Sonntag, August 03, 2014

Wahlen in Estland bald ab 16?

Vor einigen Tagen sprach sich das estnische Regierungskabinett für eine Gesetzesvorlage aus, die auch 16- und 17-jährigen estnischen Staatsbürger/innen das Wahlrecht einräumen würde. Um dies zu ermöglichen, wäre allerdings eine Änderung der estnischen Verfassung notwendig (Art. 57). Falls der Vorschlag eine Mehrheit im Parlament findet, würden 2017 etwa 24.000 junge Menschen mehr an den Kommunalwahlen in Estland teilnehmen können (ERR).

Die Idee wurde bereits seit Jahren diskutiert - gegenwärtig wird der Gesetzentwurf von 29 Abgeordneten der Reformpartei und 12 Sozialdemokraten unterstützt. "Jugendliche in dem Alter haben andere Dinge im Kopf als Wählen zu gehen" - solche Statements sind dagegen von der oppositionellen Zentrumspartei zu hören und zu lesen. Es sei ausreichend wenn die Parteien ihre Jugendorganisationen unterhalten; auch beim Autofahren sei es ja schließlich so: unter 18 Jahren nur in Begleitung Erwachsener.

Bereits 2011 hatte der Estnische Jugendrat schon einmal ein Projekt gestartet, mit dem ein Wahlrecht schon ab 14 Jahren simuliert werden sollte. Beim "European Youth Forum" gibt es eine Initiative für Wahlen ab 16.

In Deutschland haben bisher 10 der 16 Bundesländer das kommunale Wahlrecht ab 16 eingeführt: Niedersachsen, Baden-Württemberg, Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen. In drei Ländern gilt das Wahlrecht ab 16 auch bei Landtagswahlen: in Brandenburg, Bremen und Schleswig-Holstein.

Infos Wahlrecht in Estland / Estnischer Jugendrat / European Youth Forum

Donnerstag, Juli 17, 2014

Rallyesport entdeckt Estland

Mit alten Autos durch verlassene, oft schlammige Landschaften brausen: das war schon immer die Leidenschaft der estnischen Provinz. Und wer damit nicht genug hatte, konnte jederzeit mal rüber nach Lettland oder Litauen fahren - dort gilt Ähnliches.
Für Gäste aus Europas Westen, für die einsame, gut erhaltene Naturlandschaften die beste Motivation für einen Besuch in Estland darstellen, stellen diese Querfeldein-Raser manchmal die reinste Horrorvision dar - ähnlich wie die Motorschlitten im Winter ist auch im Sommer ein Spektakel aus Motorenlärm möglich, das sich unter großen Beifall der Zuschauer durch die Landschaft wälzt. Unfälle gehören dann ja sowieso dazu, manchmal auch Verletzte und sogar Tote - erst vor einer Woche starb im litauischen Akmene Ilgonis Ašmanis aus Lettland (siehe "Delfi", "Focus"). 2012 erwischte es den lettischen Rallyfahrer Igors Bartaščenoks bei der Rally in Madona im Nordosten Lettlands (siehe "Kas jauns"). Wie es bei estnischen Rallyes zugeht, lässt sich im Internet auf vielen selbst gedrehten Filmchen begutachten: Schlamm und Schotter auf den Strecken, hohe Büsche und dichter Wald, fast keine Absperrungen, so kündigt der Streckenposten mit einem schrillen Pfiff jedesmal den nächsten herbeirasenden Wagen an. Und ein Publikum, dass offenbar seinen größten Spass dabei hat, von der Straße gerutschte Fahrzeuge wieder auf die Strecke zu ziehen.

Abgase schnüffeln als Volkssport: Rallye-Erfahrungen
in Estland
(c/o JPeltsi)
Es muss also heißen: "Rallyesport entdeckt Estland" -  und nicht etwa umgekehrt - wenn in diesen Tagen zum ersten Mal die Estland-Rallye auch Teil der Europameisterschaft ist. Allerdings ist auch die Karriere des bisher bekanntesten estnischen Rallye-Fahrers, Markko Märtin, von den rasant schnellen Wechseln zwischen sportlichen Leistungen und lebensgefährlichen Risiken geprägt. Seit 1997 war Märtin in der Rallye-WM aktiv, 2004 wurde er Dritter. 2005 prallte er am letzten Tag der Rallye Wales gegen einen Baum, sein Beifahrer Michael Park starb noch an der Unfallstelle. - Aus heutiger Sicht schreiben Rallye-Magazine wie "Motorsport-total", bezogen auf Märtin, lediglich von seinem "Rücktritt". 

Einige Esten sehen sich vielleicht eher nach positiveren Schlagzeilen zu estnischen Formel-1-Träumen. Manche estnische Motorsportler waren da schon nah dran: vor einiger Zeit war Kevin Korjus schon mal Testfahrer bei Renault, Marko Asmer war schon mal bei BMW Sauber aktiv (siehe "Motorsport"). Karl-Oscar Liiv war auch schon mal in der sogenannten "Formel Renault" erfolgreich, und Tristan Viidas gewann 2012 den Formel-BMW-Talent-Cup.
Als größtes estnisches Motorsporttalent galt auch einmal Marko Asmer. 2008 wurde er bei BMW als möglicher Nachrücker für Nick Heidfeld oder Robert Kubica benannt, zu einem Zeitpunkt als ein Sebastian Vettel ebenfalls nur als "talentierter Nachwuchsfahrer" galt. Damals schrieb "Motorsport-Total" über die Schwierigkeiten einer Motorsportkarriere noch: "Denn Estland ist zwar Motorsport begeistert, aber Sponsoren sind für aufstrebende Renntalente nur schwer zu finden." Da half dem Bekanntheitsgrad außerhalb Estlands wohl auch nicht, dass Vater Asmer 10mal estnischer und 6mal sowjetischer Meister gewesen war, nach der Wiedererlangung der estnischen Unabhängigkeit erfolgreich West-Autos verkaufte, und von 1999 bis 2002 sogar Minister für Regionalentwicklung im Kabinett von Mart Laar war. Angeblich verkaufte Vater Asmer zu Gunsten der Motorsportkarriere seines Sohnes sogar sein Haus, damit der Sohn weiter Rennen fahren konnte.

Tja, die Esten. Wenn sie sich erstmal etwas in den Kopf gesetzt haben .... - aber selbst Vater Asmer musste zwei Jahre später enttäuscht zugeben: "Die Situation ist nicht gerade rosig und dabei geht es einzig und alleine um Geld. Das ist halt noch immer extrem wichtig. Der schmerzhafteste Rückschlag war, als wir Sauber verlassen haben. Im Prinzip war das der Anfang vom Ende".

Ein Wochenende lang (17.-19.Juli) ist Estland nun Gastgeber für viele Rallye-Fans auch aus anderen Ländern. Ex-Profi Markko Märtin unterstützt heute Ott Tänak, einer von mehreren estnischen jungen Rallyesport-Hoffnungen.Zwischen Tartu und Otepää sollten alle, die eher Ruhe und Einsamkeit suchen, nicht allzu verwundert sein angesichts dessen, was die Veranstalter versprechen: "3 action-packed days, 15 exciting special stages, 235 breath-taking kilometres, 400 daredevil men! Smooth and fast gravel roads with numerous jumps and curves in beautiful South-Estonian nature." Und wer sich dann noch langweilen sollte: auch eine "Women's area".ist im Angebot.
Wer sich für die sportlichen Ergebnisse interessiert, sollte mal ins TV-Programm bei "Eurosport" schauen. 

Samstag, Juni 28, 2014

Eco-Estonia

Die Produktion im Bereich der ökologisch erzeugten Lebensmittel habe sich in Estland innerhalb der vergangenen 10 Jahre vervierfacht - das ist eine der Kernaussagen einer neuen Infobroschüre des estnischen Landwirtschaftsministeriums.
1989 wurde die estnische Vereinigung für biodynamischen Landbau gegründet, später folgten weitere regionale und landesweite Ökoverbände. Inzwischen gibt es auch 84 Verarbeitungsbetriebe für Ökoprodukte, die meisten allerdings Kleinbetriebe. 34 Ökohöfe - so die Statistik des Ministeriums - produzieren eigene Produkte. Statistisch gesehen nimmt Ökolandbau in Estland heue 153,426 ha Land ein, 16.3% der gesamten landwirtschaftlich bewirtschafteten Fläche mit 1.553 Ökobetrieben.

Estnische Steigerungsraten:oben die
Flächengröße des Ökoanbaus, unten
die Anzahl der Ökohöfe
Im Mai traf sich auch das "Organic Data Network" in Tallinn - nach Angaben der Organisatoren vierundzwanzig Teilnehmer aus 15 beteiligten Projekten. Ihre estnischen Projektpartner konnten bilanzieren, dass die größte Anzahl von Öko-Produzenten im Bezirk Võru im Südosten Estlands zu finden ist, die größte bewirtschafteste Fläche aber auf der Insel Saaremaa. Im Bezirk der Insel Hiiumaa produziert fast zwei Drittel der landwitschaftlichen Fläche ökologische Produkte.

Ob noch "Veteranen" des estnischen Ökoanbaus heute dabei sein, lässt sich den verschiedenen Berichten leider nicht entnehmen. Durch die radikale Einstellung jeglicher Subventionen für die Landwirtschaft nach Wiederherstellung der Unabhängigkeit hatten es auch Ölobauern in den 1990er Jahren nicht leicht. Finanzielle Unterstützung zahlt die estnische Regierung seit dem Jahr 2000.


Infobroschüre "Organic farming in Estonia" (Mahepõllu Majandus eestis)
Organic Data NetworkEstnische Stiftung Ökolandbau

Mittwoch, Juni 11, 2014

Mechmershausen trifft Schnaps

Am Pfingstmontag war in Folge 913 der ARD-Krimireihe "Tatort" im Fernsehen zu sehen. Für viele Krimifans so etwas wie "Pflichtstoff" zum Diskutieren über Spannungsgehalt, Realitätsnähe, Actionszenen und Täterinnen und Täter. In dieser Folge gab es überraschend ein Wiedersehen mit dem estnischen Schauspieler Tambet Tuisk, und zwar ausgerechnet in Konfrontation mit Ritschy Müller als Kommissar Lannert - Kinofans bekannt für die dramtischen Szenen aus dem Film "Poll" (siehe auch Beiträge hier im Blog). Doch ganz so dramatisch wurde es diesmal nicht.
Die Schauspieler Richy Müller und Tambet Tuisk in einer Szene
der Tatort-Folge "Freigang"

Wer den Gutsverwalter Mechmershausen noch vor Augen hat, wie er den Esten mit dem schlichten Spitznamen "Schnaps" in einer Scheune in die Enge treibt, die dann in Brand gerät - während die junge Oda um ihn bangt - der wurde von Tatort doch ziemlich enttäuscht. Die Story hatte ja angekündigt, dass Tuisk in der Rolle des "Holger Drake" der Hauptverdächtige im neuen Tatort-Mordfall sei, Müller - diesmal in der Rolle eines ermittelnden Kommissars - erneut sein Gegenspieler. Möglicherweise erneut spannende Konfrontationen blieben jedoch aus.

Kaum mehr als 20 Sätze darf der "Hauptverdächtige" Drake in diesem Fall von sich geben - so ist es eben, wenn der Regisseur eigene Ideen hat. Da findet man seine DNA am Tatort - aber die Kommissare müssen dennoch unbedingt erstmal alle internen Strukturen des Überwachungsbetriebs im Knast untersuchen, bevor sie den Fall lösen. Und dann ist Drake (Tuisk) auch schon sehr schnell tot - erschossen vom Sicherheitschef des Gefängnisses - sicherheitshalber. Liebe deutsche Regisseure! Falls ihr uns noch einmal einen estnischen Schauspieler präsentiert (worüber wir uns freuen würden!), dann nutzt doch lieber besser dessen Möglichkeiten.

"Am Tage ihrer Verurteilung haben sie ihrer Frau gedroht: sie würden sie finden, und sie würden sie umbringen!" insistiert der Kommissar. Gespannt wartet man auf die Antwort von Tuisk - denn als "Poll" gedreht wurde, gab er seine Antworten in Interviews nur in Englisch. "Ich habe ihr vergeben, schon vor Jahren. Ich will meine Ruhe." Der ausländische Akzent ist auffällig. Aber statt nun zu überlegen "der Mann ist offenbar Este" (oder auch "Osteuropäer") - da müssen wir sein persönliches Umfeld und seine Vergangenheit mal erforschen - folgt, wie gesagt, erstmal gar nichts. Tuisk bekommt - wie gewünscht - seine Ruhe. Ganze 60 (Film-)Minuten lang - bis Mechmershausen (Lannert), inzwischen als Kommissar incognito ins Gefängnis eingeschleust, ihn dann doch mal näher befragt. In der Zwischenzeit war angeblich "kein Rankommen" an den Verdächtigten. Und, wie gesagt, sein Hintergrund, Herkunft, Familienverhältnisse, frühere Wohnung, Ex-Nachbarn - was in anderen Krimis wie selbstverständlich auch Ermittlungsrichtung ist, oder sich schon aus den Akten ergibt, bleibt hier außen vor.

Na ja. Wenigstens war diesmal keine "estnische Mafia" oder "russische Kriminelle" im Spiel - im Zusammenhang mit Estland in deutschen Filmen immer auch gern genommen. Dass der Verdächtige offensichtlich kein Deutscher ist, darüber geht diesmal die Handlung einfach hinweg. Am Schluß wird Drake (Tuisk) gezwungen, in vom Wachpersonal verheimlichten Freigang einen weiteren Mordversuch zu begehen - den er mit dem Leben bezahlt. Um diese Story für logisch zu halten muss man wohl ganz fest an das Vorhandensein krimineller Absprachen bis hin zu Gefängnisverwaltung und zuständigen Ministerien glauben ("deutsche Mafia"?). Bleibt wirklich nur zu sagen: gebt Tambet Tuisk bitte nächstes Mal eine richtige Rolle zum Schauspielern! Dann müsste er nicht schon gleich in der ersten Szene wie ein Tiger im Käfig herumlaufen, um dann aber ziemlich belanglose Sätze von sich zu geben. Ungenutzte Potentiale zugunsten eines übermächtigen Drehbuchs und einer offenbar standardmäßig abgearbeiteten Regie.

Donnerstag, Mai 29, 2014

Schmutzige Schweizer

"In Spanien und Frankreich badet man im Dreck!" so schrieb diese Woche die Schweizer Boulevardzeitschrift "20Minuten". Und nicht nur das:  trotz dieser aufsehenerrregenden Überschrift muss im Text zugestanden werden, dass in Spanien 96,9% und in Frankreich 94,1% aller untersuchten Küstenbadestellen in Ordnung sind. Vielleicht wurde es den zuständigen Redakteuren an dieser Stelle zu langweilig, es folgt dann der Satz: "Am anderen Ende der Skala rangiert Estland, wo die Wasserqualität bei nur 6 Prozent der Badeorte in Ordnung" sei.

Das verlangt eine Nachfrage - vorausgesetzt, der Gedanke so weit im Norden Europas Baden zu wollen, ist für die empfindlichen Schweizer nicht gar zu verrückt. Die Datenquelle ist in diesem Fall der jährliche Bericht zur Qualität der Badegewässer in Europa, herausgegeben von der Europäischen Umweltagentur (EEA). Dort steht nachzulesen (sinngemäß aus dem Englischen übersetzt):
- 70% aller untersuchten Gewässer befinden sich in Deutschland, Frankreich, Spanien oder Italien
- Estland weist unter allen EU-Ländern tatsächlich den höchsten Prozentsatz an nicht adäquater oder mangelhafter Gewässerqualität aus: 5,7% (in Zahlen ausgedrückt allerdings nur 3 unzureichende von 53).

Auch einsame Strände mit guter Wasserqualität:
bald gehts wieder los mit dem Badespass
an der estnischen Ostsee (im Bild ein Strand
auf Saaremaa)
Eines ist also schon mal klar: nicht 6% saubere Gewässer sind in Estland zu erwarten, sondern 94,3%. Und auch Spanien und Frankreich fallen nur dann negativ auf, wenn man nur die Statistik aller 28 EU-Staaten liest. Unzureichende Gewässerqualität wird in Frankreich bei 3,5% und in Spanien bei 3.3% festgestellt - da dort zahlenmäßig viel geprüft wird, fallen die absoluten Zahlen auch hoch aus: in Frankreich 116 unzureichende Gewässer, in Spanien 71.

Wirklich bedenklich fallen aber die Ergebnisse für die Schweiz selbst aus - aus deren Sicht Franzosen, Spanier oder Esten eben nur deshalb "dreckig" sein können, da in der EU-Statistik die Schweiz nicht genannt ist. Wer den ausführlichen Bericht liest (auf der EEA-Webseite frei verfügbar), dem fällt schnell auf, dass 2012 noch 335 Gewässer in der Schweiz geprüft wurden, 2013 aber lediglich 167. Grund angeblich: 172 Gewässer wurden fürs Baden dauerhaft geschlossen.
von den 167 geprüften Schweizer Gewässern waren 37 nicht bewertbar, weil zu selten Proben entnommen wurden (das sind schon 22,2%!). So kommt es, dass der Bericht nur für 77,8% der Schweizer Inlandgewässer ausreichende Qualität bescheinigt (einer der niedrigsten Werte aller Länder!). Na, wenn das die "Schweizer Taktik" ist: bei Problemen die Gewässer für die Öffentlichkeit schließen, oder gar keine Proben nehmen ...

Die Probleme in Estland dagegen scheinen hauptsächlich zu sein, dass bei der geringen Gesamtzahl der Badeplätze einzelne "schwarze Schafe" schon mit einer statistitisch relativ hohen Zahl herausstechen (bei den Inlandgewässern 1 Gewässer, bei den Küstengewässern 2). Die Stellen mit unzureichender Badewasserqualität befanden sich in Alt-Pärnu, in Karepa an der Nordküste und am Anne-Kanal in Tartu. Kurzzeitige Probleme gab es auch in Kuresaare auf Saaremaa, dies wurde aber extremen Wetterbedingungen zugeschrieben, Badevorbote konnten nach einiger Zeit wieder aufgehoben werden.
Also: auf in die estnische Badesaison!

EEA Bericht Badegewässer in Europa    /   EEA Badegewässerbericht für Estland

Detaillierte Zahlen zu den einzelnen Messungen (estnisch)

Montag, Mai 26, 2014

Europawahl 2014 - Ergebnisse für Estland


Wahlbeteiligung 36.44%

Ergebnis nach nationaler Partei (Wähler und Wählerinnen hatten die Möglichkeit, bevorzugte Kandidat/innnen auf der gewählten Liste nach vorn zu wählen)

Hochrechnung 26/05/2014

Eesti Reformierakond (Reformpartei) - 24,3% (2009 = 15,3%)
2 Sitze - Andrus Ansip (45037 Stimmen persönlich), Kaja Kallas (21504 Stimmen persönlich).

Sotsiaaldemokraatlik Erakond (Sozialdemokraten) - 13,5% (2009 = 8,7%)
1 Sitz - Marju Lauristin (26871 Stimmen persönlich)

Eesti Keskerakond (Zentrumspartei) - 22,3% (2009 = 26,2%)
1 Sitz - Yana Toom (25263 persönliche Stimmen)

Einzelkandidat Indrek Tarand - 13,2% (2009 = 25,8%)
1 Sitz (43390 persönliche Stimmen)

Erakond Isamaa ja Res Publica Liit (Vaterlandsunion / Res Publica) - 13,9%
1 Sitz - Tunne-Välo Kelam (18773 persönliche Stimmen)


Einige weitere Ergebnisse: 

Eesti Konservatiivne Rahvaerakond (Konservative Nationalisten) - 4,0%

Kristiina Ojuland (Einzelkandidatin, Ex-Aussenministerin) - 0.9%

Erakond Eestimaa Rohelised (Estnische Grüne) - 0.3% (2009 = 2,7%)

Wahlergebnisse der Estnischen Wahlkommission

Donnerstag, April 10, 2014

Doch noch fix ein Tunnel?

Schlagworte wie "Talsinki" kursieren schon seit den 90er Jahren, angesichts der immer engeren Verbindungen zwischen der estnischen und der finnischen Hauptstadt. So war die finnische Tourismusindustrie damals auch sehr schnell mit der Werbung einer "neuen Route nach Finnland" - gemeint war die sogenannte "Via Baltica", also die Autoroute von Berlin über das nördliche Polen, Litauen, Riga, Tallinn bis nach Helsinki. Nur aufgrund der neuen Billigflugrouten laufen die Verkehrsströme heute anders, und eine Weile verschwand auch die Idee von einem Tunnel unter der Ostsee wieder.
Nun lebt sie offenbar wieder auf. Pressemeldungen (Construction-IndexERR / YLE) zufolge soll nun eine Machbarkeitsstudie zum Bau einer Brücke oder eines Tunnels in Auftrag gegeben werden. TALSINKIFIX heißt das neue Zauberwort. Etwa 50km Entfernung zwischen den beiden Ufern müssen "überbrückt" oder "untertunnelt" werden. Ob der Zusatz "-fix" eher für Schnelligkeit oder für Problemlösung stehen soll bleibt vorerst offen - es freut sich sicherlich das beauftragte Institut (über die für die Studie veranschlagten 100.000 Euro Kosten). 85% dieser Kosten werden vom EU-Programm der Ostseestrategie (EUSBSR) getragen.

Bis Anfang 2015 soll die Studie fertig sein und auch die Einwirkungen auf die Wirtschaft erfassen, die nach Fertigstellung einer solchen neuen Verkehrsverbindung zu erwarten seien. Auch der Landkreis Harju und die Landgemeinde Viimsi haben angekündigt sich an der Erstellung der Studie beteiligen zu wollen. Das Projekt ist Teil der estnischen Zukunftsstrategie "Estonia 2030+." Die Gesamtkosten des Bauprojekts sollen sich dann auf rund 10 Milliarden Euro belaufen. Momentan ist die estnische Regierung in diesem Punkt etwas euphorischer als die Kolleginnen und Kolleginnen im finno-ugrischen Norden: Finnland hat über eine mögliche Beteiligung noch nicht entschieden.

Es gibt auch Spekulationen, dass dieses Projekt noch Teil des Bahnprojekts RAIL BALTICA werden soll - dort, wo gelegentlich estnische Politiker behaupten wesentlich bessere und sachlichere Entscheidungen treffen zu können wie die Kolleg/innen in Litauen. Würde der Talsink-Tunnel aber den Eisenbahnplanungen angehängt, hätte wohl jeder der drei baltischen Staaten dann nationale Sonderwünsche: Litauen möchte kurzfristig noch einen Umweg über Vilnius anbauen, Lettland möchte am liebsten auch Richtung Moskau gleichzeitig bauen. Und Estland? Wird es nun ein Wettlauf zwischen Tunnelbuddlern und Brückenbauern? Noch im vergangenen Jahr hatte der bisherige EU-Kommissar für Verkehr, der kürzlich als "Premier im fliegenden Wechsel" gescheiterte Siim Kallas, ein Tunnelprojekt noch für wirtschaftlich nicht lohnend erklärt. Fürsprecher hatte das Projekt bis dahin in den Reihen finnischer Unternehmer gefunden (ERR). In der schwedischen Presse ist zu den Plänen für eine neue Machbarkeitsstudie zu lesen, ein negatives Ergebnis der anstehenden Studie könnte auch das endgültige Aus für dieses Projekt bedeuten.

Samstag, März 29, 2014

Also, ich weiß nicht.

Über 20 Jahre hatten wir jetzt die Minderheitendiskussion in/über Estland. Das schien nun in ruhigeren Wassern zu verlaufen. Seit der Krim-Krise sind wir wohl bei Punkt Null wieder angekommen. Wenn man den Internetkommentaren folgt. Siehe ARD: Baltische Staaten: Neuer Blick auf NATO-Mitgliedschaft

Freitag, März 21, 2014

Kleiderwechsel in Estland

Nach neun Jahren Amtszeit (2005-2014) kam der Rücktritt von Ministerpräsident Ansip am 4.März für die meisten überraschend. Allerdings hatte es anhaltende Kritik an der Regierungspolitik gegeben und Analysen, die ein Absinken des Wählerzuspruchs für die Reformpartei Ansip's vorausgesagt hatten. Also musste eine Gegenstrategie her, auch angesichts der Europawahlen im Mai. Doch kann es wirklich so einfach gehen? Mit Siim Kallas Re-Import eines bekannten estnischen Polit-Veteranen und gegenwärtigen EU-Kommissars für Verkehr, dafür Ansip nach Brüssel? Wenn das der Plan war, dann ist er wohl inzwischen nicht ganz aufgegangen.

Befürchtungen, Estland zeige sich ausgerechnet während der unsicheren Situation in der Ukraine "führerlos" versuchte auch Präsident Ilves zu besänftigen: die alte Regierung werde noch solange weiter im Amt bleiben bis der neue Regierungschef gefunden sei. Siim Kallas erklärte sich bereit, für den Parteivorsitz ebenso wie zur Regierungschefsache. 14 Tage hat der Präsident Estlands nach dem Rücktritt eines Regierungschefs Zeit, einen neuen Kandidaten zur Übernahme der Regierung zu finden.

Weiter sehr junge Gesichter in der estnischen
Politik: das hier ist nicht etwa die Rückgabe der
Klassenarbeit an den Lieblingsschüler - es handelt
sich um die Unterzeichnung des Koalitionsvertrags
Der Reformpartei bescheinigen gegenwärtig alle Umfragen sinkende Popularität, aber im Parlament hält sie immer noch die meisten Sitze (33 von 101). Der bisherige Koalitionspartner, die Vereinigung Respublica und Vaterlandspartei (estn. abgekürzt IRL - Isamaa ja Res Publica Liit) musste dann mit ansehen, wie sich Gespräche zwischen der Reformpartei und den Sozialdemokraten entwickelten -und Taavi Rõivas, mit 34 Jahren bisher Sozialminister im Kabinett Ansip, als Kandidat für den Chefposten in die erste Reihe stellten. Kandidat Kallas dagegen fühlte sich durch die Veröffentlichung von diskreditierenden Unterlagen, die aus früheren Zeiten stammen sollen, mit einer "Schmutzkampagne" überzogen. Aber nicht Außenminister Urmas Paet, der als einer der populärsten Figuren der Reformpartei gilt, wurde statt seiner aufs Kandidatenschild gehoben, sondern der zumindest international ziemlich unbekannte Sozialminister Rõivas.Nun grübeln einige politische Analysten über der Frage, ob diese Auswahl der Hast zugeschrieben werden muss, als die "Rochade" zwischen Ansip und Kallas zu scheitern drohte. "Jedenfalls wird Rõivas sich noch als Regierungschef beweisen müssen," ist in Zeitungskommentaren zu lesen.

Wie es bisher aussieht, werden die Sozialdemokraten im Kabinett der neuen Regierung Rõivas die Ressorts Verteidigung, Bildung und Wissenschaft, Landwirtschaft, Wirtschaft, Soziales und Justiz einnehmen können. 11 Monate Amtszeit bleibt der neuen Regierung bis zu den nächsten regulären Parlamentswahlen 2015.

Ansip hatte bei seinem Rücktritt drei Dinge genannt, auf die er besonders stolz sei: stabile Finanzen, erhöhte Sicherheit für Estland, und die Schritte auf dem Weg in eine digital organisierte Gesellschaft. Im Austausch für den Schritt der Reformpartei, auf die Sozialdemokraten zuzugehen scheinen diese nun eine Kandidatur Ansips als Estlands nächster EU-Kommissar mitzutragen.

Über Taavi Rõivas sind Kommentare zu lesen, er sei vielleicht der erste estnische Ministerpräsident, der dieses Amt quasi über Nacht zugeschoben bekam, vielleicht sogar ohne dass er es selbst ahnte. Er ist zwar nicht der jüngste Ministerpräsident den Estland je hatte (Mart Laar war noch jünger, als er dieses Amt übernahm), aber dennoch scheint es zumindest eine Art Generationswechsel zu sein (und natürlich der jüngste Regierungschef in der EU, wie "der Standard" zurecht bemerkt). Es wird interessant werden zu sehen, ob auch die estnischen Wählerinnen und Wähler es positiv sehen.

Dienstag, März 04, 2014

Ämtertausch?

Wer war Andrus Ansip ?

Estnische Rochaden, auch fürs deutsche Fernsehen verwirrend. Wer war noch dieser Herr?

Samstag, Februar 15, 2014

Unabhängiger Indrek Tarand kandidiert wieder

Vor fünf Jahren wurde der in Estland vor allem als Fernsehmoderator bekannte Tarand als Unabhängiger Kandidat ins Europaparlament gewählt. In die Politik ging er allerdings nicht völlig unbedarft. Tarand war in den 90er Jahren Berater des etrsten Ministerpräsidenten nach der Unabhängigkeit, Mart Laar, und später unter seiner jetzigen Parlamentarierkollegin, Kristiina Ojuland, als Außenministerin Staatssekretär. Tarand hatte in den vergangenen Monaten offen gelassen, ob er erneut anzutreten gedenke. Er hatte erklärt, er müsse erst seinen 50. Geburstag abwarten, um die entsprechende Reife für die Entscheidung zu erlangen. Anfang Februar wurde er nun 50 und tart mit der Ankündigung an die Öffentlichkeit, er werde seinen Hut in den Ring werfen. Als Begründung gab er die geplante Rochade zwischen Siim Kallas und Andrus Ansip an, die ihn abstoße.. Von solch einem vorher angekündigten Rollentausch habe man bei aller Unterstützung, die Parteifreunde bei einer Kandidatur leisten können, noch nie gehört. Die Kommentare im Internet zu der entsprechenden Meldung sind inteteressanterweise sehr gespalten. Die einen Wähler würden ihn jederzeit wieder wählen, andere geben an, von der Arbeit Tarands im EU-Parlament nichts gehört zu haben. Ein dritter Kommentator wiederum meint, das Volk habe die Nase voll von dem Entertainer. Diesem Kommentar wird nun wiederum vorgeworfen, woher ein einzelner wissen wolle, daß das ganze Volk von Tarand enttäuscht sei.

Donnerstag, Februar 13, 2014

Politische Rochade in Estland?

Böse Zungen haben den Vergleich mit Medwedew und Putin in Rußland bereits gezogen! In der estnischen Politik könnte sich dieses Jahr ein fliegender Ämterwechsel vollziehen zwischen Ministerpräsident Andrus Ansip und Europakommissar Siim Kallas. Ansip würde im kommenden Jahr sein zehnjähriges Jubiläum im Amt feiern, müßte dafür aber auch die anstehenden Wahlen im März 2015 gewinnen. Das könnte ihm schwer fallen, weil in seiner langen Regierungszeit – ein einmaliger Rekord im gesamten postsozialistischen Raum – die Bevölkerung seiner langsam überdrüssig wird, und nicht nur das. Es gibt handfeste Proteste aus breiten Bevölkerungssschichten wie auch von intellektueller Seite. Im Herbst 2012 wurde intensiv vor dem Parlament in Tallinn demonstriert. Eine ehemalige Weggefährtin und Parteifreundin von Kallas und Ansip, die Europaabgeordnete Kristiina Ojuland, die unter Kallas als Außenministerin diente, warf ihrer alten Partei vor, vom Namen Reformpartei sei nur noch die Hülle übrig geblieben und schickt sich an, eine neue Partei ins Leben zu rufen. Der frühere Ministerpräsident und Gründer der Reformpartei, Siim Kallas, war nun zehn Jahre lang für Estland in der EU-Kommission und kann sich eine Rückkehr in die Heimat vorstellen. Darum schickte er kürzlich einen Brief an seine Parteifreunde mit dem Vorschlag, er sei bereit das Amt des Regierungschefs erneut zu übernehmen, um die estnische Präsidentschaft der EU im Jahre 2018 vorzubereiten. Andrus Ansip wiederum könnte nach Brüssel wechseln. Dieser Vorschlag könnte deshalb von Kallas kommen, weil es hinter den Kulissen heißt, Ansip wolle sich nicht selbst vorschlagen. Ansip aber hatte dafür Kallas schon vorher als seinen Nachfolger vorgeschlagen, da Estland bis zur EU-Präsidentschaft einen erfahrenen Regierungschef brauche, ohne gleichzeitig einen Termin für seinen eigenen Rücktritt zu nennen. Hindernisse auf dem Weg zu einer solchen Rochade bestehen dennoch. Erstens war Kallas bereits einmal Regierungschef, und zweitens wurde bislang der jüngere Außenminister Urmas Paet ebenfalls als möglicher Nachfolger von Ansip gehandelt. Darüber hinaus befindet sich die Reformpartei derzeit in einer Koalition mit der Konservativen Vaterlandsunion, die gerne selber den Europakommissar stellen würde und bei einer eventuellen neuen Regierungsbildung unter einem anderen Regierungschef eventuell generell das Nachsehen haben könnte, wenn sich die Reformpartei einen anderen Partner sucht, der im Parlament umgekehrt für die Konservativen nicht in Sicht ist. Beide Oppositionsparteien, die Sozialdemokraten und die Zerntrumspartei, äußerten sich zwar zurückhaltend über Kallas’ mögliche Rückkehr, charakterisierten ihn aber als umgänglicher und kompromomißorietierter im Vergleich zu Ansip und böten sich entsprechend als Koalitionspartner auch für eine neue Regierung an.

Montag, Februar 10, 2014

Kratzen am olympischen Mythos

Ausgerechnet passend zu einem der sportlichen Saisonhöhepunkte in Estland - die olympischen Winterspiele Sochi 2014 gehören mit Sicherheit dazu - bekommt ein weiteres der großen sportlichen Vorbilder Estlands weitere Kratzer. Kristiina Šmigun, inzwischen verheiratet als Šmigun-Vähi, zweifache Goldmedaillengewinnerin der Spiele in Turin 2006, wird eben wegen dieser Turinger Wettkämpfe das Dopings beschuldigt. Quelle dieser Nachrichten war vor einigen Tagen die russische "Ves Sport".

Estnischer Modellathlet:
auch vergangene Erfolge
mit Fragezeichen?
Kirstjan Port, Chef der estnischen Anti-Dopingagentur, sagte dazu die Untersuchungsmethoden würden eben nach und nach immer mehr verfeinert, daher die häufigen Nachtests. Auch Andres Veerpalu, 2001 Langlauf-Weltmeister und Doppel-Olympiasieger 2002 und 2006, hatte sich noch 2011 Doping-Vorwürfen ausgesetzt gesehen. Er sorgte erst kürzlich mit einer eigenen Modekollektion für Aufsehen und hält sich im Auftrag der Mannschaft Kasachstans in Sochi auf. Seine Sperre war dann vom Internationalen Sportgerichtshof (CAS) wegen Zweifeln an den Untersuchungsmethoden (nicht wegen Zweifeln an den Befunden) wieder aufgehoben worden (siehe FAZ). Details zu den aktuell neuen Untersuchungsergebnissen - die nicht nur Šmigun betreffen sollen - sind zur Veröffentlichung nach Ende der Olympischen Spiele von Sochi angekündigt. Šmigun-Vähi sagte zu den Vorwürfen, ihr selbst sei erst vor zwei Monaten versichert worden, in den Tests seien keine verbotenen Substanzen gefunden worden - wie es auch gar nicht sein könne, da sie ja solche nie genommen habe. Unter anderem hatte sie auch einen Lügendetektor zu Hilfe genommen, um Argumente für ihre Unschuld zu sammeln.
Šmigun-Vähi ist inzwischen auch Vicepräsidentin des Nationalen Olympischen Komitees (EOK) in Estland.

Zu möglichen Folgen positiver Dopingtests gegen die beiden estnischen Langlaufsportler äußerten sich bereits tschechische Medien (Radio Prag, Prague Post)), denn falls beiden ihre Medaillen von Turin aberkannt würden, könnten zwei Tschechen die "Nutznießer" sein: Veerpalu hatte in Turin das Rennen über 15 Kilometer klassisch vor Lukáš Bauer gewonnen, Smigun-Vähi siegte damals im Skiathlon vor Kateřina Neumannová.
Auch norwegische Medien (VG) sind inzwischen aufmerksam geworden, da Šmigun 2010 ihre Silbermedaille vor der norwegischen Langläuferin Marit Bjørgen gewonnen hatte, die auch in Sochi schon wieder erfolgreich war. Bjørgen selbst, von der norwegischen Presse nach Šmigun befragt, erklärte die Meldungen für "bloße Gerüchte".

Esten in Sochi - hier das Tammsaare-Museum
Medaillienträume gibt es für estnische Athleten in Sochi diesmal nicht; so sagte es sogar der estnische Sportchef Marko Kaljuveer der estnischen Presse. Für die Berichterstattung aus der Olympiaregion wichtiger scheint da, dass es dort auch mal estnische Besiedlung gab:die estnische Zeitung Ohtuleht entdeckte Valter German, 62-jähriger Vorsitzender der "Estosadok Society". Esto Sadok ist eine frühere estnische Siedlung, wo sich 1886 36 estnische Familien niederließen. Wörtlich übersetzt bedeutet dies "estnisches Gärtchen" - das Thema wurde auch schon von Journalisten aus Österreich entdeckt, und es beherbergt auch ein Museum des estnischen Schriftstellers Anton Hansen Tammsaare, der 1912/13 dort wohnte. Über einen Museumsbesuch dort ist auch bei "Ost-Impuls" nachzulesen, Infos auch bei "Visit Sochi". Im Moment sind dies wahrscheinlich die angenehmeren estnisch-bezogenen Aktivitäten in Sochi.

Mittwoch, Dezember 25, 2013

Jahreslauf, estnisch

Estnischer Jahresrückblick - einmal anders:


Nochmal etwas für Käsmu-Freunde ...
(Bilder der Käsmu-Webcam, Foto: Toomas Tuul, Musik: Jaan Tätte juunior)

Dienstag, Dezember 24, 2013

Sotschi-Kandidaten

Sollte es bei den Olympischen Winterspielen überraschend auch estnische Medaillengewinner geben, so wird es einer von diesen Namen sein:

Langlauf: Aivar Rehemaa, Anti Saarepuu, Kein Einaste, Algo Kärp, Een Vahtra, Karel Tammjärv, Raido Ränkel, Piret Pormeister, Timo Simonlatser, Heidi Raju, Siim Sellis, Laura Alba, Kaija Vahtra, Peeter Kümmel, Triin Ojaste, Tatjana Mannima.

Alpinski: Warren Cummings Smith, Tõnis Luik, Ranek Koni, Triin Tobi.

Snowboard: Kadri Pihla, Siim Paalo.

Nordische Kombination: Kail Piho, Han Hendrik Piho, Kristjan Ilves, Karl-August Tiirmaa.

Skispringen: Martti Nõmme, Kaarel Nurmsalu, Siim-Tanel Sammelselg.

Eiskunstlauf: Jelena Glebova, Viktor Romanekov.

Speed skating: Saskia Alusalu.

Biathlon: Kadri Lehtla, Kristel Viigipuu, Roland Lessing, Indrek Tobreluts, Daniil Steptšenko, Kauri Kõiv, Jan Treier, Grete Gaim, Johanna Talihärm, Daria Yurlova, Kalev Ernits, Rene Zahkna.
Die entgültige Teilnehmer/innen-Liste wird Ende Januar 2014 festgelegt. Doppel-Olympiasiegerin Kristina Šmigun-Vähi ist inzwischen zur Vice-Präsidentin des estnischen olympischen Komittees aufgerückt. Bei den drei vergangenen Winterspielen in Vancouver, Turin und Salt Lake City gab es jeweils auch estnische Medaillenerfolge. 

Quelle: estnisches AußenministeriumERR
Estnisches Olympisches Komittee

Freitag, November 29, 2013

Natürlich Natur

Mit einem Strauß Kornblumen wird Estland auf der "Grünen Woche" vom 17.-26.Januar 2014 in Berlin werben. Die Verbindung von "Natur" und "natürlich" ist dabei wohl gewollt. Dort, wo die Kornblume vorkommt - zum Beispiel am Rande von Kornfeldern - wirkt sie wie ein Bioindikator: bei starker Überdüngung verschwindet sie, ebenso beim Einsatz von Pestiziden.

Und der Roggen steht - laut Pressemitteilung der Berliner Messe - in Estland für Bier, Schnaps, Kali und Kama. Also: Mal Estland probieren in Berlin! 

Mittwoch, November 13, 2013

Hundert plus Eins

Wenn estnische Filmemacher Deutschland aufsuchen, kann das überraschende Formen annehmen: selbstverständlich, denn die Mischung aus Wortkargheit und spontanem Witz, der sich oft in Estland findet, dürfte manchem Estland-Freund und Estland-Freundin bereits bekannt sein.
Eine gute Gelegenheit zum Treffen mit estnischen Filmemachern und deren Werken bietet zur Zeit "Eesti Film 101", ein estnischer Filmabend, der an vier Abenden in dieser Woche in Bremen, in Kiel, in Hamburg und abschließend in Hamburg zu erleben ist.

Aber keine Angst: was hier geboten wird, kann ganz gemütlich vom Kinosessel aus genossen werden. Auch wenn Andres Maimik und Rain Tolk ihren Film "Umbkotid" (dessen Titel mit "Lappen" ins Deutsche übersetzt wurde, aber auch so etwas wie "Looser" heißen könnte) regelrecht warnten: es sei eine Art "Krankheit" damit verbunden. Wenn also nach ansehen dieses Films irgendwie ein Tag anbricht, wo man plötzlich sein ganzes Geld verliert, oder auf einer Bananenschale ausrutscht, ein Ehestreit ausbricht oder der letzte Bus nach Hause doch noch verpasst wurde - dann, so meinten beide scherzhaft, möchten sie bitte nicht dafür verantwortlich gemacht werden.

Wenn das Konzept nicht überzeugt, wenn
Powerpoint streikt, wenn das zu bewerbende Produkt 
nicht schmeckt, oder wenn der Art-Direktor gerade
krank ist: einfach auf den Tisch steigen 
und noch übertriebenere große Reden führen - so oder
so ähnlich nimmt "Umbkotid" die Mechanismen der 
Werbebranche auf die Schippe
"Umbkotid" nimmt die estnische Werbebranche auf die Schippe, und ein wenig Konsumkritik kann vielleicht auch in Estland gut tun, das werden die Betrachter vielleicht zugestehen. Und wer Rain Tolk und Andres Maimik bisher als Filmemacher kannte ("Kuku", "Kormoranid ehk nahkpükse ei pesta ", "Jan Uuspõld läheb Tartusse"), der lernt hier dazu, dass sie sogar in ihren eigenen Filmen sich nicht scheuen auch ihre Rollen selbst zu spielen. Ein Stück Autobiographisches ist also durchaus im Spiel, wenn sie in "Umbkotid" immer von der Realisierung eines "genialen Künstlerfilms" träumen, Kant und Kierkegaard lesen - aber dann doch einen billigen Werbefilm drehen und diesen sogar noch mit überschwenglichen Reden begründen. Dabei stehen Maimik und Kolk selbst ja nicht in Gefahr, schwache Billig-Produktionen machen zu müssen - als Regisseure und auch als Schauspieler waren sie sowohl mit Spielfilmen wie auch Kinofilmen schon erfolgreich ("Sügisball", "Pangarööv", "Seenelkäik"). Dabei machen sie sich in "Imbkotid" weder zu Helden, die wissen wie es geht, noch zu Fatalisten, die aus Verzweiflung dem Alkohol verfallen. "Die Motive für unsere Filme sind meist aus dem Alltag genommen", sagte Maimik im Gespräch mit Filmbesuchern in Bremen.

Die Zahl der Liebhaber estnischer Filme wächst - zumindest war das am Auftaktabend in Bremen zu spüren. Dazu tragen auch die Kurzfilme von Studierenden der "Baltic Film und Mediaschool Tallinn" bei, von denen eine Auswahl ebenfalls am "Eesti-Film 101"-Abend präsentiert wurden. Diesmal war Haardy Keerutaja selbst in Bremen, um seinen Film "95" vorzustellen, der alltägliche Situationen jugendlicher Esten auf überraschende Weise als spannende Geschichten erzählt. Der Titel "95" orientiert sich dabei an der Oktanzahl einer Benzinsorte, die der jugendliche Protagonist ja gern für das Famlienauto erwerben würde - wenn er das dafür vorgesehene Geld nicht längst für andere Verwendungszwecke ausgegeben hätte. So entstehen neue Handlungsverläufe, die Interesse dafür erzeugen, welche Wege und Auswege hier wohl noch begangen werden.

Stellten sich im City46 in Bremen den Filmfreunden 
zur Diskussion: Kristiina Jessen, Kristin Laufer
(für die Filmauswahl "Eesti 1010" verantwortlich), 
Rain Tolk, Andres Maimik
Das Organisationsteam von "Eesti Film 101" in Deutschland ist durchweg weiblich: die beiden Estinnen Kristiina Jessen aus Bremen und Kristin Laufer aus Berlin weiteten in diesem Jahr das Programm sogar noch aus, nach dem es auch 2012 (zum 100.Jubiläum des ersten estnischen Films) bereits in Bremen und Hamburg einen Filmabend gegeben hatte. Fürs nächste Jahr gibt es bereits neue Pläne, aber vor allem Sponsoren werden noch gesucht: Vorschläge, welche weiteren Städte die Veranstaltungsreihe möglichst noch berücksichtigen sollte, nehmen beide gern entgegen - besonders gern in Verbindung mit entsprechender Finanzierungshilfe. Also dann: heute abend (13.11) in der "Pumpe" in Kiel, morgen (14.11.) im "3001 Kino" in Hamburg, am 15.11. im Bundesplatz Kino in Berlin - oder im nächsten Jahr wieder mit neuer Auswahl.

Mehr Fotos

Montag, Oktober 21, 2013

Zentrum landesweit vorn

Den vorläufigen amtlichen Endergebnissen der Kommunalwahlen in Estland zufolge gibt es kaum einschneidende Veränderungen: wer bisher vorn war, bleibt vorn. Die estnische Zentrumspartei erreichte landesweit im Durchschnitt 31,9% (199.888 Stimmen) und entsprach damit ziemlich exakt den Vorhersagen.
Die konservative "ProPatria/Respublica" (Erakond Isamaa ja Res Publica Liit) erreichte mit landesweit 17,2% eine Steigerung (2009=13,9%) auch gegenüber den Prognosen, dagegen schnitt die Reformpartei von Regierungschef Andrus Ansip mit 13,75% (gegenüber 16,7%) diesmal deutlich schwächer ab.
Die Sozialdemokraten, die einige Vorhersagen bei 15-16% sahen, liegen mit 12% klar darunter, aber dennoch um 5% besser als bei den vorangegangenen Wahlen 2009.

Kann sich jetzt wieder intensivem Hundestreicheln
widmen: der unterlegene Bürgermeisterkandidat
Niils Eerik Kross
Keine Zweifel gab es in Estlands beiden großen Städten: in Tallinn gewann Bürgermeister Edgar Savisaar mit 52,5% klar, während in Tartu die beiden konservativen Parteien zusammen die stärksten Parteien sind. Voraussichtlich wird die Zentrumspartei im Stadtrat Tallinns über 46 von 79 Sitze verfügen können.

In der englischsprachigen Wochenzeitung "Baltic Times" war Kritik daran nachzulesen, dass die estnischen Parteien fast keine Mühe darauf verwandten, ihre Wahlprogramme den Wählerinnen und Wählern klar zu machen - vieles hing von den Werbekampagnen rund um die Spitzenkandidaten ab.

Der Anteil der Wähler, die ihre Stimme per Internet abgaben, ging verglichen mit den letzten Parlamentswahlen leicht zurück (133.661), stieg aber um 30% im Vergleich zu den Kommunalwahlen 2009. Die Zahl der Wähler, die vorab bereits ihre Stimme abgaben (E-Voting + Briefwahl) stieg auf einen Rekordwert von 42,3% aller abgegebenen Stimmen an.
Die Wahlbeteiligung lag diesmal nur bei 57,68% gegenüber 60,6% zuvor.

Estnisches Wahlamt

Samstag, Oktober 19, 2013

Aussenminister Urmas Paet in Seoul auf der International Conference on Cyberspace

Ich glaube, da haben sich Koreaner und Esten einiges zu sagen, wenn es um Sicherheit im Internet geht. Mal schauen, ob über die Konferenz berichtet wird.

Update. Hm, es ist wie immer. Steuerzahler geben am Ende das Geld für diese Konferenzen aus, die in den Anfangsansprachen auch ihre Wichtigkeit erhalten. Aber dann ist Sendepause. Keine Infos, keine Diskussionen oder Skripte im Internet. Das nervt sowas, und ist so von gestern. Ich habe reichlich gegoogelt und nur zwei englischsprachige Freaks gefunden, die in Seoul wohnen. Die haben dazu was Substantielles geleistet. Als Vorleistung zur Konferenz. Acht Videos, selbstgestrickt: Super Bassette Brothers Estland, Korea. Ich dachte wir sind im Internetzeitalter.

Samstag, Oktober 05, 2013

Wer geht noch zur Wahl?

Die nächsten Termine für Wahlberechtige in Estland kommen in schöner Regelmäßigkeit: 2014 die Europawahlen, 2015 die Parlamentswahlen, 2016 die Präsidentschaftswahlen. Was ist also 2013 noch abzuarbeiten? Richtig, die Kommunalwahlen, mit Bürgermeisterwahlen auch in der Hauptstadt Tallinn. Am 20.Oktober ist Wahltag in den Städten und Gemeinden, aber das Wahlamt verkündet überraschend: nur noch 5 Tage bis zur Wahl!

Das zielt auf die sogenannten "E-Wähler". Mit 60,6% war zwar die Wahlbeteiligung insgesamt durchaus nicht überragend, aber der Anteil derjenigen Wählerinnen und Wähler, die mit Hilfe ihrer ID-Karte und einem Lesegerät per Internet ihre Stimme abgaben, ist erheblich angewachsen. Als diese Möglichkeit bei den Kommunalwahlen 2005 erstmals angeboten wurde, nutzeten das lediglich 0,9% der Wahlberechtigten (= 1,9% derjenigen, die an der Wahl teilnahmen). Damals waren die Schlagzeilen von Estland als einem der ersten Staaten in Europa mit Stimmabgabemöglichkeit per Internet weitaus größer als der tatsächliche Teilnahmeeffekt. Seitdem ist aber viel Zeit vergangen: bei den Parlamentswahlen 2007 wurden schon 5,5% der Stimmen elektronisch gezählt, bei den Europawahlen 2009 waren es 14,7%, bei den Kommunalwahlen im selben Jahr 15,8%. Und bei den Parlamentswahlen 2011 nutzten dann schon 24,3% die virtuellen Möglichkeiten. Also: für mindestens 1/4 der Wahlberechtigten könnte also auch diesmal gelten: schon in 5 Tagen beginnt die Wahl!

Der Spruch "Geh zur Wahl!" trifft in Estland also nicht mehr so ganz das beabsichtigte Anliegen. Allerdings hat die Internet-Euphorie auch nicht zu einer erheblich höheren Wahlbeteiligung beigetragen: 60% wären schon zufriedenstellend, für estnische (Kommunalwahl-)Verhältnisse. Die fürs E-Voting vorgesehene Periode läuft vom 10. bis zum 16 Oktober.

Etwas weniger vorhersehbar sind da natürlich die Ergebnisse der Wahlen. In Tallinn kann laut Umfragen Amtsinhaber Savisaar auf die Stimmen von etwa 44% der Hauptstädter hoffen, seine Gegenkandidaten Eerik-Niiles Kross (Pro Patria and Res Publica Union IRL) kommen nur auf 15%, Andres Anvelt (Sozialdemokrat SDE) auf 9%, und Valdo Randpere (Reformpartei) auf 7%.
Auch eine Art "Wahlomat" wurde in Estland kürzlich gestartet und heißt hier "Parlamendikompass". Ausserhalb der Hauptstadt machen die Kommunalwahlen derzeit noch wenig Schlagzeilen. Mal sehen, ob das Wahlergebnis daran etwas ändern wird.

Statistik zum Internet-Voting in Estland  / Details zur Wahl per Internet / Estnisches Kommunalwahlgesetz (engl. Übersetzung)

Dienstag, September 10, 2013

Schuhe aus Tartu

"Schuster, bleib bei deinen Leisten!"
diesen Wahlspruch wird Sille Sikmann
sicher gern beherzigen, denn die
Leidenschaft fürs Schuhwerk ist
gerade erst frisch entdeckt
"Estnische Männer haben besondere Füße!" Diese Ansicht vertritt die Estin Sille Sikmann, und sie scheint einen besonderen Blick für diese Thematik zu haben. Als gelernte Designerin ging sie für ein Semester nach Helsinki. Aus einer Übungsaufgabe, Entwürfe für Schuhe zu machen, wurde ihre Passion: "Ich habe gemerkt: das ist meine Sache! Es fiel mir leicht - wo andere nur einen Entwurf hinbekommen haben, da hatte ich schon fünf fertig ..."

Nach einer weiteren Auslandserfahrung in Ungarn und einer Studie zum Markt für Männerschuhe wagte Sille den Schritt in die Selbständigkeit. Ihre Werkstatt ist in der Antoniusgilde in Tartu zu finden, und von hier aus knüpfen sich langsam "Schuhmacher-Kontakte" über ganz Estland und darüber hinaus. Manche Frauen äussern sich offenbar manchmal kritisch dazu, dass Sille sich ausschließlich Männerschuhen gewidmet hat - andererseits schien die Idee interessant genug, und so schaute auch das estnische Fernsehen schon zur Berichterstattung vorbei.
Teil des Scheckmann'schen
Designkonzepts:
Stoff und Leder kombiniert

Dabei gibt es viel Grundlegendes aus dem Schuhmacherhandwerk neu zu entdecken: alle bisherigen Aufträge waren Maßanfertigungen. Hölzerne Leisten (Sikmann: "wer noch alte Leisten zu Hause hat, kann sie gerne vorbeibringen!") sind hier noch genauso in Gebrauch wie Aufrauhbürste, Ahle und Absatzraspel. Das Leder stammt von verschiedenen Lieferanten in Europa.
Teil der Geschäftsidee ist auch der Firmenname: eigentlich habe der Name Sikmann deutschbaltische Ursprünge, erläutert Sille. "Meinem Vater habe ich mal versprochen, dass ich etwas Bleibendes aus diesem traditionsreichen Namen mache." So wurde dann "Scheckmann" die Trademark, und "schicke Schuhe von Scheckmann" hört sich ja auch auf Deutsch recht gut an.

Und wie entsteht ein Schuh? Sille zeigt es gern an den Beispielen von drei Kunden: drei Charaktäre, drei Wunschschuhe. Das Kundenspektrum reicht vom Künstler, der zur Vernissage gerne etwas Besonderes an den Füßen haben wollte bis zum Fahrradliebhaber, dessen Bezug zum Rad sich auch am Schuhwerk wiederspiegelt. "Manchmal dauert es auch monatelang, denn inzwischen habe ich Kunden in ganz Estland, und die haben nicht immer so schnell Zeit mal für eine Anprobe vorbeizuschauen," erzählt Sille.

Schuh hat Charakter - und soll Charakter zeigen
Gibt es in Estland eine Schuhmacher-Tradition? Immerhin heißt "Schuh" estnisch "King" - als ist nicht nur der Kunde, sondern schon der Schuh König? Der estnische Exportwegweiser weist drei Firmen des Schuhmachergewerbes auf: eine in Tartu, eine in Tallinn und eine im Bezirk Võru.
"Ja, ich hatte auch schon Angebote, für solche Firmen zu arbeiten", gibt auch Sille zu. Allerdings: so schöne Männerschuhe - wo hat man das schon gesehen?

"Erstmal macht es mir viel Spaß, dazuzulernen," sagt Sille zu den eigenen Perspektiven, "jedes Projekt ist wieder eine Herausforderung." Damit ist auch die Notwendigkeit gemeint, einen Teil der Arbeiten von Partnerfirmen ausführen lassen zu müssen. "Vielleicht finde ich ja noch jemand, der wie ich mit ähnlichem Ernst und Engagement an die Arbeit geht," meint Sille. "Zu zweit wäre manches leichter." Aber obwohl die Maßanfertigung von Schuhen ja keine ganz billige Sache sein kann - vorerst gibt es genug Interessenten. "Bis Ende des Jahres bin ich ausgelastet," freut sich Sille - und wendet sich wieder der Arbeit zu: dem scheckmannschen Männerschuhwerk.

Antonius-Gilde / Antoniuse Õu Tartu

Scheckmann-Schuhe

Werkstatt-Video

Sonntag, September 08, 2013

Sie haben es wieder getan

Estland-Niederlande in der WM-Qualifikation für Brasilien. Und beinahe hätten sie gewonnen. Doch die Niederländer trafen noch gerade rechtzeitig zum 2:2. Damit hat sich das estnische Nationalteam in Qualifikationen schon öfter achtbar geschlagen. Die Tendenz ist eher positiv. Konstantin Vassiljev gehört zu den wichtigsten Spielern. Uefa:
"In der Schlussphase hatten wir Pech, aber ein 2:2 gegen die Niederlande ist ein tolles Ergebnis", sagte Vassiljev, dessen Frau vor kurzem die zweite Tochter des Paares zur Welt brachte. "Natürlich war das eines unserer besten Spiele aller Zeiten. Wenn wir gewonnen hätten, wäre es sogar das beste gewesen. Wir haben alles gegeben und haben uns das Unentschieden verdient." Kapitän Ragnar Klavan hofft, dass dieses Ergebnis seiner Mannschaft zusätzliches Selbstvertrauen verleiht. "Aus solchen Spielen zieht man Kraft und Energie", so der Innenverteidiger vom FC Augsburg. "Ich bin mir sicher, dass kein einziger Fan hier ohne Emotionen war. Aus diesem Grund gehen die Leute ins Stadion!"
Glücksgefühle bei Georgien und Estland Eine Journalistin mit vielen Fotos vom Spiel: Catherine Kõrtsmik

Sonntag, September 01, 2013

Käsmu - Estlands nördlicher Charme

Eine spätsommerliche Erinnerung an die Bucht von Käsmu:



Es ist wirklich ähnlich einem "Millionen-Dollar-Blick", wer am Meeresmuseum auf die Bucht auf die nordöstliche Ostsee hinausschaut.

Hier noch zwei weitere Möglichkeiten der Teilhabe:

Webcam des Meeresmuseums (Looduskalender)

Panoramablick bei "Estonia360"

Lied "Käsmu laht", gespielt und gesungen von "Väikeste Lõõtspillide Ühing" (Text)

Donnerstag, August 29, 2013

Kalamaja, frisch gefegt

Der Tallinner Stadtteil Kalamaja (Fischerhaus) gilt seit einiger Zeit als Stadtviertel, in dem sich Lebenskünstler und Liebhaber eines alternativen Lebenstils versammeln. Wem die Enge der von Touristen bedrängten Altstadtgassen zu viel wurde, dem wurde der Charme von Holzhäuschen und romantischen Ecken in Kalamaja empfohlen.

Neues "Branding" für Tallinns Ex-Fischerviertel: jetzt verkehrsberuhigt,
jedes Haus bekommt von der Stadt einen einheitlich gestalteten
Eingangsbereich spendiert
Aber wie so oft, nagt auch an diesem sogenannten "Geheimtipp" der Strom der Zeit: längst sind verfallene und vernachlässigte Häuser abgerissen, und schmutzige Straßenecken weichen schmucken Neubauprojekten, Cafes und Restaurants. Die "jungen Kreativen", die sich in Kalamaja versammeln, zählen offenbar auch zu den neuen Aufsteigern: etliche Investitionsprojekte siedelten sich hier an (z.B. das Projekt des Architekten Ülo Peil), und die "Bohemians, die Jungen und die Sorglosen" - wie Stadtführer wie "Citytour" die Einwohner bezeichnen - werden einerseits über die "Aufhübschung" ihres Viertels erfreut sein, andererseits nicht mehr ganz so "sorglos" in den Tag hinein leben können (wenn sie kein Geld haben).
Kalamaja - jetzt mit Tempo-30-Zone und Fahrradwegen ausgestattet

"Wenn Sie es leid sind überall in Tallinn Englisch zu hören, überall nur Bernstein zu sehen, auf Pflastersteinen gehen zu müssen - denn ist Kalamaja eine perfekte Alternative und das Gegenteil zum touristisch aufgepeppten Mittelalter der Altstadt Tallinns!"- diese Feststellung von Ann Vaida aus dem Traveller.ee-Blog gilt jedoch vorerst noch immer.
Kalamaja-Impressionen ...

Tallinns "Prenzlauer Berg" (paradisi.de) wird sich wandeln, soviel ist sicher. Wie viel dabei privaten Investoren und deren Gewinnabsichten überlassen wird, und wieviel für "Ökos und Flohmärkte" bleibt, wird sich zeigen. Noch 2009 stellte Dirk Matzen in seinem Blog bezüglich Kalamaja fest: "Touristenströme findet man dort allerdings nicht, und eben auch keine touristische Infrastruktur: Keine Cafés, keine Restaurants, keine Shops." Das ist schon mal definitiv anders geworden. 2010 nannte Giovanni Angioni (Estonian Free Press) den Stadtteil noch einen "authentischen Juwel".
Mit der Eröffnung des "Lennusadam" (Seaplane Harbour) ist ein weiteres touristisches Highlight hinzugekommen, um nach Erforschung der besten Ecken von Kalamaja den Spaziergang in diese Richtung fortzusetzen.