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Donnerstag, April 16, 2026

Ein Brief pro Jahr - vielleicht

Wer hätte es anders erwartet: Estland ist digital organisiert, und es gibt eine große Auswahl von Möglichkeiten, vom eigenen Handy oder PC auch persönliche Nachrichten an die gewünschten Adressatinnen und Adressaten zu richten. 

Im Jahr 2025 wurden in Estland noch 780.000 Briefe per Post verschickt - das bedeutet im Vergleich zum Vorjahr ein Rückgang des Briefaufkommens um 16 Prozent, und im Vergleich zur Situation von vor zehn Jahren um 80 Prozent, so teilte das Postunternehmen Omniva mit. (ERR) Da wundert es nicht, dass in der Werbung des Unternehmens fast nur noch Päckchen und Pakete abgebildet sind, und selbstverständlich eine breite Palette von "E-Service" bereitgestellt wird. Das Postunternehmen "Eesti Post" ist seit 2014 Teil der "Omniva Group". 

"Bitte denken Sie daran, als Zahlungsnachweis den Umschlag mit einer Briefmarke zu versehen", so lautet der freundliche Hiniweis für mögliche "Ersttäter/innen". Und, ein paar Zeilen weiter steht zu lesen: "Nutzen Sie unseren E-Service und gestalten Sie das Versenden, Umleiten und Abwickeln Ihrer Sendungen deutlich schneller und bequemer!"

Klickst du schon, oder schreibst du noch?  

Leider sagt die aktuelle Statistik nichts darüber aus, wie viele der 780.000 Briefe noch handgeschriebenen Inhalt enthielten. „Die Post, einst der wichtigste Kanal für den Informationsaustausch, ist heute zu einem Nischenprodukt geworden, das nur noch zu besonderen Anlässen genutzt wird – von Hochzeitseinladungen bis hin zu handgeschriebenen Postkarten“, sagt Martti Kuldma, Geschäftsführer von Omniva. (ERR) 515.000 Briefe wurden noch in Briefkästen eingeworfen - die übrigen auf Postämtern aufgegeben. Paketaufkommen und E-Commerce nehme aber weiter zu, auch bei Omniva. Derzeit erfolgt die Postzustellung in Estland noch an fünf Tagen in der Woche. 

Nur noch am Automaten? 

Die estnische Regierung hatte angekündigt, den Postzustellungsbereich weiter zu privatisieren - Omniva ist bisher zu 100% staatlich. (ERR) Wenn man Briefe und kleinere Pakete zusammenfasst, werden jährlich 2,8 Millionen Sendungen verschickt, wobei dieser Geschäftsbereich im vergangenen Jahr einen Verlust von 2,1 Millionen Euro verzeichnete. Die Regierung argumentiert, deshalb blieben nicht genügend Mittel für andere Investitionen übrig. Derzeit läuft die Lizenz für Omniva noch bis 2029. Es wird zum Beispiel überlegt, ob Paketautomaten künftig auch für den Versand von Briefen zugelassen werden sollen. 

Auch die "Postimees Grupp", eines der größten Medienunternehmen der baltischen Staaten, äußert sich besorgt: derzeit gebe es in Estland noch 200.000 Leserinnen und Leser von gedruckten Tageszeitungen, und auch dies basiere noch auf eine morgentliche Zustellung per Post. (ERR)

Sonntag, November 30, 2014

Digital der erste

Estland ist es wieder einmal gelungen, einen neuen Anstoss für das Image des Landes zu geben, so wie es inzwischen zumindest in Westeuropa gesehen wird: klein, aber flexibel und modern. In dieser Richtung weist auch die Ankündigung, Estland werde die "digitale Staatsbürgerschaft" einführen.

Morgen, am 1.Dezember, wird die erste ID-Card an einen "virtuellen Staatsbürger" (engl. "E-Residency", estn. "e-residentsuse") überreicht: es ist der britische Journalist Edward Lucas (siehe ERR, delfi.lt). Er berichtete 1990 bis 1994 über die zusammenbrechende Sowjetunion aus dem Baltikum, 1998-2002 leitete er das Moskau-Büro des "Ecomomist". Einen Pluspunkt kann er auf jeden Fall für sich verbuchen: außer Englisch spricht er auch Litauisch, Polnisch, Tschechisch, Russisch und Deutsch.

In der deutschen Presse ist Lucas auch mit anderen Themen bekannt: die TAZ stellte ihn als überzeugten Fan des US-amerikanischen Geheimdienstes NSA vor, der die Enthüllungen Edward Snowdens für "eine Katastrophe" hält ("die Enthüllungen, nicht das Enthüllte" stellt die TAZ klar). In seinem Buch „The New Cold War“ stelle Lucas die Herrschaft des russischen Präsidenten Putin als Regime der organisierten Staatskriminalität dar, so resumiert die TAZ. Die Erstauflage dieses Buches stammt allerdings schon aus dem Jahr 2008. Oder man kann es so sehen: während manche heute die Neuauflage eines Kalten Kriegs fürchten - Edward Lucas redete und schrieb in geradezu herbei. 2008 hielt ein Rezensent des Deutschlandradios den Lucas-Titel "The New Cold War" noch "eher für ein Geschichtsbuch". - Aber eine ähnliche Auffassung über "das System Putin" verkündete kürzlich die litauische Staatspräsidentin Grybauskaitė öffentlich - ebenfalls eine Lucas-Leserin? Jedenfalls kam sie damit zumindest schon mal in die Schlagzeilen der BILD-Zeitung.

So unterschiedlich fallen eben Image-Fragen aus. Während die einen froh sind, neue Quellen für die fest gefasste eigene Weltsicht zu bekommen, stehen die anderen staunend vor einem Fan der Abhöraktion gegen Angela Merkels Mobiltelefon.
Edward Lucas ist nicht zufällig der erste, der eine "digitale Staatsbürgerschaft" aus den Händen von Staatspräsident Ilves empfangen wird. Er habe "eine Menge Publizität" für Estland gebracht, so lobt Innenminister Hanno Pevkur. Die Einführung der digitalen Staatsbürgerschaft (auch "Digi-ID" genannt) nennt Pevkur "den Wandel Estlands zu einem e-business-Center".
Angesichts der Wahl von ausgerechnet Edward Lucas zum "Digi-ID-Vorbild" könnte man allerdings auch auf den Gedanken kommen, das Innenministerium sähe die Inhaber der ID-Cards als etwas Ähnliches an wie Facebook-Nutzer - oder, in der Sprache von Unternehmen ausgedrückt: digital angeschlossene Kunden als Empfänger für die interne Firmenwerbung.

Grundlage für das neue Angebot der estnischen Regierung sind angeblich etwa 4000 verschiedene Serviceleistungen, die per Internet zugänglich sind. Manche estnische Stellen nennen die Zahl von 10.000 neuen Firmengründern, die man unter den neuen "E-Bürgern" zu finden hofft (siehe bbn).
In der deutschsprachigen Presse werden durchweg so etwas wie "Gebrauchsanweisungen" abgedruckt, die sich fast so lesen wie eine Empfehlung 50 Euro in estnischen Aktien anzulegen. (Behördenspiegel,  Tageblatt, ORF, N-TVComputerbild, Manager-Magazin, Handelszeitung, Netzwertig). Angeblich soll es bereits 100.000 Antragsteller geben, die sich für eine digitale estnische Staatsbürgerschaft interessieren.
Hinsichtlich des "Digital Ersten" aber scheinen sich zumindest Esten und Litauer einig zu sein. Der Inspirator der Präsidentin, Edward Lucas, erhielt kürzlich in Vilnius die Ehrendoktorwürde verliehen.

Montag, Januar 30, 2012

Neuer Imagefaktor: die estnische Presse

Bekannt schwierige Ländersituationen
im Bild: hier ist es
ein US-Offizier in Afghanistan
(Foto: Richard Mosse / INSTITUTE)
Um Demokratie und Medienfreiheit geht es der Vereinigung "Reporter ohne Grenzen". Da die modernen Formen der Berichterstattung stark vernetzt und verzahnt abläuft ist es schon daher logisch, dass die Lage und die Arbeitsbedingungen von Journalisten auch erst im internationalen Vergleich ein übersichtliches Bild ergeben. Von manchen Ländern, die ständig entweder wegen kriegerischer oder kriegsähnlichen Auseinandersetzungen in den Schlagzeilen sind, wird vielleicht stärker öffentlich angenommen, dass dort auch die Berichterstattung schwierig ist. Gleiches gilt für diktatorenähnlich zwangsorganisierten Gesellschaften wie Nordkorea oder Belarus, oder für Länder mit extrem sich positionierenden religiösen Gruppierungen die abweichende Weltanschauungen mit öffentlichen Akitionen aggressiv bekämpfen. Einen im wahrsten Sinne des Wortes "anschaulichen" Überblick über möglicherweise problematische und für Journalisten auch oft lebensgefährliche Länder gibt zum Beipiel der Bildband "Fotos für die Pressefreiheit" (siehe Abbildung), der im vergangenen Jahr von "Reporter ohne Grenzen" veröffentlicht wurde.

Was aber verbinden wir zu diesem Thema mit Estland? Gab es Schlagzeilen dieser Art im vergangenen Jahr? Wurden estnische Journalisten mit Strafen belegt, wenn sie sich kritisch über bestimmte Politiker äußerten? Oder darf über die Lage der russischen Minderheit so berichtet werden, dass es auch mal ohne die gleichzeitige Rechtfertigung der Regierungspolitik geht? Vielen wird vielleicht beim Gedanken in diese Richtung gleich der hitzige Denkmalstreit des Jahres 2007 einfallen. Und auch 2010 gab es mal leere Titelseiten bei einigen Zeitungen, als estnische Journalisten wegen einer anstehenden Gesetzesänderung um den Informantenschutz fürchteten (siehe Süddeutsche Zeitung 6.4.10, Euronews, Transparency International). "Eurotopics" berichtete im gleichen Jahr von hoher Pressekonzentration und Befürchtungen, die Medien könnten zu sehr nach den Interessen ihrer Besitzer ausgerichtet sein, und auf der anderen Seite Russischsprachige vom russischen Staatsfernsehen gegen den estnischen Staats instrumentalisiert werden könnten. 2007 überraschte der estnische Ex-Kulturminister Raivo Palmaru in einem Interview bei "Cafe Babel" noch. "In den Medien Estlands sind Verleumdungen, Verletzungen des Urheberrechts und Beleidigungen so normal wie der Wetterbericht." Damit nicht genug, Palmaru fügte hinzu: "Esten sind wie Kellerasseln im Tageslicht." Und die Ex-Exil-Estin Aino Siebert sieht vornehmlich sich selbst im Kreuzfeuer der Kritik: ob als Aufklärerin von KGB-Verbindungen in der eigenen Familie, oder im Kampf mit zugeknöpften Behörden.

Haben wir da etwas verpasst? Die Estnisch- und Russisch-Kundigen zumindest werden die Lage besser überblicken können. "Reporter ohne Grenzen" zumindest sagt im Rückblick auf die Lage im Jahr 2011: Estland steht in der weltweiten Rangliste der Pressefreiheit unter 179 Ländern auf Platz 3 (DREI). Nur in Finnland und Norwegen wird die Lage der Presse noch besser beurteilt. Damit stünde Estland fast noch besser da wie beim großen imagebildenden Thema IT und Internet. "Der Abstand zwischen den baltischen Staaten hat sich vergrößert", so schreibt dieser Bericht im Einzelnen weiter, "Estland rückte weiter an die Spitze der Rangliste vor. Lettland und Litauen fielen wegen einschlägiger Gerichtsurteile und wegen Eingriffen der Sicherheitsbehörden in die journalistische Arbeit auf Platz 30 bzw. 50." (Bericht "Europa und ehemalige Sowjetunion")
Schauen wir mal zurück auf die Entwicklung. Im Jahr 2003 taucht Estland auf Platz 13 auf, noch hinter Lettland. Gleiches gilt für 2004, wo Estland gleichauf mit Deutschland auf Rang 11 rangiert, beide knapp hinter Lettland. 2005 fallen Deutschland und Lettland weit zurück hinter Estland (weiterhin 11). Ein Jahr später rückt Estland auf Platz 6 vor, im meinungs-umkämpften Jahr 2007 sogar auf Platz 3 (Zusammenfassung: gute Noten für viel Diskussion zu umstrittenen Themen?). 2008 rutscht Estland leicht zurück auf 4, Spitze ist nun Island (Krisen als Lackmus-Test für die Presse?). 2009, im tiefesten Jahr der weltweisen Krise, ist Island plötzlich abgesackt auf Platz 9, Estland auf 6. 2010 nimmt Estland nur den 9ten Rang ein, Island ist zurück auf 2 (hinter Finnland). 

Aber ob nun diese ganze "Ranglisterei" Estland irgendwie weiterhilft - still ruht der See (im Moment), die kommenden kritischen Auseinandersetzungen werden es zeigen müssen. Der höchste Grad der Mediennutzung in Estland wurde bereits 1989-90 erreicht, schreibt Peeter Vihalemm in einer Untersuchung aus dem Jahr 2006, und fügt hinzu dass Ende der 80er Jahre in Estland über drei Stunden täglich Radio gehört wurde, Mitte der 90er Jahre sogar über 4 Stunden - doppelt so viel wie Stunden vor dem TV. Vielleicht hängt ja das "Endergebnis" von Mediennutzung auch vom "genauen Hinhören" ab, losgelöst von der Option für die Medien, möglichst ungezügelt Wahrheiten möglichst laut herausschreien zu können. Vihalemm weist nicht zu Unrecht darauf hin, dass auch schon die Menschenkette vom 23.August 1989 (gemeinsames baltisches Gedenken an die Folgen des Hitler-Stalin-Paktes, Menschenkette von Vilnius bis Tallinn) durch die Medien - und insbesondere durch Mitteilungen im Radio - mit organisiert wurde und strukturiert werden konnte. Heute aber, nochmal Vihalemm zufolge, haben viele Menschen nicht mal das Geld, um eine einzige Zeitung zu abonnieren. Die Printmedien gehen stark zurück. Ein Generationsunterschied sei ebenfalls erkennbar: die Älteren sitzen heute zunehmend vor dem Fernseher, die Jugend online im Internet.

Freitag, August 27, 2010

Baltic Film and Media School

Sowas wird von Studierenden oder Ehemaligen dieser Akademie in Tallinn produziert. Vor Jahren haben wir schon ein paar Studierende vorgestellt. Hier nun eine Produktion von Peeter Rebane. Der Dozent Scott Abel hat es auf Facebook gepostet. Ich reiche es gerne weiter. "Wait for me".

Wait For Me from Peeter Rebane on Vimeo.

Sonntag, Januar 03, 2010

Vorsätze für 2010

Sollte Estnisch lernen dazu gehören, kann man manchmal dankbar für Produktwerbung mit Untertiteln sein. Vor allem die Wiederholung macht es. Ein nicht mehr ganz aktuelles Video des Getränkeherstellers Saku, bekannt vor allem für's Bier. Und wer schon fortgeschritten ist, kann hiermit sein Vokabular testen.

Charade2003 hat in den Kommentaren bei Youtube gleich alles ins Englische übersetzt.

"Wir sind":...

We are married
We are dog lovers
We are practical
We are in a fight
We are in trouble
We are fathers
We are sons
We are patient
We are homebuilders
We are hot
We are stars
We are brave
We are boys
We are guilty
We are good chefs
We are lovers
But first and foremost...

WE ARE FRIENDS!!!

We share Saku Original with each other which has always been a part of real friends and friendship. Saku Original. A Friends Thing. Above All.

Wichtig ist auch das Nummer-Eins-Schimpfwort: Kurat - Teufel
In dieser "reklaam" kommt es zum Einsatz.


Hier kommen die Zahlen ins Spiel, Ekspress Hotline reklaam:

Samstag, Januar 02, 2010

Parlaments-Animation: wie aus grün weiß wurde

Wer sich noch wundert, wie aus grün (ein winterliches) weiß werden kann, der kann hier lernen, dass natürlich Estland den ganzen Vorgang demokratisch diskutiert, beschlossen, und in die Wege geleitet hat.

 
Nicht ganz ernst zu nehmen, aber ein weiterer Beweis dass Animationsfilme in Estland einen hohen Stellenwert haben.

Mittwoch, September 30, 2009

Este erregt Aufsehen

Ich weiß nicht, in wieweit in Estland bekannt ist, ob das Oktoberfest in München innerhalb Deutschlands irgendein kulturelles Ansehen genießt. Mir persönlich gegenüber haben sympathisch zurückhaltende Esten eher abwinkend reagiert, wenn sie darauf angesprochen werden. Vielleicht ist das vergleichbar mit Reaktionen zum Kölner oder Mainzer Karneval? Nicht jeder liebt es - manche die dort leben fahren absichtlich zu dieser Zeit in Urlaub - aber wer sich darauf einläßt, der weiß in der Regel was er tut. 

Nun machen zwei einzelne Esten in Deutschland Schlagzeilen. Warum? Bei "Deutschlands größtem Drogenfest" würde es keinen wundern, wenn sie nur besoffen in einer Ecke gelegen hätten. Aber nein! Esten sind ordentlich und zurückhaltend, wie gesagt. Aber in München gab es umfangreiche Personenkontrollen, wegen angeblicher Terrordrohungen. Da wurden so gut wie alle Oktoberfest-Besucher kontrolliert, und was fand man bei unseren braven Esten? Das Portal "Geld-kompakt.de" gibt es exakt wieder, inklusive Übermittlungsfehlern:

Zitat:
Die Polizei kontrollierte die beiden ausländischen Gäste im Alter von 41 und 44 Jahren am vergangenen Sonntag. Beim genauen Blick in einen Rucksack stellte sich heraus, dass sich darin insgesamt 128.500 Euro, 24.000 US Dollar, 116.200 Estnische Kronen, 100 Norwegische Kronen, 40 Schwedische Kronen und 63 Englische Kronen* befanden… (*laut Polizei: GELD kompakt vermutet aber 63 Englische Pfund)

Es ist nicht das erste Mal, dass ich von Esten höre, die ihre Geschäfts- oder Gesprächspartner in Deutschland mit größeren Summen Bargeld überraschen, die sie einfach aus der Tasche ziehen. Überraschend ist eher die Vielzahl der Währungen. In den Berichten der deutschen Medien schwingt ein wenig mit, das Geld könne doch wohl nur aus illegalen Geschäften stammen. Jedenfalls wurden die Scheine überprüft und waren alle echt. Aber natürlich interessieren wir uns auch noch für die Rechtfertigungsversuche, die das Polizeiprotokoll als Aussage der beiden Esten zitert: er wolle sich eine Yacht kaufen, und habe die Summe wegen der Wirtschaftskrise lieber selbst mitgebracht, als auf einen Banktransfer vertrauen zu müssen. Manche Mieden variieren das, und machen daraus einen "Grundstücksverkauf" - aber das war's schon mit den Sensationen (Grundstück verkauf, Yachtkauf geplant, klar!). Und für alle, die eine Yacht oder ein Grundstück einem Esten verkaufen wollen: nehmen sie eine Geldkassette mit.

Und übrigens: das Münchner Oktoberfest kommt in seiner Bedeutung erst weit hinter den Eigentümlichkeiten Estlands; das stellte erst vor wenigen Monaten die Münchner SPD fest (die jetzt aber ganz andere Sorgen hat). Nachzulesen hier.

Gibts noch etwas zu sagen zum Thema "Estland und das Oktoberfest?" Vielleicht der Oktoberfest-Kriminalroman, geschrieben bereits 2006. Angeblich mit einer "sexy Aufhilfe aus Estland" (siehe: Literaturnetz). Also: es gibt Spannenderes als Bargeld im Rucksack durch die Welt zu tragen. 

Sonntag, Dezember 28, 2008

Estland nur noch online?

Ist das glaubhaft - oder ist es nur entsprechend dem vituellen Ruf geschnitzt, den Estland in Europa so gerne pflegt?
"Esten lesen immer weniger Zeitungen" - so zitiert die Auslandshandelskammer der Schweiz eine akuelle Untersuchung (Saar Poll) in Estland. Mehr und mehr Menschen in Estland suchen sich die nötigen Informationen aus den Online-Medien. Von 3.000 befragten Personen gaben 14% an, die regelmäßige Lektüre von gedruckten Zeitungen innerhalb der vergangenen 12 Monate aufgegeben zu haben, weitere 6,5% wollen dies in allernächster Zeit tun. Die Leserschaft der Druckmedien sei so niedrig wie seit acht Jahren nicht mehr, so fassen es die Estland-interessierten Schweizer zusammen.

Allerdings schlägt dieser Trend nicht überall durch: die Leserschaft russischsprachiger Zeitungen und Zeitschriften zeigt sich stabil. Im Gegensatz zur russischsprachigen "Schwester" fiel bei der estnischen "Postimees" der Marktanteil im Laufe der vergangenen 8 Jahre von 26.7% auf 21.7%, bei "Eesti Paevaleht" von 21.7% auf 14%, und bei "Aripaev" von 10.9 percent auf 6.9%. Die meisten der Genannten setzen allerdings schon länger gleichzeitig auf ihre Online-Verfügbarkeit. So wurden gegenwärtig 91.000 regelmäßige Leser/innen der Online-Ausgabe von "Postimees" festgestellt, gegenüber 41.000 im Jahr 2004. Es folgen "Õhtuleht" mit einer regelmäßigen Leserschaft von 77.000, "Eesti Paevaleht" mit 64.000, die Wochenzeitung "Eesti Ekspress" 48.000, "Aripaev" mit 28.000 und die Wochenzeitung "Maaleht" mit 13.000 online-Leserinnen und -Lesern.

Wie sieht das im Vergleich in Deutschland aus? Trends werden regelmäßig von der "Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e.V." (auf www.ivw.de) veröffentlicht. Diesen Zahlen zufolge gibt es besonders bei Tageszeitungen und Fachzeitschriften einen enormen Rückgang. Dort ist nachzulesen, dass gegenwärtig etwa 3 Milliarden Besuche auf Seiten von Online-Medien gezählt werden (1997 waren es nur 0,02 Milliarden). Wen interessiert es also in erster Linie, ob Medien gelesen werden oder nicht? Weiterhin erstmal die Werbewirtschaft. Ob Menschen auch besser informiert werden oder sind, das wird wohl noch anderen Untersuchungen vorbehalten sein müssen.

Donnerstag, September 04, 2008

RIA Novosti feiert 1. April

Sagt Larko. Wir erleben gerade ein schönes Beispiel des Medienspiels rund um die Georgienkrise. Vielleicht ist es tatsächlich ein rauher und verspäteter Aprilscherz, der jetzt von weiteren Medien aufgegriffen wird, die ersten Blogger kopieren und transportieren das einfach weiter:
RIA Novosti berichtet über zwei estnische Farmen/Bauernhöfe, die sich als Sowjet-Republiken ausgerufen haben sollen, ihre Grenzen ziehen und die Anerkennung durch Russland wünschen.
Außerdem haarsträubend:
Meanwhile, residents of the republic claim that the "bourgeois" Estonian government has sent a "squad of relatives of Estonian Nazi SS veterans" to regain control over the breakaway territory.

Und schon greift das die Denverpost auf, nicht weiter hinterfragend.

Ein gutes Beispiel für Informationen aus zweiter Hand, aber das Thema kommt an, einfach Estonian Soviet Republic bei Google eingeben und man sieht die Weiterverbreitung. Andere Quelle ist die Kommunistische Partei in St. Petersburg mit Fotos.

Update:
David McDuff erwähnt auch die Komsomolskaya Pravda, die das weiter verbreitet haben.

Update 6. September:
Die Geschichte zieht weite Kreise durch russische Medien und weiterhin vereinzelt durch die Blogosphäre verschiedener Sprachen. Die Familien der Bauernhöfe konnten nicht ermittelt werden, also bleibt unklar woher diese Meldung stammt, nur wer sie zu einem Pressebericht zusammengebaut hat steht fest.
Das ist ein kleiner Vorgeschmack auf zukünftige Medienauseinandersetzungen. Falschmeldungen werden lanciert und hinterher ist es schwierig der Sache auf den Grund zu gehen. Aber das Bild bleibt: In Estland spalten sich Teile ab, klingt für viele augenscheinlich plausibel. Da kann dann auch Giustino nach Sillamäe im Nordosten Estlands fahren und kein Anzeichen irgendeiner Sezessionsbestrebung entdecken.

Montag, September 01, 2008

Europa und Georgien

Heute in Brüssel wird es einen Krisengipfel geben, während die Ursachen, die zum Auslöser des 5-Tage Krieges führten, noch nicht ganz geklärt sind.
Die OSCE spielt hier eine Rolle, sie hat Beobachter in Georgien. Wer hat nun welche Informationen weitergegeben? Pressemeldungen sind mit Vorsicht zu genießen, ein Beispiel:

Die Presse: Georgien - Streit um Kriegsschuld und Sanktionen

Der Standard (Österreich): EU kalmiert vor dem Krisengipfel

Was fehlt, sind englischsprachige Blogs aus dem Zentrum des Konflikts. In der Ukraine zur Zeit der Orangenen Revolution 2004 konnte man sich noch ein gutes Bild von den kontroversen Meinungen machen.
Bei GlobalVoices wird versucht über die Entwicklung der Blogosphäre im Kaukasus Bilanz zu ziehen.
South Ossetia Crisis 2008

Hier ein Foto von der Flickr-Seite des estnischen Außenministeriums. Urmas Paet vom 16.-17. August in Georgien. Zusammen mit Richard Holbrooke, v.l., (Dayton-Abkommen über Jugoslawien und Nachfolgestaaten) diskutiert er, weißes Hemd, mit dem russischen General Borrisov in Gori.


Update: Nachgereicht eine Zusammenstellung von uebersetzten Berichten aus Ossetien, von Veronica via Globalvoices. Beim Durchlesen wird deutlich, dass wir es mit unterschiedlichen Informationswelten zu tun haben, die vor allem durch die Sprachhuerden getrennt sind: Russisch, Georgisch und Englisch.

Dienstag, April 01, 2008

Dieter Thomas wirbt bei Kerner

Der König der deutschen Schlagerparade tritt heute bei Kerner im ZDF auf - oder sollte ich sagen der "Altmeister"? Dieter Thomas Heck wird heute abend für seine "neuen Projekte" in Tallinn werben, das melden die Agenturen.
Wir empfehlen dazu: Schauen Sie mal in einer der alten Ausgaben der Zeitschrift "INFOBALT.DE - Infoblatt baltische Staaten", Ausgabe 1 aus dem Jahr 2002, nach. Dann können Sie ja immer noch gern vergleichen, was an den Heckschen Aktionen "neu" ist, oder ob es nur medial wieder aufgewärmt wird.

Link zum Archiv der Zeitschrift

Link zum Beitrag (PDF-Datei)

Pressemeldung von heute (DDP / Yahoo)

Montag, Oktober 08, 2007

Kadri Kõusaar II

Sie ist Jahrgang 1980, hat mit 13 Jahren angefangen journalistisch zu arbeiten, auch fürs Radio, schreibt während des Internationalen Film Festivals in Korea Kolumnen für das wichtigste estnische Wochenmagazin Eesti Ekspress, selbst von Korea aus, hat schon mehrere Bücher veröffentlicht. Aber in Busan stellt sie ihren ersten Film vor. Wahrscheinlich ist Filmemachen der nächste Schwerpunkt ihrer Projekte. Und mit ihrem Film war es die erste estnische Produktion, die in Cannes, ebenfalls in diesem Sommer, jemals als unabhängig produzierter Film aus dem immer noch recht unbekannten und nördlichen Land vorgestellt wurde.
Kousaar
"Hinter der Leinwand" bedeutet häufig so eine Szene: Die Estin, eine Filmpromoterin mit ihrer Tochter, ein Fotograf und zwei Interviewerinnen. Das sind die Pflichten, die bei einem Festival als Beteiligter absolviert werden müssen.
Kousaar II
Ausserdem ist sie eine der Wenigen, die jetzt noch schwimmen gehen in Busan. Wüßte nicht, dass noch andere Filmdirektoren das Wasser getestet haben. Außer ein paar Surfern, war nichts mehr los. In der Mitte des Fotos einer der Haupttreffpunkte des Filmfestivals, der Piff Pavilon.

Kousaar - film director
Trotzdem, Wald und Wasser und Abgeschiedenheit sind für viele Esten wichtig. Eine der wichtigsten Szenen neben dem offiziellen Programm findet hier statt, vielleicht eine Idee für zukünftige Produktionen:

Und wenn schon 10 000 km entfernt über Estland gesprochen wird. Wir haben dieselben Menschen kennengelernt und darüber berichtet, wie zum Beispiel die erwähnte "Magnetnaine" aus einem der letzten Posts.
Update: 9.10.2007
Und so sieht das Ergebnis des Interviews in der Tageszeitung Pusan Ilbo aus.
Kadri Kousaar Pusan Ilbo
Zahlenspiele: Diese Tageszeitung hat eine Auflage von 600 000. Damit dürfte sie für eine zeitlang die bekannteste Estin in dieser Gegend sein. Die größte estnische Tageszeitung hat übrigens eine Auflage von etwa 68 000. Nur mal so zum Vergleich. Und gerechterweise angemerkt, die Zahlen sagen nichts über die Qualität einer Zeitung aus. Aber wem sag ich das.
Update 11.10.2007
Der estnische Film hat einen festen Platz bei diesem Festival. Nimed Marmortahvlil zum Beispiel, oder Shop of Dreams 2005, The revolution of pigs.
Nur Magnus hat ein Problem, die Vorstellung des Films in Busan war am Dienstag.
Die kann als Erfolg verbucht werden, wichtige Tageszeitungen in Korea werden berichten, allerdings hat die Sache einen Haken. Gegen den Film “Magnus” läuft ein Verfahren in Estland. Er wurde gedreht nach einer wahren Begebenheit und obwohl Namen und alles geändert wurden, hat sich eine darin verwickelte Person wiedererkannt und persönlich bloßgestellt gefühlt. So traut sich kaum ein Kinobetreiber diesen Film aufzuführen, und man kann damit auch nichts verdienen, eine vertrackte Situation. Drei Jahre Arbeit stecken bereits in diesem Projekt

Nachtrag 25.10., hier ein Video über das Zusammenteffen einiger koreanischer Mittelstufen-Schülerinnen mit der estnischen Filmdirektorin.

Mittwoch, August 15, 2007

Neues Glück für Võru: deutsche Volksmusik

Deutsche Volksmusik für Estland? Nein, ausschließlich von Zuschauern in der südöstlichen estnischen Region Võru verspricht sich die BGP Medien GmbH (Wien, Bremen) offensichtlich Medienerfolge. Hier wurde das estnische Nationalepos "Kalevipoeg" geschrieben. Einer Pressemeldung zufolge startet jetzt "Volksmusik.tv" ausgerechnet dort.

Offensichtlich vertrauen die deutsch-österreichischen Schlager-Missionare nicht nur auf das gerade in Estland weit verbreitete Internet: Als "Web-TV" gibt es ihre Sendung nämlich schon länger (online). Und offensichtlich kümmern diese Volkstümlichen auch wen
ig die Diskussionen um zuviel Volksmusik im deutschen Fernsehen (das ZDF setzte einige Sendungen ab, Sänger Heino protestierte öffentlich - aber viele andere atmen eher erleichtert auf). Na gut, wer eben Zünftiges wie Märsche & Heile-Welt-Lobpreisungen den ganzen Tag hören will: warum nicht als Spezialsender?

Võru - die Stadt feiert in diesen Tagen gerade ihren Städtegeburtstag - wird allein schon die öffentliche Aufmerksamkeit recht sein. Aber, liebe wagemutigen deutschen Medienunternehmer: warum sendet nicht jemand endlich mal estnische Musik in Deutschland? Es muss dabei durchaus nicht nur Volksmusik sein! Hauptsache, es ist nicht nur Berieselung, sondern echter Kulturaustausch. Und noch eines ist ja wohl auch klar: nur, weil Estland punktuell nun mit möglicherweise gleichförmigen deutschen Schlager beschallt wird, sind estnische Lieder noch nicht langweilig! Nehmt euch kein schlechtes Vorbild der Kommerzialisierung, ihr Est/innen!

Pressemeldung dazu bei OpenPR

Verbreitungsgebiete von "Volksmusik.tv"

Die Stadt
Võru im Internet

BGP Medien GmbH

Dienstag, Juli 24, 2007

Die "köln" uns mal, die Esten!

Tallinn entwickelt sich in letzter Zeit offensichtlich zu einem Treffpunkt einer gewissen "In-Szene" der deutschen Möchtegern-Kulturavantgarde. Waren die turbulenten Tage im Mai ein Auslöser? "In Tallinn ist was los!" Das sollte ja eigentlich auf andere Ereignisse bezogen sein.

Nach den berauschend belanglosen Kolumnen von Hendryk M. Broder bei SPON (der inzwischen auch Riga-Kolomnen schreibt), kritzelt nun auch ein Freizeit-Kolumnist aus Köln seine Notizen aus Tallinn in sein Blog-Notizbuch. "Et is, wie et is," (für Nicht-Kölner: "es ist, wie es ist"), so das Motto von Edgar Franzmann auf www.koeln.de. Ganze drei Wochen habe er sich in Estland und Lettland aufgehalten, gibt er bekannt. Was ist dabei herausgekommen?

"Tallinn, die Hauptstadt Estlands, ist - wie Köln - eine alte Hansestadt." Gut, Herr Franzmann, dass Sie's gemerkt haben. Vielleicht hätte er die "alte Hansestadt" Köln in Tallinn etwas bekannter machen können? Welche Fremdsprachen der Kölsche Reisende beherrscht, wird leider nicht bekannt gegeben. Jedenfalls kommt Freude auf, dass estnische Lokale "Kehrwieder" heißen können, und Blutwurst auf dem Speiseplan steht. - Und dann die "landestypische Musik". Zitat: "Hörst du”, stieß mich meine Frau an, “das ist doch ‘Schnaps, das war sein letztes Wort’.” Tatsächlich lief da der alte kölsche Schlager - allerdings auf Estnisch gesungen, eine Sprache mit 14 Fällen."

Tja, leider wurde die Karnevalstauglichkeit der Esten nicht getestet. Denn das war es dann auch schon - die Ausbeute einer zweiwöchigen Reise. Reaktionen der Kölner Leser? Zitat: "Man, Edgar lass et jut sinn, höre auf mit der Schreiberei, die hier eh niemanden mehr interessiert und fahre Taxi in Köln."

EDGAR! Halte durch! Bleib am Ball!
Glücklicherweise hat Edgar noch ein zweites Motto: "Et hätt noch immer jot jejange." (= "bisher ist es immer noch gut gegangen ...")

Donnerstag, Mai 24, 2007

Kommunikationsprobleme

Antonius hat aus seiner Sicht festgehalten, warum eine getrennte Informationsgesellschaft in Estland existiert. Je nach sprachlicher Ausrichtung.
...About the internet media in Russian I'd say it's also in really bad condition. Giustino just pointed out, that there exist russian versions of Postimees, Paevaleht, and Estonian television. I'm sorry, but it's impossible to compare those versions with the originals, actually i didn't use the russian website of Estonian television, but the ETV daily news report in russian is significantly different from the one in estonian. Es ist ja zum kotzen! The same about Postimees and P'evaleht, the amount of information differs drastically, there are almost only the news from BNS in the russian version.
....
Hier der ganze Post.

Freitag, Mai 04, 2007

Eine Woche spaeter


Eine Woche spaeter
Originally uploaded by Jens-Olaf.
Gestern gab es ein Bloggertreffen im Nemeta in der Altstadt Tallinns. Die professionellen Medienleute haben Zugriff zu Einzelheiten, die das Bild der Ereignisse noch komplizierter machen.

Deshalb erstmal nur eine harmlose Episode, die dort erzaehlt wurde, kurz nach den Unruhetagen. Ereignet hat sie sich in einer Klasse der Medienschule in Tallinn. Scott ein Dozent hat sie in seiner Vorlesungsstunde selbst erlebt. Seine Studenten sind Esten, Esten mit russischem Hintergrund, andere kommen aus baltischen Nachbarlaendern oder noch weiter her.
Eine Kommilitonin ist eine estnische Russin, verliest ab und zu in einem Fernsehkanal die Wetternachrichten. Sie erschien im Unterricht mit gebrochenen Mittelfinger, einbandagiert. Die Esten fragten spoettisch, wo sie sich das wohl zugezogen habe (Anspielung auf die Pluenderungen und Gewalt letzter Woche). Darufhin springt sie ploetzlich auf, zeigt auf die Esten und schreit in ihre Richtung: Screw you, screw you!!! My family lived here in the independence time, all the time we were Estonians..."

In der Klasse herrscht Totenstille.
Scott geht nach der Vorlesung zu ihr, und gratuliert fuer ihre Geste. Sie schien in diesem Moment notwendig zu sein.

Das Foto oben: eine lettische Studentin faehrt zum Wochenende nach Hause, ebenfalls eingeschrieben an einer Medienschule, der Concordia in Tallinn. Sie hat die Ereignissse nur am Fernsehen verfolgt. Sie meint, die Studenten naehmen das Thema nicht soo ernst.
Auf die Frage, ob so was auch in Lettland denkbar sei, sagt sie: Das koenne sie sich nicht vorstellen.

Update:
Ich bin hin und hergerissen, ob die Zeichen auf Entwarnung stehen. Das hier hat jemand uebersetzt, Zitat aus einer Ansprache an die estnischen Schueler heute:
Ich hoffe, dass die Schüler die an den Krawallen teil hatten, waren sich nicht bewusst, was sie taten. Sie waren in einen ungesunden Eifer geraten, und waren von den Personen ausgenutzt, die Jungendliche in ihren politischen Spielen einsetzen. Neben der Familie spielt Schule eine große geselleschaftliche Rolle, und deswegen rechne ich mit Ihnen, sehr geehrte Lehrer!

Liebe Schüler, wenn jemand euch in eurer Schule scharfmachen wird, bitte, schreibt mir eine Mail.


Es ist bekannt in Tallinn, dass nach den Pluenderungen Schueler mit Armani Klamotten zum Unterricht kamen.

Der Grund, es kursieren Emails mit dem Aufruf zum bewaffneten Aufstand. Auch eine Kommilitonin von der lettischen Studentin oben hat so eine Email erhalten. Der 9. Mai.
Giustino von Itching for Eestimaa hat Hoffnung, es soll tagelang regnen. Also hoffen wir auf einen Wintereinbruch.

Dienstag, Oktober 24, 2006

Zweimal Statistik

Die erste Rangliste heute gilt der Pressefreiheit. Aufgestellt von Reporter ohne Grenzen. Was soll man dazu groß kommentieren:
1 Finnland 0,50
- Irland 0,50
- Island 0,50
- Niederlande 0,50
5 Tschechien 0,75
6 Estland 2,00
So soll es sein, größtmögliche Freiheiten für die Presse. Ach ja, Deutschland muss sich Sorgen machen und ist nach dem Kriterienkatalog von ROG abgerutscht.

Die andere Statistik dreht sich um den Anstieg der Geburtenzahl in Estland. Und da hat der Staat seine Hausaufgaben gemacht, mehrere Zeitungen berichten:
Pia Kurro sat cross-legged on her bed in a drab, Soviet-era maternity ward that smelled of detergent and old linoleum and breast-fed her two-day-old daughter, Syria, who owes her existence to state subsidies.
In return for having the child, Ms. Kurro will receive the equivalent of $1,560 a month from her government for over a year, a lot of money in a country where the average monthly salary is $650.
"I would not have had a baby without the support," said the 39-year-old business consultant.

Derzeit machen sich die Koreaner über sich selber lustig, weil die Geburtenrate pro Frau bald unter den Rekordwert von 1,0 sinkt, Weltrekord. Das hat zur Folge, dass irgendwann der Anteil der Senioren plötzlich und nicht allmählich ansteigen wird. Für Estland spielt nicht nur das eine Rolle: Bei 1,4 Millionen Einwohnern hat eine ausgedünnte jüngerere Generation schnell Folgen. Schon jetzt sind IT-Kräfte kaum zu finden, und die sind meist jung. Aber gesteuerte Einwanderung ist auch noch nicht das Thema, oder gerade erst in Erwägung gezogen. Ross Mayfield forderte nicht nur deswegen "Open Estonia" vor einiger Zeit.
Aber das sind Zukunftsstrategien, das hier ist die Gegenwart:
If someone asks me nowadays, should they come and start an IT development centre in Estonia, I have to say no. The 10000 IT specialists we have in total is a small number and it is hard to grow bigger teams, you run into obstacles very soon. IT is not popular among university enrollments and the lack of people grows bigger and bigger each day. Which is sad considering Estonia's current position on the world's innovative IT solutions market.
Juri Kaljundi

Mittwoch, Januar 25, 2006

Estnisches Fernsehen

Hier die Webadresse des estnischen Hauptfernsehkanals ETV mit seinem Online-Angebot. Die einzelnen Nachrichten können jetzt abgerufen werden. Hier der aktuelle Überblick, wie zum Beispiel ein Bericht über die Eissituation in der Ostsee bei der Insel Saaremaa: Ansonsten zur Nachrichtenseite gehen und dort für die Filmbeiträge VIDEOD anklicken. Die Filme lassen sich auch gut zum Sprachelernen verwenden.Wer schon fortgeschritten ist, kann sich an der Textzusammenfassung der Beiträge orientieren.
Tipp kommt von Shaan.

Sonntag, Juni 05, 2005

Zukunft der unabhängigen Medien in Russland - eine Konferenz

Wer eine enge Partnerschaft mit Russland sucht, sollte sich diesen Themen stellen:
Media in Russia 2005
Future of Free Media in Russia
Estonian Drama Theatre, 07.06.2005 - 08.06.2005 Tallinn

Over the recent years, the situation of the free press in Russia has started to trouble most Western Governments and human rights organizations.

Russia’s neighbors observe the increasing limitations to the free speech in Russia with particularly great concern. Freedom House has lately ranked Russia as a „not-free“ country between Yemen and Cameroon in its renown Global Press Freedom index. However, Moscow is officially maintaining the position that everything with the freedom of media is fine in Russia.


Nur ein kurzer Hinweis dazu:

Unter den russischen Teilnehmern ist auch Gregori Pasko, der 1993 filmte wie radioaktiver Müll von einem Schiff der Marine in das Japanische Meer verklappt wurde.



Grigorij Pasko

Frei und doch gefangen - Moskauer Gericht verweigert Leipziger Medienpreisträger Grigorij Pasko Reisepass

Pressemitteilung vom 24.07.2003

Am heutigen Donnerstag hat ein Moskauer Bezirksgericht die Entscheidung der 3. Visa-Behörde, dem russischen Militärjournalisten und Leipziger Medienpreisträger 2002, Grigorij Pasko, die Erteilung eines internationalen Reisepasses zu verweigern, bestätigt. Damit kann Pasko der Einladung der Medienstiftung der Sparkasse Leipzig erneut nicht Folge leisten. Paskos Anwalt kündigte Berufung gegen diese Entscheidung an.

Pasko war wegen seiner Berichterstattung über massive Umweltvergehen der russischen Flotte zu einer mehrjährigen Lagerhaft wegen angeblicher Spionage verurteilt worden. Seit Beginn des Jahres ist Pasko zwar nicht mehr inhaftiert, unterliegt aber Auflagen, die seine Reisefreiheit einschränken.

"Die bürokratische Willkür, die an Grigorij Pasko exerziert wird, zeigt die dramatischen Defizite im russischen Rechtssystem. Aber auch, was mindestens ebenso schlimm wiegt, einen erschreckenden Umgang mit der Pressefreiheit", kommentierte Stephan Seeger, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Medienstiftung das Urteil. "Wir fordern die russische Justiz auf, diesem unwürdigen Treiben ein Ende zu bereiten und Grigorij Paskos volle Bewegungsfreiheit wieder herzustellen."

Aktuelle Infos zum Fall Pasko auch unter: www.bellona.no




Grigorij Pasko ist frei!
23.01.2003

Der Leipziger Medienpreisträger des Jahres 2002 wird nach der Entscheidung eines russischen Gerichtes vorzeitig aus der Haft entlassen. Die Medienstiftung und ihr Stiftungsratsvorsitzender, Leipzigs Oberbürgermeister Wolfgang Tiefensee, hatten sich immer wieder für seine Freilassung eingesetzt. Auch Paskos Vorgänger als Medienpreisträger, der US-Journalistik-Professor David Protess, zeigte sich mit Pasko solidarisch.
Als die Stiftung vor einigen Tagen ihrem Preisträger des Jahres 2001 zur Begnadigung aller zum Tode Verurteilten durch den scheidenden Gouverneur von Illinois, George H. Ryan, gratulierte (Ryan nahm in seiner Abschiedsrede ausdrücklich Bezug auf das für ihn entscheidende Wirken von Protess und seinen Studenten), antwortete Protess: "... es ist mir eine Ehre, als Preisträger mit Grigorij Pasko in einer Reihe zu stehen ...". einen Film über die Verklappung radioaktiver und chemischer Abfälle durch die russische Marine im Japanischen Meer gedreht und auch dem japanischen Staatsfernsehen zur Verfügung gestellt. Daraus konstruierte die zuständige Staatsanwaltschaft mit Hilfe des Inlandsgeheimdienstes FSB den nun vom Obersten Gericht bestätigten "Spionagefall". Lediglich einige offensichtlich unzutreffende Passagen der Urteilsbegründung seien, so ein russischer Fernsehsender, in der neuen Version des Urteils gestrichen wo

Pasko bleibt in Haft
25.06.2002

Der wegen angeblicher Spionage verurteilte Militärjournalist Grigorij Pasko, geehrt mit dem "Preis für die Freiheit und Zukunft der Medien" der Medienstiftung der Sparkasse Leipzig, bleibt weiter in Haft. "Das ist ein herber Rückschlag für die Rechtstaatlichkeit in Russland", kommentierte bestürzt der Geschäftsführende Vorstand der Leipziger Medienstiftung, Stephan Seeger, dieses Urteil.
Pasko war im Dezember 2001 von einem Militärgericht zu vier Jahren Lagerhaft verurteilt worden.

Hier die Vortragenden und die Themen:
Tuesday, 07.06.2005.



Selection of Speakers and Topics

* Andrus Ansip – Prime Minister of Estonia - opening remarks
* Grigori Pasko – My story
* Oleg Panfilov – Director of the Center for Journalism in Extreme Situations – Do Russian journalists think that their rights are violated?
* Savik Shuster – NTV and Svoboda Slovo – was it freee?
* Masha Slonim – Is Russian media different of the British media
* Kadri Liik – Editor in Chief of “Diplomacy” - A post-soviet reporter in post-soviet Russia
* Anna Politkovskaya – Novaya Gazeta - The second Chechen war and Russian journalists
* Dag Hartelius – Ambassador of Sweden – Strengthening independent media in Russia - how can we assist?
* Marko Mihkelson – Member of the Parliament - Why should the Europeans be worried about the Russian media?
* Toomas Henrik Ilves – Deputy Chair of the FA Committee of the European Parliament –
Why does the European Parliament care?
* Vitali Portnikov – Radio Svoboda - Illumination of events in former Soviet Republics in the Russian mass-media and influence on this illumination from authorities
* Olga Oliker – Rand Corporation, Defence and International Policy Analyst - Fear and Distortion: Russia, Terror, and Press Management in Beslan