Freitag, April 24, 2009

Europa - ein Jahrestag, die Georgsnacht


Die kommenden Europawahlen. Sie stehen nicht gerade im Mittelpunkt der politischen Debatte. Aber das war schon immer so. Viele empfinden Europa lediglich als europäischen Bürokratie-Überbau. Das hat seine Gründe. Noch lange bleiben wir in nationalen Perspektiven verwurzelt. Ein gemeinsames deutsch-französisches Geschichtsbuch hatte da schon für Aufregung gesorgt. Ansonsten wachsen wir weiter mit eigenen nationalen Mythengestalten, Märchen und Geschichtsbildern auf. Jedes Land hat dabei seine eigenen wichtigen Daten. Für Deutsche und Dänen könnte die Georgsnacht ein wichtiges Kapitel sein. Aber ihr wird wohl bis auf Weiteres nur in Estland gedacht werden, oder es greift das Thema ein Geschichtsenthusiast auf.
Torsten von AVH hat es getan. Über seinen Blog schreibt er:
In diesem Blog möchten wir Geschichte aus einem anderen Blickwinkel betrachten. An einzelnen Tagen greifen wir ein Ereignis heraus, das an eben diesem Datum in einer anderen Zeit geschehen ist. Vielleicht vor einem Jahr, vielleicht vor Jahrhunderten oder gar Jahrtausenden. Dabei setzen wir keine thematischen oder geographischen Schwerpunkte. Wir fragen uns, wie ein zeitgenössischer Betrachter, außen stehend oder in das jeweilige Ereignis involviert, eine zeitgenössische Zeitung oder ein Berichterstatter, vielleicht auch eine Person aus einer späteren Epoche dieses Ergebnis wahrgenommen haben könnte und versuchen unsere Idee dieses Betrachters hier nieder zu schreiben.


Der letzte Eintrag gilt:
Livo Narvalannen: Aufstand in der St. Georgsnacht (23. April 1343)


...
In der St. Georgsnacht, am 23. April 1343, brach die Rebellion der estnischen Bevölkerung gegen die deutschen und dänischen Herren über das Land los, denen sie sich nicht länger unterwerfen wollten. Estnische Bauern griffen Kirchen, Klöster und Gutshöfe an, töteten Deutsche und Dänen, wo sie ihnen in die Quere kamen und belagerten die Stadt Tallinn.
...

Der ganze Text

Und aus Wikipedia: Aufstand in der Georgsnacht, die Erinnerung an die Konsequenzen, Dänemark verlor seinen Einfluss.
Alle wichtigen, bis dahin dänischen Städte in Estland fielen als Folge des Aufstands in der Georgsnacht in die Hand des militärisch und politisch gestärkten Schwertbrüderordens und des Deutschen Ordens, vor allem 1343 Tallinn und Rakvere (Wesenberg) sowie 1345 Narva. 1346 verkaufte der geschwächte König Waldemar IV. die Provinzen Harju und Viru für 10.000 Mark an den Orden.


Foto: Estonian Institute

Das treiben Esten rund um das Ereignis, hier 2008 ein Fotoset: Jüriöö ülestõus


Anmerkung: Die historischen Quellen sind wie so oft in der Geschichte dürftig, das ist wahrscheinlich der Stand der Dinge:
Sulev Vahtre beschäftigt sich mit den Quellen, die vom Aufstand der Esten in der Georgsnacht des Jahres 1343 berichten (55-69). Kein einziger der Berichte, die wir besitzen, ist zeitgenössisch, und alle längeren Texte, deren Unterschiede der Autor herausarbeitet, repräsentieren die Ordensperspektive. Während die "Jüngere Reimchronik" die livländische Sicht repräsentiere, biete die Chronik Wiegands von Marburg den preußischen Blick.


aus Sehepunkte, ein Überblick: Bernhart Jähnig / Klaus Militzer (Hgg.): Aus der Geschichte Alt-Livlands

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