Freitag, März 02, 2007

One Last Slide


One Last Slide
Originally uploaded by jon|k.
Wintervergnügen ohne technische Hilfsmittel. Parkour haben wir bereits vorgestellt, hier eine etwas einfachere Fortbewegung. Anklicken und man landet bei jonIks Aufnahmen aus Estland.
Foto: Blick hinauf zum Domberg in Tallinn

Mittwoch, Februar 28, 2007

Sensation: Wahlen sind ein Mittel der Demokratie

Also, ein wenig lustig ist diese "Weltsensation" schon, oder? Es finden ziemlich zeitgleich Wahlen in Litauen und Estland statt. Nur hat im Falle Litauens (Kommunalwahlen am 25.2.) niemand die Chance, etwas Inhaltliches davon zu erfahren. Wen interessiert's schon. Es schreibt auch niemand etwas drüber.
Und im Falle Estlands? Ebenfalls nicht. Denn Thema ist nur die "Weltsensation".

Vielleicht gibt es gegenwärtig drei Fraktionen des Interesses.

a - die Internet und IT-Jünger. "Estland wählt online" ist da schon genug. Lang und breit und ausführlich. Quer durch die Internetzeitschriften, einer schreibt vom anderen ab.

b - die Internet-Kritiker. Estland wählt per Internet? Igitt, bestimmt irre gefährlich. Keiner der hier Beteiligten darf zugeben, dass er NICHT persönlich als Hacker die estnischen Wahlergebnisse manipulieren könnte.

c - die Anti-Hype-Jäger. Sie schreiben übers online-Voting, um es dann für belanglos und kaum vom Volk genutzt zu erklären.

Eigentlich geht es doch um Macht, Geld, Einfluß, politische Repräsentanten, ihre Wähler und die Entwicklung des Landes, oder? Das interessiert aber gegenwärtig erstmal kaum jemanden.
Unterschiedliche Perspektiven zeigt der Blick in die Presse der vergangenen Tage.

Gleichförmige Schlagzeilen
In einem Punkt kann Estland dieser Tage zufrieden sein: rein Image-mäßig ist ja viel gewonnen, wenn fast alle Medien das Thema "Wahlen in Estland" auf dem Zettel haben. Die Anhänger der "Weltpremieren"-Version finden sich unter anderem beim STANDARD, WELT, FUTUREZONE, MACUP, COMPUTERHILFEN.DE (sic!), BUSINESSPORTAL24, und FOCUS. Tenor: "Estland wählt online". Offensichtlich ist man als Este schon out und nicht mehr nachrichtenwürdig, wenn man NICHT online wählt, oder bei Wahlen sogar andere Ziele im Sinn hat.
Eigene zusätzliche Recherchen betreibt HEISE ONLINE. Hier steht immerhin ausführlich nachzulesen, dass die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) Wahlbeobachter entsendet. Darunter, so Heise, auch Herman Ruddijs von der Firma Sdu Uitgevers aus den Niederlanden, dessen e-Voting-System im Heimatland aufgrund schwerwiegender Sicherheitsbedenken zu den Parlamentswahlen im vergangenen November die Zulassung entzogen worden war.
In der Front der Kritiker zum Beispiel das Portal GULLI.COM. Den Autoren hier erscheint schon verdächtig, dass es in Estland fast nur p
ositive Stimmen zum online-Verfahren gibt. Die Empfehlung der estnischen Behörde zur Nutzung des Microsoft-Internet-Explorers und von ActiveX-Steuerelementen wird hier als deutlicher Hinweis auf eingebaute Sicherheitsprobleme interpretiert.

Estland wählt virtuell: aber was?
Der Hit der vermischten Meldungen fand beim "Life-Radio" in Oberösterreich statt. Diese Meldung ist ein Zitat wert: "Und Estland wählt künftig per Mausklick. das baltische EU Land ist Vorreiter und lässt bei einer Parlamentswahl das erste Mal das Volk per Internet abstimmen. Am Sonntag fand mit der Wahl des Königs des Waldes eine Generalprobe statt - Elch, Hirsch und Wildschwein mussten als Kandidaten herhalten. Für die Online Wahl ist ein Personalausweis nötig, der mit einem Chip versehen ist." Waldtiere mit Personalausweis? Oder was bleibt wohl beim flüchtigen Leser hängen? (Liferadio, 27.2.07)

Stimmen aus dem Nachbarland
Während in der deutschsprachigen Presse offensichtlich der Onlinewahl-Hype umgeht, steht in der Presse des benachbarten Lettland völlig a
nderes. Warum? Vielleicht ist Janis der Durchschnittslette auf das ewig so musterhaft daherkommende nördliche Nachbarland sauer?
"Schwuler als Kandidat" - das war schon im Dezember der in Riga erscheinenden BALTIC TIMES eine Meldung wert. Andi Ravalepik soll er heißen, 27 Jahre alt sein, und auf der Liste der estnischen Sozialdemokraten kandidieren.
"Estnische Parteien verpulvern riesige Summen im Wahlkampf", so neidet die lettische Nachrichtenagentur LETA am 24.Januar daher. Ungefähr eine Million estnische Kronen (EEK) werden demzufolge für jeden Sitz im estnischen Parlament an Parteiwerbung insgesamt ausgegeben. Mit 30 Millionen EEK läge hier die estnische Zentrumspartei in den Ausgaben vorn. Ein Schelm, wer Böses dabei de
nkt, dass laut den letzten Umfragen dieser Partei 30 Parlamentssitze vorausgesagt werden. Wenn es so kommt, ginge die Rechnung auf.
Am 12.2. machte wiederum BALTIC TIMES das geplante "Fernsehduell" zwischen Zentrums-Chef Edgar Savisaar und dem konservativen Ex-Premier Mart Laar zum Thema. Spekulationen, ob wohl eher Geld, oder eher politische Eifersucht dazu führten, dass Mitkonkurrent und Regierungschef Andrus Ansip (Reformpartei) bei der Debatte außen vor bleiben sollte, machen dort die Runde.
DIENA schließlich, Lettlands größte Tageszeitung, entdeckt am 27.2. einige Nebenthemen der estnischen Wahlprognosen. 7% - 12% werden da immerhin den neu formierten estnischen Grünen zugetraut - wenn es so käme, ein neuer Faktor im politischen Ränkespiel.

Online-Wahl: Belanglos?
Eine eher ungewöhnliche Schlagzeile ist beim Schweizer Portal "INSIDE-IT" zu lesen: die Online-Wahlmöglichkeit in Estland sei ein "Randgruppen-Programm", da nur 20.000 - 40.000 von 940.000 Wahlberechtigten die Online-Möglichkeit voraussichtlich nutzen werden.
Nun, wir werden sehen was rauskommt - hoffentlich interessieren sich nach der Wahl genauso viele Medien für die Ergebnisse und die politischen Folgen.
Der Stand der Auszählung ist übrigens HIER zu verfolgen. Anteil der E-Votes bis zum 27.2. (die Wahl läuft ja schon): 2%.
Und übrigens: erwartet wird auch in Estland insgesamt eine sehr niedrige Wahlbeteiligung, nur um die 55%.

Dienstag, Februar 27, 2007

Weltpremiere II


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Originally uploaded by petskratt.
Das war das Medieninteresse 2005. Als die ersten Onlinewahlen stattfanden. Allerdings nicht bei der nationalen Parlamentswahl, damals standen die Kommunalwahlen an. Tänan, petskratt, der diese (historischen) Aufnahmen gerade bei flickr hochgeladen hat.

Es werden nicht alle wissen, in Estland ist das Lesegerät und der Chip im Personalausweis neben der Möglichkeit zur Wahl auch die Voraussetzung, die Steuererklärung durchs Internet zu schicken. Zusätzlich lassen sich Behördengänge vermeiden. Es gibt Onlineformulare.
Siehe Artikel im Tecchannel, und die kurioseste Randerscheinung:
Eine Besonderheit hat die Online-Demokratie: Wer seine Meinung ändert, kann sein virtuelles Stimmkreuz noch bis zur Schließung der Wahllokale revidieren.

Das hiesse: maximal eine Woche lang.

Update 8. März: Peeter Marvet beschreibt in einem Podcast, wie eine angebliche kritische Beurteilung des E-Votings aus den USA, ihren Weg und Verbreitung im Internet gefunden hat. Hier das Video inklusive Interview.

Sonntag, Februar 25, 2007

Weltpremiere

Ab Morgen dürfen die Stimmberechtigten in Estland zur Online-Wahl schreiten. Neu ist, dass dies jetzt auch bei den nationalen Parlamentswahlen möglich ist. Die erste ernsthafte Testrunde waren die Kommunalwahlen. Estland wird damit für ein paar Tage wieder in den Schlagzeilen auftauchen. Da die Entscheidung für die Möglichkeit zum E-Voting Vorbildcharakter besitzt und immer noch eine neue Technik auf bisher weitgehend unbekanntem Terrain bedeutet, lassen die Esten die Wahlen von der OSCE beobachten:
Following an invitation from the Estonian government, the ODIHR has deployed an election assessment mission ahead of parliamentary elections scheduled for the 4 March 2007.
The mission, led by Mirjana Lazarova Trajkovska (Former Yugoslav Republic of Macedonia), will include 13 election experts and staff.

Ausserdem gabe es eine ungewöhnliche Vorpremiere (Computerwoche):
Um das "E-Voting" zu testen, nahmen etwa 4.000 Bürger Anfang dieser Woche an einer virtuellen Wahl des "Königs des Waldes" teil. Von zehn Tieren, darunter Keiler, Elch und Hirsch kürten die Esten einen zum König. Die Generalprobe hat nach Angabe der estnischen Regierung auch in unterschiedlichen Szenarien reibungslos funktioniert.

Donnerstag, Februar 22, 2007

Unabhängigkeitstag 24. Februar


Kaitseliit - Estonia
Originally uploaded by Jens-Olaf.
An diesem Tag wurde 1918 die Unabhängigkeit Estlands ausgerufen. In einem Zeitfenster von einem Tag:
"Einen Tag nach Bildung der Provisorischen Regierung, am 25. Februar 1918, marschierten deutsche Truppen in Tallinn ein. Die estnische Regierung ging in den Untergrund. Regierungschef Konstantin Päts wurde bis zum 11. November 1918, dem Zusammenbruch des Deutschen Kaiserreichs, von den deutschen Behörden in einem Internierungslager gefangengehalten."

Wikipedia
Konstantin Päts hatte Jahrzehnte lang den größten Einfluss auf die estnische Politik. Seit 1934 regierte er autokratisch das Land - dazu aber eigener Beitrag - Sein Ende:
Nach der Besetzung Estlands durch die Sowjetunion wurde Päts durch die Sowjets gefangengesetzt und deportiert. Päts starb 1956 in einer psychiatrischen Klinik in Burashevo im russischen Oblast Kalinin (heutiger und vorsowjetischer Name: Twer).

ebenfalls Wikipedia.
Das alles ist bekannt. Aber was nachträglich nachdenklich stimmt, wie weltfremd auf die Krise 1939 reagiert wurde, das zeigen die Schilderungen des estnischen Präsidenten Lennart Meri (1999. Ein Leben für Estland, Andreas Oplatka), es dreht sich um einen Dokumentarfilm, an den sich Meri erinnert.
"Der Präsident [Päts] wandte sich mit einem Aufruf an die Großmächte. Der Kommentar des Dokumentarfilms lautete etwa so: Da Päts des Englischen und des Französischen nicht mächtig war, Deutsch und Russisch aber nicht sprechen wollte, bediente er sich eines etwas schwerfälligen Lateins. Tatsächlich sah man das Staatsoberhaupt, wie er auf seinem Sessel thronte und von seinem Blatt Papier einen lateinischen Aufruf ablas, der sich an die internationale Öffentlichkeit hätte richten sollen."


Foto oben, Kaitseliit, eine Freiwilligenformation 1992, die später in die nationalen Streitkräfte eingegliedert wurde.

Dienstag, Februar 20, 2007

Estland bei SPON

Spon ist die Abkürzung für Spiegel-Online in der Blogosphäre. Nicht wenige Blogs beschäftigen sich zu großen Teilen mit den Nachrichten dieser Seite, jetzt auch wir, und zwar deswegen:
Die Esten gelten in Europa als zurückhaltend - und das wohl völlig zu Recht. "Normaal" ist der gängige Ausdruck höchsten Entzückens und über die Lebhaftigkeit eines Esten erzählen sie sich gegenseitig Witze: "Ist er tot? Nein, Este!".

Freitag, Februar 16, 2007

Neues Sprachengesetz


Selvehall Tartu 1992
Originally uploaded by Jens-Olaf.
Die Minderheitensprache Russisch ist defacto und dejure aufgewertet worden. Die wichtigsten Neuerungen:
"They also allow for the minority language to be used on public signs, in announcements and advertisements, provided Estonian text stands first."
Also zurück zum Zustand wie 1992 in diesem Photo. Ein Supermarkt in Tartu. Damals noch mit einer dieser grausamen Schwenktüren, die oft mit einem Krach durch eine Feder gezogen wieder in die Ausgangsposition zurückfielen. Überall gab es diese Türen. Irgendwann dachte ich, wenn dieses Geräusch verschwindet samt diesem erbarmunsglosen Schließmechanismus, dann hat es Estland geschafft. Offensichtlich liegen aber noch andere Probleme auf dem Weg, siehe oben.

Montag, Februar 12, 2007

Der estnische Aussenminister zum Denkmalstreit

Jetzt wird wohl die nächste Runde in der Auseinandersetzung um den "Bronzenen Soldaten" in Tallinn eröffnet. Mit deutlichen Worten hat der estnische Aussenminister die eigene Haltung zum Denkmalstreit beschrieben.
Giustino hat bereits darüber gepostet, hier.

Update 15.01.:
Estonian lawmakers on Thursday approved a bill calling for the removal of a Soviet war memorial, ignoring Moscow's warning of "irreversible consequences" for relations between the two countries.
The vote was close, 46-44. Eleven of Parliament's 101 members abstained.

Associated Press, Kansas.com
Update 16.01.:
Präsident Ilves hält das Gesetz nicht für verfassungskonform und er hat das letzte Wort. Nach der Parlamentsabstimmung hat er nur wenige Stunden für diese Entscheidung gebraucht. Das war's erst einmal. Vorläufig (?)

Lesetipp:
Vilhelm Konnander aus Schweden versucht die Hintergründe des Streits um das Denkmal auszuleuchten: Die kommenden Parlamentswahlen in Estland, die politischen Verstrickungen, die Rolle Edgar Savisaars und die Wirtschaftsverflechtungen.
Battle by Bronze Proxy

Sonntag, Februar 11, 2007

Alpiner Skisport in Estland?


DSCN2605
Originally uploaded by Veljo.
Mit dem höchsten Berg des Landes kaum über 300m. Hier der Beweis, Kuutsemäe in Valgamaa. Es gibt sogar einen Lift, sogar nicht der einzige in Südost-Estland. Und tatsächlich: jetzt ist Winter.

Samstag, Februar 10, 2007

30.000 Esten leben im Ausland

Das estnische Aussenministerium gab kürzlich eine neue Statistik heraus über im Ausland lebende Estinnen und Esten (Estonian Review/Eesti Ringvaade Nr.17, 5.1.2007).
Demnach leben momentan 29.765 estnische Bürgerinnen und Bürger im Ausland. Gegenüber den Zahlen vom Vorjahr (2006 = 17.752) war ein starker Anstieg festzustellen, der vor allem damit erklärt wurde, dass 8.500 Esten, die bereits vorher als ständig in Finnland lebend registriert waren, nun in diese Statistik aufgenommen wurden.

Somit sind es nun - nach Ländern geordnet (Zahlen von 2006 in Klammern)
- in Lettland 447
- in Großbritannien 606
- in Australien 618
- in den USA 1.396
- in Deutschland 1.426
- in Kanada 1.598
- in Schweden 2.403 (2.354)
- in Russland 3.213 (2.937)
- in Finnland 16.535 (5.087)

Freitag, Februar 09, 2007

Laulev revolutioon


Laulupidu 2004
Originally uploaded by jurvetson.
Die Berlinale hat begonnen, Filme aus dem Baltikum werden auch wieder dabei sein. Die Aufmerksamkeit in Estland gilt aber der Premiere des langjährigen Dokumentarfilm-Projekts "Die Singende Revolution". Ein Film über Jahre von 1987 an, als sich die Esten auf dem Sängerfeld in der Hauptstadt Tallinn trafen, immer wieder, gipfelnd in dem Höhepunkt 1988 als etwa 300 000 zusammenkamen. Der Anfang vom Ende der Sowjetunion.
Die Dokumentarfilmer haben auch bislang unbekanntes Material benutzt. Bei Youtube sind einige Ausschnitte zu sehen. Zum Beispiel als Rüütel und Gorbatschow zusammentreffen. Die Körpersprache der beiden sagt alles über das zerrüttete Verhältnis aus. Dabei ist Rüütel eher ein Technokrat, der Politik auch als späterer Präsident fast unauffällig betrieben hat.
The Baltic Times am 7. Februar über die ersten Reaktionen:

The result of their work is the 90-minute English-language documentary, simply titled “The Singing Revolution,” which opened for general release in Estonian cinemas last month.
It premiered at last year’s Black Nights Film Festival, where a packed cinema stood for a full 15 minutes to give a rousing standing ovation that moved the Tustys to tears.
Tears seem to flow wherever the film is screened - the emotion of the music and the story spark a reaction amongst Estonians and foreigners alike.

Hier die offizielle Webseite.
Die Frage ist, ob der Film jemals in Deutschland vertrieben wird. Soweit man die Meinungen darüber verfolgt, ist eher Skepsis angesagt.

Donnerstag, Februar 08, 2007

ORP Orzeł (1939)


Ein Stück darüber, wie man seine Unabhängigkeit als kleiner Staat innerhalb Europas verliert. Orzeł ein polnisches U-Boot, gelandet in Tallinn 1939, gejagt von der Sowjetmarine und der deutschen Kriegsmarine, sowie estnischen Einheiten. Später muss sich das U-Boot auch noch vor dänischer und schwedischer Marine hüten, bis es auf der dramatischen Flucht die Seite der Alliierten erreicht.
Endlich ist das filmreife aber wahre Geschehen auf den deutschen Wikipediaseiten gelandet. Ein weiteres Lehrstück darüber, warum man mit einfachen Geschichtsbetrachtungen rund um die Ostsee über die Jahre 1939-1945 kein Stück weiterkommt.
ORP Orzeł (1939), ein Wikipediaartikel. Auf der Diskussionsseite des Artikels ist zu erfahren, dass noch weitere Informationen in Zukunft hinzugefügt werden sollen.

EU-Reisefreiheit komplett

Eine Lücke in den Vereinbarungen zwischen den "alten" und den "neuen" EU-Mitgliedsstaaten ist kürzlich beseitigt worden - die eigentlich garantierte Reisefreiheit galt bisher nicht für alle Einwohner Estlands.
Nun gibt es aber eine Regelung bezüglich derjenigen Staatsbürger, für die unterschiedliche Bezeichnungen verwendet werden, je nach Perspektive und Interessenlage: russische Minderheit, russischsprachige Bürger/innen, "Nicht-Staatsbürger" (weil sie einen anderen Paß haben als diejenigen, die im Besitz einer vollen estnischen Staatsbürgerschaft sind).

Ich zitiere den Text dazu, wie er momentan auf der Webseite der Deutschen Botschaft in Tallinn publiziert ist:

Seit dem 19.01.2007 benötigen Personen mit ungeklärter Staatsangehörigkeit, die Inhaber eines estnischen Reisedokuments für Ausländer (sog. Grauer Pass) und einer estnischen Aufenthaltserlaubnis sind, für die Einreise und den Aufenthalt in Deutschland von bis zu 90 Tagen pro Halbjahr ohne Aufnahme einer Erwerbstätigkeit kein Visum mehr.

Grundlage hierfür ist die Änderung der VO (EG) Nr. 539/2001 durch die VO (EG) Nr. 1932/2006 vom 21.12.2006.

Auf Verlangen muss den deutschen Grenzschutzbehörden ein gültiger Krankenversicherungsschutz und der Besitz ausreichender finanzieller Mittel zur Bestreitung des Lebensunterhaltes während des Aufenthaltes in Deutschland nachgewiesen werden können.

Für längerfristige Aufenthalte (z.B. Arbeit, Familienzusammenführung, Studium, Au-Pair etc.) oder bei Aufnahme einer Erwerbstätigkeit ist nach wie vor ein nationales Visum erforderlich.

Mittwoch, Februar 07, 2007

Rußland und das Denkmal 2. Teil

Hier noch drei Weblinks, die Informationen enthalten, die man beim Streit um den sowjetischen "Bronzenen Soldaten" berücksichtigen sollte.

Einmal geht es um die beiden Mädchen, die 1946 einen Anschlag auf das Vorgängerdenkmal aus Holz verübt hatten.
Oliver in einem Kommentar bei Giustino:
Well... yes, the plates on the monument say “to those who died in World War II” (that is of course since year 2000 – before that, it was something about Red Army and Great Patriotic War...)
Oh and its original predecessor (made of wood) was dedicated to the “great victory” and “liberation” of Tallinn… It was blown up in 1946 by two Estonian schoolgirls (15-year-old Ageeda Paavel and 14-year-old Aili Jõgi [Jürgenson]) who received the maximum sentence and were sent to prison camp in Siberia...
And even today the Russian Ministry of Foreign Affairs calls it the “statue of the soldier-liberator”.

Dazu gibt es im Internet fast nur estnischsprachige Quellen.

Ausserdem ein weiterführender Link zu Kloty's Kommentar im ersten Teil (siehe auch Klotys Post: Die Geschichte vom Bronzenen Soldaten und viele andere):
"Es wurden aber bereits schon in den 70ern Jahren bei Bauarbeiten Saerge gefunden. Man weiss sogar wer dort beerdigt ist".
Wenn das alles so einfach zu beantworten wäre: Common grave for and a memorial to Red Army soldiers on Tõnismägi, Tallinn

Ansonsten schließe ich mich in einem Punkt Klotys Meinung an. Dieses Thema kurz vor den Wahlen durch das Parlament zu bringen und in neue Gesetze zu formen ist schlechte Politik. Der Präsident Hendrik Ilves hat das in einer seiner jüngsten Reden herausgestrichen. Eine der entscheidenen Abschnitte:
We remember our victories. Be it the War of Independence, or the Tartu Peace Treaty, or the re-establishment of independence upon the ruins of the Soviet Union. Every people and nation must remember and commemorate its victories.

How to relate, though, to the victories of other peoples? Especially if one of these peoples lives here in Estonia with us and in a situation where their victory is not at the same time, ours? Moreover, how to treat their victories, when their celebration in fact turns into a celebration of our losses?

The destruction of Nazism—a victory for all of Europe—deserves to be celebrated. Half of Europe, however, was subsequently bent for decades under Moscow’s rule. This meant loss and suffering for Estonia. In the beginning killings, arrests and mass deportations, later persecution, russification, intimidation, and destruction of the spirit.

History can be multi-colored. For Russia and also for many Russian-speakers in Estonia, the Second World War means the Great Patriotic war that took place in the years 1941-1945, when the Nazis attacked the Soviet Union and were defeated.

For Estonia, as well for Latvia, Lithuania, and Poland, the Second World War began two years earlier, on August 23, 1939, when two allies, Stalin and Hitler, divided Europe into their spheres of influence. This was followed by the agreement on the stationing of Soviet military bases, the overthrow of the government, loss of one’s state, and various occupations.

Donnerstag, Februar 01, 2007

Old And New


Old And New
Originally uploaded by Fighting Tiger.
"Fighting Tiger" war für zwei Tage Ende Januar in Estland. Der Beweis: Es ist Winter. Aber auch für die Nostalgie-Reisenden ein Hinweis. Die Silhouette von Tallinn hat sich geändert. Im Hintergrund das neue Hochhausviertel und davon nur ein Ausschnitt. Damit beschreitet Tallinn einen architektonischen Weg, den bislang Oslo, Stockholm, Kopenhagen und Helsinki nicht eingeschlagen haben. Und Riga auch nicht.

Das Ende der Geheimnistuerei?

Die Baltic Times fasst die Ergebnisse schwedischer Wissenschaftler, die die technischen Faktoren des Untergangs der Estonia (1994) nochmal durchgerechnet haben, in einem aktuellen Artikel zusammen. Der offizielle Untersuchungsbericht, umstritten seit vielen Jahren, scheint gravierende Fehler zu besitzen:
...the Swedish government announced it would lift an embargo on film footage taken at the site of the wreck. Meanwhile, preliminary research by Swedish scientists has been released, casting new light on why the ferry sank so quickly on the night of Sept. 28, 1994
Bisher für die Öffentlichkeit unzugängliche Dokumente, wie die Videoaufnahmen vom Rumpf der Fähre am Boden der Ostsee, werden einsehbar. Auch werden die damals beauftragten Taucher von ihrem Schweigegelübde entbunden. Sie durften sich 12 Jahre lang nicht über ihre Beobachtungen äussern.

Dienstag, Januar 30, 2007

Estland und Finnland, Schrecken der europäischen Fußballszene

Die Wahl Michel Platinis zum neuen Chef der UEFA hat in der europäischen Fußballszene wohl einiges durcheinander gebracht. Offenbar identifizieren viele Sportjounalisten und Möchtegern-Experten den Wahlsieg Platinis mit einer überproportionalen Gewichtung kleinerer Länder.

Neuestes Zeichen für ein derartiges Stimmungsbild ist ein Beitrag auf www.goal.com, der sich schreckliche Folgen für die Fußball-Europameisterschaft 2012 ausmalt. Interessant dabei, was für einen Teil der Fußballwelt offensichtlich als "größter anzunehmender Schrecken" gleichgesetzt wird: ein EM-Endspiel zwischen Estland und Finnland.

Solche Folgen drohen angeblich am Horizont der Fußballwelt, wenn in Zukunft 24 statt 16 Mannschaften an der EM teilnehmen sollten. Im Begründungs- zusammenhang finden sich Sätze wie diesen: "Nicht umsonst haben Finnland, Wales oder auch Estland bislang an noch keiner Europameister- schaftsendrunde teilgenommen – der sportlichen Auslese sei Dank."

Was geht da in den Köpfen vor? Spuken da die Show-Rocker von LORDI in selbstverliebten Fußballhirnen? Auch bei der Eurovision wird von deutscher Seite oft auf die angeblichen Folgen der Erweiterung des Teilnehmerfeldes verwiesen ("die betreiben da alle Nachbarschaftshilfe und wählen sich gegenseitig"). Andererseits wird doch so oft auf den Austragungsmodus des deutschen Fußballpokalwettbewerbs verwiesen, der eben "seine eigenen Gesetze" habe. Vielleicht hätte ja auch Russland ähnliche Bedenken, denn die WM-Qualifikation gegen Estland war 2005 ja eher ein schwerer Stolperstein (siehe Bericht des Deutsch-Estnischen Forums).

Nun, Leute, bekennt euch: Wer hat noch (sportliche) Angst vor Estland?

Samstag, Januar 27, 2007

Erinnerungskulturen VII Die Estlandschweden


Fast täglich finden sich jetzt russische Agenturberichte zum neuen Denkmalgesetz in Estland. Das Ganze verschärft durch die Debatte um ein weiteres Gesetzvorhaben in Tallinn, das auch die Benutzung von Nazi - und Sowjetsymbolen betrifft.
russland.RU:
"Nur das Engagement der gesunden Kräfte der estnischen Gesellschaft", so wird in der Erklärung unterstrichen, "kann das unwürdige Schauspiel um die Massengräber und das Mahnmal für die Befreier Tallinns von den deutschen Faschisten ein Ende bereiten."
... und weiter
Jedem vernünftig denkenden Menschen ist klar, dass der Krieg gegen Soldaten, die vor einem halben Jahrhundert ihr Leben für Eure Hauptstadt geopfert haben, der estnischen Gesellschaft keine Eintracht bringt", so der Appell.

Itar-Tass:
BRUSSELS, January 27 (Itar-Tass) -- The actions of the Estonian authorities around the monument to the Liberator Soldier have triggered strong protests of the European veterans of the Resistance Movement, Michel Vanderborgt, President of the International Federation of Members of the Resistance Movement (FIR), told Itar-Tass.
“When I heard about the resolution adopted by the Estonian parliament, I though it was just impossible,” he said. According to his information, FIR receives dozens of phone calls every day both from war veterans and from the ordinary people, who are indignant over the actions leading to the support for neo-fascism.

Darauf läuft es hinaus. Sollte das Monument der "Bronzene Soldat" aus dem Stadtkern Tallinns an eine andere Stelle, eventuell Friedhof verlegt werden, so erleben wir angeblich das Erstarken des "Neo-Faschismus".
Wer in einer politischen Debatte über "gesunde" Menschen redet oder schreibt, sollte sich an die eigene Nase fassen. Also weiter in der Reihe Erinnerungskulturen. Menschen, die vom Sowjetsystem nicht befreit wurden, sondern gleich als Minderheitengruppe ganz verwschwunden sind. Ausgelöscht als Kultur: die Estlandschweden. Ihr Fehler: sie lebten an der Küste. Und weil Hitler und Stalin sich Europa teilten, waren sie gleich an der Reihe. Denn die Sowjetunion verlangte Militärstützpunkte an Estlands Küste 1939/1940. Schlecht für die Fischer, denn Militärbasen sind Sperrgebiete. Also Entzug der Lebensgrundlagen. Sie wurden "evakuiert", aber ohne entsprechende Kompensation. 1940 hatten tausende Schweden Ausreiseanträge gestellt "aber nur 110 Einwohner von Rogö erhielten die Möglichkeit nach Schweden überzusiedeln." (Herbert Petersen, Die Estlandschweden und ihre Umsiedlung ins schwedische Mutterland während des Zweiten Weltkrieges). Beim deutschen Einmarsch im Sommer 1941 hielten sich Sowjetverbände besonders lange in der Küstenregion. Wer wurde dabei gleich miteingezogen von der Roten Armee? Natürlich die Estlandschweden. Und da man schon beim Aufräumen und sortieren war, wurden gleich wichtige Repräsentanten der Estlandschweden beseitigt, ermordet oder sonstwie "entfernt". Zum Beispiel der Chef des schwedischen Schulbüros im estnischen Kulturministerium oder der Volksgruppensekretär Nils Blees. Seit diesen Vorgängen waren die schwedischen Behörden westlich der Ostsee alamiert. Während der deutschen Besetzung wurden Pläne für die Umsiedlung erarbeitet. 1943 wurde deutlich, dass die Front zurückweichen würde und es zu einer Wiederbesetzung durch die Sowjetunion kommen könnte. Zum Teil chaotisch liefen die letzten Flüchtlingstransporte über die Ostsee in überfüllten Booten und Schiffen ab. Wissenschaftlich formuliert (H.Petersen): "Neben diesen "legalen" Transporten waren in den Jahren 1943 und 1944 etwa 2800 Estlandschweden in Schweden eingetroffen, die auf eigene Faust via Finnland oder direkt über die Ostsee mit eigenen, größeren oder kleineren Fischereibooten unter zuweilen sehr schwierigen und mißlich Verhältnissen geflohen waren".
Damit war die mehrhundertjährige Geschichte der "Küstenschweden" in Estland zu Ende.
Oben das Wappen von Noarootsi, aus Wikipedia.

Mittwoch, Januar 24, 2007

Ein bisschen Winter


Cafe
Originally uploaded by cyberdees.
Von 'cyberdees' stammt diese Aufnahme, Rathausplatz Tallinn. Erkennbar das alte Rathaus im Fenster des Cafe Kehrwieder. Und ein wenig Schnee am Wochenende. Wetteronline sagt bis -15°C Tiefsttemperatur am Donnerstag vorher. Da kann noch was kommen.

Hier die Eisentwicklung auf der Ostsee, vom 22.01.2007 im Vergleich zum Durchschnitts-Zustand in Normaljahren.

Freitag, Januar 19, 2007

Die Schachwelt hat Paul Keres nicht vergessen

André Schulz hat auf CHESSBASE NEWS einen sehr schönen Beitrag über den estnischen Schach-Heroen Paul Keres veröffentlicht. Seine Einleitung: "am 5. Juni 1975 starb Paul Keres auf dem Rückweg von einem Turnier, das er in Vancouver gespielt hatte, an einem Herzanfall. Fast vier Jahrzehnte gehörte Keres zu den besten Spielern der Welt. Er gewann zahlreiche Turniere, nur den Weltmeistertitel konnte er nie erringen. Hatte der KGB den Großmeister aus dem okkupierten Estland, der in seiner Heimat als Nationalheld verehrt wird, gezwungen, Botvinnik den Vortritt zu lassen?"

Das interessante an dem Beitrag sind vor allem die vielen historischen Fotos. Eine Reihe von Details aus dem Leben des "unglücklichen Mannes aus einem unglücklichen Land" (Keres über Keres, und zur Situation von Sowjet-Estland) werden hier gezeigt: unter anderem war Keres auch ein erfolgreicher Tennisspieler. Er habe aber seine Turniere meist ohne Berater gespielt, und daher häufig auch die falsche Taktik gewählt, erklärt Schulz anschaulich. Keres war eben ein Liebhaber des "Angriffsschachs". Aber: er sei der einzige Schachspieler der Welt, so André Schulz, dessen Bild eine Banknote ziere.
Also: diese schöne Webseite sei allen Estland- und Schachfreunden empfohlen!


Russland und das Denkmal

Der Denkmalstreit zwischen Estland und Russland geht weiter und spitzt sich zu. Im Kern geht es um die mögliche Umsetzung eines bronzenen Soldaten im Zentrum Tallinns. In der englischsprachigen Blogosphäre sind einige aktuelle ausführliche Beiträge dazu veröffentlicht worden. Hier eine kleine Liste:
Edward Lucas kritisiert die Art und Weise, wie die Parlamentarier in Estland mit diesem Thema umgehen (Im März sind Wahlen):
Conflicting views of soviet history

Giustino über den Unwillen in Russland, die sowjetischen Geschichtsbetrachtungen zu ändern:
The War on Estonian Manhood

Peteris Cedrins fügt dem Ganzen die lettischen Verhältnisse beim Denkmalstreit hinzu:
Some Musings on Monuments

Mittwoch, Januar 17, 2007

Larko - ein Blogger

Larkos Blogtreiben erinnert daran, dass rund um die Ostsee vor dem Weltkrieg die Vielsprachigkeit üblich war. Praktiziert im Alltag mit mehreren Sprachen gleichzeitig. Und nicht, wie etwa heutzutage, wo das beherrschen einer zweiten Fremdsprache der Idealfall ist. Larko hat also einen estnischen Blog, einen schwedischen, einen englischen und einen finnischen.
Der englische wird wohl den meisten zugänglich sein, und dort postet er auch häufig über deutsche Themen. Warum? Weil er auch Deutsch versteht und auch in dieser Sprache kommentieren kann. Sein Lebensmotto:
Beer is food ...and I do not need a diet!
Der englischsprachige Blog:
More shameless remarks by Larko
Der estnische Blog:
Larko lobiseb (peegel)

Freitag, Januar 12, 2007

Erinnerungskulturen VI Die Ingrier


Die Kontroverse geht weiter. Das Gesetz für das Verbot von Sowjet und- Nazisymbolen und die Möglichkeit der Beseitigung umstrittener sowjetischer Denkmäler ist durch, mit der Bestätigung des estnischen Präsidenten. Um nicht in alte Argumentationsmuster zurückzufallen dient die Reihe Erinnerungskulturen. Über Minderheiten und Nationen, die nicht "befreit" wurden und deshalb auch nichts zu feiern haben. Es folgt das Schicksal einer finno-ugrischen Minderheit der Sowjetunion und heute in Russland. Das heisst, solange es noch einige Zurückgebliebene gibt, vor allem in Ingermanland (aus Wikipedia):
Ingermanland (finn. Inkeri, schw. Ingermanland) ist eine historische Landschaft im nordwestlichen Russland rund um das heutige Sankt Petersburg. Sie wird im Westen vom Fluss Narva, im Südwesten vom Peipussee begrenzt. Die historische Grenze zu Karelien bildete die Sestra (finnisch Rajajoki, "Grenzfluss"), (schwedisch Systerbäck, "Schwesterbach").

...
Während des Zweiten Weltkriegs flohen die meisten Ingrier, Woten und Finnen nach Finnland, mussten aber auf Geheiß Stalins zurückkehren. Sie wurden daraufhin nach Sibirien deportiert.
Auch die nationalsozialistische Führung wollte dem Ingermanland ihren Stempel aufdrücken. Gemäß der nationalsozialistischen Germanisierungspolitik sah der Generalplan Ost vor, das Ingermanland mit Deutschen zu besiedeln. Große Teile der ursprünglichen Einwohner sollten ermordet oder vertrieben werden.
Heute stehen Kultur und Sprache der Ingrier, und insbesondere der Woten und Ischoren, vor dem Aussterben.

So ist das, wennn man keine mächtige Lobby hat.
Das hatte aber bereits ein Vorspiel in der Zeit vor dem 2. Weltkrieg. Die Zukunftsperspektive für die Ingrier war düster:
The violence began in 1928 with compulsory collectivization. Around 18,000 people were deported from Northern Ingria to East Karelia, Central Asia and elsewhere in order to frighten others into accepting collective farms. A further 7,000 were deported to the Urals and to the coast of the Caspian Sea in 1935, and 20,000 to Siberia and Central Asia in 1936. Four parishes of Northern Ingria were totally emptied of Finns, which was a probable factor in the tension that led to the Finnish-Russian war. All churches and religious societies were closed by 1932 and all Ingrian cultural and social activities were brought to a halt by 1937. The national district of Kuivaisi (Toksova) was liquidated in 1939. By 1929, at least 13,000 Finns had been killed and 37,000 were suffering in Russia.

Das sind die Zahlen für ein Minivölkchen. Die Nachkriegszeit lasse ich aus, sie ist hier nachzulesen, wie der übrige enlischsprachige Text, aber wichtig ist, dass Finnland und Estland zu den Hauptauswanderungszielen wurden:
The historical guilt the Finnish society feels for expelling these people to the Soviet Union may be one reason for the decision to accept the Ingrians as returnees in Finland. At a press briefing, he said that the Ingrian Finns living in the former Soviet Union could be regarded as Finnish returnees. The term returnee means that these people could move to Finland easily by showing that they had Finnish ancestors. The words of Koivisto had a huge impact on the Finns in ex-Soviet Union who started to move to Finland in great numbers. About 30,000 people have already moved to Finland thanks to Koivisto's statement, and another 20,000 are waiting in Russia and Estonia. Nobody knows for sure how many can come in the end.

Montag, Januar 08, 2007

Schnee? Wozu brauchen wir Schnee?

Ein winterliches Sportereignis - in der Halle
Markus Wilke, Tobias Wicke, Flo Marfaing - Kenner wissen mit diesen Namen etwas anzufangen. Vom 12. - 14.Januar 2007 trifft sich in Tallinn die Skateboard- und BMX-Szene zum "Winter Bash 2007", und die besagten Namen seien die "Highlights" aus deutscher Sicht, so schreiben es deutschsprachige Sportnews-Portale (1asport).

"Schau mal rein, und Du wirst etwas sehen, was Dein Herz schneller schlagen läßt!" So wirbt Nolla.net für das Event. 12.000 Zuschauer aus ganz Europa werden in der Saku Suurhall erwartet, 130 Fahrer aus 24 Ländern (Liste der Teilnehmer). Immerhin sind Preise im Wert von 13.500 Euro ausgeschrieben (Programm).
Und wer dem sportlichen Wettbewerb nichts abgewinnen kann, der wird sich wahrscheinlich auf einer oder mehreren der angekündigten "zahlreichen Parties" vergnügen. Auch ein Skate-Filmfestival ist angekündigt. Ein paar "cooole Typen" werden dort sicher vorbeiflanieren ...

Weitere Infos gibt es hier





(Die Fotos sind den Veranstalterinfos entnommen)

P.S.: Ein Satz aus der Selbstdarstellung der Veranstalt
er: "Estland ist ein Land in Nord-Ost-Europa und eines der drei baltischen Staaten. Die meisten Leute sehen Estland genauso gut als Teil von Skandinavien an."

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Partyvergnügen
So, und was bei dieser Info vielleicht a
uch noch interessant ist, das ist die "Rangliste" der "Winter-Bash"-Veranstalter zu den besten Klubs in Tallinn.

Hier ist sie:

BONBON, mere pst 6e, geöffnet von 23.00 - 05.00 Uhr


CLUB HOLLYWOOD, Vana Posti 8, geöffnet ab 22.00 Uhr, Werbespruch "Definitiv der Ort, wo die Party in Estland erfunden wurde ..."

Privé, Harju st. 6, Sucht seine Gäste per Gesichtskontrolle an der Tür aus, für "beautiful and open minded people" ...

Club Von Krahl, Rataskaevu 10, inklusive Von-Krahl-Theater,

Rockcafe, Tartu mnt. 80D - Zelluloosi Keskus. Oft Live-Bands, unterschiedliche Öffnungszeiten.

So, und nun kommt ihr: Any comments? Empfehlungen, Erfahrungen?

Donnerstag, Januar 04, 2007

Internetwahlen - nächster Schritt

Wie vorhergesagt werden die Möglichkeiten zur Internetwahl in Estland ausgebaut. Als nächstes sind die Parlamentswahlen im März dran. Und hier soll sogar die OSCE mitbeobachten. Weil hier das erste Mal auf nationaler Ebene Wahlstimmen per Computer abgegeben werden können. Aber die neue Technik wird Zeit benötigen, sich in der Breite durchzusetzen. Hier ist einer der Hauptgründe:
At least part of the problem is practical. Though Estonia has issued more than one million of the necessary ID cards to its 1.3 million citizens, relatively few of the nation's computer users, around 30,000 by one estimate, have installed the smart card readers that take them.

Nicht jeder hat sich den notwendigen Kartenleser (für seine ID-Karte) angeschafft. Erst 30.000 besitzen diese. Also wird auch diesmal mit keinem großen Durchbruch der Internetwahl zu rechnen sein. Aber prinzipiell steht diese Variante jedem zur Verfügung.
Quelle: Euobserver.