Donnerstag, Juni 16, 2016

Eine wahre Frau der Feder

Kennen Sie Ellen Hiob? Vielleicht Ellen Niit? Eine der bekanntesten estnischen Schriftstellerinnen, Geschichten-schreiberinnen, Übersetzerinnen und Autorin zahlreicher Kinderbücher starb am 30.Mai in Tallinn im Alter von 87 Jahren.

Neben Viivi Luik ist Ellen Niit eine der bekanntesten schreibenden Frauen des estnischen Kulturlebens. Deutschsprachige Leserinnen und Leser müssen zumeist auf Kinderbücher zurückgreifen, die noch zu DDR-Zeiten erschienen sind: Pille-Riin, Triinu und Taavi hießen damals die Kinderhelden - manche nannten sie auch die Astrid Lindgren Estlands.
Den "großen Maler" gibt es auch als Animationsfilm, vertont von Vaiko Eplik, produziert von Aina Järvine und Meelis Arulepp. Übersetzungen ins Deutsche unternahm Ellen Niit teilweise selbst. Neben dem Russischen muss die Beschäftigung mit der ungarischen und der finnischen Sprache besonders interessant gewesen sein, gilt diese Sprache doch als dem Estnischen verwandt.

Auch Jaan Kross war 87 Jahre alt, als er 2007 starb. Seit 1958 war Ellen Niit mit ihm in zweiter Ehe verheiratet gewesen (auf YouTube ist tatsächlich ein Eindruck der beiden aus dem Jahr 1960 zu bestaunen). In der Wohnung der beiden, gleich in der Tallinner Altstadt, sind so manche Gäste - auch aus Deutschland - bei Tee und Keksen zu Gast gewesen.
Jaan und Ellen Kross reisten gemeinsam durch Ägypten und ie Türkei und schrieben dasrüber. Cornelius Hasselblatt macht die Bedeutung Ellen Niits in seiner "Geschichte der estnischen Literatur" auch an ihren Gedichten fest, die in Sowjetestland zunächst nicht erscheinen konnten, und durch die Diskussionen, die sie auslöste.

Rühr die Feder nicht an!
Den halben Morgen bin ich
auf einem Bein
auf ihrem glänzenden Stiel
auf und ab gehüpft
wie über einen winzigen Balken, 
fallend, lachend und wieder hüpfend.
Rühr die Feder nicht an, 
sie schreibt heute wer weiß was!
(aus: "Vom Ursprung des Lieds" - Paekivi laul, Lied des Kalksteins, Tallinn 1998. Enthalten in ESTONIA, Jahrbuch estnischer Literatur 2007, Hempen-Verlag Bremen)

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