Dienstag, April 28, 2009

Kolga


Portal
Originally uploaded by rene j
Um an den vergangenen Post anzuknüpfen: Hier ist eine Aufnahme von rene_j. Der Ort ist Kolga, das Gutshaus, und spiegelt die dänisch-schwedisch-estnische Geschichte wider.
The estate has its roots in the Danish conquest of parts of Estonia in the beginning of the thirteenth century. The Danish king, Waldemar Sejr, gave it as a gift to his son Knud. Later it was donated to Roma monastery at Gotland.


Aus einer schwedischen Webseite.

Eine der wenigen deutschsprachigen Quellen:
Mit der Besetzung Estlands enteignete die Sowjetunion 1940 die Familie Stenbock. Das Gut ging in sowjetischen Staatsbesitz über. 1993, nach Wiedererlangung der staatlichen Unabhängigkeit, gab der estnische Staat der Familie das Anwesen zurück. Ein Großteil des Herrenhauses ist heute in sehr schlechtem baulichen Zustand.


Wikipedia über Kolga

Freitag, April 24, 2009

Europa - ein Jahrestag, die Georgsnacht


Die kommenden Europawahlen. Sie stehen nicht gerade im Mittelpunkt der politischen Debatte. Aber das war schon immer so. Viele empfinden Europa lediglich als europäischen Bürokratie-Überbau. Das hat seine Gründe. Noch lange bleiben wir in nationalen Perspektiven verwurzelt. Ein gemeinsames deutsch-französisches Geschichtsbuch hatte da schon für Aufregung gesorgt. Ansonsten wachsen wir weiter mit eigenen nationalen Mythengestalten, Märchen und Geschichtsbildern auf. Jedes Land hat dabei seine eigenen wichtigen Daten. Für Deutsche und Dänen könnte die Georgsnacht ein wichtiges Kapitel sein. Aber ihr wird wohl bis auf Weiteres nur in Estland gedacht werden, oder es greift das Thema ein Geschichtsenthusiast auf.
Torsten von AVH hat es getan. Über seinen Blog schreibt er:
In diesem Blog möchten wir Geschichte aus einem anderen Blickwinkel betrachten. An einzelnen Tagen greifen wir ein Ereignis heraus, das an eben diesem Datum in einer anderen Zeit geschehen ist. Vielleicht vor einem Jahr, vielleicht vor Jahrhunderten oder gar Jahrtausenden. Dabei setzen wir keine thematischen oder geographischen Schwerpunkte. Wir fragen uns, wie ein zeitgenössischer Betrachter, außen stehend oder in das jeweilige Ereignis involviert, eine zeitgenössische Zeitung oder ein Berichterstatter, vielleicht auch eine Person aus einer späteren Epoche dieses Ergebnis wahrgenommen haben könnte und versuchen unsere Idee dieses Betrachters hier nieder zu schreiben.


Der letzte Eintrag gilt:
Livo Narvalannen: Aufstand in der St. Georgsnacht (23. April 1343)


...
In der St. Georgsnacht, am 23. April 1343, brach die Rebellion der estnischen Bevölkerung gegen die deutschen und dänischen Herren über das Land los, denen sie sich nicht länger unterwerfen wollten. Estnische Bauern griffen Kirchen, Klöster und Gutshöfe an, töteten Deutsche und Dänen, wo sie ihnen in die Quere kamen und belagerten die Stadt Tallinn.
...

Der ganze Text

Und aus Wikipedia: Aufstand in der Georgsnacht, die Erinnerung an die Konsequenzen, Dänemark verlor seinen Einfluss.
Alle wichtigen, bis dahin dänischen Städte in Estland fielen als Folge des Aufstands in der Georgsnacht in die Hand des militärisch und politisch gestärkten Schwertbrüderordens und des Deutschen Ordens, vor allem 1343 Tallinn und Rakvere (Wesenberg) sowie 1345 Narva. 1346 verkaufte der geschwächte König Waldemar IV. die Provinzen Harju und Viru für 10.000 Mark an den Orden.


Foto: Estonian Institute

Das treiben Esten rund um das Ereignis, hier 2008 ein Fotoset: Jüriöö ülestõus


Anmerkung: Die historischen Quellen sind wie so oft in der Geschichte dürftig, das ist wahrscheinlich der Stand der Dinge:
Sulev Vahtre beschäftigt sich mit den Quellen, die vom Aufstand der Esten in der Georgsnacht des Jahres 1343 berichten (55-69). Kein einziger der Berichte, die wir besitzen, ist zeitgenössisch, und alle längeren Texte, deren Unterschiede der Autor herausarbeitet, repräsentieren die Ordensperspektive. Während die "Jüngere Reimchronik" die livländische Sicht repräsentiere, biete die Chronik Wiegands von Marburg den preußischen Blick.


aus Sehepunkte, ein Überblick: Bernhart Jähnig / Klaus Militzer (Hgg.): Aus der Geschichte Alt-Livlands

Mittwoch, April 22, 2009

Verschollenes per Post zurück

Als schlichtes Postpaket kehrten kürzlich im 2.Weltkrieg aus Bremen verschwundene Bücher in die Hansestadt zurück. Die Bücher waren bei der Bearbeitung von Altbeständen in der Universität Tallinn gefunden worden, teilte jetzt die Universitätsbibliothek Bremen mit. 1942/43 waren Bücher in Bremen wegen vermehrter Bombenangriffe nach Sachsen-Anhalt ausgelagert worden. Laut der Bremer Bibliotheksdirektorin Marie Elisabeth Müller seien die Bücher "völlig unkompliziert" auf dem Postweg jetzt nach Bremen zurückgelangt.

Siehe auch:
Meldung Radio Bremen

Bericht News-ad-hoc


Frankfurter Rundschau

Samstag, April 18, 2009

"Set Skype Free !" Ein Treffen in Kalifornien


Set Skype Free !
Originally uploaded by jurvetson
Hier ein paar Gedanken von Steve Jurvetson zu Skype, das (noch) an Ebay gebunden ist. Die früheren Macher von Skype bei einem zufälligen Treffen, an dem es zu einem Gedankenaustausch kam, und die Idee endlich wieder Skype auf eigenen Füßen zu sehen.
Es geht auch um die Zukunft des Telefonierens. Die aufgeschriebenen Bemerkungen zum Treffen beim Anklicken des Fotos.

Donnerstag, April 16, 2009

On top of Tallinn


On top of Tallinn
Originally uploaded by das kine
das kine mal mit einer anderen Perspektive von Tallinn. Meist wird von der gegenüberliegenden Seite auf dem Domberg fotografiert. Der Frühling kommt, bald wird es grün.

Dienstag, April 14, 2009

Ein Fotoarchiv - entdeckt in Australien

Hugo Salasoo war Pharmazeut, floh 1944 aus Estland mit Zwischenaufenthalt in Deutschland und kam 1949 nach Australien. Dort arbeitete er an einem Archiv ueber Estland waehrend der Kriegsjahre und der sowjetischen Besetzung. Seine Fotos (Glasplatten) wurden in Australien von einem Sammler in einem Antikhandel entdeckt und aufgekauft. Nach und nach werden sie nun eingescannt und bei Flickr in einem Set hochgeladen:
Das Set heisst "Glas negatives"

I have recently acquired a collection of glass negatives (200-300 of them) relating to ~ WWII history of Estonia. They used to belong to Dr Hugo Salasoo (http://www.anbg.gov.au/biography/salasoo-hugo.html) who was an archivist of the Estonian Archives in Australia. I am going through the process of scanning them and posting them

Crafty Dogma

Update: Das Foto mit dem Leuchturm konnte ich lokalisieren. Es ist Vilsandi mit dem Rettungsbootshaus des Roten Kreuz. Es existierte bis 1939. Etwa 88 Menschen wurden aus Seenot gerettet.

Freitag, April 10, 2009

nicht in Estland: Laptop-Verbot für Politiker

Gegen ein Laptop-Verbot im Parlament wehren sich offenbar gegenwärtig die Politiker/innen in Rheinland-Pfalz. Mehreren Medienberichten zufolge (z.B. ddp, ad-hoc-News) wehrt sich der Ältestenrat des Landtags in Mainz dagegen, Laptops für Abgeordnete zuzulassen.

Im ddp-Interview sind es CDU-Abgeordnete, die sich dagegen wehren: unter anderem mit dem Verweis auf andere Länder: selbst in Staaten wie Estland, Lettland oder Litauen gebe es kein Parlament mehr ohne Laptop für jeden Abgeordneten - so zitiert ddp den Abgeordneten und Vorsitzenden des Landtagsausschusses für Medien, Norbert Mittrücker.
Bisher ohne Erfolg: während der Landtagssitzungen bleiben Laptops in Mainz verboten.

Auch Dieter Lang, Sprecher des rheinland-pfälzischen Landtags, wird von ddp zitiert. Der Landtag sei ein Ort der Debatte - daher habe man sich für ein Laptop-Verbot parallel zum Handy-Verbot entschieden.

Mittwoch, April 08, 2009

Euro = teuro? Aber für wen?

Rund um die gemeinschaftliche Währung in der Europäischen Union hat es zu keinem Zeitpunkt an Skepsis und Kritik gemangelt.

Zunächst und in Westeuropa ging es um Nutzen und Risiken. Die deutschen Professoren Wilhem Hankel, Wilhelm Nōlling, Karl Schachtschneider un Joachim Starbatty warnten vor der Einführung und jüngst im Rahmen der Finanzkrise erneut vor den Gefahren. Die Währungsunion werde scheitern. Einige Staaten wollten den Euro gar nicht erst einführen und blieben entsprechend bei ihrer nationalen Valuta.

In den 2004 beigetretenen Staaten ging es um dan Namen selbst. Vom allgemein französisch ausgesprochenen, eigentlich englischen Kürzel ECU abrückend hatten sich die beteiligten lAnder auf den – meiner Meinung nach einfallslosen – Namen Euro geeinigt. Die Griechen traten dank unkorrekter statistischer Angaben der Euro-Zone sofort bei und durften einen griechischen Aufdruck auf den Banknoten durchsetzen, weil ihre Sprache nicht das lateinisch Alphabet verwendet. Nach 2004 foderten die Letten, es möge Eiro oder besser noch Eira als dritte Variante hinzugefügt werden, damit sich der Name der Währung in ihrer Sprache deklinieren läßt.

Darum aber soll es hier nicht gehen.

In der Finanzkrise gibt es nun erneut eine Kakophonie der Meinungen. Während Professor Nölling den Zusammenbruch der Euro-Zone prognostiziert, weil die reichen Länder die ärmeren de facto unterstützten, so behauptete der im lettischen Ventspils lehrende Ökonom Dmitrij Smirnow, der für seine markigen Sprüche schon einmal vom Verfasungsschutz verhaftet worden war, daß für sein wirtschaftliche bedrängtes Land die EU generell kein Rettungsanker sei, denn die Union werde sowieso binnen der nächsten zwei bis drei Jahre zerbrechen.

Andere Länder hingegen spekulieren mit der Einführung der Gemeinschaftswährung. Island diskutierte sogar über den dafür erforderlichen Beitritt zur EU.

Die Regierungen Ostmitteleuropas wiederum setzen angesichts eines Abwertungsdruckes auf ihre nationalen Währungen jetzt noch mehr auf den als stabiler geltenden Euro und wollen die Einführung der Gemeinschaftswährung in ihren Länder beschleunigen. Im Baltikum trat insbesondere der estnische Ministerpräsident Andrus Ansip in den letzten Wochen mehrfach mit Prognosen an die Öffentlichkeit. In Lettland war Smirnow gerade wegen seiner Abwertungsspekulationen 2008 zwei Tage lang festgehalten worden.

Nun prescht nach einem Bericht der Financial Times der IWF vor. Ungarn, Rumänien, der Ukraine und Lettland wurde bereits Hilfe zugesagt und auf dem G20 Gipfel in London die großzügige Aufstockung der IWF-Mittel beschlossen. In einem vor einem Monat erstellten, vertraulichen Dokument schlägt der Währungsfond vor, die ostmitteleuropäischen EU-Mitglieder sollten den Euro als Zahlungsmittel einführen, auch ohne der Währungsunion formal beizutreten. Dieser Vorschalg würde bedeuten, daß die betreffenden Staaten zwar den Euro als Bargeld einführen, aber keine Sitze in der Europäischen Zentralbank einnehmen.

Das wäre ein Zustand ähnlich wie im Kosovo. Das nur halb unabhängige Land verfügt allerdings nicht nur nicht über eine eigene Währung.

Der IWF begründet seinen Vorschlag damit, daß die Stabilität der Länder damit erhöht werde, weil die auswärtige Schuld kalkulierbarer und nicht mehr als nötig steigen werde. So könne Unsicherheit abgebaut und Vertrauen erhöht werden. Die Alternative sei, so heißt es, einen drastischen Sparkurs im Inalnd gegen zunehmenden Widerstand durchsetzen zu müssen. Dieses Szenario verfolgte die Regierung Godmanis in Lettland ebenso wie der neue Ministerpräsident Dombrovskis.

Dieser IWF Report wurde zur Unterstützung einer gemeinsamen Kampagne mit der Weltbank und der Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung erstellt, mit der die EU-Länder überredet werden sollten, einen speziellen Fond für die ostmitteleuropäischen Mitglieder einzurichten. Diese Idee aber war am Widerstand sowohl aus Westeuropa wie auch aus dem Ostteil des Kontinents gescheitert. Die Länder der Eurozone wie auch die EZB lehnen eine Änderung oder Abschwächung der Beitrittskriterien ab.

Der IWF prognostziert für die ostsueropäischen Staaten inklusive der Türkei 413 Milliarden US-$ Auslandschulden und weitere 84 Milliarden US-$ Außenhandelsdefizit. Die Finanzierungslücke für 2009 und 2010 werde 186 Milliarden US-$ betragen.

Montag, April 06, 2009

Nachbarschaftliches

Es ist ja in diesem Blog (wie auch im Lettland-Blog) schon mehrfach die Rede davon gewesen, was Nachbarn so übereinander reden. "Baltische Geschwister" sozusagen. Nein, das ein lettischer Botschafter in Estland schon mal mit Alkohol am Steuer erwischt wird, das könnte an dieser Stelle höflich verschwiegen werden. Und auch die estnischen Spottlieder über die lettischen Bankpleiten kennen wir nun schon. Aus Anlaß des Besuchs von Präsident Zatlers in Estland könnten wir mal schauen, ob über Estland in Lettland ähnlich geschrieben wird wie in Deutschland.

Gott schützt nur Lettland?
"Estland, das unreligiöseste Land der Welt!" Das stand am 11.Februar in der lettischen Tageszeitung DIENA zu lesen. Na gut, es waren schlicht die (zitierten) Ergebnisse einer Gallup-Umfrage: nur 14% der befragten Esten antworteten auf die Frage, ob Religion ein wichtiger Teil ihres Alltagslebens darstelle, mit 'Ja'. Damit bildete Estland das Schlußlicht (je nach Sichtweise auch die Spitze) aller befragten Länder. Danach folgten Schweden und Dänemark (17 bzw. 18%), Norwegen (20%) und Tschechien (21%). Lettland folgte zusammen mit einer Gruppe von Ländern, in denen noch der überwiegende Teil eher nichts mit Religion zu tun haben will (prozentual ähnlich wie Großbritannien, Finnland, Niederlande, Bulgarien und - erstaunlich? auch Litauen). Als "am meisten religiös" erwiesen sich hier Griechenland, Italien, Portugal, Rumänien und Polen.
Soweit der "Schwesternvergleich" in DIENA.

Konkurrenten oder Partner?
Heute nun beleuchtet "Latvijas Avize" den Staatsbesuch von Präsident Zatlers beim nördlichen Nachbarn, und befragt den Amtskollegen Tomas Henrik Ilves (durch die beiden Journalisten Viesturs Serdāns un Ģirts Kondrāts). Ob denn nicht Estland und Lettland heute eher Konkurrenten als Partner seien, fragt die lettische Seite, und spiegelt wohl gleichzeitig die typische Einstellung jener Letten, die Estland immer ein Stück voraus glauben. Ganz Diplomat (und Este!) weist Ilves das zurück. Schließlich sei man ja gemeinsam Mitglied in EU und NATO. Einen Wettbewerb macht er allerdings aus zwischen Lettland und Litauen, wer von beiden die Energiebrücke nach Schweden nun bekomme (ebenfalls beliebt: wenn zwei sich vertragen wollen, verweise immer auf Schwester Nr.3!).

Estland sei mehr skandinavisch und weniger baltisch - auch dieses Zitat von Ilves haben sich die lettischen Journalisten offenbar gut gemerkt. Ach, das habe er vor 10 Jahren mal gesagt, gibt Ilves zurück. Das habe vor allem mit dem Suchen nach kultureller Identität zu tun, die in tausenden von Jahren geprägt worden sei. Aber Gemeinsamkeiten zwischen Estland, Lettland und Litauen gebe es ja, mindestens seit der Unabhängigkeit dieser drei Staaten vor 90 Jahren.

Gürtel enger schnallen - und trotzdem überleben
Die es die Esten schaffen, die Finanzkrise zu überstehen, ohne den Rentern, Lehrern und Kindern allzuviel wegzunehmen. Nun, das sei in erster Linie Aufgabe der estnischen Regierung, meint Ilves. Aber immerhin gehe es hier "nur" um einen Aufschub von Renten- und Lohnerhöhungen, nur in geringem Maße um Kürzungen (bei staatlichen Angestellten -8%). Dennoch seien die meisten Esten gegenwärtig nur mit dem Überleben beschäftigt, an "Aufschwung" könne erst später wieder gedacht werden.


Und dann kommt der oberste Este vielleicht auf ein estnisches Lieblingsthema. "Mehr Innovationen in der Wirtschaft", fordert Ilves, nicht ohne darauf hinzuweisen, dass viele Firmen in der jetzigen Situation viel zu viel Geld in Immobilien gesteckt hätten (was man auch mit dem lettischen Wort "unbewegliches Eigentum" übersetzen und verdeutlichen kann). "Wer gute Schuhe produzieren möchte, und dies auf kluge Weise mit Datenverarbeitung kombiniert, baut eine bessere Zukunft als derjenige, der nur umherreist und irgendwo Häuser verkauft," so Ilves. Nicht "schnelles Geld", sondern frische Ideen seien erforderlich.
Auch der Präsident schreckt nicht vor allseits bereits bekannten Schablonen zurück. 'Skype' sei von Esten erfunden worden, inzwischen sei der Sitz der Eigentüberfirma in Luxenburg. Aber der Eindruck sei geblieben, dass auch "arme Esten" etwas derart Innovatives erfinden könnten. "Das ist besser als von den Bauern die Wiesen zu kaufen und Immobilienprojekte darauf zu setzen!"

Da riskiert der Präsident natürlich die Rückfrage der interessierten lettischen Interviewer, ob er denn selbst 'Skype' nutze. Er habe es ausprobiert, gibt Ilves zu, warte aber derzeit auf noch bessere Wege der Kommunikation (und gebe sich einstweilen mit einem "Iphone" zufrieden).

Estland und Europa - möglichst ohne rosarote Brillen
Was zu tun bleibe, fragen die 2 Zeitungsletten weiter, wo Estland wie Lettland doch jahrelang darauf hingearbeitet hätten, wieder in die "Eurozone" zurückzugelangen, dies aber nun doch seit 5 Jahren bereits erreicht sei? Erstmal die Freiheit wiederzuerlangen, sei natürlich 1990 das Wichtigste gewesen, antwortet Ilves. Heute aber stehe man den "Maastricht-Kriterien" der EU gegenüber, und die alle zu erfüllen, sei eine wirkliche Herausforderung.

Zum Schluß noch eine interessante These von Ilves, auch gegenüber dem Nachbarn Lettland. Beim Rückblick auf die eigene Geschichte sei Opfern auf allen Seiten zu gedenken, mahnt der estnische Präsident. "So wie die Spanier wissen wollen, was in den 30er Jahren geschah, die Franzosen was in den 40er Jahren geschah, die Deutschen ebenfalls ihre Vergangenheit aufarbeiten - so müssen auch wir es tun, damit ähnliche Dinge wie damals sich nicht wiederholen." Das alles sei nicht nur eine Frage für die Gerichte, so Ilves, denn viele der Schuldigen seien ja bereits gestorben. Aber genauso wie es um die Verbrechen von Sowjets, von Militärs, von Geheimdienstlern oder Kommunisten gehe, dürfe man auch vor dem genauen Blick auf diejenigen Esten nicht zurückschrecken, die mit Verbrechen in Zusammenhang zu bringen seien.
Ein interessanter estnischer Schriftzug ins lettische Stammbuch.

Samstag, April 04, 2009

Politologe aus Rußland: Moskau wird an Einfluß verlieren

Wieso eine solche Überschrift in einem Blog über Estland? Die Zeitung Postimees berichtete am 30. März über den Besuch des russischen Politologen Andrej Piontkowski an der Universität Tallinn, wo er in einer Vorlesung eben diese Prognose abgab.

In den Jahren nach dem Ende des Kalten Krieges wurden viele Theorien publiziert wie Fukuyamas Ende der Geschichte und Huntingtons Kampf der Zivilisationen. Immer wieder wurde dabei die Frage diskutiert, ob die Zukunft des Machtgefüges auf der Welt unipolar sei – Huntingtons Lonely Superpower – was von anderen Autoren angezweifelt wurde. Viele Kommentatoren sind der Ansicht, es werde sich eine multipolare Struktur herausbilden. So bezweifelte jüngst auch der Global Trends 2025-Bericht des National Intelligence Council, daß die USA ihre Bedeutung in der Welt werden erhalten können. Der konservative US-amerikanische Kommentator und Politikberater Robert Kagan zweifelt am Niedergang der USA.

Piontkowski ist der Ansicht, Rußland habe im Rahmen des Krieges gegen Georgien erkannt, daß der eigenen Politik alles aus der Hand geglitten sei. Solche Konflikte könnten sich auf dem Territorium der ehemaligen Sowjetunion wiederholen, um von anderen Problemen im Zusammenhang mit der Wirtschaftskrise abzulenken. Die fehlende Nachhaltigkeit der Außenpolitik Putins für die Entwicklung des eigenen Landes ist schon vergangenen Sommer auch von Politikern, Journalisten und Wissenschaftlern angemerkt worden, die allerdings zwischen verstehender Erklärung und schroffer Ablehnung Rußlands schwankten. Piontkowski hält die Bedeutung Rußlands auf der Weltbühne für eine mehr scheinbare.

Der Politologe ist überzeugt von der Bedeutung solcher Länder wie Estland, das in der Informationstechnologie führend sei. Hier sei beispielsweise Skype erfunden worden, das jetzt die ganze Welt verwende. Estland demonstriere dem großen Nachbarn auch durch die Beteiligung an der Mission in Afghanistan seine Bedeutung beim Schutz vor dem auch Rußland bedrohenden islamistischen Terror.

Wenn auch Piontkowski es sich in einigen Punkten sehr einfach macht, sollte diese Meinung nicht auf die Goldwaage gelegt werden. Es besteht kein Zweifel, daß die Bedeutung eines Staates nicht monokausal ist und Rußland nicht wegen sinkender Rohstoffpreise und “allgemeiner Unbeliebtheit” in der Bedeutungslosigkeit versinken wird. Andererseits wird Estlands Aufgeschlossenheit gegenüber neuen Techniken mitunter überbewertet, auch wenn in Tallinn schon früh möglich war, einen Parkplatz per Handy zu bezahlen. Aus der Idee, das Erbgut des gesamten estnischen Volkes zu erfassen, ist nie etwas geworden und das Wählen per Internet, das 2007 durch die Medien ging, hat die Zettelwirtschaft keineswegs ersetzt. Die genannten Theorien sind weniger als erfolgreiche Erklärung der Welt zu verstehen, denn als Beobachtungen und Idee, als Grundlage für Diskussionen.

Freitag, April 03, 2009

Dezemberhitze

Geschichte landet irgendwann im Film, im Kino. In Deutschland fehlt noch ein großes Drama über den Mauerfall 1989. Aber über die Zeit davor, in der DDR, gibt es bereits Produktionen wie "Das Leben der Anderen" oder "Good Bye Lenin", wo die Mauer immerhin eine indirekte Rolle spielt. Historische Themen gibt es in Mitteleuropa zuhauf.

In Estland entstehen nach und nach ebenfalls historisch inspirierte Filme. Zum Beispiel Marmortahvlil über den Freiheitskrieg 1918-1920 oder Revolution of Pigs (Sigade revolutsioon) über die Komsomolzenzeit der 80er.


Seit einigen Monaten liegt der Trailer für Detsembrikuumus (Decemberheat) vor. Die Handlung spielt im Jahr 1924, als ein kommunistischer Putschversuch die junge Republik Estland bedroht. Es gab über 100 Tote, danach eine Verhaftungswelle.


Cyrus Farivar hat mit dem Produzenten Artur Talvik ein Email-Interview geführt.
Talvik:
...
The battles are pretty similar. Althought the battle at the 5th police station wasn’t so big. The battle at the Ministry of Defense was probably similar, but the ministry wasn’t the Red headquarters and the counterattack by the guards started earlier. Something similar happened at Balti Jaam. The battle there was actually one of the biggest but we decided do not go back there because we tried to fallow Tanel’s moves. The battle at the military school barracks was probably historically the biggest. So this is very similar.


Das ist für mich insofern auch interessant, weil sich hier Familiengeschichte und die Filmrekonstruktion treffen. Mein Großvater hatte im Dezember 1924 seine Arbeitsstelle auf Toompea beim Verteidigungsministerium. Auf dem Weg zur Arbeit wurde er von einem Putschisten mit einer Handfeuerwaffe bedroht. Mehr hat er dazu nie gesagt. Vielleicht lassen sich nachträglich aus dem Archivmaterial, das für den Film gesichtet wurde, die Uhrzeit und die Umstände recherchieren.

Mehr zu den Film- und historischen Hintergründen im Post von Cyrus Farivar.
Interview mit Artur Talvik.

Samstag, März 28, 2009

Estland - in alten Büchern


Tallinn - Estonia
Originally uploaded by Jens-Olaf
Hat jemand am Wochenende Langeweile? Mein Tipp:
Open Library. Hier können alte Bücher über Estland gelesen und gedruckt werden.
Dort habe ich gestern eine Quelle entdeckt: Das Foto oben stammt aus dem Besitz einer deutschbaltischen Familie, die 1939 Estland verlassen hat.
Das Bild mit den Segelbooten vor Tallinn muss vor 1922 entstanden sein. Es taucht im Buch "New masters of the Baltic" von Arthur Brown Ruhl auf, 1921 New York. Auf Seite 62-63. Auch deutschsprachige Publikationen gibt es.

Kulturbestrebungen des estnischen Volkes während eines Menschenalters (1869-1900)
Erinnerungen.
by Heinrich Rosenthal
Published in 1912, Cordes & Schenk (Reval)
Man braucht nur auf die Pfeile rechts klicken, und die Seiten werden automatisch weitergeblättert.


Das Besondere bei Rosenthal ist, dass seine Familie estnische Wurzeln hat, er sich später aber in deutschen Gesellschaftskreisen bewegt. Zweisprachig um die Jahrhundertwende. Aus dem Vorwort:

Übersetzungen aus dem Estnischen in andere Sprachen existieren noch nicht. Meinen deutschen Heimatgenossen aber möchte ich das Werk besonders empfehlen. Sie leben mit den Esten auf einer Scholle und dürfen den Bestrebungen der letzteren nicht fern stehen. Sie dürfen die Erscheinungen des estnischen Lebens nicht ignorieren. Das könnte nur zu ihrem Schaden gereichen. - Allerdings werden sich die deutschen Leser vom nationalen Chauvinismus emanzipieren müssen.

Freitag, März 27, 2009

Medienarbeit

Die Medienlandschaft verändert sich. Regierungen oder Politiker publizieren nicht mehr ausschließlich auf eigenen Webseiten. Auch Parlamente in Europa sind schon lange, mitunter über 10 Jahre, im Internet vertreten. Aber nicht mehr nur herkömmlich, sondern nun mitten in den Web 2.0 Diensten. Wie zum Beispiel hier Vertreter des britischen Parlaments (Defence Committee) zu Besuch in Paldiski beim Scouts Battalion. Es geht um die Beziehungen zu Russland.
Das Foto ist zwar Pressearbeit, aber irgendwie erscheint es mir bemerkenswert.


Eine etwas andere Medienarbeit kommt von den Natotruppen. Esten und Briten in einer gemeinsamen Aktion auf dem Kriegsschauplatz in Afghanistan. Eine mehrteilige Videoreihe. Hier der vierte Teil:
100 Soldaten aus dem “jungen” NATO-Mitgliedsland Estland gemeinsam mit britischen Soldaten der Fermeldetruppe und Kampfeinheiten (Royal Marines, Priness of Wales Royal Regiment) führen den mehrtägigen Einsatz durch.


Und noch ein Medienereignis, das fast ausschließlich in Estland und Finnland stattgefunden hat: Ein Seminar zu den Deportationen in Estland und im gesamten Baltikum im Juni 1941 und dann wiederholt 1949. Der Anlass für die Veranstaltung war die Buchveröffentlichung der Autorin Sofi Oksanen und der estnischen Filmemacherin IImbi Paju zu diesem Thema. Was aber für den Medienwirbel gesorgt hat, war eine Demo gegen die Veranstaltung in Helsinki. Laut Eric Dickens, der darüber bei David McDuff gebloggt hat, waren Teilnehmer aus dem Umfeld der Organisationen Nashi (Our) Jugendbewegung in Russland und Nochnoi Dozor (Nightwatch) zugegen. Auch Dmitri Linter aus Estland, bekannt durch die Aprilunruhen 2007, war in Helsinki.

Eric Dickens: The Baltic deportations of 1941 and 1949 Gastbeitrag bei "A Step At A Time"

Donnerstag, März 26, 2009

Umfragen und parteipolitisches Poker

In jüngsten Umfragen, der Sonnatgsfrage zu den im Herbst anstehenden Kommunalwahlen, hat die Zentrumspartei mit 23% die Reformpartei deutlich abgehängt. Sie kommt nur auf 15%. In Tallinn ist der Unterschied noch einmal entschieden deutlicher, wenngleich bei der allgemeinen Zustimmung die Parteien weniger weit voneinander entfernt sind.

Da in Estland alle Einwohner unabhängig von der Staastbürgerschaft das kommunale Wahlrecht haben, kommentiert der Politologe Rein Toomla, daß die Reformpartei ihren Zuspruch unter der russischsprachigen Bevölkerung verspielt hat. Lag dieser Wert früher bei 20%, so würden heute nur zwei Prozent diese Partei unterstützen, ebenso viele wie die national orientierte Union aus Vaterland und Res Publica.

In Estland sind derzeit gleich mehrere Fragen auf der Tagesordnung, welche den Machtpoker im Lande beeinflussen. Zu verstehen ist dies vor dem Hintergrund, daß es für Parteien und Politiker neben der nationalen Ebene nur wenig Schauplätze der politischen Auseinadersetzung gibt. Aus diesem Grunde sind die kommunalen Organe mehr politisiert, als dies in anderen Ländern üblich ist. Dies gilt besonders für die Stadträte in Tallinn und Tartu.

Diskutiert wird derzeit über eine Änderung des Wahlmodus in Tallinn, konkret den Zuschnitt der Wahlkreise und ob diese nicht besser aufgelöst würden. Einstweilen sind die Stadtbezirke jeweils ein Wahlkreis, die sich aber in Bevölkerungsdichte und –zusammensetzung, in sozialer und ethnischer Struktur unterscheiden.

Außerdem wurde jüngst vorgeschlagen, eine Art Groß-Tallinn zu bilden, also einige umliegende Gemeinden der Stadt administrativ zuzuschlagen. Neben kleinen Orten wie Saku oder Laagri, die ohne die Nähe zur Hauptstadt sicher eine ganz andere Bedeutung hätten, steht die Idee im Raum, auch Maardu Tallinn anzugliedern. In dieser Stadt befindet sich der Hafen Muuga.[1]

Gleichzeitig melden sich erneut Einwohner des Tallinner Bezirks Nōmme zu Wort, die für eine „Unabhängigkeit“ ihres Ortsteils eintreten. Nōmme war tatsächlich in der Zwischenkriegszeit noch eine eigene Stadt.

Die Schwierigkeit im Umgang mit den unterschiedlichen Argumentationen liegt darin, daß beide Themen, Wahlkreiseinteilung und kommunale Gebietsreformen weder ungewöhnlich noch unschicklich sind.

Lettland hat erst jüngst eine Reform der kommunlane Strukturen endgültig verabschiedet, die alle Regierungen seit der Unabhängigkeit auf die lange Bank geschoben hatten. Estland hinkt in dieser Frage momentan hinterher. Änderungen sind aber ohne jeden Zweifel geboten. Allerdings hat Lettland nicht bschlossen, die Schlafstädte rund um Riga der Hauptstadt auch administrativ zuzuteilen.

Wahlsysteme und damit auch die Einteilung von Wahlkreisen wiederum sind als Voraussetzung gerechter Wahlergebnisse fast ständig in der Diskussion.

In Estland verbirgt sich hinter den Argumenten der Parteien deren konkrete Wahlchance. Die Reformpartei hat offensichtlich ihre russischsprachigen Wähler verprellt, wobei der größere Teil der russischsprachigen Einwohner ohnhin während der letzten Jahren zumeist ihre Stimme der Zentrumspartei von Edgar Savisaar gegeben haben, der zur Zeit Bürgermeister von Tallinn ist.

Würde nun die Repräsentation jener Stadtviertel, in welchen mehr Russen leben, verbessert, minderte dies die Chancen der national orientierten Parteien auf einen Sieg. Das gilt ebenso für eine Vereinigung von Tallinn mit Maardu, wo voriwgend Russen leben.

Allerdings irrte man, ginge man von großen ideologischen Unterschieden aus. Edgar Savisaar hat auf nationaler Ebene trotz guter Wahlergebnisse seiner Partei den Weg zurück in die Staatskanzlei, wo er von 1990 bis 1992 während er Volksfrontregierung saß, nie wieder geschafft. Zumeist haben andere Parteien eine Koalition gegen die Zentrumspartei geschmiedet. Zwei Mal saß Savisaar in dieser Zeit allerdinghs auf der Regierungsbank. 1995 mußte er im Rahmen des Aufzeichnungsskandal kurz nach Amtsantritt wieder zurücktreten. Aber vor den Wahlen 2007 war er sich nicht zu Schade, für eben die erwähnte Reformpartei als Mehrheitsbeschaffer zu dienen, nachdem deren Koalition mit der konservativen Vaterland / Res Publica geplatzt war.

Das wundert alles nicht. Edgar Savisaar und der Gründer der Reformpartei, der gegenwärtige EU-Kommissar Siim Kallas, haben ihre politische Karriere bereits in der Sowjetzeit begonnen und waren schon damals so weit inhaltlich voneinander nicht entfernt. Sie gehörten zu dem Quartett, das Ende der 80er Jahre mit der IME-Idee[2] an die Öffentlichkeit trat. Diese beinhaltete den Vorschlag, Estland möge innerhalb der Sowjetunion seine Wirtschaft selbst organisieren. Wie bereits oft erwähnt bedeutet diese Ankürzung als Wort gelesen auf Estnisch „Wunder“.

Die erwähnten Streitpunkte haben aber mit einem Wunder wenig gemein. Es geht auch weniger um politische Inhalte als um Posten. Aber auch das ist weder ungewöhnlich noch illegitim. Insofern bleibt vermutlich in Estland in diesen Fragen alles beim alten.
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[1] Kloty berichtet in seinem Blog unter anderem darüber: http://kloty.blogspot.com/2009/03/es-ist-schon-erst-eineinhalb-jahre-her.html
[2] Isemajandav Eesti – selbstwirtschaftendes Estland.

Nachrichten

Präsident Ilves nahm kürzlich mit Skypes CEO Josh Silverman an einer Internet- Debatte ueber Innovationen teil. Ilves machte dabei eine Bemerkung über eine bekannte Eigenschaft vieler Esten: Sich mit seiner Meinung zurückzuhalten, gerade in Gegenwart anderer Personen.
"Why is it that we get questions from the computer rather than from people sitting here because they would rather not raise their hand? If that is the national character and there's nothing we can do to change that, we'd might as well just go to outsourcing," Ilves quipped.


Wer kennt das nicht, eine Diskussionsrunde wird eröffnet und keiner meldet sich zu Wort. Das Internet spielt hier in Estland eine ganz andere Rolle.

Vielleicht deshalb entstand die Idee in nächster Zukunft zu einem nationalen Brainstorming im Internet und anderswo aufzurufen: Minu Eesti
Die Aktion ist jedenfalls groß angelegt:

On the 1st of May we will set up more than 400 brainstorming centers all over Estonia.


Eine andere Nachricht gilt dem Film Magnus der Regisseurin Kadri Kousaar. Der internationale Filmbann wurde von der nächsthöheren Instanz aufgehoben. Bleibt für die Klägerseite nur noch das Oberste Gericht. Hier alle Posts zu "Magnus" im Estland-Blog.

Update 27. März
Hinweis. Auch dieses Jahr findet wieder das goEast Filmfestival statt:
Weitere Jurymitglieder sind die estnische Regisseurin Kadri Kõusaar, deren Film Magnus beim vergangenen goEast-Filmfestival den Škoda-Preis für den Besten Film und den FIPRESCI-Preis gewann


Wiesbaden - Das Programm des 9. goEast – Festival des mittel- und osteuropäischen Films (22.4. - 28.4.2009)

kino-zeit.de

Donnerstag, März 19, 2009

Sakala ehk Solaris keskus

Unser weltreisender Norweger Kalevkevad und ausgestattet mit einem Blick für Stadtplanung, hat das Fortschreiten der Bauarbeiten am Solaris-Zentrum festgehalten. In Tallinn. In der Mitte des Komplexes ist der Rest der Vorgängerarchitektur zu erkennen. Ein Überbleibsel des Sakala-Gebäudes. Geschichte des sowjetischen Estlands. Vorübergehend stand der Turm allein, jetzt bleibt seine Hülle erhalten.

Hier die älteren Posts zum Abbruch und zur Umgestaltung. Teil 2, Teil 1 und die Kommentare zum Foto aus Teil 1, hier.

Samstag, März 14, 2009

Wen vertritt der russische Botschafter?

Wie das estnische Radio berichtete, kommentierte Bildungsminister Tōnis Lukas auf einer Pressekonferenz die Eingabe eines Schülers der Tallinner Reaalgümnaasiums Mustamäe, die auch von der Vereinigung der Schülervertretungen abgesegnet worden war. Der junge Mann kritisiert darin die jüngsten Äußerungen des russischen Botschafters in Estland, Nikolai Uspensti gegenüber der Zeitung Tribuna.

Der Botschafter hatte in einem Interveiw behauptet, die Sprachinspektion werde in Estland instrumentalisiert, um eine „Bereinigung“ unter dem Lehrpersonal durchzuführen und die russischen Schüler würden im Unterricht diskriminiert, ja sogar der gebrauch der russischen Sprache von Lehrern untersagt.

Lukas sagte, daß selbstverständlich unter den jungen Leuten über alle möglichen Fragen auch sehr unterschiedliche Meinungen vertreten würden. Die meisten sprächen jedoch hervorragend Estnisch und zweifelten nicht am Sinn der Unabhängigkeit des Landes im Gegnteil zu älteren Personen, die sich nicht gut integriert hätten.

Die Schüler seien verärgert über die Verbreitung von Lügen und betrachteten dies als Einmischen in innere Angelegenheiten. Sie verlangten eine Entschuldigung von Seiten des Botschafters.

Donnerstag, März 12, 2009

Tüür - Öffner

Pressegespräch in einer Schulaula - nein, diesmal kein schreckliches Ereignis. Keine vernachlässigten Kinderseelen wie in Erfurt oder Winnenden. Eher im Gegenteil: 100 Schulkinder lauschen gebannt in der Aula der Schule an der Nürnberger Straße in Bremen-Findorff. Markus Poschner, Generalmusikdirektor der Bremer Philharmoniker, vermittelt Kindern und Jugendlichen ein Werk von Erkki Sven Tüür. "Ein Komponist aus einem Land ganz weit weg, auf der Landkarte oben rechts," die Einleitung klingt noch ein wenig unbestimmt. Aber Poschner versteht es, seine jungen Zuhörer/innen in seinen Bann zu ziehen.

"Das was passieren wollte, scheint passiert zu sein." - Dieser Satz steht für alle sichtbar angeschrieben. Ja, alle sind alt genug, um schon Lesen und Schreiben gelernt zu haben, aber es geht hier nicht um philosophische Betrachtungen. Vielmehr vergleicht Poschner den Zugang zur Sprache (alle können lesen, meinen zu verstehen, aber jede/r hat andere Vorstellungen des vermeintlichen Sinnes im Kopf) mit dem Zugang zur Musik.

Es ist Erkki Sven Tüür's Cellokonzert aus dem Jahre 1997, das den Schülerinnen und Schülern dann auszugsweise zu Gehört gebracht wird. Poschner fragt nach Assoziationen: von Cowboyfilmen, Kriminalfällen bis hin zum Verirren in einem dunklen Wald ist alles dabei.
Inzwischen ist das Projekt "Phil-sagend" der Bremer Philharmoniker bereits in Phase 2 angekommen: Schülerinnen und Schüler des Max-Planck-Gymnasiums in Delmenhorst haben bereits eigene Visionen entwickelt, und mit den Eindrücken gearbeitet, die das Stück bei Ihnen ausgelöst hat - es entstanden Fotos, Collagen, sogar ein kurzer Film. Gezeigt wird all dies beim Sonderkonzert der Bremer Philharmoniker am Montag, den 23.März im Bremer Konzerthaus "Die Glocke". Zwei Zielgruppen des Projekts also: die einen stellen die Ergebnisse ihrer Auseinandersetzung mit dem Werk Erkki Sven Tüürs anderen auf einer Konzertbühne vor. Am Schluß soll dann das etwa 20-minütige Werk komplett gespielt werden.

Das Projekt "Phil-sagend" soll in ähnlicher Weise fortgeführt werden, so die Pressestelle der Bremer Philharmoniker. Eine Aufführung in Estland, oder in Anwesenheit oder Zusammenarbeit mit dem Komponisten, ist jedoch bisher nicht geplant.

Links und Infos:

Interview Erkki Sven Tüür am 21.11.2008 in DIE ZEIT

Info zur Person Erkki Sven Tüür (engl.)

Info zum Konzert "Phil-sagend" am 23.März 2009 in Bremen

Erkki Sven Tüür bei Klassikinfo

Dienstag, März 10, 2009

Skypes Sten Tamkivi


Skype's Sten Tamkivi
Originally uploaded by jurvetson
Soll ich jetzt über die Kreditlasten der (fast) Eigenheimbesitzer in Estland schreiben? Deren Zahl ist hoch, viele haben ohne Eigenkapitalbeteiligung Häuser oder Wohnungen erworben. Noch wohnen die meisten, aber alles hängt von der Tiefe und Länge der Wirtschaftskrise ab.
Woanders konnte man lesen, dass die Hoffnung auf dem Technologievorsprung Estlands beruht. Nicht in jedem Sektor. Aber dort, wo IT also Computertechnologie angesagt ist. Und da sind Esten tatsächlich gefragt. Hier in Stanford, Kalifornien. Sten Tamkivi der Manager von Skype Estonia.
Wer auf das Foto klickt, bekommt ein paar Daten des Vortrags zu lesen, die Steve Jurvetson festgehalten hat.

Wen es genauer interessiert, hier ist die Veranstaltungsreihe.

Dienstag, März 03, 2009

Kiiking - wenn nicht in Estland, dann im eigenen Garten!


Offenbar angeregt durch unseren Beitrag zu KIIKING schickte uns ein Leser dieses Blogs schöne Fotos zu, die eindrucksvoll demonstrieren, was als Eigenbau im eigenen Garten möglich ist.
Diesen Beitrag möchte ich doch dann auch den Kiiking-Fans auf keinen Fall vorenthalten!

Hallo,nicht nur in Estland ist Kiiking beliebt - auch bei uns im Garten gibt's das seit 1982.
Leider sind Überschlag Schiffschaukeln aus Kostengründe
n (Versicherung) fast ausgestorben.Meine Schaukel hat eine Höhe von 3,15 m und ist inzwischen aus Sicherheitsgründen mit einem Kahn versehen worden.
Meine Kinder und Freunde haben damit ihr Vergnü
gen. Freunde aus Estland, die hin und wieder zu Besuch kommen, haben sich allerdings bisher noch nicht getraut!
Ich hänge ein paar Bilder an, die Sie auch gern veröffentlichen dürfen.

Mit freundlichen Grüßen
Winfried Voigt

Freitag, Februar 27, 2009

Saft mit Frühstück

Über die guten und schlechten Seiten eines Übersetzungsprogramms haben wir hier schon diskutiert. Es war aber mein Wunsch für 2009. Ohne es zu wissen, Google übersetzt jetzt tatsächlich. Ich habe mir gleich die erstbeste Nachricht der Postimees als Test genommen.
Helsingisse teel olnud Tallinki reisilaev Superstar seisis täna tehnilise rikke tõttu pea kaks tundi Soome lahel, laevafirma teatel hakkas laev taas liikuma kell 10.30.
Helsingisse peaks laev kõudma kell 11.30.
Tallinki pressiesindaja Luulea Lääne sõnul avastati kell 8.45 laeval tehniline rike, mille kõrvaldamisega tegeles meeskond oma jõududega.
Tallink vabandab reisijate ees ebamugavuste pärast.
Postimees.ee lugeja teatel Superstari mootorid ei töötanud ning laev andis teda ümbritsevas tihedas udus signaali.
Laeval toimuvast saab inglisekeelset otsereportaaži lugeda siit.
Kirjutaja Elver Loho andmetel oli laeval osaliselt ära elekter. Laeval jagati reisijatele tasuta mahla ning hommikusööke.


Was ist passiert? Google übersetzt:
Ein Kreuzfahrtschiff nach Helsinki von Tallink Superstar stand heute aufgrund eines technischen Versagens müssen zwei Stunden auf den Golf von Finnland, laevafirma berichtet das Schiff setzte sich in Bewegung wieder um 10.30 Uhr.


Das Schiff sollte kõudma Helsinki um 11.30 Uhr statt.
Estland Luulea West-Sprecher sagte das Schiff wurde in 8:45 durch technisches Versagen, bei denen die Entfernung des Teams aus eigener Kraft.
Tallink uns für die Unannehmlichkeiten der Passagiere im Vordergrund.
Alert den Leser Postimees.ee Superstars Motoren funktionierte nicht und gab ihm ein Schiff in dichtem Nebel rund um das Signal.
Vorstand otsereportaaži Englisch kannst du hier lesen.
Glasaale Loho Schriftsteller war ein Teil der Strom Bord. Das Schiff wurde an Reisende kostenlos, und der Saft mit Frühstück.


Hier ist das Tool.

Montag, Februar 23, 2009

Reconversion


Reconversion
Originally uploaded by LHOON
In Tallinn. Rotermannviertel.

Morgen ist Nationalfeiertag. Mein Beitrag: drei Fotos mit CC (Creative Commons)
Zum ersten Foto gibt es diesen Überblick.





Von wstryder
Und Landschaft in:

Von northsky71

Samstag, Februar 21, 2009

Wirtschaftskrise II


"Dem Tiger fallen die Zähne aus". Nette Schlagzeile. Nicht wenige Medienartikel befassen sich mit dem Abschwung in Osteuropa. Und bei manchen liest man auch unterschwellige Schadenfreude heraus.
Nun, Estland hatte eine Krise, aber die war anders als diese hier. Als Erinnerung bewahre ich mir diesen Lebensmittelcoupon von 1992 auf. Einiges war damals nur noch mit Karte zu bekommen, oder erschwinglich mit diesen zugeteilten Karten. Ironischerweise auch für Alkohol.
Also, die etwas älteren Jahrgänge haben das noch gut in Erinnerung. Und 2009 ist doch entschieden anders.
Warum? Hier ein Beispiel. Flasher_T in Who Wants The Euro?.
Und warum schon wieder Flasher? Weil er einer der Europäer ist, die oben unter dem Titel unseres Blogs erwähnt sind. Er wurde als Blogger von einem europäischen Wettbewerb als Teilnehmer ausgewählt. Sie bloggen nun um die Wette über die Wahlen zum Europaparlament. Und gemeint sind wir, alle: Th!nk about it
Flasher_T

Update: Hier noch eine offizielle Stellungnahme. Mart Laar im Wallstreet Journal.
Freedom Is Still the Best Policy
Eastern Europe won't be looking for government-led recovery.

Es gibt also immer noch starke Positionen gegen staatliche Eingriffe. Andere Meinung: siehe Kommentare.

Dienstag, Februar 17, 2009

Die Finanz-und Wirtschaftskrise

In Berichten über Nord-Osteuropa werden häufig wie in alten Zeiten, alle Staaten östlich von Deutschland in einem Satz zusammengefasst. Da werden Länder wie Polen, Ukraine und Russland mitunter in einer Schlagzeile untergebracht. Telegraph:

Failure to save East Europe will lead to worldwide meltdown
The unfolding debt drama in Russia, Ukraine, and the EU states of Eastern Europe has reached acute danger point.


Warum auch die baltischen Staaten. Vielleicht wegen Lettland?
Telegraph:
In Poland, 60pc of mortgages are in Swiss francs. The zloty has just halved against the franc. Hungary, the Balkans, the Baltics, and Ukraine are all suffering variants of this story. As an act of collective folly – by lenders and borrowers – it matches America's sub-prime debacle. There is a crucial difference, however. European banks are on the hook for both. US banks are not.

Almost all East bloc debts are owed to West Europe, especially Austrian, Swedish, Greek, Italian, and Belgian banks. En plus, Europeans account for an astonishing 74pc of the entire $4.9 trillion portfolio of loans to emerging markets.

They are five times more exposed to this latest bust than American or Japanese banks, and they are 50pc more leveraged (IMF data).

Ha, die Wiederauferstehung des "Ostblocks". Aber nehmen wir die Zahlen. Der Telegraph sagt "sie" seien mehr den Risiken ausgesetzt als amerikanische und japanische Banken. Vielleicht ist mir hier etwas entgangen. Es gibt meiner Meinung nach keine nennenswerten estnischen Banken mehr. Für die Aktionäre der gut laufenden Hansapank gab es damals eine Ausschüttung und danach war sie schwedisch. In Estland haben im Bankwesen zu 90 Prozent die Schweden und Dänen das Sagen:

Quelle:Estnisches Finanzministerium
Trotzdem ist der Druck auf das Finanz- und Währungssystem in Estland groß. Inwieweit eine Abwertung der Eesti Kroon ernsthaft in Betracht kommt, kann ich nicht beurteilen, hier aber wird es angedacht:
Latvia, Estonia and Lithuania are ''under pressure'' to follow Russia and Kazakhstan in reducing their currency management and allowing devaluation, Nouriel Roubini, New York University professor, said last week.
BBH predicts that, by the middle of this year, the Baltic currencies could see a 50% decline against the euro, writes BLOOMBERG/LETA.
Thin also added that dwindling reserves may also force the devaluation of the Baltic currencies.
Latvia’s reserves have dropped 27% to USD 4.7 billion since July. Estonia’s declined 5% to USD 3.9 billion in the second half of last year, and Lithuania’s slumped 13% to USD 6.3 billion, International Monetary Fund data show.

Quelle: The Baltic Course
Hier noch eine kurzer Überblick über die Zahlen des Abschwungs, auch The Baltic Course
Die beiden Blogger Knut und Kloty über die Wirtschaftskrise in Estland, hier:
Estland: ein flammendes Inferno?
Und noch eine kurze Erinnerung an den Beginn der Krise, die vor allem 2008 die Immobilienblase betraf:
Zuversicht in Zeiten der Krise - Von Hang-over nach dem Ende der Party (noch) keine Spur
Konrad-Adenauer-Stiftung Länderbericht Oktober 2008.
Ständige Updates von Wirtschaftsdaten und Meldungen im Blog von Kairi Kurm
Darunter auch die Nachricht, dass trotz sinkender Touristenübernachtungen in Estland, die Anzahl der Besucher aus Russland steigt.

Montag, Februar 16, 2009

Vabaduse Väljak - Tallinn


vabaduse auk
Originally uploaded by -marten-
Zwar schon eine Aufnahme vom Januar, aber hier ist eine gute Übersicht zu den Bauarbeiten auf einem der wichtigsten zentralen Stadtplätze in Estland, dem Vabaduse Väljak. Unter grüner Abdeckung die freigelegten Festungsmauern. Man kann gut den rechten Winkel erkennen. Es handelt sich also nicht um die Mittelaltermauern sondern spätere Verteidigungsanlagen.


Hier ist nochmal ein Link zu einer Karte, wo man am südlichen Ende der Altstadt den Zickzackverlauf der Mauern verfolgen kann. Im 19. Jahrhundert bereits als Parkanlagen genutzt.
Worauf die Arbeiten hinauslaufen, ist hier zu sehen.