Der Eurovisionstitel geht also nach Deutschland. Die estnische Band Malcolm Lincoln erreichte das Final nicht, aber Erinnerungsfotos aus Oslo bleiben. Und ihre Webseite zum Reinhoeren auf MySpace.
Ist Estland eigentlich "baltisch"? Die estnische Sprache ist ja dem Finnischen ähnlich (finno-ugrisch), und das sogenannte "Baltikum" ist sowieso ein Behelfsbegriff ohne Grundlage. Noch viel zu wenig ist in Deutschland bekannt über Kultur und Geschichte, über Politik und Gesellschaft in Estland. Die jungen Europäer in Deutschland und Estland werden die Zukunft prägen! Wir rufen auf zur Diskussion.
Sonntag, Mai 30, 2010
Samstag, Mai 22, 2010
Expo Shanghai
Das ist der estnische Pavillon auf der Weltausstellung in China. Vor zehn Jahren hatten die Esten einen ersten großen Auftritt auf dieser Bühne in Hannover. Auf dem Messegelände der Expo waren sie neben Lettland und Litauen präsent. Damals mit den wogenden Kunstfichten auf dem Dach.
Und das Gebäude selbst war weniger bunt, sondern blau:
Und das Gebäude selbst war weniger bunt, sondern blau:
Labels:
Estland-China,
Expo
Dienstag, Mai 18, 2010
Pressekonferenz: Estland, Israel und Slowenien
Auch die OECD ist nun im Web 2.0 Das ist von der Pressekonferenz, als die Einladung zum Beitritt zur OECD verkündet wurde.
Über das Foto kann man zur Roadmap des Beitritts gelangen.
Slowenien und Estland haben viele Parallelen. Estland war ein Sonderfall in der Sowjetunion, zusammen mit Lettland und Litauen. Kleine Laender und Vorreiter der Desintegration der alten sozialistischen Grossstaaten. Slowenien hatte diese Rolle in Jugoslawien.
Auch die Verwechslung der Laender mit anderen Staaten haelt an. Baltikum/Balkan, Estland/Island und vieles mehr.
In Slowenien gab es einen Blogger, der auch ein wenig Vorbild fuer mich beim Bloggen war. Michael Manske. Leider hat er seit 2008 nicht mehr gepostet.
Aber seine Webseite existiert noch, Glory of Carniola, in "about":
Über das Foto kann man zur Roadmap des Beitritts gelangen.
Slowenien und Estland haben viele Parallelen. Estland war ein Sonderfall in der Sowjetunion, zusammen mit Lettland und Litauen. Kleine Laender und Vorreiter der Desintegration der alten sozialistischen Grossstaaten. Slowenien hatte diese Rolle in Jugoslawien.
Auch die Verwechslung der Laender mit anderen Staaten haelt an. Baltikum/Balkan, Estland/Island und vieles mehr.
In Slowenien gab es einen Blogger, der auch ein wenig Vorbild fuer mich beim Bloggen war. Michael Manske. Leider hat er seit 2008 nicht mehr gepostet.
Aber seine Webseite existiert noch, Glory of Carniola, in "about":
In 2001, I moved from New York City to the small Alpine country of Slovakia Slavonia Sepultura Slovenia.
Slovenia is a chicken-shaped country wedged between Italy, Austria, Hungary and Croatia with a population of just under two million. (There is a great interactive map here.)
After a short and relatively bloodless ten-day war in 1991, Slovenia gained independence from the artist formerly known as Yugoslavia. Two years later, Slovakia took the Slovakia out of Czechoslovakia, and a decade of confusion began. The Slovenia/Slovakia problem has claimed such high-profile victims as The New York Times and the President of the United States, and continues to befuddle innocent people all over the world.
Donnerstag, Mai 13, 2010
OECD und Euro
Tax Wedge
Was hat das zu bedeuten? Estland wird voraussichtlich Mitglied der OECD und dann auch möglicherweise Mitglied der Eurozone. Flasher_T meint, dass damit alle wesentlichen Punkte der Westintegration erreicht sind. Und Estland sowieso schon in der skandinavischen Ökonomie integriert sei. Aber er wirft einen genaueren Blick auf die Steuerverhältnisse im Land:
Sein Fazit:
Etwas anders, als man sonst hört. Von wegen Flat Tax (Niedrigsteuer). Er meint zwar die Arbeitskosten, aber auch sonst gibt es Berechnungen, dass die reale Besteuerung gar nicht so niedrig ist.
Was hat das zu bedeuten? Estland wird voraussichtlich Mitglied der OECD und dann auch möglicherweise Mitglied der Eurozone. Flasher_T meint, dass damit alle wesentlichen Punkte der Westintegration erreicht sind. Und Estland sowieso schon in der skandinavischen Ökonomie integriert sei. Aber er wirft einen genaueren Blick auf die Steuerverhältnisse im Land:
Sein Fazit:
You can keep playing with the numbers to see the situation that is of most interest to you. Conclusions? Despite all the talk of Estonia's very high labour tax, it's actually about the same as the average of the world's most powerful economies. We're about at the median for OECD members, and on the lower end of the spectrum for those that are also in the EU.
Etwas anders, als man sonst hört. Von wegen Flat Tax (Niedrigsteuer). Er meint zwar die Arbeitskosten, aber auch sonst gibt es Berechnungen, dass die reale Besteuerung gar nicht so niedrig ist.
Anerkennung für Leistungen Estlands
Dann gibt es eben ausnahmsweise mal zwei Beiträge zum selben Thema.
Das nördlichste Land des Baltikums hat gleichzeitig zwei bedeutende Einladungen erhalten, Estland soll in die OECD und in die Eurozone aufgenommen werden.
Die OECD gilt als der Club der entwickelten Länder. Die Organisation verlangt für den Beitritt zum eine Politik der Korruptionsbekämpfung, Förderung des geistigen Eigentums und corporate governance mit einem Wort, Kandidaten müssen wirtschaftlich ein zivilisiertes Land sein. Estland hatte die Verhandlungen 2007 aufgenommen und soll sich im Bereich des e-government engagieren.
Estland ist außerdem dem derzeit wichtigsten Ziel der Regierung Ansip, der Einführung des Euros zum 1. Januar 2011 ein Stück näher gerückt. Die EU-Kommission epfiehlt die Aufnahme mit dem Hinweis, daß Estland die Konvergenzkriterien besser erfüllt, als zahlreiche Länder, die den Euro als bereits haben. Die EZB hingegen äußerte Zweifel an der Nachhaltigkeit, mit der die Esten die vor allem das Konvergenzkriterium der Inflation werden einhalten können.
Nachdem beide Institutionen ihren regelmäßigen Bericht vorgelegt haben, beraten das Europäische Parlament und der Europäische Rat über den Vorschlag. Die endgültige Entscheidung wird im anläßlich eines Gipfeltreffens im Juli gefällt.
Ursprünglich wollten Estland und Litauen den Euro bereits 2007 einführen. Damals waren die Inflationsraten hoch, weil nach dem Beitritt zur Europäischen Union besonders skandinavische Banken, im Falle Litauens aber auch Institute aus Österreich, die baltischen Staaten großzügig mit Liquidität versorgten. Estland verzichtete dann freiwillig, während Litauen mit einer 0,1% Überschreitung des der Inflationsrate abgelehnt wurde.
Samstag, Mai 08, 2010
Kreenholm ja Narva kosed
Die aussergewöhnliche Wassermenge im Frühjahr hat in Narva zu einem selten gewordenen Naturschauspiel geführt. Die eigentlich größten Wasserfälle in Estland, in Narva. Die Kreenholm-Insel teilt den Fluss. Durch die Wassernutzung sind die Wasserfälle sozusagen die meiste Zeit außer Betrieb gesetzt.
"Der Wasserfall von Narva war einst einer der größten in Europa, mit einer Breite 77m an der estnischen Seite und 130 m an der östlichen Seite und 3-6 m hoch. In den 50-ger wurde an der russischen Seite das Wasserkraftwerk erbaut und so wurden die Abstufungen und Täler des ehemaligen Falles meist trockengelegt. Das Wasser wird angestaut und so hat Estland seinen drittgrößten See bekommen. Der Unterlauf des Flusses ist schiffbar, überall kann man mit dem Boot fahren oder angeln. Auf dem alten Wappen der Stadt ist der ehemals wichtigste Fisch des Flusses – der Stör – dargestellt. Heute ist der bekannteste Fisch des Flusses das Flussneunauge."
aus maaturism.ee
"Der Wasserfall von Narva war einst einer der größten in Europa, mit einer Breite 77m an der estnischen Seite und 130 m an der östlichen Seite und 3-6 m hoch. In den 50-ger wurde an der russischen Seite das Wasserkraftwerk erbaut und so wurden die Abstufungen und Täler des ehemaligen Falles meist trockengelegt. Das Wasser wird angestaut und so hat Estland seinen drittgrößten See bekommen. Der Unterlauf des Flusses ist schiffbar, überall kann man mit dem Boot fahren oder angeln. Auf dem alten Wappen der Stadt ist der ehemals wichtigste Fisch des Flusses – der Stör – dargestellt. Heute ist der bekannteste Fisch des Flusses das Flussneunauge."
aus maaturism.ee
Samstag, Mai 01, 2010
Immer trocken bleiben
Nachdem hier im Blog die Ergebnisse von Umfragen und die Umgangsweise damit plötzlich so populär geworden sind, möchte ich auch noch ein Beispiel dazu beisteuern. Da titelt der "Standard" in einem Beitrag vom 21.April 2010: "Österreicher Dritter im Kampftrinker-Ranking!" Nun gut, ob das eine Sensation ist, mögen andere beurteilen. Aber ein Satz in diesem Beitrag erregt doch unsere Aufmerksamkeit: "Den ersten Platz beim Alkoholkonsum belegten die Österreicher bei der Frage, ob man vier- bis fünfmal wöchentlich trinkt." - dann die Aufzählung verschiedener anderer Länder, und dann: "Schlusslichter waren Estland und Lettland".
Esten als Antialkoholiker?
Kann das sein? Die Esten trinken am wenigsten Alkohol in ganz Europa? Mir ist unbekannt, ob diese Untersuchung irgendwo auch in der estnischen Presse auftauchte. Vielleicht mit einer potentiellen Schlagzeile "Unsere Säufer sind gar nicht so schlimm - ganz Europa trinkt mehr!"
Da schauen wir also mal genauer hin. Basis dieser Umfragen und Zahlen ist eine EU-Studie zum Thema "Einstellungen der EU-Bürger gegenber Alkohol", durchgeführt im Oktober 2009 von TNS Opinion & Social, veröffentlicht im April 2010.
Wer die ganze Studie liest, könnte auch 25 andere kleine Zeitungsbeiträge schreiben, alle mit anderen Schlagzeilen (und ein paar herausgepflückten Prozentzahlen), jeweils gemünzt auf ein anderes Land (gute Einkommensquelle für Journalisten?).
Ein paar Beispiele:
- Dänemark hat prozentuell den höchsten Anteil an Alkoholkonsumenten (93%)
- In Portugal und Italien trinken nur 58% bzw. 60% der Menschen überhaupt Alkohol, ein hoher Anteil dieser Alkoholkonsumten trinkt jeden Tag.
Der Freitag wartet
Was die baltischen Staaten angeht, so liegt ein Teil der Antwort im "Trickreichtum" der Fragen. Auf die Frage "Haben Sie in den vergangenen 30 Tagen Alkohol getrunken?" antworten in Lettland 77% mit JA, in Litauen 74% (niedrigste Rate in Europa). Estland liegt mit 81% nicht viel darüber. Täglich trinken davon nur 4% der Esten (2% Letten, 1% Litauer), was aber nur bedeutet, dass sich alles auf 1-3 Tage konzentriert (59% der Esten). So zusammengemixt, sind in diesem Punkt auch die Esten europäische Spitze!
Interessant zu lesen ist eine Definition für "Besäufnis" - das sei der Fall, wenn mehr als 5 Getränke an einem Tag getrunken werden. Das geht in Richtung "Komasaufen", und hier liegt Deutschland mit vorn (36% tranken mindestens einmal die Woche mehr als 5 Drinks, genauso viel wie in Österreich). In Estland liegt dieser Prozentsatz nur bei 18%, in Lettland sogar nur bei 11% (niedrigster Wert in Europa).
Gasttrinker
Bei den Finnen übrigens (welche ja oft in Estland zu Gast sind) ist der Prozentsatz derjenigen europaweit am höchsten, die glauben das Alkoholkonsum durch massive Preiserhöhungen erheblich zu senken sei. Aber auch hier interessant, welche Zahlen man zitiert: 52% der Finnen glauben angeblich an die Wirksamkeit einer solchen Maßnahme, aber wieviele Prozent sagen, sie würden selbst weniger kaufen, wenn sie realisiert würde? Lediglich 24%.
Die Aussage aus dem Zeitungsbeitrag war trotz Bemühen zwischen den Zahlen des tatsächlichen Untersuchungsergebnisses so nicht wiederzufinden. Die Umfrage ist also die eine Sache, was man draus macht meist eine andere.
Esten als Antialkoholiker?
Kann das sein? Die Esten trinken am wenigsten Alkohol in ganz Europa? Mir ist unbekannt, ob diese Untersuchung irgendwo auch in der estnischen Presse auftauchte. Vielleicht mit einer potentiellen Schlagzeile "Unsere Säufer sind gar nicht so schlimm - ganz Europa trinkt mehr!"
Da schauen wir also mal genauer hin. Basis dieser Umfragen und Zahlen ist eine EU-Studie zum Thema "Einstellungen der EU-Bürger gegenber Alkohol", durchgeführt im Oktober 2009 von TNS Opinion & Social, veröffentlicht im April 2010.Wer die ganze Studie liest, könnte auch 25 andere kleine Zeitungsbeiträge schreiben, alle mit anderen Schlagzeilen (und ein paar herausgepflückten Prozentzahlen), jeweils gemünzt auf ein anderes Land (gute Einkommensquelle für Journalisten?).
Ein paar Beispiele:
- Dänemark hat prozentuell den höchsten Anteil an Alkoholkonsumenten (93%)
- In Portugal und Italien trinken nur 58% bzw. 60% der Menschen überhaupt Alkohol, ein hoher Anteil dieser Alkoholkonsumten trinkt jeden Tag.
Der Freitag wartet
Was die baltischen Staaten angeht, so liegt ein Teil der Antwort im "Trickreichtum" der Fragen. Auf die Frage "Haben Sie in den vergangenen 30 Tagen Alkohol getrunken?" antworten in Lettland 77% mit JA, in Litauen 74% (niedrigste Rate in Europa). Estland liegt mit 81% nicht viel darüber. Täglich trinken davon nur 4% der Esten (2% Letten, 1% Litauer), was aber nur bedeutet, dass sich alles auf 1-3 Tage konzentriert (59% der Esten). So zusammengemixt, sind in diesem Punkt auch die Esten europäische Spitze!
Interessant zu lesen ist eine Definition für "Besäufnis" - das sei der Fall, wenn mehr als 5 Getränke an einem Tag getrunken werden. Das geht in Richtung "Komasaufen", und hier liegt Deutschland mit vorn (36% tranken mindestens einmal die Woche mehr als 5 Drinks, genauso viel wie in Österreich). In Estland liegt dieser Prozentsatz nur bei 18%, in Lettland sogar nur bei 11% (niedrigster Wert in Europa).
Gasttrinker
Bei den Finnen übrigens (welche ja oft in Estland zu Gast sind) ist der Prozentsatz derjenigen europaweit am höchsten, die glauben das Alkoholkonsum durch massive Preiserhöhungen erheblich zu senken sei. Aber auch hier interessant, welche Zahlen man zitiert: 52% der Finnen glauben angeblich an die Wirksamkeit einer solchen Maßnahme, aber wieviele Prozent sagen, sie würden selbst weniger kaufen, wenn sie realisiert würde? Lediglich 24%.
Die Aussage aus dem Zeitungsbeitrag war trotz Bemühen zwischen den Zahlen des tatsächlichen Untersuchungsergebnisses so nicht wiederzufinden. Die Umfrage ist also die eine Sache, was man draus macht meist eine andere.
Labels:
Europa,
Gesundheit
Donnerstag, April 29, 2010
Nordic Green
Vor einigen Posts haben wir über die Windenergie in Estland berichtet. Ein Thema, das immer bedeutender wird - Stichwort "Erneuerbare Energien".
Estland macht nun auch in Kalifornien auf sich aufmerksam. Die Konferenz heißt Nordic Green. Einer der Teilnehmer ist Steve Jurvetson und gehört zu den wichtigsten Fürsprechern Estlands in den Vereinigten Staaten. (Zweiter von links)
Offizieller Name der Konferenz: Nordic Green II. Veranstaltungsort: Menlo Park
Estland macht nun auch in Kalifornien auf sich aufmerksam. Die Konferenz heißt Nordic Green. Einer der Teilnehmer ist Steve Jurvetson und gehört zu den wichtigsten Fürsprechern Estlands in den Vereinigten Staaten. (Zweiter von links)
Offizieller Name der Konferenz: Nordic Green II. Veranstaltungsort: Menlo Park
Labels:
Energie,
Estland,
Jurvetson,
Nordic Green,
USA
Montag, April 19, 2010
Hausmitteilung
„moevenort“ kommentierte den Beitrag über die Zufriedenheit der Esten mit ihrer Regierung wie folgt: „Was soll denn diese Schönfärberei? unkritischer geht es wohl nicht mehr?“ April 04, 2010 2:45 PM
Es handelt sich bei erwähnten Zahlen um das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage der Turu Uuringute AS, welche von der Tageszeitung Postimees zitiert wurde.
Jüngst hatte ein Geschäftsmann in einem Gespräch mit derselben Zeitung erklärt, er zöge den Hut vor Andrus Ansip, während der Bürgermeister von Tallinn, Edgars Savisaar, süffisant meinte, er sehe Ansip eher als guten Bürgermeister von Tartu. Ansip war vor etlichen Jahren Bürgermeister der zweitgrößten Stadt Estlands.
Die Politologin der Tallinner Universität, Anu Toots, wies auf die Besonderheit der langem Amtszeit hin. Ansip feierte kürzlich sei fünftes Jubiläum im Amt. Freilich hat er dabei nicht immer die gleiche Koalition geleitet und zwischendurch sogar mit Savisaar regiert. Toots hält es trotzdem nicht für ausgeschlossen, daß sich Ansip noch weitere fünf Jahre im Amt hält. Für Toots ist es die größte Leistung des Regierungschefs, im Rahmen der Krise Schlimmeres von Estland abzuwenden. Ein Blick nach Süden über die Grenze genügt, wie es auch hätte laufen können.
Labels:
Politik Estland
Freitag, April 16, 2010
Geistige Esel
Mit Freude vermelden wir das Erscheinen einer neuen Publikation der IFA (Institut für Auslandsbeziehungen, Berlin /Stuttgart). Die Ausgabe Nr.3/2010 des KULTURREPORT widmet sich den Literaturen Europas und dem europäischen Buchmarkt. Schnell schweift das "baltische Auge" über das Inhaltsverzeichnis, und tatsächlich: die Estin Eeva Park, in Deutschland bekannt durch ihr Werk "Falle, unendlich" (Original "Lõks lõpmatuses", Deutsch erschienen im Ihleo Verlag, siehe Infos der Übersetzerin Irja Grönholm), ist mit einemm Beitrag hier vertreten unter dem Titel "Geistige Esel der Beladenen". Hier sind Überlegungen nachzulesen zur möglichen geistigen Heimat der jungen Generation in Estland.
Schaut man über den baltischen Tellerrand (vielleicht müsste man sich zunächst bei Estland entschuldigen, es überhaupt als "baltisch" zu bezeichnen) so finden wir in der 210-seitigen IFA-Publikation auch noch Sigitas Parulskis. Er hätte ja vielleicht auch etwas besseren Bekanntheitsgrad in Deutschland verdient. Nur, dass er hier gleich zwei Länder repräsentieren muss, wird er vielleicht auch erst beim Lesen des ersten Satzes der Einleitung von Ingrid Hamm, ihres Zeichens Geschäftsführerin bei der Robert-Bosch-Stiftung, verstanden haben. Hier steht zu lesen, und ich gebe es auch unseren Leser/innen hiermit zu Bedenken: "Kennen Sie Eeva Park, die estnische Erfolgsautorin? Oder Sigitas Parulskis, das Enfant terrible der lettischen Literatur? Wahrscheinlich nicht."
Liebe IFA, liebe Bosch-Stiftung: ein vielstimmiges "aitäh" aus Estland, aber der Prozess der wirklichen europäischen Orientierung ist wohl hier auch noch nicht ganz abgeschlossen, wie es aussieht. Aber vielleicht dringen die Leser/innen auch bis Seite 134 vor, wo Parulskis selbst zu Wort kommt und sicherlich zumindest klar werden wird, aus welchem Land er stammt.
Labels:
Baltikum,
estland-Deutschland,
Estland-Litauen,
Literatur
Montag, April 12, 2010
Estland und der Euro
Die Gemeinschaftswährung der EU ist bei Nicht-Experten oft eine emotionale Angelegenheit. Experten diskutieren die Vorteile und Risiken des Euro. In einigen Ländern wird die Eurozone trotzdem als rettender Hafen wirtschaftlicher Stabilität gesehen. Und so betonen Estlands Regierungschef Andrus Ansip und Präsident Toomas Hendrik Ilves derzeit immer wieder, der Beitritt zum Jahre 2011 sei das Ziel der estnischen Politik, nachdem ein erster Versuch 2007 abgebrochen worden war. Am 12. Mai soll nun die EU-Kommission eine entsprechende Empfehlung aussprechen.
Die Esten haben gute Argumente auf ihrer Seite. Die Maastricht Kriterien erfüllt das Land besser als fast alle jetzigen Mitglieder. 1,7% des BIP Haushaltsdefizit 2009 und eine Prognose von 2,2% für das laufende Jahr sind ein guter Ausweis. Bei der Staatsverschuldung ist Estland schier ein Musterschüler mit nur 7,2% des BIP bei erlaubten 60%.Die niedrige Inflationsrate von 1,7% überrascht hingegen weniger. Estland hatte ähnlich wie der südliche Nachbar Lettland in der Krise auf eine Abwertung der eigenen Währung zugunsten einer internen Abwertung verzichtet. Das bedeutete drastische Kürzungen der Staatsausgaben, verbunden mit Kürzungen der Gehälter. Die Folge sind eher deflationäre Tendenzen.
Diese Politik wurde durchgesetzt trotz stark steigender Arbeitslosigkeit, die inzwischen 15% beträgt und einer Schrumpfung der Wirtschaft von 14,1%.
Damit hat die derzeitige Regierung die Politik der Vorgängerkabinette fortgesetzt, die 1992 kurz nach der Unabhängigkeit mit der estnischen Krone ihre eigene Währung einführten und diese fest an die deutsche Mark banden.
Estland fürchtet folglich nicht die Folgen der Krise in Griechenland für den Euro. Ilves jedoch treibt die Sorge um, die Staaten der Eurozone könnten ihre Besorgnis über den Mittelmeerstaat zum Anlaß nehmen, die Aufnahmemöglichkeit weiterer Staaten in die Gemeinschaftswährung für gegenwärtig unmöglich zu erklären. In diesem Falle setzte die EU ein problematisches Signal, findet der estnische Präsident. Ein Land, welches die besten Eckdaten aufweist, die vielleicht noch Luxemburg vorweisen könne, werde von solchen Ländern abgelehnt, die den Maastricht-Kriterien bei weitem weniger entsprechen.
Labels:
Euro,
Europa,
Politik Estland,
Währung,
Wirtschaft
Estland macht Wind
90% der in Estland erzeugten Windenergie sei im Jahr 2009 ins südliche Nachbarland Lettland verkauft worden, verkündet stolz das estnische Aussenministerium, und beruft sich dabei auf Eesti Päevaleht. Das sind 150 der insgesamt erzeugten 172 Gigawattstunden (Gwh). Möglich macht dies der Preis: er liegt um ganze 25% niedriger als in Lettland selbst. Wie Eesti Päevaleht nachrechnet, stecken in dem so exportierten Strom insgesamt 120 Millionen estnische Kronen (EEK) an estnischen Subventionen. In Estland dürfen solche Subventionsempfänger auch exportieren, in Lettland ist das ausgeschlossen. Die estnischen Stromproduzenten wiederum erklären den Export mit dem höheren Marktpreis in Lettland.
Eines der größten Windenergieprojekte Estlands wird in Hiiumaa geplant (siehe Baltic Times 21.1.09), sowohl auf der Insel wie auch offshore. Bisher gab es jedoch auch einigen Widerstand dagegen von Seiten der Einwohner. Ein Liste aller in Estland bereits in Betrieb oder in Planung befindlichen Windenergieanlagen kann bei der estnischen Windenergievereinigung (Eesti Tuuleenergia Assotsiatsioon) eingesehen werden. Auch die GTAI (German Trade and Invest, ein Informationsportal der Bundesagentur für Aussenwirtschaft) berichtete bereits vor zwei Jahren von einer stark gestiegenen Produktion an Windenergie in Estland und entsprechenden Investitionsmöglichkeiten und von entsprechenden unterstützenden Aktivitäten der Deutsch-Baltischen Handelskammer. Mit Hilfe von deutschen Partnern und Konstrukteuren sind zum Beispiel Anlagen in Paldiski und Virtsu gebaut worden. Dennoch liegt der Anteil der Windenergie an der Energieerzeugung in Estland erst bei ca. 1%. Manche Pläne zum Ausbau mögen auch (außer auf Hiiumaa) anderswo leichtes Gruseln hervorrufen: Pläne, den Windspargel in den Peipussee hineinzustellen, mag ausser skrupellosen Geschäftemachern wohl nur diejenigen freuen, die unbedingt die Sicht Richtung Russland verstellt haben wollen.
Ein Blick in verschiedene Presseberichte zum Thema Windenergie in Estland zeigt, dass Firmen aus sehr vielen Ländern in Estland aktiv sind: Kanadier, Deutsche, Dänen, Finnen, Norweger, US-Amerikaner und viele andere. Eine kleine estnische Forschergruppe untersucht Möglichkeiten, Windenergie-Turbinen selbst in Estland zu produzieren, um das Argument "Windenergie ist importierte Technologie welche die Handelsbilanz weiter verschlechtert" zu entkräften.Die Frage ist nur, welche Auswirkungen die Bemühungen der estnischen Regierung haben werden, wenn auch weiter auf neue Ölschieferanlagen und sogar Atomkraftwerke gesetzt wird - das könnte zu Lasten des mit der EU abgestimmten Ziels gehen, bis 2020 einen Anteil von 25% erneuerbarer Energie an der Energieversorgung zu erreichen. Und ein weiterer Faktor wird sein, wie hoch Steuern auf das umweltschädliche CO2 festgesetzt werden, das vor allem bei der Ölschiefergewinnung massenhaft anfällt.
Labels:
Energie
Mittwoch, April 07, 2010
karuskose veed
Nach dem langen Winter, und Schnee, nun das Wasser. Ruukel hat die derzeitige Situation im Nationalpark Soomaa festgehalten - und einen Fotovergleich mit 1956 gezogen.
Und noch ein Foto, einige sind das erste Mal durch den Wald mit Kanu. Das kann man nicht oft erleben. Ebenfalls Foto von Ruukel:
Und noch ein Foto, einige sind das erste Mal durch den Wald mit Kanu. Das kann man nicht oft erleben. Ebenfalls Foto von Ruukel:
Labels:
Estland,
Nationalpark
Samstag, April 03, 2010
Oh Wunder, oh Volk, das mit seiner Regierung zufrieden ist
Wann hätte man in einer Demokratie schon einmal gehört, daß das Volk von der eigenen Regierung begeistert wäre. Es ist ganz im Gegenteil normal, daß es nicht so ist, sondern daß es die Politik nicht allen Recht machen kann und der Wähler sich auch schon einmal von seiner eigenen Partei enttäuscht sieht – um sie dann doch wieder zu wählen. Beliebt sind in aller Regel nur Monarchen und repräsentative Präsidenten.
Daß die Bevölkerung in Lettland die Nase voll hat von ihren Politikern, ist seit langem bekannt und alles andere als unbegründet. Anders verhält es sich im Nachbarland Estland.
Die Minister machen nach Ansicht der Esten einen guten Job. Ausgerechnet Ministerpräsident Andrus Ansip ist der einzige bei dem die Zustimmung nur bei 35% liegt, während ebenso viele Menschen vom Gegenteil überzeugt sind.Zunächst wurden die Menschen gefragt, welche drei Personen ihnen am bekanntesten sind. Hier steht an vorderster Stelle selbstverständlich der Regierungschef, während Regionalminister Siim-Valmar Kiisler der unbekannteste Minister der Regierung ist. Das ist überraschend, weil dieser Minister im Zusammenhang mit der Verwaltungsreform jüngst häufig in den Medien war, sagt der Politologe Tõnis Saarts. Ganz im Gegenteil zu den in der Öffentlichkeit seltener präsenten Ministern für Inneres und Landwirtschaft.
Die Minister wurden alle stärker positiv als negative bewertet. Im Falle von Ministerpräsident Ansip sind sich die Demoskopen nicht sicher, ob die positive Bewertung wirklich von seiner Arbeit abhängt oder nicht eher damit verbunden ist, daß die Esten zu seiner Reformpartei keine reelle Alternative sehen. Ursache für eine positive Einschätzung der Esten könne auch die Ablehnung der Russen sein. Eine Note für einen „ordentlichen Schuljungen“, wie die estnische Tageszeitung Postimees formuliert, geben Ansip 27%. Nach unten gedrückt wird die Gesamtbewertung durch die nicht Esten, von denen immerhin 75% den Ministerpräsidenten negativ sehen.
Bei Justizminister Rein Lang halten sich die Bewertungen mit 31% positiv und 28% negativ in der Waage, gleiches gilt für den Blick auf die Nationalität der Befragten. Die besten Werte erhalten mit 67% Kulturministerin Laine Jänes und mit 60% Außenminister Urmas Paet. Er ist gemeinsam mit Verteidigungsminister Jaak Aaviksoo auch in der Beurteilung der Kompetenz ganz oben.
Bei Sozialminister Hanno Pevkuri, Finanzminister Jürgen Ligi und Bildungsminister Tõnis Lukas gehen die Beurteilungen der Esten und der anderen Nationalitäen auseinander, was nach Ansicht der Experten mit den größeren wirtschaftlichen Problemen unter den Russen zusammenhängt, die ihnen Wirtschaft und Finanzen generell in negativem Licht erscheinen läßt.
Eine weitere Untersuchung hat ergeben, daß die Esten seit Dezember wieder optimistisch in die Zukunft schauen.
Damit unterscheidet sich Estland ganz grundlegend von Lettland.
Labels:
Politik Estland
Freitag, April 02, 2010
Nordisch geadelt mit estnischen Themen: Sofi Oksanen
Die finnische Schriftstellerin Sofi Oksanen wird den Nordischen Literaturpreis des Jahres 2010 erhalten. Ausgezeichnet wird ihr Werk "Puhistus" ("Reinigung"). In der Begründung der Jury heißt es, Sofie Oksanen verknüpfe historische Ereignisse aus der Zeit der sowjetischen Okkupation in Estland mit einem brennenden weltweit aktuellen Themen, dem Problem des Menschen(Frauen-)handels. Sofi Oksanens Mutter stammt aus Estland, der Vater ist Finne. Aufgewachsen ist sie in Jyväskylä in Finnland und wohnt jetzt in Helsinki. Sie schrieb bisher drei Romane, die zwei vorangehenden heißen "Stalins Kühe" und "Baby Jane". "Puhistus" wird auch als Schauspiel an Finnlands Nationaltheater aufgeführt. Dieses Stück war eingeladen zum BERLINER STÜCKEMARKT 2009 und hieß dort in deutscher Übersetzung "Fegefeuer".Auch beim Festival des finnischen Theaters in Rostock wurde das Stück 2009 aufgeführt.Finnischen Quellen zufolge soll "Puhistus" nun sogar Grundlage für eine Oper werden, die Uraufführung soll für Februar 2011 geplant sein.
Was bedeutet aber der Nordische Literaturpreis in Deutschland? Kurzfristig offenbar wenig. Während in Skandinavien die Kulturseiten in diesem Tagen überquellen mit Berichten über Oksanen und ihr Werk, hat die nordeuropäische Kultur in diesen Tagen des langsam aufkommenden lange herbeigesehnten Frühlings offenbar wenig Freund/innen. Na gut, der Preis wird erst im November verliehen, aber ist das ein Grund, warum nicht einmal die Nachricht über die Verleihung Platz in den deutschen Medien findet? Bisher war nur eine kurze Meldung in der Süddeutsche Zeitung zu finden. Eine Kurznachricht findet sich immerhin noch bei der Berliner Literaturkritik und der Märkischen Oderzeitung. Oder wir suchen noch weiter südlich, "Nachrichten.ch" ist es eine Meldung wert, ebenso in der Südostschweiz, den "Salzburger Nachrichten" oder dem "Standard". Auch das "Liechtensteiner Vaterland" druckt noch die Agenturmeldung ab. Die großen deutschen Feuilletons bereiten sich noch die großen Sonderseiten vor, oder? Bis November wäre noch Zeit. Ebenso Zeit wäre für Buchübersetzungen. Keiner der drei Romane von Sofi Oksanen ist bisher ins Deutsche übersetzt. Aber siehe da: Kiepenheuer & Witsch kündigt das Buch unter dem Titel "Fegefeuer" bereits für Herbst 2010 an, in Übersetzung von Angela Plöger.
mehr zum Inhalt von "Puhistus" bei World Literature Forum (engl.)
Beitrag zum Buch in Helsingin Sanomat (engl.)
Informationen zu Sofi Oksanen bei WSOY (engl./finnisch)
Beitrag zu Sofi Oksanen bei NRK (norwegisches Radio)
Beitrag in AFTONPOSTEN (Norwegen)
Beitrag bei "Information.dk" (dänisch)
Eesti Päevaleht (estn.)
ATN (Litauisch)
ausführlicher Beitrag in POLITIKEN (dänisch)
Mitteilung "Kiepenheuer & Witsch" zur Neuerscheinung "Fegefeuer"
Finn-land.net (deutsch)
Kritik zum Theaterstück "Fegefeuer" bei NACHTKRITIK
Maimu Berg zu Sofi Oksanen (Eesti Päevaleht, estn.)
Sofi Oksanen im Interview mit PÄRNU POSTIMEES (2009, estn.)
Informationen zu Sofi Oksanen bei WSOY (engl./finnisch)
Beitrag zu Sofi Oksanen bei NRK (norwegisches Radio)
Beitrag in AFTONPOSTEN (Norwegen)
Beitrag bei "Information.dk" (dänisch)
Eesti Päevaleht (estn.)
ATN (Litauisch)
ausführlicher Beitrag in POLITIKEN (dänisch)
Mitteilung "Kiepenheuer & Witsch" zur Neuerscheinung "Fegefeuer"
Finn-land.net (deutsch)
Kritik zum Theaterstück "Fegefeuer" bei NACHTKRITIK
Maimu Berg zu Sofi Oksanen (Eesti Päevaleht, estn.)
Sofi Oksanen im Interview mit PÄRNU POSTIMEES (2009, estn.)
Sonntag, März 28, 2010
Baltikum - Getrennte Wege
Über 100 Jahre lang durchlebten die drei baltischen Staaten die Zeitläufe mit ähnlichen Erfahrungen und Brüchen. Deutsche Dominanz (außer Litauen), russische Herrschaft, 1. Weltkrieg mit deutscher Besatzung, dann teilweiser sowjetischer Besatzung, Unabhängigkeitskriege, Unabhängigkeit, sowjetische Besatzung, deutsche Besatzung, sowjetische Besatzung, Singende Revolution, NATO-Mitgliedschaft, EU-Mitglied, Schengen. Nun könnten sich wieder getrennte Wege anbahnen, wenn Estland tatsächlich in den Kreis der Euro-Länder aufgenommen wird. 2011 ist es möglich, denn die Kriterien werden weitgehend erfüllt.
Getrennt, aber nur vorübergehend. Die Nachrichten der letzten Tage sprechen für eine Aufnahme Estlands.
Getrennt, aber nur vorübergehend. Die Nachrichten der letzten Tage sprechen für eine Aufnahme Estlands.
Donnerstag, März 25, 2010
Was soll, was muß die Regierung wissen?
Jüngst hatten sich die Esten in einer Umfrage dafür ausgesprochen, daß die Pressefreiheit im Interesse der nationalen Sicherheit auch einmal eingeschränkt werden dürfe.
Nun hat Justizminister Rein Lang einen Gesetzentwurf über den Informationsquellen eingebracht, der Journalisten dazu zwingen würde, gegebenenfalls ihre Informanten öffentlich bekannt zu geben. Der Entwurf umfaßt eine Liste von Fällen, in denen diese Forderung erhoben werden kann. Im Falle des Verstoßes drohen Geld- und sogar Gefängnisstrafen.
Das verstößt nach Ansicht von Journalisten gegen die Pressefreiheit. Als Protest gegen diesen Vorstoß erschienen jüngst zahlreiche estnische Zeitungen wie Postimees, Eesti Päevaleht, Maaleht, Õhtuleht und die Wochenzeitung Eesti Ekspress mit leeren weien Seiten. Dieser Aktion schlossen sich ebenfalls russischsprachige Organe an.
Der Gesetzentwurf sieht vor, die Journalisten zu verpflichten, notfalls ihre Informationsquellen offen zu legen. Somit werden die Journalisten kein Recht mehr haben, ihre Informanten zu schützen, auch dann nicht, wenn sie anonym bleiben wollen.
Mittwoch, März 24, 2010
Das vermeintliche EU Babel
Als jüngst für Estland und Lettland, und eben nur für diese beiden Länder, Brüsseler Informationsmaterial auch auf Russisch erschien, schrillten vor allem in Lettland die Alarmglocken.
Dienstag, März 23, 2010
Estland und Griechenland
Eine Verbindung? In Estland denken sie schon darüber nach. Beide sind EU-Länder. Nur eins hat den Euro, eins nicht. Eins meint, die Euro-Kriterien besser zu erfüllen. Dreimal raten, wer das ist?
Flasher hat seine Meinung dazu formuliert, er ist gerade in Brüssel:
Etwas kryptisch, aber er meint, es sei egal für die Sicherheit Estlands, ob Präsident Ilves zu den Moskauer Feiern zum Ende des Zweiten Weltkriegs (in Europa) fährt.
Wohlgemerkt in Europa, denn der Weltkrieg ging weiter. Aber das wird in Europa regelmäßig vergessen: Es waren die USA, die am Ende einen Zwei-Frontenkrieg führten. Es gibt Geschichtsbilder, die lassen sich nicht so leicht überbrücken. Aber der Euro, der könnte neue Fakten schaffen, in Estland, und das ist wichtig. Sagt Flasher.
Flasher hat seine Meinung dazu formuliert, er ist gerade in Brüssel:
Estonia is busy with an all-encompassing national project. Successfully adopting the Euro is a far bigger step in ensuring Estonia's future security than any foreign policy troll-bait being catapulted in the Kremlin's general direction. Since we appear to have gotten under the wire on all the actual numbers, the only reason we could be kept out of the Eurozone is if the governments get together and decide they just don't want us in. There is, apparently, some measure of personal discretion involved. Yes, the big boys are currently pissed off at Greece, but we can keep emphasizing the fact that Estonia is the exact opposite of Greece in terms of fiscal responsibility, and our reps need to stay on-message in Brussels.
Etwas kryptisch, aber er meint, es sei egal für die Sicherheit Estlands, ob Präsident Ilves zu den Moskauer Feiern zum Ende des Zweiten Weltkriegs (in Europa) fährt.
Wohlgemerkt in Europa, denn der Weltkrieg ging weiter. Aber das wird in Europa regelmäßig vergessen: Es waren die USA, die am Ende einen Zwei-Frontenkrieg führten. Es gibt Geschichtsbilder, die lassen sich nicht so leicht überbrücken. Aber der Euro, der könnte neue Fakten schaffen, in Estland, und das ist wichtig. Sagt Flasher.
Montag, März 15, 2010
Spätwinter
Kain Kalju hat einige Eindrücke über dem Eis an der Küste festgehalten. Ein Schnappschuss der vielen Zug- und Wasservögel, die sich dort zur Zeit aufhalten.
Mittwoch, März 10, 2010
Grenzüberschreitungen
Bei geteilten Städten denkt der Deutsche zunächst einmal an Berlin, vielleicht noch an zypriotische Hauptstadt Nikosia oder auch Beirut während des Bürgerkrieges. Doch es gibt es Beispiel auch im Baltikum: Walk. Die Stadt in Livland war jahrhundertelang nicht geteilt, weil es an dieser Stelle trotz der gemischten estnischen und lettischen Bevölkerung Livlands keine Grenze gab. Die Entstand erst mit der Unabhängigkeit Estlands und Lettlands nach 1918. Aus Walk wurden das estnische Valga und das lettische Valka, das faktisch nur die südwestliche Vorstadt des Ortes umfaßte. Doch diese Teilung hielt ebenfalls nur etwa 20 Jahre an, denn mit der Inkorporation der baltischen Staaten in die Sowjetunion 1940 verschwand die Grenze wieder.
Das nationale Selbstbewußtsein trug nach der neuerlichen Unabhängigkeit 1991 dazu bei, daß die Esten auch in Vorbereitung auf den erhofften EU-Beitritt ihre Grenzen befestigen. In dieser Zeit zeichnete sich noch nicht ab, daß gleich zehn Staaten gleichzeitig der EU würden beitreten können. Während also in berlin die Mauer fiel, wurde in Walk eine Grenze gezogen.
Das bedeutete natürlich nicht, daß keine Esten mehr nach Lettland und Letten nach Estland fahren konnten. Probleme gab es trotzdem zahlreiche. Zunächst nämlich wurde zum Grenzübetritt noch gestempelt, Personalausweise gab es damals überhaupt nicht. Auf diese Weise waren die Pässe aber zügig voll und die Betroffenen waren gezwungen, vor Ablauf der Gültigkeit neue Dokumente zu beantragen. Manche Menschen wohnten im einen Teil der Stadt, arbeiteten aber im anderen. Für Verwittwete Personen wurde sogar der Friedhofsbesuch damit plötzlich eine Geldfrage.
Besonders betroffen waren die Einwohner russischer Nationalität, Migranten aus der Sowjetzeit, die wegen der Gesetzgebung in Lettland und Estland mit dem Status der Staatenlosen besonders große Schwierigkeiten beim Grenzübertritt hatten, weil sie für das jeweils andere Land auch noch ein Visum benötigten.
Am schlimmsten traf es jedoch eine Reihe von estnischen Staatsbürgern, Bewohner einer kleinen Straße, die auf estnischer Seite põhja, Nordstraße, und auf der lettischen Seite savienības, Unionsstraße heißt. Die Esten hatten sich hier in der Sowjetzeit Eigenheime errichtet, von denen ein Teil sich nach der Grenzziehung von 1920 aber auf lettischer Seite befand. Der Vorschlag eines Staatsgebietsaustausches wurde von lettischer Seite abgelehnt.
Mitte der 90er Jahre begann nach dem Vorbild der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit der Städte Haparanda und Tornio in Schweden und Finnland Besserung. Einzig für Personen aus dritten Staaten blieb es lange unmöglich, einen der drei Grenzübergänge im Stadtzentrum zu nutzen. Für nicht motorisierte Besucher ein großes Problem. Seitdem das Schengener Abkommen auch in Estland und Lettland gilt, sind diese Schwierigkeiten vollumfänglich beseitigt.
Obwohl die physische Grenze verschwunden ist, bleibt natürlich eine juristische, und so sind andere Ärgernisse geblieben. Darum besuchten jüngst Delegationen der Außenministerien beider Staaten die Stadt, um sich über die aktuelle Situation zu informieren. Dabei stellte sich heraus, daß es im Bereich Kultur und Sport eine umfangreiche Zusammenarbeit gibt, diese sich damit aber auch erschöpft.
Für Probleme sorgt die Infrastruktur. Zwar nimmt das Krankenhaus in Valga Patienten aus Lettland auf, die ohne europäische Versicherungskarte aber die Rechnung selbst begleichen müssen. Bringt eine Lettin ein Kind in Estland zur Welt, sind notariell beglaubigte Übersetzungen der Dokumente erforderlich, damit das Kind als lettischer Staatsbürger registriert werden kann.
Ähnlich kompliziert verhält es sich mit dem Zugverkehr. Von Riga und von Tallinn gibt es Verbindungen, die lettischen Züge halten sogar am im estnischen Valga gelegenen Bahnhof, doch die Abfahrtszeiten sind schlecht abgestimmt und verlangen stundenlanges Warten. Noch schwierigere Zustände betreffen den Nahverkehr. Obwohl die lettische Seite einen Bus angeschafft hatte, läßt sich die gewünschte Linie nicht realisieren, denn während in Estland Rentner gratis fahren, müßten sie nach dem Grenzübertritt einen Fahrschein kaufen.
Die beiden Delegationen zeigten sich nach Angaben der lettischen Presse überrascht daüber, wie viel in Valga Valka abhängig ist von Entscheidungen, die nur in der hauptstadt getroffen werden können. Die Delegationen besuchten die geteilte Stadt, weil sie ihren Regieungschef Bericht erstatten sollen.
Labels:
Estland-Lettland,
Russen in Estland,
Verkehr,
Walk
Samstag, März 06, 2010
Einschränkung der Meinungsfreiheit versus Sicherheit
In Deutschland ist die Vorratsdatenspeicherung Gegenstand heftiger Diskussionen. Eine Umfrage in der estnischen Hauptstadt Tallinn hat nun ergeben, daß 44% mit einer Einschränkung der Meinungsfreiheit im Interesse der Sicherheit einverstanden wären. 41% hingegen sind dagegen. 15% waren sich unsicher.
Mit 500 Befragten ist das Ergebnis gewiß nur bedingt repräentativ. Doch es zeit sich, daß jüngere Menschen eher gegen Einschränkunegn sind als ältere sowie interessanterweise eher Esten dafür sind als Vertreter der Minderheiten.
Weitere Zahlen der Umfrage erscheinen widersprüchlich. 73% meinen zwar, in Estland könnten alle ihre Meinung frei äußern, doch nur 30% wären bereit, an Demonstrationen teilzunehmen, wohingegen 23% das eher nicht oder ganz sicher nicht wagen würden.
Das Nach Ansicht von 53% der Befragten die Zeitungen in Estland die Parteien nicht gleich behandeln, ist hingegen weniger verwunderlich. Das fordert die Meinungsfreiheit einerseits nicht und gleichzeitig interessiert sich auch wohl die Leserschaft nicht gleichmäßig für alle Parteien. Das Zeitungen eine politische Richtung bevorzugen, hat sich auch in Estland als Allgemeinplatz noch nicht durchgesetzt.
Mittwoch, März 03, 2010
Wer folgt auf Ilves?
EU-Kommissar Siim Kallas hat erst jüngst verlautbart, sich für den Umzug in Schloß Kadriorg, den Sitz des estnischen Präsidenten, nicht zu interessieren. Der 2006 gewählte Amtsinhaber Toomas-Hendrik Ilves kann außerdem für eine zweite Amtszeit kandidieren. Die nächste Wahl ist in anderthalb Jahren, im Herbst 2011.
Die estnische Verfassung sieht die Wahl des Präsidenten mit 2/3-Mehrheit durch das Parlament vor. Gelingt dies nicht, wird aus Vertretern der kommunalen Parlamente und den Abgeordneten von Riigikogu ein spezielle Versammlung einberufen. Da noch keine Koalition seit 1992 breit genug angelegt war, wurde der Präsident mit der Ausnahme auch vom Wahlverfahren 1992 immer erst in diesem Gremium bestimmt. Und da kann es zu unerwarteten Mehrheiten kommen.
Die Volksunion, welche mit Arnold Rüütel Ilves’ Vorgänger stellte, ist nach den Skandalen um ihren früheren Vorsitzenden politisch wenig erfolgreich gewesen. Bei den Kommunalwahlen im vergangen Herbst brachte sie es landesweit nur auf 1,9% der Stimmen. Mehr oder weniger besser abgeschnitten hat die Partei im zentralestnischen Jõgevamaa, in Ida-Virumaa an der Grenze zu Rußland, auf der Insel Saaremaa und in Pärnumaa. Dennoch stellt sie in 39 Gebietskörperschaften den Ratsvorsitz.
Das wurde möglich, weil zahlreiche Mitglieder der Partei in örtlichen Listenkoalitionen kandidiert haben und dann zum Vorsitzenden des Rates gewählt wurden. Die parteipolitische Verteilung dieser Position ist aber wiederum eher ein Ausweis für das örtliche Koalitions-Farbenspiel als für die absolute Stärke der Parteien, denn die Ämterbesetzung ist überall das Ergebnis politischer Kompromisse.
Und so gehören seit der letzten Kommunalwahl 77 Ratsvorsitzende überhaupt keiner Partei an und wurden über örtliche Listen gewählt; das ist etwa ein Drittel aller Kommunalparlamente. Vaterland und Res Publica stellen die zweitstärkste Gruppe gefolgt von der Reformpartei. Die oppositionelle Zentrumspartei stellt 25 Ratsvorsitzende, darunter in den beiden großen Städten Tallinn und Tartu, während die Sozialdemokraten nur zehn und die im nationalen Parlament vertretenen Grünen überhaupt keinen Vertreter vorweisen können. Damit haben die Regierungsparteien unter den Ratsvorsitzenden der Kommunalparlamente keine Mehrheit.
Ist diese Position im politischen Alltagsgeschäft weniger wichtig, wird sie gleichzeitig wegen des Gremiums für die Präsidentschaftswahl plötzlich interessant. Auch unter Berücksichtung der 101 Riigikogu-Abgeordneten stellten 2006 die Ratsvorsitzenden allein ein Drittel der Delegierten in dieser Versammlung.
Nicht unbedeutend ist außerdem die Rolle der ethnischen Minderheiten. Da in Estland auch ständige Einwohner ohne etsnische Staatsbürgerschaft über das kommunale Wahlrecht verfügen, beeinflussen sie indirekt auch die Wahl des Präsidenten.
Und wer wird es nun? Ilves ist nicht unpopulär, er kann wiedergewählt werden und unter den Regierungsparteien wird er eher Zustimmung als Ablehnung erfahren. Viel hängt folglich davon ab, welche Parteien welche weiteren Kandidaten portieren. 2001 hatte eine liberal-konservative Regierung eine Parlamentsmehrheit. Trotzdem gewann Arnold Rüütel die Wahl gegen den Tartuer Professor Peeter Tulviste.
Labels:
Ilves,
Politik Estland
Schnee von gestern
Manchmal wird mancherorts gestohlen, andernorts dafür illegal Müll abgeladen. Das ist nicht erlaubt und wird bestraft, wenn die Behörden der Täter habhaft werden. Das geschieht unabhängig von der Jahreszeit, also auch im Winter bei Schneen und Eis. Dieses Jahr war der Winter in Estland wieder einmal besonders schneereich. Schon im Januar gab es Rekordniederschläge, doch auch im Februar schneite es viel. Aber der Staat wurde Montag morgen im Tallinner Trabantenvorort Lasnamäe von etwas ganz Neuem überrascht. Unbekannte hatten in Ljuba 4, einem dem Staat gehörenden Grundstück, ca. 1.500 Kubikmeter Schnee entsorgt. Auf dem 1.600 Quadratmeter großen Gelände befand sich früher eine Polizeiwache, doch einstweilen wird es als Parkplatz genutzt. Die Polizei ist alarmiert und man hofft, die Täter zu stellen. Wieviel den Staat die seinerseitge Entsorgung des Schnees kostet, konnte die Verwaltung noch nicht beziffern. Offensichtlich will sie aber nicht einfach nur auf den Frühling warten.
Dienstag, März 02, 2010
Estland - 92 Jahre
Im vorletzten Post ging es um Symbole. Das neue Freiheitsdenkmal in Tallinn auf dem Vabaduse Väljak, dessen Ausführung umstritten ist.
Sichtbar sind die militärischen Symbole aus dem Freiheitskrieg der Gründungsjahre der Republik.
Aber auch sichtbar im Zusammenhang der Gründung der Republik ist eine andere Tradition. Die der Studentenverbindungen. Im Foto bei der Feier zum Jahrestag der Unabhängigkeitserklärung. Mützen und Zeichen der Verbindungen gehören zum Alltagsbild der Universitätsstadt Tartu.
Erstankömmlinge aus Deutschland bringen oft eine Abneigung gegen diese Studentischen Traditionen mit. Aber am Ende ist es ein deutsches Problem, damit umzugehen.
Die estnische Fahne stammt übrigens aus Studentenkreisen.
"Sie wurde erstmals als Fahne des Vereins Studierender Esten (estnisch: Eesti Üliõpilaste Selts oder EÜS) einer Studentenverbindung an der Universität Tartu bekannt, für die sie am 4. Juni 1884 im Pastorat von Otepää geweiht wurde. Sie wurde später mit dem estnischen Nationalismus in Verbindung gebracht und während der ersten estnischen Unabhängigkeit ab 1918 als estnische Flagge verwendet. Formell wurde die Flagge am 21. November 1918 zur Nationalflagge erklärt." Wikipedia
Foto von Ekke Vasli
Sichtbar sind die militärischen Symbole aus dem Freiheitskrieg der Gründungsjahre der Republik.
Aber auch sichtbar im Zusammenhang der Gründung der Republik ist eine andere Tradition. Die der Studentenverbindungen. Im Foto bei der Feier zum Jahrestag der Unabhängigkeitserklärung. Mützen und Zeichen der Verbindungen gehören zum Alltagsbild der Universitätsstadt Tartu.
Erstankömmlinge aus Deutschland bringen oft eine Abneigung gegen diese Studentischen Traditionen mit. Aber am Ende ist es ein deutsches Problem, damit umzugehen.
Die estnische Fahne stammt übrigens aus Studentenkreisen.
"Sie wurde erstmals als Fahne des Vereins Studierender Esten (estnisch: Eesti Üliõpilaste Selts oder EÜS) einer Studentenverbindung an der Universität Tartu bekannt, für die sie am 4. Juni 1884 im Pastorat von Otepää geweiht wurde. Sie wurde später mit dem estnischen Nationalismus in Verbindung gebracht und während der ersten estnischen Unabhängigkeit ab 1918 als estnische Flagge verwendet. Formell wurde die Flagge am 21. November 1918 zur Nationalflagge erklärt." Wikipedia
Foto von Ekke Vasli
Labels:
Geschichte,
Unabhängigkeitstag
Abonnieren
Posts (Atom)


