Eesti on fire - staatlich organisiert
Also: öffentlich-rechtliche Medien kennen wir schon, darüber hinaus sind also Energieversorgung, Glücksspiel, und Immobilien staatlich. Zum Thema Energie wird das estnische Finanzministerium mit folgender Aussage zitiert: „Eine der wichtigsten Garantien für den Wohlstand Estlands ist der Energiesektor. Der Staat hält eine Beteiligung an der Eesti Energia AS, um eine Energieversorgung sicherzustellen, die die Nachhaltigkeit der Wirtschaft fördert und mit den energie- und klimapolitischen Zielen der Europäischen Union im Einklang steht. Der Inhaber der staatlichen Beteiligung sieht weiterhin die Notwendigkeit, die Beteiligung an der Eesti Energia AS zu behalten“ (ERR) -
Also: in Estland ist Energieversorgung zu 100% staatlich, mehrere Tausend Beschäftigte arbeiten für den Staatskonzern. Auch "Eesti Põlevkivi", Betreiber von Ölschieferabbau, gehört dazu. Im Juni 2009 wurde die "AS Eesti Põlevkivi" in die Aktiengesellschaft "Eesti Energia Kaevandused" umbenannt und im Juni 2016 in die Aktiengesellschaft "Enefit Kaevandused". Im Jahr 2021 fusionierte "Enefit Kaevandused" mit dem Unternehmen "Enefit Power". (aripaev)
Ein Lieblings-Arbeitsplatz
Was hat die Energieerzeugung mit dem Flughafen Tallinn zu tun? Den Ergebnissen einer vom Institut "Kantar Emor" 2025 durchgeführten Umfrage zufolge, ist der Lennet-Meri-Flughafen Tallinn (AS Tallinna Lennujaam) der begehrteste Arbeitgeber in Estland. Im Vergleich zum Vorjahr stieg das Unternehmen auf den ersten Platz auf und überholte damit den bisherigen Spitzenreiter Enefit (Eesti Energia). Die Umfrage ergab, dass 49 Prozent der Arbeitnehmer eine Tätigkeit am Flughafen in Betracht ziehen würden, wobei sie die Vielfalt der Aufgaben und das interessante Arbeitsumfeld hervorhoben. (majandus / Emor) Da ist es interessant zu wissen, dass auch der Flughafen zu 100% in Staatsbesitz ist: alleinige Eigentümerin von AS Tallinna Lennujaam ist die Republik Estland, und das Unternehmen untersteht dem Klimaministerium (airport.ee)
Suche nach dem glücklichen Zufall
Beim Glücksspiel erscheint es vielleicht naheliegend, es in Staatsbesitz zu betreiben. Das Laster ist bekannt, aber die Steuereinnahmen dringend gesucht. Die estnische Bezeichnung "Hasartmäng" ist an die englische Bezeichung (Hazard = Zufall) angelehnt. Nun klingt die "Sucht nach Zufall" vielleicht weniger gefährlich als eine "Sucht nach Glück" (Frage: warum bist Du Pleite? Antwort: Es war purer Zufall!). Aber angeblich hängt es ja davon ab, was man da spielt: eine Roulettekugel ist weniger beeinflußbar als die Kartenauswahl beim "Blackjack". In Deutschland regelt das Gesetz diesen Zusammenhang: Ein Glücksspiel liegt vor, wenn im Rahmen eines Spiels für den Erwerb einer Gewinnchance ein Entgelt verlangt wird und die Entscheidung über den Gewinn ganz oder überwiegend vom Zufall abhängt. (siehe Glücksspielstaatsvertrag / Landesrecht B-W)
Allerdings: Im Internet herrscht eine glücksspielrechtliche Grauzone. Seine Anteile an "Eesti Loto" jedenfalls möchte das Finanzministerium gerne beibehalten. Begründung: Verringerung der negativen Auswirkungen der Spielsucht, und Förderung von Sport und Kultur (da sind vermutlich die Steuereinnahmen gemeint). ERR
Staatliches Haus und Grund
Dann die Immobilien: da könnte man auf den Gedanken kommen, hier sei der private "Häusermarkt" vor allem eines - privat. Allerdings gibt es "staatliche Immobilien" auch in Deutschland: bundesweit unter "Bundesimmobilien.de" leicht zu finden. Wer Mietwohungen, Gewerbeimmobilien oder landwirtschafliche Flächen sucht, bekommt hier Kaufangebote. Und die einzelnen Bundesländer haben eigene Vermarktungswege.
Und wie sieht das in Estland aus? "Estland hat sich in den letzten Jahren zu einem interessanten Immobilienmarkt in Nordeuropa entwickelt", so steht es zum Beispiel bei "wise.com". Hier gibt es die staatliche Immobiliengesellschaft "Riigi Kinnisvara Aktsiaselts (RKAS)". Laut eigenem Selbstverständnis ist das ein "staatliches Immobilienkompetenzzentrum". (err) Damit soll derjenige Bestand an Immobilien, der für die Wahrnehmung staatlicher Aufgaben erforderlich ist, effizient und umsichtig verwaltet werden. Hier geht es also nicht vorwiegend um Verkauf, aber um eine schnelle, einfache Übersicht zu in staatlichen Besitz befindlichen Immobilien. Also zum Beispiel zum Haus in der Muuseumi-Straße 2, zugehörig zur Ortschaft Ülenurme, Gemeinde Kambja - das ist nämlich das "Eesti Põllumajandusmuuseum" (Landwirtschaftsmuseum). Oder das Gebäude in der Aia tn 34 in Jõgeva - hier befindet sich das staatliche Gymnasium.Die estnische Behörde für Land- und Raumordnung verwaltet fast 21.000 Grundstücke, die zur staatlichen Landreserve gehören, welche 31 % des gesamten Grundbesitzes des estnischen Staates ausmacht (Maaruum).
Ist in Estland also alles dem Privatbesitz überlassen? Nein, sicherlich nicht - auch wenn die estnische Politik ansonsten gern auf Attraktivität für Investoren achtet. Wichtige Bereiche sind in staatlicher Hand - und werden es, jedenfalls unter der jetzigen Regierung - auch bleiben.

