beim Busan Filmfestival in Korea, BIFF. Publikumsfragen.
Update:
Ist Estland eigentlich "baltisch"? Die estnische Sprache ist ja dem Finnischen ähnlich (finno-ugrisch), und das sogenannte "Baltikum" ist sowieso ein Behelfsbegriff ohne Grundlage. Noch viel zu wenig ist in Deutschland bekannt über Kultur und Geschichte, über Politik und Gesellschaft in Estland. Die jungen Europäer in Deutschland und Estland werden die Zukunft prägen! Wir rufen auf zur Diskussion.
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Dienstag, Oktober 09, 2012
Heleri Saarik - “Kõik muusikud on kaabakad” in Korea
Das Busan Film Festival Center:
Und ein Film in der Kategorie Flash Forward aus Estland.
Kurze Begegnungen mit der Filmdirektorin, die auch betonte, dass der Film unter Freunden und in vertrauter Umgebung gespielt wurde. Musiker, Philosophen und andere. Und sie schilderte die Stimmung unter ihrer Generation. Dabei zeichnete sie ein eher düsteres Bild der gegenwärtigen Lage, zum Beispiel das Thema arbeiten woanders, im Ausland; ein Thema, das im Drehbuch eine Rolle spielt. Und auch in der Biografie der Direktorin. Zuerst hatte sie Landschaftsschutz und Geschichte studiert. Dann kam eine wilde Zeit in London, wo sich der Wunsch nach kreativer Arbeit durchsetzte. Am Ende war es das Filmemachen. Und dann doch wieder Estland. Eine Parallele zu Korea, wo es auch viele in den letzten Jahrzehnten in die USA und andere Länder zog.
Der Film ist weiter im Gespräch und hat Chancen auf anderen Festivals gezeigt zu werden, aber davor haben erstmal die internationalen Veranstalter das letzte Wort.
Aus dem BIFF-Magazin:
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Mittwoch, Oktober 03, 2012
"All Musicians Are Bastards"
Heleri Saarik stellt beim Busan International Film Festival am kommenden Wochenende ihre erste große Produktion vor.Estnisch: Kõik muusikud on kaabakad.
Bisher war sie als Filmdirektorin diverser Musikvideos bekannt. Der Filmtitel passt also zum bisherigen Schaffen.
Diesmal eine Produktion von allfilm, die im Oktober Premiere in Estland hat.
Auf Facebook.
Heleri Saariks Videos auf vimeo
Wandbanner in Busan verkünden die Filmdirektoren:
Sonntag ist Premiere in Busan
Sonntag ist Erstvorstellung:
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Mittwoch, September 26, 2012
"Purge" (2012) - der Film
Die Literatur als Vorlage, und zwar die gleichnamige Novelle von Sofi Oksanen. (Oksanen im Estland-Blog). Allerdings ist das der englische Titel. Deutsch unter "Fegefeuer" bekannt, und Estnisch heißt das Buch Puhdistus.
Der finnische Filmdirektor Antti Jokinen hat den Stoff für das Kino umgesetzt, mit finnischen Schauspielern, die Handlung spielt in Estland.
Der Film wird Anfang Oktober beim koreanischen Filmfestival BIFF in Busan vertreten sein.
Celebrating its international premiere in Busan is Antti Jokinen’s strong drama PURGE, which took both audience and critics by storm, when it premiered domestically in Finland last Friday. Starring some of the most respected Finnish talents, PURGE is an adaption for screen based by Sofi Oksanen's novel PURGE, which has been translated into 40 languages as well as awarded internationally several times, winning among others the Nordic Council Literature Prize 2010 and the European Book Prize 2010. Producer is Markus Selin for Solar Films.SolarisfilmBusan Der Treiler: Über das Filmen in Estland: On location in Estonia at filming of Sofi Oksanen’s Purge Interview mit dem Filmdirektor Jokinen: Love and Redemption in Antti Jokinen’s Purge
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Samstag, März 24, 2012
Tallinn - Achtung Werbung!
Das finden manche in den Kommentaren zu oberflächlich. Na dann: bitte besser machen in zwei Minuten. Mir gefallen die Koreaner, Chinesen oder Japaner am Anfang. Und was ladet der normale Internetbenutzer von Tallinn hoch. Eben solche Bilder wie im Video. Ich gehe tausende Fotos durch. Und alle posten das Gleiche. Altstadt Tallinn. Selber schuld. Ihr Authentiker, wo seid ihr? Plattenbauidylle am Stadtrand, los postet. Ich verbreite das dann hier. Tipp, Andrei Tuch. Mein täglicher Nach-Hause-Weg 1992 in Tartu, könnte auch Tallinn sein. Aber das ist lange her.
Oder auch spannend, ausgebrannte Kioske von 2007. Nach Selbstbedienung.
Oder Ginseng in Tallinn:
Womit wir wieder bei Koreanern wären.
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Montag, Mai 30, 2011
Noch 93 Tage
Update: Tartu
Ein Lette führt nun mit diesem Wurf die Weltrangliste im Speer an. Geworfen in Tartu und damit sehen wir ihn wohl in Daegu wieder. Vadims Vasilevskis. 88.22 Meter.
iaaf.org
bis zur Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Daegu, Südkorea.
Und wie es im Moment aussieht, könnte es eine interessante Begegnung zwischen zwei estnischen und zwei deutschen Diskuswerfern geben. Das ist der derzeitige Stand in der Weltrangliste 2011. 1. Harting, dann die folgenden Konkurrenten:

Und noch eine Disziplin wird mit hoffentlich starker estnischer Beteiligung sein. Der Zehnkampf. Mikk Pahapill wurde gestern im wichtigen Götzis-Meeting Dritter mit 8398 Punkten. Die deutsche WM-Norm ist übrigens 8200 Punkte.
Ein Video über die bekanntesten estnischen Leichtathleten der letzten Jahrzehnte. Estonia and Atletics.
Ein Lette führt nun mit diesem Wurf die Weltrangliste im Speer an. Geworfen in Tartu und damit sehen wir ihn wohl in Daegu wieder. Vadims Vasilevskis. 88.22 Meter.
iaaf.org
bis zur Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Daegu, Südkorea.
Und wie es im Moment aussieht, könnte es eine interessante Begegnung zwischen zwei estnischen und zwei deutschen Diskuswerfern geben. Das ist der derzeitige Stand in der Weltrangliste 2011. 1. Harting, dann die folgenden Konkurrenten:
68.99 Robert Harting GER 18/10/1984 1c1 Halle 21/05/2011
67.49 Gerd Kanter EST 06/05/1979 1 Doha 06/05/2011
67.21 Martin Wierig GER 10/06/1987 2c1 Halle 21/05/2011
66.98 Märt Israel EST 23/09/1983 1 Chula Vista, CA 12/05/2011

Und noch eine Disziplin wird mit hoffentlich starker estnischer Beteiligung sein. Der Zehnkampf. Mikk Pahapill wurde gestern im wichtigen Götzis-Meeting Dritter mit 8398 Punkten. Die deutsche WM-Norm ist übrigens 8200 Punkte.
Ein Video über die bekanntesten estnischen Leichtathleten der letzten Jahrzehnte. Estonia and Atletics.
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Samstag, Januar 16, 2010
Paet überall
Um den Titel des letzten Posts aufzugreifen, auch der estnische Aussenminister Urmas Paet war nicht untätig. Er war in Südkorea. Estland ist EU- und NATO-Mitglied seit letztem Jahrzehnt. Damit sind die großen aussenpolitischen Ziele erreicht worden. Nun wendet sich die Politik den weltweiten Entwicklungen zu. Diesmal Südkorea. Und was berichtet Urmas Paet der Korea Times in einem Interview? Den Stand der Dinge in Estland, wenn es um Computer und Internet geht. Dabei lobt er die Südkoreaner sehr, die in der Nutzung von superschnellen Webverbindungen weltweit ganz vorne stehen. Aber leider habe ich kein Transkript der Unterredungen. Denn ein Punkt könnte bei einer konkreten Zusammenarbeit wichtig werden: Die Angriffe auf Internetseiten, seien es geschäftliche, private oder staatliche Seiten. Korea hat es letztes Jahr erlebt. Estland 2007. Estland hat dafür sogar einen NATO-Ableger speziell für dieses Thema bekommen. Und Korea ist zwar fortgeschritten in der Internetnutzung, aber gleichzeitig extrem verwundbar. Fast das ganze Land benutzt eine Technologie für Internetdienste, die das ActiveX-Protokoll benötigt. Und das benötigt ausschließlich Windows. Und dann am besten die alten Browserversionen des Microsoft-Internetexplorers. Alle Updates führen zu weiterer Verhedderung. Die Microsoft-Monokultur hat Folgen. Korea ist da einen eigenen Weg gegangen. Vielleicht eine Sackgasse. Und da wäre Zusammenarbeit wirklich hilfreich. Nur weiss ich nicht, ob darüber überhaupt geredet wurde. Aber gelobt wurde sich gegenseitig. Auch 'ne Basis.
Hier das Interview mit der Korea Times:
Estonia: Birthplace of Scype
Hier das Interview mit der Korea Times:
Estonia: Birthplace of Scype
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Donnerstag, Mai 21, 2009
Drei Länder - zwei Kontinente

Eine meiner Vorlieben ist, eigentlich nicht Zusammengehörendes doch zu verbinden. Also noch einmal. Professor Lee aus Korea hat vor Jahren die estnische Literatur entdeckt, als Germanist. Während dieser Zeit hat er dann wiederum von der deutschbaltischen Literatur erfahren. Das Ganze mündete nun in eine große mehrteilige Artikelserie über das Baltikum in der Wochenendausgabe der Pusan-Ilbo. Und oben ein Ausschnitt: Lee (Korea), Kross (Estland), Herder (Deutschland). Es geht.
Und am Ende dreht es sich um fünf Länder, bis nach Litauen (oben links der Gedeminas) und Herder wird Herders (siehe Denkmalfoto) geschrieben, also Lettland.
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Sonntag, April 06, 2008
Wo ist zu Hause?
Koreaner in Estland. Koreaner in Kasachstan. Warum? Die Antwort ist einfach, aber keiner weiß warum. Das ist "normal", jedenfalls, wenn es die Geschichte der Sowjetunion betrifft. In den USA läuft der erste (!) Dokumentarfilm über das Schicksal der Koreaner in Russland.
Giustino und Peteris Cedrins haben letztens gestritten, ob die Deportationen in Estland 1941 gegen die Nation Estland oder gegen die Esten als Ethnie gerichtet waren. Bei den Koreanern liegt die Sache einfacher. Darüber zu streiten wäre rein akademischer Natur. Sie wurden einfach deportiert, bereits 1937, und zwar alle. Vom äußersten Osten der SU bis nach Kasachstan. Ohne Rücksicht auf Verluste.
Obwohl viele Koreaner ihr Land wegen der japanischen Besetzung verlassen hatten, dachte Stalin, sie könnten japanische Spione sein, möglicherweise Landesverräter. Die Überlebenden der Deportationen leben heute überwiegend in Kasachstan, aber einige haben in den Jahrzehnten den Weg nach Estland gefunden.
Oben im Foto ein Fernseher im Restaurant Ariran in der Telliskivi in Tallinn, wo gerade ein südkoreanischer Fersehkanal übertragen wird.
Der Film "Unreliable Koreans" läuft in den USA bald auch an der Harvard University. Die Webseite zum Film hat jetzt einen 10 minütigen Trailer, den ich wirklich zum Ansehen empfehle.
Die erste Seite hat zwei Fotos, unten findet sich der weiterführende Link.
Giustino und Peteris Cedrins haben letztens gestritten, ob die Deportationen in Estland 1941 gegen die Nation Estland oder gegen die Esten als Ethnie gerichtet waren. Bei den Koreanern liegt die Sache einfacher. Darüber zu streiten wäre rein akademischer Natur. Sie wurden einfach deportiert, bereits 1937, und zwar alle. Vom äußersten Osten der SU bis nach Kasachstan. Ohne Rücksicht auf Verluste.
Obwohl viele Koreaner ihr Land wegen der japanischen Besetzung verlassen hatten, dachte Stalin, sie könnten japanische Spione sein, möglicherweise Landesverräter. Die Überlebenden der Deportationen leben heute überwiegend in Kasachstan, aber einige haben in den Jahrzehnten den Weg nach Estland gefunden.
Oben im Foto ein Fernseher im Restaurant Ariran in der Telliskivi in Tallinn, wo gerade ein südkoreanischer Fersehkanal übertragen wird.
Der Film "Unreliable Koreans" läuft in den USA bald auch an der Harvard University. Die Webseite zum Film hat jetzt einen 10 minütigen Trailer, den ich wirklich zum Ansehen empfehle.
Die erste Seite hat zwei Fotos, unten findet sich der weiterführende Link.
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Dienstag, Januar 15, 2008
Zwei Nachrichten

Estland wird wahrgenommen, selbst im Fernen Osten. Heute erschien in einer nationalen koreanischen Tageszeitung, der Dong-a Ilbo, ein ausführlicher Bericht zu Estland, Lettland und Litauen. Das Ganze innerhalb einer Reihe über die Veränderungen in Westeuropa seit 20 Jahren. Die Auftakt-Reportage galt Polen. Dreimal kann man raten, was im Vordergrund steht: Die Wirtschaft. Estland wird hervorgehoben wegen der Vorreiterolle bei der Niedrigbesteuerung (flat tax) und als Land mit den geringsten Beschränkungen fürs Unternehmertum.
Die Begründung der Flat Tax vertrat einmal der ehemalige Ministerpräsident Mart Laar in Osnabrück. Die hohen Einkommen würden genauso besteuert wie die niedrigen. Ungerecht? Er stellte fest, dass dadurch dem Staat mehr Gelder zufließen als durch eine andere Besteuerung. Denn die Großen fänden Wege die Abgaben zu umgehen. Am Ende sei mehr Geld in die Staatskasse geflossen bei geringen Steuern und der Steuerbetrug verringere sich ebenfalls.
Eine andere Nachricht wiegt dagegen mehr in Osteuropa. Zumindest in Russland. Es geht um die Nachwehen der "Bronzenächte" im April 2007. Vier Beschuldigte stehen unter Anklage, die Unruhen angestiftet zu haben.
In einer Kurzmitteilung der österreichische ORF:
In der estnischen Hauptstadt Tallinn beginnt heute der Prozess gegen die mutmaßlichen Organisatoren der schweren Unruhen in Estland vom vergangenen Frühjahr.
Die Staatsanwaltschaft wirft vier ethnischen Russen vor, die Unruhen rund um die Demontage eines Kriegerdenkmals aus der Sowjetzeit bereits ein Jahr davor geplant zu haben.
Kritische Beobachter befürchten einen politischen Prozess, der über die Grenzen Estlands hinausreichende Folgen haben könnte.
Details und Hintergründe finden sich in Wikipedia: Echoes of the Bronze Night. Informationen über die Folgen, z.B. die Verhafteten. Und die Seite wird ständig umgeschrieben, da die Kontroversen über die Unruhen und ihrer Deutung noch nicht beendet sind. Jedenfalls nicht in Wikipedia.
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Montag, Oktober 08, 2007
Kadri Kõusaar II
Sie ist Jahrgang 1980, hat mit 13 Jahren angefangen journalistisch zu arbeiten, auch fürs Radio, schreibt während des Internationalen Film Festivals in Korea Kolumnen für das wichtigste estnische Wochenmagazin Eesti Ekspress, selbst von Korea aus, hat schon mehrere Bücher veröffentlicht. Aber in Busan stellt sie ihren ersten Film vor. Wahrscheinlich ist Filmemachen der nächste Schwerpunkt ihrer Projekte. Und mit ihrem Film war es die erste estnische Produktion, die in Cannes, ebenfalls in diesem Sommer, jemals als unabhängig produzierter Film aus dem immer noch recht unbekannten und nördlichen Land vorgestellt wurde.

"Hinter der Leinwand" bedeutet häufig so eine Szene: Die Estin, eine Filmpromoterin mit ihrer Tochter, ein Fotograf und zwei Interviewerinnen. Das sind die Pflichten, die bei einem Festival als Beteiligter absolviert werden müssen.

Ausserdem ist sie eine der Wenigen, die jetzt noch schwimmen gehen in Busan. Wüßte nicht, dass noch andere Filmdirektoren das Wasser getestet haben. Außer ein paar Surfern, war nichts mehr los. In der Mitte des Fotos einer der Haupttreffpunkte des Filmfestivals, der Piff Pavilon.

Trotzdem, Wald und Wasser und Abgeschiedenheit sind für viele Esten wichtig. Eine der wichtigsten Szenen neben dem offiziellen Programm findet hier statt, vielleicht eine Idee für zukünftige Produktionen:
Und wenn schon 10 000 km entfernt über Estland gesprochen wird. Wir haben dieselben Menschen kennengelernt und darüber berichtet, wie zum Beispiel die erwähnte "Magnetnaine" aus einem der letzten Posts.
Update: 9.10.2007
Und so sieht das Ergebnis des Interviews in der Tageszeitung Pusan Ilbo aus.

Zahlenspiele: Diese Tageszeitung hat eine Auflage von 600 000. Damit dürfte sie für eine zeitlang die bekannteste Estin in dieser Gegend sein. Die größte estnische Tageszeitung hat übrigens eine Auflage von etwa 68 000. Nur mal so zum Vergleich. Und gerechterweise angemerkt, die Zahlen sagen nichts über die Qualität einer Zeitung aus. Aber wem sag ich das.
Update 11.10.2007
Der estnische Film hat einen festen Platz bei diesem Festival. Nimed Marmortahvlil zum Beispiel, oder Shop of Dreams 2005, The revolution of pigs.
Nur Magnus hat ein Problem, die Vorstellung des Films in Busan war am Dienstag.
Die kann als Erfolg verbucht werden, wichtige Tageszeitungen in Korea werden berichten, allerdings hat die Sache einen Haken. Gegen den Film “Magnus” läuft ein Verfahren in Estland. Er wurde gedreht nach einer wahren Begebenheit und obwohl Namen und alles geändert wurden, hat sich eine darin verwickelte Person wiedererkannt und persönlich bloßgestellt gefühlt. So traut sich kaum ein Kinobetreiber diesen Film aufzuführen, und man kann damit auch nichts verdienen, eine vertrackte Situation. Drei Jahre Arbeit stecken bereits in diesem Projekt
Nachtrag 25.10., hier ein Video über das Zusammenteffen einiger koreanischer Mittelstufen-Schülerinnen mit der estnischen Filmdirektorin.
"Hinter der Leinwand" bedeutet häufig so eine Szene: Die Estin, eine Filmpromoterin mit ihrer Tochter, ein Fotograf und zwei Interviewerinnen. Das sind die Pflichten, die bei einem Festival als Beteiligter absolviert werden müssen.
Ausserdem ist sie eine der Wenigen, die jetzt noch schwimmen gehen in Busan. Wüßte nicht, dass noch andere Filmdirektoren das Wasser getestet haben. Außer ein paar Surfern, war nichts mehr los. In der Mitte des Fotos einer der Haupttreffpunkte des Filmfestivals, der Piff Pavilon.
Trotzdem, Wald und Wasser und Abgeschiedenheit sind für viele Esten wichtig. Eine der wichtigsten Szenen neben dem offiziellen Programm findet hier statt, vielleicht eine Idee für zukünftige Produktionen:
Und wenn schon 10 000 km entfernt über Estland gesprochen wird. Wir haben dieselben Menschen kennengelernt und darüber berichtet, wie zum Beispiel die erwähnte "Magnetnaine" aus einem der letzten Posts.
Update: 9.10.2007
Und so sieht das Ergebnis des Interviews in der Tageszeitung Pusan Ilbo aus.
Zahlenspiele: Diese Tageszeitung hat eine Auflage von 600 000. Damit dürfte sie für eine zeitlang die bekannteste Estin in dieser Gegend sein. Die größte estnische Tageszeitung hat übrigens eine Auflage von etwa 68 000. Nur mal so zum Vergleich. Und gerechterweise angemerkt, die Zahlen sagen nichts über die Qualität einer Zeitung aus. Aber wem sag ich das.
Update 11.10.2007
Der estnische Film hat einen festen Platz bei diesem Festival. Nimed Marmortahvlil zum Beispiel, oder Shop of Dreams 2005, The revolution of pigs.
Nur Magnus hat ein Problem, die Vorstellung des Films in Busan war am Dienstag.
Die kann als Erfolg verbucht werden, wichtige Tageszeitungen in Korea werden berichten, allerdings hat die Sache einen Haken. Gegen den Film “Magnus” läuft ein Verfahren in Estland. Er wurde gedreht nach einer wahren Begebenheit und obwohl Namen und alles geändert wurden, hat sich eine darin verwickelte Person wiedererkannt und persönlich bloßgestellt gefühlt. So traut sich kaum ein Kinobetreiber diesen Film aufzuführen, und man kann damit auch nichts verdienen, eine vertrackte Situation. Drei Jahre Arbeit stecken bereits in diesem Projekt
Nachtrag 25.10., hier ein Video über das Zusammenteffen einiger koreanischer Mittelstufen-Schülerinnen mit der estnischen Filmdirektorin.
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Freitag, Oktober 05, 2007
Kadri Kõusaar
Ist ihr aktueller Film Magnus auf dem Index in Estland oder nicht?. Mit Jahrgang 1980 eine beachtliche Leistung. In Busan, Korea, wird der Film während des Pusan International Film Festival aufgeführt. Unter einer neuen Rubrik: Flash Forward.
Sie war der erste Newcomer der Esten überhaupt in Cannes 2007,
gegen Ende des folgenden Festivals werden Updates folgen.
Kadris Homepage.
Aus den director's notes von der Webseite "Magnusfilm":
Und weiter:
Das heisst, die ersten Tage des Filmfestivals hat sie viele repraesentative Aufgaben wie Interviews und Stellungnahmen uebernommen. Die Busan Ilbo, die Tageszeitung der 4 Millionenstadt wird ebenfalls berichten. Ein seltener Fall, dass das Wort Estland fallen wird. Die Vorstellung des Films beim Festival wird mitte naechster Woche sein.
Sie war der erste Newcomer der Esten überhaupt in Cannes 2007,
gegen Ende des folgenden Festivals werden Updates folgen.
Kadris Homepage.
Aus den director's notes von der Webseite "Magnusfilm":
Once I asked a famous author how does one recognize the day when one has to write the first sentence of the first novel. The author replied that when this day comes, one would just recognize it, like you'll understand when you're in love when you're in love. It really is so.
I recognized my first love, my first book and... my first film.
The idea about Father and Son grabbed me totally and wouldn't set me free. I would have liked to have my writer's idyll back: to sip tea and write on the laptop in my cosy kitchen. Now, in addition to having tea and typing on the laptop, I had to beg for money, support and advice, I had to organize, run around, explain WHY.
Und weiter:
I was lucky to meet Donal Fernandes, who was sufficiently good-willing, crazy and bold to do something what hundreds of other film buffs hadn't dared to do – to produce the first Estonian independent feature film.
Das heisst, die ersten Tage des Filmfestivals hat sie viele repraesentative Aufgaben wie Interviews und Stellungnahmen uebernommen. Die Busan Ilbo, die Tageszeitung der 4 Millionenstadt wird ebenfalls berichten. Ein seltener Fall, dass das Wort Estland fallen wird. Die Vorstellung des Films beim Festival wird mitte naechster Woche sein.
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Samstag, September 22, 2007
Staatenlose in Estland
Eine Agenturmeldung macht die Runde - wieder wird Estland kritisiert. Die Quote der Staatenlosen in Estland, die jährlich die estnische Staatsbürgerschaft erhält, sei zu gering. Die letzten der noch über 100 000 Staatenlosen würden bei der jetzigen Anzahl erst in 20 Jahren eingebürgert.
Der Vorwurf stammt von Rene Van der Linden:
Bei den Vorwürfen wird häufig der Begriff Russen benutzt. Aber passen die Staatenlosen in Estland in eine Kategorie?
Sergej Magaj passt jedenfalls nicht in ein vorgefertigtes Schema. Der neueste Stand 2007: Er strebt nicht mehr die estnische Staatsbürgerschaft an, ein Sohn von ihm hat in den USA Fuß gefasst. Magajs Restaurant in Tallinn bleibt sein Lebensmittelpunkt. Er hatte vor kurzem einen Schlaganfall erlitten und musste deshalb Geschäftsideen in Rußland, vor allem in Moskau, aufgeben. Er steht den Auseinandersetzungen um den Bronzenen Soldaten so fern, dass er meinte, die Esten hätten die Randale in Tallinn verursacht im vergangenen April. Auch er hatte Angst um sein Geschäft, dass es geplündert oder zerstört werden könnte. 1994 habe ich ihn das erste Mal getroffen. Grundsätzlich hat sich nicht viel geändert in dem Restaurant Ariran in Tallinn, nur die Fotos sind aktuell.
Sergej Magaj

Juni 1994, InfoBlatt Baltische Staaten 2/94
Als Koreaner in Estland
Das Restaurant Ariran des Sergej Magaj in Tallinn
Esten und Russen sind die beiden stärksten Bevölkerungsgruppen der Hauptstadt Estlands. Unter ihnen leben aber auch Zuwanderer und Nachkommen anderer Völker und Nationen, wie z.B. die kleine Gemeinde der Koreaner, die kaum mehr als 200 Personen umfaßt. Haupttreffpunkt der Koreaner in Tallinn ist das Restaurant Ariran, unter dessen Dach sich auch das estnisch-koreanische Kulturzentrum befindet.

Das Ariran gehört zu den ethnischen Restaurants, die in den letzten Jahren mit der beginnenden Privatisierungswelle eröffnet wurden. Bekannt unter ihnen sind vor allem das Maharaja (Indisch) und das Ai Sha Ni Ya (Chinesisch).
Ariran ist koreanisch und gleichzeitig der Titel eines bedeutenden Volksliedes der Halbinsel zwischen China und Japan. Im weitesten Sinn ist Ariran Ausdruck für Freude und Not der einfachen Menschen Koreas, das bis vor wenigen Jahrzehnten überwiegend von Kleinbauern bewohnt war. Gesang hat für die Koreaner einen ähnlich hohen Stellenwert wie für die baltischen Nationen.
Das Lied entwickelte sich während der letzten großen Dynastie zu einem Symbol der koreanischen Identität, das in unzähligen Variationen gesungen werden kann. Das jahrhundertelange Regierungssystem der Yi-Dynastie wurde erst vor dem Ersten Weltkrieg ausgelöscht.
Der Inhaber des Ariran, Sergej Magaj, trägt einen russischen Namen. Aber eigentlich hieß sein Vater Ma. Das ist ein Name mit chinesischer Herkunft, der auch in Korea verbreitet ist. Der Vater stammte aus der Hafenstadt Pusan und wurde im Laufe des zweiten Weltkriegs in die japanische Armee zwangsrekrutiert. Das Kriegsgeschehen verschlug ihn auf das Gebiet der ehemaligen Sowjetunion.
Später lebte er in der Sowjetrepublik Usbekistan, wohin zehntausende seiner Landsleute aus den chinesisch-russischen Grenzgebieten deportiert worden waren. Es war die Zeit der großen Umsiedlungen, die der Despot Stalin in den vierziger Jahren angeordnet hatte.
Der Vater heiratete eine Russin. Er verlor seinen ursprünglichen Familiennamen. Von jetzt an hieß er nicht mehr Ma sondern Magaj. Bis auf die Familien Kim wurden die meisten Koreaner umbenannt.
Ein Teil der Koreaner ging anschließend ganz in der Gesellschaft der russischen Bevölkerung auf. Andere wiederum versuchten alte Traditionen und die Muttersprache mit der dazugehörigen Schrift am Leben zu erhalten. Ein schweres Unterfangen, da ein entsprechendes Schulsystem und kulturelle Einrichtungen nicht zur Verfügung standen. In Usbekistan konnten Magajs Söhne, darunter Sergej, wenigstens in den ersten Schuljahren die koreanische Schrift und Sprache erlernen.

Vor über zwanzig Jahren entschied sich Sergej, nach Estland zu gehen, wo er eine Stelle in Tallinns Hafen bekam. Das sowjetische System empfand er im Baltikum weniger bedrückend als in seinem Geburtsland Usbekistan. Sein Vater hatte ihm stets erklärt, daß der Sozialismus nicht für Menschen geschaffen sei. Die ablehnende Haltung gegenüber diese Gesellschaftsordnung gab er an den Sohn weiter. Dazu kamen die Seitenhiebe und Demütigungen einiger Russen, die gerne herablassende Bemerkungen über die "kleinen" Koreaner machten.
In einer Moskauer Metrostation hatte er darüber einmal seine Zurückhaltung verloren und vor aller Öffentlichkeit zwei vorlaut arrogante Passanten aufgemischt. Als die Umwälzungen in Estland Ende der Achtziger stattfanden, und sich die Sowjetunion allmählich auflöste, nutzte er die Möglichkeit, sich selbstständig zu machen.
Sein Hauptinteresse galt dem Aufbau eines koreanischen Restaurants. In der Telliskivi, einer Straße hinter dem Hauptbahnhof, fand er ein altes einstöckiges Holzhaus, das zum großen teil schon zerfallen war. Bei der Stadtregierung erhielt er eine Baugenehmigung, die er für die gründliche Renovierung des Hauses benötigte. Ein eingetragener Besitzer konnte nicht ausfindig gemacht werden.
Etwa 60 000 Dollar investierte er in den Wiederaufbau. Das Gebäude bekam einen gelbbraunen Anstrich und einen neuen Hof. Das Erdgeschoss wurde für die Gäste und die Küche eingerichtet. Neben koreanischen werden hier auch zentralasiatische Gerichte angeboten. Einer der Stammkunden ist der koreanische Botschafter in Helsinki. Ansonsten sind die Kunden russischer Abstammung.

Das Restaurant gehört zum guten Standard in Tallinn; der Innenraum ist mit koreanischer Dekoration ausgestattet.

Auf Verlangen erhält der Gast sogar Eßstäbchen - und so lange der Chef anwesend ist, wird im Hintergrund anstelle der obligatorischen Popmusik auch Volkstümliches aus Korea gespielt. Das Personal besteht nämlich aus Russen und Koreanern zugleich; Umgangssprache ist dagegen ausschließlich Russisch. Möglicherweise eine Ursache dafür, dass Esten selten unter den Gästen zu finden sind.
Als das Restaurant vor drei Jahren fertiggestellt war, meldete sich doch noch ein Besitzer, der jetzt da gesamte Haus zurückerhalten möchte. Die neue Stadtregierung erkennt die Verträge, die Sergej Magaj in sowjetischer Zeit abgeschlossen hatte, nun nicht mehr an. Die Eigentumsfrage ist dadurch wieder völlig offen. Der Ärger über den angeblichen Eigentümer ist umso größer, als dieser selbst in Tallinn wohnt und in der Zwischenzeit gesehen haben mußte, daß das Haus renoviert wurde.
Für Sergej Magaj steht fest: Er möchte estnischer Staatsbürger werden. Falls seine Sprachkenntnisse für den Anerkennungstest noch nicht ausreichend genug sein sollten, hofft er auf die Fürsprache seiner estnischen Freunde. Dann kann er endlich seinen roten sowjetischen gegen einen blauen estnischen Pass eintauschen. Die Alternative russische Staatsangehörigkeit kommt für ihn nicht in Frage. Außer der Sprache hat er keine besondere Bindung an Rußland. Zur russischen Kultur hält er bewußt Abstand: z.B. hat er in seinem Haus Platz für eine Buddha-Statue freigehalten, obwohl er wie viele in der ehemaligen Sowjetunion nicht sonderlich religiös ist. Er benötigt den Buddha eher als Gegengewicht zu den russisch-orthodoxen Reliquien seiner Ehefrau.
Das Obergeschoß des Ariran beherbergt neben Büroräumen und einem Gästezimmer das estnisch-Koreanische Kulturzentrum (EESTI-KOREALASTE KULTUURiÜHING). Vielleicht werden von hier aus bald neue Geschäftsverbindungen mit Südkorea geknüpft, denn der Handel ist das nächste Projekt des Sergej Magaj, der übrigens noch mehrere Gaststätten unterhält und einen Teil der benötigten Lebensmittel selber produzieren läßt.
Das Kulturzentrum ist vor allem Treffpunkt der alten Koreaner, die in dem Gemeinschaftsraum wichtige Familien- und Behördenangelegenheiten besprechen. Enge Verwandtschaftsbande sind nämlich eine der Hauptstützen der koreanischen Gesellschaft.
Bis jetzt existiert das Zentrum aber nur vom Geld und dem Enthusiasmus des Inhabers und ist deshalb nur sehr spartanisch eingerichtet. Auf einem Schrank stehen die südkoreanische und estnische Fahne nebeneinander. Eine große Hoffnung ist, wenn hier die Voraussetzungen für einen unterricht in koreanischer Sprache geschaffen werden könnten. Es ist nämlich zu befürchten, daß die junge Generation der Koreaner ohne Unterstützung von außen zwischen Esten und Russen endgültig verschwinden wird.
Nachtrag 2007: Das genannte Kulturzentrum kann aus gesundheitlichen Gründen Magajs nicht mehr weitergeführt werden. Ein Teil der (koreanisch-russischen) Jugend ist bereits ins Ausland und Übersee gegangen.
Der Vorwurf stammt von Rene Van der Linden:
"We cannot accept in Europe, in so many countries, member states with so many stateless people," the president of the Council of Europe's Parliamentary Assembly, Rene Van der Linden, told a news conference.
He said Estonia's programme of granting citizenship meant between 5,000 and 7,000 new citizens were created each year.
"I expressed my concerns on this situation and I hope sincerely that the government will push this forward because if you have 100,000 or more stateless persons and it takes 5,000 a year, that means it takes 20 years," he added.
Bei den Vorwürfen wird häufig der Begriff Russen benutzt. Aber passen die Staatenlosen in Estland in eine Kategorie?
Sergej Magaj passt jedenfalls nicht in ein vorgefertigtes Schema. Der neueste Stand 2007: Er strebt nicht mehr die estnische Staatsbürgerschaft an, ein Sohn von ihm hat in den USA Fuß gefasst. Magajs Restaurant in Tallinn bleibt sein Lebensmittelpunkt. Er hatte vor kurzem einen Schlaganfall erlitten und musste deshalb Geschäftsideen in Rußland, vor allem in Moskau, aufgeben. Er steht den Auseinandersetzungen um den Bronzenen Soldaten so fern, dass er meinte, die Esten hätten die Randale in Tallinn verursacht im vergangenen April. Auch er hatte Angst um sein Geschäft, dass es geplündert oder zerstört werden könnte. 1994 habe ich ihn das erste Mal getroffen. Grundsätzlich hat sich nicht viel geändert in dem Restaurant Ariran in Tallinn, nur die Fotos sind aktuell.
Sergej Magaj
Juni 1994, InfoBlatt Baltische Staaten 2/94
Als Koreaner in Estland
Das Restaurant Ariran des Sergej Magaj in Tallinn
Esten und Russen sind die beiden stärksten Bevölkerungsgruppen der Hauptstadt Estlands. Unter ihnen leben aber auch Zuwanderer und Nachkommen anderer Völker und Nationen, wie z.B. die kleine Gemeinde der Koreaner, die kaum mehr als 200 Personen umfaßt. Haupttreffpunkt der Koreaner in Tallinn ist das Restaurant Ariran, unter dessen Dach sich auch das estnisch-koreanische Kulturzentrum befindet.
Das Ariran gehört zu den ethnischen Restaurants, die in den letzten Jahren mit der beginnenden Privatisierungswelle eröffnet wurden. Bekannt unter ihnen sind vor allem das Maharaja (Indisch) und das Ai Sha Ni Ya (Chinesisch).
Ariran ist koreanisch und gleichzeitig der Titel eines bedeutenden Volksliedes der Halbinsel zwischen China und Japan. Im weitesten Sinn ist Ariran Ausdruck für Freude und Not der einfachen Menschen Koreas, das bis vor wenigen Jahrzehnten überwiegend von Kleinbauern bewohnt war. Gesang hat für die Koreaner einen ähnlich hohen Stellenwert wie für die baltischen Nationen.
Das Lied entwickelte sich während der letzten großen Dynastie zu einem Symbol der koreanischen Identität, das in unzähligen Variationen gesungen werden kann. Das jahrhundertelange Regierungssystem der Yi-Dynastie wurde erst vor dem Ersten Weltkrieg ausgelöscht.
Der Inhaber des Ariran, Sergej Magaj, trägt einen russischen Namen. Aber eigentlich hieß sein Vater Ma. Das ist ein Name mit chinesischer Herkunft, der auch in Korea verbreitet ist. Der Vater stammte aus der Hafenstadt Pusan und wurde im Laufe des zweiten Weltkriegs in die japanische Armee zwangsrekrutiert. Das Kriegsgeschehen verschlug ihn auf das Gebiet der ehemaligen Sowjetunion.
Später lebte er in der Sowjetrepublik Usbekistan, wohin zehntausende seiner Landsleute aus den chinesisch-russischen Grenzgebieten deportiert worden waren. Es war die Zeit der großen Umsiedlungen, die der Despot Stalin in den vierziger Jahren angeordnet hatte.
Der Vater heiratete eine Russin. Er verlor seinen ursprünglichen Familiennamen. Von jetzt an hieß er nicht mehr Ma sondern Magaj. Bis auf die Familien Kim wurden die meisten Koreaner umbenannt.
Ein Teil der Koreaner ging anschließend ganz in der Gesellschaft der russischen Bevölkerung auf. Andere wiederum versuchten alte Traditionen und die Muttersprache mit der dazugehörigen Schrift am Leben zu erhalten. Ein schweres Unterfangen, da ein entsprechendes Schulsystem und kulturelle Einrichtungen nicht zur Verfügung standen. In Usbekistan konnten Magajs Söhne, darunter Sergej, wenigstens in den ersten Schuljahren die koreanische Schrift und Sprache erlernen.
Vor über zwanzig Jahren entschied sich Sergej, nach Estland zu gehen, wo er eine Stelle in Tallinns Hafen bekam. Das sowjetische System empfand er im Baltikum weniger bedrückend als in seinem Geburtsland Usbekistan. Sein Vater hatte ihm stets erklärt, daß der Sozialismus nicht für Menschen geschaffen sei. Die ablehnende Haltung gegenüber diese Gesellschaftsordnung gab er an den Sohn weiter. Dazu kamen die Seitenhiebe und Demütigungen einiger Russen, die gerne herablassende Bemerkungen über die "kleinen" Koreaner machten.
In einer Moskauer Metrostation hatte er darüber einmal seine Zurückhaltung verloren und vor aller Öffentlichkeit zwei vorlaut arrogante Passanten aufgemischt. Als die Umwälzungen in Estland Ende der Achtziger stattfanden, und sich die Sowjetunion allmählich auflöste, nutzte er die Möglichkeit, sich selbstständig zu machen.
Sein Hauptinteresse galt dem Aufbau eines koreanischen Restaurants. In der Telliskivi, einer Straße hinter dem Hauptbahnhof, fand er ein altes einstöckiges Holzhaus, das zum großen teil schon zerfallen war. Bei der Stadtregierung erhielt er eine Baugenehmigung, die er für die gründliche Renovierung des Hauses benötigte. Ein eingetragener Besitzer konnte nicht ausfindig gemacht werden.
Etwa 60 000 Dollar investierte er in den Wiederaufbau. Das Gebäude bekam einen gelbbraunen Anstrich und einen neuen Hof. Das Erdgeschoss wurde für die Gäste und die Küche eingerichtet. Neben koreanischen werden hier auch zentralasiatische Gerichte angeboten. Einer der Stammkunden ist der koreanische Botschafter in Helsinki. Ansonsten sind die Kunden russischer Abstammung.
Das Restaurant gehört zum guten Standard in Tallinn; der Innenraum ist mit koreanischer Dekoration ausgestattet.
Auf Verlangen erhält der Gast sogar Eßstäbchen - und so lange der Chef anwesend ist, wird im Hintergrund anstelle der obligatorischen Popmusik auch Volkstümliches aus Korea gespielt. Das Personal besteht nämlich aus Russen und Koreanern zugleich; Umgangssprache ist dagegen ausschließlich Russisch. Möglicherweise eine Ursache dafür, dass Esten selten unter den Gästen zu finden sind.
Als das Restaurant vor drei Jahren fertiggestellt war, meldete sich doch noch ein Besitzer, der jetzt da gesamte Haus zurückerhalten möchte. Die neue Stadtregierung erkennt die Verträge, die Sergej Magaj in sowjetischer Zeit abgeschlossen hatte, nun nicht mehr an. Die Eigentumsfrage ist dadurch wieder völlig offen. Der Ärger über den angeblichen Eigentümer ist umso größer, als dieser selbst in Tallinn wohnt und in der Zwischenzeit gesehen haben mußte, daß das Haus renoviert wurde.
Für Sergej Magaj steht fest: Er möchte estnischer Staatsbürger werden. Falls seine Sprachkenntnisse für den Anerkennungstest noch nicht ausreichend genug sein sollten, hofft er auf die Fürsprache seiner estnischen Freunde. Dann kann er endlich seinen roten sowjetischen gegen einen blauen estnischen Pass eintauschen. Die Alternative russische Staatsangehörigkeit kommt für ihn nicht in Frage. Außer der Sprache hat er keine besondere Bindung an Rußland. Zur russischen Kultur hält er bewußt Abstand: z.B. hat er in seinem Haus Platz für eine Buddha-Statue freigehalten, obwohl er wie viele in der ehemaligen Sowjetunion nicht sonderlich religiös ist. Er benötigt den Buddha eher als Gegengewicht zu den russisch-orthodoxen Reliquien seiner Ehefrau.
Das Obergeschoß des Ariran beherbergt neben Büroräumen und einem Gästezimmer das estnisch-Koreanische Kulturzentrum (EESTI-KOREALASTE KULTUURiÜHING). Vielleicht werden von hier aus bald neue Geschäftsverbindungen mit Südkorea geknüpft, denn der Handel ist das nächste Projekt des Sergej Magaj, der übrigens noch mehrere Gaststätten unterhält und einen Teil der benötigten Lebensmittel selber produzieren läßt.
Das Kulturzentrum ist vor allem Treffpunkt der alten Koreaner, die in dem Gemeinschaftsraum wichtige Familien- und Behördenangelegenheiten besprechen. Enge Verwandtschaftsbande sind nämlich eine der Hauptstützen der koreanischen Gesellschaft.
Bis jetzt existiert das Zentrum aber nur vom Geld und dem Enthusiasmus des Inhabers und ist deshalb nur sehr spartanisch eingerichtet. Auf einem Schrank stehen die südkoreanische und estnische Fahne nebeneinander. Eine große Hoffnung ist, wenn hier die Voraussetzungen für einen unterricht in koreanischer Sprache geschaffen werden könnten. Es ist nämlich zu befürchten, daß die junge Generation der Koreaner ohne Unterstützung von außen zwischen Esten und Russen endgültig verschwinden wird.
Nachtrag 2007: Das genannte Kulturzentrum kann aus gesundheitlichen Gründen Magajs nicht mehr weitergeführt werden. Ein Teil der (koreanisch-russischen) Jugend ist bereits ins Ausland und Übersee gegangen.
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Dienstag, Mai 08, 2007
Zwischen den Stühlen in Estland
Wo sind die moderaten Stimmen in der aufgehitzten Debatte um Staatsbürgerschaft und Sprachentest, russische Schulen und Integration in Estland? Das fragt Giustino in seinem Blog, Itching for Eestimaa.
Morgen bleibt kein Spielraum für diese Gedanken, denn es soll wieder demonstriert werden, wieder am Tonismägi in Tallinn, wo der Bronzene Soldat stand. Der 9. Mai, an dem die großen Siegesparaden in Moskau stattfinden. Die Protestler sollen in rot erscheinen, in Anspielung an die Sowjetunion.
Es gibt aber diese moderaten Stimmen und dazu gehören die wenigen Koreastämmigen. Warum leben sie in Estland? Weil Stalin alle Koreaner, mehr als 100 000 im Fernen Osten deportieren ließ. Obwohl viele im Widerstand gegen die Japaner waren, galt hier das Motto: Traue keinem Schlitzauge, eventuell ist er japanischer Spion. Sowjetische Logik eben. Die Koreaner sind die absoluten Kriegsverlierer, entwurzelt und siedelten sich später wenn möglich da an, wo rassischtische Übergriffe kaum vorkamen, zum Beispiel in Estland. Nun müsste man erwarten, dass die estnische Staatsbürgerschaft das angestrebte Ziel bei ihnen ist. Nein, es gibt auch Staatenlose in Estland, die weder die russische noch die estnische Staatsbürgerschaft einfordern, einige der Jüngeren leben eh schon in Übersee. Korea heisst sie auch nicht willkommen, sie waren dort nicht geboren.
Ein Koreaner mit Geschäft hält übrigens alle, die an den Überfällen beteiligt waren für Esten. Aber egal, er wird morgen auf sein Geschäft acht geben.
Morgen bleibt kein Spielraum für diese Gedanken, denn es soll wieder demonstriert werden, wieder am Tonismägi in Tallinn, wo der Bronzene Soldat stand. Der 9. Mai, an dem die großen Siegesparaden in Moskau stattfinden. Die Protestler sollen in rot erscheinen, in Anspielung an die Sowjetunion.
Es gibt aber diese moderaten Stimmen und dazu gehören die wenigen Koreastämmigen. Warum leben sie in Estland? Weil Stalin alle Koreaner, mehr als 100 000 im Fernen Osten deportieren ließ. Obwohl viele im Widerstand gegen die Japaner waren, galt hier das Motto: Traue keinem Schlitzauge, eventuell ist er japanischer Spion. Sowjetische Logik eben. Die Koreaner sind die absoluten Kriegsverlierer, entwurzelt und siedelten sich später wenn möglich da an, wo rassischtische Übergriffe kaum vorkamen, zum Beispiel in Estland. Nun müsste man erwarten, dass die estnische Staatsbürgerschaft das angestrebte Ziel bei ihnen ist. Nein, es gibt auch Staatenlose in Estland, die weder die russische noch die estnische Staatsbürgerschaft einfordern, einige der Jüngeren leben eh schon in Übersee. Korea heisst sie auch nicht willkommen, sie waren dort nicht geboren.
Ein Koreaner mit Geschäft hält übrigens alle, die an den Überfällen beteiligt waren für Esten. Aber egal, er wird morgen auf sein Geschäft acht geben.
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Montag, Oktober 09, 2006
Korea kriis

Von 1994 stammt dieser Artikel aus der nicht mehr existierenden Eesti Sonumid. Er schildert eine Episode aus den unzähligen Koreakrisen. Nachträglich hiess es, die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel standen kurz vor dem Ausbruch eines heissen Krieges. Für Estland war damals interessant zu beobachten, wie sich weiterbestehende kommunistische Regime über Wasser hielten. Jetzt hat Nordkorea doch die (A)-Bombe , es war also nicht nur riskantes Pokerspiel während der diplomatischen Verwirrungen der letzten Jahre.
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Freitag, November 11, 2005
Korea-Estland

Erstaunlich, margus hat eine Fotoserie, aus dem Naturpark Luhasoo zusammengestellt. Dort stehen mehrere Holztotems. Rechtes Bild
Die Bedeutung ist mir nicht ganz klar, aber die Ähnlichkeit zu koreanischen (links) samt Proportionen ist auffällig.
Wer weiter durch die Fotosammlung vom Margus wandert
kommt auch zu alten Mittelalter-Ruinen, einem Höhlenkomplex und einem Gefängnismuseum in Tallinn. Leider, leider noch spärlich betextet.
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