Sonntag, Februar 28, 2010

Siim Kallas will was Neues anfangen

Der estnische EU-Kommissar Siim Kallas möchte der nächsten EU-Kommission nicht mehr angehören. Mit dieser Ankündigung überraschte der stellvertretende Kommissionspräsident letzte Woche insofern, als er damit zu einem Zeitpunkt an die Öffentlichkeit tritt, in der die derzeitige Kommission gerade erst ihr Amt angetreten hat. Kallas spricht also über die Zeit nach 2014. Warum?

Kallas hat gerade eine erste Amtszeit als Kommissar für Verwaltung, Audit und Korruptionsbekämpfung hinter sich und ist jetzt für Verkehr zuständig. Er war und ist gleichzeitig einer von mehreren Vizepräsidenten der EU-Kommission.

Seine Ankündigung begründet Kallas trivial damit, man werde nicht jünger, außerdem lägen de facto noch 5 volle Jahre vor ihm.

Der 1948 geborene Siim Kallas hat eine imposante Karriere hinter sich. Er war bereits zur Sowjetzeit in der Finanzverwaltung und als Journalist tätig. Als die Sowjetunion zusammenbrach, führte er gerade die Gewerkschaft. Kallas wurde nach der Unabhängigkeit Chef der estnischen Notenbank und verließ diese für den Wechsel in die Politik mit der Gründung einer eigenen politischen Kraft, der Reformpartei, die auch derzeit mit Andrus Ansip den Regierungschef stellt. Kallas war anschließend Außenminister und Ministerpräsident.

Der Presse erklärte er auf Nachfrage nun, niemand biete ihm den Posten des Kommissionspräsidenten an, um später nachzulegen, daß der Nachfolger Barrosos sicher aus einem der großen EU-Länder kommen werde.

Umfragen zu Folge sehen sechs Prozent der Befragten in Estland Kallas als nächsten Präsidenten. Aber auch hier winkt der EU-Kommissar ab. Toomas-Hendrik Ilves sei ein guter Präsident. Und Ilves ist erst in seiner ersten Amtszeit.

Wenn die Amtszeit der derzeitigen Kommission endet, ist Kallas im Rentenalter und hätte noch ein paar Jahre, bis Ilves nach Ende der zweiten Amtszeit nicht mehr antreten kann. Sollte Kallas dann Interesse haben, wäre er nicht der erste Präsident eines Staates, der ein vorwiegend repräsentatives Amt im Alter von über 70 antritt.

Mittwoch, Februar 24, 2010

Vabaduse Väljak


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Originally uploaded by MulderMedia
Das ist der Platz in Tallinn, der auch dem Unabhängigkeitskrieg vor 90 Jahren gewidmet ist. Die Militärparade wird heute am Nationalfeiertag wahrscheinlich relativ groß ausfallen.
Das neue Denkmal. Wie war das noch? Über (Qualität) Geschmack lässt sich bekanntlich streiten.

Foto: MulderMedia

Sonntag, Februar 21, 2010

Der junge Nationalstaat?

Estland wird oft als junge Nation bezeichnet, als Nachzügler. Selbst wenn man das Gründungsjahr 1918 nimmt. Am 24. Februar ist Jahrestag.
Vorausgesetzt wird dann immer, dass der Nationalstaat im 19.Jahrhundert Standard in Europa gewesen wäre. Ich behaupte, er war es nicht. Nur einige wenige Schwergewichte wie Großbritannien, Frankreich waren bereits etabliert. Gerade Deutschland, das heisst Preußen damals, nutzte die späte Gunst der Stunde und benötigte einen Krieg um zu einer Art von deutscher Nationalstaatsbildung zu kommen, 1870. Aber das alte Zentrum des Alten Reichs war draußen. Österreich. Sie haben noch heute die Machtsymbole in Wien, die Reichsinsignien von etwa 900 Jahren "deutscher Geschichte".
Tja, Deutschland ist jung, gerade zwei Generationen älter als Estland als Nation. Und oft muss man auf die Gunst der Stunde warten. Ich gehe hier nicht näher auf die Umstände der Unabhängigkeitserklärung Estlands im Februar 1918 ein, aber wichtig ist: sie wurde auch wegen der bevorstehenden Besetzung durch die deutsche Armee, die einen Tag später in Tallinn folgte, vollzogen. Deutschland war zu diesem Zeitpunkt der Hauptgegner. Der spätere estnische Präsident Konstantin Päts landete danach für Monate in einem deutschen Internierungslager in Polen.
Wenn also der Nationalstaat noch nicht überall verbreitet war, wer war gerade am Zuge? 1905 Norwegen. Nach Kriegsgefahr Trennung von Schweden. Island, 1918 Trennung von Dänemark. Finnland, 1917 Trennung vom Russischen Reich. Tschechoslowakei, 1918 Trennung bzw. Auflösung von Österreich-Ungarn. Jugoslawien, 1918 ehemals Teil Österreich-Ungarns. Irland 1922, Trennung von Großbritannien. Die Liste lässt sich fortsetzen. Bis in jüngste Zeit.
Foto: Auch estnische Offiziere dienen in der russischen Armee vor der Revolution 1917.

Mittwoch, Februar 17, 2010

Endspurt


The Final Sprint
Originally uploaded by Kyler Storm
Es gibt nicht viele Aufnahmen mit CreativeCommons-Lizenzen von der Olympiade und von estnischen Athleten. Hier ein Foto aufgenommen von Kyler Storm beim Frauenbiathlon. Kristel Viigipuu auf dem Weg ins Ziel. Noch 200 Meter.

Selbstgemachte Fotos von der Olympiade dürfen nur privat und vor allem nicht kommerziell verwendet werden. Deshalb ist das hier erlaubt. Der Rechteinhaber kommt selbst aus Vancouver.

Dienstag, Februar 16, 2010

Silber in Vancouver

Zwischen den vielen Skandinavierinnen hat Kristina Šmigun-Vähi Silber im 10km Freistil des Skilanglaufs bei den Winterspielen in Kanada gewonnen.

Hier ein Auszug aus Wikipedia zu ihrer Biografie, dort ist auch später zu lesen, dass sie erst vor kurzem eine Babypause hatte:

Ihr Vater Anatoli Šmigun, der seine Töchter trainiert, ist Russe, daher der für Estland ungewöhnliche Familienname. Ihre Mutter Rutt Rehemaa ist Estin. Beide waren erfolgreich im nordischen Skisport. Anatoli Šmigun ist unter anderem zweifacher Junioreneuropameister von 1972 und war von 1974 bis 1978 Mitglied der sowjetischen Skilanglauf-Mannschaft.[1] Somit war die sportliche Laufbahn der beiden Töchter quasi vorbestimmt. Beide begannen früh mit dem nordischen Skisport. Ihre Cousine Jana Rehemaa und ihr Cousin Aivar Rehemaa sind bzw. waren ebenfalls aktive Skilangläufer. Kristina Šmigun-Vähi war des Weiteren eine talentierte Läuferin und wurde 1990 estnische Juniorenmeisterin im Crosslauf. Die zweisprachig aufgewachsene Estin, die über gute Englischkenntnisse verfügt und 2007 ein Studium der englischen Sprache in den USA begann, fungiert auf Siegerpressekonferenzen bei Bedarf als Übersetzerin für ihre russischen Kontrahentinnen.

In ihrem Heimatland ist Kristina Šmigun-Vähi eine Nationalheldin.

Samstag, Februar 13, 2010

Visa für Europa

Viele russische Bürger haben Probleme Visa für EU-Europa zu bekommen. Die geforderten Papiere sind umfangreich, die Hürden für das Reisen relativ hoch.
Michael Schwirtz in der New York Times berichtet darüber.
Journey Through Paperwork Greets Russians Hoping for a European Getaway
Und dort stehen einige Klagen aufgelistet:
Albina L. Marshalkina, a 70-year-old pensioner, traveled by slow economy trains two days to Moscow from her home Veliki Novgord to apply for a visa at the Estonian Embassy. The train ride, along with piles of paperwork, fees and a weeklong wait for a visa now separate Ms. Marshalkina from her daughter and grandchildren in Estonia. A tense political relationship between Estonia and Russia has made any unilateral easing of the visa process unlikely.

Und da Moskau gut mit Auslandskorrespondenten bestückt ist, erfahren wir nun von diesen Gemeinheiten.
Aber Rückblende: Europa hat die baltischen Bürger genauso behandelt. Jahrelang. In den 90ern habe ich dutzende Einladungsschreiben verfassen und für Gäste aus dem Baltikum bürgen müssen. Da kam schon Wut auf. Aber in der Öffentlichkeit war das nie ein Thema in den 90ern, das freie Reisen für Esten, Letten und Litauer.
Meine Meinung zu den russischen Visaproblemen. Ärgerlich aber normal. Das hat nicht viel mit dem Verhältnis Estland Russland zu tun. Eher mit normalem EU-Verhalten nach außen. Man muss das nicht gut finden.

Dienstag, Februar 09, 2010

Ski Festival in der Türkei

Sie sind halt ziemlich aktiv, die estnischen Diplomaten in der Türkei. Anders kann ich mir die relativ häufige Berichterstattung des Estnischen Aussenministeriums von dort unten nicht erklären.
Ob es bei diesem Festival in Bolu Glühwein gab ( oder handelt es sich hier um eine regionale Spezialität zum Essen?) vermag ich nicht zu sagen.
Nebenbei gab es auch noch was zum 92. Jahrestag der Unabhängigkeit Estlands. Die Republik Türkei ist wenige Jahre jünger, fällt aber in die gleiche Geschichtsperiode.


Und wenn wir schon dabei sind. Ich habe das Gefühl, viele meinen, 92 Jahre sei jung. Tja. Deutschland hat in der gleichen Zeit das Ende des Kaiserreichs erlebt, die Weimarer Republik, das Dritte Reich, einen Anschluß, die DDR samt Vereinigung und die Bundesrepublik Deutschland, etwas mehr als 60 Jahre alt. So ist das.

Donnerstag, Februar 04, 2010

Die öffentliche Sache, Res Publica und Vaterlandsunion

Erst vor knapp vier Jahren hatten sich Res Publica und Isamaaliit (Vaterlandsunion) vereinigt. Res Publica, 2001 als neue „saubere“ politische Kraft gegründet, hatte 2003 die Parlamentswahlen überzeugend gewonnen, um das ihr vom Wähler entgegengebrachte Vertrauen zügig zu verspielen. Es folgte die Vereinigung mit der Partei Mart Laars, die seit der Unabhängigkeit an vielen Regierungen beteiligt gewesen ist; er selbst war zwei Mal Regierungschef.

Trotz der Vereinigung und eines relativen Erfolges – die Partei ist immerhin an der derzeitigen Regierung beteiligt – ist der innerparteiliche Konflikt zwischen den beiden alten Parteien nie ganz beigelegt worden. Das belegte erneut der jüngste Parteitag. Mart Laars Wiederwahl als Parteivorsitzender stand zwar außer Zweifel, aber um die Positionen der drei Stellvertreter kam es zu Kampfkandidaturen. Dabei kristallisierten sich drei Faktionen heraus.

Die erste Gruppe sind die alten Vertreter der Vaterlandsunion, auch Pullover-Nationalisten genannt wie Bildungsminister Tõnis Lukas und der scheidende Generalsekretär Margus Tsahkna. Die zweite Gruppe sind die sogenannten „Unkäuflichen“ um Parlamentspräsidentin Ene Ergma und den früheren Res Publica Regierungschef und gegenwärtigen Wirtschaftsminister Juhan Parts. Parts war vor seiner eigentlichen politischen Karriere Chef des Rechnungshofes gewesen, was seine damalige Popularität begründete. Die dritte Gruppe sieht sich selber als „Gemeinschaftsparteiler”, die also gerade diese Trennlinie überwinden wollen. Wichtigster Vertreter ist Verteidigungsminister Jaak Aaviksoo, der auch auf eine erfolgreiche wissenschaftliche Karriere zurückblicken kann. Er war zur Jahrtausendwende einige Jahre Rektor der Universität Tartu. Landwirtschaftsminister Helir-Valdor Seeder bezeichnete letztere Gruppe als karriereorientierte Neuankömmlinge, die Aviksoo eigentlich nur als Sprungbrett für sein eigenes Fortkommen benötigt. Die betreffenden Parteifreunde seien zu einem großen Teil früher in den Vorgängerparteien der Vaterlandsunion bereits gewesen seien. Und in der tat war Aviksoo vor seiner Amtszeit als Hochschulrektor in der Reformpartei aktiv.

Juhan Parts wurde schließlich mit dem besten und Ene Ergma mit dem zweitbesten Ergebis gewählt, während Jaak Aaviskoo seine Niederlage einräumen mußte. Den dritten Stellvertreterposten erhielt der „Pullover-Nationalist” Tõnis Lukas.

Vertreter aller drei Faktionen betonten während des Parteitages die Geschlossenheit der Partei und begrüßten deren Erfolge. Zum Parteitag waren 2.000 Mitglieder erschienen.

Tõnis Lukas äußert jedoch auch Zweifel über die stürmische Entwicklung der jüngsten Zeit. Erst kürzlich war mit dem Beitritt des Bürgermeisters von Kärdla auf Hiiumaa das 9.000 Mitglied offiziell aufgenommen worden; zehn Tage später sei die Mitgliedszahl bereits auf 9.500 gestiegen. Das werfe Fragen auf.

Mart Laar betonte in seiner Rede, die Partei habe sich lange mit den großen Problemen beschäftigt und zu wenig mit den Menschen gesprochen. Die so entstandene Politikphobie in der Bevölkerung müsse nun überwunden werden. Den einfachen Menschen interessiere es eher, ob er im kommenden Jahr noch einen Arbeitsplatz habe. Mehrfach wurde vom „hooliv konservatism”, dem sorgenden Konservatismus gesprochen. Margus Tsahkna betonte, Ziel der Partei sei es, niemanden auf dem Weg alleine zu lassen, „kedagi ei jäeta maha”.

Nächstes Jahr sind in Estland die nächsten turnusmäßigen Parlamentswahlen.

Dienstag, Februar 02, 2010

Estnischer Winter

Im Januar gab es in Estland bereits Schlagzeilen über einen Rekordniederschlag, Estland in weiß. Jetzt hat der Landrat von Hiiumaa angekündigt, die Umstände seien günstig, bald die Eislandstraße zu eröffnen.
Es ist in Estland nichts Neues, daß die Ostsee zwischen dem Festland und einigen Inseln so weit zufriert, daß eine Querung mit dem Auto möglich ist. Seit einigen Jahren werden sogar Verkehrsschilder aufgestellt, die vor der Gefahr von Auffahrunfällen warnen und ein Höchstgewicht von zwei Tonnen zulassen. Einstweilen, so das Straßenverkehrsamt, ist eine Querung auf nicht ausgewisenen Routen durchaus noch gefährlich.
Wegen der geringen Wassertiefe mußte die Fähre auf der Strecke Kuivastu-Virtsu zwischen Hiiumaa und dem Festland einen Umweg in Kauf nehmen, um die Eisdecke nicht zu sehr zu zerstören.
Geöffnet ist bereits die 2,9km lange Strecke zwischen Haapsalu und Noarootsi über eine Bucht der Ostsee.

Samstag, Januar 30, 2010

Let's do it

1. Die Idee von Flashmobs hat was. Nicht ganz so spontan sind die Aktionen von Minu Eesti. Aber das verabredete Saubermachen in der eigenen Umgebung hat auch was. Wenn es funktioniert.
2. Es funktioniert, via Internet. Das haben andere mitbekommen.
3. Deswegen wird es jetzt international bekannt. Eine Konferenz findet statt und Journalisten berichten darüber: Jetzt heisst es natürlich auf englisch: Let's do it.
4. Eine "world conference" und Estland hat wieder was anzubieten.
5. Henrico hat die Fotos. Danke!

Samstag, Januar 23, 2010

Ein Este in allen Weltnachrichten

Tarmo Jõeveer erklärte nach seine Rettung, es habe jetzt einiges zum Nachdenken. So heißt der Este, der es wegen des Erdbebens in Haiti ungewollt in die Nachrichtenkanäle geschafft hat. Er wurde in Haiti aus den Trümmern eines Hotel weitgehend unversehrt geborgen, welches die UNO als ihre Vertretung nutzte.

Jõeveer ist ein Absolvent der Polizeiakademie und hatte schon früher einmal für die UNO gearbeitet, war als Polizist später unter anderem auch auf den Balkan entsendet. Seither arbeitete er als unabhängiger OSZE-Beobachter in verschiedenen Krisengebieten.

Der Este war zum Zeitpunkt des Bebens, wie er erzählte, in seinem Büro im dritten Stock. Er hatte schon früher kleinere Beben erlebt und reagierte entsprechend. Doch ehe er es bis zur Tür des Raumes geschafft hatte, begann das Gebäude bereits einzustürzen. Jõeveer berichtet, daß er noch kurz vor dem Unglück auf die Uhr geschaut hat, und folglich zwischenzeitlich nicht bewußtlos war. Unter den Trümmern liegend stellte er zunächst erfreut fest, daß er noch lebte und gesund war, um sich dann zu überlegen, wie er sich befreien könnte. Aus beruflichen Gründen führte er immer ein Taschenmesser und eine Taschenlampe bei sich, die ihm nun halfen, die Umgebung anzuschauen und ein wenig Schutt beiseite zu schieben. Bewegen konnte er sich.

Insgesamt war der Este 38 Stunden verschüttet und gibt an, in dieser Zeit eigentlich an nichts besonderes gedacht zu haben, außer an die Familie.

Jõeveers Aufgabe bestand in der Unterstützung des tunesischen UNO-Diplomaten Hédi Annabi, der bei dem Erdbeben starb.

Freitag, Januar 22, 2010

Tallinn zum Aufwärmen

Hier tobte auch mal das Publikum des Grand Prix d'Eurovision: in der Saku-Suurhall in Tallinn. Bis zum 24.Januar ist es der Austragungsort der Eiskunstlauf-Europameisterschaften 2010. Ist das ein "Frauensport"? Dies legt ein Beitrag der TAZ nahe, der bezug nehmend auf die sehr geringe Präsenz dieser Veranstaltung in den deutschen Medien zitiert: "An den Schalthebeln der Sportredaktionen sitzen meist Männer, die für Eiskunstlauf keinen Sinn haben."
"Visite Estonia" dagegen schreibt euphorisch:
"Seit der Olympiaregatta im Jahre 1980 ist Estland nach etwa 30 Jahren wieder Austragungsort einer derart hochrangigen Sportveranstaltung."

Na ja, auch bei der Eurovision ging es um Geld, Einschaltquoten, Produktionskosten. Bei EUROSPORT sind nun - entgegen der TAZ-Ankündigung - wenigstens die Höhepunkte der Wettkämpfe zu sehen. Allerdings hört sich die Kommentierung - ohne jede Hintergrundberichte vom Veranstaltungsort - auch vielfach so an, als sei es nur das "Aufwärmen für Olympia" (siehe auch: Süddeutsche vom 19.Januar). So wird auch Aljona Savchenko/Robin Szolkowy's zweiter Platz in den deutschen öffentlich-rechtlichen Medien auch ziemlich ohne Klagen hingenommen: bei Olympia werde es dann schon besser werden.

Auch in Österreich (siehe ORF oder KURIER) geht es offenbar in Tallinn erstmal um "Olympia-Qualifikation". Das klingt fast wie "Probe ohne Kostüm".

Unterschwellig läuft beim Thema Eiskunstlauf in den deutschen Medien immer ein kleiner politischer Wettkampf mit: dort, wo die eher rechtskonservative FAZ immer wieder die längst bekannte frühere Stasi-Tätigkeit von Trainer Ingo Steuer thematisiert ("einer, der aus jeder Todesspirale wieder herauskommt", "er bekam für seine Stasi-Tätigkeit 4400 DDR-Mark"), muss dann wohl im Gegenzug die altgediente DDR-Zeitung "Neues Deutschland" den nicht ganz optimalen Auftritt des Steuer-trainierten Paares Savchenko/ Szolkowy wenigstens auf Wetter schieben. Hier wird die verlorene Goldmedaille plötzlich als "umstritten" beschrieben, und mit dem Satz unterfüttert: "in Tallinn schlug den beiden Chemnitzern passend zur Großwetterlage über Estland eine fast arktische Kälte entgegen". Ist das eigentlich Sportberichterstattung? Da hat die Stadt Tallinn als Ort möglicher anderer Geschehnisse eigentlich keine Chance - diese Berichte sind wahrscheinlich schon vorher zu zwei Dritteln fertig geschrieben.

Donnerstag, Januar 21, 2010

Schnee, Eis, Wasser


Towards the ice age
Originally uploaded by rene j
und Granit. Die Felsen an der Küste mal anders. Das Ergebnis von Frost und Schmelze im Wechsel. Von rene j. , der auf seiner Fotoseite noch mehr davon hat: Winter in Estland.

Samstag, Januar 16, 2010

Paet überall

Um den Titel des letzten Posts aufzugreifen, auch der estnische Aussenminister Urmas Paet war nicht untätig. Er war in Südkorea. Estland ist EU- und NATO-Mitglied seit letztem Jahrzehnt. Damit sind die großen aussenpolitischen Ziele erreicht worden. Nun wendet sich die Politik den weltweiten Entwicklungen zu. Diesmal Südkorea. Und was berichtet Urmas Paet der Korea Times in einem Interview? Den Stand der Dinge in Estland, wenn es um Computer und Internet geht. Dabei lobt er die Südkoreaner sehr, die in der Nutzung von superschnellen Webverbindungen weltweit ganz vorne stehen. Aber leider habe ich kein Transkript der Unterredungen. Denn ein Punkt könnte bei einer konkreten Zusammenarbeit wichtig werden: Die Angriffe auf Internetseiten, seien es geschäftliche, private oder staatliche Seiten. Korea hat es letztes Jahr erlebt. Estland 2007. Estland hat dafür sogar einen NATO-Ableger speziell für dieses Thema bekommen. Und Korea ist zwar fortgeschritten in der Internetnutzung, aber gleichzeitig extrem verwundbar. Fast das ganze Land benutzt eine Technologie für Internetdienste, die das ActiveX-Protokoll benötigt. Und das benötigt ausschließlich Windows. Und dann am besten die alten Browserversionen des Microsoft-Internetexplorers. Alle Updates führen zu weiterer Verhedderung. Die Microsoft-Monokultur hat Folgen. Korea ist da einen eigenen Weg gegangen. Vielleicht eine Sackgasse. Und da wäre Zusammenarbeit wirklich hilfreich. Nur weiss ich nicht, ob darüber überhaupt geredet wurde. Aber gelobt wurde sich gegenseitig. Auch 'ne Basis.
Hier das Interview mit der Korea Times:
Estonia: Birthplace of Scype

Donnerstag, Januar 14, 2010

Westerwelle überall

Beinahe hätten wir es verpasst. Auch in den größeren deutschen Medien war es nicht mehr als drei Worte wert. Statt dessen diskutierte "Hart aber fair" darüber, ob sich Guido denn schon in seine neue Rolle als Aussenminister eingefunden haben - statt weiter Parteilautsprecher zur Verkündigung blumiger Wahlversprechen zu sein. 

Euro-Reklame
Hat er sich nun doch daran  erinnert, dass seine Naumann-Stiftung mal zu frühen Unabhängigkeits-Zeiten ein exklusives Büro in Tallinn unterhielt? Was das Westerwelle-Ministerium gemerkt hat ist offenbar, dass Estland auch heute wieder an einer ganz bestimmten Stelle gezielte, aber dezente Unterstützung gut gebrauchen kann. Gezielt, und dezent, das reicht schon. Estland positioniert sich gerade für die Einführung des Euro zum 1.1.2011.
"Bundesaußenminister Dr. Guido Westerwelle legte auf seinem Flug nach Tokio am Abend des 13. Januar 2010 einen kurzen Stopp in Tallinn ein und traf sich mit dem estnischen Ministerpräsidenten Andrus Ansip im Stenbockschen Haus. Im Mittelpunkt des Gesprächs standen die Bemühungen Estlands zur Erfüllung der Maastricht-Kriterien mit dem Ziel der Einführung des Euro zum 1. Januar 2011."

Please ask my spokeswoman ...
Wieviele Minuten dieses Treffen gedauert hat, wurde nicht bekannt. Machen wir uns mal auf die Suche, welche Spuren der Besuch in der Presse hinterlassen hat:

- Beim FOCUS ist die Meldung mitten in Westerwelles Japan-Besuch eingebaut. Gemeldet wird nur das er da war (in dieser Form berichten es viele andere auch)

- Interessanter ist BalticBusinessNews: Dort wird mit der Schlagzeile aufgemacht: "Estland auf dem Weg zum Euro" ("ein hochrangiger Offizieller machte im Zusammenhang mit dem Westerwelle-Besuch diese Aussage"). Interessant auch die Kommentare hier: "die Deutschen gehen selten Sonderwege. Dann werden auch andere dafür sein!"

- REUTERS macht ebenfalls mit der Meldung auf: "Deutschland sieht Estland auf dem Weg zum Euro" und beruft sich dabei auf eine "Sprecherin" (spokeswoman) von Westerwelle.In einer zweiten Meldung schiebt REUTERS aber gleich nach, dass die estnische Zentralbank selbst noch sehr zurückhaltend gegenüber der Euro-Einführung sei. "Die Stellungnahme von Westerwelle zeigt nur, dass wir auf dem richtigen Wege sind", wird ein Sprecher der Bank zitiert.

- SPIEGEL ONLINE (bisher nur die englischsprachige Ausgabe) meldet: "Germany thinks so, too." Estland ist ist bereit für die Eurozone. Aber die Formulierung "he joined a small chorus", bezogen auf Westerwelle, legt nahe das der Kreis der anderen Fürsprecher noch nicht sehr groß sei. Auch hier wird eine "spokeswoman" zitiert.

Auch das Außenministerium des Nachbarlands Lettland meldet sich zu Wort. Hier wird verkündet, Cornelia Pieper, Staatssekretärin im Auswärtigen Amt, sei zu einem Besuch in Lettland und habe mit Außenminister Riekstins über eine Reihe von Themen gesprochen. Hier muss Frau Pieper auch nicht "Spokeswoman" spielen, hier ist selbstverständlich keine Rede vom Ministerbesuch in Tallinn und den estnischen Ambitionen. Klar dürfte sein, dass Estland nicht mit der Bedinungen der Euro-Zone beitreten wird, die baltischen Nachbarn müssten ebenfalls dabei sein (diese Diskussion gab es Ende der 90er Jahre beim EU-Beitritt schon einmal).

"Die Presse" brachte schon am 3.Januar beim Bericht über estnische Geschäftstleute den Titel: "der Euro ist unsere einzige Hoffnung". Ausgelöst hatte die Diskussion auch der (wahrscheinlich) zukünftige EU-Wirtschaftskommissar Olli Rehn aus Finnland bei der Anhörung vor dem EU-Parlament. Wir werden sehen, in welche Richtung der Rubel rollt. Hoffentlich hat Westerwelle die CSU schon gefragt.

Samstag, Januar 09, 2010

Türkische Avancen

Estnische Aussenpolitik ist auch nicht immer spannend. Bereits am 19.Dezember besuchte Aussenminister Urmas Päet seinen türkischen Amtskollegen und Kulturminister Ertugrul Günay in Istanbul. Während Essen gerade den Beginn des Kulturhauptstadtjahres feiert, vereinbaren Esten und Türken eine Zusammenarbeit zwischen Tallinn 2011 und Istanbul 2012. Estnisches Theater, Filme und Musik, inklusive einer Welturaufführung eines Musikstücks von Arvo Pärt. Schon zum dritten Mal wird 2011 in Anatolien ein estnisch organisierter Ski-Marathon stattfinden.Ausserdem soll auch bald eine direkte Flugverbindung Tallinn-Ankara veröffnet werden.  

Päet ließ es sich nicht nehmen, auch den türkischen Europaminister und Chef-Verhandler für den Beitritt zu treffen. Es sei ein gutes Zeichen, dass nun auch das Kapitel "Umweltschutz" nun zur Verhandlung eines EU-Beitritts eröffnet worden sei.Auch gegenüber dem türkischen Aussenminister betonte Päet die estnische Unterstützung für einen EU-Beitritt der Türkei und für einen Austausch von Erfahrungen bezüglich des estnischen Beitritts. 

Nichts Besonderes, normale Zusammenarbeit unter den Ländern Europas. Aber was bedeutet dieser Zirkus, den unsere deutschen Politiker/innen momentan zu diesem Thema veranstalten? Oder geben "Aschermittwochs-" wie "Dreikönigstreffen" einfach mal einen Freifahrtschein soviel Porzellan zu zerschlagen wie möglich?

Mehr zu den türkisch-estnischen Beziehungen hier oder hier

Dienstag, Januar 05, 2010

Estland hat Berge


Otepää Snow Jump
Originally uploaded by Flasher T
Und noch ein Winterfoto. Aus Otepää. Wer meint, in Estland gäbe es keine Berge, bitte. Auf der Sprungschanze kann man sich das nochmal überlegen. Und wir sind immer noch unter 300 Meter über dem Meeresspiegel.
Flasher_T aus dem wichtigsten Wintersportgebiet des Landes.

Москвич nach Rekordschneefällen in Tallinn

Gemeint ist der PKW. cj. sveningsson hat es dokumentiert. Und das Anfang Januar.

Dieser Winter lohnt wohl wieder einen Blick auf die Vereisung der Ostsee. Die Meereszonen zwischen den estnischen Inseln und dem Festland sind bereits zu.

Sonntag, Januar 03, 2010

Vorsätze für 2010

Sollte Estnisch lernen dazu gehören, kann man manchmal dankbar für Produktwerbung mit Untertiteln sein. Vor allem die Wiederholung macht es. Ein nicht mehr ganz aktuelles Video des Getränkeherstellers Saku, bekannt vor allem für's Bier. Und wer schon fortgeschritten ist, kann hiermit sein Vokabular testen.

Charade2003 hat in den Kommentaren bei Youtube gleich alles ins Englische übersetzt.

"Wir sind":...

We are married
We are dog lovers
We are practical
We are in a fight
We are in trouble
We are fathers
We are sons
We are patient
We are homebuilders
We are hot
We are stars
We are brave
We are boys
We are guilty
We are good chefs
We are lovers
But first and foremost...

WE ARE FRIENDS!!!

We share Saku Original with each other which has always been a part of real friends and friendship. Saku Original. A Friends Thing. Above All.

Wichtig ist auch das Nummer-Eins-Schimpfwort: Kurat - Teufel
In dieser "reklaam" kommt es zum Einsatz.


Hier kommen die Zahlen ins Spiel, Ekspress Hotline reklaam:

Samstag, Januar 02, 2010

Parlaments-Animation: wie aus grün weiß wurde

Wer sich noch wundert, wie aus grün (ein winterliches) weiß werden kann, der kann hier lernen, dass natürlich Estland den ganzen Vorgang demokratisch diskutiert, beschlossen, und in die Wege geleitet hat.

 
Nicht ganz ernst zu nehmen, aber ein weiterer Beweis dass Animationsfilme in Estland einen hohen Stellenwert haben.

Sonntag, Dezember 27, 2009

aus der Rubrik: überflüssige Weihnachtsgeschenke

Die Klima-Konferenz in Kopenhagen ist gescheitert, da suchen die Staatschefs Europas angeblich nach neuen Lösungen um den CO2-Ausstoss zu begrenzen. Ist das tatsächlich so? 
Noch immer verzögert die Autoindustrie die Einführung tatsächlich wirksamer Maßnahmen - und nun preisen uns einige deutschsprachige Autozeitschriften ein Produkt an, dass für protektionsbewußte Oberklasse, verspielte Millionärssöhnchen wie auch paramilitärische Verbände geradezu geschaffen zu sein scheint - mit der Bezeichnung "Kombat T98" als "Produkt aus Estland". Die Typenbezeichnung weckt unmissverständlich Assoziationen: "combat" = engl. "Kampf / Gefecht".

"Ein Panzer für den Alltag" schwärmt treffend "Auto-Bild". Aber ist das Modell so wirklich neu? Oder werden mit solchen Artikeln nur Werbekunden umschwärmt, die gern Extremes und Verrücktes lesen? Laut "Auto-Bild" gibt es die Herstellerfirma "Combat armoring group" mit ihrem Hauptwerk auf einem Armeegelände in St.Petersburg und einem Zweigwerk in Tallinns Vorstädten schon seit 2005, aber der T98 wurde seitdem erst 40 mal verkauft. Wer braucht's? In den aus den Welt-Schlagzeilen bekannten Kriegsgebieten werden diese klobigen Kolosse mit ihren 5 Tonnen Leergewicht und 20 Litern Dieselverbrauch (auf 100 km/h) und einer CO2-Produktion von 530 g/km wohl kaum herumfahren. Der Hersteller preist es denn auch weniger als "Kriegsgerät" denn als "Luxus-Allradfahrzeug" an. Schon 2006 schrieb der SPIEGEL über den Einsatzzweck dieses Fahrzeugs: "Damit Manager, Minister und wohl auch Mafiosi heil durch Russland kommen".

Dem SPIEGEL-Beitrag war zu entnehmen, dass diese besonderen Gefährte aus "deutschem Spezialstahl und amerikanischen General-Motors-Komponenten" zusammengebaut würden. Das war wohl noch vor der Krise des US-amerikanischen Autobauers. Nun ja, ob dieses Produkt russischen Unternehmergeistes nun entweder demnächst auf den Strassen von Tallinn oder Narwa zu bestaunen sein wird, oder gar als Exportprodukt aus Estland Karriere macht - wahrscheinlich doch eher für die visuellen Männerträume in den einschlägigen Hochglanzmagazinen.

Dienstag, Dezember 22, 2009

Tallinn Rathausplatz


Tallinn, lumi, raekoja plats
Originally uploaded by Joel L
Vor etwa 20 Jahren stand hier erstmals wieder ein Weihnachtsbaum. Die Stimmung auf dem Markt war damals aber noch nicht so, dass man damit international Aufsehen erregen konnte. Jetzt hat die TIMES ausdrücklich diesen Weihnachtsmarkt in Europa empfohlen. Der jetzige Winter passt dazu. Er ist weiß.
Joel L mit einem aktuellen Foto aus Tallinn.

Das war 1991 im Dezember, eine Schlagzeile der Eesti Elu:

Keine "materiellen Freuden" 1991. Und wie sieht es 2009 aus? Ein anderes Jahr. Jeder entscheidet für sich.

Ich bin damals oft über den Markt gegangen, habe ein Foto gemacht. Aber das war alles. Hätte mich ein Este nicht darauf aufmerksam gemacht, ich hätte es ignoriert. "Normal".

Update: Leider noch keine Erwähnung der estnischen Tradition des Weihnachtsbaum in Tallinn bei Wikipedia. Aber der englischsprachige Artikel hat etwas:

According to the first documented uses of a Christmas tree in Estonia, in 1441, 1442, and 1514 the Blackheads erected a tree for the holidays in their brotherhood house in Tallinn. At the last night of the celebrations leading up to the holidays, the tree was taken to the Town Hall Square where the members of the brotherhood danced around it.[4] It remains unclear, however, whether an evergreen tree was used. In 1584, the Estonian chronicler Balthasar Russow wrote of an established tradition of setting up a decorated spruce at the market square where the young men “went with a flock of maidens and women, first sang and danced there and then set the tree aflame”.[5]

Montag, Dezember 14, 2009

Estnisches aus finnischer Sicht

Wer deutschsprachige Informationen zu Estland sucht, dem wird vielleicht in letzter Zeit auch der zunehmend aktiver werdende Dienst des Portals "finn-land.net" aufgefallen sein. Von Südfinnland aus privat betrieben, mit Firmenzentrale in Birmingham, kommen bei "Finn-land.net" zunehmend mehr Estland-Nachrichten rein. Vielleicht liegt es ja auch an der Mitarbeit von Berthold Forssman, der zumindest als Estnisch-Kundiger den Estland-Freund/innen kein Unbekannter sein dürfte.

Estnische Arbeitsmigranten in Finnland
Leben schon 35.000 Estinnen und Esten in Finnland? Das ist eines der Themen bei "Finn-Land.net", dessen Beiträge bisher kostenfrei im Netz zu lesen sind. Mit besonderer Sorge würden estnische Behörden die Abwanderungen von Fachleuten im Gesundheitswesen sehen. Dazu passt die bei AFP  schon vor Wochen verbreitete und zur Weihnachtszeit passenden Kurzmeldung über Zeitungsannouncen in Estland, mit denen Weihnachtsmänner in Finnland gesucht werden. In einem Bericht der FAZ zum Thema "Pflegehilfe in Finnland" stellt sich die Sitation allerdings schon ein wenig anders dar.  „Es lohnt sich nicht, in Nachbarländern wie Estland Arbeitskräfte zu rekrutieren. Diese Länder werden ähnliche Probleme haben wie wir“, sagt hier die Vertreterin einer Personalagentur, die hinzufügt, dass es bei älteren Menschen in Finnland auch wegen der Kriegserlebnisse schwerig sei, von Russen gepflegt zu werden. 

In Finnland werden Pflegekräfte aus den Philippinen angeworben: "Die Philippinen haben einen Überschuss an ausgebildeten Krankenschwestern, die offizielle Sprache ist Englisch, und sie können sehr gut mit älteren Menschen umgehen“, so heisst es hier. Aber die FAZ zitiert auch Aussagen wie diese: "„Hier ist es kalt, dunkel, es ist teuer, und die Sprache ist sehr schwer zu erlernen.“ Nicht ohne hinzuzufügen, dass den Phillipinos die Bedeutung einer Sauna immer noch ein Rätsel sei, und das finnische Essen auch etwas mehr Gewürze vertragen könne. 
Mal sehen, wie das weitergeht, die Wege aus der Wirtschaftskrise werden es sicher prägen.

 Kulturhauptstadt am Horizont
Gerade geht das Kulturhauptstadtjahr 2009 für Vilnius zu Ende, da steht Tallinn 2011 schon am Horizont bereit. Nun wird, wie wohl inzwischen überall üblich, der Kampf zwischen den realen Verhältnissen und der virtuell organisierten Eigenwerbung ausgetragen. Bei Vilnius 2009 hatte die Wirtschaftskrise voll zugeschlagen, und auch bei Tallinn 2011 ist inzwischen immer wieder von Kürzungen die Rede. Finn-land.net berichtet der Stadtrat Tallinn habe die Mittel für 2010 auf die Hälfte zusammengeschmolzen. Aber schon im März diesen Jahres hatte Mikko Fritze, Projektleiter bei "Tallinn 2011", Budgetschwierigkeiten vorausgesehen (Kleine Zeitung 4.3.09)

Ob wir davon auch bald auch auf Diskussionsseiten zur Kulturhauptstadt Tallinn lesen werden, oder ob mit den begrenzten Mitteln lediglich eine verlängerte Tourismuswerbung betrieben werden wird - mal sehen. Im Netz steht heute zu lesen: noch 382 Tage.

"Die Natur gewinnt"


Nature wins
Originally uploaded by Kari-S
Wer die graue Stimmung im Herbst und Winter mag, ist gut bei den Aufnahmen von Kari-S aufgehoben. Hier ein Eindruck aus dem Nordosten in Narva-Jõesuu.
Auf ihrer Photoseite sind noch mehr aus der Region um Narva.

Montag, Dezember 07, 2009

Die Nato-Osterweiterung

Häufig ist von gebrochenen Versprechen der Sowjetunion gegenüber zu hören, nach der deutschen Wiedervereinigung. Angeblich sollte es keine Natoerweiterung in Osteuropa geben.
MARY ELISE SAROTTE hat kürzlich in der New York Times zu den Verwirrungen über vermeindliche Versprechen Stellung bezogen:
"Enlarging NATO, Expanding Confusion"
In essentially settling for a gentleman’s agreement, Mr. Gorbachev missed some important pitfalls and then failed to do anything about them. First, Mr. Kohl spoke for West Germany, not for the United States or for NATO as a whole. Second, the Soviet leader got nothing about the trans-Atlantic alliance in writing. Third, Mr. Gorbachev did not criticize Mr. Kohl publicly when he and Mr. Bush later agreed to offer only a special military status to the former East Germany instead of a pledge that NATO wouldn’t expand. Finally, he did not catch subtle signals that, by early 1990, speculative discussion in the West about NATO’s future involved the inclusion of Eastern Europe as well. Mr. Gorbachev later complained to Mr. Kohl that he felt he had fallen into a trap.

Did the United States betray Russia at the dawn of the post-cold war era? The short answer is no. Nothing legally binding emerged from the negotiations over German unification. In fact, in September 1990, an embattled Mr. Gorbachev signed the accords that allowed NATO to extend itself over the former East Germany in exchange for financial assistance from Bonn to Moscow. A longer answer, however, shows that there were mixed messages and diplomatic ambiguities.

By acknowledging that there might be some substance to Russian grievances, the Obama administration would strengthen our relations with Moscow.


Kurzgefasst, diplomatisch gab es nichts schriftlich Bindendes. Abgesehen davon, dass Dr. Helmut Kohl nur für Deutschland sprechen konnte. Und in diesem Zusammenhang Geld floss und in Moskau angenommen wurde. Besser im Kontext der gesamte Beitrag.