Sonntag, März 20, 2005

Minderheiten in Europa oder am Rande der EU

Es kommt auf die Perspektive an. Zur Europäischen Union gehören mittlererweile drei Staaten deren Nationalsprachen zur Finno-Ugrischen Familie gehören: Finnland, Estland und weiter südlich Ungarn. In linguistischer Hinsicht besteht keine Verwandtschaft zu romanischen, germanischen oder slawischen Sprachen. Eher noch gibt es Verbindungen zum Türkischen oder gar anderen fernost-asiatischen Sprachen. Aber das ist wissenschaftlich umstritten. Das hatte aber Folgen. Ich erinnere mich an eine Schlagzeile in einem finnischen Magazin, etliche Jahre her. Dort hieß es in dicken Lettern: Wir sind keine Mongolen!
Soweit zur Abgrenzung.
Es gibt so etwas wie ein Gemeinschaftsgefühl unter den Finno-Ugriern. Diese bestehen aus noch weiteren kleinen Völkern, überwiegend verteilt über die Russische Förderation. Den Voten, Vepsen, Mansen usw. . Die drei großen sehen sich auch als Lobby für die kleineren Verwandten. Was schnell zur Einmischung in vermeintlich interne russische Angelegenheiten führt. Der aktuelle Fall sind die Vorgänge bei den Tscheremissen, wo nach einer Wahl viele Arbeitnehmer der Mari (deutsch: Tscheremissen)entlassen worden seien.
Aufruf zur Unterstützung des Volkes der Mari (Tscheremissen)

Wir, Vertreter und Freunde der finnougrischen Völker in der ganzen Welt, rufen die Machthaber Russlands aller Ebenen auf, unverzüglich Schritte zu unternehmen, um die Angriffe auf Mitglieder der demokratischen Opposition in der Republik Mari El zu beenden. Wir erwarten, dass internationale Menschenrechtsorganisationen uns in dieser Sache unterstützen..

Im Laufe der letzten Monate hat die Regierung der Republik Mari El nichts getan, um die zunehmende Diskriminierung des Volkes der Mari und Angriffe auf die Mari zu unterbinden, so dass der Eindruck entsteht, dass sie diese Angriffe unterstützt oder sie sogar initiiert. Wir stellen mit Bedauern fest, dass die örtlichen Behörden nichts getan haben, um die Täter zu finden, die Anfang dieses Monats Wladimir Kozlow, den Chefredakteur der finnougrischen Zeitung „Kudo-Kodu“ und Vorsitzenden der Mari-Vereinigung „Mer Kanasch“, überfallen und fast zu Tode geprügelt haben.

Die Mari sind ein bedeutendes finnougrischen Volk, und im Sommer haben sie die Aufgabe, den nächsten Weltkongress der Finnougristik zu veranstalten. Folglich ist es in diesem Augenblick besonders wichtig, dass die russischen Behörden in Moskau und in Mari El alles Mögliche tun, um der Verletzung der Rechte der Mari ein Ende zu setzen.

21. Februar 2005

Unterschriften: 8650

Prof. Dr. Paul Goble, USA
Prof. Dr. John Hiden, Grossbritannien
Toomas Hendrik Ilves, MdEP, Vize-Präsident des Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten, Estland
Dr. Tytti Isohookana-Asunmaa, ehemalige Kulturministerin Finnlands
Béla Jávorszky, ehemaliger Botschafter in Finnland und Estland, Ungarn
Prof. Dr. Kyösti Julku, Finland
Prof. Dr. Olavi Korhonen, Schweden
Mart Laar, Mitglied des Estnischen Parlamentes, ehemaliger Ministerpräsident Estlands
Leena Laulajainen, Schriftstellerin, Finnland
Dr. Lennart Meri, ehemaliger Präsident Estlands
Mart Meri, Chefredakteur der Monatszeitschrift „Keel ja Kirjandus“, Estland
Pertti Paasio, ehemaliger Außenminister Finnlands
Prof. Dr. János Pusztay, Ungarn
Prof. Dr. Raimo Saag, Schweden
Kari Rydman, Komponist, Finnland
Prof. Dr. Pauli Saukkonen, Finnland
Toomas Savi, MdEP, ehemaliger Präsident des Estnischen Parlamentes
Doz. Tõnu Seilenthal, Estland
Veljo Tormis, Komponist, Estland
Riitta Uosokainen, ehemelige Präsidentin des Finnischen Parlamentes
Arvo Valton, Schriftsteller, Vorsitzender der Assoziation für Finno-Ugrische Literatur, Estland
Prof. Dr. Kalevi Wiik, Finnland


In Finnland wurden die Ereignisse von der bedeutenden Tageszeitung Helsingin Sanomat mehrmals aufgegriffen.

Mari people complain of continued persecution by Russian officials
International appeal on behalf of small Finno-Ugric nation


The Finno-Ugric Mari people of the Russian Republic of Mari have complained of a wave of political oppression at the hands of nationalist Russians.
The attacks were prompted by the Presidential elections in December, in which the ethnic Mari put their support behind their own candidate, Mikhail Dolgovia. When the elections were won by incumbent Leonid Markelov, officials in the republic began a campaign of intimidation against the defiant Mari.

During the Markelov presidency, beatings of opposition supporters with iron pipes have become routine.
At least two journalists and one head of a printing house have been killed in this manner. One male journalist has been beaten to within an inch of his life, and a female journalist was beaten with fists.
Threats have also been used to pressure head teachers of schools and local officials to resign. The dismissal of about 1,000 Mari officials is seen as a blow to indigenous culture.
On February 22nd an appeal was published on the letters to the editor page of Helsingin Sanomat on behalf of the democratic rights of the Mari. Its signatories included Finland's former Speaker of Parliament Riitta Uosukainen and Estonian President Lennart Meri.


Von deutscher Seite lässt sich das alles kaum beurteilen, keine Korrespondenten werden geschickt; Medien, die die Vorgänge verfolgen sind eher Fehlanzeige.


Radio Free Europe meint, dass nun alle Minderheitenprobleme auf den Tisch gehören. Nicht nur die der russischsprachigen im Baltikum, sondern auch der Finno-Ugrier in Russland.
Russia: European Commission 'Concerned' Over Treatment Of Finno-Ugric Minorities
By Ahto Lobjakas

Russia -- map
The European Commission on 4 March said it is worried about a crackdown on political opposition in Russia's Marii-El Republic. Opposition figures and journalists have suffered severe beatings since the reelection of the president of the Finno-Ugric autonomy's president, Leonid Markelov, last fall amid widespread allegations of fraud. The opposition is largely made up of indigenous Maris. The European Union raised the issue at a human rights meeting with Russia on 1 March, and is now awaiting a response from Moscow.

Brussels, 7 March 2005 (RFE/RL) -- On 1 March, the European Union and Russia held their first-ever formal consultations on human-rights issues.

When the consultations were agreed last year, Russia indicated it was keen to raise the topic of the Russian-speaking minorities in Estonia and Latvia. The EU, in turn, was expected to focus on Chechnya.

Now, however, the plight of Russia's roughly 3 million indigenous Finno-Ugric people has forced itself onto that agenda.

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