Montag, März 26, 2012

Estland inspiriert

Let's do it, Austria! Mit diesem Slogan möchten die Initiator/innen einen umfassenden Frühjahrsputz in Österreich auslösen. Und nicht nur das: der Hinweis, die Idee sei in Estland gestartet worden (siehe Beitrag in diesem Blog) soll wohl eine besondere Motivation für das Alpenland darstellen. Zwar ist es diesmal nicht direkt eine Internet-Technologie, die Estland international bekannt macht, aber die Art, Gleichgesinnte und Akteuere zu gewinnen ist sicherlich ebenso stark auf die virtuellen Wege und Netzwerke im Netz konzentriert. Immerhin erreichen die Initiatorinnen auch die eigenen, traditionell verbreiteten Medien - wo sich in Estland 50.000 Aktivist/innen versammeln, da kann doch Österreich nicht zurückstehen! Weniger illegale Müllkippen als in Estland seien in Österreich aufzufinden, so wissen "Der Standard", ORF und "Kleine Zeitung", aber vieles werde doch einfach achtlos weggeworfen, vor allem auf Gelände im Gemeindebesitz. Am 21.April ist nun "Putztag" - auch wenn in manchen Internetforen starke Zweifel vorherrschen ob die Aktion langfristig Umweltprobleme beseitigt. Aber es wird sich zeigen, ob die anvisierten 100.000 Teilnehmer auch erreicht werden.

Webseite der Initiative "Let's do it Austria"

Fahrscheinfrei im Stadtverkehr! Von wem Bürgermeister Savisaar und der Stadtrat Tallinn genau inspiriert wurden, in der vergangenen Woche die Einwohner Tallinns über die Frage der Einführung eines kostenfrei zu benutzenden Öffentlichen Nahverkehrs abstimmen zu lassen, ist nicht bekannt. Jedenfalls fand die Idee mit 75,5% Ja-Stimmen große Unterstzützung (siehe Postimees). Allerdings haben sich nur etwa 20% (68.000 Menschen) der Tallinnerinnen und Tallinner an der Abstimmung beteiligt. Mit "kostenfrei" ist keinesfalls die Variante gemeint, wo Schwarzfahrer sich zusammentun und auf ein gemeinsames Konto für den Fall einzahlen dass sie mal erwischt werden. Schon eher orientiert man sich an der Stadt Hasselt in Belgien, die schon in den 90er Jahren kostenlose Busbenutzung in der 65.000-Einwohner-Stadt einführte. In Deutschland wurde der sogenannte "fahrscheinlose Bus- und Straßenbahnverkehr" in letzter Zeit vor allem von der Piratenpartei in die öffentliche Diskussion eingebracht (z.B. Hamburg), die ja ähnlich wie das Land Estland bisher auch von der Konzentratione auf Internet-Kommunikation setzt. Aber Savisaar als Ober-Pirat? Kaum vorstellbar. Ob sich anders herum die deutschen Piraten demnächst auf Tallinn berufen werden - abwarten. Wer genau nachliest kann erfahren, dass der Stadtrat Tallinn erst in den nächsten Monaten ein Gesamtkonzept für diesen "fahrscheinlosen" ÖPNV vorstellen will. Eingeführt werden soll das neue System Anfang 2013. Statistiken zufolge sind gegenwärtig 75.000 Menschen in der estnischen Hauptstadt im Besitz von Monatskarten, davon 23.000 Kinder und Jugendliche.
Die im Stadtrat Tallinn in der Opposition befindliche Reformpartei kritisierte die für die Durchführung der Abstimmung notwendigen Aufwendungen von angeblich 260.000 Euro.

Infos zu Tickets in Tallinn

Kommentare:

  1. Grundsaetlich finde ich kostenloses Nahverkehr eine super Sache. Es gibt allerdings Geruechte, die besagen, dass es nur fuer die Einwohner Tallinns gelten wird, was die Sache ad absurdum fuehren wuerde, denn fuer Touristen wird es eher schwieriger an Tickets ranzukommen und Kontrolleure muessen nach wie vor eingesetzt und bezahlt werden. Aber nichts genaues weiss man nicht.

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  2. Genau, diese Frage kam mir auch sofort: ich kann mir nicht vorstellen, dass irgend jemand dann doch Fahrscheine kaufen muss. Aber da es bisher bei denen, die über die Einführung solcher Systeme nachdachten, nur theoretisches Gedankenmodell war, werden die Erfahrungen in der Praxis interessant sein.
    Ebenso interessant finde ich, ob dieser Vorschlag als politischer Seitenhieb auf die amtierende Regierung tauglich ist. Denn ein fahrscheinfreies System müsste ja wohl mit staatlichen Geldern finanziert werden - und das passt nicht unbedingt zu den bisher weit verbreiteten Predigten zum angeblichen Segen niedriger Steuern.
    Und drittens: Interessant nachzulesen, welch großen Widerhall der Vorschlag besonders in den Medien Österreichs findet (siehe auch die dortigen Leserreaktionen).

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