Dienstag, Mai 08, 2007

Zwischen den Stühlen in Estland


Tallinn Gimchi-chigae
Originally uploaded by Jens-Olaf.
Wo sind die moderaten Stimmen in der aufgehitzten Debatte um Staatsbürgerschaft und Sprachentest, russische Schulen und Integration in Estland? Das fragt Giustino in seinem Blog, Itching for Eestimaa.
Morgen bleibt kein Spielraum für diese Gedanken, denn es soll wieder demonstriert werden, wieder am Tonismägi in Tallinn, wo der Bronzene Soldat stand. Der 9. Mai, an dem die großen Siegesparaden in Moskau stattfinden. Die Protestler sollen in rot erscheinen, in Anspielung an die Sowjetunion.
Es gibt aber diese moderaten Stimmen und dazu gehören die wenigen Koreastämmigen. Warum leben sie in Estland? Weil Stalin alle Koreaner, mehr als 100 000 im Fernen Osten deportieren ließ. Obwohl viele im Widerstand gegen die Japaner waren, galt hier das Motto: Traue keinem Schlitzauge, eventuell ist er japanischer Spion. Sowjetische Logik eben. Die Koreaner sind die absoluten Kriegsverlierer, entwurzelt und siedelten sich später wenn möglich da an, wo rassischtische Übergriffe kaum vorkamen, zum Beispiel in Estland. Nun müsste man erwarten, dass die estnische Staatsbürgerschaft das angestrebte Ziel bei ihnen ist. Nein, es gibt auch Staatenlose in Estland, die weder die russische noch die estnische Staatsbürgerschaft einfordern, einige der Jüngeren leben eh schon in Übersee. Korea heisst sie auch nicht willkommen, sie waren dort nicht geboren.
Ein Koreaner mit Geschäft hält übrigens alle, die an den Überfällen beteiligt waren für Esten. Aber egal, er wird morgen auf sein Geschäft acht geben.

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