Donnerstag, November 06, 2008

Estland doch atomfrei?

Nach den Parlamentswahlen in Litauen ist unklar, mit welcher Strategie die neue litauische Regierung die Energiepolitik weiterführen wird: neben dem Versprechen der Abschaltung veralteter Anlagen ("Tschernobyl-Typ") war es versäumt worden, rechtzeitig Alternativen in Richtung erneuerbarer Energien und verbesserter Effektivität der Energienutzung zu entwickeln.
Nun mehren sich Stimmen in Estland die davor warnen, sich auf die Atomkraft zu fixieren und nur auf den (teuren!) Neubau eines AKW in Visaginas in Litauen zu setzen.

"Selbst Ministerpräsident Ansip hat inzwischen davor gewarnt, sich abhängig zu machen von dem litauischen Projekt", sagt Peep Mardiste von der 'Grünen Bewegung Estlands', "und auch der Energieversorger Eesti Energia verläßt sich inzwischen nicht mehr auf die Realisierung dieses 7,5 Milliarden teuren Projekts." Mardiste verweist statt dessen auf das "Potential sauberer Energieerzeugung", dass Estland habe. "Uns liegt eine Studie vor, die aufzeigt, die Gegenwärtige 99%ige Abhängigkeit Estlands von fossilen Brennstoffen könnte bis 2020 auf 39% gesenkt werden."

Dieser Denkrichtung entspricht auch ein Beitrag bei Baltic Business News vom 3.11.2008. Nur die Politikersprache klingt anders: Ministerpräsident Ansip plädiere nun für ein eigenes estnisches Atomkraftwerk. Konsequenz wäre aber: Ein Ausstieg aus Visaginas (Ignalina2) würde die Atompläne Litauens erneut in Schwierigkeiten bringen, und selbst dieses Projekt war ja schon teuer genug. Ob aber ein kleines Land wie Estland derartiges allein schultern könnte? Über die Jahre der notwendigen Planungen wäre Zeit gewonnen, über wirklich vernüftigere Alternativen nachzudenken.

Ebenfalls dazu:
BANKWATCH Baltic Energy Strategy (PDF)

Studie von EESTI ENERGIA zu Windkraftanlagen in Estland

Stellungnahme EESTI ENERGIA zum AKW Visaginas

Kommentare:

  1. Als kleines Land mit Nukleartechnik schwebt vielleicht einigen Slowenien als Beispiel vor. Mit der einzigen Anlage produzieren sie angeblich 40% des Stroms. Das AKW hat an die 600 Mitarbeiter. Und das wird 'ne große Hürde, allein die Überwachungskommission braucht etwa 30-50 Experten zusätzlich.
    Und die müssten alle ausgebildet werden aus dem Stand. Es fehlen jetzt schon Nachwuchskräfte in anderen Ländern.
    Die ganze Struktur müsste aufgebaut werden, hier das Beispiel Slowenien:
    http://www.nek.si/en/

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  2. Hallo,

    habe auch mal ein Text über die energetische Zukunft Estlands verfasst. Ist ein Jahr alt, es hat sich seitdem nicht viel geändert. Wen es interessiert, kann es hier nachlesen.

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