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Freitag, August 26, 2022

Auswählen und aufräumen

Die Stimme Estlands ist hörbarer geworden in Europa - nein, diesmal nicht durch Digitalisierungsmaßnahmen oder andere Schlagworte mit einem großen E davor. Der ARD-Weltspiegel widmete Estland und der Ministerpräsidentin Kaja Kallas gleich volle 30 Minuten Aufmerksamkeit.  "Kaja Kallas - wer ist die Frau?" wird hier in einem Tonfall gefragt, als ob es gälte Mythen und Geheimnisse aufzuklären. 

Stimme der Eisernen

Und auch die Bezeichnung "Eiserne Lady des Baltikums" scheint ein beliebter Wanderpokal der Deutschen zu sein - galt es 1999 bis 2007 für die Lettin Vaira Vīķe-Freiberga, dann 2009 bis 2019 für die Litauerin Dalia Grybauskaite. Und auch Estland hatte ja eigentlich mit Präsidentin Kersti Kaljulaid schon eine durchaus "eiserne" - indem sie sowohl klar und deutlich wie auch unkonventionell zum Beispiel gegen rechtsradikale Tendenzen in ihrem Lande auftrat. Aber wer im eigenen Lande zu vielen "eisern" auf die Füße tritt, dem wird offenbar in Estland eine zweite Amtszeit verwehrt. - Erst dadurch tritt nun Kaja Kallas viel stärker in den Vordergrund als der estnische Präsident (wie heißt er noch gleich?). Dass "baltische" Präsidentinnen auch mal bei entsprechenden Anlässen Volkstracht tragen, scheint aus deutscher Sicht auch immer noch eine besondere Bemerkung wert zu sein (estnische Politikermänner tun das übrigens auch - aber wer berichtet darüber?). 

Foto aus dem Jahr 1994

 Abneigung gegen Sowjetisches

2007 war das Jahr des "Denkmalstreits" in Tallinn - und deutsche Berichterstattung wurde noch weitgehend von Stockholm, Moskau oder Warschau aus organisiert. Interessant, dass es schon damals um dieselben Vokabeln und Schlagzeilen ging, wie sie auch heute Verwendung finden. Schon 2006 war in Estland das öffentliche Zurschaustellen sowjetischer Symbole unter Strafe gestellt worden - ein Vorgang, der Tomasz Konicz Anlass gab zu bedauerten, das neue Gesetz mache es in Estland unmöglich, am "Siegestag über den Faschismus" ... "sowjetische Fahnen schwenkend durch die Straßen" zu ziehen (Junge Welt). Er sah damals Estland "im antikommunistischen Rausch" (aber gut erkannt - mit Kommunismus hat Estland wirklich wenig am Hut). 

Schon damals war auch der russische Außenminister Sergei Lawrow im Amt und beklagte die Gleichsetzung von UdSSR- und Nazi-Symbolen. Und auch einige deutsche Journalisten waren zu dieser Zeit mit dem "Etiketten-kleben" sehr schnell bei der Hand: Ulrich Heyden meinte feststellen zu müssen, man messe in "Tallin" (sic!) mit "zweierlei Maß" (Eurasisches Magazin). Und Ute Weinmann glaubte für "Jungle World" entdeckt zu haben, es gehe vor allem um die Überwindung des "Schmach der Westmächte, die den Sieg über Deutschland nur mit Hilfe der Sowjetunion erringen konnten". 

Vorwürfe und einfache Urteile

Anfang 2007, als sich eine parlamentarische Mehrheit für eine Versetzung des "Bronzesoldaten" in Tallinn im estnischen Parlament abzuzeichnen begann, versuchte Moskau monatelang mit gezielter Propaganda die Entwicklung aufzuhalten. Man könne ja die sowjetischen Denkmäler alle nach Russland holen, und auch die Transportkosten bezahlen, hieß es. Oder, als Variante, eine Kopie des estnischen Bronzesoldaten in Moskau aufstellen (aktuell.ru). Für die interessierte Öffentlichkeit lag damals eine lange Liste angeblicher estnischer Sünden bereit, und jeder Punkt darauf klang gleichfalls schändlich: Förderung von Faschismus, Ehrung estnischer SS-Kämpfer, Behinderung der russischen Sprache, keine wirkliche Demokratie. Erneut assistiert Ulrich Heyden, indem er Estland als "Schlußlicht bei der Aufarbeitung der Nazi-Verbrechen" bezeichnete. Die Zielorientierung an Idealen der Demokratie allerdings ging in Russland dann schnell verloren und wurde auch Estland gegenüber nur noch dann wiederholt, wenn es für "westliches" Publikum geschrieben wurde. Resultat waren Reaktionen wie die des österreichischen "Standard": "Esten räumen mit Sowjets auf". Das kleine Estland als Bedrohung Russlands? Oder war vielmehr eine Irritation des westlichen Wertegefüges durch Estland gemeint (das damals noch nicht den Ruhm eines E-Estonia hatte), weil das westliche Bild vom "guten Russen" noch zu sehr von Menschen wie Gorbatschow bestimmt war?

Zerstören, umsetzen, demontieren? 

Aber die Kaja Kallas von heute hat offenbar in mindestens einem Punkt vor, etwas anders zu machen als damals. Damals, ja sogar noch im April 2007 gab es sehr unklare Äußerungen von verantwortlichen estnischen Politikern dazu, was nun mit dem "Bronzesoldaten" passieren solle. Das gab den Gerüchten Auftrieb, das Denkmal solle "zerstört" werden. So titelte die "Frankfurter Rundschau" sogar noch bei Beginn der Arbeiten so: "Esten starten Abriss von Soldatendenkmal", und Korrespondent Gamillscheg ergänzt in einem Kommentar: "Der Beschluss, ihn abzubauen, war unsensibel" (beide Beiträge im Archiv der FR nicht mehr verfügbar, daher hier nicht verlinkt). Da kann spekuliert werden, ob es die deutschen Journalisten zu diesem Zeitpunkt wirklich nicht besser wussten, oder die Lage einfach, von Stockholm aus gesehen, zu unübersichtlich war?

Kaja Kallas sagt heute (Aussage ARD-Weltspiegel): "Wir wollen die Denkmäler dahin versetzen, wo sie hingerhören: ins Museum." Das, was aktuell in der Ukraine passiere, erinnere die Esten daran, was sie selbst durchgemacht haben. In deutschen Medien wird die estnische Position dennoch auch heute unterschiedlich wiedergegeben. Während einige von "Verlegung" sprechen (ZEIT, Deutschlandfunk), ist bei anderen von "Demontage" die Rede (Tagesspiegel, FAZ), und es gibt auch Versuche den ganzen Vorgang zu verurteilen ("Bildersturm ist schlechte Geschichtspolitik", NZZ). 

Ein Plakat aus dem Jahr 2003, als
die Volksabstimmung zum EU-Beitritt
bevorstand. - Während Estland heute
gleichfalls deutlich die Unterschiede
zu Russland betont, erzeugt die
estnische Abgrenzung gegenüber
Russland anderswo in Europa nicht
überall Begeisterung

Begrenzte Einreise

Da ist es doch gut, dass Estland gleich noch mit einem anderen Thema Diskussionen ausgelöst hat: der Begrenzung von Visazuteilungen für Russinnen und Russen. Vom "Aufräumen" zum "Auswählen" sozusagen. Nach wie vor wird der direkte Zusammenhang mit Putins Angriffskrieg betont. Seit dem 24. Februar seien etwa eine Million Bürger/innen der Russischen Föderation in Länder der EU eingereist, bilanzieren die estnischen Behörden unter Berufung auf Daten von Frontex (Europäische Agentur für die Grenz- und Küstenwache). Davon seien allein 28% über Estland gekommen (ERR). Estland und Finnland zusammengenommen machen sogar 61% dieser Einreisen aus. Unmittelbar nach Kriegsbeginn hatte die EU ja bereits weitgehende Flugbeschränkungen ausgesprochen, also bleibt vielen nun die Reise über Land als einzige Möglichkeit. Und auch Drittstaaten wie Georgien, die Türkei, Serbien oder Dubai seien als Einreiseweg in die EU genutzt worden. 

Die Vorstellung erzeugt klare Bilder: Russinnen und Russen machen Urlaub in Europa, während die Armee ihres Landes das Nachbarland versucht in Schutt und Asche zu legen. Derweil hatte in Tallinn Außenminister Reinsalu seinen Amtkollegen aus Ungarn Peter Szijjartozu Gast. Der Ungar berief sich dabei aufs deutsche Vorbild: "Wir stimmen mit dem deutschen Kanzler Scholz überein und planen keinerlei Einschränkungen." (ERR) Für stärkere Unerstützung der Ukraine, also für striktere Sanktionen gegen Russland, sprachen sich am 25. August in einer gemeinsamen Entschließung sieben Länder aus: Tschechien, Dänemark, Estland, Finnland, Lettland, Litauen und Polen. (ERR)

Wir werden sehen, wo die Entwicklung noch hingeht - hoffentlich bald Richtung Frieden und Gerechtigkeit. Aber das die estnische Stimme - so unterschiedliche Reaktionen sie auch nach wie vor im deutschsprachigen Raum hervorruft - gegenwärtig deutlicher gehört wird, das ist wohl unbestritten.

Mittwoch, November 10, 2010

Dallas - In der Sowjetrepublik Estland


Wieder gibt es einen Dokumentarfilm über Estlands jüngste Geschichte, im Schweizer Fernsehen lief er schon, auch in Deutschland vereinzelt, jetzt auch in den USA. Eigentlich schon seit fast zwei Jahren bekannt. Aber im Internet finden sich immer mehr Spuren, Rezensionen.

Worum geht es: Um die Installation von Antennen in Tallinn auf den Dächern der Stadt in den 70ern. Die, als einzige Großstadt in der Sowjetunion, finnisches Fernsehen empfangen konnte. Und dort lief in den 80ern Dallas, die Serie mit J.R. Ewing. Und das wurde sogar von Enthusiasten ins Estnische übersetzt. Alle weiteren Komplikationen hier im englischsprachigen Treiler:


Der estnische ist länger und besser:
Disko ja tuumasõda (2009)

Und die damaligen Behörden waren alamiert. Untersuchungen wurden angestellt.

Wie Sue Ellen und JR zu CIA-Agenten wurden: Dallas und das Discofieber erreichten den Ostblock im Kalten Krieg über die Sendemasten des finnischen Fernsehens.

Auf der anderen Seite des Baltischen Meeres wurden die Verheissungen des westlichen Lebensstils von estnischen Familien in der Küstenregion 1000-fach illegal empfangen und begierig konsumiert.

Die Neuigkeiten über einen Tanz namens Disco und Familiendramen in Dallas verbreiteten sich zunächst als Mund-zu-Mund-Propaganda und später per Videokassette in der ganzen Sowjetunion. Kein Eiserner Vorhang konnte sie aufhalten. Für die CIA war die sogenannte Soft Power der finnischen Fernsehsignale der direkteste Weg ins Bewusstsein der Sowjetbürger.


Fernsehen Schweiz

Und babylonberlin vom 6. Baltic Film Festival im Oktober:

Disko ja tuumasõda (Disco and Atomic War)
Estland 2009; R:Jaak Kilmi 80min
Der Dokumentarfilm Disco and Atomic War erzählt temporeich und amüsant die Geschichte eines absurden Informationskrieges. Zu Zeiten des Kalten Krieges war im sowjetischen Estland das finnische Fernsehen eine interessante Alternative zur offiziellen Unterhaltungs- und Informationspolitik. Während weite Teile des Warschauer Pakts sozusagen im Tal der Ahnungslosen lagen, konnte man in Tallinn die Fernsehwellen des Klassenfeindes empfangen. Bald richtete sich ein ganzer Antennenwald Richtung Helsinki: Sowjetische Unterhaltungs-Nomenklatura versus Popkultur und Dallas. Während Regisseur Kilmi als Achtjähriger wöchentlich Sue Ellen’s und JR’s neueste Episoden per Brief an seinen Cousin in Südestland verschickte, arbeiteten offizielle Stellen fieberhaft an der Erfindung eines Schutzwalls im Äther.


Film-Tipp von Epp Petrone.

Update
Bei Rooftop Films gibt es ein Interview mit dem Filmemacher Jaak Kilmi,
und der beschreibt, welch großen Einfluß westliche Produktionen auf ihn hatten.
Filmmaker Interview Disco and Atomic War

Dienstag, April 14, 2009

Ein Fotoarchiv - entdeckt in Australien

Hugo Salasoo war Pharmazeut, floh 1944 aus Estland mit Zwischenaufenthalt in Deutschland und kam 1949 nach Australien. Dort arbeitete er an einem Archiv ueber Estland waehrend der Kriegsjahre und der sowjetischen Besetzung. Seine Fotos (Glasplatten) wurden in Australien von einem Sammler in einem Antikhandel entdeckt und aufgekauft. Nach und nach werden sie nun eingescannt und bei Flickr in einem Set hochgeladen:
Das Set heisst "Glas negatives"

I have recently acquired a collection of glass negatives (200-300 of them) relating to ~ WWII history of Estonia. They used to belong to Dr Hugo Salasoo (http://www.anbg.gov.au/biography/salasoo-hugo.html) who was an archivist of the Estonian Archives in Australia. I am going through the process of scanning them and posting them

Crafty Dogma

Update: Das Foto mit dem Leuchturm konnte ich lokalisieren. Es ist Vilsandi mit dem Rettungsbootshaus des Roten Kreuz. Es existierte bis 1939. Etwa 88 Menschen wurden aus Seenot gerettet.

Mittwoch, Oktober 17, 2007

Geschichtsmythen in Deutschland


Nearby Pronkssodur
Originally uploaded by Jens-Olaf
Sahra Wagenknecht, eine der bekanntesten Vertreterinnen der Linkspartei, hatte diese Behauptung auf ihrer Webseite:
"Mündliche Anfrage der Europaparlamentarierin Sahra Wagenknecht (Linkspartei.PDS) an die EU-Kommission bezüglich der »geplanten Zerstörung sowjetischer Denkmäler in Estland, d..."


Zerstörung schreibt sie , obwohl es um die Versetzung eines Denkmals ging.

Und Ulla Jelpke legt jetzt in Junge Welt nach. Sie "ist Mitglied der Bundestagsfraktion von »Die Linke« und deren innenpolitische Sprecherin"

"Dabei verdanken Litauen, Lettland und Estland ihre Existenz als selbständige Staaten dem Friedensvertrag von Brest-Litowsk aus dem Jahr 1918 zwischen dem Deutschen Kaiserreich und Sowjetrußland."


Verdanken? 1918? Den Unabhängigkeitskrieg gibt es wohl nicht und den Friedenschluss mit der Sowjetunion, die Estland auf ewig anerkannte, auch nicht.

"Kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges, 1939, gab es im geheimen Deutsch-Sowjetischen Nichtangriffsvertrag eine Aufteilung der Interessensphären, wonach Litauen, Lettland und Estland von den Nazis verschont bleiben sollten."


Verschont? Regierungsmitglieder. Parlamentarier fast alle wichtigen Persönlichkeiten, Politik und Militär des estnischen Staates wurden festgenommen, deportiert, ermordet oder flohen rechtzeitig, bevor die Nazis kamen. Im Sommer 1941 rollten die Güterzüge mit willkürlich Verhafteten und nicht wenigen Kindern,Richtung Sibirien.

"Im August 1940 entschieden sich die Bürger der drei baltischen Staaten in Volksabstimmungen für den Anschluß an die UdSSR als sozialistische Sowjetrepubliken."


"Entschieden sich die Bürger"? Jeder, der es wissen will, kann nachlesen, dass Gegenkandidaten ausgeschlossen wurden, war da nicht auch Militär? Sowjetisches. Durch die Sowjetunion verschont? Finnland wird sich ebenfalls für den Winterkrieg bedanken oder was?


Das Foto stammt oben vom Soldatenfriedhof in Tallinn, wo jetzt in der Mitte der umstrittene Bronzene Soldat steht. Wenig daneben zum Beispiel der abgebildete Gedenkstein. Der Friedhof ist gleichzeitig einer der wichtigsten Bestattungsorte für estnische Militärangehörige.
Um bei Geschichtsklischees zu bleiben. Einer der ersten Symphonien, die ich mir als Schallplatte gekauft habe, war die Leningrader von Schostakowitsch. Zuerst wird das "friedliche" Vorkriegsleben in der Sowjetunion gezeichnet, um sich musikalisch mehr in einen Militärmarsch zu verwandeln. Der Überfall der Wehrmacht. Am Ende wird dieser Gegner auch in der Melodie besiegt. So einfach war das.
Nur 1939 waren "17 Millionen" Menschen in der Sowjetunion vermisst.
The Census Bureau had just enough time to put an announcement in Izvestia saying that 17 Million people were missing, before the census-makers themselfs were shot.

Norman Davies "Europe At War", zitiert hier Robert Conquest.

Update: Ein Zeitungsartikel aus Moskau News vom Juli 1991. So wurde berichtet,als der Zugang zu den Archiven möglich wurde. In der Sowjetunion, in Moskau: "Hand in Hand mit der Gestapo. Stalins Geheimdienst hat Hunderte Antifaschisten nach Deutschland abgeschoben." von Irina Schtscherbkowa

Montag, November 13, 2006

Rumstochern in der Geschichte

Die Kreml-Protokolle. Das SPIEGEL Titelthema der Woche. Warum zerfiel die Sowjetunion, und wer war dafür verantwortlich? Das Baltikum bleibt wiedereinmal Randgeschichte. Das habe ich zwar anders in Erinnerung. Der Spiegel setzt die Gorbimania aber fort und ausserdem bringen die deutschen Medien wieder etwas exklusiv aussehendes, was in englischsprachigen längst durchgenudelt wurde. Zum Beispiel in der New Times aus Russland im September. Dort meinen sie zum Schluß, dass es nur eines begabten Führers gefehlt habe, der aber unter den Millionen Parteimitgliedern nicht zu finden war. Mann, wie lange hängen sie noch ihren Großmachtfantasien nach?
Sie hatten nicht die falschen Politiker, sie waren am Ende:
Having reached a total economic and political impasse, the Soviet leadership was forced to look for new ways to keep the empire together. Despite the official aims of Mikhail Gorbachev's restructuring of the Soviet political system (perestroika), glasnost offered an opportunity for various democratic forces to begin voicing protests against environmental damage, forced industrialization, russification and the repression of national culture.

Und die Esten haben die erste Möglichkeit ergriffen, den Verein zu verlassen.

Einladende Einkaufspassage in Tartu, in der es nichts zum Kaufen gibt kurz nach dem Ende der Sowjetunion. Aber vorher auch schon nicht. Es lebe das Kurzzeitgedächtnis, nicht wahr?
Der Blick auf die Kreml-Protokolle verengt das Bild. Selbst der Westen half am Anfang mit allen Kräften die Sowjetunion zu retten. So lange bis es nicht mehr opportun war. So sieht es ein damaliger Unterstützer estnischer Unabhängigkeitsbestrebungen:
I also saw the George W. H. Bush Administration play what I still consider a duplicitous great power game – and don’t let anyone try to convince you otherwise. James Baker, Bush’s Secretary of State at the time, and Bush’s “real politick” foreign policy inner circle remained enchanted with the personable Mikhail Gorbachev even after it had become clear to those of us living in Europe that he had long lost the confidence of the Russian people. In Bush and Baker’s desperate attempts to keep Gorbachev in power and - to their credit - the hardliners at bay, as well as the Soviet Union in one piece, the tiny Baltic Republics were seemingly caught in a vise.