Freitag, März 11, 2011

Lauristin nach Savisaars Vorbild?

Die politische Aktivistin aus den Zeiten der Volksfront, Marju Lauristin, erklärte ihren Verzicht auf das gewonnene Parlamentsmandat. Sie sei in der Wissenschaft nützlicher.

Die 1940 geborene Marju Lauristin ist emeritierte Professorin der Universität Tartu. Dort hat sie im sozialwissenschaftlichen Bereich gelehrt und publiziert. Sie war Mitbegründerin der Volksfront und der Sozialdemokraten und für diese im ersten Kabinett von Mart Laar Sozialministerin.

Daß Lauristin nun lieber an wissenschaftlichen Konferenzen teilnimmt als an Plenarsitzungen, mag man ihr aus Altergründen verzeihen. Ihre Argumentation hingegen ist fade. Sie habe eigentlich überhaupt nur kandidiert, damit mit ihrem Namen die Partei möglichst gut abschneide. Eine solche Irritierung der Wähler ist sonst beim Tallinner Bürgermeister und früheren Volksfront-Premier Edgar Savisaar üblich gewesen, der zwei Jahrzehnte eigentlich immer überall kandidiert hat, im estnischen Wahlsystem sehr viele Personenstimmen „abgefischt“ hat, um sich dann aus seinen Wahlsiegen das höchste Amt herauszupicken. Im Tallinner Stadtrat regiert seine Zentrumspartei mit absoluter Mehrheit, während auf nationaler Ebene trotz ansehnlicher Erfolge die anderen Parteien immer eine Anti.Koalition gegen ihn gebildet haben.

Kommentare:

  1. Eigentlich finde ich es eine Frechheit, dass so was moeglich ist, wenn die Leute fuer irgendwas gewaehlt wurden, dann sollen sie den Amt auch antreten. Ganz besonders beim Savisaar, wie Axel Reetz sehr passend bemerkt, gab es keine Wahl bei der er nicht als Spitzenkandidat aufgetreten ist, ohne die Ämter dann anzutreten.

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  2. Bei Savisaar, konnte man sagen, ist den Wahlern das wenigstens vorher klar. Dass er nicht den Tallinner Burgermeister-Sessel fur ein EU-Mandat abgibt kann bestenfalls aus pekuniaren Grunden verwundern. Ich finde es allerdings auch nicht so gut, dass mancherorts bereits die Kandidatur bedeutet sich vom eingenommenen Amt zu verabschieden.

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