Im Jahr 2025 wurden in Estland noch 780.000 Briefe per Post verschickt - das bedeutet im Vergleich zum Vorjahr ein Rückgang des Briefaufkommens um 16 Prozent, und im Vergleich zur Situation von vor zehn Jahren um 80 Prozent, so teilte das Postunternehmen Omniva mit. (ERR) Da wundert es nicht, dass in der Werbung des Unternehmens fast nur noch Päckchen und Pakete abgebildet sind, und selbstverständlich eine breite Palette von "E-Service" bereitgestellt wird. Das Postunternehmen "Eesti Post" ist seit 2014 Teil der "Omniva Group".
"Bitte denken Sie daran, als Zahlungsnachweis den Umschlag mit einer Briefmarke zu versehen", so lautet der freundliche Hiniweis für mögliche "Ersttäter/innen". Und, ein paar Zeilen weiter steht zu lesen: "Nutzen Sie unseren E-Service und gestalten Sie das Versenden, Umleiten und Abwickeln Ihrer Sendungen deutlich schneller und bequemer!"
Klickst du schon, oder schreibst du noch?
Leider sagt die aktuelle Statistik nichts darüber aus, wie viele der 780.000 Briefe noch handgeschriebenen Inhalt enthielten. „Die Post, einst der wichtigste Kanal für den Informationsaustausch, ist heute zu einem Nischenprodukt geworden, das nur noch zu besonderen Anlässen genutzt wird – von Hochzeitseinladungen bis hin zu handgeschriebenen Postkarten“, sagt Martti Kuldma, Geschäftsführer von Omniva. (ERR) 515.000 Briefe wurden noch in Briefkästen eingeworfen - die übrigen auf Postämtern aufgegeben. Paketaufkommen und E-Commerce nehme aber weiter zu, auch bei Omniva. Derzeit erfolgt die Postzustellung in Estland noch an fünf Tagen in der Woche.
Nur noch am Automaten?
Die estnische Regierung hatte angekündigt, den Postzustellungsbereich weiter zu privatisieren - Omniva ist bisher zu 100% staatlich. (ERR) Wenn man Briefe und kleinere Pakete zusammenfasst, werden jährlich 2,8 Millionen Sendungen verschickt, wobei dieser Geschäftsbereich im vergangenen Jahr einen Verlust von 2,1 Millionen Euro verzeichnete. Die Regierung argumentiert, deshalb blieben nicht genügend Mittel für andere Investitionen übrig. Derzeit läuft die Lizenz für Omniva noch bis 2029. Es wird zum Beispiel überlegt, ob Paketautomaten künftig auch für den Versand von Briefen zugelassen werden sollen.
Auch die "Postimees Grupp", eines der größten Medienunternehmen der baltischen Staaten, äußert sich besorgt: derzeit gebe es in Estland noch 200.000 Leserinnen und Leser von gedruckten Tageszeitungen, und auch dies basiere noch auf eine morgentliche Zustellung per Post. (ERR)

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