Montag, August 02, 2010

Estnische Musikexperimente

Zu Ehren des jährlichen Viljandi-Musikfestivals - das gerade vor wenigen Tagen mal wieder zu Ende gegangen ist - hier ein Beispiel der ungebremsten musikalischen Experimentierfreudigkeit in Estland. Oder war es nur ein spontaner Zufall? Eine Session nach dem Festival? Die Videoaufnahme sagt darüber nichts. Weiß jemand mehr? 

Infos zum Viljandi-Festival

Donnerstag, Juli 29, 2010

Das Zehnkampf-Drama

Es ist Europameisterschaft der Leichtathletik, und es gab eine Zeit da kannten alle in Deutschland ihre besten Zehnkämpfer. Lange hielt die Tradition, nun ist das Band gerissen. Stattdessen mühen sich drei Esten durch den zweitägigen Wettkampf. Der Stabhochsprung ist gerade vorbei, ein hoch riskantes Unternehmen. Einer patzte. Null Punkte.

Pahapill tõusis teivashüppega teisele kohale, Arro sai nulli!



So titelt das Delfi-Portal. Mikk Pahapill ist in Medallienposition, Zweiter. Mikk-Mihkel Arro ohne Chancen jetzt.
Andres Raja ist momentan 10. in der Rangliste.
Noch folgen zwei Disziplinen.

Update: Andres Raja wirft Saisonbestleistung, knapp unter 60 Meter, mit dem Speer. Kurzfristig schiebt er sich auf Platz 2.

Update Endergebnis:
4. Platz für Pahapill. Und das mit persönlicher Bestleistung. Das zählt eigentlich mehr als in anderen Disziplinen. Zwei Esten unter den ersten Zehn. Und ein Franzose ist erstmals Europameister. Wie gesagt, die deutschen Athleten haben sich ausgeklingt, oder der DLV wollte es so. Der kann ja seine Leistungshürden hoch halten. Aber bei den Anforderungen, die der Zehnkampf stellt, bin ich eh für Teilnahme der Besten eines Landes, egal wie hoch die Punktzahl.
Und um es deutlicher zu machen: Drei Esten starten (erfolgreich), kein deutscher Athlet. Lächerlich.

Update Sonntag:
Bleibt Gerd Kanter. Der Diskus. Die Konkurrenz ist nahe dran.

Dienstag, Juli 27, 2010

Der Sommer

Sonnenwende. Ich habe lange überlegt, ob ich das Foto posten soll. Es ist einen Monat her. Die Sonne stand hoch, die Tage waren lang. Und es gibt schöne Geschichten über Mittsommernacht. Nur dieser entkleidete Mann hat es nicht geschafft - über das Feuer zu springen. Alles weitere ist unklar. Sommer in Estland, auch damit muss man rechnen. Auf der Insel Kihnu.

Sonntag, Juli 18, 2010

Neue orthodoxe Kirche Lasnamäe

Am Stadtrand Tallinns wird an einem auffälligen Architekturprojekt gearbeitet. Noch ist alles Rohbau, aber spätestens nach den Malerarbeiten wird die orthodoxe Kirche ein Blickfang sein.

Donnerstag, Juli 08, 2010

Blick nach vorne





Vabaduse Väljak
Originally uploaded by kalevkevad
Die Fußballweltmeisterschaft ist bis jetzt nun doch nicht ganz nebenbei in Estland wahrgenommen worden. Zumindest hat es zum Public Viewing auf dem Vabaduse Väljak in Tallinn mehr als 1000 Fans gezogen.
Übrigens kann man darunter parken, und die nicht weggeräumten Mauern der beim Umbau des Platzes wieder entdeckten und konservierten Festungsmauern besichtigen.

Und ein bisschen hoffen darf man auch für die Fußballzukunft. Die Qualifikation zur Euro 2012 beginnt schon nächsten Monat am 11. August in Tallinn. Austragungsort des ersten Spiels ist das Lilleküla Stadion. Der Auftakt ist viel versprechend, aber nicht einfach. Es kommt die Nationalmannschaft der Färöer Inseln.

Danach gibt es im September wieder ein Heimspiel, diesmal gegen Italien. Mal sehen, ob die Italiener mit einer neuen Mannschaft starten. Die WM war für diese alles andere als erfolgreich. Weitere Gegner der Gruppe: Serbien, Nord Irland und Slowenien.


Wikipedia: Die Estnische Nationalmannschaft

Vielleicht eines der sensationellsten Tore eines estnischen Spielers bis heute. Mart Poom machte vor einigen Jahren in der letzten Minute einen Kopfball-Ausgleichstreffer für seinen englischen Verein.
Das kommt häufiger vor, nur nicht als Torwart.


Der beste Blogpost über den estnischen Fußball, besonders die Recherche:
Fußball in Estland von 2009.

Sonntag, Juni 27, 2010

Hansetreffen auf estnisch Art

Viele kennen die Hanse auch dem Geschichts- unterricht - im Mittelalter war es ein bedeutender Zusammenschluß von Städten, die vor allem übers Meer und vor allem an der Ostsee Handel betrieben. Eigentlich als "Vereinigung niederdeutscher Kaufleute" gegründet und betrieben, gibt es heute auch ein anderes Hanseverständnis, das sich weder auf nur eine Nationalität noch auf nur ein Land beschränkt: der seit 1980 wieder ausgerichtete HANSETAG bringt Menschen aus Städten "zwischen Aberdeen und Nowgerod, zwischen La Rochelle und Bergen" zusammen und ist per im Jahre 2000 beschlossener Satzung inzwischen, modern ausgedrückt, eine NGO (Nichtregierungsorganisation).
Ob Wirtschafts- verträge und Standesdenken heute weiterhelfen würden wie es in geschichtlichen Zeiten üblich war, das bleibt dabei eher unklar. Klar ist seit 1980 aber, dass der alljährliche Hansetag die Möglichkeit geben soll, "Tradition und Geschichte sowie ihre kulturelle und wirtschaftliche Bedeutung einer großen Öffentlichkeit in geeigneter Form darzustellen" (§9 der Satzung). Kleiner Nachteil: die Ausrichter müssen die Kosten der Veranstaltung selbst aufbringen. 
Dennoch sind auch die zukünftigen Ausrichter bereits viele Jahre im voraus festgelegt. Schon 1992 war es Tallinn, 2001 Riga, 2005 Tartu, und am Wochenende 24.-27.Juni 2010 Pärnu (2015 wird es dann Viljandi sein).

Besonders aktiv von deutscher Seite zeigen sich bei den "neu-hansischen" Aktivitäten die mittelgroßen und die kleineren Städte. Seit 1980 gab es bereits Hansetage in Dortmund, Duisburg, Köln, Hamburg und Osnabrück, aber auch in Lübeck, Neuss, Braunschweig, Wesel, Münster, Stade, Soest, Frankfurt/Oder, und Lippstadt. 2008 war mit Salzwedel die bisher kleinste deutsche Stadt Veranstalter (25.000 Einwohner). Neben der Organisation "Die Hanse" besteht parallel eine Jugendorganisation ("Youth Hansa").

Dem Teilnehmerverzeichnis des Hansetages 2010 in Pärnu zufolge nahmen 34 Delegationen deutscher Städte - von Alfeld/Leine bis Wismar in diesem Jahr in Estland teil. Dem entsprechend relativ groß ist auch die Aufmerksamkeit in vielen deutschen Regionalmedien: in Städten wie zum Beispiel Lippstadt, Halle, Hamm, Lemgo, Kyritz, Salzwedel, Attendorn, Lüneburg, Herford gab es bereits Vorabberichte über die Planungen und Aktivitäten. Zu erwarten ist also, dass sich aus diesem Anlaß auch wieder viele neue Verbindungen und Kontakte zwischen Deutschland und Estland knüpfen ließen.

P.S.: auch das "Publik-Viewing" (öffentliches Fernseh-Schauen) des Spiels Deutschland-England war in Pärnu gesichert, wie aus diesem Bericht der Rheinischen Post über die Delegation aus Kalkar deutlich wird.


Donnerstag, Juni 24, 2010

Pärnu


Parnu
Originally uploaded by dlakme
Pärnu, an der Rigaer Bucht gelegen, ist eine der wichtigsten Anlaufstellen für den Strandurlaub in Estland.
Hier finden sich auch leichte Anklänge an die norddeutsche Kleinstadtarchitektur. Wenn auch nicht im ganzen Stadtbild vorhanden, aber ein Teil des Flairs kommt davon.
Aufgenommen kurz vor den Mittsommernachtsfeiern, die zur Zeit stattfinden.

Mittwoch, Juni 16, 2010

Bauernmarkt in Pärnu


Farmers Market - Meat
Originally uploaded by Ruukel
Hier könnte man sich für das Mittsommernachtsfest eindecken. Der wohl wichtigste Termin in diesem Monat, denn WM-Fußball findet woanders mit anderen Mannschaften statt.
Das ist übrigens Bio-Fleisch, wie auch alles Essbare, was Ruukel auf dem Mark fotografiert hat.

Die gezückten Messer haben hier wohl nur friedliche Absichten.

Dienstag, Juni 08, 2010

Konzertland Estland

Estland, das Land der Sänger und der Sängerfeste. Estland, das Land der Musik. Auch für ein kleines Land relativ viele Komponisten und Dirigenten kommen aus Estland - von Arvo Pärt bis Erkki Sven Tüür, von den Järvis bis zu Tõnu Kaljuste oder Mihkel Kütson. Aber Estland als Ziel Konzerttournee? Geht das?

Das es geht, zeigten zuletzt die Bremer Philharmoniker. In nur fünf Tagen vier Konzerte, einmal quer durch Estland, und immer "volles Haus" - das mag auch am attraktiven Konzertprogramm gelegen haben, von Brahms über Schubert bis zu Vasks. Oder es war die Zusammenarbeit mit dem Estnischen Nationalen Männerchor, der nach einem gemeinsamen Konzert in Bremen nun auch bei der Konzertreise das Programm mit gestaltete. Zu Hause in Bremen sind die Philharmoniker viel beschäftigt, eine Tournee ins Ausland ist daher eher eine Seltenheit.
Eine Zusammenarbeit der Bremer Philharmoniker mit den Komponisten Erkki-Sven Tüür und Peteris Vasks besteht bereits länger - warum da nicht einmal die baltische Region bereisen? Pläne für eine Einbeziehung Polens und Lettlands scheiterten hauptsächlich wegen den aktuellen Schwierigkeiten der Wirtschaftskrise und den Folgen für manche Konzertveranstalter. Nicht so bei Eesti Kontsert (siehe Konzertankündigung).

Vier Konzerte in fünf Tagen - das bedeutet eine Estland-Reise über Jöhvi, Tartu, Pärnu zum Abschlußkonzert nach Tallinn. Vier ausgezeichnete Konzertsääle, viermal interessiertes, aufmerksames und fachkundiges Publikum. Und es bedeutet einen kleinen Einblick in ein aufstrebendes Land mit gastfreundlichen Menschen. Hier wird jeder Konzertbesucher persönlich begrüßt, und spürbar ist der hohe Stellenwert der kulturellen Angebote. "Hier kann man manches beobachten, was uns in Deutschland auch gut zu Gesicht stehen würde," so Intendant Christian Kötter-Lixfeld.

Wer die Konzerte miterlebt hat, dem scheint vielleicht Verständigung mit Musik als eine leichte Übung. Aber Estland als Konzertland hat es jedenfalls verdient, dass noch so manche Orchester, Musiker und Dirigenten ihre Aufwartung machen.

Mehr über die Konzerttournee und Eindrücke aus Estland berichtet die "Baltische Stunde" in der Sendung am 8.Juni 2010 (Radioweser.tv - auch per Stream im Internet zu hören).

Montag, Juni 07, 2010

Expo 2010 | Tere tulemast Eesti paviljoni / Welcome to the Estonian Pavilion / 欢迎你们来爱沙尼亚馆

Na, dann stellen wir dieses Foto mal vor, Wieder von der Expo in Shanghai. Aufgenommen von Tauno Tõhk, der in Wuhan lebt. Eine der größten und darunter eher unbekanntesten Städte der Welt.
Und was ein Este dort so treibt, ist hier zu sehen: kindel koht hiinalugudele
Mit guten Fotos.

Sonntag, Mai 30, 2010

Malcolm Lincoln


Malcolm Lincoln
Originally uploaded by Daniel Kruczynski
Der Eurovisionstitel geht also nach Deutschland. Die estnische Band Malcolm Lincoln erreichte das Final nicht, aber Erinnerungsfotos aus Oslo bleiben. Und ihre Webseite zum Reinhoeren auf MySpace.

Samstag, Mai 22, 2010

Expo Shanghai

Das ist der estnische Pavillon auf der Weltausstellung in China. Vor zehn Jahren hatten die Esten einen ersten großen Auftritt auf dieser Bühne in Hannover. Auf dem Messegelände der Expo waren sie neben Lettland und Litauen präsent. Damals mit den wogenden Kunstfichten auf dem Dach.

Und das Gebäude selbst war weniger bunt, sondern blau:
Feeling blue?

Dienstag, Mai 18, 2010

Pressekonferenz: Estland, Israel und Slowenien

Auch die OECD ist nun im Web 2.0 Das ist von der Pressekonferenz, als die Einladung zum Beitritt zur OECD verkündet wurde.
Über das Foto kann man zur Roadmap des Beitritts gelangen.

Slowenien und Estland haben viele Parallelen. Estland war ein Sonderfall in der Sowjetunion, zusammen mit Lettland und Litauen. Kleine Laender und Vorreiter der Desintegration der alten sozialistischen Grossstaaten. Slowenien hatte diese Rolle in Jugoslawien.
Auch die Verwechslung der Laender mit anderen Staaten haelt an. Baltikum/Balkan, Estland/Island und vieles mehr.
In Slowenien gab es einen Blogger, der auch ein wenig Vorbild fuer mich beim Bloggen war. Michael Manske. Leider hat er seit 2008 nicht mehr gepostet.
Aber seine Webseite existiert noch, Glory of Carniola, in "about":
In 2001, I moved from New York City to the small Alpine country of Slovakia Slavonia Sepultura Slovenia.

Slovenia is a chicken-shaped country wedged between Italy, Austria, Hungary and Croatia with a population of just under two million. (There is a great interactive map here.)

After a short and relatively bloodless ten-day war in 1991, Slovenia gained independence from the artist formerly known as Yugoslavia. Two years later, Slovakia took the Slovakia out of Czechoslovakia, and a decade of confusion began. The Slovenia/Slovakia problem has claimed such high-profile victims as The New York Times and the President of the United States, and continues to befuddle innocent people all over the world.

Donnerstag, Mai 13, 2010

OECD und Euro

Tax Wedge
Was hat das zu bedeuten? Estland wird voraussichtlich Mitglied der OECD und dann auch möglicherweise Mitglied der Eurozone. Flasher_T meint, dass damit alle wesentlichen Punkte der Westintegration erreicht sind. Und Estland sowieso schon in der skandinavischen Ökonomie integriert sei. Aber er wirft einen genaueren Blick auf die Steuerverhältnisse im Land:
Sein Fazit:
You can keep playing with the numbers to see the situation that is of most interest to you. Conclusions? Despite all the talk of Estonia's very high labour tax, it's actually about the same as the average of the world's most powerful economies. We're about at the median for OECD members, and on the lower end of the spectrum for those that are also in the EU.

Etwas anders, als man sonst hört. Von wegen Flat Tax (Niedrigsteuer). Er meint zwar die Arbeitskosten, aber auch sonst gibt es Berechnungen, dass die reale Besteuerung gar nicht so niedrig ist.

Anerkennung für Leistungen Estlands

Dann gibt es eben ausnahmsweise mal zwei Beiträge zum selben Thema.

Das nördlichste Land des Baltikums hat gleichzeitig zwei bedeutende Einladungen erhalten, Estland soll in die OECD und in die Eurozone aufgenommen werden.

Die OECD gilt als der Club der entwickelten Länder. Die Organisation verlangt für den Beitritt zum eine Politik der Korruptionsbekämpfung, Förderung des geistigen Eigentums und corporate governance mit einem Wort, Kandidaten müssen wirtschaftlich ein zivilisiertes Land sein. Estland hatte die Verhandlungen 2007 aufgenommen und soll sich im Bereich des e-government engagieren.

Estland ist außerdem dem derzeit wichtigsten Ziel der Regierung Ansip, der Einführung des Euros zum 1. Januar 2011 ein Stück näher gerückt. Die EU-Kommission epfiehlt die Aufnahme mit dem Hinweis, daß Estland die Konvergenzkriterien besser erfüllt, als zahlreiche Länder, die den Euro als bereits haben. Die EZB hingegen äußerte Zweifel an der Nachhaltigkeit, mit der die Esten die vor allem das Konvergenzkriterium der Inflation werden einhalten können.

Nachdem beide Institutionen ihren regelmäßigen Bericht vorgelegt haben, beraten das Europäische Parlament und der Europäische Rat über den Vorschlag. Die endgültige Entscheidung wird im anläßlich eines Gipfeltreffens im Juli gefällt.

Ursprünglich wollten Estland und Litauen den Euro bereits 2007 einführen. Damals waren die Inflationsraten hoch, weil nach dem Beitritt zur Europäischen Union besonders skandinavische Banken, im Falle Litauens aber auch Institute aus Österreich, die baltischen Staaten großzügig mit Liquidität versorgten. Estland verzichtete dann freiwillig, während Litauen mit einer 0,1% Überschreitung des der Inflationsrate abgelehnt wurde.

Samstag, Mai 08, 2010

Kreenholm ja Narva kosed

Die aussergewöhnliche Wassermenge im Frühjahr hat in Narva zu einem selten gewordenen Naturschauspiel geführt. Die eigentlich größten Wasserfälle in Estland, in Narva. Die Kreenholm-Insel teilt den Fluss. Durch die Wassernutzung sind die Wasserfälle sozusagen die meiste Zeit außer Betrieb gesetzt.

"Der Wasserfall von Narva war einst einer der größten in Europa, mit einer Breite 77m an der estnischen Seite und 130 m an der östlichen Seite und 3-6 m hoch. In den 50-ger wurde an der russischen Seite das Wasserkraftwerk erbaut und so wurden die Abstufungen und Täler des ehemaligen Falles meist trockengelegt. Das Wasser wird angestaut und so hat Estland seinen drittgrößten See bekommen. Der Unterlauf des Flusses ist schiffbar, überall kann man mit dem Boot fahren oder angeln. Auf dem alten Wappen der Stadt ist der ehemals wichtigste Fisch des Flusses – der Stör – dargestellt. Heute ist der bekannteste Fisch des Flusses das Flussneunauge."
aus maaturism.ee

Samstag, Mai 01, 2010

Immer trocken bleiben

Nachdem hier im Blog die Ergebnisse von Umfragen und die Umgangsweise damit plötzlich so populär geworden sind, möchte ich auch noch ein Beispiel dazu beisteuern. Da titelt der "Standard" in einem Beitrag vom 21.April 2010: "Österreicher Dritter im Kampftrinker-Ranking!" Nun gut, ob das eine Sensation ist, mögen andere beurteilen. Aber ein Satz in diesem Beitrag erregt doch unsere Aufmerksamkeit: "Den ersten Platz beim Alkoholkonsum belegten die Österreicher bei der Frage, ob man vier- bis fünfmal wöchentlich trinkt." - dann die Aufzählung verschiedener anderer Länder, und dann: "Schlusslichter waren Estland und Lettland".

Esten als Antialkoholiker?
Kann das sein? Die Esten trinken am wenigsten Alkohol in ganz Europa? Mir ist unbekannt, ob diese Untersuchung irgendwo auch in der estnischen Presse auftauchte. Vielleicht mit einer potentiellen Schlagzeile "Unsere Säufer sind gar nicht so schlimm - ganz Europa trinkt mehr!"

Da schauen wir also mal genauer hin. Basis dieser Umfragen und Zahlen ist eine EU-Studie zum Thema "Einstellungen der EU-Bürger gegenber Alkohol", durchgeführt im Oktober 2009 von TNS Opinion & Social, veröffentlicht im April 2010.
Wer die ganze Studie liest, könnte auch 25 andere kleine Zeitungsbeiträge schreiben, alle mit anderen Schlagzeilen (und ein paar herausgepflückten Prozentzahlen), jeweils gemünzt auf ein anderes Land (gute Einkommensquelle für Journalisten?).
Ein paar Beispiele:
- Dänemark hat prozentuell den höchsten Anteil an Alkoholkonsumenten (93%)
- In Portugal und Italien trinken nur 58% bzw. 60% der Menschen überhaupt Alkohol, ein hoher Anteil dieser Alkoholkonsumten trinkt jeden Tag.

Der Freitag wartet
Was die baltischen Staaten angeht, so liegt ein Teil der Antwort im "Trickreichtum" der Fragen. Auf die Frage "Haben Sie in den vergangenen 30 Tagen Alkohol getrunken?" antworten in Lettland 77% mit JA, in Litauen 74% (niedrigste Rate in Europa). Estland liegt mit 81% nicht viel darüber. Täglich trinken davon nur 4% der Esten (2% Letten, 1% Litauer), was aber nur bedeutet, dass sich alles auf 1-3 Tage konzentriert (59% der Esten). So zusammengemixt, sind in diesem Punkt auch die Esten europäische Spitze!

Interessant zu lesen ist eine Definition für "Besäufnis" - das sei der Fall, wenn mehr als 5 Getränke an einem Tag getrunken werden. Das geht in Richtung "Komasaufen", und hier liegt Deutschland mit vorn (36% tranken mindestens einmal die Woche mehr als 5 Drinks, genauso viel wie in Österreich). In Estland liegt dieser Prozentsatz nur bei 18%, in Lettland sogar nur bei 11% (niedrigster Wert in Europa).

Gasttrinker
Bei den Finnen übrigens (welche ja oft in Estland zu Gast sind) ist der Prozentsatz derjenigen europaweit am höchsten, die glauben das Alkoholkonsum durch massive Preiserhöhungen erheblich zu senken sei. Aber auch hier interessant, welche Zahlen man zitiert: 52% der Finnen glauben angeblich an die Wirksamkeit einer solchen Maßnahme, aber wieviele Prozent sagen, sie würden selbst weniger kaufen, wenn sie realisiert würde? Lediglich 24%.

Die Aussage aus dem Zeitungsbeitrag war trotz Bemühen zwischen den Zahlen des tatsächlichen Untersuchungsergebnisses so nicht wiederzufinden. Die Umfrage ist also die eine Sache, was man draus macht meist eine andere.

Donnerstag, April 29, 2010

Nordic Green


Nordic Green II
Originally uploaded by jurvetson
Vor einigen Posts haben wir über die Windenergie in Estland berichtet. Ein Thema, das immer bedeutender wird - Stichwort "Erneuerbare Energien".
Estland macht nun auch in Kalifornien auf sich aufmerksam. Die Konferenz heißt Nordic Green. Einer der Teilnehmer ist Steve Jurvetson und gehört zu den wichtigsten Fürsprechern Estlands in den Vereinigten Staaten. (Zweiter von links)
Offizieller Name der Konferenz: Nordic Green II. Veranstaltungsort: Menlo Park

Montag, April 19, 2010

Hausmitteilung

moevenort“ kommentierte den Beitrag über die Zufriedenheit der Esten mit ihrer Regierung wie folgt: „Was soll denn diese Schönfärberei? unkritischer geht es wohl nicht mehr?“ April 04, 2010 2:45 PM

Es handelt sich bei erwähnten Zahlen um das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage der Turu Uuringute AS, welche von der Tageszeitung Postimees zitiert wurde.

Jüngst hatte ein Geschäftsmann in einem Gespräch mit derselben Zeitung erklärt, er zöge den Hut vor Andrus Ansip, während der Bürgermeister von Tallinn, Edgars Savisaar, süffisant meinte, er sehe Ansip eher als guten Bürgermeister von Tartu. Ansip war vor etlichen Jahren Bürgermeister der zweitgrößten Stadt Estlands.

Die Politologin der Tallinner Universität, Anu Toots, wies auf die Besonderheit der langem Amtszeit hin. Ansip feierte kürzlich sei fünftes Jubiläum im Amt. Freilich hat er dabei nicht immer die gleiche Koalition geleitet und zwischendurch sogar mit Savisaar regiert. Toots hält es trotzdem nicht für ausgeschlossen, daß sich Ansip noch weitere fünf Jahre im Amt hält. Für Toots ist es die größte Leistung des Regierungschefs, im Rahmen der Krise Schlimmeres von Estland abzuwenden. Ein Blick nach Süden über die Grenze genügt, wie es auch hätte laufen können.

Freitag, April 16, 2010

Geistige Esel


Mit Freude vermelden wir das Erscheinen einer neuen Publikation der IFA (Institut für Auslandsbeziehungen, Berlin /Stuttgart). Die Ausgabe Nr.3/2010 des KULTURREPORT widmet sich den Literaturen Europas und dem europäischen Buchmarkt. Schnell schweift das "baltische Auge" über das Inhaltsverzeichnis, und tatsächlich: die Estin Eeva Park, in Deutschland bekannt durch ihr Werk "Falle, unendlich" (Original "Lõks lõpmatuses", Deutsch erschienen im Ihleo Verlag, siehe Infos der Übersetzerin Irja Grönholm), ist mit einemm Beitrag hier vertreten unter dem Titel "Geistige Esel der Beladenen". Hier sind Überlegungen nachzulesen zur möglichen geistigen Heimat der jungen Generation in Estland. 

Schaut man über den baltischen Tellerrand (vielleicht müsste man sich zunächst bei Estland entschuldigen, es überhaupt als "baltisch" zu bezeichnen) so finden wir in der 210-seitigen IFA-Publikation auch noch Sigitas Parulskis. Er hätte ja vielleicht auch etwas besseren Bekanntheitsgrad in Deutschland verdient. Nur, dass er hier gleich zwei Länder repräsentieren muss, wird er vielleicht auch erst beim Lesen des ersten Satzes der Einleitung von Ingrid Hamm, ihres Zeichens Geschäftsführerin bei der Robert-Bosch-Stiftung, verstanden haben. Hier steht zu lesen, und ich gebe es auch unseren Leser/innen hiermit zu Bedenken: "Kennen Sie Eeva Park, die estnische Erfolgsautorin? Oder Sigitas Parulskis, das Enfant terrible der lettischen Literatur? Wahrscheinlich nicht."

Liebe IFA, liebe Bosch-Stiftung:  ein vielstimmiges "aitäh" aus Estland, aber der Prozess der wirklichen europäischen Orientierung ist wohl hier auch noch nicht ganz abgeschlossen, wie es aussieht. Aber vielleicht dringen die Leser/innen auch bis Seite 134 vor, wo Parulskis selbst zu Wort kommt und sicherlich zumindest klar werden wird, aus welchem Land er stammt.

Montag, April 12, 2010

Estland und der Euro

Die Gemeinschaftswährung der EU ist bei Nicht-Experten oft eine emotionale Angelegenheit. Experten diskutieren die Vorteile und Risiken des Euro. In einigen Ländern wird die Eurozone trotzdem als rettender Hafen wirtschaftlicher Stabilität gesehen. Und so betonen Estlands Regierungschef Andrus Ansip und Präsident Toomas Hendrik Ilves derzeit immer wieder, der Beitritt zum Jahre 2011 sei das Ziel der estnischen Politik, nachdem ein erster Versuch 2007 abgebrochen worden war. Am 12. Mai soll nun die EU-Kommission eine entsprechende Empfehlung aussprechen.

Die Esten haben gute Argumente auf ihrer Seite. Die Maastricht Kriterien erfüllt das Land besser als fast alle jetzigen Mitglieder. 1,7% des BIP Haushaltsdefizit 2009 und eine Prognose von 2,2% für das laufende Jahr sind ein guter Ausweis. Bei der Staatsverschuldung ist Estland schier ein Musterschüler mit nur 7,2% des BIP bei erlaubten 60%.

Die niedrige Inflationsrate von 1,7% überrascht hingegen weniger. Estland hatte ähnlich wie der südliche Nachbar Lettland in der Krise auf eine Abwertung der eigenen Währung zugunsten einer internen Abwertung verzichtet. Das bedeutete drastische Kürzungen der Staatsausgaben, verbunden mit Kürzungen der Gehälter. Die Folge sind eher deflationäre Tendenzen.

Diese Politik wurde durchgesetzt trotz stark steigender Arbeitslosigkeit, die inzwischen 15% beträgt und einer Schrumpfung der Wirtschaft von 14,1%.

Damit hat die derzeitige Regierung die Politik der Vorgängerkabinette fortgesetzt, die 1992 kurz nach der Unabhängigkeit mit der estnischen Krone ihre eigene Währung einführten und diese fest an die deutsche Mark banden.

Estland fürchtet folglich nicht die Folgen der Krise in Griechenland für den Euro. Ilves jedoch treibt die Sorge um, die Staaten der Eurozone könnten ihre Besorgnis über den Mittelmeerstaat zum Anlaß nehmen, die Aufnahmemöglichkeit weiterer Staaten in die Gemeinschaftswährung für gegenwärtig unmöglich zu erklären. In diesem Falle setzte die EU ein problematisches Signal, findet der estnische Präsident. Ein Land, welches die besten Eckdaten aufweist, die vielleicht noch Luxemburg vorweisen könne, werde von solchen Ländern abgelehnt, die den Maastricht-Kriterien bei weitem weniger entsprechen.

Estland macht Wind

90% der in Estland erzeugten Windenergie sei im Jahr 2009 ins südliche Nachbarland Lettland verkauft worden, verkündet stolz das estnische Aussenministerium, und beruft sich dabei auf Eesti Päevaleht. Das sind 150 der insgesamt erzeugten 172 Gigawattstunden (Gwh). Möglich macht dies der Preis: er liegt um ganze 25% niedriger als in Lettland selbst. Wie Eesti Päevaleht nachrechnet, stecken in dem so exportierten Strom insgesamt 120 Millionen estnische Kronen (EEK) an estnischen Subventionen. In Estland dürfen solche Subventionsempfänger auch exportieren, in Lettland ist das ausgeschlossen. Die estnischen Stromproduzenten wiederum erklären den Export mit dem höheren Marktpreis in Lettland.

Eines der größten Windenergieprojekte Estlands wird in Hiiumaa geplant (siehe Baltic Times 21.1.09), sowohl auf der Insel wie auch offshore. Bisher gab es jedoch auch einigen Widerstand dagegen von Seiten der Einwohner. Ein Liste aller in Estland bereits in Betrieb oder in Planung befindlichen Windenergieanlagen kann bei der estnischen Windenergievereinigung (Eesti Tuuleenergia Assotsiatsioon) eingesehen werden. Auch die GTAI (German Trade and Invest, ein Informationsportal der Bundesagentur für Aussenwirtschaft) berichtete bereits vor zwei Jahren von einer stark gestiegenen Produktion an Windenergie in Estland und entsprechenden Investitionsmöglichkeiten und von entsprechenden unterstützenden Aktivitäten der Deutsch-Baltischen Handelskammer. Mit Hilfe von deutschen Partnern und Konstrukteuren sind zum Beispiel Anlagen in Paldiski und Virtsu gebaut worden.
Dennoch liegt der Anteil der Windenergie an der Energieerzeugung in Estland erst bei ca. 1%. Manche Pläne zum Ausbau mögen auch (außer auf Hiiumaa) anderswo leichtes Gruseln hervorrufen: Pläne, den Windspargel in den Peipussee hineinzustellen, mag ausser skrupellosen Geschäftemachern wohl nur diejenigen freuen, die unbedingt die Sicht Richtung Russland verstellt haben wollen.

Ein Blick in verschiedene Presseberichte zum Thema Windenergie in Estland zeigt, dass Firmen aus sehr vielen Ländern in Estland aktiv sind: Kanadier, Deutsche, Dänen, Finnen, Norweger, US-Amerikaner und viele andere. Eine kleine estnische Forschergruppe untersucht Möglichkeiten, Windenergie-Turbinen selbst in Estland zu produzieren, um das Argument "Windenergie ist importierte Technologie welche die Handelsbilanz weiter verschlechtert" zu entkräften.Die Frage ist nur, welche Auswirkungen die Bemühungen der estnischen Regierung haben werden, wenn auch weiter auf neue Ölschieferanlagen und sogar Atomkraftwerke gesetzt wird - das könnte zu Lasten des mit der EU abgestimmten Ziels gehen, bis 2020 einen Anteil von 25% erneuerbarer Energie an der Energieversorgung zu erreichen. Und ein weiterer Faktor wird sein, wie hoch Steuern auf das umweltschädliche CO2 festgesetzt werden, das vor allem bei der Ölschiefergewinnung massenhaft anfällt.

Mittwoch, April 07, 2010

karuskose veed


karuskose veed
Originally uploaded by Ruukel
Nach dem langen Winter, und Schnee, nun das Wasser. Ruukel hat die derzeitige Situation im Nationalpark Soomaa festgehalten - und einen Fotovergleich mit 1956 gezogen.

Und noch ein Foto, einige sind das erste Mal durch den Wald mit Kanu. Das kann man nicht oft erleben. Ebenfalls Foto von Ruukel:

Samstag, April 03, 2010

Oh Wunder, oh Volk, das mit seiner Regierung zufrieden ist

Wann hätte man in einer Demokratie schon einmal gehört, daß das Volk von der eigenen Regierung begeistert wäre. Es ist ganz im Gegenteil normal, daß es nicht so ist, sondern daß es die Politik nicht allen Recht machen kann und der Wähler sich auch schon einmal von seiner eigenen Partei enttäuscht sieht – um sie dann doch wieder zu wählen. Beliebt sind in aller Regel nur Monarchen und repräsentative Präsidenten.

Daß die Bevölkerung in Lettland die Nase voll hat von ihren Politikern, ist seit langem bekannt und alles andere als unbegründet. Anders verhält es sich im Nachbarland Estland.

Die Minister machen nach Ansicht der Esten einen guten Job. Ausgerechnet Ministerpräsident Andrus Ansip ist der einzige bei dem die Zustimmung nur bei 35% liegt, während ebenso viele Menschen vom Gegenteil überzeugt sind.

Zunächst wurden die Menschen gefragt, welche drei Personen ihnen am bekanntesten sind. Hier steht an vorderster Stelle selbstverständlich der Regierungschef, während Regionalminister Siim-Valmar Kiisler der unbekannteste Minister der Regierung ist. Das ist überraschend, weil dieser Minister im Zusammenhang mit der Verwaltungsreform jüngst häufig in den Medien war, sagt der Politologe Tõnis Saarts. Ganz im Gegenteil zu den in der Öffentlichkeit seltener präsenten Ministern für Inneres und Landwirtschaft.

Die Minister wurden alle stärker positiv als negative bewertet. Im Falle von Ministerpräsident Ansip sind sich die Demoskopen nicht sicher, ob die positive Bewertung wirklich von seiner Arbeit abhängt oder nicht eher damit verbunden ist, daß die Esten zu seiner Reformpartei keine reelle Alternative sehen. Ursache für eine positive Einschätzung der Esten könne auch die Ablehnung der Russen sein. Eine Note für einen „ordentlichen Schuljungen“, wie die estnische Tageszeitung Postimees formuliert, geben Ansip 27%. Nach unten gedrückt wird die Gesamtbewertung durch die nicht Esten, von denen immerhin 75% den Ministerpräsidenten negativ sehen.

Bei Justizminister Rein Lang halten sich die Bewertungen mit 31% positiv und 28% negativ in der Waage, gleiches gilt für den Blick auf die Nationalität der Befragten. Die besten Werte erhalten mit 67% Kulturministerin Laine Jänes und mit 60% Außenminister Urmas Paet. Er ist gemeinsam mit Verteidigungsminister Jaak Aaviksoo auch in der Beurteilung der Kompetenz ganz oben.

Bei Sozialminister Hanno Pevkuri, Finanzminister Jürgen Ligi und Bildungsminister Tõnis Lukas gehen die Beurteilungen der Esten und der anderen Nationalitäen auseinander, was nach Ansicht der Experten mit den größeren wirtschaftlichen Problemen unter den Russen zusammenhängt, die ihnen Wirtschaft und Finanzen generell in negativem Licht erscheinen läßt.

Eine weitere Untersuchung hat ergeben, daß die Esten seit Dezember wieder optimistisch in die Zukunft schauen.

Damit unterscheidet sich Estland ganz grundlegend von Lettland.

Freitag, April 02, 2010

Nordisch geadelt mit estnischen Themen: Sofi Oksanen


Die finnische Schriftstellerin Sofi Oksanen wird den Nordischen Literaturpreis des Jahres 2010 erhalten. Ausgezeichnet wird ihr Werk "Puhistus" ("Reinigung"). In der Begründung der Jury heißt es, Sofie Oksanen verknüpfe historische Ereignisse aus der Zeit der sowjetischen Okkupation in Estland mit einem brennenden weltweit aktuellen Themen, dem Problem des Menschen(Frauen-)handels. Sofi Oksanens Mutter stammt aus Estland, der Vater ist Finne. Aufgewachsen ist sie in Jyväskylä in Finnland und wohnt jetzt in Helsinki. Sie schrieb bisher drei Romane, die zwei vorangehenden heißen "Stalins Kühe" und "Baby Jane". "Puhistus" wird auch als Schauspiel an Finnlands Nationaltheater aufgeführt. Dieses Stück war eingeladen zum BERLINER STÜCKEMARKT 2009 und hieß dort in deutscher Übersetzung "Fegefeuer".Auch beim Festival des finnischen Theaters in Rostock wurde das Stück 2009 aufgeführt.Finnischen Quellen zufolge soll "Puhistus" nun sogar Grundlage für eine Oper werden, die Uraufführung soll für Februar 2011 geplant sein.

Was bedeutet aber der Nordische Literaturpreis in Deutschland? Kurzfristig offenbar wenig. Während in Skandinavien die Kulturseiten in diesem Tagen überquellen mit Berichten über Oksanen und ihr Werk, hat die nordeuropäische Kultur in diesen Tagen des langsam aufkommenden lange herbeigesehnten Frühlings offenbar wenig Freund/innen. Na gut, der Preis wird erst im November verliehen, aber ist das ein Grund, warum nicht einmal die Nachricht über die Verleihung Platz in den deutschen Medien findet? Bisher war nur eine kurze Meldung in der Süddeutsche Zeitung zu finden. Eine Kurznachricht findet sich immerhin noch bei der Berliner Literaturkritik und der Märkischen Oderzeitung.  Oder wir suchen noch weiter südlich, "Nachrichten.ch" ist es eine Meldung wert, ebenso in der Südostschweiz, den "Salzburger Nachrichten" oder dem "Standard". Auch das "Liechtensteiner Vaterland" druckt noch die Agenturmeldung ab. Die großen deutschen Feuilletons bereiten sich noch die großen Sonderseiten vor, oder? Bis November wäre noch Zeit. 

Ebenso Zeit wäre für Buchübersetzungen. Keiner der drei Romane von Sofi Oksanen ist bisher ins Deutsche übersetzt. Aber siehe da: Kiepenheuer & Witsch kündigt das Buch unter dem Titel "Fegefeuer" bereits für Herbst 2010 an, in Übersetzung von Angela Plöger.

mehr zum Inhalt von "Puhistus" bei World Literature Forum (engl.)
Beitrag zum Buch in Helsingin Sanomat (engl.)
Informationen zu Sofi Oksanen bei WSOY (engl./finnisch)
Beitrag zu Sofi Oksanen bei NRK (norwegisches Radio)
Beitrag in AFTONPOSTEN (Norwegen)
Beitrag bei "Information.dk" (dänisch)
Eesti Päevaleht (estn.)
ATN (Litauisch)
ausführlicher Beitrag in POLITIKEN (dänisch)
Mitteilung "Kiepenheuer & Witsch" zur Neuerscheinung "Fegefeuer
Finn-land.net (deutsch)
Kritik zum Theaterstück "Fegefeuer" bei NACHTKRITIK
Maimu Berg zu Sofi Oksanen (Eesti Päevaleht, estn.)
Sofi Oksanen im Interview mit PÄRNU POSTIMEES (2009, estn.)