäten in Estland ein Studium absolvieren.

Es wäre auch widersinnig gewesen, gerade für Estland: wenn ich also vorwiegend online meine Dozent*innen und Univerwaltungen kontaktiere, so soll ich das Land verlassen? Estland, oder sollte ich besser sagen "E-Estonia", wirbt ja allzu häufig mit genau diesen virtuellen und digitalen Möglichkeiten. 5,5% der Studierenden in den USA seien Ausländer, heißt es in den aktuellen Meldungen. In Estland sind es 12,2% (ERR).

Die Statistik teilt nach Studienzielen auf: 2445 streben einen Abschluss in einem Master-Studiengang an, 1777 den Bachelor. Und 591 Studierende "wollen den Doktor machen", wie es so schön heißt. Zu den beliebtesten Fächern zählen Wirtschaft, Verwaltung, Jura, Sozialwissenschaften und Kommunikationstechnologie.
"StudyinEstonia"
Den größten Anteil ausländischer Studierender weist mit 36% die Estonian Business School (EBS) auf, eine 1988 zusammen mit Partnern in den USA und Kanada gegründete Privatschule, die 2011 sogar noch einen Campus in Helsinki eröffnete.

Die Webseite "Study in Estonia" wirbt mit diesen Schlagworten: "perfekt natürlich", "Startup spirit", "Schwitzen in der Sauna", "alles digital" und "gute Bildung". Zitat: "Ob Du Deinen Kontostand überprüfen willst, Dich für ein Stipendium bewerben, Deine Steuererklärung abgeben, oder ob Du wählen willst (ja, sogar das!) - alles ist so einfach wie das Öffnen von Instagram auf Deinem Smartphone".

In Deutschland wäre der DAAD zuständig für die Information von Interessierten. Dort steht der sogenannte "Ländersachstand Estland" zur Lektüre bereit. Hier ist u.a. zu sehen, dass es immer weniger Studierende aus Estland in Deutschland gibt. Es sind hier auch Informationen zu estnischen Studiengebühren zu finden: schon 2013 lagen sie zwischen 1660 und 11.000 Euro pro Studienjahr. Und hier sind auch andere, längerfristige Ziele der estnischen Bildungspolitik erläutert: demnach sollen 3% aller festen Stellen aller festen Stellen im akademischen Bereich von Ausländern besetzt werden. Bis 2015 war eine Zielgröße von 3000 ausländischen Studierenden in Estland abgestrebt - diese Zahl ist also inzwischen längst überschritten. Bei den deutsch-estnischen Projektförderungen sind hier für das Jahr 2018 Kooperationen der Hochschule Wismar, die Universitäten Greifswald, Bremen, Bamberg, Münster, Köln, Potsdam und Magdeburg, die TUs in Berlin und Dresden, die FH Bielefeld und die "Ecm Space Technologies Gmbh" an der TU Berlin aufgeführt.

Studieren in Estland, das ist auch etwas für diejenigen, die "Outdoorsport mögen und sich für Altstadtflair begeistern können" - so fasst es ein Erfahrungsbericht an der Uni Potsdam zusammen.

Diesem Trend scheint nun die kürzliche Entscheidung der estnischen Regierung, die Zahl der ausländischen Studierenden zu begrenzen, entgegen zu stehen. Zu erwarten war dementsprechend der Protest der Universitäten, wie etwa der Universität Tartu. Im Zusammenhang mit der Frage, die Einreise von dringend benötigten Saisonarbeiter*innen trotz Corona-Krise zuzulassen, war die Möglichkeit einer Begrenzung bei den Studierenden angekündigt worden - offenbar als Konzession an die rechtskonservative Regierungspartei EKRE. Betroffen wären dann besonders Studierende aus sogenannten "Drittstaaten", also Ländern, die weder der EU noch der OECD oder EEA angehören. "Wenn diese Studierenden die Schule in Estland beenden, dann können sie nicht bleiben" - so will es EKRE-Parteichef und Finanzminister Martin Helme (ERR). Bildungs- und Wissenschaftsministerin Mailis Reps von der Zentrumspartei schwächte diese Ankündigung dahingehend etwas ab, dass es Begrenzungen besonders dann geben soll, wenn Studierende Familienmitglieder nachholen wollen. - In sofern gilt wohl auch für Estland: die gegenwärtige Krise schüttelt alles Gewohnte ein wenig durch, und auch die Verantwortlichen in Estland werden noch überlegen müssen, wohin der Weg geht.

Mittwoch, März 18, 2020

Krisen-Estland

Wenn in Estland die Schulen geschlossen werden - bekommen Schüler*innen und Schüler ihre Hausaufgaben digital, auch die Eltern sind darüber (digital) informiert. Sogar die Notengebung ist ins digitale System einbezogen (siehe: EKool). Der "Youthreporter" berichtete noch vor kurzem von einer in Estland kurz vor der Umsetzung stehenden Vorschrift, dass alle Schulmaterialien jetzt auch digital vorliegen müssen.

Seit dem 16. März meldet Estland: beginnend mit dem heutigen Tag bleiben unsere Schulen geschlossen. Das Lernen wird daher komplett online ablaufen.

Und damit nicht genug: Estland bietet Erfahrungen des digitalen Lernen anderen Ländern zur Nutzung an - so zumindest verkündet es eine Informationsseite des estnischen Bildungsministeriums. Diese beruft sich auf die estnischen Firmen "99math.com", "Lingvist.com", "Clanbeat.com", "Speakly.me", "ALPA Kids", und "DreamApply.com", die sich bereit erklärt hätten, ihre Lösungen auch auf internationaler Ebene kostenfrei zugänglich zu machen. Eine Liste dieser Angebote stellte das Ministerium ebenfalls online. Auch "Estonianworld" stimmt in den begeisterten Chor ein: "Estland bietet seine digitalen Werkzeuge zur Unterstützung anderer Länder in der Krise an."

Allerdings ist es wie so oft, wenn Apps kostenfrei angeboten werden: im Kleingedruckten ist dann doch das wirklich Kostenfreie sehr begrenzt.So bietet sich die Sprachlern-Software "Lingvist" zum Beispiel als "in den Zeiten der Krise einen Monat lang für Schulen kostenfrei" an. Wer genauer nachliest, erfährt hier auch, dass LINGVIST schon bisher als kostenlose Software angeboten war - aber gegenwärtig ein Abomodell einführen will, um Einnahmen generieren zu können. Also: hier will das Ministerium wohl eher estnischen Startups einen Anschub aufs internationale Parkett geben, als wirklich altruistisch in der Krise Hilfe leisten zu wollen."Lingvist" weist inzwischen einen Preis von etwa 20 Euro pro Monat für die Nutzung aus - da kommt der Verdacht auf, hier den beschenkten Schulen dringend ein Gefühl für den Wert des Geschenks geben zu wollen - ähnlich den Supermärkten, die erst ihre Preise erhöhen, um dann wöchentliche "Sonderaktionen" auszurufen.

Andere der genannten Firmen, wie z.B. "Clanbeat", gehen mit dem Kostenlos-Angebot noch offensiver um und machen es zur aktuellen Haupt-Schlagzeile. Hier kommt die Info allerdings Englisch daher, und die Frage kommt auf: dürfen in Deutschland interessierte Lehrer*innen nun einfach hemmungslos runterladen und anwenden, entscheidet das die Schulleitung? Oder vielleicht wird auf Anordnungen des zuständigen Ministeriums gewartet? - Und auch bei "Clanbeat" ist die "Kostenlos-Taktik" nicht ohne Tücken: ob hier die Nutzung Sinn macht, oder nicht, ob es Alternativen gibt - natürlich suchen wir unabhängige Beratung vergeblich. "We will send instructions" verspricht das Unternehmen, setzt also darauf, dass erst mal "kostenlos bestellt", und erst danach das Nachdenken über Sinn und Unsinn einsetzt. Zudem gibt es Unterschiede je nach Infoquelle - teilweise wird hier auch nur von "kostenlos bis zum Ende des Schuljahres" gesprochen (education-nation). Und das kommt schon bald.

Angesichts der Begeisterung auf estnischer Seite nach dem Motto "Estland hilft kostenlos der ganzen Welt" bleibt doch offenbar etwas Zurückhaltung angebracht. Wir erinnern uns: Hände waschen, Panik vermeiden. Das gilt offenbar auch in digitalen Dingen.

Dienstag, Juli 30, 2019

Estnisch lernen für Est/innen

In Tõstamaa trafen sich in den vergangenen Tagen alle diejenigen, die Estnisch im Ausland unterrichten, meldet ERR. Das wirft Fragen auf. Erstens: wo ist Tõstamaa? Eine Landgemeinde in der Nähe von Pärnu, ehemals bekannt durch ein Rittergut, dessen letzter Besitzer, Alexander Wilhelm Baron Stael von Holstein, Professor für Sanskrit und tibetanische Sprachen war, Direktor des Harward-Indian Instituts in Peking, wo er 1937 starb - soviel erfahren wir auf der Internetpräsentation der Familie Stael von Holstein.

1921 wurde in dem Gebäude die Schule von Testama untergebracht. Der Ex-Eigentümer war also so etwas wie ein Sprachgenie - ob er auch Estnisch konnte, ist an dieser Stelle nicht überliefert. Wikipedia ergänzt: obwohl er enteignet wurde, nahm er die estnische Staatsbürgerschaft an.

Immerhin sechzig Lehrerinnen und Lehrertrafen sich jetzt also in Tõstamaa zu Erfahrungsaustausch und Weiterbildung. Insgesamt 4000 Kinder sollen es sein, so ist in den Berichten über das Treffen zu lesen, die Estnisch lernen. Es geht hier allerdings in diesem Fall nicht um deutsche Studierende oder andere Kurse für Deutschsprachige - es dreht sich hier zumeist um Kinder von im Ausland lebenden Esten und Estinnen.

Für Deutschland finden sich in der Aufstellung des Estnischen Instituts (Eesti Instituut) erstaunlicherweise gleich sieben Angebote: mit der "Europäischen Schule" (Frankfurdi Euroopa Kool) und der "Estnischen Schule in Frankfurt" (Frankfurdi Eesti Kool) zwei sehr namensähnliche in Deutschlands Bankenhauptstadt. Und auch München mit doppeltem Angebot, und sehr ähnlicher Namensverwirrung: die "Europäische Schule München" (Müncheni Euroopa Kool) und die Estnische Schule in München (Müncheni Eesti Kool). In NRW gibt es eine Kölner estnische Schule für Kinder ab 4 Jahre, wo vor allem gespielt, gesungen und gebastelt wird (im Pfarrheim Aegidius in Köln-Wahn). Auch in Hamburg betreibt die Estnische Volksgemeinschaft einige Kindergruppen (Hamburgi Eesti Kool). Und Berlin darf natürlich nicht fehlen: hier trifft sich die "Berliini Eesti Kool" im Familienzentrum Mehringdamm.

Einen noch breiteren Fokus auf's Estnische soll die letzte Woche im September 2019 bekommen - sie soll zur "Woche der estnischen Sprache" ausgerufen werden, mit dem Ziel, drei Millionen Menschen zu erreichen und für das Erlernen des Estnischen zu interessieren. Und übrigens: nicht wundern, wenn im Zusammenhang mit Kindern im Estnischen immer von "last" die Rede ist - hier hilft nur: Sprache lernen und verstehen, dass auch die Est/innen absolut kinderfreundlich sind.

Sonntag, Dezember 30, 2018

Pädagogen-Aufwertung

Das Haushaltsbudget der estnischen Regierung sieht für 2019 eine Erhöhung des Lohnniveaus für Estlands Lehrerinnen und Lehrer auf 1500 Euro vor. 533 Schulen existieren derzeit in Estland, an denen insgesamt etwa 13.000 Lehrerinnen und Lehrer arbeiten (ERR). Viele davon mussten im Herbst 2018 allerdings das Schuljahr starten obwohl Lehrpersonal fehlt - allein 80 Mathematik-Lehrer/innen wurden noch gesucht (ERR).

Eine der Herausforderungen für das estnische
Schulsystem: Qualität beibehalten, bei stark
zurückgehender Schüler/innenzahl.
Trotz dieser Schwächen blickt Estland auf vordere Plätze bei den internationalen PISA-Studien - vor allem bei denjenigen Tests die Naturwissenschaften betonen. "2006 haben uns die guten Ergebnisse in den PISA-Studien noch überrascht", meint Gunda Tire, die estnische Projektverantwortliche für die PISA-Studien (TeacherMagazine). "Aber wir haben nach der Loslösung von der Sowjetunion sehr schnell ein nationales Curriculum entwickelt, wir haben viele gute Praxisbeispiele von anderen Ländern übernommen und ein effektives System zur Evaluierung entwickelt." Außerdem sei man stolz darauf, dass Fächer wie Biologie, Physik und Chemie in Estland nur von Fachlehrern erteilt würden, so Tire. "Wenn auch in Deutschland die Ergebnisse der PISA-Studien zunächst einen negativen Schock auslösten - in Estland war es umgekehrt: überraschend positiv." Und Tire fügt hinzu: "Wir erwarteten geradezu diese internationalen Vergleichsmöglichkeiten, denn: den Estinnen und Esten ist selbst nichts gut genug, sie sehen die Dinge grundsätzlich immer sehr kritisch."

Bereits in den zurückliegenden Jahren wurde mehrfach der Mindestlohn für Lehrer/innen erhöht: von 644 € im Jahr 2012 auf 1050 € im Jahr 2017 - der Durchschnittslohn stieg von 812 € 2012 auf 1211 € im Jahr 2017). Jetzt also erneut eine kräftigte Erhöhung. Bildungsministerin Mailis Reps hatte das Thema als eines der Schwerpunktthemen der gegenwärtigen Regierung bezeichnet.

Eine Untersuchung unter den Mitgliedsstaaten der OECD zeigt aber auch, dass in Estland das Lehrpersonal relativ alt ist - fast die Hälfte aller Lehrerinnen und Lehrer ist über 50 Jahre alt (err). Eine attraktive Lohnentwicklung soll also vor allem den Nachwuchs unter den Pädagogen zu Gute kommen. Eine andere Baustelle ist noch die relativ hohe Zahl frühzeitiger Schulabgänger: unter den 18-24-Jährigen lag 2017 die Zahl der Schulabbrecher bei 10,8% (ETM2018). Das liegt zwar im EU-Durchschnitt, aber für die estnischen Schulplaner eine prioritäre Aufgabe, wobei die Rate bei jungen Männern bei 14,2%, bei Frauen aber nur bei 7,3% liegt. Und Estland vergleicht sich auch in diesem Fall sehr gerne mit den skandinavischen Nachbarn Finnland, Norwegen und Schweden: dort wird erheblich mehr pro Schüler/in ausgegeben (obwohl z.B. Norwegen gar nicht so gut bei PISA abschneidet). Estland nimmt solche Statistiken sicherlich als Ansporn für die Zukunft.

Die Schülerinnen und Schüler in Jõgeva jedenfalls fanden fehlende Pädagogen auf ungewöhnliche Art: "Sucht nicht nach Raketen, sucht uns eine/n Mathelehrer/in!". In dem Gebiet hatte ein NATO-Eurofighter versehentlich eine Rakete abgeschossen, die auch nach langem Suchen nicht gefunden werden konnte. Die Schule dagegen erzeugte offenbar mit ihrer Suchanzeige genug Aufsehen, erzählte die Schulleiterin Priit Põdra der "Aktuaalne Kaamera": eine neue Mathelehrerin wurde gefunden (err).

Freitag, Juni 05, 2015

Kinderbetreuung landesweit ungleich

Auch in Estland machen die Erzieher/innen und Mitarbeiter in Kindergärten und Betreuungseinrichtungen für Estlands Nachwuchs mobil. 16.000 Unterschriften wurden kürzlich gesammelt, um gegen die landesweit sehr ungleiche Bezahlung zu protestieren. Ein eindrucksvolles Beispiel nennt die Nachrichtenagentur ERR: während eine Angestellte eines Kindergartens in dem kleinen südost-estnischen Städtchen Kallaste mit 427 Euro monatlich lediglich knapp über dem vorgeschriebenen Mindestlohn liegt, zahlt man für die gleiche Arbeit auf der Insel Vormsi 1.132 Euro. Reiche estnische Gemeinden würden ihre Mitarbeiter/innen von armen Gemeinden systematisch abwerben, so der Vorwurf. In den Kinderbetreuungseinrichtungen solle dasselbe System wir in estnischen Schulen eingeführt werden, so die Forderung. Dort gilt ein Mindestlohn von brutto 900 Euro.

Insgesamt fehlt es in vielen estnischen Gemeinden an Kindertagesstätten, gerade in größeren Städten wie Tartu und Tallinn. Mit Hilfe des EU-Sozialfonds soll es nun finanzielle Unterstützung für Gemeinden beim Aufbau neuer Einrichtungen geben. Untersuchungen zufolge arbeiten etwa 6.000 Estinnen und Esten nur deshalb nicht, weil sie tagsüber keine Betreuung für ihre Kleinkinder finden können. In 93% der Fälle übernehmen dann die Frauen diese Aufgabe. Estnische Gesetze sehen eigentlich eine Garantie für einen Betreuungsplatz vor sobald das Kind 18 Monate alt ist.

Sonntag, August 09, 2009

Bundestag rückständig

"Ich finde, es ist inzwischen ein Menschenrecht, immer und überall ins Internet zu kommen."
Der das sagt, ist Este, 23 Jahre alt, heißt Ander Samson und gewann mit dem nebenstehenden Foto einen Wettbewerb des Internationalen Parlaments-Stipendiums (IPS).

Also machte er ein Praktikum im Deutschen Bundestag, und wunderte sich: Warum gibt es hier kein drahtloses Internet für Abgeordnete, Mitarbeiter und Praktikanten? Statt dessen immer nur Fax: senden, ausdrucken, wegschmeissen (und ggf. Text neu in eine Datei schreiben). "Ein Fax habe ich hier zum ersten Mal in meinem Leben gesehen," so Samson.

Mehr zum Fotowettbewerb

Beitrag über Anders Samson in "Das Parlament"

zum Thema auch: Deutschlandfunk 15.8.: "Freies WLAN wird in Europa zum wichtigen Standortfaktor"

Samstag, Oktober 27, 2007

Harte Schule des Lebens

Wenn in dieser Woche der Film "Klass" ("Die Klasse") von Ilmar Raag auf den Nordischen Filmtagen in Lübeck gezeigt werden, sollten sich die Besucher/innen auf einen harten Stoff gefaßt machen. Und wer bisher keinen persönlichen Kontakt zum Thema "Gewalt an Schulen" hatte, der wird nach dem Film sicher einen nachhaltigen Eindruck mit nach Hause nehmen.

Mir ging es so, dass ich vom Verlauf der Story doch etwas überrascht wurde. Gut, also dass es Außenseiter in einem Klassenverband gibt, dass diese oft gemobbt, gemieden und ungerecht behandelt werden - wer kennt das nicht. Auch Schlägereien gibt es hier und da. Ursache für Gewaltanwendung wird aber oft entweder bei "schlecht erzogenen" oder sozial benachteiligten Jugendlichen gesucht.
Hier treten aber zwei Filmhelden auf, die beide aus ihrer Abneigung zum Thema Gewalt eigentlich keinen Hehl machen. Der eine, Joosep, als Neuling in der Klasse benachteiligt, mag sich so überhaupt nicht wehren gegen die Gewalt - einen muskelstarken, aber psychisch schwachen Vater zu Hause vor Augen, der es gerne anders hätte. Dann Kaspar, der die Haltung "alle gegen einen" nicht lange mitmacht, aber durch Tricks und Hinterhältigkeiten gerade der Urheberschaft der Prügeleien angeschwärzt wird - jedenfalls gegenüber seiner ängstlichen Oma, die zu Hause abseits aller Schulrealitäten auf ihren "guten Jungen" hofft. Beide "Gewaltlosen" wandeln sich dann im Laufe des Films zu denjenigen, die das blutige Ende herbeiführen - nicht ohne einen großen Teil der Sympathien der Zuschauer mitzunehmen.

"Wie kam es dazu?" das ist ja die beliebte Frage, wenn international blutige Ereignisse in Schulen durch die Nachrichten geistern. Ilmar Raag läßt seinen Film nicht einfach mit einem simplen Schuß und einem mahnenden Zeigefinder enden. Es breitet sich ein quälendes Szenario aus, das auch den Aspekt mit beleuchtet, dass eben mit einem Schuß nicht alles zu Ende und die Erleichterung der Täter vollkommen wäre. Da gibt es Verletzte, zufällig Getroffene, aus Versehen Erschossene und am Schluß einen ratlosen Kaspar, der vor seiner schwer verletzten Freundin am Ende doch die Entschlossenheit zu nur einer einzigen Lösung verliert.

Die Menschen in Ländern, wo "die Klasse" gezeigt
wird, werden sich jeweils an die dunkelsten und blutigsten Stunden auf Schulhöfen und in Universitäten erinnert sehen. Auch der New York Times fällt natürlich das Massaker auf dem Gelände der Columbine High School ein, und für Deutschland steht zum Beispiel der Name Erfurt. Auch Diskussionsbeiträge und Blogs zum Film gibt es in estnischer Sprache einige. Darunter sind auch Beiträge, die sich dafür aussprechen den Film in die Lehrmaterialien an allen Schulen aufzunehmen.

Ilmar Raag (Foto rechts) war auch schon in vielen anderen Funktionen für den estnischen Film aktiv. Für die estnische Filmstiftung, als Direktor des Estnischen Fernsehens ETV. Nun bekam Raag ein besonderes "Ehrenzeichen" von seinem Heimatland: Estland hat "Klass" für die Oskar-Verleihung 2008 anmelden lassen. Kontakt zu Raag aufzunehmen dürfte ebenso nicht schwer sein: er pflegt seinen eigenen Blog.

"Class" bei den Nordischen Filmtagen Lübeck 2007

New York Times

Liste der für den Titel "bester ausländischer Film" (Oscar 2008) eingereichten Filme

Blogbeitrag von Thalia Kell zu "Klass" (engl.)

Ilmar Raag's Blog (estnisch)

Montag, Juli 23, 2007

Praktikumsmöglichkeit

Die Hamburger Weiterbildungseinrichtung "Arbeit & Leben" bietet erneut eine Praktikumsmöglichkeit in Estland, Lettland oder Litauen an. Anvisiert als Arbeitszeitraum wird der 24.September bis 16.Dezember 2007, Bewerbungsschluß ist der 30.Juli.

Angesprochen werden sollen mit dem Programm Fachleute aus den Branchen Baugewerbe, Handwerk –insbesondere Holzverarbeitung, Medien, Druckindustrie, Informatik, Telekommunikation, Landwirtschaft, Gesundheits–, Erziehungs– und Dienstleistungswesen.
Vorausgesetzt werden eine abgeschlossene Berufsausbildung, mindestens zweijährige Berufserfahrung und mindestens Englischkenntnisse (falls keine Kenntnisse in der Sprache des Ziellandes vorhanden sind gibt es Sprachtraining vor Ort).

Infoseite von "Arbeit & Leben"

Freitag, Juli 14, 2006

Ach, wie schön ist Pöltsamaa ...

"Die Heizölpreise sind auf Rekordhöhe, eine Strompreiserhöhung jagt die nächste - gut, wer da Alternativen kennt. Und weil es nie zu früh ist, sich mit Energie, ihren Problemen und Möglichkeiten zu beschäftigen" - so schreiben es Schülerinnen und Schüler der Leopold-Feigenbutz-Realschule in Oberderdingen bei Stuttgart auf ihrer Homepage.

Im Herbst 2005 ist das Projekt mit dem Namnen MIN-E-MAX gestartet, und neben anderen internationalen Schulpartnern nehmen auch Schulen in Estland und Litauen teil. Min-E-Max" heißt in diesem Falle: minimaler Energieeinsatz, maximaler Effekt.

Estnische Erkundungen: Wo sind wir hier eigentlich?

Im Mai 2006 besuchten einige Schülerinnen und Schüler ihre Partner in Estland. Eindrücke davon sind - wie sich das für ein modernes Schulprojekt gehört - auch in einem deutsch- und einem englischsprachigen Bericht im Internet nachzulesen.
Wo die estnischen Partner aber eigentlich herkommen, das läßt sich aus dem Bericht von
Nelli Gelbling und Saskia Mayer leider nur schwer herauslesen. Aber es wird wohl Pöltsamaa gewesen sein - wo es zumindest ein "Schloß" gibt, das wurde notiert. Leider gibt es wenig Informationen zu Estlands Energieversorgung (dass Kohtla-Järve auch ein Zentrum der Ölschiefergewinnung ist, wird nur im englischsprachigen Bericht kurz erwähnt). Aber mehr werden sich die Schüler ja vielleicht noch im Laufe ihres Projekts erarbeiten.
Eine schöne Reise wird es ja zumindest gewesen sein - auch wenn im Bericht immer wieder von "estischen" Schülern, von "Talin", und einmal sogar von den anderen
"Schülern aus Lettland" die Rede ist (wo kommen die plötzlich her?) Aber von "Leuten aus Lettland" ist öfter die Rede. Leider werden hier die Zusammenhänge nicht weiter erklärt.

Estnischer Schulalltag: Schlimmer als zu Hause?
Was fiel sonst in Estland auf?
"Der Unterricht war viel schlimmer als in Deutschland. Es war lauter, jeder machte was er wollte, wie z.B. mit dem Handy telefonieren." - Tja, so was Unverschämtes kennen die beiden Schülerinnen Nelli Gelbling und Saskia Mayer im schwäbischen Gymnasium Oberderdingen offensichtlich nicht. Im Schwäbischen herrscht wohl zumindest Handyverbot, und den Bericht werden wohl auch die Lehrer erst mal durchgesehen haben, oder?

Wer sich angeregt fühlt, mal selbst bei den Projektverantwortlichen nachzufragen, hier ist die Adresse: Leopold-Feigenbutz-Realschule Oberderdingen, Am Gaensberg 2, 75038 Oberderdingen.
Weitere Quellen: Bericht der PFORZHEIMER ZEITUNG vom 12.7.06.

Mittwoch, Mai 24, 2006

Die deutschen Unis und das Internet

1990 wagte unser Professor, der die Diplomarbeiten begutachtete, eine Prognose: In zehn Jahren wäre alles digitalisiert, das Verstauben von Forschungsarbeiten in Archiven vorbei. Das Papier unnötig und die Daten leicht zugänglich. O.k. das war sogar noch vor dem Internet. Aber geändert hat sich nicht viel. Es wird gedruckt ohne Ende, und die Arbeiten verschwinden oft auf Nimmerwiedersehen. Nur Elfenbeinturmbewohner und Wissenschaftsenthusiasten machen sich auf die Suche nach Stichworten in Katalogen mit anschließender Buchbestellung oder Ausleihe und Rückgabefrist. Wissensverschwendung, wie ich finde.
Aber einige schlagen einen anderen Weg ein und stellen ihre Ergebnisse zur Verfügung. Jan, TU Darmstadt, hat es mit seiner gerade beendeten Magisterarbeit getan. Wer sich in den Irrgarten baltischer Parteienlandschaften begeben will, hier nachzulesen.
Thema: Die baltischen Parteiensysteme im zweiten Jahrzehnt ihrer demokratischen Konsolidierung. Parteienwettbewerbsstabilität und Wählerstabilität

Dienstag, April 11, 2006

Ich dachte, ich sei eine Exotin, wenn ich nach Estland gehe ...

Deutsche Studierende, die mal ein Semester in Estland verbringen, erwarten offensichtlich immer noch ein nordisches Exotendasein. Etwa 40 deutsche Gast-Studierender gibt es gegenwärtig an der Universität der alt-ehrwürdigen Stadt Tartu - so berichtet es Alexandra Frank für die Europazeitung CAFE BABEL.
Vor Wölfen und Bären sei vorher gewarnt worden, so berichtet Frank von den Erzählungen deutscher Studierenden. Und im Winter könnte man erwarten, es sei den ganzen Tag dunkel.
Aber in der Realität gestaltet sich dann das Leben und das Studium in Tartu doch ein wenig anders, und die meisten äussern sich zufrieden mit ihrer Wahl. "Die Seminargruppen sind klein, die Dozenten motiviert und das Angebot an englischsprachigen Kursen groß," wird eine Studentin zitiert.


Sogar im Wohnheim gibt es Internetzugang, und an die Sowjetzeit erinnert nur wenig, so geben es weitere studentische Schilderungen zu Tartu auf CAFE BABEL wieder. "Und wo in Europa kostet schon das Bier nur 1,50 Euro?"