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Mittwoch, Dezember 06, 2017

Bitte kein Verlustgepäck!

Estinnen und Esten mögen ja vielleicht denken, überall - außer in Estland - könnte es langweilig sein. Jedenfalls sind die Verkehrswege voller - Staus, Verzögerungen, Verspätungen. So war es vielleicht ein gelangweilter estnischer Fluggast, der irgendwo auf der Welt, gehindert am Rückflug nach Hause, sich seinen Koffer nahm und diesen als Spielgrund für vielleicht sein Schach- oder Mühlespiel nutzte, um sich die Zeit kurzweiliger zu gestalten - könnte ja sein, dass der Akku des Smartphones schon lange leer war.

Und irgendwie so - oder so ähnlich - könnte die Idee entstanden sein, Spiele direkt außen am Koffer dauerhaft anzubieten: allzeit bereit, sozusagen; auf diese Art werden auch Zwangspausen zur kurzweiligen Angelegenheit.

Koffer mit Spieledesign - eine Idee aus Estland. "Playluggage ist kein normaler Koffer, er ist ein Statement," schreibt der Hersteller. Die Firma "Playluggage" bietet Koffervarianten für Backgammon, Mensch Ärger Dich nicht, Mühle, Dame, Poker und einiges mehr; alle Spielfiguren sind inklusive und mit Magneten versehen - auf diese Art und Weise schrecken selbst hoher Seegang oder ruckelige Zugfahrten nicht.

In Deutschland sind die Spiele-Koffer bisher bei "Metro" und "Galerie Kaufhof" zu haben. Leila Tamm und Martin Rungi, Verkaufsleiter bei "Playluggage", stellten vor einigen Monaten (mit Unterstützung von "Enterprise Estonia") neun Koffervarianten bei Kaufhof in Köln vor, berichtet "EstonianWorld". Außerdem werden auch Oberflächen angeboten, auf denen es sich mit Buntstiften selbst zeichnen lässt - so wird wahrscheinlich auch das Interesse der Kleinsten an Muttis oder Vatis Reisegepäck steigen. Vielleicht ist dann am Flughafen Tallinn demnächst zu hören: "Mutti, müssen wir den Koffer denn wirklich schon aufgeben?"

Nein, keine Sorge - die Spielekoffer werden meist in etwas kleineren Ausmaßen angeboten, so dass das gute Stück auch als Handgepäck fürs Flugzeug taugt.
Eigentlich sei die Ausgangsidee gewesen, einzigartige und leicht wiedererkennbare Kofferdesigns zu schaffen, die das eigene Stück auf dem Kofferband schnell auffindbar macht - so die Produzenten.
Spiele-Koffer mit
eigenem Design -
da gibt es sicher noch
viele neue Ideen ...

Auch in Finnland, Italien, Spanien, China und Australien haben sich schon Geschäftspartner gefunden. Allerdings werden die Koffer momentan noch in China hergestellt - bei anhaltendem Erfolg soll die Produktion in einiger Zeit nach Estland verlagert werden, so die Herstellerfirma.

Gegründet 2010, gibt es bisher erst 10 Mitarbeiter/innen (siehe: Trade with Estonia). Und für wen bisher doch noch nicht die richtige Spielidee dabei war: Koffer werden auch mit eigenen, selbst ausgesuchten Illustrationen oder Fotos der Kund/innen produziert. Also dann: auf dass dieses gute Stück dann nie mehr verloren geht!

Montag, Juni 17, 2013

Hanse in Herford: die Zukunft sei Wirtschaft

Gut vorbereitet zum Hansetag:
Sprachenkundige Souvenirverkäufer
Treffen der Hansestädte. Da sind Tallinn, Pärnu, Narwa, Tartu und Viljandi dabei - ebenso wie Riga, Danzig, oder in Deutschland Stralsund, Wismar oder Rostock. Ach, und nicht zu vergessen auch Lübeck - denn der "Städtebund Die Hanse" - wie sich die neue Vereinigung nennt, deren gemeinsame Hansetage zunächst in den 1980er Jahren in den Niederlanden, Deutschland und Schweden, danach auch wieder rund um die Ostsee stattfinden, hat sich eine Satzung gegeben der zufolge Lübeck immer den Präsidenten stellt. Wenigstens über diese neue Hanse darf Lübeck präsidieren, wo die Stadt doch sonst manches der früheren Bedeutung verloren ging. So aber darf Bernd Saxe, als gebürtiger Westfale in Lübeck exakt genau so lange im Bürgermeisteramt wie die Bestimmung des Hansebunds zur automatischen Präsidentschaft Lübecks gilt, Jahr für Jahr Hansetage eröffnen. Diesmal also in Herford.

Nicht wundern, wen solche Menschen
im Stadtbild überraschen sollten:
es ist Hansetag.
Lübeck voran! 
Einer von vier Stellvertretern Saxes, die sich einer Wahl durch die Versammlung der Städtedelegierten stellen müssen, ist Manfred Schürkamp, seines Zeichens Stadtkämmerer und Genußmensch, beim Hansetag offenbar unverzichtbarer als der Herforder Bürgermeister. Zusammen mit Marion Köhn als Vertreterin der Wirtschaftsförderung Herford wurde die Herforder Seite nicht müde, zwei Dinge zu betonen: erstens habe "der Herforder" sich inzwischen gut mit der Idee der Hanse vertraut gemacht, zweitens sei man gerade dabei endlich auch die Wirtschaft einzubeziehen. Gut, was das Erste betrifft, in der Herforder Lokalpresse war nachzulesen dass die Stadt die Ortseingangsschilder nun umgerüstet hat: ab sofort heißt es nun: "Hansestadt Herford"! Weniger willkommen war der einheimischen Wirtschaft die deutliche Erhöhung der Standgebühren an diesen Tagen: traditionell wurde gleichzeitig das "Hoeker-Fest" und parallel auch noch ein "Weindorf" angeboten. Die Hansetage - durchaus das Herforder Highlight des Jahres also.

Drei Hansebund-Präsidiumsmitglieder:
Bernd Saxe (links), Manfred Schürkamp (rechts)
mit Inger Harlevi von der Traditionsstadt Visby
auf Gotland
Allein gestellt?
Ob bei den vorangegangenen 32.Hansetagen sich die Wirtschaft tatsächlich irgendwie vernachlässigt vorgekommen ist - mir als Besucher erschließt sich das nur aus Sicht der Herforder Wirtschaftsförderung. Noch letztes Jahr in Lüneburg kann ich mich erinnern, dass es bei einem rundrum gelungenen Festival der Hansekulturen auch riesige Sponsorenflaggen gab, deren Größe die Kennzeichnung der Wegzeichen und des Bühnenprogramms weit überragte. Als erstes hoffe ich also - egal was die Herforder Wirtschaft, die offensichtlich eine "Inspiration" gut gebrauchen kann sich erhofft - dass die Hansetage der Zukunft nicht völlig von Verkaufszwang und Konsumrausch überrollt werden. Und in Kenntnis der vielen Netzwerke rund um die Ostsee, von denen viele bezogen auf die Wirtschaft sind (von den Außenhandels-Handelskammern über das "Baltic Sea Forum" und das "Baltic Development Forum" bis sogar zum "Hanseparlament" - um nur die größten zu nennen) klingt die Antwort auf die Frage, warum gerade in Herford noch etwas völlig neues - nach eigenen Worten ohne vorherige Analyse der bereits bestehenden Netzwerke - gegründet werden muss, etwas dürftig. Von einem "Alleinstellungsmerkmal" war die Rede (klingt englisch abgekürzt noch bedeutungsvoller: USP). Nach einer gewissen Anlaufzeit, wo sich manche in der neuen "Wirtschaftshanse" vielleicht noch mehr Kontakte und zusätzliche Finanzmittel versprechen wird sich zeigen müssen, wer am Ende allein gestellt stehen bleibt.

Aitäh, Estland!
Mir gefällt an Hansetagen vor allem die kulturelle Vielfalt. Es dürfen auch fremde Sprachen, Speisefolgen und ungewohnte Ideen des Miteinanders sein! Auch die hätte ja bessere Förderung nötig! Und wieder einmal überrascht, wie stark Estland präsent ist. Fragt in Tallinn, Tartu, Pärnu oder Viljandi denn niemand, warum Geld für reisende Künstler, Kunsthandwerker und Touristikfachkräfte ausgegeben werden muss um in Herford ("Kuhu te peate kogunema?") dabei zu sein? Estland präsentierte sich frisch, frech, bunt und vielseitig.
Altes und Neues als Hansetags-Mischung:
so präsentierte sich Herford optisch 
Ein Vergleich mit den lettischen Nachbarn bietet sich ja immer an. Die hatten vielleicht dieses Jahr zwei Handicaps: das große lettische Sängerfest steht Anfang Juli direkt bevor (wer kann sich da Extra-Reisen leisten?), und es wird in ein paar Wochen auch noch ein Deutsch-Lettisches Partnerschaftstreffen geben (in Melle bei Osnabrück). Aber auch das Motto der Aktivitäten war unterschiedlich: traten die Letten bewußt mit "Labi, ka reiz bija ta" (Gut wie es einst war) als ins Bild gesetzte Vergangenheit auf (Volkslieder und Tanz, wie inzwischen allen Lettland-Besuchern bekannt), so mischen die Esten ihre Traditionen neu auf. Da wird zwar handwerklich gefilzt, geschmiedet und gebacken, doch was präsentiert wird darf auch nach "neu" aussehen schmecken. Der Eindruck liegt nahe: Estland, ein Land für moderne Trends und junge Leute.

Mit etwas Glück bekam man es
in Herford zu Trinken:
spezielles Hansetags-Wasser
Offen und spontan: auch das ist Hansetag!
Auch musikalisch wich der estnische Beitrag der Band "PAABEL" durchaus etwas ab vom sonst oft verwendeten Hanse-Motiv der Shantychöre und Volkstänze: hier werden Jazz, beliebte Melodien, E-Gitarre, Saxophon, Dudelsack und Mundorgel gespielt, und da passt es hinein, wenn der Schlagzeuger oder der Gitarrist mal sein kreatives Solo auf ein paar Minuten ausdehnt. Hier zeigt sich auch ein Vorteil von Herford, den Lüneburg (gezwungenermaßen) nicht hatte: Lüneburg hat so viele Denkmalschutzbestimmungen, dass strenge Vorschriften für den Bühnenaufbau und die Aufführungen und Präsentationen gelten mussten. In Herford war das offensichtlich anders: so konnte auch PAABEL nach dem offiziellen Auftritt schnell noch einen "inoffiziellen" Nachschlag ankündigen und die eigene Anlage in der Nähe des Viljandi-Standes auf einer Freifläche aufbauen. Ein Auftritt mitten im Publikum! Was kann sich ein Musiker besseres wünschen, als umgeben zu sein von begeisterten, mittanzenden und laut Beifall klatschenden Menschen!
Mitreissende Auftritte unterm Hanselogo:
PAABEL aus Estland
Das bleibt als Frage durchaus an die Organisatoren des Hansetags-Bühnenprogramms stehen: der Gegensatz zwischen den Interessen der auf "das gewohnte Wochenend-Verhalten" beharrenden Einheimischen und den "Kultur- und Länderfans" (so wie ich), die sich durchaus nicht einfach beim Bier oder Kaffee und Kuchen von "irgendwas" berieseln lassen wollen. Jedes Jahr muss es ein sogenanntes "musikalisches Highlight" sein - die Herforder Presse stellte also die Auftritte von Manfred Mann (den gibts auch noch!) und Roman Lob (den gibts immer noch!) heraus. Für die Steigerung der Besucherzahlen und des Getränkeumsatzes mags gut sein. Für den anderen Teil der Veranstaltung, der sich Hansetag nennt, und wo es auch neue Städte und Regionen zu entdecken galt, da ist es wichtig dass hier jedem gratis etwas Käse, Brot und Bier gereicht wird und alle sich zusammen wohlfühlen (kurzer Estnisch-Kurs inbegriffen!).
Außer den weißen Papierschiffchen waren
Infostände aus Pappe und diese
umgestalteten "Ruhezonen" ein Hinweis auf
eine gewollte Verknüpfung zur Recycling-Idee

"Ehrbar" in die Zukunft
Was bleibt also als Bilanz? Hansetage in Städten, bei denen nur wenige ihre Verbindung zur historischen oder neuen Hanse ahnen, werden wohl immer etwas anders verlaufen. Es gab Sprüche in den Herforder Presseerklärungen und in der Lokalpresse wie "Herford als Vorreiter für Europa und die Welt"! (siehe bsw. Westfalen-Blatt). Auch die Rede davon, dass in der neuen "Wirtschaftshanse" nun "ehrbare Kaufleute" sich zusammentun (Zitat aus dem sogenannten "Kodex": "Es gibt ein Wort für Handel, Vertrauen, Qualität und Zuverlässigkeit: Wirtschafts-HANSE"), wird andere, die bereits seit Jahren und Jahrzehnten im Ostseeraum vernetzt sind wohl eher Stirnrunzeln ins Gesicht treiben - konsequenterweise haben sich bei näherem Hinsehen neben der agilen Herforder Wirtschaftsförderung auch zunächst mal nur Städtevertreter aus eher "Ostsee-fernen" Ländern hier zusammengetan: England, Frankreich, die Niederlande und - Deutschland und Polen, von denen beide bekannt ist, dass sie den Ostseefragen eigentlich keine überregionale Bedeutung beimessen. Ob das mit dem Logo "ehrbarer Kaufmann" nun besser geht? Zu hoffen bleibt, dass am Ende nicht wieder - wie kürzlich in der Finanzkrise - die Wirtschaft vom Volk vor den eigenen großspurigen Ideen gerettet werden muss (Stichwort: Steuergelder für Bankenrettung).
Die bunte Kultur der Hansestädte wird hoffentlich erhalten bleiben: auch aus estnischer Sicht. Ebenso die Vielfalt an Sprachen und Kulturen, die gerade auf den bisherigen Hansetagen noch nicht gleichmäßig über den einen (kommerziellen) Kamm geschoren scheint. Ein Fest auch für Individualisten mit ausgefallenen Hobbys.

Mehr (auch ganz ehrbar Hörbares) zum Hansetag Herford gibt es in der Sendung der "Baltischen Stunde" am Dienstag den 2.Juli ab 19 Uhr bei Radioweser.tv (auch per Livestream).
2015 findet der Internationale Hansetag dann wieder in Estland statt: in Viljandi. Falls Sie Lübeck 2014 übersehen sollten: die Musiker/innen von PAABEL warten schon!

Infos: Hansetag Herford / Die Wirtschaftshanse / Einladung "Hanse-Business-Forum" / Städtebund "Die Hanse" / Hansestädte Tallinn, Narwa, Viljandi, Tartu, Pärnu

Eindrücke von den Hansetagen Herford in bewegten Bildern:

Film 1 (Lettland) / Film 2 (Lettland) / Film 3 (Lettland)
Film 4 - Film 5 - Film 6 - Film 7 (PAABEL in Konzert, Tanzgruppe "Vabajalg")

Donnerstag, Juni 15, 2006

Hansetage in Osnabrück



Heute geht's los, aber alles ist noch im Aufbau begriffen, in Osnabrück. Hier die ersten Eindrücke vor dem offiziellen Marktbeginn um 18 Uhr und den weiteren Veranstaltungen.
Tallinn und die anderen estnischen Städtevertreter werden noch dazukommen.

Donnerstag, Juni 08, 2006

Was haben wir vor 15 Jahren getrunken?


Vielleicht das hier. Etwas für Ostalgiker - Das Etikett zwischen Unterlagen wiederentdeckt, ein Bier aus der Eksperimentaal- olletehas
(Brauerei)
Mal schauen was die Esten übernächstes Wochenende zu den Hansetagen in Osnabrück mitbringen werden. Hier bald mehr darüber.

Update am 12.06.2006
Tallinn, Tartu, Pärnu und Viljandi werden mit eigenen Ständen in Osnabrück vertreten sein. Was sie aber mitbringen und veranstalten haben sie der Stadt noch nicht verraten.

Donnerstag, Januar 19, 2006

Ökolandbau in Estland - nichts ist unmöglich!

Ökolandbau in einem so weit nördlich liegenden Land wie Estland? Ja, geht denn das? Solche Fragen südlicher orientierter Öko-Freaks, die eher naturbelassenes Olivenöl oder Ökowein aus Südeuropa konsumieren, kann nun ein neuer Bericht des Vereins EKO-CONNECT mit Sitz in Leipzig beantworten.

Überraschend große Bedeutung
Estland, das Land was gleich nach Wiedererlangung der Unabhängigkeit die meisten der Subventionen für die Landwirtschaft erst einmal abschaffte, steht heute mit dem - nach Tschechien - "höchsten Öko-Flächenanteil in Mittel- und Osteuropa" da. "Beachtliche 6,0 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche, über 58.000 ha (inkl. Umstellungsflächen), werden zurzeit biologisch bewirtschaftet," so fasst es die neue Ausgabe des Informationsrundbriefs von EKO-CONNECT zusammen.

Von Rindern, Schafen und grünem Gras
Weiterhin stellen die Ökolandbau-Fachleute fest, dass zu Zeiten der Sowjetunion die estnische Landwirtschaft noch sehr stark auf die Produktion von Fleisch und Milch konzentriert war. Bei der Milchproduktion hat sich das in sofern gehalten, als dass die beiden größten Biobetriebe Estlands auch Milchproduktion betreiben und jeweils etwa 850ha Fläche bewirtschaften.
Trotz des hohen Grünlandanteils von insgesamt 81,8 % haben aber weniger als zwei Drittel der Biobetriebe eine Tierhaltung (63 %). Dabei werden Rinder und Schafe am häufigsten gehalten.
Bereits ein Drittel der estnischen Schafproduktion erfolgt nach ökologischen Richtlinien.

(Abbildung: aus einer Ausstellung des "Eesti Rahva Muuseum", historisches Foto von 1913 der Getreideernte auf Saremaa)

Bei uns ist doch eigentlich alles Öko, oder?
Viele werden die Aussagen von Esten aus der Zeit des politischen Umbruchs kennen, als man naturnahe Flächen und den Verzicht auf Pestizide und Herbizide im ländlichen Estland vielfach schon als "ökologisch" bezeichnete. Damals fehlten natürlich ein eigenes Ökosiegel und die Qualitätskontrolle. Heute sind die meisten der 1013 estnischen Bio-Betriebe in den Verbänden Estonian BioDynamic Association (EBA) und die Estonian Organic Producers Union organisiert. Die EBA wurde bereits 1989 gegründet und organisierte die ersten Ökolandbaukurse in Zusammenarbeit mit skandinavischen und deutschen Kollegen. Die Estonian Organic Producers Union besteht seit dem Jahr 2000 und bemüht sich vor allem darum, das Angebot größerer Betriebe für die Vermarktung zu bündeln.

Langsamer Start, aber erfreuliche Entwicklung.
In den 90er Jahren ging die Entwicklung des Ökolandbaus in Estland noch sehr schleppend voran, so bestätigt auch der Bericht von EKOCONNECT. Erst seit Ende der 90er Jahre wurden auch staatlicherseits konkrete Fördermaßnahmen ergriffen, trotzdem gab es 1999 erst 89 anerkannte Biobetriebe mit etwa 4.000 ha Gesamtfläche. Inzwischen ist ein Ökobauernhof in Estland durchschnittlich 58ha groß. Ab 1997/98 gelang es, auch die staatlichen Verantwrotlichen wieder für den Ökolandbau zu begeistern. Mit dem Bio-Logo "Mahemärk" wurde ein Förderprogramm geschaffen, und seit 2001 ist das Bio-Gesetz (Estonian Organic Farming Act) von 1997 an die entsprechenden Regelungen der EU angepasst worden. Im Gegensatz zu vielen anderen EU Ländern wird die Kontrolle von Öko-Erzeugern, -Verarbeitern, -Händlern und -Gastronomen, wie in
Dänemark, seit 2001 von staatlichen Stellen durchgeführt. Die landwirtschaftlichen Betriebe werden vom Estonian Plant Production Inspectorate (PPI) kontrolliert. Kleine Betriebe bis 10 ha bezahlen 13 € pro Jahr, so berichtet EKO-CONNECT. Ab dem elften Hektar sei zusätzlich 0,32 € pro Hektar zu zahlen. Der maximale Gesamtbeitrag liege bei ca. 510 €. Bei Betrieben die sowohl ökologisch als auch konventionell wirtschaften, muss auch für die konventionellen Flächen Kontrollgebühr entrichtet werden.


Beratung und Hilfestellungen
Auch der Schulungs- und Beratungs-Sektor ist in Estland inzwischen gut entwickelt: Zwei
private Organisationen, das Centre for Ecological Engineering (CEET, 1992) und die Estonian Organic Farming Foundation (EOFF, 2001) unterstützen die ökologische Landwirtschaft durch die
Bereitstellung von Informationsmaterialien. Außerdem führen sie Infoveranstaltungen sowie
Weiterbildungsmaßnahmen für Umstellungsinteressierte und Ökolandwirte durch. Auch die moderne und gut ausgestattete landwirtschaftliche Universität (Estonian Agricultural University) in Tartu und einige landwirtschaftliche Fachschulen beschäftigen sich mit dem Ökolandbau (siehe auch den schon etwas älteren, aber ausführlichen Länderbericht von Ülle Roosmaa / Universität Tartu oder den von Merit Mikk - beide in Englisch).

Und wo sind die Ökobetriebe zu finden?
Der Schwerpunkt der Öko-Fläche liegt offensichtlich in den Extensivregionen im Westen und Süden Estlands. Ein Bespiel ist die Insel Hiiumaa, wo 117 Betriebe rund 70 % der Landwirtschaftsfläche ökologisch bewirtschaften. Relativ viele Betriebe gibt es auch auf Saaremaa und in den Bezirken Võru und Läänemaa.

Was gibt es noch zu tun?
Finanzielle Unterstützung gibt es in Estland aus einem speziellen Programm für Agrar-Umweltmaßnahmen - auch dazu lassen sich ein paar Zahlen aus dem Bericht von EKO-CONNECT entnehmen. Im Jahr 2004 lagen die Prämien für Ackerland bei 96,89 €/ha, bei 73,88 €/ha für Grünland und 240,56 €/ha für Garten- und Obstbau. Für die Umstellung und Beibehaltung des Ökolandbaus seien die gleichen Beträge gezahlt worden. Aber ein noch vorhandenes Manko erwähnt EKO-CONNECT auch: leider gibt es keine Unterstützung für Investitionsmaßnahmen, so dass eine Modernisierung für Ökobetriebe in Estland immer noch schwierig sei.
Weitere Informationen: EkoConnect - Internationales Zentrum für den Ökologischen Landbau Mittel- und Osteuropas e. V., Arndtstraße 11, 01099 Dresden. Tel. : +49 (0) 351 / 20 66-172, Fax: +49 (0) 351 / 20 66-174, Email : info@ekoconnect.org. Internet: www.ekoconnect.org

Samstag, November 19, 2005

Buntes Estland

Einen bunten Strauß estnischer Kultur hatten die Organisatorinnen der ESTLAND-Tage vom 17.-19.November 2005 in Hamburg gebunden. Kunsthandwerker/innen, Tänzer und Musiker/innen, Reiseangebote und eine tägliche Verlosung überraschten die Wochenendeinkäufer mit exzellent dargebotenen Einblicken zu Land und Leuten.
(Foto links: "alles aus Filz" - vom Hut bis zum Schuh - bot Hilda Rüttel aus Tallinn an)








Einer der Höhepunkte waren die Momente, wenn Eneli Rüütli, Anastassia Sois, Ivar Lett und Endro Roosimäe eine ihrer schwungvollen Tanzvorführungen auf's Parkett legten.












Die Sängerin Marvi Vallaste hat sich, zusammen mit den Gitarristen Jaak Sooäär und Raul Vaigla, mehr dem Jazz verschrieben. Beim Sommerfestival "Saaremaa valss" war Vallaste 2004 beste Sängerin, und beim Jazz-Wettbewerb "Rainbow Jazz" siegte sie mit ihrer Band.

Freitag, November 18, 2005

Estnische Überraschungen in Hamburg

Für eine Weltstadt wie Hamburg ist die Informationspolitik kümmerlich, aber das Programm sehenswert. Nur auf wenigen Webseiten findet sich - ganz kurz - eine Zusammenfassung des genauen Ablaufs der ESTNISCHEN TAGE in Hamburg.
ENTERPRISE ESTONIA heisst nun der Zusammenschluß aus estnischer Exportagentur, Aussenwirtschaftsförderung und Investitionsagentur. Auf Hamburgs Edelmeile, der Mönckebergstraße, arbeitet ENTERPRISE ESTONIA jetzt mit eigenem Büro und tritt auch als Veranstalter der ESTNISCHEN TAGE auf.
(Foto oben: Die Gruppe "Wort und Tanz" aus Tallinn bei ihrem Auftritt in der HSH Nordbank Shopping Passage)
Überraschungen erlebten arglose Wochenend- oder Weihnachtseinkäufer, wenn sie in der Nordbank-Shopping-Passage eine Rolltreppe hochfuhren. Im ersten Stock war dort eine metergroße Landkarte auf den Boden geklebt, und unversehens stand man mitten in Estland.
Tanz- und Gesangsgruppen nutzen dies drei Tage lang als Bühne - als Höhepunkt sicher HEUTE um 19 uhr die VANILLA NINJAS (wie auch ihr Fanklub richtig bemerkt hat und ankündigt)

Estlands Ministerpräsident Ansip war am 17.11. Gast sowohl beim Businessseminar der Handelskammer Hamburg, wie auch im Gespräch mit den anderen Beteiligten aus Estland. Mein Eindruck: Ansip "verzaubert" kaum, wirkt eher typisch estnisch kühl, vielleicht wie der "oberste Businessman des Landes".

Für Überraschungen sorgen andere: Zum Beispiel Rain Rannu als erfolgreicher estnischer IT-Unternehmer (so jung können Unternehmer sein - und dann noch von jahrelangen Erfahrungen berichten!). Von ihm konnten die versammelten Geschäftsleute lernen, dass die estnischen innovativen Entwickler bereits "e-government" schon wieder als "von gestern" einstufen. Was kommt, ist das "m-government" - die mobile Aktivität, mit Handy oder anderen mobilen Geräten. E-Business sei eben zu sehr an das Vorhandensein stationärer Geräte gebunden, so Rannu, aber mobil ließen sich ja nicht nur beim Parken, am Getränkeautomat oder beim Banking, sondern auch mit der in Estland bereits eingeführten elektronischen Identitätskarte eine Menge neuer Ideen denken.

Fortsetzung der Eindrücke von den estnischen Tagen folgt ....

Donnerstag, Oktober 06, 2005

Mit Esten Einkaufen gehen



Und zwar in Osnabrück, 160 000 Einwohner und Universitätsstadt. Zwei Studenten aus Tallinn besuchen seit Wochen den Sprachkurs der Fachhochschule. Irgendwann fiel das Stichwort: Supermarkt der Russlanddeutschen - nachdem sie sich in den gewöhnlichen Geschäften mit Lebensmitteln versorgt hatten. Das Stichwort genügte, um nach der Adresse gefragt zu werden. Leider war die Ortsbeschreibung ungenau gewesen. So mussten also weitere Wochen vergehen, bis der Markt endlich gemeinsam direkt angesteuert werden konnte. Freudige Überraschung: Es gibt Lohesupp, Lachssuppe aus Estland. Suppen sind dort traditionell in Gläsern abgefüllt.
Ausserdem Buchweizen, den sie vermissen, russische Gurken, eine Rote Beete Suppe und noch einiges anderes. Ach ja, die Sprotte und diverse Fischkonserven. So ist das in der Praxis. Das läßt Rückschlüsse auf das estnisch-russische Kaufverhalten in Tallinn zu, oder nicht?