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Montag, Juli 19, 2021

Glühender Norden

Während in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz andauernder Starkregen Überflutungskatastrophen auslöste, erleben Estinnen und Esten andauernde Hitze und Dürre. Es liest sich schon fast wie die Umkehrung aller Gewohnheiten: während bisher Wolken und Regengebiete eher von West nach Nordost über Deutschland ziehen und dann auch über der Ostsee landen, bleiben sie jetzt kreiselnd über den Mittelgebirgen stecken. In Estland gibt es derweil Trockenheit und Waldbrandgefahr: der staatliche estnische Rettungsdienst (Päästeamet) kündigte striktere Regeln für einzelne Teile des Landes an, die nicht nur bekannte Sicherungsmaßnahmen wie ein Verbot von Lagerfeuern beinhalten, sondern auch das Verbot die Gegend mit Autos zu befahren - denn von Fahrzeugen verursachter Funkenflug soll bereits mehrere Brände ausgelöst haben. (err)

Besonders im Fokus stehen dabei die Regionen von Lääne-Virumaa, Ida-Virumaa, Jõgeva und Järva. Nicht nur Waldgebiete seien betroffen, so ein Behördensprecher, sondern auch Moore und andere Bereiche mit dichter Vegetation. Ausnahmen könne es eventuell für Landbesitzer geben. Der Rettungsdienst hat im Jahr 2021 bereits 626 Brände registriert, 10% davon in den ersten beiden Juliwochen.

Bereits seit Mitte Juni hatte es in Estland Temperaturen von 30-35 Grad gegeben, mit einer Spitze bei 34.6 Grad. Der estnische absolute Hitzerekord liegt bei 35,6 Grad und stammt aus dem Jahr 1992. 

Taimi Paljak zufolge, Metereologin beim estnischen Fernsehen ETV, seien bisher Temperaturen von über 30 Grad in Estland immer nur für einen kurzen Zeitraum von wenigen Tagen zu beoachten gewesen, während davor und danach dann eine Abkühlung auf etwa 20 Grad zu beobachten sei. Jetzt aber sei die Temperatur auch nachts kaum unter 20 Grad gesunken. (err)

Montag, September 10, 2018

Meist trocken und warm

unterwegs am Peipsi-See
Estnische Sommer sind kurz. Mehr Sonne als gewöhnlich gab es 2018, aber auch mehr Badeunfälle. Statistisch war es im Juni, Juli und August dieses Jahr 17.8° C warm, 1.8°mehr als das langjährige Jahresmittel. Es habe aber auch schon ähnlich warme Sommer gegeben, teilte der estnische nationale Wetterdienst mit (ERR).1972 habe es ähnlich hohe Temperaturen gegeben. Allzeit-Rekorde seien nicht gemessen worden. Die höchste Temperatur meldete Tallinn-Harku mit 34.2° am 29.Juli, während am 7.Juni an einigen Meßstationen im Bezirk Lääne-Viru sogar leichte Minustemperaturen auftraten.

In Kunda an der estnischen Nordküste fielen nur 85mm Regen (normal = 220mm). Võru im Südosten dagegen meldete 222mm (normal 249mm), der Ort war damit der feuchteste in ganz Estland. Eintausend Sonnenstunden konnte man auf Saaremaa genießen - 1028,8 Stunden wurden auf bei Roomassaareim Süden der Insel gemessen, damit der sommer-sonnigste Ort Estlands.

"Estland schafft die Sommerzeit ab" - das ist allerdings keine aktuelle Gegenmaßnahme bei zu hohen Temperaturen. Hier geht es um die EU-weite Zeitumstellung im Frühling und Herbst, und die estnische Regierung hat sich bereits für einen Ausstieg aus dieser Regelung ausgesprochen (err). Wie groß der zeitliche Unterschied dann zwischen deutschem und estnischem Sommer sein wird, ist allerdings noch nicht klar. Wer schon bisher Schwierigkeiten beim Ausrechnen der notwendigen Umstellung hatte, kann sich ja mal vorstellen, Deutschland bleibt bei dauernder Sommerzeit, Estland bei Winterzeit. Fährt also ein Bus in Berlin am 1.Juli 18 Uhr los, um welche Uhrzeit in Tallinn käme er dann an?

Alles Gewöhnungssache, wahrscheinlich. Der Spätsommer bringt es auch mit sich, dass die Vogelnester wieder leer sind, und viele Vögel nun nach Süden aufbrechen. Wer dies beobachten möchte, kann dem Zugweg einiger Vögel folgen, die mit einem kleinen Sender ausgestattet worden sind (Birdmap). Na dann: Guten Flug! (nächstes Jahr zur selben Zeit am selben Ort?)

Freitag, Oktober 09, 2015

Nordlichter

Foto: Kalmer Saar/Minupilt.err.ee
Auch Norddeutsche nennen sich ja manchmal selbstbewußt "Nordlichter" - aber was Estland am vergangenen Dienstag an wahren Nordlichtern bzw. Polarlichtern (estn. "Virmalised") aufzubieten hatte, das lohnt den häufigeren Blick zum Himmel.
Ein gewaltiger Sonnensturm habe verursacht, dass es in ganz Estland ähnliche Farbfantasien am Himmel gegeben habe (ERR).

Wer mag da noch behaupten, ein Besuch in Estland lohne sich nur im Sommer?

Die "Naturmaler" des "Looduskalender"
Einige der schönsten Schnappschüsse des Naturphänomens hat auch "Estonian World" zusammengestellt. Wer in Estland vielleicht auf die Idee kommt, die Abendstimmung mit einem kühlen Bierchen zu "veredlen", könnte sich sogar mit "Virmalised-Bier" versorgen.

Oder man macht es wir die Macher des "Looduskalender" (Naturkalender), die zusätzlich zu den Himmelslichtern auch noch mit langzeitbelichteten Fotos experimentieren.