Dienstag, Dezember 05, 2006

Europäische Erinnerungskulturen

Lange habe ich überlegt, ob ich den aktuellen Streit um das mögliche Verbot von Nazi- UND Sowjetsymbolen in Estland kommentieren soll. In Russland sind einige wieder aufgebracht, deutsche Medien übernehmen die entsprechenden Pressemeldungen von dort und in der Blogosphäre wird anhand dieser Meldungen drauflos diskutiert.
Das ist alles wertlos. Der Zweite Weltkrieg ist weitaus komplizierter als in Russland dargestellt und in Estland ist die Forschung über diese Jahre auch noch nicht abgeschlossen. Im Frühjahr diesen Jahres erschien der Band: "Die vergessene Front. Der Osten 1914/15" Es ist eine Sammlung verschiedener Autoren im Auftrag des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes. Daraus ein Zitat das nachdenklich stimmt über die Erinnerungskultur in Russland.
Kristiane Janecke, Seite 344:
"Das kollektive Gedächtnis [nach dem 1. Weltkrieg in der Sowjetunion] war von nun an ausschließlich mit der Erinnerung an die Helden und Toten des neuen Regimes besetzt. In der Tat erinnert in Russland nicht ein einziges National- oder Ehrenmal oder ein Friedhof an den Weltkrieg, bis in die neunziger Jahre gab es keinen Verband und keine Organisation, die sich der Erinnerung widmete."
Sie erwähnt auch die Zahlen für Russland: 1,7 Millionen Soldaten gefallen, fast 5 Millionen verwundet, 2,5 Millionen in Gefangenschaft.
In dem oben genannten Forschungsband wird auf die Bedeutung des 1. Weltkriegs für die Planungen des daruffolgenden hingewiesen. Getrennt lässt sich das nicht mehr betrachten. Die Europäer haben sich noch viel zu erzählen.
Das Foto oben zeigt übrigens estnische,bzw. russische Offiziere beim Pontoonbau an der Wolga 1917.

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