Samstag, April 12, 2008

Ende April - Eine Wiederholung?

Tallinn erlebte letztes Jahr den Höhepunkt der Auseinandersetzung um ein sowjetisches Kriegsdenkmal. Einiges deutet darauf hin, dass sich in diesem April zumindest wieder ein gewisse Spannung aufbaut. Die Gruppe Night Watch plant Aktionen, im Hirve-Park unterhalb des Parlaments wird es eine Veranstaltung geben.

Was ist also das Problem mit der "Befreiung" Estlands durch die Sowjetarmee 1944. Viele Esten empfinden es nicht als Befreiung. Das besagte Monument gilt nun auch vielmehr den Gefallenen der Roten Armee von 1941 bis Kriegsende.
Ein Beispiel aus dieser Zeit: Ein Este schreibt auf Deutsch einen Brief aus Tallinn an seine Verwandten. Er schreibt über die sowjetischen Luftangriffe. Er ist kein Sympathisant der deutschen Besatzung. Es ist sein letzter Brief, er wollte nach Saaremaa gehen, doch seine Spuren verlieren sich dort, als die Front weiter Richtung Westen zieht. Die erste Seite von dreien dokumentiere ich im Original, der gesamte Text:
Estland 1944

Reval, den 18 März 1944

Liebe Eleonore,
Ihr Brief was Sie den 2.III.44 schrieben, haben wir den ?.III. dankend erhalten. Es freut dass Ihr unsre Päckchen erhalte habt. Im Zeitung werdet Ihr wohl gelesen haben, dass der Feind [sowjetische Angriffe] den 9ten und 10ten März von 18.30 bis 3.30 Uhr die Stadt angriff. Die Zeitung schrieb dass ungefähr 300 Flieger sind gewesen. Feuer haben beläuchtete die ganze Stadt. Haus wo wir wohnten ist abgebrannt. Gott sei dank wir kamen beide unbeschädigt aus dem Drümmer hervor.
mitnehmen könnten wir nichts, denn das Haus war augenblicklich in Flammen. War noch Glück, dass wir beide worden Paltor anzogen. Die Arbeitsstelle wo ich arbeite ist noch 1/4 nach, eben arbeite ich wohl noch da. Ich weis noch nicht wie es bleibt, gehn wir nach Oesel [Saaremaa] oder bleiben wir hier. Eben wohnen wir bei Ilves bekannten. Reval Liiva 7-5
Bitte schreiben Sie auf diese Adresse. Wenn wir andersweitig sind, so wird sie den Brief zu uns schicken. Bitte grüssen Sie Werner und all Kinder von mir. Es grüsst Sie Herzlich
Karl


Er schafft es nur bis zur Insel. Andere packen die Koffer fliehen nach Schweden bevor die Sowjetarmee näher rückt. Wer also weiß,was mit Karl Palmberg 1944 geschehen ist, bitte melde sich.
Und diese Briefe poste ich, weil ich weiß, dass diese Familien keine Anhänger des deutschen Weges, der Besatzung waren, im Gegenteil. Karin und Familie fliehen nach Schweden und wandern 1949 nach Kanada aus.

Estland 1944 3. Teil


Kommentare:

  1. Die Veranstaltung in Hirve-Park ist verboten worden. Wie es weitergeht, weiss man momentan nicht.

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  2. Interessant, danke für den Hinweis. Dazu wird es innerhalb der nächsten Tage/Woche noch einen Update geben.

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