Mittwoch, Mai 30, 2012

Ziel Olympiade

Zehnkampf, Götzis, das legendäre Meeting am Anfang der Saison in Österreich. Weltrekordversuche sind nicht selten. Der deutsche Zehnkämpfer versuchte sich diesmal an seiner Bestmarke von über 8400 Punkten. Fast hätte er es geschafft. Und scheinbar hat sich die Wintervorbereitung in Estland gelohnt. Er hat dort einen estnischen Trainigspartner, Andres Raja. Beide waren bei der WM in Daegu im letzten Jahr. Aber nicht nur in Estland trainieren sie, auch Südafrika stand auf dem Programm. Ein bisschen Narzismus kann nicht schaden, das gehört zur Leichtathletik. !) PascalZehnkampf auf Youtube. Leichtathletik.de:
Dass der Este Erki Nool, Olympiasieger 2000 in Sydney (Australien), seine Anfrage zunächst wegen Zeitmangel ablehnte, schreckte Pascal Behrenbruch nicht ab. Über einen gemeinsamen Bekannten erreichte er ein dreitägiges Probetraining in Tallinn. Auch dass ihn der 42-Jährige mit einer Bestleistung von 8.815 Punkten richtig hart rannahm und ihm anschließend einen mehr als anspruchsvollen Trainingsplan mit nach Hause gab - Pascal Behrenbruch zog durch und schließlich auch um. „Am 1. November habe ich mein Auto vollgepackt, den Hund reingesetzt und bin über Lübeck und Helsinki mit der Fähre nach Tallinn gereist.“ Und dort ist er geblieben. Kurz nach seiner Ankunft stellte ihm Erki Nool seinen ehemaligen Trainer Andrei Nazarov vor, der einen Teil der Betreuung übernahm. Während Pascal Behrenbruch zu Beginn die Laufdisziplinen und den Stabhochsprung mit Erki Nool trainierte, hat heute Andrei Nazarov fast das ganze Training übernommen. „Erki kommt heute nur noch manchmal zum Stabhochsprung vorbei und ist immer eine große Motivation für mich“, sagt Pascal Behrenbruch.
Der ganze Artikel hier: Hundert volle Prozent. Im Januar: Trainingspartner Andres Raja in Daegu 2011: Andres Raja

Donnerstag, Mai 24, 2012

Estland und Azerbaijan

Etwas zwiespältig erscheint die Berichterstattung aus Baku in dieser Woche, wo der Eurovision Song Contest (ESC) dieses Jahr ausgetragen wird. Von Menschenrechtsverletzungen und fehlender Pressefreiheit ist die Rede. Heute tritt Ott Lepland im 2.Halbfinale für Estland an, und was gibt das estnische Aussenministerium zum Thema "Azerbaijan" bekannt?

"Azerbaijan eröffnet e-Government Plattform, geschaffen von estnischen Firmen." Nun kann man sich fragen, was dieser Versuch bedeuten soll: der Beweis dass der europäische Trällerwettbewerb doch etas mit Politik zu tun hat? Oder die Aufforderung an die estnische Presse, nicht allzu kritisch zu berichten falls Lepland das Finale nicht erreichen sollte? Oder eher der Versuch zu zeigen "wir haben auch dann noch etwas zu bieten wenn wir die Show verlieren sollten?"

Na gut, letztes Jahr wurde Getter Jaani von der internationalen Presse zur Favoritin geschrieben und stürzte steil ab. Mal sehen, was dieses Jahr in Baku passiert.
Wen das nicht kümmert, besucht vielleicht die "Routes Europe", die dieser Tage in Tallinn stattfindet. Die größte europäische Veranstaltung zum Thema Streckenentwicklung aller Zeiten, heißt es in der Luftfahrtbranche. Oder, wie das "Fly-in-Magazin" es ausdrückt: "nach dem Eurovision Song Contest 2002 die zweitgrösste Veranstaltung, die jemals in Estland stattgefunden hat." Und schon erscheint Baku wieder ein klein wenig unbedeutender.

Zusatz: 
auch in Estland gibt es andere Berichte zu Azərbaycan (Aserbaidschan)

Samstag, Mai 19, 2012

Domainklau aus Estland?

An verschiedenen Stellen in deutschen Regionalzeitungen und auf Radgeberportalen sind Geschichten zu lesen denen zufolge regionale Webdomains auf angeblich nebulöse Weise in fremde Hände geraten können. Auch Anwälte wie Thomas Meier schalten schon Ratgeberseiten: "Wie man eine geklaute Domain zurück holt." Rechtsanwalt Meier beschreibt den Vorgang so: "Man bekommt keine Emails mehr und stellt fest: der eigene Provider hat die Domain verkauft, versehentlich übertragen oder einfach verloren." Erwähnt wird dabei eine offenbar häufig vorkommende Variante: neuer Inhaber ist eine Maie Nuckoes FIE aus Estland.
Auch Warnhinweise einiger Geschädigter (hier: Erich) sind nicht schwer zu finden.
Und fast gleichzeitig gibt es Hinweise auf Domainnamen, die "Maie Nuckoes" angeblich verkauft: ein Beispiel. Legal oder illegal? Manche Domain-Abfragen ("Whois") ergeben, dass unter diesem mysteriösen Namen viele Tausend Domains registriert sind. Von Schulen über Shoppingseiten bis zur Freibad-Domain der kleinen Gemeinde Ganderkesee, wie der "Weser-Kurier" aktuell berichtet. Ob die Überschrift "Seite in estnischer Hand" stimmt, läßt sich schlecht überprüfen - der Admin sitzt meist in Berlin, Personenüberprüfungen sollen angeblich ins Leere laufen. Welche Kriminelle ("Domaingrabber") es auch immer sind: treffend ist die Warnung vor kriminellen Machenschaften, und Vorsicht hier etwas teuer zurückkaufen zu wollen. Wer mehr weiß, möge es hier ergänzen.

Weitere Infos zu Domaingrabbing: Rackblogger, "The-ba-Blog", Internetworld.

Über in Estland registrierte Domains: estnische Internet Foundation

Samstag, Mai 12, 2012

Türgi välisminister

Ob das deutsche Auswärtige Amt auch solche Fotos auf seiner Webseite veröffentlichen würde, mit einer Commons-Lizens versehen?
Nun, das hier ist der Empfang für den türkischen Aussenminister auf dem Lennart-Meri-Flughafen.

Update: Und vor diesem Besuch gab es bereits den gemeinsamen Nordic-Walk in der Türkei, in Istanbul. Die Beziehungen zwischen der Türkei und Estland scheinen gut zu sein. Die Esten erinnern auf der Botschaftsseite daran, dass in der Vorkriegszeit die Türkei nicht allzu viele diplomatische Vertretungen im Ausland hatte, aber Estland gehörte dazu. Hier knüpft man nun an: Estland unterstützt eher, als bremst, die Annäherung der Türkei an EU-Europa. Nordic walk in Istanbul

Freitag, Mai 11, 2012

Lasnamäe im Frühjahr

Lasnamäe, Priisle centre by MissTerje
Lasnamäe, Priisle centre, a photo by MissTerje on Flickr.

Priisle Zentrum. Mal schauen,was Miss Terje in Zukunft noch auf Lager hat. Das ist eine ihrer ersten Aufnahmen im Photostream.
Lasnamäe, einer der großen Vorstadtbezirke Tallinns.

Dienstag, Mai 08, 2012

Lüneburg bereitet sich auf Hansetag vor

"Wer das verpaßt, muss 176 Jahre warten, bis wir zum nächsten Mal mit der Ausrichtung an der Reihe wären!"







So selbstbewußt wirbt eine Mitarbeiterin des Projektbüros "Hansetag" in Lüneburg (der Partnerstadt von Tartu) im Norddeutschen Fernsehen (siehe Clip)
Der Hansetag feiert vom 28.Juni bis 1.Juli 2012 in Lüneburg sein 600-jähriges Jubiläum. Der erste Hansetag in Lüneburg fand 1412 statt. Näheres zum Ablauf und Programm:
Programminfos als PDF   --- Webseite des Hansetags in Lüneburg

Freitag, April 27, 2012

Ein klassisches Motiv

Aber hier kommt der Mittelalter-Charakter der Altstadt gut rüber. Das Rathaus mit dem Turm vor allem und auch rechts ein Haus mit gotischen Fensterbögen.

Sonntag, April 22, 2012

Nationale Unglücke

Die Love Parade von Duisburg wird so eines sein. Männiku plahvatus ist so was für Estland. Nicht der Untergang der Estonia, aber ein Unglück in der ersten Unabhängigkeitszeit. 1936, da waren Deutsche und Esten noch an vielen Projekten zusammen beteiligt. Und so waren die Opfer auf beiden Seiten. Militärische Forschung war der Auslöser, eine Explosion in Männiku in Tallinn. Am Ende wurden sie getrennt durch die Zeitläufte. Männiku plahvatus Die Nachrufe: Männiku plahvatus Darüber gibt es kaum deutschsprachige Internetquellen. Nur estnische.

Dienstag, April 17, 2012

TŠERNOBÕLI SAMURAID

Englisch: The Samurai of Chernobyl. Das ist, was gerade in den estnischen Kinos anläuft. Der Hintergrund: Männer aus Estland sind nicht ganz unbeteiligt an den Aufräumungsaktionen anno 1986: Tschernobyl aus estnischer Sicht. Etwa 2 Prozent aller damals 20 und 30jährigen waren dort im Einsatz.

Freitag, April 06, 2012

Im Soomaa-Nationalpark

Hier ein guter Eindruck vom Kanu fahren. Siehe vorletzter Post. Aivar Ruukel kommt auch drin vor. Mit englischen Untertiteln.

Sonntag, April 01, 2012

Estnische Tauben im August

Kaum ist der Frühling so richtig spürbar, denken einige schon wieder an den Herbst - und das sogar mit einer gewissen Vorfreude. Die estnischstämmige finnische Autorin Sofi Oksanen (ihre Mutter ist Estin) gab bekannt, dass sie am 31.August in Helsinki und bereits einen Tag vorher in Tallinn ihr neues Buch vorstellen wird. In Estland wurde die Presse bereits aufmerksam (siehe Eesti Päevaleht), dem estnischen Außenministerium war es eine gesonderte Pressemeldung wert. Soviel ist bereits klar: auch die Handlung des neuen Buches, dessen Titel mit "“Kun kyyhkyset katosivat”" (als die Tauben verschwanden) angekündigt wird, spielt wieder in Estland. Diesmal soll es der Zeitabschnitt der 30er bis 60er Jahre sein. Die Buchpräsentation wird also bereits am 30.August in Tallinn stattfinden - höchst wahrscheinlich parallel zur Premiere der Verfilmung von Oksanens Erfolgsroman "Fegefeuer" (Bericht zu den Dreharbeiten in Tallinn bei "Solarfilm").

2010 hatte Oksanen ihrem damaligen Verlag WSOY mangelnden Einsatz für ihr Buch "Fegefeuer" vorgeworfen - nun möchte sie wohl zeigen, wie besseres Marketing geht. In Finnland soll es schon Angebote von Reiseagenturen mit Fahrten zu den historischen Orten der estnischen Romanstory geben. Auch in Schweden ist von Reisen zur Vorstellung des neuen Romans (Package inklusive Buch) zu lesen. Leider ist ja "Fegefeuer" das bisher einzige Buch Oksanens, das auf Deutsch vorliegt - ob es deshalb aber weniger deutschen Fans gibt, die ihren Urlaub an den genannten Tagen nach Helsinki oder Tallinn verlegen, bleibt abzuwarten. Die Erfolgsautorin ist offenbar auch der Meinung, das noch viel zu wenig über die wichtigen Abschnitte der estnischen Geschichte bekannt ist: 2009 erschien die Artikelsammlung "Kaiken takana oli pelko" ("Hinter alledem stand Angst" - Co-Autorin Imbi Paju) - publiziert am 60ten Jahrestag der sowjetischen Massendeportationen von Esten nach Sibirien (25.3.1949)
Illustration der Premiere von "Fegefeuer" an der
Nationaloper Helsinki mit Helena Juntunen und
Johanna Rusanen-Kartano in der Rolle der "Aliide"

Bisher "fegefeuert" es an vielen Orten: 2009 war das Stück bereits beim Theatertreffen Berlin und am Volkkstheater Rostock präsent. Im April wird es jetzt in einer Opernversion des estnischen Komponisten Jüri Reinvere an der Nationaloper in Helsinki vorgestellt, die Theaterversion steht derzeit sowohl am Schauspielhaus Kiel, am Schauspiel Hannover wie auch am Theater Osnabrück auf dem Spielplan. Am Arcola Theatre in London wird eine englische Fassung gespielt (Berichte dazu siehe "Morning Star" oder "The Telegraph"). Nach (Stalins)Kühen nun Tauben. Wir sind gespannt.

Mittwoch, März 28, 2012

Kanu fahren im Auenwald

Paddling in Alluvial Forest by Ruukel
Paddling in Alluvial Forest, a photo by Ruukel on Flickr.

Wo jetzt die Wintersportarten ihrem Ende entgegen sehen, kann man sich auf die Frühjahrsaktivitäten umstellen. Wie wäre es mit Paddeln im Soomaa-Nationalpark. Man muss nur auf die Bäume achten.

Aivar Ruukel steht hinter diesem Ökotourismus:
Wilderness experience in Estonia, die Touren. Und auf der Seite von Ecoclub.com schildert er die Hintergründe seiner Aktivitäten. ...
Life in Soomaa depends more on climate than anywhere else in Estonia, the waters here are extraordinary – the numerous rivers meet in a rather small area between fens and swamp forests. Water from the nearby uplands can during the spring time melting or rain season unleash such an avalanche of water that rivers break out of their banks. This almost Biblical flood happens every year. Flood is called the fifth season by local people. Very often the dugout canoe was the only means to get out of the house and that is why it has been preserved in families living in the vicinity of the national park. More about building and use of dugout canoes made of aspen log you can find at http://haabjas.blogspot.com/

Montag, März 26, 2012

Estland inspiriert

Let's do it, Austria! Mit diesem Slogan möchten die Initiator/innen einen umfassenden Frühjahrsputz in Österreich auslösen. Und nicht nur das: der Hinweis, die Idee sei in Estland gestartet worden (siehe Beitrag in diesem Blog) soll wohl eine besondere Motivation für das Alpenland darstellen. Zwar ist es diesmal nicht direkt eine Internet-Technologie, die Estland international bekannt macht, aber die Art, Gleichgesinnte und Akteuere zu gewinnen ist sicherlich ebenso stark auf die virtuellen Wege und Netzwerke im Netz konzentriert. Immerhin erreichen die Initiatorinnen auch die eigenen, traditionell verbreiteten Medien - wo sich in Estland 50.000 Aktivist/innen versammeln, da kann doch Österreich nicht zurückstehen! Weniger illegale Müllkippen als in Estland seien in Österreich aufzufinden, so wissen "Der Standard", ORF und "Kleine Zeitung", aber vieles werde doch einfach achtlos weggeworfen, vor allem auf Gelände im Gemeindebesitz. Am 21.April ist nun "Putztag" - auch wenn in manchen Internetforen starke Zweifel vorherrschen ob die Aktion langfristig Umweltprobleme beseitigt. Aber es wird sich zeigen, ob die anvisierten 100.000 Teilnehmer auch erreicht werden.

Webseite der Initiative "Let's do it Austria"

Fahrscheinfrei im Stadtverkehr! Von wem Bürgermeister Savisaar und der Stadtrat Tallinn genau inspiriert wurden, in der vergangenen Woche die Einwohner Tallinns über die Frage der Einführung eines kostenfrei zu benutzenden Öffentlichen Nahverkehrs abstimmen zu lassen, ist nicht bekannt. Jedenfalls fand die Idee mit 75,5% Ja-Stimmen große Unterstzützung (siehe Postimees). Allerdings haben sich nur etwa 20% (68.000 Menschen) der Tallinnerinnen und Tallinner an der Abstimmung beteiligt. Mit "kostenfrei" ist keinesfalls die Variante gemeint, wo Schwarzfahrer sich zusammentun und auf ein gemeinsames Konto für den Fall einzahlen dass sie mal erwischt werden. Schon eher orientiert man sich an der Stadt Hasselt in Belgien, die schon in den 90er Jahren kostenlose Busbenutzung in der 65.000-Einwohner-Stadt einführte. In Deutschland wurde der sogenannte "fahrscheinlose Bus- und Straßenbahnverkehr" in letzter Zeit vor allem von der Piratenpartei in die öffentliche Diskussion eingebracht (z.B. Hamburg), die ja ähnlich wie das Land Estland bisher auch von der Konzentratione auf Internet-Kommunikation setzt. Aber Savisaar als Ober-Pirat? Kaum vorstellbar. Ob sich anders herum die deutschen Piraten demnächst auf Tallinn berufen werden - abwarten. Wer genau nachliest kann erfahren, dass der Stadtrat Tallinn erst in den nächsten Monaten ein Gesamtkonzept für diesen "fahrscheinlosen" ÖPNV vorstellen will. Eingeführt werden soll das neue System Anfang 2013. Statistiken zufolge sind gegenwärtig 75.000 Menschen in der estnischen Hauptstadt im Besitz von Monatskarten, davon 23.000 Kinder und Jugendliche.
Die im Stadtrat Tallinn in der Opposition befindliche Reformpartei kritisierte die für die Durchführung der Abstimmung notwendigen Aufwendungen von angeblich 260.000 Euro.

Infos zu Tickets in Tallinn

Samstag, März 24, 2012

Tallinn - Achtung Werbung!

Das finden manche in den Kommentaren zu oberflächlich. Na dann: bitte besser machen in zwei Minuten. Mir gefallen die Koreaner, Chinesen oder Japaner am Anfang. Und was ladet der normale Internetbenutzer von Tallinn hoch. Eben solche Bilder wie im Video. Ich gehe tausende Fotos durch. Und alle posten das Gleiche. Altstadt Tallinn. Selber schuld. Ihr Authentiker, wo seid ihr? Plattenbauidylle am Stadtrand, los postet. Ich verbreite das dann hier. Tipp, Andrei Tuch. Mein täglicher Nach-Hause-Weg 1992 in Tartu, könnte auch Tallinn sein. Aber das ist lange her. Tartu 1992 Annelinn selvehall Oder auch spannend, ausgebrannte Kioske von 2007. Nach Selbstbedienung. Best known kiosk in Tallinn Oder Ginseng in Tallinn: Zenzen viin Womit wir wieder bei Koreanern wären.

Spätwinterfreuden

Untitled by Jagomägi
Untitled, a photo by Jagomägi on Flickr.

Estland hat Berge. Hab ich ja schon mal gepostet. Eine schöne Bestätigung. !-)

Samstag, März 17, 2012

Geduldsprämien

"Die Esten sind geduldiger und toleranter als andere Völker auf diesem Planeten", so soll es Marju Lauristin, gegenwärtig Profesorin an der Universität Tartu, ehemals mehrfache Ministerin und Mit-Gründerin der estnischen Rahvarinne ("Volksfront"), in einer estnischen Talkshow gesagt haben, "aber auch die Esten wollen irgendwann für ihre Geduld belohnt werden."

Gemeint sind die jüngsten massenhaften Streiks. Wollen die Esten einen Wandel? Mehrere Zehntausend Menschen protestierten dieser Tage gegen zu niedrige Löhne. Die Lehrerinnen und Lehrer fordern Lohnerhöhungen um 20%, viele anderen Branchen schlossen sich an. Ist das "Euro-Schweigejahr" vorbei? 2011 führte Estland den Euro ein, und dieses Ziel hatte Regierungschef Ansip häufig als Rechtfertigung für einen rigiden Sparkurs begründet. Nicht nur das "Handelsblatt" kommt auf den Gedanken, die Lage in Estland mit der Griechenlands zu vergleichen: "Der estnische Mindestlohn von 278 Euro wird in der EU nur von Rumänien, Litauen und Bulgarien unterboten," steht da zu lesen, und die "flexible Lohnpolitik" wird nicht zum ersten Mal als Vorbild für andere Länder hingestellt.

Führende estnische Politiker werden offenbar nervös angesichts der ungeduldiger werdenden Esten. EU-Verkehrskommissar Siim Kallas sagte auf einem Treffen estnischer Unternehmer, er halte gerade Streiks im Transport- und Verkehrsgewerbe für besonders bedenklich: "eine besonders scharfe Waffe." Er deutete an, auch die EU könnte Maßnahmen ergreifen um Streiks zu vermeiden. Dabei hatten sich estnische Bus- und Straßenbahnfahrer nicht einmal vollzählig an den offiziell ausgerufenen Streiks beteiligt - sie fuhren zwar mit Zeichen der Solidarität an ihren Fahrzeugen, aber Beobachtern zufolge soll etwa 30% des öffentlichen Nahverkehrs auch während der Streiktage in Betrieb gewesen sein. Die estnische Transportarbeitergewerkschaft (Eesti Transpordi- ja Teetöötajate Ametiühing) hatte in neun estnischen Städten Streiks aus Solidarität mit den Streiks der estnischen Lehrerinnen und Lehrer organisiert.

Dienstag, März 13, 2012

Putin-Wahlen in Tallinn

Das sind Wahlberechtigte für Russland und die Präsidentschaftswahlen vor kurzem. Das Foto stammt von Siim Teller, einem bekannten estnischen Blogger.

Sonntag, März 04, 2012

Langeweile?

DSC_6531.jpg by laazik
DSC_6531.jpg, a photo by laazik on Flickr.

Man kann den Winter auch so nutzen. Wettsurfen mit den Fähren. Deshalb lohnt ein Blick auf den Eisbericht, siehe letzter Post.

Dienstag, Februar 28, 2012

Ostseevereisung 2012

Der Winter hat seinen Höhepunkt wohl überschritten, das kam spät, aber dafür setzte auch die Ostseevereisung später ein. Nicht so heftig wie im letzten Winter, aber vor Finnland und Nordostestland werden stellenweise wieder 30 bis 40 cm Eis und mehr erreicht. Auch die Vereisung in der südlichen Ostsee ist vor allem in den Buchtenregionen spürbar.
Rot steht für die mächtigeren Eiszonen. Wie immer die Daten vom finnischen Itameripoortali: Dass der Winter aber noch nicht gewichen ist, zeigen die Nachttemperaturen bis Nordafrika. Über 10°C sind dort nicht angesagt. Eher in England im Westen. Im Nordosten wird es noch unter -10°C.
Wetteronline.de

Samstag, Februar 18, 2012

Was macht eigentlich Kadri Kõusaar? Forts.

ADSC_0529 by Kadri Kõusaar
ADSC_0529, a photo by Kadri Kõusaar on Flickr.

Nach ihrer Buchveröffentlichung "Alfa" und ihrer Gesellschafts-Serie im Fernsehen nun endlich wieder ein Filmprojekt. Man beachte die Details der Szene. Einblick in die Dreharbeiten in England.

Der Film heißt "European Psycho".
"European Psycho" is a more ambitious project; it will be shot in English with a British cast. In a way "European Psycho" starts where "Magnus" ends, raising the question of Man taking the role of God. How far can we go? What is the price of self-justice? Can anybody choose over life and death? Can there be a morally justified murder? "European Psycho" aims to ignore political correctness while embracing both visual poetry and narrative suspense.

Sonntag, Februar 12, 2012

Let's do it Conference in Tallinn

Das scheint ja eine lustige Veranstaltung in Tallinn gewesen zu sein. Die Let's do it Konferenz im Januar. Es geht um eine weltweite Aktion, an der wiederholt, demnächst im März, eine Umweltsäuberungsmaßnahme stattfinden soll.
The representatives were preparing their regions to take part in the series of cleanups that will sweep the globe between 24th March and 25th September 2012.Why do we want to meet? The aim of the conference that precedes this incredible time is to share ideas, knowledge and experiences about how to organise such large-scale cleaning actions. It will also be a place to discuss any potential difficulties and find the solutions together. Most importantly, the conference will be a place to bring together teams from around the world; a place to form networks of wonderful people and organisations to rely on over the course of the coming year.
Egal, was Zyniker davon halten werden, aber diese internationalen Treffen haben was, wenn die Stimmung gut ist. Die Konferenz Final Dinner and Party

Freitag, Februar 03, 2012

Die liebe Tarja

Tarja Halonen im September 2003 auf Staatsbesuch
in Estland, kurz vor dem EU-Referendum (Foto:
mit Präsident Rüütel und Frau in der Universität Tartu)
Vielleicht trug sie ja den Rekord an Staatsbesuchen in Estland. In wenigen Tagen wird der Sieger der Präsidentschaftswahlen in Finnland bekannt sein, und dann wird es nicht mehr Tarja Halonen sein. Irgendwo habe ich dieser Tage gelesen, dass finnische Kinder vielleicht auf die Idee kommen könnten zu fragen: "Mama, darf auch ein Mann Präsident sein?" Die seit März 2000 amtierende finnische Präsidentin gehörte fast so selbstverständlich zu Finnland wie in jedem Haus eine Sauna. Und da sie vor dem Präsidentenamt auch in vielfachen Ministerämtern tätig war - auch als finnische Außenministerin - ist sie Estland und estnischen Politiker/innen vielleicht noch länger bekannt und vertraut.

Finnland trat 1995 der EU bei, Estland 2004 - erste Ratgeberin in dieser Sache (außerhalb Estlands) war immer Tarja Halonen.
"Good-bye" und "Aitäh" für Tarja
Auch dieser Tage ließ sich Halonen es nicht nehmen, eben noch einen letzten Staatsbesuch in Tallinn zu unternehmen. Und der heutige Präsident Ilves weist zurecht darauf hin dass die finnische Kollegin das einzige Staatsoberhaupt der Welt sei, mit dem er sich auf Estnisch unterhalten könne - auch ihre Rede in der Universität Tartu im September 2003 habe sie auf Estnisch gehalten. "Innerhalb der EU denken wir auf sehr ähnliche Weise", so Ilves.
Ilves sieht beide Länder als Erfolgsmodell innerhalb der EU. "Wir haben uns Regeln gegeben, und die halten wir ein."

Mittwoch, Februar 01, 2012

Grüne Estenwochen

Kaum ist das Kulturhauptstadtjahr vorbei, gibt das estnische Außenministerium weitere Pläne für besondere Ereignisse bekannt. Im Januar 2014 wird Estland Gastland der Grünen Woche in Berlin sein. Landwirtschaftsminister Helir-Valdor Seeder habe eine entsprechende Vereinbarung mit der Messeleitung in Berlin abgeschlossen. Gastland 2012 war Rumänien, 2013 werden es die Niederlande sein. Eine erste Bilanz der gerade abgelaufenen Grünen Woche 2012 ergab einen Besucherzuspruch von 420.000 Menschen.

Montag, Januar 30, 2012

Neuer Imagefaktor: die estnische Presse

Bekannt schwierige Ländersituationen
im Bild: hier ist es
ein US-Offizier in Afghanistan
(Foto: Richard Mosse / INSTITUTE)
Um Demokratie und Medienfreiheit geht es der Vereinigung "Reporter ohne Grenzen". Da die modernen Formen der Berichterstattung stark vernetzt und verzahnt abläuft ist es schon daher logisch, dass die Lage und die Arbeitsbedingungen von Journalisten auch erst im internationalen Vergleich ein übersichtliches Bild ergeben. Von manchen Ländern, die ständig entweder wegen kriegerischer oder kriegsähnlichen Auseinandersetzungen in den Schlagzeilen sind, wird vielleicht stärker öffentlich angenommen, dass dort auch die Berichterstattung schwierig ist. Gleiches gilt für diktatorenähnlich zwangsorganisierten Gesellschaften wie Nordkorea oder Belarus, oder für Länder mit extrem sich positionierenden religiösen Gruppierungen die abweichende Weltanschauungen mit öffentlichen Akitionen aggressiv bekämpfen. Einen im wahrsten Sinne des Wortes "anschaulichen" Überblick über möglicherweise problematische und für Journalisten auch oft lebensgefährliche Länder gibt zum Beipiel der Bildband "Fotos für die Pressefreiheit" (siehe Abbildung), der im vergangenen Jahr von "Reporter ohne Grenzen" veröffentlicht wurde.

Was aber verbinden wir zu diesem Thema mit Estland? Gab es Schlagzeilen dieser Art im vergangenen Jahr? Wurden estnische Journalisten mit Strafen belegt, wenn sie sich kritisch über bestimmte Politiker äußerten? Oder darf über die Lage der russischen Minderheit so berichtet werden, dass es auch mal ohne die gleichzeitige Rechtfertigung der Regierungspolitik geht? Vielen wird vielleicht beim Gedanken in diese Richtung gleich der hitzige Denkmalstreit des Jahres 2007 einfallen. Und auch 2010 gab es mal leere Titelseiten bei einigen Zeitungen, als estnische Journalisten wegen einer anstehenden Gesetzesänderung um den Informantenschutz fürchteten (siehe Süddeutsche Zeitung 6.4.10, Euronews, Transparency International). "Eurotopics" berichtete im gleichen Jahr von hoher Pressekonzentration und Befürchtungen, die Medien könnten zu sehr nach den Interessen ihrer Besitzer ausgerichtet sein, und auf der anderen Seite Russischsprachige vom russischen Staatsfernsehen gegen den estnischen Staats instrumentalisiert werden könnten. 2007 überraschte der estnische Ex-Kulturminister Raivo Palmaru in einem Interview bei "Cafe Babel" noch. "In den Medien Estlands sind Verleumdungen, Verletzungen des Urheberrechts und Beleidigungen so normal wie der Wetterbericht." Damit nicht genug, Palmaru fügte hinzu: "Esten sind wie Kellerasseln im Tageslicht." Und die Ex-Exil-Estin Aino Siebert sieht vornehmlich sich selbst im Kreuzfeuer der Kritik: ob als Aufklärerin von KGB-Verbindungen in der eigenen Familie, oder im Kampf mit zugeknöpften Behörden.

Haben wir da etwas verpasst? Die Estnisch- und Russisch-Kundigen zumindest werden die Lage besser überblicken können. "Reporter ohne Grenzen" zumindest sagt im Rückblick auf die Lage im Jahr 2011: Estland steht in der weltweiten Rangliste der Pressefreiheit unter 179 Ländern auf Platz 3 (DREI). Nur in Finnland und Norwegen wird die Lage der Presse noch besser beurteilt. Damit stünde Estland fast noch besser da wie beim großen imagebildenden Thema IT und Internet. "Der Abstand zwischen den baltischen Staaten hat sich vergrößert", so schreibt dieser Bericht im Einzelnen weiter, "Estland rückte weiter an die Spitze der Rangliste vor. Lettland und Litauen fielen wegen einschlägiger Gerichtsurteile und wegen Eingriffen der Sicherheitsbehörden in die journalistische Arbeit auf Platz 30 bzw. 50." (Bericht "Europa und ehemalige Sowjetunion")
Schauen wir mal zurück auf die Entwicklung. Im Jahr 2003 taucht Estland auf Platz 13 auf, noch hinter Lettland. Gleiches gilt für 2004, wo Estland gleichauf mit Deutschland auf Rang 11 rangiert, beide knapp hinter Lettland. 2005 fallen Deutschland und Lettland weit zurück hinter Estland (weiterhin 11). Ein Jahr später rückt Estland auf Platz 6 vor, im meinungs-umkämpften Jahr 2007 sogar auf Platz 3 (Zusammenfassung: gute Noten für viel Diskussion zu umstrittenen Themen?). 2008 rutscht Estland leicht zurück auf 4, Spitze ist nun Island (Krisen als Lackmus-Test für die Presse?). 2009, im tiefesten Jahr der weltweisen Krise, ist Island plötzlich abgesackt auf Platz 9, Estland auf 6. 2010 nimmt Estland nur den 9ten Rang ein, Island ist zurück auf 2 (hinter Finnland). 

Aber ob nun diese ganze "Ranglisterei" Estland irgendwie weiterhilft - still ruht der See (im Moment), die kommenden kritischen Auseinandersetzungen werden es zeigen müssen. Der höchste Grad der Mediennutzung in Estland wurde bereits 1989-90 erreicht, schreibt Peeter Vihalemm in einer Untersuchung aus dem Jahr 2006, und fügt hinzu dass Ende der 80er Jahre in Estland über drei Stunden täglich Radio gehört wurde, Mitte der 90er Jahre sogar über 4 Stunden - doppelt so viel wie Stunden vor dem TV. Vielleicht hängt ja das "Endergebnis" von Mediennutzung auch vom "genauen Hinhören" ab, losgelöst von der Option für die Medien, möglichst ungezügelt Wahrheiten möglichst laut herausschreien zu können. Vihalemm weist nicht zu Unrecht darauf hin, dass auch schon die Menschenkette vom 23.August 1989 (gemeinsames baltisches Gedenken an die Folgen des Hitler-Stalin-Paktes, Menschenkette von Vilnius bis Tallinn) durch die Medien - und insbesondere durch Mitteilungen im Radio - mit organisiert wurde und strukturiert werden konnte. Heute aber, nochmal Vihalemm zufolge, haben viele Menschen nicht mal das Geld, um eine einzige Zeitung zu abonnieren. Die Printmedien gehen stark zurück. Ein Generationsunterschied sei ebenfalls erkennbar: die Älteren sitzen heute zunehmend vor dem Fernseher, die Jugend online im Internet.

Dienstag, Januar 24, 2012

E-Steckdosenland

Wird Estland zum Experimentierfeld für Elektroautos? Der Schweizer Konzert ABB meldete vor einiger Zeit den Abschluß von Verträgen, um in Estland Ladestationen für Elektroautos aufzubauen (ABB-Pressemitteilung vom 9.1.12) . Estlands Verkehrspolitiker planen, in allen "urbanisierten Gebieten" (so drücken es die Schweizer aus) mit mehr als 5000 Einwohnern Schnellladestationen zur Verfügung stellen. Auf Hauptverkehrsstrassen solle alle 50 Kilometer eine Schnellladesäule installiert werden, und im Ergebnis werde dann die bei weitem höchste Dichte an Gleichstrom-Ladestationen in Europa geschaffen. Kann das gehen? Bisher kannten wir Estland nur mit niedriger Einwohnerdichte - ob die Schweizer richtig verstanden haben, was Esten unter "urbanisiert" verstehen?

Mit Hilfe der ABB-Ladestationen soll die Ladezeit üblicher Elektroautos nur 15-30 Minuten betragen, berichtet "Clean Thinking". Und bis ins "Windkraft-Journal" hat sich die Nachricht verbreitet, die Regierung Estlands habe kürzlich 507 Elektrofahrzeuge des Typs Mitsubishi i-MiEV für Sozialarbeiter im gesamten Land erworben, an deren Amtsgebäuden hat ABB bereits Ladestationen errichtet. Estland muss seine CO2-Schadstoffbilanz verbessern,
"Green Investment" ist daher angesagt, das bestätigt auch der estnische EU-Vekehrskommissar Siim Kallas (EurAktiv). Darüber hinaus wird der Erwerb privater Elektroautos mit bis zu 50 Prozent von der Regierung Estlands gefördert. Bei einer durchschnittlichen Reichweite von nur 200km, die Elektroautos gegenwärtig erreichen, scheint ein Land wie Estland wieder einmal besser zum Modell-Land zu taugen als ein größeres EU Land wie Deutschland.

Noch nicht ganz ins positive Bild passt da die Meldung, trotz Förderung seien in Estland bisher erst 17 solche Förderanträge eingegangen, 9 davon bewilligt (ERR). Bis zu 50% Förderung und 18.000 Euro pro Autokauf sei möglich, vorerst bis zu einer Frist bis November 2012 zu beantragen. Wer gegenwärtig sich ein Elektromobil zulegt muss aber wohl noch hoffen, dass die geplanten Ladestationen schnell und zuverlässig fertig gestellt werden. Auch von Zweifeln der estnischen Autonutzer, ob denn so ein Elektroauto auch ordentlich winterfest sein könnte, ist zu lesen.