Sonntag, Mai 21, 2006

Warum die hohe HIV-Infektionsrate?

Birgit Johannsmeier versucht eine Antwort zu finden, hier im Deutschlandfunk vom 19. Mai.
ein Auszug:
Im staatlichen Gesundheitsamt in Tallinn hat der Seuchenforscher Kuulo Kutsar schon vor Jahren beobachtet, dass sich das Aidsvirus völlig unkontrolliert im ganzen Land ausbreitete. Sogar private Tankstellen installierten auf ihren öffentlichen Toiletten ultraviolettes Licht, um das Spritzen von Heroin zu verhindern. Doch erst als im Jahre 2001 jeder zehnte Drogenabhängige in Estland HIV-positiv war, fand Kuulo Kutsar
auch bei den Politikern Gehör.

"Begonnen hat es im Osten, an der russischen Grenze, direkt nach der Unabhängigkeit. Viele Russen, die dort lebten, konnten den kleinen Grenzverkehr nutzen, um sich billig Drogen zu besorgen. Damit kam auch das Aidsvirus ins Land.Wir wollten etwas dagegen tun, aber wir fanden einfach kein Gehör. Damals gab es die meisten Fälle in der russischsprachigen Bevölkerung, heute ist ganz Tallinn Problemgebiet. Und die Infizierten sind sehr jung, zwischen 15 und 30 Jahre alt."

Kommentare:

  1. Hallo,

    ich bin gerade dabei eine Studie für die Uni über Drogenpolitik in Estland zu schreiben, und bin dabei über dein Blog gestolpert. Hast du zufällig einige Link-Tipps parat (Sprache sollte englisch/deutsch sein)? :)

    viele Grüße
    Tom

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  2. Hallo Tom,

    keinen Linktipp, aber einen Hinweis, wer mehr wissen könnte:
    unter http://www.ngo.ee findest Du einen Zusammenschluß estnischer NGOs, und die arbeiten zu sehr verschiedenen Themen. Laß Dir doch einfach mal einen Kontakt zu NGOs geben, die sich mit Gesundheitspolitik, AIDs-Bekämpfung oder Ähnlichem beschäftigten.
    Vielleicht bekommst du so einen Einblick oder eine Einschätzung abseits der puren Fachleute.

    Ansonsten:
    Estnisches Sozialministerium http://www.sm.ee/engtxt/pages/goproweb0835

    Estonian Drug Monitoring Center http://eusk.tai.ee/?lang=en
    Jahresbericht downloadbar unter http://eusk.tai.ee/failid/
    ESTONIA_DRUG_SITUATION_2005.pdf)

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  3. wunderbar, danke schön. eventuell veröffentliche ich meine arbeit dann auf meinem blog - nur falls es jemanden interessiert :)

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  4. das nur auf die Drogen zu schieben ist etwas zu einfach.

    Übertragung durch Geschlechtsverkehr spielt mit Sicherheit eine größere Rolle als in Deutschland. Die Haltung zum Sex ist in Estland erheblich liberaler als in Deutschland. Es wird offener und eindeutiger agiert.

    Und über meine Freundin weiß ich, dass ihre Bekannten bei One-night-stands meist ungeschützt Sex haben.

    Ebenso ist ein verbreitetes Beziehungsmodell das Folgende: Mann, mitte 30 bis 40, verheiratet, hat Freundin um die 20. So findet der Virus natürlich auch schneller Verbreitung. Leider.

    Ich habe hier einen AIDS-test gemacht. Und die Ärztin steckte mir beim Gespräch unentwegt Kondome zu. Auch das spricht Bände.

    Ich möchte die Rolle der Drogen nicht herunterspielen. Drogen sind ein gewaltiges Problem hier. Vor allem der immens hohe Anteil an Mischkonsumenten. Aber von allein kommt der Virus nicht in die drogenfreie Kreise.

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