Donnerstag, Mai 13, 2010

Anerkennung für Leistungen Estlands

Dann gibt es eben ausnahmsweise mal zwei Beiträge zum selben Thema.

Das nördlichste Land des Baltikums hat gleichzeitig zwei bedeutende Einladungen erhalten, Estland soll in die OECD und in die Eurozone aufgenommen werden.

Die OECD gilt als der Club der entwickelten Länder. Die Organisation verlangt für den Beitritt zum eine Politik der Korruptionsbekämpfung, Förderung des geistigen Eigentums und corporate governance mit einem Wort, Kandidaten müssen wirtschaftlich ein zivilisiertes Land sein. Estland hatte die Verhandlungen 2007 aufgenommen und soll sich im Bereich des e-government engagieren.

Estland ist außerdem dem derzeit wichtigsten Ziel der Regierung Ansip, der Einführung des Euros zum 1. Januar 2011 ein Stück näher gerückt. Die EU-Kommission epfiehlt die Aufnahme mit dem Hinweis, daß Estland die Konvergenzkriterien besser erfüllt, als zahlreiche Länder, die den Euro als bereits haben. Die EZB hingegen äußerte Zweifel an der Nachhaltigkeit, mit der die Esten die vor allem das Konvergenzkriterium der Inflation werden einhalten können.

Nachdem beide Institutionen ihren regelmäßigen Bericht vorgelegt haben, beraten das Europäische Parlament und der Europäische Rat über den Vorschlag. Die endgültige Entscheidung wird im anläßlich eines Gipfeltreffens im Juli gefällt.

Ursprünglich wollten Estland und Litauen den Euro bereits 2007 einführen. Damals waren die Inflationsraten hoch, weil nach dem Beitritt zur Europäischen Union besonders skandinavische Banken, im Falle Litauens aber auch Institute aus Österreich, die baltischen Staaten großzügig mit Liquidität versorgten. Estland verzichtete dann freiwillig, während Litauen mit einer 0,1% Überschreitung des der Inflationsrate abgelehnt wurde.

Kommentare:

  1. Ich möchte an dieser Stelle nur auf zwei Beiträge von Rainer Kattel, Professor für Public Administration an der Universität Tallinn, hinweisen, die das hier verbreitete euphorische Bild ein wenig schmälern. Bei einem der Beiträge handelt es sich um einen Vortrag auf einer Konferenz der Ford Foundation in New York, indem Kattel die Situation in Griechenland und Estland miteinander vergleicht und die Zukunftsaussichten für Estland mittel- und langfristig weitaus düsterer einschätzt als für Griechenland. Im zweiten Beitrag geht Kattel auf einige grundsätzliche Probleme der einseitigen Aussrichtung auf wirtschaftsliberale Rezepte in Estland ein. Beide Beiträge lassen sich hier finden:

    http://avalikhaldus.blogspot.com/2010/04/should-greece-follow-estonias-example.html

    http://avalikhaldus.blogspot.com/2010/03/addicted-to-neoliberalism.html

    Mit freundlichen Grüßen aus Berlin.

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  2. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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  3. aber warum denn so empfindlich? warum das Herumgehacke über meine Wortwahl? Lassen Sie uns doch lieber mal über Inhalte diskutieren. z.b. über das Fazit, dass Rainer Kattel in seinem Beitrag über die einseitige Fixierung der politischen Klasse in Estland im Besonderen und im Baltikum im Allgemeinen zieht. Darüber würde es lohnen, tatsächlich einmal zu sprechen. Da sieht es nämlich so aus, als ob die ganze Kritik an Griechenland ziemlich scheinheilig wäre und Estland seine Kosten auf andere Art und Weise ebenso den westeuropäischen Staaten aufbürdet. Kattels Schlussfolgerung lautet nämlich wie folgt:

    "In sum, the Baltic States seem to seek cure for their current ills in the same medications that caused the crisis in the first place. Baltic policy makers have become addicted to neoliberalism. Yet, fiscal prudence in a deep crisis like the one we are experiencing simply shifts costs either to private sector in form of investments – which are not forthcoming as the private sector deals with debt deflation –, or to future taxpayers in form of social costs (unemployment). Thus, the addiction is paid for by the current European taxpayers (substituting Baltic domestic public and private spending through EU’s structural funding) and the future Baltic taxpayers as key industrial, labor market and other policy reforms are postponed while unemployment grows and wages fall."

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  4. Also, eins dürfte ja zumindest "moevenort" selbst klar sein - auch wenn jeder einzelne Diskussionsbeitrag immer so "unschuldig" wirkt: die "Empfindlichkeit" rührt schon allein daher, dass derselbe Autor (ohne gleichzeitig sehr viel über sich selbst verraten zu wollen) hier schon öfters böse rumgeholzt hat, mit vielen eher persönlichen Unterstellungen als mit Argumenten. Daher bin ich als Moderator dieses Blog schon allein froh, wenn ich das nicht wieder löschen muss. Denn wer sich wie unsere Blogautoren die Mühe macht, von den eigenen persönlichen und fachlichen Erfahrungen zu berichten, der sollte wenigstens erwarten dürfen dass auch die Kommentare bei der Sache bleiben. Dafür ist zumindest unser Blog gedacht.
    Aber das dürfte ja auch allen - ausser dem hier bemühten Küstenflugtier - bekannt sein. (warum muss ich das eigentlich immer wieder klarstellen?)

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  5. @Albatros: Können Sie mir bitte auch verraten an welcher Stelle ich jetzt bitte angeblich nicht sachlich argumentiert hätte? Ich habe auf einen ganze Reihe von Argumenten verwiesen und auch auch wiederholt drauf hingewiesen, dass es die Inhalte sind, über die ich gerne diskutieren möchte. Wenn Sie mir also schon derartiges unterstellen sollte es meiner Auffassungen nach schon auf Fakten beruhen. Das wäre nur fair. Mit freundlichen Grüßen

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  6. nur an "moevenort", und nur einmal: wer nicht mal in seinem Absenderprofil eine Email angibt, worüber ein kommentator erreichbar wäre, kann auch nicht mit erläuterungen rechnen, die für alle anderen nicht so schwer zu verstehen zu sein scheinen.
    erläutern tue ich es gerne, und wenn jemand sich ungerecht behandelt fühlt, sowieso. Aber dann bitte persönlich und verbindlich.

    Ansonsten erscheint es mir so, dass hier jemand lieber anonymer "rechthaber" sein möchte, und sowieso niemand ertragen kann, der politisch nicht der eigenen meinung ist (so klangen die "Beiträge" teilweise, nach dem Motto: ihr seid alle blind, ich bin der einzig Sehende). Wir nehmen auch durchaus neue Autoren in unser Autorenteam auf. Aber das verlangt dann doch ein wenig mehr nachgewiesenes Fachwissen.

    (dies gilt dann auch für alle anderen, die schon die Tatsache eines moderierten Blogs für "Zensur" halten)

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