Donnerstag, August 26, 2010

Typisch baltischer Männermangel

Vielfach behaupten in den baltischen Staaten Frauen, es gebe einfach zu wenig Männer. In Lettland „kolumnierte“ Dace Rukšāne darüber bereits 2004 und die lettischen Realitäten wurden vom Autor bereits beschrieben.


Nun kommt die estnische Presse mit einer vergleichbaren Behauptung, nämlich daß trotz einer höheren Geburtenzahl von Jungs ab dem Alter von 35 die Frauen in ihrem Jahrgang die Mehrheit bilden. Die emeritierte Professorin der Universität Tartu Ene-Margit Tiit bestätigt, daß in Estland ähnlich wie in den anderen entwickelten Ländern mehr Jungs geboren werden als Mädchen und die Sterblichkeit des männlichen Geschlechts etwas höher sei.


Und so zeigte die Statistik2009, daß bis zum Alter von neun Jahren 2.474 mehr Jungen als Mädchen in Estland lebten. Im Alter von 35 aber sind es bereits 1.000 Männer weniger als Frauen. Und dieser Trend setzt sich bis zum Lebensalter von 70 Jahren fort bis auf ein Minus von 18.000 Männern.


Normalerweise, so die emeritierte Professorin, müßte sich der Überschuß der Jungen bei der Geburt bis ins mittlere Lebensalter ausgleichen wie in anderen Ländern der Fall. In Estland sei dies aber eben nicht so. Während die mittlere Lebenserwartung der Geschlechter sich im Westen um rund sechs Jahre unterscheide, betrage der Unterschied in Estland elf Jahre.


Verantwortlich dafür sind nach Meinung von Tiit neben biologischen Gründen auch typische Arbeitskrankheiten wie Krebs und Herzinfarkte. Die Wissenschaftlerin kann jedoch nicht bestätigen, daß Männer einfach mehr, sich also buchstäblich zu Tode arbeiteten. Auch Frauen arbeiteten in Estland sehr viel. Eine Verringerung der mittleren Lebenserwartung sei typisch für Transformationsgesellschaften wie Estland. Möglicherweise seien die Frauen eher fähig, sich an die neuen Umstände anzupassen.


An der Universität wurde weiter festgestellt, daß ein Mann, der erst einmal das Alter von 60 erreicht hat, durchschnittlich bis zum Alter von 77 lebt. Gleichzeitig stürben bereits viele Männer im Alter zwischen 30 und 50 nicht nur wegen Krankheiten, sondern in Folge ihres Lebendswandels.


Warum Frauen generell durchschnittlich länger lebten, sei eine schwierige Frage, meinen die Wissenschaftler. Möglicherweise sei dafür ursächlich, daß Schwangerschaften nur die stärkeren Frauen überlebten und so deren Gene sich deutlich häufiger weiter vererbten. Nichtsdestotrotz sind die Wissenschaftler der Universität Tartu überzeugt, daß soziale Gründe eine wichtigere Rolle spielen. So sei erkennbar, daß die Lebenserwartung mit dem Bildungsgrad steige.

Mittwoch, August 25, 2010

Ein echter Spionage-Thriller

Der Este Herman Simm sitzt im Gefängnis, weil er für Rußland spioniert hat und als der größte „Fisch“ in der Bündnisgeschichte gilt. So schrieb jüngst Spiegel online und veröffentlichte ein Interview.


Spionage und Geheimdienst sind nicht nur regelmäßig spektakuläre Themen für das Kino. Bei 007 ist es in der Regel keine Schwierigkeit, zwischen gut und böse zu unterscheiden und dem Kampf der Parteien zu folgen. Bei „Mission Impossible“ stellt sich schon eher die Frage, welche Mission da eigentlich unmöglich sein soll. Aber zurück in die Realität. Ob nun der Alltag der Agenten ganz oder teilweise so spannend ist wie ihre Hollywood Darstellung, mag dahingestellt sein. Publikationen in der Presse spielen jedoch allemal mit dem Wechsel zwischen Wirklichkeit und Fiktion oder Projektion.


So darf Simm Spiegel online auf die Frage, warum beim Interview zwei estnische Sicherheitspolizisten anwesend sind, völlig unkommentiert sagen, er gelte als dicker Fisch. Danach wird Simm schon gefragt, warum er so gut deutsch spricht. Was tut das zur Sache? Welchen Nutzen soll das bei seiner Tat gehabt haben? In Estland sprechen viele Menschen gut deutsch, nicht nur solche, die in Deutschland Verwandte haben, wie Simm von sich behauptet. Spiegel online erwähnt im weiteren Verlaufe des Gespräches mehrfach die Reaktion der Anwesenden und Wortwechsel in Estnischer Sprache. Während davon auszugehen ist, daß die Spiegel online Vertreter kein Estnisch verstehen, geben sie gleichzeitig keine Auskunft darüber, ob die Beobachter ihrerseits Deutsch verstehen. Aus dem Kontext geht einzig hervor, daß das Gespräch offensichtlich auf Deutsch geführt wurde.


Anschließend wird Simm nach seiner Karriere befragt mit dem Ziel, den Zeitpunkt seiner Anwerbung herauszufinden. Simm meint, daß der KGB in der Sowjetzeit keine Polizisten anwerben durfte. Erst nachdem er wegen falscher Beschuldigungen Mitte der 90er Jahre als Polizeichef entlassen worden war, sei er aus Frust während eines Urlaubs in Tunesien auf ein Angebot eingegangen. Dies vorgeblich vor dem Hintergrund von Drohungen gegen das Wohl seiner Tochter.


Und dann geht das Gespräch zurück zu seiner Karriere, wo Spiegel online sich über den anschließenden Aufstieg im Verteidigungsministerium erkundigt, den Simm abwiegelt. Immerhin gibt er auf Nachfrage zu, daß es anfangs schwierig und mit jeder höheren Position immer einfacher gewesen sei, Informationen aus der Behörde zu schmuggeln.


Simm meint, es sei ein Leben auf des Messers Schneide gewesen. Er sei bereits nervös geworden, einen Menschen zwei Mal am Tag zu treffen, habe sich aber bei guter Musik und guten Filmen zu entspannen verstanden.


Als es im Gespräch schließlich um seine konkrete Arbeit geht, mischen sich die Beobachter ein. Simm fragt die Journalisten, zu welcher Geheimhaltungsstufe sie Zugang hätten, was die Gefragten damit beantworten, in ihrem Berufsstand überhaupt keinen Zugang zu haben. Wäre dieser Wortwechsel nötig gewesen? Während die Redakteure ihr Unverstänsnis äußern, behauptet Simm, die Beobachter hätten dies so verlangt.


Zwei weitere derartige Unterbrechungen vermeldet Spiegel obline, während es um die technische Abwicklung des Kontaktes geht. Simm entschuldigt sich und erklärt auf die Frage, was er sagen dürfe, daß er eigentlich gar nichts sagen dürfe und gerade 46 Tage Einzelhaft hinter sich habe – nachdem Spiegel online das Interview beantragt hatte, so zumindest behaupten es die Redakteure.


Abschließend meint Simm, daß er durch die Reaktion seiner Kontakte und Gerüchte geahnt habe, bald verhaftet zu werden. Doch damals habe es keinen Ausweg gegeben. Im Westen hätte man ihn gesucht, den Russen aber habe er nicht getraut.


Lustig nur, daß gegen Ende Spiegel online die Muttersprache von Simm in kursiv plötzlich als Estländisch bezeichnet. Zum Glück ist das Interview nicht auf Deutschländisch publiziert worden.

Freitag, August 20, 2010

Zukunftsland Estland?


Einen ausführlichen Bericht zur digitalen Welt in Estland bringt die neue Ausgabe der WIRTSCHAFTSWOCHE. Der Autor ist offenbar von seiner Überschrift überzeugt: "Estland lebt die Zukunft vor."
Dabei werden auch einige Beispiele abseits der tradionell in der Presse häufig genannten Projekte genannt: die elektronische Apotheke, "Rentner chatten mit ihren Altersgenossen im Seniorenheim," so euphorisch klingt hier die Situationsbeschreibung. Für Unternehmen wie Skype sei Estland ein Schlaraffenland. Oder: Esten brauchen keine Flatrate - sie können eh überalle kostenlos ins Internet. Ein Banker: "In zehn Jahren wird in Estland nahezu jeder Prozess elektronisch ablaufen." - Hier ist sogar wieder von "Tigersprüngen" die Rede - obwohl doch viele angesichts des tiefen Falls der Wirtschaftskrise auch bezüglich Voraussagen für Estland eher vorsichtig geworden sind. Problem sei lediglich, dass Estland es bisher nicht verstehe, die in der Praxis bereits erprobten Technologien auch erfolgreich außerhalb Estlands zu vertreiben - zu sehr maßgeschneidert auf Estland seien sie.
Nicht überall Zustimmung bundesdeutscher Leser wird vermutlich die Kunde von der elektronischen Totelüberwachung der estnischen Schüler finden (Lehrer und Eltern können jederzeit alle Noten, Fehlzeiten und andere Daten der Schüler einsehen).
Für Besonnene sei daher der Beitrag von Hannes Gamillscheg (einem langjährigen Estland-Kenner) mit der Überschrift empfohlen: "Skepsis trotz Aufschwung." (die Presse). Deutlich wird die momentan noch unsichere Stimmungslage. Ab 2011 gibt es den Euro in Estland, inzwischen sind überall alle Waren schon doppelt ausgezeichnet. Aber wem das Nutzen und wem Schwierigkeiten bringen wird, diese Diskussion scheint mir noch nicht beendet.

Donnerstag, August 12, 2010

Geht doch!

Aber ohne Drama ging es dann wiederum nicht. Die Rede ist von Fußball, internationalem Fußball. Das erste Qualifikationsspiel zur Europameisterschaft 2012. Und das fand wie angekündigt in Tallinn statt. Der Gegner Faröer-Inseln hat schon bei solchen Gelegenheiten Schwierigkeiten gemacht. Immerhin ist das eine kleine Fußballnation mit relativ vielen Aktiven, auf die Bevölkerungszahl bezogen. Und auch diesmal. Trotz Torschussverhältnis von 14 zu 3 für Estland (UEFA-Statistik), gab es ein Führungstor für die Gäste. Edmundsson in der 28. Minute.
Und erst in der Nachspielzeit kamen die Treffer von Saag 91. und Piiroja 93. für das estnische Team. Zwei Namen von denen wir hoffentlich noch öfter hören. Und dass Statistik schön sein kann, zeigt: Estland führt nun die Gruppe mit drei Punkten an.
Catherine Kõrtsmik mit einem gut gemachten Fotoset besonders über den estnischen Fanblock.

Update: Auch die Ruhrbarone haben ueber das Spiel gebloggt.
Die Estnische (I), ein Journalist ist wohl derzeit in Tallinn unterwegs. Auszug:
...
Tatsächlich haben die beiden nur durch einen wenig stark entwickelten Meerbusen getrennten Nordlichtstaaten die gleiche Wurzel: einen kaukasischen Volksstamm, der sich und seine merkwürdige Sprache vor Urzeiten in zwei, drei Himmelsrichtungen verstreute. Ich weiß nicht mehr, ob mit oder vor oder nach der Völkerwanderung.
...
Gemeint sind die Nachbarn Finnland und Estland.

Dienstag, August 10, 2010

Folk-Musik-Festival in Viljandi


The public dance floor
Originally uploaded by kalevkevad
Unser Bloggerkollege Giustino von Itching for Eestimaa ist nach Viljandi umgezogen. Sozusagen von New York, nach Tallinn, nach Tartu und nun Viljandi. Von dem Ort wird nun bald einiges zu lesen sein. Und auch unser Norweger kalevkevad war beim sommerlichen Festival in der kleinen Stadt am [Vörtsjärv] Viljandijärv dabei und hat das Treiben in einer Fotoreihe festgehalten. Manche würden es Freakshow nennen.

Montag, August 02, 2010

Estnische Musikexperimente

Zu Ehren des jährlichen Viljandi-Musikfestivals - das gerade vor wenigen Tagen mal wieder zu Ende gegangen ist - hier ein Beispiel der ungebremsten musikalischen Experimentierfreudigkeit in Estland. Oder war es nur ein spontaner Zufall? Eine Session nach dem Festival? Die Videoaufnahme sagt darüber nichts. Weiß jemand mehr? 

Infos zum Viljandi-Festival

Donnerstag, Juli 29, 2010

Das Zehnkampf-Drama

Es ist Europameisterschaft der Leichtathletik, und es gab eine Zeit da kannten alle in Deutschland ihre besten Zehnkämpfer. Lange hielt die Tradition, nun ist das Band gerissen. Stattdessen mühen sich drei Esten durch den zweitägigen Wettkampf. Der Stabhochsprung ist gerade vorbei, ein hoch riskantes Unternehmen. Einer patzte. Null Punkte.

Pahapill tõusis teivashüppega teisele kohale, Arro sai nulli!



So titelt das Delfi-Portal. Mikk Pahapill ist in Medallienposition, Zweiter. Mikk-Mihkel Arro ohne Chancen jetzt.
Andres Raja ist momentan 10. in der Rangliste.
Noch folgen zwei Disziplinen.

Update: Andres Raja wirft Saisonbestleistung, knapp unter 60 Meter, mit dem Speer. Kurzfristig schiebt er sich auf Platz 2.

Update Endergebnis:
4. Platz für Pahapill. Und das mit persönlicher Bestleistung. Das zählt eigentlich mehr als in anderen Disziplinen. Zwei Esten unter den ersten Zehn. Und ein Franzose ist erstmals Europameister. Wie gesagt, die deutschen Athleten haben sich ausgeklingt, oder der DLV wollte es so. Der kann ja seine Leistungshürden hoch halten. Aber bei den Anforderungen, die der Zehnkampf stellt, bin ich eh für Teilnahme der Besten eines Landes, egal wie hoch die Punktzahl.
Und um es deutlicher zu machen: Drei Esten starten (erfolgreich), kein deutscher Athlet. Lächerlich.

Update Sonntag:
Bleibt Gerd Kanter. Der Diskus. Die Konkurrenz ist nahe dran.

Dienstag, Juli 27, 2010

Der Sommer

Sonnenwende. Ich habe lange überlegt, ob ich das Foto posten soll. Es ist einen Monat her. Die Sonne stand hoch, die Tage waren lang. Und es gibt schöne Geschichten über Mittsommernacht. Nur dieser entkleidete Mann hat es nicht geschafft - über das Feuer zu springen. Alles weitere ist unklar. Sommer in Estland, auch damit muss man rechnen. Auf der Insel Kihnu.

Sonntag, Juli 18, 2010

Neue orthodoxe Kirche Lasnamäe

Am Stadtrand Tallinns wird an einem auffälligen Architekturprojekt gearbeitet. Noch ist alles Rohbau, aber spätestens nach den Malerarbeiten wird die orthodoxe Kirche ein Blickfang sein.

Donnerstag, Juli 08, 2010

Blick nach vorne





Vabaduse Väljak
Originally uploaded by kalevkevad
Die Fußballweltmeisterschaft ist bis jetzt nun doch nicht ganz nebenbei in Estland wahrgenommen worden. Zumindest hat es zum Public Viewing auf dem Vabaduse Väljak in Tallinn mehr als 1000 Fans gezogen.
Übrigens kann man darunter parken, und die nicht weggeräumten Mauern der beim Umbau des Platzes wieder entdeckten und konservierten Festungsmauern besichtigen.

Und ein bisschen hoffen darf man auch für die Fußballzukunft. Die Qualifikation zur Euro 2012 beginnt schon nächsten Monat am 11. August in Tallinn. Austragungsort des ersten Spiels ist das Lilleküla Stadion. Der Auftakt ist viel versprechend, aber nicht einfach. Es kommt die Nationalmannschaft der Färöer Inseln.

Danach gibt es im September wieder ein Heimspiel, diesmal gegen Italien. Mal sehen, ob die Italiener mit einer neuen Mannschaft starten. Die WM war für diese alles andere als erfolgreich. Weitere Gegner der Gruppe: Serbien, Nord Irland und Slowenien.


Wikipedia: Die Estnische Nationalmannschaft

Vielleicht eines der sensationellsten Tore eines estnischen Spielers bis heute. Mart Poom machte vor einigen Jahren in der letzten Minute einen Kopfball-Ausgleichstreffer für seinen englischen Verein.
Das kommt häufiger vor, nur nicht als Torwart.


Der beste Blogpost über den estnischen Fußball, besonders die Recherche:
Fußball in Estland von 2009.

Sonntag, Juni 27, 2010

Hansetreffen auf estnisch Art

Viele kennen die Hanse auch dem Geschichts- unterricht - im Mittelalter war es ein bedeutender Zusammenschluß von Städten, die vor allem übers Meer und vor allem an der Ostsee Handel betrieben. Eigentlich als "Vereinigung niederdeutscher Kaufleute" gegründet und betrieben, gibt es heute auch ein anderes Hanseverständnis, das sich weder auf nur eine Nationalität noch auf nur ein Land beschränkt: der seit 1980 wieder ausgerichtete HANSETAG bringt Menschen aus Städten "zwischen Aberdeen und Nowgerod, zwischen La Rochelle und Bergen" zusammen und ist per im Jahre 2000 beschlossener Satzung inzwischen, modern ausgedrückt, eine NGO (Nichtregierungsorganisation).
Ob Wirtschafts- verträge und Standesdenken heute weiterhelfen würden wie es in geschichtlichen Zeiten üblich war, das bleibt dabei eher unklar. Klar ist seit 1980 aber, dass der alljährliche Hansetag die Möglichkeit geben soll, "Tradition und Geschichte sowie ihre kulturelle und wirtschaftliche Bedeutung einer großen Öffentlichkeit in geeigneter Form darzustellen" (§9 der Satzung). Kleiner Nachteil: die Ausrichter müssen die Kosten der Veranstaltung selbst aufbringen. 
Dennoch sind auch die zukünftigen Ausrichter bereits viele Jahre im voraus festgelegt. Schon 1992 war es Tallinn, 2001 Riga, 2005 Tartu, und am Wochenende 24.-27.Juni 2010 Pärnu (2015 wird es dann Viljandi sein).

Besonders aktiv von deutscher Seite zeigen sich bei den "neu-hansischen" Aktivitäten die mittelgroßen und die kleineren Städte. Seit 1980 gab es bereits Hansetage in Dortmund, Duisburg, Köln, Hamburg und Osnabrück, aber auch in Lübeck, Neuss, Braunschweig, Wesel, Münster, Stade, Soest, Frankfurt/Oder, und Lippstadt. 2008 war mit Salzwedel die bisher kleinste deutsche Stadt Veranstalter (25.000 Einwohner). Neben der Organisation "Die Hanse" besteht parallel eine Jugendorganisation ("Youth Hansa").

Dem Teilnehmerverzeichnis des Hansetages 2010 in Pärnu zufolge nahmen 34 Delegationen deutscher Städte - von Alfeld/Leine bis Wismar in diesem Jahr in Estland teil. Dem entsprechend relativ groß ist auch die Aufmerksamkeit in vielen deutschen Regionalmedien: in Städten wie zum Beispiel Lippstadt, Halle, Hamm, Lemgo, Kyritz, Salzwedel, Attendorn, Lüneburg, Herford gab es bereits Vorabberichte über die Planungen und Aktivitäten. Zu erwarten ist also, dass sich aus diesem Anlaß auch wieder viele neue Verbindungen und Kontakte zwischen Deutschland und Estland knüpfen ließen.

P.S.: auch das "Publik-Viewing" (öffentliches Fernseh-Schauen) des Spiels Deutschland-England war in Pärnu gesichert, wie aus diesem Bericht der Rheinischen Post über die Delegation aus Kalkar deutlich wird.


Donnerstag, Juni 24, 2010

Pärnu


Parnu
Originally uploaded by dlakme
Pärnu, an der Rigaer Bucht gelegen, ist eine der wichtigsten Anlaufstellen für den Strandurlaub in Estland.
Hier finden sich auch leichte Anklänge an die norddeutsche Kleinstadtarchitektur. Wenn auch nicht im ganzen Stadtbild vorhanden, aber ein Teil des Flairs kommt davon.
Aufgenommen kurz vor den Mittsommernachtsfeiern, die zur Zeit stattfinden.

Mittwoch, Juni 16, 2010

Bauernmarkt in Pärnu


Farmers Market - Meat
Originally uploaded by Ruukel
Hier könnte man sich für das Mittsommernachtsfest eindecken. Der wohl wichtigste Termin in diesem Monat, denn WM-Fußball findet woanders mit anderen Mannschaften statt.
Das ist übrigens Bio-Fleisch, wie auch alles Essbare, was Ruukel auf dem Mark fotografiert hat.

Die gezückten Messer haben hier wohl nur friedliche Absichten.

Dienstag, Juni 08, 2010

Konzertland Estland

Estland, das Land der Sänger und der Sängerfeste. Estland, das Land der Musik. Auch für ein kleines Land relativ viele Komponisten und Dirigenten kommen aus Estland - von Arvo Pärt bis Erkki Sven Tüür, von den Järvis bis zu Tõnu Kaljuste oder Mihkel Kütson. Aber Estland als Ziel Konzerttournee? Geht das?

Das es geht, zeigten zuletzt die Bremer Philharmoniker. In nur fünf Tagen vier Konzerte, einmal quer durch Estland, und immer "volles Haus" - das mag auch am attraktiven Konzertprogramm gelegen haben, von Brahms über Schubert bis zu Vasks. Oder es war die Zusammenarbeit mit dem Estnischen Nationalen Männerchor, der nach einem gemeinsamen Konzert in Bremen nun auch bei der Konzertreise das Programm mit gestaltete. Zu Hause in Bremen sind die Philharmoniker viel beschäftigt, eine Tournee ins Ausland ist daher eher eine Seltenheit.
Eine Zusammenarbeit der Bremer Philharmoniker mit den Komponisten Erkki-Sven Tüür und Peteris Vasks besteht bereits länger - warum da nicht einmal die baltische Region bereisen? Pläne für eine Einbeziehung Polens und Lettlands scheiterten hauptsächlich wegen den aktuellen Schwierigkeiten der Wirtschaftskrise und den Folgen für manche Konzertveranstalter. Nicht so bei Eesti Kontsert (siehe Konzertankündigung).

Vier Konzerte in fünf Tagen - das bedeutet eine Estland-Reise über Jöhvi, Tartu, Pärnu zum Abschlußkonzert nach Tallinn. Vier ausgezeichnete Konzertsääle, viermal interessiertes, aufmerksames und fachkundiges Publikum. Und es bedeutet einen kleinen Einblick in ein aufstrebendes Land mit gastfreundlichen Menschen. Hier wird jeder Konzertbesucher persönlich begrüßt, und spürbar ist der hohe Stellenwert der kulturellen Angebote. "Hier kann man manches beobachten, was uns in Deutschland auch gut zu Gesicht stehen würde," so Intendant Christian Kötter-Lixfeld.

Wer die Konzerte miterlebt hat, dem scheint vielleicht Verständigung mit Musik als eine leichte Übung. Aber Estland als Konzertland hat es jedenfalls verdient, dass noch so manche Orchester, Musiker und Dirigenten ihre Aufwartung machen.

Mehr über die Konzerttournee und Eindrücke aus Estland berichtet die "Baltische Stunde" in der Sendung am 8.Juni 2010 (Radioweser.tv - auch per Stream im Internet zu hören).

Montag, Juni 07, 2010

Expo 2010 | Tere tulemast Eesti paviljoni / Welcome to the Estonian Pavilion / 欢迎你们来爱沙尼亚馆

Na, dann stellen wir dieses Foto mal vor, Wieder von der Expo in Shanghai. Aufgenommen von Tauno Tõhk, der in Wuhan lebt. Eine der größten und darunter eher unbekanntesten Städte der Welt.
Und was ein Este dort so treibt, ist hier zu sehen: kindel koht hiinalugudele
Mit guten Fotos.

Sonntag, Mai 30, 2010

Malcolm Lincoln


Malcolm Lincoln
Originally uploaded by Daniel Kruczynski
Der Eurovisionstitel geht also nach Deutschland. Die estnische Band Malcolm Lincoln erreichte das Final nicht, aber Erinnerungsfotos aus Oslo bleiben. Und ihre Webseite zum Reinhoeren auf MySpace.

Samstag, Mai 22, 2010

Expo Shanghai

Das ist der estnische Pavillon auf der Weltausstellung in China. Vor zehn Jahren hatten die Esten einen ersten großen Auftritt auf dieser Bühne in Hannover. Auf dem Messegelände der Expo waren sie neben Lettland und Litauen präsent. Damals mit den wogenden Kunstfichten auf dem Dach.

Und das Gebäude selbst war weniger bunt, sondern blau:
Feeling blue?

Dienstag, Mai 18, 2010

Pressekonferenz: Estland, Israel und Slowenien

Auch die OECD ist nun im Web 2.0 Das ist von der Pressekonferenz, als die Einladung zum Beitritt zur OECD verkündet wurde.
Über das Foto kann man zur Roadmap des Beitritts gelangen.

Slowenien und Estland haben viele Parallelen. Estland war ein Sonderfall in der Sowjetunion, zusammen mit Lettland und Litauen. Kleine Laender und Vorreiter der Desintegration der alten sozialistischen Grossstaaten. Slowenien hatte diese Rolle in Jugoslawien.
Auch die Verwechslung der Laender mit anderen Staaten haelt an. Baltikum/Balkan, Estland/Island und vieles mehr.
In Slowenien gab es einen Blogger, der auch ein wenig Vorbild fuer mich beim Bloggen war. Michael Manske. Leider hat er seit 2008 nicht mehr gepostet.
Aber seine Webseite existiert noch, Glory of Carniola, in "about":
In 2001, I moved from New York City to the small Alpine country of Slovakia Slavonia Sepultura Slovenia.

Slovenia is a chicken-shaped country wedged between Italy, Austria, Hungary and Croatia with a population of just under two million. (There is a great interactive map here.)

After a short and relatively bloodless ten-day war in 1991, Slovenia gained independence from the artist formerly known as Yugoslavia. Two years later, Slovakia took the Slovakia out of Czechoslovakia, and a decade of confusion began. The Slovenia/Slovakia problem has claimed such high-profile victims as The New York Times and the President of the United States, and continues to befuddle innocent people all over the world.

Donnerstag, Mai 13, 2010

OECD und Euro

Tax Wedge
Was hat das zu bedeuten? Estland wird voraussichtlich Mitglied der OECD und dann auch möglicherweise Mitglied der Eurozone. Flasher_T meint, dass damit alle wesentlichen Punkte der Westintegration erreicht sind. Und Estland sowieso schon in der skandinavischen Ökonomie integriert sei. Aber er wirft einen genaueren Blick auf die Steuerverhältnisse im Land:
Sein Fazit:
You can keep playing with the numbers to see the situation that is of most interest to you. Conclusions? Despite all the talk of Estonia's very high labour tax, it's actually about the same as the average of the world's most powerful economies. We're about at the median for OECD members, and on the lower end of the spectrum for those that are also in the EU.

Etwas anders, als man sonst hört. Von wegen Flat Tax (Niedrigsteuer). Er meint zwar die Arbeitskosten, aber auch sonst gibt es Berechnungen, dass die reale Besteuerung gar nicht so niedrig ist.

Anerkennung für Leistungen Estlands

Dann gibt es eben ausnahmsweise mal zwei Beiträge zum selben Thema.

Das nördlichste Land des Baltikums hat gleichzeitig zwei bedeutende Einladungen erhalten, Estland soll in die OECD und in die Eurozone aufgenommen werden.

Die OECD gilt als der Club der entwickelten Länder. Die Organisation verlangt für den Beitritt zum eine Politik der Korruptionsbekämpfung, Förderung des geistigen Eigentums und corporate governance mit einem Wort, Kandidaten müssen wirtschaftlich ein zivilisiertes Land sein. Estland hatte die Verhandlungen 2007 aufgenommen und soll sich im Bereich des e-government engagieren.

Estland ist außerdem dem derzeit wichtigsten Ziel der Regierung Ansip, der Einführung des Euros zum 1. Januar 2011 ein Stück näher gerückt. Die EU-Kommission epfiehlt die Aufnahme mit dem Hinweis, daß Estland die Konvergenzkriterien besser erfüllt, als zahlreiche Länder, die den Euro als bereits haben. Die EZB hingegen äußerte Zweifel an der Nachhaltigkeit, mit der die Esten die vor allem das Konvergenzkriterium der Inflation werden einhalten können.

Nachdem beide Institutionen ihren regelmäßigen Bericht vorgelegt haben, beraten das Europäische Parlament und der Europäische Rat über den Vorschlag. Die endgültige Entscheidung wird im anläßlich eines Gipfeltreffens im Juli gefällt.

Ursprünglich wollten Estland und Litauen den Euro bereits 2007 einführen. Damals waren die Inflationsraten hoch, weil nach dem Beitritt zur Europäischen Union besonders skandinavische Banken, im Falle Litauens aber auch Institute aus Österreich, die baltischen Staaten großzügig mit Liquidität versorgten. Estland verzichtete dann freiwillig, während Litauen mit einer 0,1% Überschreitung des der Inflationsrate abgelehnt wurde.

Samstag, Mai 08, 2010

Kreenholm ja Narva kosed

Die aussergewöhnliche Wassermenge im Frühjahr hat in Narva zu einem selten gewordenen Naturschauspiel geführt. Die eigentlich größten Wasserfälle in Estland, in Narva. Die Kreenholm-Insel teilt den Fluss. Durch die Wassernutzung sind die Wasserfälle sozusagen die meiste Zeit außer Betrieb gesetzt.

"Der Wasserfall von Narva war einst einer der größten in Europa, mit einer Breite 77m an der estnischen Seite und 130 m an der östlichen Seite und 3-6 m hoch. In den 50-ger wurde an der russischen Seite das Wasserkraftwerk erbaut und so wurden die Abstufungen und Täler des ehemaligen Falles meist trockengelegt. Das Wasser wird angestaut und so hat Estland seinen drittgrößten See bekommen. Der Unterlauf des Flusses ist schiffbar, überall kann man mit dem Boot fahren oder angeln. Auf dem alten Wappen der Stadt ist der ehemals wichtigste Fisch des Flusses – der Stör – dargestellt. Heute ist der bekannteste Fisch des Flusses das Flussneunauge."
aus maaturism.ee

Samstag, Mai 01, 2010

Immer trocken bleiben

Nachdem hier im Blog die Ergebnisse von Umfragen und die Umgangsweise damit plötzlich so populär geworden sind, möchte ich auch noch ein Beispiel dazu beisteuern. Da titelt der "Standard" in einem Beitrag vom 21.April 2010: "Österreicher Dritter im Kampftrinker-Ranking!" Nun gut, ob das eine Sensation ist, mögen andere beurteilen. Aber ein Satz in diesem Beitrag erregt doch unsere Aufmerksamkeit: "Den ersten Platz beim Alkoholkonsum belegten die Österreicher bei der Frage, ob man vier- bis fünfmal wöchentlich trinkt." - dann die Aufzählung verschiedener anderer Länder, und dann: "Schlusslichter waren Estland und Lettland".

Esten als Antialkoholiker?
Kann das sein? Die Esten trinken am wenigsten Alkohol in ganz Europa? Mir ist unbekannt, ob diese Untersuchung irgendwo auch in der estnischen Presse auftauchte. Vielleicht mit einer potentiellen Schlagzeile "Unsere Säufer sind gar nicht so schlimm - ganz Europa trinkt mehr!"

Da schauen wir also mal genauer hin. Basis dieser Umfragen und Zahlen ist eine EU-Studie zum Thema "Einstellungen der EU-Bürger gegenber Alkohol", durchgeführt im Oktober 2009 von TNS Opinion & Social, veröffentlicht im April 2010.
Wer die ganze Studie liest, könnte auch 25 andere kleine Zeitungsbeiträge schreiben, alle mit anderen Schlagzeilen (und ein paar herausgepflückten Prozentzahlen), jeweils gemünzt auf ein anderes Land (gute Einkommensquelle für Journalisten?).
Ein paar Beispiele:
- Dänemark hat prozentuell den höchsten Anteil an Alkoholkonsumenten (93%)
- In Portugal und Italien trinken nur 58% bzw. 60% der Menschen überhaupt Alkohol, ein hoher Anteil dieser Alkoholkonsumten trinkt jeden Tag.

Der Freitag wartet
Was die baltischen Staaten angeht, so liegt ein Teil der Antwort im "Trickreichtum" der Fragen. Auf die Frage "Haben Sie in den vergangenen 30 Tagen Alkohol getrunken?" antworten in Lettland 77% mit JA, in Litauen 74% (niedrigste Rate in Europa). Estland liegt mit 81% nicht viel darüber. Täglich trinken davon nur 4% der Esten (2% Letten, 1% Litauer), was aber nur bedeutet, dass sich alles auf 1-3 Tage konzentriert (59% der Esten). So zusammengemixt, sind in diesem Punkt auch die Esten europäische Spitze!

Interessant zu lesen ist eine Definition für "Besäufnis" - das sei der Fall, wenn mehr als 5 Getränke an einem Tag getrunken werden. Das geht in Richtung "Komasaufen", und hier liegt Deutschland mit vorn (36% tranken mindestens einmal die Woche mehr als 5 Drinks, genauso viel wie in Österreich). In Estland liegt dieser Prozentsatz nur bei 18%, in Lettland sogar nur bei 11% (niedrigster Wert in Europa).

Gasttrinker
Bei den Finnen übrigens (welche ja oft in Estland zu Gast sind) ist der Prozentsatz derjenigen europaweit am höchsten, die glauben das Alkoholkonsum durch massive Preiserhöhungen erheblich zu senken sei. Aber auch hier interessant, welche Zahlen man zitiert: 52% der Finnen glauben angeblich an die Wirksamkeit einer solchen Maßnahme, aber wieviele Prozent sagen, sie würden selbst weniger kaufen, wenn sie realisiert würde? Lediglich 24%.

Die Aussage aus dem Zeitungsbeitrag war trotz Bemühen zwischen den Zahlen des tatsächlichen Untersuchungsergebnisses so nicht wiederzufinden. Die Umfrage ist also die eine Sache, was man draus macht meist eine andere.