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Donnerstag, Juli 16, 2020

Lernende Gäste

Nein, im Gegensatz zu den USA müssen Studierende aus dem Ausland auch zu Krisenzeiten nicht um ihren Aufenthaltsstatus in Estland fürchten. Insgesamt 5528 junge Menschen sind es derzeit insgesamt, einer aktuellen Statitik zufolge, die an Hochschulen und Universitäten in Estland ein Studium absolvieren.

Es wäre auch widersinnig gewesen, gerade für Estland: wenn ich also vorwiegend online meine Dozent*innen und Univerwaltungen kontaktiere, so soll ich das Land verlassen? Estland, oder sollte ich besser sagen "E-Estonia", wirbt ja allzu häufig mit genau diesen virtuellen und digitalen Möglichkeiten. 5,5% der Studierenden in den USA seien Ausländer, heißt es in den aktuellen Meldungen. In Estland sind es 12,2% (ERR).

Die Statistik teilt nach Studienzielen auf: 2445 streben einen Abschluss in einem Master-Studiengang an, 1777 den Bachelor. Und 591 Studierende "wollen den Doktor machen", wie es so schön heißt. Zu den beliebtesten Fächern zählen Wirtschaft, Verwaltung, Jura, Sozialwissenschaften und Kommunikationstechnologie.
"StudyinEstonia"
Den größten Anteil ausländischer Studierender weist mit 36% die Estonian Business School (EBS) auf, eine 1988 zusammen mit Partnern in den USA und Kanada gegründete Privatschule, die 2011 sogar noch einen Campus in Helsinki eröffnete.

Die Webseite "Study in Estonia" wirbt mit diesen Schlagworten: "perfekt natürlich", "Startup spirit", "Schwitzen in der Sauna", "alles digital" und "gute Bildung". Zitat: "Ob Du Deinen Kontostand überprüfen willst, Dich für ein Stipendium bewerben, Deine Steuererklärung abgeben, oder ob Du wählen willst (ja, sogar das!) - alles ist so einfach wie das Öffnen von Instagram auf Deinem Smartphone".

In Deutschland wäre der DAAD zuständig für die Information von Interessierten. Dort steht der sogenannte "Ländersachstand Estland" zur Lektüre bereit. Hier ist u.a. zu sehen, dass es immer weniger Studierende aus Estland in Deutschland gibt. Es sind hier auch Informationen zu estnischen Studiengebühren zu finden: schon 2013 lagen sie zwischen 1660 und 11.000 Euro pro Studienjahr. Und hier sind auch andere, längerfristige Ziele der estnischen Bildungspolitik erläutert: demnach sollen 3% aller festen Stellen aller festen Stellen im akademischen Bereich von Ausländern besetzt werden. Bis 2015 war eine Zielgröße von 3000 ausländischen Studierenden in Estland abgestrebt - diese Zahl ist also inzwischen längst überschritten. Bei den deutsch-estnischen Projektförderungen sind hier für das Jahr 2018 Kooperationen der Hochschule Wismar, die Universitäten Greifswald, Bremen, Bamberg, Münster, Köln, Potsdam und Magdeburg, die TUs in Berlin und Dresden, die FH Bielefeld und die "Ecm Space Technologies Gmbh" an der TU Berlin aufgeführt.

Studieren in Estland, das ist auch etwas für diejenigen, die "Outdoorsport mögen und sich für Altstadtflair begeistern können" - so fasst es ein Erfahrungsbericht an der Uni Potsdam zusammen.

Diesem Trend scheint nun die kürzliche Entscheidung der estnischen Regierung, die Zahl der ausländischen Studierenden zu begrenzen, entgegen zu stehen. Zu erwarten war dementsprechend der Protest der Universitäten, wie etwa der Universität Tartu. Im Zusammenhang mit der Frage, die Einreise von dringend benötigten Saisonarbeiter*innen trotz Corona-Krise zuzulassen, war die Möglichkeit einer Begrenzung bei den Studierenden angekündigt worden - offenbar als Konzession an die rechtskonservative Regierungspartei EKRE. Betroffen wären dann besonders Studierende aus sogenannten "Drittstaaten", also Ländern, die weder der EU noch der OECD oder EEA angehören. "Wenn diese Studierenden die Schule in Estland beenden, dann können sie nicht bleiben" - so will es EKRE-Parteichef und Finanzminister Martin Helme (ERR). Bildungs- und Wissenschaftsministerin Mailis Reps von der Zentrumspartei schwächte diese Ankündigung dahingehend etwas ab, dass es Begrenzungen besonders dann geben soll, wenn Studierende Familienmitglieder nachholen wollen. - In sofern gilt wohl auch für Estland: die gegenwärtige Krise schüttelt alles Gewohnte ein wenig durch, und auch die Verantwortlichen in Estland werden noch überlegen müssen, wohin der Weg geht.

Samstag, November 10, 2007

Mal für ein Semester nach Estland

Judith ist 23 und ihr chinesisches Sternzeichen ist Ratte. Aber Judith ist auch eine der deutschen Studentinnen in Estland, deren Erfahrungen per Blog öffentlich nachzulesen sind. Seit dem 3.Oktober schreibt Judith über ihre Erlebnisse als Deutsch-Tutorin, über Ausflüge, und über die Saksa Keele Oppetool.

Interessant nachzulesen sind natürlich die Vergleiche zwischen den beiden Ländern. "Als typisch deutsch wird angesehen, wenn wir vorzugsweise mit Bargeld bezahlen", schreibt Judith. In Tallinn seien Handy, Wifi-Zonen, Laptop und per SMS die Parkgebühren zahlen überall zu finden. Dementsprechend liest frau auch beim estnischen Frühstück am Laptop die neuesten Nachrichten aus Deutschland, und notiert, dass Esten an Deutschen Pünktlichkeit (was sonst!), Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit schätzen, und gelegentlich Deutsch auch vor dem Fernseher lernen. Foto: Judith und Freundinnen.

Mehr aus Judith's Blog hier

Weitere Blogs:
- Was Saloniere an Estland findet. ein Sprichwort: “Ära räägi lollust”.

- Was Seeadler in Estland findet: Biber und Nordlichter.

- Was der "50plus-Treff" findet: viele Kirchen, trotz wenig Gläubigen.

- Was der Paddelblog in Estland findet: natürlich Paddeltouren.

- was der Internationale Bauorden in Estland findet: viel Arbeit.

- Was Jakob in Estland findet: eine "gewisse russische Note", und betrunkene Finnen.

- Was der Luftsport Blog in Estland findet: einen unschlagbar billigen Fallschirmsprung.

- Was Lukas, Erasmus-Student in Tartu, in Estland findet: wunderschöne waldige Landschaft.

- Was Hausmeister Pachulke in Estland findet: zu wenig Urlaub für Arbeitnehmer.

- Was der Corporate Blogging Weblog in Estland findet: Business-Blogging.

- Was Mia, Voluteer in Viljandi, in Estland findet: ein Mädchen namens Triini, eine vom Himmel geschickte
Szilvia, und ein Tag am Meer.

- Was Zora, per YFU-Austauschjahr in
Karksi-Nuia, in Estland findet: Schlittschuhlaufen in Viljandi und wie man einen Saal voll stocksteifer Esten zum Tanzen bringt.

- Was Ulli in Estland findet: das Bahnhofsmuseum in Haapsalu, und Elchschilder auf Saaremaa.

- Was Sophie in Estland findet: Geschenke auspacken und den ersten Schnee.

- Was Christian in Estland findet: das Uni-Jubiläum in Tartu, und eine unruhige Busfahrt nach St.Petersburg.

- Was Alex in Estland findet: die drei größten Inseln an einem Tag, und die Internetevolution.

- Was Kathleen in Estland findet: ein nettes Hallenbad, die beste Schokolade, und das Leben in Haapsalu.

- Was Helene in Estland findet: eine Reggaeparty!

- Was Kaddi in Estland findet: ein Blick in die estnische Musiklandschaft.

- Was Patrick in Estland findet: ein Lasteaed und viele Kinder.

- Was Andrea in Estland findet: Viljandi-Leute, die Studentenstadt Tartu, und ein komisches Gefühl, nicht in Deutschland zu sein.

Dienstag, Juni 05, 2007

Auf der Suche nach Quellen

Um fuer die Debatte ueber Minderheitenpolitik in Estland solides Datenmaterial zu erhalten, stoesst man bei der Internetrecherche haufig auf solche Beispiele, es geht um Estland und ein Zitat aus einer deutschen wissenschaftlichen Arbeit:

Letztlich zielt also das situative Konzept auf die jeweiligen sozialen, politischen und ökonomischen
Kontextbedingungen von Ethnizität ab, während das primordiale Konzept unabhängig
von den jeweiligen Kontextbedingungen und von Raum und Zeit existierende 'objektive'
Unterschiede betont. Die kulturalistische Interpretation ethnischer Konflikte stellt bewußt die
primordiale Bindung der Protagonisten im Konflikt heraus. Wenngleich die so betonten kulturellen
Rückbezüge zunächst begründbar scheinen, werden Kontextbedingungen praktisch
nicht berücksichtigt. Dabei werden nicht nur die Bedingungen ignoriert, unter denen der einer
Gruppe von außen (d.h. gesellschaftlich) zugeschriebene ethnische Status Bedeutung erhält,
sondern auch die Umstände, unter denen die Gruppe aus sich heraus Ethnizität als strategisches
Instrument operationalisiert.
Ethnische Konflikte (oder auch ihre Abwesenheit)


Ich bin zwar manchmal auch unverstaendlich, weil ich bei vielen Lesern die Kenntnis der Zusammenhaenge voraussetzte, aber das hier laesst mich kapitulieren. Warum muss das so sein? So angestrengt wissenschaftlich ist einfach nicht noetig.

Mittwoch, Mai 24, 2006

Die deutschen Unis und das Internet

1990 wagte unser Professor, der die Diplomarbeiten begutachtete, eine Prognose: In zehn Jahren wäre alles digitalisiert, das Verstauben von Forschungsarbeiten in Archiven vorbei. Das Papier unnötig und die Daten leicht zugänglich. O.k. das war sogar noch vor dem Internet. Aber geändert hat sich nicht viel. Es wird gedruckt ohne Ende, und die Arbeiten verschwinden oft auf Nimmerwiedersehen. Nur Elfenbeinturmbewohner und Wissenschaftsenthusiasten machen sich auf die Suche nach Stichworten in Katalogen mit anschließender Buchbestellung oder Ausleihe und Rückgabefrist. Wissensverschwendung, wie ich finde.
Aber einige schlagen einen anderen Weg ein und stellen ihre Ergebnisse zur Verfügung. Jan, TU Darmstadt, hat es mit seiner gerade beendeten Magisterarbeit getan. Wer sich in den Irrgarten baltischer Parteienlandschaften begeben will, hier nachzulesen.
Thema: Die baltischen Parteiensysteme im zweiten Jahrzehnt ihrer demokratischen Konsolidierung. Parteienwettbewerbsstabilität und Wählerstabilität

Dienstag, April 11, 2006

Ich dachte, ich sei eine Exotin, wenn ich nach Estland gehe ...

Deutsche Studierende, die mal ein Semester in Estland verbringen, erwarten offensichtlich immer noch ein nordisches Exotendasein. Etwa 40 deutsche Gast-Studierender gibt es gegenwärtig an der Universität der alt-ehrwürdigen Stadt Tartu - so berichtet es Alexandra Frank für die Europazeitung CAFE BABEL.
Vor Wölfen und Bären sei vorher gewarnt worden, so berichtet Frank von den Erzählungen deutscher Studierenden. Und im Winter könnte man erwarten, es sei den ganzen Tag dunkel.
Aber in der Realität gestaltet sich dann das Leben und das Studium in Tartu doch ein wenig anders, und die meisten äussern sich zufrieden mit ihrer Wahl. "Die Seminargruppen sind klein, die Dozenten motiviert und das Angebot an englischsprachigen Kursen groß," wird eine Studentin zitiert.


Sogar im Wohnheim gibt es Internetzugang, und an die Sowjetzeit erinnert nur wenig, so geben es weitere studentische Schilderungen zu Tartu auf CAFE BABEL wieder. "Und wo in Europa kostet schon das Bier nur 1,50 Euro?"