Dienstag, Januar 29, 2013

Alles klar Uwe!

Etwas verspätet, aber der deutsche Fußballtrainer Uwe Erkenbrecher (vormals 2. Bundesliga und Indonesien) trainiert neuerdings den Erstligaclub Tammeka Tartu. Der Titelspruch stammt aus diesem Interview im Januar: Quelle: hier. Und er ist nicht allein. Frank Bernhardt ist Coach von Kalev Tallinn seit Dezember 2012. Und er hat schon Erfahrung in Estland als Trainer der U 19 und U 21 in Estland.

Samstag, Januar 26, 2013

Umfragen sehen Opposition vorn

Das demoskopische Institut Emor hat gerade seine aktuellen Zahlen veröffentlicht. Die Unterstützung der Parteien hat sich dabei grundlegend verändert. Es gibt erstmalig eine deutlich Mehrheit für Parteien, die man als mehr oder weniger links bezeichnen könnte. Nach den diversen Skandalen rund um die Parteienfinanzierung und dem Rücktritt des Justizministers ist die Unterstützung des bisher stärksten politischen Kraft in der Regierung, der liberalen Reformpartei, auf nurmehr 20% gesunken. Der Koalitionspartner, die konservative Vaterlandsunion / Res Publica kommt gar nur auf 16%. Die oppositionellen Sozialdemokraten hingegen, die bereits im Frühjahr 2011 ein überraschend gutes Ergebnis bei den Parlamentswahlen erzielt hatten, werden inzwischen von 27% der Wähler unterstützt und die Zentrumspartei des enfant terrible der estnischen Politik, Edgar Savisaar, liegt mit einem Prozentpunkt darüber bei 28%. Tatsächlich stehen Wahlen erst wieder 2015 an, und freilich kann sich bis dahin viel ändern und immerhin 38% haben Emor gegenüber geäußert, daß sie sich einstweilen nicht entscheiden können. Sicher aber scheint, daß die estnischen Wähler der politischen Stabilität überdrüssig sind. Ministerpräsident Andrus Ansip ist immerhin schon seit 2005 im Amt, ein einsamer Rekord für baltische Verhältnisse.

Dienstag, Januar 22, 2013

Einsteigen zum Test!

Ob Bus und Straßenbahn nun den Tallinnern
sympathischer werden - wo jeder die Linien bis
zur Endstation ausnutzen kann?
Kostenloses Busfahren, bargeldlose Nutzung der Straßenbahnen - das ist seit dem 1.Januar 2013 für die Einwohner Tallinns Realität. Die estnische Tourismuswerbung ruft Tallinn zum "Vorreiter beim kostenlosen öffentlichen Verkehr" aus (Visit Estonia). Aber inzwischen muss sich Estlands Hauptstadt offenbar den Ruf Ort innovativer Neuerungen nicht mehr groß erarbeiten: "die Umstellung scheint den gewünschten Effekt zu erzielen" urteilt die FAZ, und die TAZ stellt fest: "das restliche Europa ist neugierig".

In den Leserforen derselben Zeitungen fallen die Bewertungen etwas krasser aus: die positiven Stimmen loben das Vorbild und beobachten interessiert die Entwicklungen in Tallinn, heben auch die dem Verkehrsexperiment vorangegangene Volksabstimmung in Tallinn hervor.
Negativ äußern sich meist Autofahrer, die derartige "Gängelung" als Einschränkung des Autoverkehrs ablehnen. Manche scheinen auch jeglichen Kostenlos-Dienstleistungen der öffentlichen Hand zu mißtrauen und werten die Tallinner Kostenlos-Busse als "Wärmestube für Penner" ab. Andere meinen in der estnischen Maßnahme auch Bekanntes aus der DDR-Vergangenheit zu entdecken und meinen "am Ende hat der Staat nichts mehr zu verteilen und geht pleite".

174.000 Menschen in Tallinn sollen in den ersten zwei Wochen den neuen Service bereits genutzt haben, dazu kommen auch 49.000 Rentner, die auch bisher bereits freie Fahrt hatten, und die auch nicht ihren Wohnort nachweisen müssen. 570 Fahrzeuge mussten in Tallinn zuvor mit entsprechenden Lesegeräten ausgestattet werden, Anschaffungskosten pro Gerät etwa 500 Euro, Instandhaltungskosten jährlich 760.000 Euro. Die städtischen Verantwortlichen gaben erste Schätzungen zur Entwicklung der ersten zwei Wochen Praxis ab: angeblich soll der private Autoverkehr um 10-15% ab, der öffentliche Verkehr um 6% zugenommen haben.
Dennoch gibt es auch kritische Nachfragen zur Tallinner "Null-Lösung" - auch innerhalb Estlands. Der Erfolg des Modells wird sich wahrscheinlich daran messen lassen müssen, ob zu diesen Fragen Lösungen gefunden werden können.

Das erste kritische Thema ist rein technischer Art. Die meisten Estinnen und Esten besitzen bereits einen elektronischen Personalausweis, eine kleine Chipkarte. Dennoch war es nicht möglich, die in Tallinner Bussen und Bahnen eingebaute Kontrollgeräte auf diese abzustimmen - es müssen neue E-Cards beantragt werden, die Ausstellung der sogenannten "Grünen Karte" (Ühiskaart) verursacht beim Kunden Kosten in Höhe von 3 Euro. Das widerspricht ein wenig der Strategie, den Bürgern möglichst viele Wege zu Ämtern und Nutzungsfunktionen einheitlich mit dem E-Ausweis zu liefern. Andererseits hätten die E-Ausweise Lesegeräte benötigt, während das neue System "kontaktlos" arbeitet, also den Chip auch aus einigen Zentimetern Entfernung bereits erkennt. Allerdings gibt es kein Foto des rechtmäßigen Eigentümers auf dem neuen Kärtchen - so dass für den Fall der Kontrolle weitere Identitätsdokumente mitzuführen nötig sind. "Mit Foto wäre die Produktion zu teuer geworden", so die Stadtväter.

Aber sogar der estnische Datenschutz hat sich schon kritisch gemeldet: es wurden "Datenlücken" entdeckt, offenbar war es Nutzern möglich, auch an Daten anderer Nutzer zu gelangen. Während bei anderen estnischen elektronischen Neuerungen von deren estnischen Erfindern oder Produzenten immer genüßlich erläutert wird, bei Exporten ihrer Produkte nach Deutschland seien spezielle "deutsche Lösungen" möglich - vermeintliche deutsche "Übergenauigkeit" beim Datenschutz. Diesmal sind die Probleme offenbar anders gelagert. Vize-Bürgermeister Taavi Aas hatte auf entsprechende Fragen kürzlich noch eine vielleicht etwas zu einfache Antwort parat: "Niemand wird die Daten manupulieren." (ERR 4.1.13)

Tallinn macht von sich reden - ob für oder gegen
fahrscheinfreies Busfahren, Hauptsache
die estnische Hauptstadt ist mal wieder
Diskussionsgegenstand ....
Nein, vor allem an statistischen Daten sind die Stadtplaner interessiert: wer fährt wohin, wie oft - das lässt sich mit dem neuen System leicht feststellen.
Eine andere Kritik setzt eher politisch an: mit kostenlosen Busfahrten wolle sich Bürgermeister Savisaar erstmal bei den anstehenden Kommunalwahlen die Wiederwahl sichern, meint die politische Opposition vor allem von der Reformpartei, die ja im nationalen Parlament den Regierungschef stellt. Und nach denn Wahlen müsse man dann sehen, ob noch Geld für die dringende Auffrischung des Fuhrparks übrig sei.

Der am meisten zum Tallinner Stadtverkehr interviewte Politiker ist gegenwärtig Vizebürgermeister Taavi Aas. Er rechnet so: von den etwa 417.000 Menschen die in Tallinn leben haben 5-10% ihren Wohnsitz hier nicht offiziell registriert. Pro 1.000 Neuregistrierungen würde die Stadt etwa eine Million Euro mehr an Steuern einnehmen können (ERR 25.10.12). Wessen Rechnungen aufgehen und welche nicht, vielleicht wird es schon der Verlauf des ersten Praxisjahres zeigen.

Infos:
Gebrauchsanweisung für die "Grüne Karte"  / Ticketkauf online (vom Fahrschein über die Angellizenz bis zum Massagesessel!) /Aktuelle Fahrpreisinfos Tallinn /  Infos zur Tallinn Card für Touristen /

laud - Das Winterhochwasser

laud by Aivar Ruukel
laud, a photo by Aivar Ruukel on Flickr.

Stand schon mal höher. Die Bäume dokumentieren das natürlich. Soomaa.

Mittwoch, Januar 16, 2013

POLL bei ARTE

Angesichts der kürzlich stark angestiegenen Leserzahl des alten Blogbeitrags zum Film POLL (siehe "Untergang in Estland") hier auch für die anderen der Hinweis: der Film läuft heute (16.Januar) 20.15 Uhr bei ARTE. (Wiederholung Samstag nacht, 19.1., 2.35 Uhr)

Montag, Januar 14, 2013

Estlands Politikverdrossenheit

Estland erlebt derzeit eine Welle der Unzufriedenheit mit der Politik. Seit Monaten wird die Regierung öffentlich und in den Medien heftig kritisiert. Dies gipfelte nun in einer Demonstration am 17. November vor dem Parlamentsgebäude in Tallin mit der Losung: „Schluß mit der Lügenpolitik“.

Die Aufregung überrascht ein wenig, ist Estland doch politisch unter den baltischen Staaten ein Hort der Stabilität. Seit 1994 ist keine neue Partei mehr gegründet worden, die sich anschließend etabliert hätte. Seit der Wahl von 2011 gibt es nur noch vier Fraktionen im Parlament Riigikogu. Und Ministerpräsident Andrus Ansip ist nunmehr seit sieben Jahren im Amt. Das ist ein Zeitraum, der sich mit westlichen Demokratien messen kann und im Vergleich mit den baltischen Nachbarn ein einsamer Rekord.

Trotzdem sind die Esten in jüngster Zeit zunehmend unglücklich mit ihrer politischen Elite, der Selbstherrlichkeit und fehlende Kommunikation mit den Bürgern vorgeworfen wird. Entscheidungen würden einsam in Hinterzimmern getroffen wie etwa im Frühjahr im Konflikt um ACTA, dem Handelsabkommen gegen Produktpiraterie. Als Parallele zu Deutschland beschweren sich die Menschen über die Basta-Politik Ansips ebenso wie über die angebliche Alternativlosigkeit. Manche unterstellten dem Regierungschefs auch Amtsmüdigkeit. So wischte die Regierung in letzter Zeit Widerspruch mit dem Hinweis weg, sie sei nun einmal die gewählte Vertretung des Volkes, und man solle sie jetzt einfach arbeiten lassen.

Diese allgemeine Stimmung ist nur der Hintergrund eines handfesten Parteienfinanzierungsskandal der letzten Wochen mit schwarzen Kassen, der ebenfalls Parallelen zu Deutschland aufweist. Der langjährige Abgeordnete Silver Meikar von der Reformpartei des Ministerpräsidenten veröffentlichte am 22. Mai dieses Jahres in der Tageszeitung Postimees eine Selbstbezichtigung. Er habe der Partei nicht von ihm selbst stammendes Geld übergeben, das er wiederum von einem anderen Parteimitglied erhalten habe, nachdem der damalige Generalsekretär und derzeitige Justizminister ihn gefragt hatte, ob er mit dieser Prozedur einverstanden sei. Erst jetzt, drei Jahre später, kamen ihm Zweifel. Die Staatsanwaltschaft ließ den Justizminister verhaften, setzte jedoch ihn und weitere Beschuldigte bald wieder auf freien Fuß mit dem Kommentar der Ermittler, daß die Beschuldigten alle Vorwürfe bestritten und es keine ausreichenden Beweise gäbe.

Zunächst war das Echo gering. In den Umfragen verschob sich die Zustimmung zu konkreten Parteien kaum, und die Opposition versuchte auch nicht, sich den nun als Silver-Gate bezeichneten Skandal im großen Stile zu Nutzen zu machen. Dies führt der Politikwissenschaftler Tõnis Saarts zurück auf das Kartell der politischen Kräfte. Die Parteienfinanzierung ist seit jeher ein schwieriges Thema und trotz langer Debatten darüber herrsche immer noch keine Klarheit darüber, wie sich die Parteien tatsächlich finanzierten und nicht einmal darüber, wie sie sich finanzieren sollten. Und richtig, in der Vergangenheit wurde allem voran der Zentrumspartei des Tallinner Bürgermeisters Edgar Savisaar vorgeworfen, sich von Moskau finanzieren zu lassen; selbst die oppositionellen Sozialdemokraten standen in diesem Ruf. Mit einem Fragezeichen versehen ist außerdem der Verkauf des Büros des konservativen Koalitionspartners von Ansip im Zentrum der Hauptstadt für ein Mehrfaches des eigentlichen Wertes.

Im Oktober wurde dann auch auf Bestreben des Ministerpräsidenten Silver Meikar aus der Partei ausgeschlossen. Das brachte das Faß zum Überlaufen. Am 12. November demonstrierte die Bevölkerung in Tartu, der Heimatstadt von Ansip, vor dem Büro der Reformpartei. Anschließend verfaßten 17 Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens und Intellektuelle die Charta „Harta 12“, unter ihnen so bekannte Personen wie der etwas schillernde Politiker und Publizist Ignar Fjuk, der Sozialoge Juhan Kivirähk, die Politologin und ehemalige Politikerin Marju Lauristin, der Journalist Ahto Lobjakas, der Kolumnist Rein Raud, der Fernsehjournalist Indrek Tarand, der 2009 ein individuelles Mandat im Europaparlament gewonnen hatte wie auch der betroffene Silver Meikar selbst. Die Charta wurde inzwischen von vielen tausend Bürgern im Internet unterzeichnet..

Marju Lauristin und Juhan Kivirähk äußerten sich zu den wichtigsten Punkten der Charta im estnischen Radio. Sie werfen den Parteien eine Monopolisierung der Macht vor, sie kümmerten sich weniger um das Gemeinwohl als um das Wohl bestimmter einflußreicher Kreise. Gerade die Konzentration auf vier Parteien schließe so einen Teil der Bevölkerung von er Partizipation aus. Die Demokratie, so heißt es gleich im ersten Absatz, breche vor den Augen aller zusammen, weil die Macht die demokratischen Spielregeln nicht einhalte. Sie sei käuflich und im Interesse ihres Erhaltes werde gelogen. Aufgabe der Politik sei es, Verantwortung zu übernehmen. Die Bevölkerung erkenne ihre Vorstellung von Ethik in der gegenwärtigen Situation nicht wieder. Die Forderung nach mehr Transparenz bei der Finanzierung ist ebenso nachvollziehbar wie mehr Kommunikation über die Arbeit der Regierung und die Öffnung der Parteien gegenüber der Zivilgesellschaft. Für Sozialwissenschaftler und erfahrene Politiker überraschend die Forderung von Marju Lauristin nach vereinfachten Möglichkeiten für Parteineugründungen und deren Weg ins Parlament anstelle der Aufforderung an die Zivilgesellschaft, sich in den bestehenden Parteien mehr einzubringen.

Samstag, Dezember 22, 2012

Viele Heimschläfer zum Jahreswechsel

Mindestens 25.000 Estinnen und Esten werden also auch zum Jahreswechsel für einen "Heimatbesuch" hin- und herpendeln: sie arbeiten, gemäß dem estnischen Statistikamt vorliegenden Daten, im Ausland. Das sei eine Verzehnfachung gegenüber der vergangenen Datenerhebung vor 12 Jahren, so Diana Beltadze, die zuständige Mitarbeiterin bei den estnischen Statistikern (im Jahr 2000 hatten nur 2646 Bürger Estlands angegeben im Ausland eine Arbeit zu haben).



















Ist das nun eine Verbesserung (= mehr Arbeitsmöglichkeiten) oder eine Verschlechterung (= mehr Arbeitslose, die nur noch im Ausland eine Chance haben)? 61% aller Esten die im Ausland arbeiten zieht es nach Finnland (15.140 - 1.872 in Norwegen, 1.532 in Schweden, 1.357 in Russland, 732 in Großbritannien und 616 in Deutschland).

Innerhalb Estlands haben nur Tartu und die Hauptstadt Tallinn eine positive "Wanderungsbilanz". Ein Resultat scheint sicher: massive Landflucht! So schön in Estland die Natur ist - Frau Estin oder Herr Este kann sich wohl maximal noch ein Sommerhäuschen auf dem Lande leisten, falls das im Ausland verdiente Geld dazu reicht.

Mehr Infos

Mittwoch, Dezember 19, 2012

Ein Flirt per Bahn

Bald im Einsatz: Stadler-Züge in Estland
Die estnische Bahn Elektriraudtee AS rüstet auf: die ersten Elektro- und Dieseltriebzüge der Firma Stadler aus der Schweiz sind seit kurzem im Einsatz. Bis zum Sommer sollen 18 Elektro- (12 dreiteilige und 6 vierteilige) und 20 Dieseleinheiten (6 zweiteilige, 8 dreiteilige und 6 vierteilige Züge) nach Estland geliefert werden. Sie tragen den schönen Namen FLIRT ("Flinker Leichter Innovativer Elektro Triebzug"). Gegenwärtig sind die ersten im Testbetrieb, im Sommer 2013 sollen dann einige in den fahrplanmäßigen Betrieb übernommen werden (siehe Zeitplan).

Die Herstellerfirma meint zu ihren Zügen: "Die Breitspurzüge (1520 mm) wurden so konzipiert und hergestellt, dass sie der für Estland typischen strengen Winterbedingungen standhalten. Die Aluminium-Leichtbauweise und energiesparende Systeme ermöglichen dem Betreiber Elektriraudtee auch bedeutende Kostenersparnisse." (siehe DMM Travel)

Zugpräsentation mit Wirtschaftsminister Parts (Mitte):
Wie oft er selbst Bahn fährt, war den
Pressemeldungen nicht zu entnehmen
Noch auffälliger aber die Technik, mit der beim Bremsvorgang der Züge Energie zurückgewonnen und über die Oberleitung ins Netz wieder eingespeist werden kann. Die Züge erreichen eine Höchstgeschwindigkeit von 160km/h. Außerdem im Angebot: Fahrgastinformationssystem, Klimaanlage, kostenloses WLAN, Steckdosen zum Aufladen von Laptops und Handys, Videoüberwachung und Mehrzweckbereiche für Rollstühle, Kinderwagen oder Fahrräder. 70% sind Niederflurwagen.
85% der Investitionskosten in die neuen Elektrozüge, deren Wert etwa 80 Millionen Euro beträgt, werden vom EU-Kohäsionsfond finanziert. Die Dieselzüge dagegen werden durch einen Leasingvertrag finanziert.
STADLER hatte eine Ausschreibung zum Projekt gewonnen die 2010 durchgeführt worden war.
Die Firma "Elektriraudtee AS" betreibt gegenwärtig in Estland folgende Strecken mit einer Gesamtlänge von 131.6 km:
Tallinn - Aegviidu - Tallinn
Tallinn - Riisipere - Tallinn
Tallinn - Paldiski - Tallinn
Tallinn - Klooga-rand - Tallinn
Tallinn - Keila - Tallinn
Tallinn - Pääsküla - Tallinn
Die STADLER-Flirt-Züge sind bisher in 11 Ländern im Einsatz: der Schweiz, Deutschland, Österreich, Frankreich, Italien, Ungarn, Algerien, Polen, Finnland, Norwegen und Weißrussland.

Details zu technischen Daten

Bericht estnisches Fernsehen

Donnerstag, Dezember 06, 2012

Binneneis

First Ice by Axiraa
First Ice, a photo by Axiraa on Flickr.

Der Winter schreitet im Inland voran. Auch die Ostseevereisung hat begonnen, wenn auch erst ganz im Norden.

Eismeldungen mit aktueller Karte beim finnischen itameriportaali.

Montag, November 19, 2012

Heißes Eisen „Nordstream“

Als wenn Energie nicht sowieso schon ein heißes Eisen wäre, ist dieses Thema vor allem im Baltikum wichtig. Neben der Wasserkraft in Lettland und Litauen verbrennen die Esten ihren Ölschiefer, außerdem wird die Windkraft in den letzten Jahren ausgebaut. Das alles reicht aber nicht, und man ist deshalb nach wie vor zu einem guten Teil von russischen Gaslieferungen abhängig.

Aus diesem Grund fand man es am Ostufer der Ostsee überhaupt nicht witzig, als Gerhard Schröder mit seinem lupenreinen Demokraten die Nordstream Pipeline durch die Ostsee und den finnischen Meerbusen plante. Diese Pipeline ging nämlich zunächst durch internationale Gewässer und damit buchstäblich an den baltischen Staaten vorbei. Inzwischen ist nicht nur das erste Rohr schon eine ganze Weile in Betrieb und im Oktober durch ein zweites ergänzt worden, sondern es soll noch einmal erweitert werden. Da bleibt eine Reaktion aus Estland nicht aus.

Der estnische Verteidigungsminister Urmas Reinsalu bat seinen Kollegen im Außenamt, Urmas Paet, gegen die dritte und vierte Linie Einspruch einzulegen, nachdem vor einem Monat das russisch-deutsche Projekt Untersuchungen über den estnischen Meeresboden in Auftrag gegeben hatte. Bereits 2007 hatte die estnische Regierung ihre Bedenken gegen die erste Pipeline aus Umweltgründen vorgetragen.

Seit der Fertigstellung der zweiten Linie im Oktober, können nunmehr 55 Millionen Kubikmeter jährlich geliefert werden. Eine Verdoppelung der Kapazität brächten zwei weitere Rohre, die allerdings angesichts der vorher erforderlichen Prüfungen nicht vor 2017 realistisch sind.

Während Moskaus Interesse an Nordstream sich vor allem mit der Umgehung von Ukraine und Weißrußland begründet, wo es regelmäßig in den letzten Jahren zu Konflikten kam, gibt es in Estland gerade in konservativen Kreisen nach wie vor sicherheitspolitische Bedenken, die aus der estnischen Zustimmung zu sowjetischen Militärbasen im Land in der Zwischenkriegszeit mit den bekannten Folgen herrühren. Gleichzeitig gibt es aber auch Stimmen aus der Wirtschaft, die bei einer Zustimmung zur Trasse durch estnische Gewässer Geschäfte mit beiden Partnern von Nordstream, Deutschland und Rußland, wittern. Die früheren Umweltschutzzweifel werden derweil zerstreut, weil die erste Pipeline seit inzwischen mehr als einem Jahr ohne Zwischenfälle betrieben wird.

Daß die neuen Pipelines durch estnisches Gewässer verlaufen sollen, hängt mit zwei Faktoren zusammen: Erstens ist der Weg nach Westeuropa geographisch kürzer als durch finnisches Unterwassergebiet, das zweitens durch entschieden felsigeren Untergrund gekennzeichnet ist, was das Projekt also doppelt verteuern würde. Rußland, das seinerseits im großen Maße für die geordnete Staatsfinanzen vom Verkauf seiner Energieressourcen abhängig ist, fürchtet sich vor steigenden Preisen und damit verbundener größerer Sparsamkeit im Westen, meinen Beobachter.

Deutschland hat gegenüber den Esten zwei Trümpfe in der Hand. Erstens könnte es Estland bei dem geplanten Bau eines schon lange im Baltikum geplanten Flüssiggasspeichers unterstützen, der dann eben nicht nach Lettland gehen würde, wo ebenfalls Interesse als potentieller Standort bekundet wird. Zweitens hat Deutschland in der Eurozone, in der Estland eines der kleinsten und ärmsten Länder ist, einstweilen eine Führungsrolle, weshalb sich die Esten geneigt sehen könnten, sich mit Deutschland gut zu stellen. Und auch Rußland ist trotz aller historischen Belastungen in den vergangenen Jahren angesichts der Krisensituation in der EU ein zunehmend wichtiger Handelspartner geworden.

Es geht also offensichtlich vorwiegend darum, daß es Rußland und Deutschland gelingt, die Angst der Esten vor dem großen östlichen Nachbarn zu zerstreuen und ihn als verläßlichen Partner nicht nur erscheinen zu lassen.

Samstag, November 10, 2012

Waben für die Schule

Foto: Baulinks.de / Rehau
Einen interessanten Blickfang setzt das Architektenteam "Sirkel & Mall" in Valga: das neue Gebäude des neuen Berufsbildungs-zentrums in Valga (Valga Kutseõppekeskus) soll das erste energieeffiziente Gebäude in Estland sein. 550 Schülerinnen und Schüler werden hier weitergebildet. Ziel der Architekten war es einen Energieverbrauch für Heizung und Lüftung pro Quadratmeter und Jahr von nicht mehr als 120 kWh zu erreichen. In den Komplex sind auch ein Gästehaus und Konferenzräume integriert, auch eine Sauna fehlt nicht. Im Haus gibt es eine Autoreparaturwerkstatt, eine Betriebsküche, eine Holzwerkstatt, und einiges mehr. Zwei Trainingsgruppen werden sogar in Lettisch angeboten, um auch ein Angebot für die nord-lettische Region darstellen zu können. Die insgesamt 410 Fenster des Gebäudes wurden von der deutschen Firma Rehau geliefert. Fehlen ja wohl nur noch bienenfleissige Schüler ...

Infos: Baulinks / Rehau / Sirkel & Mall / Valga Kutseõppekeskus

Sonntag, Oktober 28, 2012

St. Olai im Oktoberlicht

Church of Saint Olaf by Guillaume Speurt
Church of Saint Olaf, a photo by Guillaume Speurt on Flickr.

Nicht nur in Deutschland ist vorübergehend Winter angesagt.
Das Foto stammt von Guillaume Speurt, der auch eine Art Reiseblog schreibt und dieses mit vielen Fotos versieht.

My Last Destination in Europe

Freitag, Oktober 26, 2012

Donnerstag, Oktober 25, 2012

The Arbiter

Noch haben wir keinen deutschen Filmtitel, noch viele Informationen über den Inhalt. Es spielt in England, ist aber eine Idee von Kadri Kõusaar und dort umgesetzt. Lassen wir also die Rohfassung als Treiler. Vielleicht eine der wichtigsten estnischen Beiträge zur Kinowelt im Moment, mal schauen:

The Arbiter Trailer from Kadri Kõusaar on Vimeo.

Die offizielle Homepage: The Arbiter

Dienstag, Oktober 23, 2012

Kiiking-News aus Germany

Ein neuer Beitrag zum "Kiiking" nach estnischem Vorbild. Vor einiger Zeit hier im Blog beschrieb Winfried Voigt seine Eigenbau-Versuche im eigenen Garten - nun gibt es eine neue filmische Dokumentation über den deutschen Kiiking-Fan, hier zu bewundern:

(notice:
licence for the music is limited to users in Germany - please excuse possible inconvenience)

Freitag, Oktober 19, 2012

Ansip zweifelt - ein wenig

In verschiedenen Medien ist es nachzulesen, was der estnische Regierungschef Andrus Ansip kürzlich zu Protokoll gab: die Risiken eines gemeinsam mit den Nachbarn Lettland und Litauen zu bauenden und zu finanzierenden Atomkraftwerks seien "erheblich gestiegen". Gemeint ist damit das klare Ergebnis der Volksabstimmung in Litauen zur Atomkraft, als 62.68% sich gegen einen aKW-Neubau aussprachen und 52,58% der Wahlberechtigten sich an der Abstimmung beteiligten.

Abb. aus einer Werbebroschüre der "ALSTOM"
Gleichzeitig meint Ansip aber, der Gegenwind für die Atomkraft könnte in Estland mehr Unterstützer für Pläne gewinnen, Ölschiefer noch weiter zu nutzen. Die französische Firma Alstom SA (ALO) hatte bereits im Januar 2011 einen Vertrag mit "Narva Elektrijaamad AS" zum Bau eines weiteren Ölschiefer-Dampfkraftwerks unterzeichnet. Angeblich soll der dort geplante Einsatz einer Wirbelschicht-Verbrennungsanlage effizienter und umweltschonender sein als die bisherigen Technologien zur Nutzung des Ölschiefers.
Ansip sprach sich allerdings dafür aus, das AKW in Litauen trotz "ungünstig" verlaufener Volksabstimmung in Litauen dennoch zu bauen.

Donnerstag, Oktober 18, 2012

Es ist Herbst

old town by Sami Keinänen
old town, a photo by Sami Keinänen on Flickr.

Und das war wohl noch nicht der trübste Tag in Tallinn.

Dienstag, Oktober 09, 2012

Heleri Saarik - “Kõik muusikud on kaabakad” in Korea

Das Busan Film Festival Center: BIFF Center and KNN Tower Und ein Film in der Kategorie Flash Forward aus Estland.
Heleri Saarik by Jens-Olaf
Heleri Saarik, a photo by Jens-Olaf on Flickr.

beim Busan Filmfestival in Korea, BIFF. Publikumsfragen.

Update:

Eine für das estnische Publikum gedachte Produktion, All Musicians are Bastards, nun auf einem internationalen Festival. Das ist harte Kost, zumal die Handlung eher einer Milieustudie gleicht, mit stark eingewobener künstlerischer Verfremdung. Es gibt surreale Szenen, die sich mit realistischer Darstellung (heftiger Alkoholkonsum) mischen. Wenn es um die moderne Musik im Film geht, so ist sie für indie-gewohnte Ohren nicht aussergewöhnlich, aber hier für das Busaner Publikum schon. Trotzdem blieben viele Kinobesucher bis zum Frage-Antwort-Teil. Selbst danach noch hatten einige ein großes Informationsbedürfnis, da Estland sehr unbekannt ist. Heleri Saarik im Gespräch auf der Straße in Haeundae, Busan: Heleri Saarik Kurze Begegnungen mit der Filmdirektorin, die auch betonte, dass der Film unter Freunden und in vertrauter Umgebung gespielt wurde. Musiker, Philosophen und andere. Und sie schilderte die Stimmung unter ihrer Generation. Dabei zeichnete sie ein eher düsteres Bild der gegenwärtigen Lage, zum Beispiel das Thema arbeiten woanders, im Ausland; ein Thema, das im Drehbuch eine Rolle spielt. Und auch in der Biografie der Direktorin. Zuerst hatte sie Landschaftsschutz und Geschichte studiert. Dann kam eine wilde Zeit in London, wo sich der Wunsch nach kreativer Arbeit durchsetzte. Am Ende war es das Filmemachen. Und dann doch wieder Estland. Eine Parallele zu Korea, wo es auch viele in den letzten Jahrzehnten in die USA und andere Länder zog. Heleri Saarik Der Film ist weiter im Gespräch und hat Chancen auf anderen Festivals gezeigt zu werden, aber davor haben erstmal die internationalen Veranstalter das letzte Wort. Heleri Saarik Aus dem BIFF-Magazin:

Samstag, Oktober 06, 2012

Senegals Sonne in Sillamäe

Senegalesisch-Französisch-Estnisch: eine bunte Mischung sicherlich. Zumal wenn der Betroffene, Fußballspieler Kassim Aidara, nicht in Tallinn, Pärnu oder Tartu engagiert ist, sondern in Sillamäe. Bei "Transfermarkt.de" ist nun ein ausführliches Interview mit ihm zu lesen.
Estland-Freunde werden vielleicht genau hinhören bzw. -lesen. Ob wirklich in Sillamäe ein besserer Fußball gespielt wird als in Tallinn, das zu beurteilen mag noch Insidern der estnischen Fußball-Szene überlassen bleiben. Was macht der Senegalese wenn ihm in Sillamäe zu langweilig wird? Er geht nach Narwa, die Aidara als "nächste Großstadt" bezeichnet, wo er Shoppen und ins Kino gehen könne. Er spricht offenbar nur Englisch, kein Estnisch oder Russisch - hat allerdings einen russischen Berater, der ihm die Verträge in Estland vermittelt hat. Der Verein werde vom Hafen der Stadt Sillamäe gesponsort, so Aidara - da sind die russischen Netzwerke wohl klar. Die Spieler seien deshalb zufrieden, weil der Präsident "recht großzügig" sei und "ein offenes Ohr für die Spieler" habe. Was das im Einzelfall heißt, bleibt im Interview offen.

Aidaras Einschätzung des estnischen im Vergleich zum deutschen Fußball: die besten drei estnischen Mannschaften könnten in der deutschen 3.Liga mithalten. Aber das Interview offenbart nicht alles - der Leser ahnt, dass ein Leben als Fußballer in Bereichen, wo keine großen Summen verdient werden können nicht einfach ist. Zu seinem vorhergehenden Aufenthalt in Tallinn sagt Aidara: "Ich habe in einem Appartement gelebt und bekam vom Vereins-Restaurant drei Mahlzeiten am Tag". Nach Privatleben klingt das nicht. Immerhin spielt hier das Thema Ausländerfeindlichkeit keine Rolle. Aber was macht er, wenn er nicht Fußball spielt? Antwort: "dann denke ich an Fußball und bin mit meiner Familie telefonisch in Kontakt." Wo lebt die Familie eigentlich, ist er verheiratet, oder meint er nur die Eltern? Das läßt das Interview leider offen.

Interview Transfermarkt  / Aktuelles zur estnischen Meistriliiga

Kommunalwahl in Estland

Das Ergebnis der Kommunalwahl in Estland vom 20. Oktober überrascht wenig. Die linksgerichtete Zentrumspartei erreichte landesweit 31,5%, die liberale Reformpartei 16,7%, die konservative Vaterlandsunion 13,9% und die Sozialdemokraten 7,5%. Alle weiteren Parteien blieben weit unter der 5%-Hürde. Das Parteiensystem Estlands hat sich damit weiter konsolidiert, es gibt keine neuen Parteien, keine Partei ist von der politischen Bildfläche verschwunden und es handelt sich bei allen politischen Kräften um solche, die auch auf der nationaler Ebene aktiv sind. Verschwunden ist damit nach den Umbrüchen der letzten Jahre etwa die Volksunion, die früher noch vor allem auf dem Land gewählt wurde. Diese Klientel legt offenbar keinen Wert auf eine eigene politische Stimme. Die Zentrumspartei konnte ihr Ergebnis von 2009 noch einmal verbessern, in der Hauptstadt Tallinn erhielt sie sogar nunmehr das zweite Mal eine absolute Mehrheit. Die Zentrumspartei kam hier auf 52,6%, die Vaterlandsunion auf 19,1%, die Reformpartei auf 10,6% und die Sozialdemokraten 9,9%. Hauptstadtbürgermeister Edgar Savisaar erhielt ebenfalls ein persönlich noch besseres Ergebnis als vor vier Jahren. Das inzwischen gesundheitlich angeschlagene Stadtoberhaupt ist seit zwei Jahrzehnten das enfant terrible der estnischen Politik. Savisaar war Regierungschef der Volksfront in der Umbruchzeit 1990 bis 1992. Seither entzweit er die Esten in jene, die ihn hassen und jene, die ihn trotz zahlreicher Skandale immer wieder wählen. Auch wenn der Bürgermeister im hervorragenden Abschneiden ein historisches Ergebnis sieht, darf nicht vergessen werden, daß der starken Zentrumspartei auf nationaler Ebene ein Koalitionspartner fehlt und sie auf kommunaler Ebene vor allem auch von ethnischen Russen bevorzugt wird. In Estland gibt es nach wie vor Nachfahren von aus der Sowjetzeit zugewanderten Russen, die keine Staatsbürgerschaft haben und teilweise auch nicht haben wollen, die aber bei Kommunalwahlen wahlberechtigt sind. Savisaar ist seit vielen Jahren bei dieser Bevölkerungsgruppe beliebt, während die Esten ihm seine Kontakte nach Rußland verübeln und sich beispielsweise über die fragwürdige Finanzierung einer russisch-orthodoxen Kirche im vorwiegend von Russen bewohnten Vorort Lasnamäe aufregen. Die Vaterlandsunion mauserte sich von beinahe verlorenem Posten in Tallinn auf ein ansehnlichen zweiten Platz unter ihrem Spitzenkandidaten Eerik-Niiles Kross, dem Sohn des vor einigen Jahren verstorbenen Schriftstellers Jaan Kross. In der zweitgrößten Stadt des Landes Tartu ist das Bild ebenfalls eindeutig aber ein ganz anderes als in der Hauptstadt. Die Reformpartei erhielt hier 28,1%, die Vaterlandsunion 21,0%, die Zentrumspartei 18,4% und die Sozialdemokraten 15,8%. Bislang regierte die Stadt eine Koalition aus der Reformpartei und der Vaterlandsunion, in der es zwischenzeitlich zu Konflikten kam, weshalb sich die Reformpartei zu einer breiten Koalition mit der bisherigen Opposition unter Ausschluß der Vaterlandsunion kam. Im Stadtrat hat die Reformpartei jetzt 18 Sitze, die Vaterlandsunion 13, die Zentrumspartei 9 und die Sozialdemokraten 8. Wie sehr die in Estland bei Kommunalwahlen wahlberechtigte russische Minderheit die Zentrumspartei bevorzugt, zeigt sich auch im nordostestnischen Landkreis Ida Virumaa. Hier erreicht die Zentrumspartei ebenfalls mit 53,0% die absolute Mehrheit, gefolgt von den Sozialdemokraten mit 21,3%. Die eher nationalistische Vaterlandsunion erreicht gerade einmal 3,9% und die auf der Landesebene führende Reformpartei von Ministerpräsident Andrus Ansip, der einst Bürgermeister von Tartu war, bekam gerade einmal 1,6%. Interessant ist in diesem Landkreis auch die Stadt Narva, die nach Einwohnerzahl immerhin drittgrößte Stadt des Landes, deren Einwohner aber zu deutlich über 90% Russen sind. Hier erreicht die Zentrumspartei sogar mehr als 60% der Stimmen und 20 Sitze im Stadtparlament. Zweitplaziert sind die Sozialdemokraten mit gut 35% und elf Sitzen. Alle anderen Parteien bleiben ausnahmslos unvertreten im Gemeindeparlament. Die Reformpartei des Regierungschefs hatte sich von vornherein so wenig Hoffnung auf Zustimmung im russisch bevölkerten Ida-Virumaa gemacht, daß sie hier gar nicht erst angetreten war. Nichtsdestotrotz ist der seit 2002 amtierende Bürgermeister Narvas von der Zentrumspartei Tarmo Tammiste nicht besonders beliebt in der Stadt. Er erhielt an direkten Stimmen gerade einmal 315. Dieser Umstand erklärt sich durch das Wahlsystem in Estland mit seiner Vorzugsstimme. Wähler entscheiden sich nicht für Parteien, sondern für Kandidaten. Durch ihre Stimmabgabe votieren sie indirekt auch für die Liste des ausgewählten Kandidaten. Der Amtsinhaber konnte hier in diesem Jahr noch weniger überzeugen als vor vier Jahren. Damit steht bereits fest, daß er als Bürgermeister nicht im Amt bleiben wird. Es ist nur offen, wer ihm nachfolgen soll.

Mittwoch, Oktober 03, 2012

"All Musicians Are Bastards"

Heleri Saarik stellt beim Busan International Film Festival am kommenden Wochenende ihre erste große Produktion vor.Estnisch: Kõik muusikud on kaabakad. Bisher war sie als Filmdirektorin diverser Musikvideos bekannt. Der Filmtitel passt also zum bisherigen Schaffen. Diesmal eine Produktion von allfilm, die im Oktober Premiere in Estland hat.
Auf Facebook. Heleri Saariks Videos auf vimeo Wandbanner in Busan verkünden die Filmdirektoren: Heleri Saarik Sonntag ist Premiere in Busan BIFF 2012 Sonntag ist Erstvorstellung: BIFF Busan

Mittwoch, September 26, 2012

"Purge" (2012) - der Film

Die Literatur als Vorlage, und zwar die gleichnamige Novelle von Sofi Oksanen. (Oksanen im Estland-Blog). Allerdings ist das der englische Titel. Deutsch unter "Fegefeuer" bekannt, und Estnisch heißt das Buch Puhdistus. Der finnische Filmdirektor Antti Jokinen hat den Stoff für das Kino umgesetzt, mit finnischen Schauspielern, die Handlung spielt in Estland. Der Film wird Anfang Oktober beim koreanischen Filmfestival BIFF in Busan vertreten sein.
Celebrating its international premiere in Busan is Antti Jokinen’s strong drama PURGE, which took both audience and critics by storm, when it premiered domestically in Finland last Friday. Starring some of the most respected Finnish talents, PURGE is an adaption for screen based by Sofi Oksanen's novel PURGE, which has been translated into 40 languages as well as awarded internationally several times, winning among others the Nordic Council Literature Prize 2010 and the European Book Prize 2010. Producer is Markus Selin for Solar Films.
SolarisfilmBusan Der Treiler: Über das Filmen in Estland: On location in Estonia at filming of Sofi Oksanen’s Purge Interview mit dem Filmdirektor Jokinen: Love and Redemption in Antti Jokinen’s Purge

Montag, September 24, 2012

Estnische Fossilien musikalisch

Die eigentlich nur für Fachleute gedachte Information über die Zusammenarbeit zwischen schwedischen, finnischen und estnischen Archäologen erregte kürzlich in ganz anderen Kreisen Aufmerksamkeit: die Wissenschaftler offenbarten durch die Benennung eines in Schweden und Estland entdeckten Fossils ihre Vorliebe für Heavy-Metal-Musik. "Kingnites diamondi" - gemeint ist ein Millionen Jahre altes Wurmfossil - sei gleichzeitig ein Hinweis auf die dänische Metal-Band "King Diamond".
Gut und schön, sagt da der Estland-Interessierte. Die Esten waren offenbar an der Namensfindung beteiligt und können sich beim nächsten Fund vielleicht mal besser durchsetzen: es gibt doch so viele gute estnische Musiker (es muss ja nicht immer Heavy Metall sein... - oder sehen die Akteure hier am ehesten wie Fossilien aus?).

Sonntag, September 09, 2012

Estlands Vogelzug

Unaufhaltsam wird es Herbst. Das ist an den kürzer werdenden Tagen zu merken. Oder daran, dass die Zugvögel sich wieder auf den Weg Richtung Süden machen.

Estnische Vogelschützer haben einige Vögel mit Sendern ausgestattet, so dass genau nachvollzogen werden kann, wo sie sich jeweils befinden. Einbezogen sind auch die Nachbarländer.
Solche Aufgaben nehmen zum Beispiel die Fischadler Erika, Piret und Ilze wahr, ebenso wie die Schwarzstörche Raivo, Priido und Pirsu und die Schreiadler Karin und Magnus.
Vor einigen Tagen wurden die aktuellen Ortsangaben eingetragen, so dass nun klar ist, dass die Fischadler Erika und Piret sich bereits über Ägypten befinden, der Schwarzstorch Raivo folgt dichtauf.
Schelladler "Iti" dagegen befinden sich noch in Estland, die Seeadler "Sillu" und "Meelis" sind dieses Jahr erst geboren und werden dann demnächst wohl auch noch ihren Zugweg finden.

Wer das mitverfolgen möchte, kann dies hier tun ...

Mittwoch, September 05, 2012

Finnen mit estnischen Sponsoren

Vom estnischen Tourismusamt bisher als "Platz für
eine schöne Aussicht" beworben: Sprunganlage
in Otepää. In Zukunft gibt es offenbar erweiterte
estnische Möglichkeiten.
Erfolge waren für die finnischen Skispringer in den vergangenen zwei Wintern selten geworden. Nachdem Janne Ahonen seine Karriere beendete, und auch die besten Tage von Matti Hautamäki lange vorüber zu sein scheinen, sucht der 2010 neu ins Amt gekommene Nationaltrainer Pekka Niemelä nun neue Wege und Konzepte. Aber zuletzt kam einiges Verletzungspech dazu, und Nachwuchstalente wie Harri Olli fielen eher durch schlechtes Benehmen als durch sportliche Erfolge auf. Da der finnische Skiverband die Finanzierung kürzte, sahen finnische Skisprungfans zuletzt auch keine Besserung in Sicht.

Nun aber zeichnet sich, einem Bericht auf "Skispringen.com" zufolge, eine estnisch-finnische Kooperation ab. Estnische Skispringer? Gut, bei Weltcups und der Vierschanzentournee nahmen zuletzt auch vereinzelt estnische Springer teil. Aber können Finnen von ihnen sportlich was lernen? Da ist ein Zitat vom erwähnten Sportportal aufschlußreich: "Während Team Estland vom Service-Material und Know-How der erfahrenen Finnen profitieren soll, erhält die stark angeschlagene finnische Mannschaft im Gegenzug finanzielle Unterstützung."

Estnische Sponsoren also für finnische Sportler. Die Meldung weiß außerdem zu betonen, dass beide Nationen weiterhin unter eigener Flagge antreten werden (siehe Hymne). Vielleicht wäre "Finn-Eesti-Ugria" mal eine Idee.
Auf Facebook hat die Fanseite "Skisprungteam Estland" gerade mal einen Fan - den Gründer der Seite, nehme ich an.