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Freitag, Juli 29, 2022

Preissteigerungen machen sich bemerkbar

Der Umsatz im estnischen Einzelhandel belief sich im Juni auf 915 Millionen Euro, so meldet es das estnische Statistikamt. Das bedeutet einen Rückgang um 1%. Was zunächst marginal aussieht, wird beim näheren Blick deutlicher: wenn nur Kraftstoffe und Lebensmittel getrennt gerechnet werden, war der Rückgang stärker (2%), was Analytikerin Johanna Linda Pihlak auf die besonders in diesen Bereichen gestiegenen Preise zurückführt. Beim Verkauf von Secon-Hand-Waren gab es dagegen ein Umsatzplus von 19%, im Gegensatz dazu wies der Bereich Haushaltswaren und Haushaltsgeräte einen Rückgang von 7% auf. 

Die Inflationsrate, so weisen es ebenfalls Daten des Statistikamtes aus, stieg im Juni gegenüber Mai 2022 um 2,7%, aber um ganze 21,9% im Vergleich zum Juni des Vorjahres. Dabei stiegen die Preise für Strom um ganze 129,6%, für Heizung um 62,7%, für Gas um 228,3%, für Festbrennstoffe um 77,3% (aufs Jahr gerechnet, siehe stat.ee). Bei Lebensmitteln gab es den höchsten (durchschnittlichen) Preisanstieg bei Kartoffeln (111,5%), dann folgten Eier (61.9%), Frischfisch (57.6%), Mehl und Getreide (54.8%) und Gewürzen (53.4%).

Sonntag, August 26, 2018

Die Apfelestin

Schon manches ist in diesem Jahr unternommen worden, um in variantenreicher Form dem 100-jährigen Jubiläum des unanbhängigen Estland zu gedenken - vom Eichenbäume pflanzen bis zum gemeinsamen Fahrrad fahren, tanzen, singen oder Theater spielen. Für die Künstlerin Kamille Saabre jedoch stehen gerade jetzt im Spätsommer ganz bestimmte Objekte im Fokus: estnische Äpfel.

Kamille Saabre malt Äpfel. Nicht ausschließlich - auch andere Früchte, und auch Blumen. Aber stets schlicht nach der Natur. Vielleicht auf dem Weg, die eigene Identität erkunden zu wollen. Saabre sagt: "Jeder Apfel ist wie ein Este". Aber aufgepasst: umgedreht stimmt dieser Satz noch lange nicht! Keinesfalls ist jeder Apfel wie ein Este (oder eine Estin) - ein Blick auf die Vielzahl der meist auf äußerliche Schönheit und einheitliche Größe gezüchteten Äpfel dieser Welt hilft weiter. Und Estland ist in dieser Hinsicht eben doch lieber nicht wie Italien - wo schon 70% aller Obstgärten nur "Golden Delicious" bieten (und auch Elstar, Jonagold, Gala, Cripps Pink, Rubinette und Pinova sind alles Kreuzungen mit dieser kommerziell erfolgreichsten Sorte des Handels.

Weiterhin sagt Saabre: "Ich bin nicht darauf aus, die Schönheit der Natur zu kopieren. Ich möchte aber die Betrachter inspirieren, obwohl auf den Bildern ja keine Menschen zu sehen sind. Dennoch gibt es die ganze Bandbreite menschlichen Lebens zu sehen." Und die Künstlerin kann es auch an der eigenen Person erklären, was sie meint: "Ich war schon in New York, ich habe meine Familie in Zürich gegründet. Zu meiner persönlichen Farbpalette kommt ein polnischer Großvater, eine türkische Großmutter, ein Vater aus Ägypten, eine Mutter aus Estland und ein Ehemann aus der Schweiz dazu. All dies beeinflusst mein Leben und meine Kunst."

Kamille Saabre hat schon ein wenig weiter gedacht: das hundertste Jubiläumsjahr ist bald schon zu Ende. Was dann? "Õun on nagu eestlane", wie gesagt. Saabre hat vorgesorgt, und einen Kalender nach diesem Motto für das Jahr 2019 zusammengestellt. "Wenn es nach mir ginge, würde ich den Apfel zur Nationalfrucht Estlands erklären" - auch dieser Satz stammt von Saabre. "Sogar dort, wo Bauernhöfe aufgegeben wurden und die Menschen längst weg sind, da stehen die Apfelbäume noch."

So gelangen die Apfelfreunde dann vielleicht zu der Erkenntnis:Kingin sulle õuna. Sest õun on eestlase moodi 
(Ich gebe Dir einen Apfel - weil der Apfel ein estnischer Weg ist)

Sehr schön auch, dass der Saabre-Apfelkalender 2019 auch den Apfelsorten-Spezialisten weiterhelfen wird: Geboten wird der "Liivi kuldrenett" im Januar, "Valge klaarõun" im Februar, ein "Sõstraroosa" im März, und ein "Juulikuine" schon im April. Es folgen ein "Suislep" im Mai, der "Paide taliõun" sowohl im Juni wie auch im Juli, und der "Pärnu tuviõun" für den August, der auch "Trebuu" oder Lambanina" genannt wird. Im September steht dann der "Antoonovka" im Kalender (der sogar schon einen Eintrag bei Wikipedia hat und wissenschaftlich "Kloostri Antonovka" genannt wird). Der Kalender-November bietet noch den "Krameri tuviõun", und das Jahr schließt ab mit dem "Liivi sibulõun". Was fehlt? Die für den Kalender-Oktober herausgesuchte Sorte nennt Kamille Saabre "Komsomolka" - ein Begriff, der von den meisten wohl mit verschiedenen Dingen des sowjetischen Alltags in Verbindung gebracht wird, den ich aber bei Apfelhändlern noch nicht gefunden habe. Vielleicht ein Apfel aus Nachbars Garten?

Und noch dies: Untersuchungen des estnischen Landwirtschaftsministeriums zufolge ist der Apfel der Est/innen meist konsumierte Frucht - 34g pro Einwohner und Tag (gegenüber Zitrusfrüchten mit 30g und Bananen mit 22g /Tag).

Kamille Saabre Webseite / Facebookseite / Estonia100

Samstag, Juni 28, 2014

Eco-Estonia

Die Produktion im Bereich der ökologisch erzeugten Lebensmittel habe sich in Estland innerhalb der vergangenen 10 Jahre vervierfacht - das ist eine der Kernaussagen einer neuen Infobroschüre des estnischen Landwirtschaftsministeriums.
1989 wurde die estnische Vereinigung für biodynamischen Landbau gegründet, später folgten weitere regionale und landesweite Ökoverbände. Inzwischen gibt es auch 84 Verarbeitungsbetriebe für Ökoprodukte, die meisten allerdings Kleinbetriebe. 34 Ökohöfe - so die Statistik des Ministeriums - produzieren eigene Produkte. Statistisch gesehen nimmt Ökolandbau in Estland heue 153,426 ha Land ein, 16.3% der gesamten landwirtschaftlich bewirtschafteten Fläche mit 1.553 Ökobetrieben.

Estnische Steigerungsraten:oben die
Flächengröße des Ökoanbaus, unten
die Anzahl der Ökohöfe
Im Mai traf sich auch das "Organic Data Network" in Tallinn - nach Angaben der Organisatoren vierundzwanzig Teilnehmer aus 15 beteiligten Projekten. Ihre estnischen Projektpartner konnten bilanzieren, dass die größte Anzahl von Öko-Produzenten im Bezirk Võru im Südosten Estlands zu finden ist, die größte bewirtschafteste Fläche aber auf der Insel Saaremaa. Im Bezirk der Insel Hiiumaa produziert fast zwei Drittel der landwitschaftlichen Fläche ökologische Produkte.

Ob noch "Veteranen" des estnischen Ökoanbaus heute dabei sein, lässt sich den verschiedenen Berichten leider nicht entnehmen. Durch die radikale Einstellung jeglicher Subventionen für die Landwirtschaft nach Wiederherstellung der Unabhängigkeit hatten es auch Ölobauern in den 1990er Jahren nicht leicht. Finanzielle Unterstützung zahlt die estnische Regierung seit dem Jahr 2000.


Infobroschüre "Organic farming in Estonia" (Mahepõllu Majandus eestis)
Organic Data NetworkEstnische Stiftung Ökolandbau

Mittwoch, Februar 01, 2012

Grüne Estenwochen

Kaum ist das Kulturhauptstadtjahr vorbei, gibt das estnische Außenministerium weitere Pläne für besondere Ereignisse bekannt. Im Januar 2014 wird Estland Gastland der Grünen Woche in Berlin sein. Landwirtschaftsminister Helir-Valdor Seeder habe eine entsprechende Vereinbarung mit der Messeleitung in Berlin abgeschlossen. Gastland 2012 war Rumänien, 2013 werden es die Niederlande sein. Eine erste Bilanz der gerade abgelaufenen Grünen Woche 2012 ergab einen Besucherzuspruch von 420.000 Menschen.

Freitag, Januar 06, 2012

Lieber kein Zucker im estnischen Kaffee?

Was bringt das Jahr 2012 wirklich? Mehr noch als
in den amtlich veröffentlichten Statistiken wird
es im Alltag spürbar werden
Um durchschnittlich 5% stiegen die Preise in Estland im Vergleich zur Situation bei Einführung des Euro im Januar 2011, das teilte des staatliche estnische Statistikamt kürzlich mit. Am stärksten beeinflußt wurde der Preisindex von den Lebensmittelpreisen und den Preisen für nichtalkoholische Getränke. Daneben stiegen auch die Preise für Elektrizität und Heizung um 6.2%, die Treibstoffpreise sogar um 12,2%. Den stärksten Preisanstieg verzeichneten Zucker (43%) und Kaffee (45%). Kartoffeln blieben um durchschnittlich 34% teurer als im Vorjahr, während die Preise für Eier um 9.4% sanken.

Einige Daten:

Gesamt - +5.0
Lebensmittel & nichtalkoholische Getränke - +9.7
Alkohol und Tabak - +6.3
Kleidung und Schuhe - +3.5
Bauen & Wohnen - +5.9
Haushaltswaren - +0.7
Gesundheit - +0.4
Verkehr - +5.1
Kommunikation & Medien -4.2
Kultur & Freizeit +0.7
Schule und Bildung +2.2
Hotels, Cafés und Restaurants +6.0
Verschiedenes +2.8

Freitag, April 20, 2007

Wo bleibt das Saku Originaal?

Gemeint ist das "bekannteste" estnische Bier. In Deutschland kaum aufzutreiben. Dafür aber Eintopfsuppen, traditionell abgefüllt in Gläsern. Ein willkommenes Angebot für etwas ausgehungerte Expat-Esten in Deutschland, vor anderhalb Jahren gab es hier einmal ein Post darüber. Allerdings finden sich estnische Produkte vor allem in den "Russenmärkten", die für ihr riesiges "Saure Gurken"-Angebot berüchtigt sind. Angeblich kommt das Salz der deutschen Gurkeneinmacher nicht gut an. Dann müssen die Gurken eben importiert werden. Aber wer vermisst VANA TALLINN, DEN Likör aus Estland? Jetzt auch in Osnabrück:

Und wenn das schon vorhanden ist, gibt es natürlich auch Fisch, von Viru Rand zum Beispiel. Lässt sich freizügig auch als Estland-Strand übersetzen. Die Beschriftung ansonsten auf Russisch:

Was sonst noch in dem selben Supermarkt einer mittelgroßen Stadt in Norddeutschland auffiel, war die Wurst Tallinskaja. Auf die Frage, ob da etwa estnisches Rezept oder Herkunft dahinterstecken, hat die Verkäuferin nur laut aufgelacht und mit Kopfschütteln verneint. Das sind so die Fragen, mit denen man sich als Nichtkenner outet. Das beste war bisher eine Frage in der DDR auf offener Straße in Ostberlin an einem Zeitungskiosk. Ob es hier die Pravda auch auf Deutsch gebe. Drumherum brach ein Gelächter aus, nach dem Motto, wie kann man nur so naiv sein.