Dienstag, Juli 24, 2007

Die "köln" uns mal, die Esten!

Tallinn entwickelt sich in letzter Zeit offensichtlich zu einem Treffpunkt einer gewissen "In-Szene" der deutschen Möchtegern-Kulturavantgarde. Waren die turbulenten Tage im Mai ein Auslöser? "In Tallinn ist was los!" Das sollte ja eigentlich auf andere Ereignisse bezogen sein.

Nach den berauschend belanglosen Kolumnen von Hendryk M. Broder bei SPON (der inzwischen auch Riga-Kolomnen schreibt), kritzelt nun auch ein Freizeit-Kolumnist aus Köln seine Notizen aus Tallinn in sein Blog-Notizbuch. "Et is, wie et is," (für Nicht-Kölner: "es ist, wie es ist"), so das Motto von Edgar Franzmann auf www.koeln.de. Ganze drei Wochen habe er sich in Estland und Lettland aufgehalten, gibt er bekannt. Was ist dabei herausgekommen?

"Tallinn, die Hauptstadt Estlands, ist - wie Köln - eine alte Hansestadt." Gut, Herr Franzmann, dass Sie's gemerkt haben. Vielleicht hätte er die "alte Hansestadt" Köln in Tallinn etwas bekannter machen können? Welche Fremdsprachen der Kölsche Reisende beherrscht, wird leider nicht bekannt gegeben. Jedenfalls kommt Freude auf, dass estnische Lokale "Kehrwieder" heißen können, und Blutwurst auf dem Speiseplan steht. - Und dann die "landestypische Musik". Zitat: "Hörst du”, stieß mich meine Frau an, “das ist doch ‘Schnaps, das war sein letztes Wort’.” Tatsächlich lief da der alte kölsche Schlager - allerdings auf Estnisch gesungen, eine Sprache mit 14 Fällen."

Tja, leider wurde die Karnevalstauglichkeit der Esten nicht getestet. Denn das war es dann auch schon - die Ausbeute einer zweiwöchigen Reise. Reaktionen der Kölner Leser? Zitat: "Man, Edgar lass et jut sinn, höre auf mit der Schreiberei, die hier eh niemanden mehr interessiert und fahre Taxi in Köln."

EDGAR! Halte durch! Bleib am Ball!
Glücklicherweise hat Edgar noch ein zweites Motto: "Et hätt noch immer jot jejange." (= "bisher ist es immer noch gut gegangen ...")

Fahle maja - Ein Architekturprojekt


Fahle maja
Originally uploaded by kalevkevad
kalevkevad ist ein Norweger, der regelmaessig Tallinn besucht. Im Juli hat er das Fahle-Gebaeude dokumentiert. In einem Kommentar zu diesem Foto (Klick auf das Bild), hat er einen Link zur offiziellen Fahle-Seite des Bauprojekts gesetzt.

Daraus ein Auszug uber Fahle, den Unternehmer aus Deutschland, der Auftraggeber fuer das Gebaeude in der fruehen Unabhaengigkeitszeit Estlands war.
"Emil Fahle moved to Tallinn from Germany in 1895. As a son of an engine driver he had only 5 roubles in his pocket, but self-confidence and enterprise soon helped him to find a job in Osse and Co cellulose factory founded instead of Ülemiste paper factory. He started from an inferior position, but being efficient in various fields he was soon promoted. Seeing the shareholders in debts and the whole factory in economic difficulties Fahle presented the shareholders his action program. "
Triin Ojari ueber das "Brainstorming" vor der Umgestaltung des historischen Gebaeudes.

Montag, Juli 23, 2007

Praktikumsmöglichkeit

Die Hamburger Weiterbildungseinrichtung "Arbeit & Leben" bietet erneut eine Praktikumsmöglichkeit in Estland, Lettland oder Litauen an. Anvisiert als Arbeitszeitraum wird der 24.September bis 16.Dezember 2007, Bewerbungsschluß ist der 30.Juli.

Angesprochen werden sollen mit dem Programm Fachleute aus den Branchen Baugewerbe, Handwerk –insbesondere Holzverarbeitung, Medien, Druckindustrie, Informatik, Telekommunikation, Landwirtschaft, Gesundheits–, Erziehungs– und Dienstleistungswesen.
Vorausgesetzt werden eine abgeschlossene Berufsausbildung, mindestens zweijährige Berufserfahrung und mindestens Englischkenntnisse (falls keine Kenntnisse in der Sprache des Ziellandes vorhanden sind gibt es Sprachtraining vor Ort).

Infoseite von "Arbeit & Leben"

Dienstag, Juli 17, 2007

Drei Statistiken - Estland im Mai

Um 2900 ging die Zahl der Touristen aus Russland, die in Estland Urlaub machten, im Mai 2007 gegenüber dem Vorjahr zurück. Dies weist nun eine Bilanz des estnischen staatlichen Statistikamtes aus.
Solche Angaben werden auch von den estnischen Behörden in Zusammenhang mit den bekannten Unruhen anläßlich der Versetzung des Denkmals des Bronzesoldaten gesehen. Insgesamt kamen im Mai auch weniger Deutsche, Finnen und Schweden: insgesamt kamen 8.000 Gäste weniger als im gleichen Zeitraum 2006. Der Trend bei den Gästen aus Finnland geht sowieso über mehrere Monate schon leicht zurück (weniger "Alkoholtouristen"?). Im Gegensatz dazu stieg die Anzahl der Gäste aus Litauen, Lettland und Norwegen auch im Mai weiter an.

Dem Wirtschaftswachstum hat aber auch der Mai 2007 in Estland keinen Schaden zugerichtet. Wie eine weitere aktuelle Statistik aussagt, stieg der Verkauf im Einzelhandel in diesem Monat sogar um 10% an (ob die Läden Plünderungen geschickt abrechnen?). Gut nachvollziehbar und logisch scheint vor allem der statistisch nachweisbare Anstieg um volle 37% beim ...... Verkauf von Blumen (rote Nelken wurden nicht einzeln ausgewiesen).

Und eine dritte Statistik: Estland ist eines der fünf Mitgliedsländer der Europäischen Union mit der ungleichmäßigsten Verteilung der Einkommen (Pressemeldung Statistikamt vom 4.7.07). Hiernach verdient das reichste Fünftel (also 20% der Menschen) das 5,9fache des ärmsten Fünftels. Im EU-Durchschnitt ist dieser Unterschied das 4,9fache. Ähnlich ist es in Lettland (6,7fach) und Litauen (6,9fach). Im "alten Europa" ist das nur in Portugal noch krasser (8,8fach). Schweden ist das in dieser Hinsicht am meisten ausgeglichenste Land (3,3fach).
klare Schlußfolgerung daraus: der Wohlstand steigt, aber nicht bei allen.
Weitere Schlußfolgerungen: bei Kinder ärmerer Eltern besuchen nur 57% eine höhere Schule, bei reichen Eltern sind es 85%. Unter den Reicheren älter als 16 Jahre bezeichnen sich 77% als gesund, bei den Ärmeren sind es nur 41%.

Webseite des estnischen Statistikamtes (estnisch / englisch)

Estland - Ein Statistikfund

In Giustinos Blog ueber Estland wurde ueber die Frauen des Landes diskutiert. Es drehte sich auch um die aeltere Generation. Auf der Suche nach Beispielen, die nicht auf die Stereotypen wie die jungen Blonden oder die alten Muetterchen hinauslaufen, bin ich beim Sport gelandet. Genauer der Leichtathletik, der olympischen Kerndisziplin und Medalliengrube fuer alle baltischen Laender:
In der aktuellen Tabelle der besten estnischen Diskuswerferinnen mischen drei ueber 40jaehrige kraeftig mit. Die Spitzenpostion wird von einer Sportlerin des Jahrgangs 63 gehalten, der 7. Rang wird sogar von einer 50jaehrigen eingenommen.
In Europa ist das, soweit ich das ueberblicken kann, neu und unterstreicht eine Entwicklung , die schon laenger anhaelt. Leistungssport wird im Durchschnitt von immer aelteren Aktiven betrieben. An die 30jaehrigen auf dem Siegertreppchen haben wir uns gewoehnt, es war nur eine Frage der Zeit bis auch die 40jaehrigen hinzustossen.
Kettaheide estn. fuer Diskus Stand Juli 2007
Kettaheide 1kg Koostajad:
53.98 Eha Rünne 25.05.1963
45.76 Anu Teesaar 15.02.1983
41.70 Raine Kuningas 20.10.1988
41.15 Lea Vahter 07.07.1961
40.84 Signe Kobolt 31.07.1986
39.72 Leana Vahter 23.09.1986
38.98 Mare Külv 15.05.1957

Freitag, Juli 13, 2007

Die estnisch-russische Kulturszene

David McDuff, ein Blogger und eigentlich ein Übersetzer und Publizist in Großbritannien hat einen interessanten Hinweis auf die estnisch-russische Literaturszene geliefert. McDuff übersetzt auch aus dem Russischen.
Bei der Recherche nach weiteren Quellen über die von McDuff vorgestellte russischsprachige Literaturseite in Estland bin ich auf diesen Artikel der Postimees gestossen. Der Tenor, die Kulturszene, allgemein als Vorreiter der gesellschaftlichen Entwicklungen gesehen, ist schon viel weiter als der Medien-Schlagabtausch zwischen Russland und Estland.
Ich erlaube mir ein Langzitat aus eurotopics:
Estland - Postimees | 08.08.2006
Die neue estnisch-russische Kulturszene

Immer mehr in Estland geborene Russen haben mit Esten zusammen studiert und deren Sprache gelernt. Damit sei eine neue Generation herangewachsen, die die estnische Kultur so gut kenne wie die russische, konstatiert Igor Kotjuh, selbst ein Vertreter dieser neuen Gruppe. "Man kann heute von einer estnisch-russischen Kultur sprechen, deren Vertreter etwas ganz Neues schaffen, denn sie verbinden zwei Traditionen. Die Elemente dieser Synthese verspüren wir heute schon in unseren Theatern, aber auch in der Malerei, in der Musik und in der Literatur. Die lokalen russischen Medien widmen sich freilich mehr den traditionellen Helden, und auch die estnischsprachigen Medien würdigen die estnisch-russischen Kulturereignisse mit kaum mehr als dürftigen Informationen. So wurde ich beispielsweise von einem Journalisten gefragt, ob estnisch-russische Autoren in Russland wahrgenommen würden. Und ich fragte zurück: 'Wozu? Sie leben doch in Estland'."

Beim Googeln über Igor Kotjuh taucht wieder ein gleiches Schema auf. Russischsprachige Blogger posten bei Livejournal, englischsprachige bei Blogger, Wordpress und anderen.

Donnerstag, Juli 12, 2007

Herzlichen Glückwunsch, Estland!

Einen turbulenten Geburtstag feierte am 4.Juli im "Pussirohukelder" ("Schießpulverkeller"), einer Bar in Tartu, der estnische Justizminister Rein Lang. Der publizistische Wiederhall spiegelt sich weitgehend in der estnischen, russischen und englischen Presse - obwohl es wieder mal um Hakenkreuze und angebliche nazi-freundliche Tendenden zu Estland geht (was auch Deutschland eigentlich etwas angehen müsste, wenn es denn so wäre). Jedenfalls weilt Ausseminister Steinmeier gerade zu einem Kurzbesuch in Estland, und wird frische Eindrücke der politischen Stimmungslage sammeln können.

Was war der Auslöser? Gut, auch wenn man 50.Jahre alt wird, sollte ein Minister nicht vergessen, dass er Minister ist. Fotos zu vorgerückter Stunde, in ausgelassener Stimmung und mit Hakenkreuz-Fahnen im Hintergrund machen sich wenig vorteilhaft für die estnische Diplomatie, das dürfte klar sein.

Wie kam es dazu?
Den pittoresken Hintergrund lieferte "Adolf", ein Theaterstück des Engländers Pip Utton, das auch in Deutschland schon aufgeführt wurde (zum Beispiel beim THESPIS-Festival 2003 in Kiel, angekündigt als "Theater gegen Rassismus".
Auszug aus der damaligen Ankündigung des Stückes: "Es gibt diverse Theorien darüber, was Hitler während seiner letzten Stunden im Berliner Führerbunker getan hat. Pip Utton bietet eine weitere Alternative an, indem er selbst in Uniform und Maske des "GröFaZ" schlüpft und eine beängstigend reale Figur abgibt, die noch einmal die letzten "1000 Jahre" Revue passieren läßt, den Holocaust ebenso wie die getreuen Gefolgsleute. Uttons ADOLF ist keine harmlose Hitler-Parodie. Es ist ein Blick auf uns selbst, auf all die "kleinen" Adolfs, die, ohne es zu wissen, den Globus bevölkern... "
(weitere Aufführungen in Deutschland: beim Maulhelden-Festival in Berlin 2004, auch 2002 in der Berliner Akademie der Künste)

Aber scheinbar macht es den Unterschied, wenn dasselbe Stück in Estland gespielt wird. Ein "Blick auf uns selbst" - das stört offenbar doch einige, und wiedermal tun sich diejenigen hervor, die vorgeben für "die Russen" zu sprechen.
Das BRITISH COUNCIL schreibt über Pip Utton: "
Nach Anfangsjahren im Amateurbereich wechselte Pip Utton 1996 zum professionellen Theater über, gewann mehrere Darstellerpreise und schrieb ein rundes halbes Dutzend erfolgreicher (Mono-)Dramen."

Die "Berliner Zeitung" schrieb 2002 über das Stück: "
Angesichts einer beunruhigenden Stärkung rechter Parteien und ihrer Führerfiguren in ganz Europa - Le Pen, Bossi und Fini, Haider, Kjaersgaard oder der vor kurzem ermordete Pim Fortuyn -, allesamt Rechtspopulisten, die mit fremdenfeindlichen, rassistischen Parolen auf Wählerfang gehen, setzt Berlins englisches Theater "Friends of Italian Opera" im Juni mit den Gastspielen des Unlimited Theatre aus Leeds, vor allen Dingen aber mit Pip Uttons "Adolf" ein eindeutiges Zeichen gegen Rassismus."
Der "Tagesspiegel" schrieb damals aus dem gleichen Anlaß, Utton habe bis dahin "um Deutschland einen großen Bogen gemacht, aus Angst vor Neonazis". "DIE WELT" wusste schon 1999 von einer Aufführung des Stücks in Edinburgh zu berichten, dass es auch in England dem Autor gelegentlich passiert, dass nach der Aufführung Leute zu ihm kommen, um "ihn zu seiner Denkweise zu gratulieren". "Die Welt": "Utton sensibilisiert sein Publikum derart, dass Leute auf die Bühne sprangen, um ihm an die Gurgel zu gehen."
Und eine englischsprachige Theaterkritik ("The flying inkpot") schreibt: "Utton zeigt seinem Publikum, dass - so wie die Deutschen es Hitler erlaubten die Kontrolle zu übernehmen - dies alles noch einmal passieren könnte."

In Estland - alles anders?
Nun, die Theateraufführung selbst dürfte in Tartu nicht viel anders gelaufen sein als anderswo in Europa. Es geht ja auch nicht um estnische oder russische Theaterkritiken, sondern um die pompöse und offensichtlich teilweise geschmacklose Geburtstagsinszenierung eines amtierende estnischen Minsters.

Oder ist es nur deshalb eine besonders heftige Reaktion russischer Funktionäre, da gerade Lang ja bereits früher einerseits den Stalinismus als "gleich schlimm" wie der Nationalsozialismus bezeichnet hatte, und auch Lang einer derjenigen ist, der für Gegenmaßnahmen angesichts der "Cyberattacke" russischer Nationalisten gegen staatliche estnische Webseiten mit verantwortlich zeichnet.

Die Anordnung zur Gründung des “Püssirohukelder” jedenfalls soll, so wie es auch TourismiWeb schreibt, durch die russische Kaiserin Katharina II selbst erfolgt sein. Ob die Schlagzeilen den heutigen Bewirtschaftern recht sein werden, nach dem Motto "Hauptsache, die Presse schreibt über uns"?
In der Presse des Nachbarlandes Lettland sind die Eskapaden des Ministers so wiedergegeben: "Estnischer Minister: Das Deutschland der 30er Jahre, und das heutige Russland, das ist weitgehend ein und dasselbe." (Latvijas Avize vom 9.7.07)

Sagen wir mal so: perfekte estnische Diplomatie ist das nicht. Werbung für russische Sichtweisen allerdings auch nicht.

Heute beginnen in Tartu die Hansetage.

Weitere Quellen zum Thema (bzw. Vorfall):
Eesti Päevaleht vom 9.7.07
Itching for Eestimaa (engl, inklusive einige Leserkommentare)
Delfi.ee (Estnisch)
"Eesti Express" vom 4.7.07
Baltic Times (engl.)
Regnum (engl./russ.)
Pärnu Postimees
ITAR-TASS (russ./engl.)
Kommentar Flasher_T (engl.)

Webseite Püssirohukelder

Mittwoch, Juli 11, 2007

Estnische Straßencafes, deutsches Sommerloch

Was könnten Intellektuelle in diesem Sommer wohl machen, um das berühmte Sommerloch auszusitzen? Eine derartige Arbeitsbeschaffungsmaßnahme hat sich wohl auch SPIEGEL ONLINE überlegt und setzte Henryk M. Broder in ein estnisches Straßencafe.

Nein, keine Sorge, Herr Broder berichtet ganz gewöhnliche Dinge, wie sie auch jeder deutsche Tourist berichten könnte. Nur setzt er sich eben nicht einfach mit irgendwelchen Esten an einen Tisch, es muss schon der Vorsitzende des estnischen Schriftstellerverbandes sein. Immerhin wurden die Namen der drei Straßenmusiker/innen recherchiert, die in der Nähe des Verrlustierungsortes ihre Kunst zum besten gaben.

Keine Unruhen, nicht einmal ethnische Konflikte konnten beobachtet werden. Nein, eigentlich beschreibt Broder ganz einfach das, was vor den Augen in den Altstadtgassen vorbeizieht, und was von seinem Schriftstellerkollegen parliert an seinen Ohren ankommt. Eine schöne Nebentätigkeit eigentlich. Mit welchem Billigflieger Broder in Tallinn einschwebte, wie lange er sich aufhielt, und aus welcher Stadt er demnächst etwas zur Feder bringen wird, wurde leider nicht mit überliefert.
Immerhin: Wenn es denn als leichte Urlauberkost gemeint war, so wird es dementsprechend kein weiteres großes Aufsehen erregen. Vielleicht steht, eingeritzt an einen der Stühle am Domplatz, nur klein und unscheinbar: "Henryk was here".

Bericht Spiegel Online
5 Fotos vom Domplatz (inklusive dasjenige oben) - soweit reichte der Wirkungskreis an diesem Nachmittag. Kommt jetzt der Wettbewerb: deutsche Touris, schickt uns eure Urlaubsfotos aus Estland?

P.S.: Nebeneffekt des Beitrags ist immerhin, etwas über die Vorurteile von Mati Sirkel gegenüber "westlichen Medien" zu erfahren. Er meint, "alle" hätten den Esten die Schuld an den Unruhen um die Versetzung des Bronzesoldaten gegeben. Welche Fremdsprachen Sirkel beherrscht, und wo er entsprechende Vorwürfe gelesen haben will, bleibt ungenannt. Ich setze dagegen: zumindest die deutschen Pressereaktionen waren insgesamt ausgesprochen verständnisvoll gegenüber Estland. Und inzwischen fehlt in fast keinem Presseorgan eine Bemerkung zu der estnischen Sichtweise der Dinge plus dem Verständnis, nicht einfach "post-sowjetisch" sondern "zwischenzweitlich sowjetisch besetzt gewesen" zu sein. Was kann sich Estland noch besseres wünschen?

Samstag, Juli 07, 2007

Estnische "E-Participation" jetzt als Internet-Portal

Die estnische Staatskanzlei hat jetzt mit WWW.OSALE.EE ein neues Portal eröffent, das Entwürfe regierungsamtlicher Institutionen zu verschiedenen fachlichen Entscheidungsprozessen veröffentlichen und die Bürgerinnen und Bürger zu Mitarbeit und Meinungsäußerung auffordern soll.

Zu den hier veröffentlichten regierungsamtlichen Papieren sollen Stellungnahmen und Meinungsäußerungen eingeholt werden, um Vorschläge aus der allgemeinen Öffentlichkeit besser einbeziehen zu können. Am Ende jedes Veröffentlichungszeitraums soll die verantwortliche Institution verpflichtet werden, fundierte Antworten gegenüber jeder Eingabe zu geben.

Diese Art der Einbeziehung der Öffentlichkeit ist Teil der schon 2005 beschlossenen sogenannten "Good Involvement"-Praxis; dieses Konzept wurde ebenfalls unter Einbeziehung von estnischer Öffentlichkeit und Nichtregierungsorganisationen beschlossen.

Die ersten Beiträge auf www.osale.ee behandeln die Zukunft der Europapolitik, sowie die Förderung von Bürgerorganisationen. Einen der ersten Beiträge schrieb Agu Laius, langjährig selbst bei Nichtregierungsorganisationen aktiv, zum Thema "Stiftung Bürgergesellschaft" ("Kodanikuühiskonna sihtkapital").

Informationsmöglichkeit zum Projekt & Internetportal: Hille Hinsberg, hille.hinsberg@riigikantselei.ee

Zum Thema "Stiftung Bürgergesellschaft": Agu Laius, agu@ngo.ee.

E-Service in Estland (Präsentation engl.)

Donnerstag, Juli 05, 2007

Laulupidu

Vielleicht haben es einige noch nicht gesehen. Hier finden die grossen Musik- und Chorfestivals in Tallinn statt.
Die Aufnahme von Outsider Inside stammt vom diesjaehrigen Youth Song and Dance Festival.
An anderer Stelle kommentierte jemand, dass hier in diesem Moment 7% der estnischen Bevoelkerung versammelt waren.

Samstag, Juni 30, 2007

Ökobauern in Estland - eine aktive Minderheit

8% der landwirtschaftlich bewirtschafteten Flächen werden auch in Estland inzwischen ökologisch bewirtschaftet - so weist es ein aktueller Bericht von "EcoConnect /internationales Zentrum für den ökologischen Landbau Mittel- und Osteuropas" mit Sitz in Dresden aus, der verschiedene estnische Quellen zusammenfasst. Nach Flächenanteil der Ökolandwirtschaft gerechnet, liegt Estland damit auch in der EU ganz vorn.

2006 gab es 1173 estnische Biobetriebe auf 72.390 ha, davon 60.000 ha Grünland, 8.520 ha für Getreideanbau, 240 ha Kartoffelanbau und 1.145 ha für Beeren- und Obstanlagen. Exportchancen werden vor allem bei Milcherzeugnissen und im Fleischbereich gesehen.

Der Haken: wegen fehlender Einrichtungen zur Verarbeitung und Vermarktung müssen die meisten erzeugten Produkte in Estland konventionell verkauft werden. Viele Produkte werden einfach ab Hof verkauft, oder es werden Schulen, Krankenhäuser oder Geschäfte vor Ort beliefert. Einige wenige versuchen auch den Verkauf per Internet. Um Bio-Fleisch besser vermarkten zu können, wurde die Erzeugergemeinschaft Eesti Maheliha gegründet.



Mehr zu estnischen Ökoprodukten:


Saidafarm (Milch, Käse)

Goodkaarma (Bio-Seife, Kunst- und Handarbeiten)

Öko-Sahver (verschiedene Ökoprodukte, Lieferservice)

Looduspere (Baby- und Kinderprodukte, Spielwaren)
Infos der estnischen Stiftung für Ökolandbau (PDF-Datei, englisch, inklusive Kontaktadressen)

Aktuelle Aktivitäten von EKOCONNECT e.V. Dresden


Donnerstag, Juni 28, 2007

"...:the case of Estonia"

Es gibt zu wenige detaillierte Internetquellen, wissenschaftliche Quellen ueber Estland. Gerade fuer die Entscheidungsjahrzehnte der 30er und 40er des letzten Jahrhunderts. Im Google-Cache findet man noch einen Link: Impact of National Socialist Rule: the case of Estonia.
Da nicht klar ist, wie lange diese Arbeit noch zugaenglich sein wird, halte ich den Link einfach in diesem Post fest. Die Literaturauswahl des Artikels von Ruth Buettner (Eriwan) ist ebenfalls ein guter Ausgangspunkt fuer weitere Forschungen. Ein Kommentar in einer Wikipediadiskussion hat mich auf den erwaehnten Artikel aufmerksam gemacht. Aber gerade weil er nur ueber den Cache zu finden ist, wird er nicht als offizieller Link bei Wikipedia aufgenommen.

Dienstag, Juni 26, 2007

Tag des Sieges - Võidupüha (Victory Day)

Die Mitsommernachstfeiern fallen seit den 30er Jahren mit einem Gedenktag zusammen. Dem Tag des Sieges der Esten ueber die Deutschen 1919 in Lettland. Stop! Das ist so in dieser vereinfachten Version auch nicht richtig, meint Peteris Cedrins und hat sich die Muehen gemacht alte Buecher durchzugehen, aus Quellen zu sammeln, die man so im Internet nicht finden kann. Ausserdem erfaehrt man, dass Lettland anders als Estland etwa 37 % der Bevoelkerung waehrend des 1. Weltkrieg verlor. Hier eine Fotopostkarte, die Fluechtlinge in Lettland auf dem Weg nach Norden oder Osten zeigt.
Refugees Jakobstadt  Nov.1917
Peteris Cedrins Post: Heroes' Remembrance Day. Das ist der Gedenktag wie er auf Lettisch begangen wird.
Und wer die militaerischen Aspekte der Kaempfe 1919 genauer wissen moechte:
Freikorps and Estonia 1919 aus einem Diskussionsforum.
Einer der wenigen deutschsprachigen Texte, die sich mit dem Võidupüha im Internet befassen ist diese historische Abhandlung von Karsten Brueggemannn:
Estnische Erinnerungsorte: Die Schlacht von Wenden gegen die Baltische Landeswehr im Juni 1919 als Höhepunkt der nationalen Geschichte

Freitag, Juni 22, 2007

Võru

Fast zeitgleich haben Giustino,"Võrumaa -- oma ja hää ", und Flasher_T, "Võrumaa Fair" eine Ortsbeschreibung verfasst. Sie waren in Võru und Umgebung, einer Kleinstadt in Suedost-Estland. Die Grenze zu Lettland ist nicht weit und der hoechste Berg Estlands erhebt sich im Hintergrund.
Beide Blogger geben zwei unterschiedliche Beschreibungen ab, alternativ zu lesen zu den gewoehnlichen Reisenotizen im Internet. Ich fuege dem Ganzen noch ein paar Aufnahmen hinzu:
Strassen auf dem Weg nach Võru; mit dem Auto gibt es nur selten Begegnungen mit anderen Fahrzeugen wie diesem LKW. Die Ortskundigen fahren schnell, sie kennen die Radarfallen. Wenig Verkehr ist nicht gleichbedeutend mit ungefaehrlich. Wer genau hinsieht, kann feststellen, dass die Strassenraender keine Reflektorenlichter besitzen. Das macht es besonders nachts spannend.
Vorumaa Estonia
Das juengste tragische Ereignis fuer die Kleinstadt war der Untergang der Estonia. An Bord der Faehre war damals, 1994, ein Grossteil der Stadtverwaltung auf dem Weg nach Schweden. An einem zentralen Platz neben der Kirche wurde schon fruehzeitig eine Gedenkstaette fuer die Opfer aus Võru errichtet:
Voru Estonia
Urmas Paidre war lange Zeit der Chefredakteur der Zeitung der Esten in Deutschland, der Eesti Rada. Er hat der Zeitung ein neues modernes Aussehen verschafft. Jetzt ist er Besitzer des Regionalblatts Lounaleht. Der ersten Zeitung in Estland, die eine regionale Verbreitung hat. Also weder traditionell an eine Stadt gebunden ist, noch nationale Tageszeitung sein will, die Grenze des Vertriebs ist Tartu im Norden.
Seine Frau arbeitet ebenfalls im gemeinsamen Redaktionsraum. Die Technik ist auf dem neuesten Stand, im Sommer wird ein groesseres Buero bezogen.
Lounaleht
Veraenderungen gab es auch hier in den letzten 10 Jahren. Oben ist der bepflasterte Platz zu sehen, der auf Kosten der ehemaligen Gruenflaeche angelegt wurde. Die Lounaleht hat darueber kritisch berichtet. Eine ehemalige Hauptstadtpolitikerin hat hier augenscheinlich ihre eigenen Vorstellungen von Stadtlandschaft durchgesetzt. Weitere aehnliche Umgestaltungsplaene warten auf Umsetzung.
Urmas Paidre hat eine besodere Verbindung zu diesem Haus, Foto unten. Es wird gerade fuer Einzelwohnungen umgestaltet. Urmas Grossvater wurde hier von den Sowjets in Haft gesetzt, von dort nach Sibirien deportiert. Er schaffte es nicht mehr nach Võru zurueck. Wohnen moechte Urmas dort auf keinen Fall.
Voru prison
Giustino bemerkt, dass es kaum sowjetische Relikte in Võru gebe. Die groessten sind verschwunden, die sowjetischen Kasernen sind wieder in Besitz der estnischen Armee. Hinter dem Bahnhof gelegen, der fast kaum mehr benutzt wird.
Voru station
1992 sah es dahinter im Kasernengelaende noch so aus.
Soviet military compound in Estonia 1992

Dienstag, Juni 19, 2007

Der estnische Praesident zu den Internetangriffen

Die FAZ hat den estnischen Praesidenten zu den Internetangriffen interviewt. Hendrik Ilves hat schon mehrere englischsprachige Stellungnahmen dazu abgegeben. Das Fazit des Praesidenten ueber die Verursacher der Attacken:

Herr Präsident, waren die Internetangriffe auf Estland mehr als nur organisierte Kriminalität?

Es war jedenfalls mehr als gewöhnliche Kriminalität. Jemand hat sehr viel Geld bezahlt, um sich den Service von Internetverbrechern leisten zu können. Wenn man sich den Verlauf der Angriffe anschaut, fällt auf, dass sie exakt um null Uhr Mitternacht aufhörten. Ich habe CERT gefragt, was das zu bedeuten hat. Und mir wurde gesagt: Naja, so lange haben sie an dem Tag für den Angriff eben bezahlt. Es war also organisiert, und sicherlich nicht von einem Verrückten, der in Sankt Petersburg sitzt und Estland ärgern will.


Die Erkenntnisse des Praesidenten beziehen sich laut diesem Artikel auf das Computer Emergency Response Team CERT.
Nach nun bald zwei Monaten kann man sagen, dass das Thema 'cyberwar' das Thema ist, mit dem ueber Estland am gruendlichsten im Internet und Blogosphaere waehrend der letzten Jahre diskutiert und berichtet wurde.

Freitag, Juni 15, 2007

Skype in Tallinn

"Die Welt" hat kuerzlich eine Reportage ueber Skype veroeffentlicht. Skype ist ein Programm fuer das Telefonieren mit Hilfe des Internets. Die Technik wird vor allem in Tallinn produziert. Skype war auch schon Anlass fuer mehrere Posts in diesem Blog. "Die Welt" spricht auch die juengsten Schwierigkeiten des Unternehmens an: Skype kann nicht so eben mal auslaendische Fachkraefte einstellen. Das Gesetz fuer Arbeits- und Aufenthaltsgenehmigungen in Estland ist veraltet und wird wahrscheinlich bald reformiert.
terminus1 hat einen Blick in die Arbeitsraeume des wahrscheinlich internationalsten Unternehmens des Landes geworfen. Video stammt von 2006.


Update: The Baltic Times berichtet ueber die geanderten Regelungen zu auslaendischen Arbeitnehmern und Reaktionen darauf:
Currently, an employer must wait two months to show there are no suitable candidates in the Estonian workforce if applying for a long term permit. This will now be cut to three weeks.
The changes were prompted by loud protests from employers, some of whom threatened to relocate their businesses if staff could not be found.

Dienstag, Juni 12, 2007

Maulwurf oder Ziegenbock - wer hilft gegen Cyberwar?

Der nach den Unruhen um die Versetzung des "Bronzesoldaten" in Tallinn gegen Estland organisierte "Cyberwar" (das blockieren von Webseiten mit der Endung .ee) geht in eine neue Phase. Verschiedenen Meldungen zufolge (u.a. Harald Weiss in der Computerzeitung) wendet sich die estnische Regierung jetzt an Russland um Hilfe gegen die weiterhin anhaltende organisierte Kampagne zur Blockade estnischer Internetseiten.

Weiss zitiert zwei Aussagen von estnischer Seite: - Die Angriffe auf estländische Webseiten waren darauf hin so massiv, dass Estland alle ausländischen Zugriffe auf seine Server blockieren musste.

- Inzwischen ist die estländische Regierung davon überzeugt, dass es sich bei diesem Cyber-War um eine vom Ausland gesteuerte konzertierte Aktion handelt. „Es handelt sich ganz eindeutig um eine sehr gut organisierte Cyber-Kriminalität im großen Stil“, so der estnische Regierungschef Ansip.

Aus verschiedenen anderen Beiträgen in den Medien wird inzwischen deutlich, dass die Fakten der Angriffe zwar nachweisbar, die Unterstützung durch die russische Regierung sich aber kaum wird nachweisen lassen (siehe z.B.
SECAF/United Air Force, FOCUS, SBCC / BNS, HEISE.DE, TAGESSPIEGEL, TAGESSPIEGEL2, Wirtschaftsblatt, ZDF HEUTE, SPIEGEL, Silicon.de, TAZ).
IT-Experte Weiss meint nun sorgenvoll, mit dem Hilfeersuchen an die russische Regierung habe man nun doch wohl "den Bock zum Gärtner gemacht". Das reizt zu einem kurzen Blick in die Sprichwortkiste.

Kulturelle Mißverständnisse?
"Wenn der Bock zum Gärtner wird, die jungen Bäum' er selten ziert." So zitiert zum Beispiel OPERONE das im deutschen Sprachraum bekannte Sprichwort völlig korrekt. Dieselbe Quelle verät aber auch kulturelle Unterschiede:
Zitat: "Die Czechen machen den Ziegenbock, die Polen den Widder, die Russen den Maulwurf zum Gärtner. Die Russen befehlen dem Wolf die Schafe, dem Iltis die Tauben, machen den Marder zum Vogt des Hühnerhofs, geben dem Specht die Käfer in Obhut, legen dem Wiesel Eier zum Brüten unter, überantworten die Erbsen den Tauben, binden den Bären ans Honigfass, setzen den Frosch über die Fliegen, vertrauen den Maikäfern die Birke an, schicken den Bären mit Honig zu Markte."

Ein Maulwurf im estnischen Internet? Vielleicht sollten die Esten ein paar Kulturwissenschaftler/innen mit zu Rate ziehen?

Montag, Juni 11, 2007

Estnische Beachfighter

Es gibt wohl Sandstrände in Estland - wer immer noch Estland mit Island verwechselt, wird es verwundert registrieren. Alle, die schon mal in Pärnu waren, werden es für selbstverständlich halten. Oder nutzen die Estinnen und Esten jetzt die Strände Südeuropas oder Kaliforniens?

Irgendwo muss es herkommen, dass nun erstmals zwei Esten ein Turnier der Beachvolleyball-World-Tour gewonnen haben. Rigo Vesik und Kristjan Kais gewannen in einem spannenden Endspiel in Zagreb mit 19:17 im dritten Satz. Kristjan Kais' beliebtester Strand für Beachvolleyball ist .... wenn wundert es: Pärnu. (Quelle: "Beach-Volleyball-Database")

Mehr dazu:

- Bericht auf Sport1.at (Foto von gleicher Quelle)

- Interview mit Rivo Wesik bei VOLLEYBALLER.DE

- Infos zu Kais/Vesik aus Estland (Estnisch)

- Bericht ETV-Sport (Estnisch)

- Bericht Postimees (Estnisch)

- Estnischer Volleyballverband (Estnisch)

- Beach-Volleyball Database zu Kristjan Kais (Englisch)

- Beachvolleyball-Database Rivo Vesik (Englisch)

- Detaillierte Ergebnisliste World-Tour und Tournier Zagreb

Donnerstag, Juni 07, 2007

Britische Polizei In Tallinn


British police in Tallinn
Originally uploaded by seikatsu
Es ist vorbei. Estland hat 3:0 verloren, gegen England. Und viele fragten sich, wie die englischen Fans wohl drauf seien. Kuriose Randerscheinung: Erfahrene Bobbys patroullierten durch Tallinns Altstadtgassen. Seikatsu hat darueber gebloggt, hier.
Und noch ein Beobachter der Szene:
Bluesrose hat die englischen Fans auf dem Marktplatz getroffen, ihre Fotos hier.

Dienstag, Juni 05, 2007

Auf der Suche nach Quellen

Um fuer die Debatte ueber Minderheitenpolitik in Estland solides Datenmaterial zu erhalten, stoesst man bei der Internetrecherche haufig auf solche Beispiele, es geht um Estland und ein Zitat aus einer deutschen wissenschaftlichen Arbeit:

Letztlich zielt also das situative Konzept auf die jeweiligen sozialen, politischen und ökonomischen
Kontextbedingungen von Ethnizität ab, während das primordiale Konzept unabhängig
von den jeweiligen Kontextbedingungen und von Raum und Zeit existierende 'objektive'
Unterschiede betont. Die kulturalistische Interpretation ethnischer Konflikte stellt bewußt die
primordiale Bindung der Protagonisten im Konflikt heraus. Wenngleich die so betonten kulturellen
Rückbezüge zunächst begründbar scheinen, werden Kontextbedingungen praktisch
nicht berücksichtigt. Dabei werden nicht nur die Bedingungen ignoriert, unter denen der einer
Gruppe von außen (d.h. gesellschaftlich) zugeschriebene ethnische Status Bedeutung erhält,
sondern auch die Umstände, unter denen die Gruppe aus sich heraus Ethnizität als strategisches
Instrument operationalisiert.
Ethnische Konflikte (oder auch ihre Abwesenheit)


Ich bin zwar manchmal auch unverstaendlich, weil ich bei vielen Lesern die Kenntnis der Zusammenhaenge voraussetzte, aber das hier laesst mich kapitulieren. Warum muss das so sein? So angestrengt wissenschaftlich ist einfach nicht noetig.

Montag, Juni 04, 2007

Cyberwar - Nachbetrachtungen

In den letzten Tagen hat ein Post bei boingboing dafuer gesorgt, dass der angebliche Cyberwar gegen Estland in Frage gestellt wurde. BoingBoing ist eine der meistverlinkten Webseiten weltweit und hat daher grossen Einfluss in der Blogosphaere. Wiederum wurde auf Nazario verwiesen. Wie auch zweimal in unserem Blog. Eine Quelle, die in vielen Zeitungen zitiert wurde. Nur, Nazario hat eine Bilanz gezogen, die auf Entwarnung schliessen laesst. Nach dem Motto, alles halb so schlimm.

Ich bin kein Computerexperte, also bin ich auf Stimmen aus Erster Hand angewiesen: Deshalb warte ich immer noch auf das Resumee von Gadi Evron aus Israel, der eine abschliessende Beurteilung noch nicht abgeben wollte und ebenfalls wie Nazarro vor Ort war: "The attacks on Estonia by Russians (or Russia?)"

Freitag, Juni 01, 2007

Über Estland


Ueber Estland
Originally uploaded by Jens-Olaf
Im doppelten Sinn. Die internationale Flugroute von Frankfurt nach Seoul (Korea) verlaeuft direkt ueber Estland. Seit einiger Zeit kann der Flug mit einer unterlegten Satellitenkarte verfolgt werden. Leider nehmen die meisten Fluggaeste auf der Strecke dieses Detail nicht wahr. Die meiste Zeit benoetigt die Boing zur Ueberquerung Russlands. Aber das ist jetzt besser als noch in den 90ern. Da waren die Grenzen Estlands bei der Korean Air gar nicht eingetragen. Aber das ist "normal". Ende der 90er hing eine riesige Weltkarte in einem Buero des Containerhafens Hamburg. Und die zeigte noch die Sowjetunion. Baltische Partner muessen damals wohl hart im Nehmen gewesen sein.

Mittwoch, Mai 30, 2007

Cyberwar - Schlagzeilen

Die letzten Wochen taucht Estland haeufig mit den gleichen Schlagzeilen in der internationalen Presse auf. Zum Beispiel gestern in der International Herald Tribune:
First war in cyberspace: Lessons from Estonia
Der erste Krieg im virtuellen Netz. Interessant, dass auch Gadi Evron ein Experte aus Israel an der Analyse der Angriffe auf das estnische Netz beteiligt war. Es wird von ihm ein "postmortem" zu den Vorgaengen in Estland geben, so die IHT.
Abgesehen von den zitierten Regierungsstellen, werden als Quelle der Informationen auch Informatiker genannt, vor allem Jose Nazario, und der aeussert sich nun, nachdem die aergsten Denial of Service Attacken vorbei sind folgendermassen in cnet:
So the size [of the attacks] isn't necessarily groundbreaking. We're talking about 100 or 200 megabits per second. Looking at our infrastructure surveys that we have published--and we have one going on currently for release later this year--we have seen that this is on the low side of an average size of attack on providers that we talk to, who run our products or don't run our products, who participate in our survey. It's kind of a common-size attack


Eine andere Frage an Nazario:
Might we see other DDoS attacks in the very near future? Or is the Estonian situation just a one-off, a response to a specific event?
Nazario: I don't think it's a one-off. You mentioned the India-Pakistan issues; I mentioned the South Korean Olympic issues from several years ago. We have seen this kind of thing before. You look around the globe, and there's basically no limit to the amount of skirmishes between well-connected countries that could get incredibly emotional for the population at large.
In this case, it has disrupted the Estonian government's ability to work on online, it has disrupted a lot of its resources and attention. In that respect, it's been effective.

Es gibt also Vorlaeufer, und es wird sehr wahrscheinlich sein , dass zukuenftige Konflikte auch mit diesem Instrument, dem Botnetmissbrauch, ausgetragen werden.

Noch ein Post zum Thema bei A Fistful of Euros. Dort wurde Gadi Evron interviewt.
Ross Mayfield fragt unter welchen Bindungen solche Angriffe entstehen koennen. Es muesse nicht alles gesteuert sein.

Sonntag, Mai 27, 2007

Die Rampe in Voru


Die Rampe in Voru
Originally uploaded by Jens-Olaf
Lokalpolitik: hier die umstrittene "Rampe" in Voru. Es war einmal ein grüner Platz im Stadtzentrum, der vor kurzem umgestaltet wurde. In der Mitte steht eine Rampe, die ein Wasserfall ist. Demnächst noch mehr aus Voru. Ein Beispiel dafür, wie in Estland Steuergelder ver(sch)wendet werden können.

Freitag, Mai 25, 2007

Hoher Besuch aus Japan

Das poste ich nicht, weil es ein erster und wichtiger Staatsbesuch des japanischen Kaisers ist, sondern weil es es auch andere Perspektiven jenseits der russisch-estnischen Querelen gibt. Es muss nicht immer nur "Baruto" sein. Er ist der bekannteste Este in Japan, weil er der obersten Liga der Sumoringer angehört. Toshinobus Freundin "pipi" hat dieses Photo aufgenommen. Toshinobu lebt in Japan,hat aber eine enge Verbindung zu Estland.
Im Hintergrund rechts an der Türschwelle ist Edgar Savisaar zu sehen. Nach den letzten Umfrageergebnissen gehört er nicht mehr zu den sehr beliebten Politikern. Aber als Vertreter Tallinns hat es ihm wohl sehr gefallen, dieser aussergewöhnliche Besuch eines Kaisers aus Japan.