Dienstag, November 28, 2006

Warten auf Präsident Bush

Höchste Sicherheitsstufe, schulfrei. Der erste Staatsbesuch eines amerikanischen Präsidenten in Estland kurz nach der Ankunft in Tallinn. Hier von weitem beobachtet von Siim Teller, einem der bekanntesten Blogger in Estland.



Bei youtube hat jemand einen kurzen Beitrag von etv Szene von der Zeremonie am Präsidentenpalast Kadriorg hochgeladen. Ilves scheint im Wechsel die beiden Flagen zu betrachten, vielleicht denkt er an seine amerikanische Zeit zurück, wer weiss?

Kommentare:

  1. Sie,Ilves und Bush, sprechen viel über den Nahen Osten und über Afghanistan, aber ESTLAND, ich bin skeptisch.

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  2. "Höchste Sicherheitsstufe, schulfrei."

    Man könnte es auch anders beschreiben:

    Höchste Freiheitsbeschränkung der Bevölkerung in der Tallinner Innenstadt.

    De facto kam die Scherheitsstufe einer Ausgangssperre für Männer, sowie einer stark eingeschränkten Freiheitsbewegung für Frauen gleich. Alles schön engezäunt. Bush hat sich auch seinen Fans (gibts die eigentlich in Estland?) nicht gestellt, sondern ist durch einen Nebeneingang ins Hotel verschwunden. So lebt man Demokratie und Volksnähe vor. Dabei wurde doch nun schon vorgeschrieben, dass auf den Plakaten nur 6 Wörter verwendet werden dürfen: I, love, Bush, is, god, america.

    Interessant auch die Aussage von Bush auf die Visafrage während einer 20 minütigen Pressekonferenz, die Live übertragn wurde und im Inernet** abrufbar ist: “Peame ainult veenduma, et inimesed, kes tahavad Ühendriikide kodanikke tappa, ei saaks seda viisavabadust ära kasutada,” (Sinngemäß: Wir müssen sicher sein, dass Leute, die Amerikaner töten wollen, nicht Visafreiheiten geniessen). Autsch! Ein unadequater Mann eben für alle Situationen. Sowas kann man hinter verschlossenen Türen aussprechen, der Öffentlichkeit präsentiert man sich besser nicht so, vor allem weil Estland eben nicht Russland ist und Putin vielleicht(???), Ilves jedoch ganz sicher nicht, ausgebürgerten Abtrünnigen Polonium 210 auf der Speisekarte serviert.

    **http://www.etv24.ee/index.php?0534915

    Interessant ist auch die beschwichtigende und teilweise (extra???) falsche Übersetzung ins Estnische zu gunsten Bushs.

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  3. Nachtrag:

    Immerhin kann sich Bush ja jetzt mit seinem beschenkten Skype-Fon zukünftig alles zum NATO-Beitritt mit Estland in verschlüsselter Leitung aus sicherer Entfernung besprechen, muss sich nicht erneut seinem Verfolgungswahn der bösen EstInnen aussetzen und den EstInnen nicht eklatante Freiheitsbeschränkungen und prozentual zweistellige Unkosten eines jährlichen Buttoinlandsproduktes zugemutet werden.

    Wie Technokratie doch zum Wohle der Menschheit dienlich sein kann, davon kann man sich in Estland überzeugen. Nur nicht in jenen Tagen, wenn Bush sich in im Talliner Radisson Hotel einquartiert.

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  4. Danke für die detailierten Beobachtungen. Was für ein Kontrast zu 1994 als Bill Clinton in Riga, Lettland, war. Die Sicherheitsvorkehrungen waren damals viel geringer. Personenkontrolle lediglich um das Freiheitsdenkmal, wo kurze Reden gehalten wurden. Die drei baltischen Präsidenten waren auch dabei. Man kam ganz nah heran und konnte sogar ein paar Worte wechseln. Ob dieser Riesenaufwand gegenwärtig bei amerikanischen Staatsbesuchen die Regel bleibt, ich hoffe es nicht. Daran gewöhnen sollte man sich jedenfals nicht.

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  5. Otto Shily hat schon hinreichend begründet, warum "alle" "mit der Polizei" erfasst werden sollen, auch in Estland, denn "überall" gibt es "Terroristen, Kriminelle, Schwerverbrecher" und letztlich könnte sich ja "niemand der Einsicht entziehen" und "Verbrechen beginnen im Geist und in der Seele von Menschen, derer sich das Böse bemächtigt". Da kann man nur beipflichten "Kontrolle muss sein".

    Vor allem ein Staatsbesucher Bush muss vom estnischen Fussvolk "verdachtsunabhängig" beschützt werden, schliesslich hat er sich ja auch als "überall" Zielobjekt hochgearbeitet.

    Bei der derzeitigen Außenpolitik der Amerikaner und dem derzeitigem allgemeinen Trend "Sicherheitswahn" sollte man sich besser mittelfristig an Riesenaufwänden bei amerikanischen Staatsbesuchen gewöhnen.

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