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Montag, November 05, 2007

Wo liegt eigentlich Estland?

Jetzt wäre es einfach eine Anspielung auf amerikanische Geografiekenntnisse zu machen. Aber über die Schwierigkeiten andere Länder auf der Karte zu orten können die Amerikaner selbst Witze machen.
Ausserdem landet man schnell bei der Besserwisserei, wenn man europäischen Überblick herauskehren möchte. Zum Beispiel: Wer weiß wieviel Länder zu Europa gehören? Kann jeder aus dem Stand alle aufzählen? Immerhin lernen die Schüler in Amerika die eigenen Bundesstaaten, und die sind in der Anzahl mehr als Europas Staaten. Der jüngste in Europa ist Montenegro.
Lassen wir das. The Singing Revolution, eine Dokumentation über die Jahre vor 1991 hat seit dem Filmfestival in Toronto, Kanada, für einige Aufmerksamkeit gesorgt.
Vorweg die Kritik: Der Blick auf die Vergangenheit vor der Singenden Revolution bis zurück auf die drei sowjetischen und deutschen Besetzungen während des 2. Weltkrieges sei flüchtig und lückenhaft. Im Mittelpunkt steht Estland, während zwei weitere baltische Länder ebenfalls an dieser Revolution mitgewirkt haben. Es heisst, die Berücksichtigung von Lettland und Litauen hätte den Rahmen gesprengt.
Also, der Fokus ist Estland und der Film wird im Dezember in Los Angeles und New York gezeigt. "life after eesti" berichtet.
Jason Cherniak war bei der Aufführung in Toronto, wo Mart Laar der Historiker und Expremier ebenfalls anwesend war unter vielen Exilesten. Er beschreibt die Veranstaltung hier.
Eine Szene aus der Dokumentation zeigt die Schwierigkeiten der Umbruchjahre. Die pro-sowjetische Interfront war gegen die Unabhängigkeitsbewegung, und verlangte entschlosseneres Eingreifen der Zentrale in Moskau.

Es ist fraglich ob diese Dokumentation jemals im deutschsprachigen Raum eine Rolle spielen wird. Ohne die Gesamtlänge des Films gesehen zu haben, fällt es schwer ein Urteil darüber zu fällen.
Und es ist nicht die erste Dokumentation dieser Art. Und dann kommen wir doch wieder zum gesamtbaltischen Kontext. Wer damals 1991 Homeland von Juris Podnieks gesehen hat und seine Crew mit der Szene "Keep Filming", als Slapins tödlich getroffen im Schnee des Parks im Zentrum Rigas lag und Zvaigzne wenig später ebenfalls an den Verwundungen starb, der wird verstehen was ich meine, wenn es um Emotionen geht. Dieser Film war noch unmittelbar am Geschehen. Und dazu gehören Litauen, Lettland und Estland.

Aus dem gleichen Film stammen diese Szenen. Die Litauer haben die größte Last getragen, was die Bedrohung durch militärische Angriffe angeht. Hier ein weiterer Ausschnitt.
Natasha Slapins in Latvians.com:
Slapins' widow, Natasha Dushen, doesn't expect that to happen.
"I've thought endlessly about who is to blame, but in the end, I think it was the system," she said. "It created primitive people by teaching them that everything can be solved by force of arms."
"Andris once told me he would even give his life for Latvia to be free," she said. "The Soviet forces really underestimated that desire for freedom."

Freitag, Februar 09, 2007

Laulev revolutioon


Laulupidu 2004
Originally uploaded by jurvetson.
Die Berlinale hat begonnen, Filme aus dem Baltikum werden auch wieder dabei sein. Die Aufmerksamkeit in Estland gilt aber der Premiere des langjährigen Dokumentarfilm-Projekts "Die Singende Revolution". Ein Film über Jahre von 1987 an, als sich die Esten auf dem Sängerfeld in der Hauptstadt Tallinn trafen, immer wieder, gipfelnd in dem Höhepunkt 1988 als etwa 300 000 zusammenkamen. Der Anfang vom Ende der Sowjetunion.
Die Dokumentarfilmer haben auch bislang unbekanntes Material benutzt. Bei Youtube sind einige Ausschnitte zu sehen. Zum Beispiel als Rüütel und Gorbatschow zusammentreffen. Die Körpersprache der beiden sagt alles über das zerrüttete Verhältnis aus. Dabei ist Rüütel eher ein Technokrat, der Politik auch als späterer Präsident fast unauffällig betrieben hat.
The Baltic Times am 7. Februar über die ersten Reaktionen:

The result of their work is the 90-minute English-language documentary, simply titled “The Singing Revolution,” which opened for general release in Estonian cinemas last month.
It premiered at last year’s Black Nights Film Festival, where a packed cinema stood for a full 15 minutes to give a rousing standing ovation that moved the Tustys to tears.
Tears seem to flow wherever the film is screened - the emotion of the music and the story spark a reaction amongst Estonians and foreigners alike.

Hier die offizielle Webseite.
Die Frage ist, ob der Film jemals in Deutschland vertrieben wird. Soweit man die Meinungen darüber verfolgt, ist eher Skepsis angesagt.

Freitag, März 31, 2006

Anmerkung zur "Singenden Revolution"


Der Eindruck könnte entstehen, dass in den Jahren 1988-1991 vor allem die Chormusik eine entscheidene Rolle gespielt hat. Nicht nur. Besonders die Musik von Alo Mattiisen, der die Rock-Pop-Musik zur Revolution lieferte, spielte bei den Jüngeren eine herausragende Rolle. Mattiisen verstarb schon 1996, er war erst 35.
Hier ein Song von 1988, einer von vielen, von der Webseite Music Export Estonia.