Montag, Dezember 14, 2009

Estnisches aus finnischer Sicht

Wer deutschsprachige Informationen zu Estland sucht, dem wird vielleicht in letzter Zeit auch der zunehmend aktiver werdende Dienst des Portals "finn-land.net" aufgefallen sein. Von Südfinnland aus privat betrieben, mit Firmenzentrale in Birmingham, kommen bei "Finn-land.net" zunehmend mehr Estland-Nachrichten rein. Vielleicht liegt es ja auch an der Mitarbeit von Berthold Forssman, der zumindest als Estnisch-Kundiger den Estland-Freund/innen kein Unbekannter sein dürfte.

Estnische Arbeitsmigranten in Finnland
Leben schon 35.000 Estinnen und Esten in Finnland? Das ist eines der Themen bei "Finn-Land.net", dessen Beiträge bisher kostenfrei im Netz zu lesen sind. Mit besonderer Sorge würden estnische Behörden die Abwanderungen von Fachleuten im Gesundheitswesen sehen. Dazu passt die bei AFP  schon vor Wochen verbreitete und zur Weihnachtszeit passenden Kurzmeldung über Zeitungsannouncen in Estland, mit denen Weihnachtsmänner in Finnland gesucht werden. In einem Bericht der FAZ zum Thema "Pflegehilfe in Finnland" stellt sich die Sitation allerdings schon ein wenig anders dar.  „Es lohnt sich nicht, in Nachbarländern wie Estland Arbeitskräfte zu rekrutieren. Diese Länder werden ähnliche Probleme haben wie wir“, sagt hier die Vertreterin einer Personalagentur, die hinzufügt, dass es bei älteren Menschen in Finnland auch wegen der Kriegserlebnisse schwerig sei, von Russen gepflegt zu werden. 

In Finnland werden Pflegekräfte aus den Philippinen angeworben: "Die Philippinen haben einen Überschuss an ausgebildeten Krankenschwestern, die offizielle Sprache ist Englisch, und sie können sehr gut mit älteren Menschen umgehen“, so heisst es hier. Aber die FAZ zitiert auch Aussagen wie diese: "„Hier ist es kalt, dunkel, es ist teuer, und die Sprache ist sehr schwer zu erlernen.“ Nicht ohne hinzuzufügen, dass den Phillipinos die Bedeutung einer Sauna immer noch ein Rätsel sei, und das finnische Essen auch etwas mehr Gewürze vertragen könne. 
Mal sehen, wie das weitergeht, die Wege aus der Wirtschaftskrise werden es sicher prägen.

 Kulturhauptstadt am Horizont
Gerade geht das Kulturhauptstadtjahr 2009 für Vilnius zu Ende, da steht Tallinn 2011 schon am Horizont bereit. Nun wird, wie wohl inzwischen überall üblich, der Kampf zwischen den realen Verhältnissen und der virtuell organisierten Eigenwerbung ausgetragen. Bei Vilnius 2009 hatte die Wirtschaftskrise voll zugeschlagen, und auch bei Tallinn 2011 ist inzwischen immer wieder von Kürzungen die Rede. Finn-land.net berichtet der Stadtrat Tallinn habe die Mittel für 2010 auf die Hälfte zusammengeschmolzen. Aber schon im März diesen Jahres hatte Mikko Fritze, Projektleiter bei "Tallinn 2011", Budgetschwierigkeiten vorausgesehen (Kleine Zeitung 4.3.09)

Ob wir davon auch bald auch auf Diskussionsseiten zur Kulturhauptstadt Tallinn lesen werden, oder ob mit den begrenzten Mitteln lediglich eine verlängerte Tourismuswerbung betrieben werden wird - mal sehen. Im Netz steht heute zu lesen: noch 382 Tage.

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