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Dienstag, Februar 24, 2026

Künstlich, aber getestet

Was weiß eine künstliche Intelligenz über Estland? Estnische Forscherinnen und Forscher wollten es genauer wissen. Sie nahmen sich sechs bekannte KI-Modelle vor und stellten diesen sehr spezielle Fragen. 

Intelligentes Plaudern 

Das bekannteste darunter ist wohl "Chat GPT", vom US-Unternehmen "Open AI" entwickelt, mit weltweit mehreren Hundert Millionen Nutzer/innen. "Gemini 3" entstand aus "Deep Mind" und "Google Brain". "Grok" wurde von Elon Musks "xAI" entwickelt. "Mistral" ist das bekannteste Sprachmodell europäischer Herkunft, entwickelt vom französischen "Mistral AI". Und "Claude" schließlich wurde von ehemaligen Mitarbeiter/innen von "Open AI" entwickelt. 

Mit einbezogen wurde noch "Llama EstLLM", speziell von der TU Tallinn, der Universität Tartu und dem Institut für estnische Sprache entwickelt, um es mit estnischem Sprachmaterial zu trainieren. 

Estnisch fragen 

20 Fragen wurden insgesamt gestellt, fokussiert auf estnische Sprache und estnische Kultur. Zum Beispiel wurde gefragt, was Juri Lotman mit dem Begriff "Semiospähre" meinte, oder wie der erste Satz des Romans "Kevade" ("Frühling") von Oskar Luts vollständig lautet. Wie viele Vokale enthält das estnische Wort "Jäääär"? 

Ja, früher einmal gab es Lexika, kiloschwere Bücher in mehreren Bänden. Im digitalen Zeitalter war es bisher oft geübte Gewohnheit, bei "Wikipedia" nachzuschauen (oder sogar dort als Autor/in eigenes Wissen mit anderen zu teilen).  - Heute werden auf "dumme" Fragen aller Art vor allem sekundenschnelle Antworten erwartet - von einem imaginären Gegenüber nach Art einer "KI". 

Dialektische Haushaltsgeräte 

Kairit Sirts, außerordentliche Professorin für Sprachtechnologie am Institut für Informatik der Universität Tartu, berichtet allerdings auch von überraschenden Ergebnissen. Eigentlich seien sämtliche getesteten KI-Modelle auf einem ähnlichen Niveau. Doch Sirts zufolge habe man zum Beispiel nicht mit Groks Estnisch-Fähigkeiten gerechnet. Im Gegensatz zu mehreren Mitbewerbern wusste das Modell sogar, wie man „Staubsauger” im Võro-Dialekt sagt: pudsunudsija, natürlich.(ERR)

Das bedeutet wahrscheinlich noch nicht, dass sich südestnische Haushalte nun freuen können, wenn eine KI das Staubsaugen erledigt - und die estnische Forscherin gibt zu: niemand weiß, wie die verschiedenen Modelle trainiert werden.  

Jedenfalls spiele auch die Formulierung der Fragestellung eine Rolle, welche Antworten darauf erfolgen - meint Forscherin Sirts. Und Tanel Alumäe, Professor für Sprachverarbeitung und Leiter des Labors für Sprachtechnologie an der Technischen Universität Tallinn betont, dass alle KI-Modelle gegenwärtig noch Fehler machen, und zwar mehr als ein Mensch. Er hat KI-Modelle sogar getestet, ob sie fähig sind Wörter zu deklinieren oder Grammatik zu korrigieren. 

Estnische Intelligenz kennt Estland nicht?  

Ist es überraschend, dass ausgerechnet das estnische KI-Modell am schlechtesten abschnitt? Hier wird das Training ausschließlich auf Basis offen zugänglicher Daten vollzogen, das gesamte Trainingsmaterial ist somit auch überprüfbar - aber das zur Generierung von Antworten verwendete Datenvolumen ist deutlich geringer - etwa 100-mal kleiner als das führender kommerzieller Modelle, heißt es. (ERR) Forscherin Kairit Sirts sieht es positiv und findet das Ergebnis sogar ermutigend, denn man plane ja noch eine Weiterentwicklung. 

Ein anderer Teil der Rechtfertigung bezieht sich auf Schwierigkeiten mit dem Urheberrecht. "Um die Frage nach dem Anfangssatz des Romans 'Kevade' beantworten zu können, muss man den Roman gelesen haben; Bücher sind jedoch kompliziert, da sie dem Urheberrecht unterliegen“, erklärt Sirts. Infolgedessen sind viele grundlegende Werke der estnischen Kultur nicht in den estnischsprachigen Schulungsmaterialien enthalten, die Forschern bisher zur Verfügung stehen.

Ist das vielleicht ein Hinweis darauf, dass andere KI-Modelle ihren Stoff ohne Rücksicht auf Urheberrechte benutzen? Wissenschaftlerin Sirts sagt dazu nur: "Wir möchten offen und ehrlich vorgehen". Man wolle ja nicht mit den kommerziellen Technik-Giganten konkurrieren. Aber: „Mit einem offenen Modell, das auf unserem eigenen Server läuft, kann sichergestellt werden, dass Daten das Gebäude nicht verlassen. Dies ist in Szenarien mit sensiblen oder vertraulichen Informationen von Bedeutung.“ Schließlich gäbe es genug Gründe, sich nicht völlig abhängig zu machen von Anbietern, die dann ihre Daten in den USA oder China verarbeiten. Es sei wichtig, Fachwissen zu sammeln, damit nicht große Unternehmen die Preise bestimmen könnten. "Wenn wir in der Lage sind, ein offenes Modell zu nutzen, das derzeit das beste auf dem Markt ist, und dessen Leistung in estnischer Sprache zu verbessern, dann haben wir ein gewisses Maß an Kontrolle über die Situation“, fügte Sirts hinzu.(ERR)

Donnerstag, Februar 20, 2020

Einspar-Folklore

Das kleine estnische Städtchen Viljandi ist vielleicht nicht einmal allen Estland-Touristen bekannt - viele pendeln nur zwischen Tallinn, Tartu und Saaremaa. Für Liebhaber*innen der Folkmusik ist das anders: geradezu legendär ist das VILJANDI FOLK MUSIC FESTIVAL, das im Jahr 2020 wieder einmal um die 800 Musiker*innen bei über 100 Konzerten zusammenbringen wird, inzwischen kommen an den vier Festivaltagen über 25.000 Musikfreund*innen.

1989 gegründet, ist das Festival zusammen mit der inzwischen etablierten "Viljandi Kulturakademie" geradezu zum Symbol geworden für den freien, estnischen Geist, das Kennenlernen anderer Kulturen, und
"Wir mussten unseren Weg finden von der sowjetischen Pseudo-Folk-Szene zu einer qualitativen musikalischen Ausbildung", schreibt Festivalleiter Ando Kiviberg in einem Rückblick auf die Entwicklung seit 1990. Kiviberg erinnert an die Wiederentdeckung der Traditionen des estnischen Dudelsackbaus genauso wie an die findigen Handwerker von Viljandi, die auch schon mal individuelle Transportbehälter für die Musikinstrumente aus Holz herzustellen in der Lage waren. Sogar das Vokabular musste neu geschaffen werden: den Begriff "pärimus" (estnisch für etwas ererbtes, traditionelles) soll zuerst die Band "Kukerpillid" verwendet haben - in Viljandi wurde “pärimusmuusika” zum neuen Begriff für die Musik, die hier präsentiert wurde (und englisch "Folkmusik") genannt wird.

2008 wurde das "Traditional Music Center" in Viljandi eröffnet. Alte Liedtexte und Schriften, auch alte Tonaufnahmen, Fotos und Filme sammelt das "Eesti Rahvaluule Arhiiv" (ERA) schon seit 1927 - anfangs als Teil des Estnischen Nationalmuseums, inzwischen als Abteilung des estnischen Literaturmuseums in Tartu, und seit 2000 sind alle verschiedenen Folklore-Sammlungen unter diesem Dach vereint. Über 13.000 estnische Volkslieder und ihre Melodien sind hier dokumentiert.

Doch offenbar ist diese Archivarbeit nicht jedem gleichermaßen wichtig.  In der estnischen Presse häufen sich Berichte, denen zufolge das estnische Folklorearchiv in diesem Jahr keine Unterstützung für Forschungsprojekte erhalten wird (Eesti Päevaleht / Klassikraadio). Seitdem ist die estnische Folkszene in Aufruhr. Dichterin Kristiina Ehin und Folk-Musikerin Mari Kalkun schufen bereits einen "Protestsong" mit der Bezeichnung "Notruf an den Premierminister" ("Hädaabikõne peaministrile") - inspiriert von der Musik von Miina Härma und Gedichten von Anna Haava. "Ich habe noch nie einen Protestlied geschrieben, aber diese Situation zwingt mich es zu tun. Wir müssen unsere Traditionen bewahren, und auch die Leute die diese Arbeit tun," so Kalkun gegenüber dem estnischen Pressedienst ERR.

Es kursieren Unterschriftenlisten, und ein Solidaritätskonzert zur Unterstützung des Folklorearchivs soll am 4. März im Estnischen Nationalmuseum stattfinden (Postimees). Dort werden eine Reihe von Bands und Musiker*innen auftreten, die sich von den estnischen Traditionen der Folkmusik inspirieren lassen, wie "Trad.Attack!", Mari Kalkun, Sander Mölder, Maarja Nuut, "Zetod", Cätlin Mägi, die "Curly Strings" oder die "Johansons".

Kritisiert werden auch die Finanzierungsstrategien für die wissenschaftliche Forschung. "So wie es gegenwärtig gemacht wird, ist es wie eine Lotterie - da werden Forschungsprojekte nicht danach orientiert wo es Forschungbedarf gibt, sondern welcher Antrag wahrscheinlich erfolgreich sein wird", meint Risto Järv, der Leiter des Folklorearchivs (err).

Montag, März 25, 2013

Estland demnächst völlig schwerelos

21.Januar 2013: im Rahmen einer Presseveranstaltung
im Fernsehturm Tallinn wird "EstCube-1" verpackt für
die große Reise ins Schwerelose
Erstaunliches berichten Raumfahrt-Experten von estnischen Satelliten-Plänen. EstCube-1, so wird Estlands erster, 1,33 kg schwerer Satellit bezeichnet, der von einer Projektgruppe an der Universität Tartu gemeinsam gebaut und entwickelt wurde. Sechs Jahre, etwa 40 Forschungsprojekte und drei Doktorarbeiten hat es gedauert bis zur Fertigstellung, bei der auch Kontakte mit der Estnischen Luftfahrtakademie, der Technischen Universität Tallinn, dem Finnischen Meteorologischen Institut und dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) geknüpft wurden. Details dazu sind nun ausführlich erläutert in einem Beitrag von Roland Rischer für "Raumfahrt.net" und ist - in Anlehnung an estnische Bestrebungen zur flächendeckenden Nutzung des Internet: "Drahtlos - das war einmal!"

Das im Umfang relativ kleine Ding (10x10x11cm) soll im All die elektrischen Kräfte der geladenen Teilchen des Sonnenwindes nutzen. Sternförmig um eine Raumsonde ausgebrachte Kupferdrähte werden elektrisch aufgeladen und stoßen gleichgeladene Plasmateilchen ab. Die Sonde bekommt dadurch einen Impuls. Diese "Sonnensegel"-Theorie geht zurück auf den finnischen Forscher Pekka Janhunen. Bisher wurde diese errechnete, mögliche Funktionsweise offenbar noch nicht in der Praxis nachgewiesen. EstCube-1, die bereits im April 2013 mit der nächsten ARIANE-Vega-VV02-Mission ins All befördert werden soll, befindet sich inzwischen bereits startbereit in Französisch-Guyana.

Nein, diesmal kein neue Variante
eines Rubiks-Würfels: diese
estnische Innovation soll nicht Rätsel
aufgeben, sondern helfen sie zu lösen
An der Weiterentwicklung der erzielten Ergebnisse durch EstCube-1 wird die estnische Consulting "Invent Baltics" und das Observatorium in Tartu im Rahmen eines von der Europäischen Union geförderten Projekts mit einem Finanzierungsrahmen von 500.000 Euro beteiligt sein. Weitere Partner sind die Universität Aalborg in Dänemark, die schwedische Nanospace AB und auch die deutsche OHB AG aus Bremen.
Dabei steht die Idee im Vordergrund, unter Nutzung der Energie der Sonnenwinde, sich im Weltraum nahezu frei bewegen zu können. Roland Rischer schätzt in seinem Beitrag dass ein solches "E-Segel" über 100 Metalldrähte von etwa 20km Länge verfügen müsste, um in diesem Sinne zu funktionieren.

Roland Rischer: "Drahtlos war einmal" (Raumfahrt.net) / ERR 1.2.2013  / Video von der Presseveranstaltung (Ohtuleht) / Pressemitteilung ARIANESPACE / EstCube Homepage 
Die Projektvorstellung im hochauflösenden Rundumblick / Studentenblog der Uni Tartu

Donnerstag, Juni 28, 2007

"...:the case of Estonia"

Es gibt zu wenige detaillierte Internetquellen, wissenschaftliche Quellen ueber Estland. Gerade fuer die Entscheidungsjahrzehnte der 30er und 40er des letzten Jahrhunderts. Im Google-Cache findet man noch einen Link: Impact of National Socialist Rule: the case of Estonia.
Da nicht klar ist, wie lange diese Arbeit noch zugaenglich sein wird, halte ich den Link einfach in diesem Post fest. Die Literaturauswahl des Artikels von Ruth Buettner (Eriwan) ist ebenfalls ein guter Ausgangspunkt fuer weitere Forschungen. Ein Kommentar in einer Wikipediadiskussion hat mich auf den erwaehnten Artikel aufmerksam gemacht. Aber gerade weil er nur ueber den Cache zu finden ist, wird er nicht als offizieller Link bei Wikipedia aufgenommen.