Dienstag, Oktober 24, 2006

Zweimal Statistik

Die erste Rangliste heute gilt der Pressefreiheit. Aufgestellt von Reporter ohne Grenzen. Was soll man dazu groß kommentieren:
1 Finnland 0,50
- Irland 0,50
- Island 0,50
- Niederlande 0,50
5 Tschechien 0,75
6 Estland 2,00
So soll es sein, größtmögliche Freiheiten für die Presse. Ach ja, Deutschland muss sich Sorgen machen und ist nach dem Kriterienkatalog von ROG abgerutscht.

Die andere Statistik dreht sich um den Anstieg der Geburtenzahl in Estland. Und da hat der Staat seine Hausaufgaben gemacht, mehrere Zeitungen berichten:
Pia Kurro sat cross-legged on her bed in a drab, Soviet-era maternity ward that smelled of detergent and old linoleum and breast-fed her two-day-old daughter, Syria, who owes her existence to state subsidies.
In return for having the child, Ms. Kurro will receive the equivalent of $1,560 a month from her government for over a year, a lot of money in a country where the average monthly salary is $650.
"I would not have had a baby without the support," said the 39-year-old business consultant.

Derzeit machen sich die Koreaner über sich selber lustig, weil die Geburtenrate pro Frau bald unter den Rekordwert von 1,0 sinkt, Weltrekord. Das hat zur Folge, dass irgendwann der Anteil der Senioren plötzlich und nicht allmählich ansteigen wird. Für Estland spielt nicht nur das eine Rolle: Bei 1,4 Millionen Einwohnern hat eine ausgedünnte jüngerere Generation schnell Folgen. Schon jetzt sind IT-Kräfte kaum zu finden, und die sind meist jung. Aber gesteuerte Einwanderung ist auch noch nicht das Thema, oder gerade erst in Erwägung gezogen. Ross Mayfield forderte nicht nur deswegen "Open Estonia" vor einiger Zeit.
Aber das sind Zukunftsstrategien, das hier ist die Gegenwart:
If someone asks me nowadays, should they come and start an IT development centre in Estonia, I have to say no. The 10000 IT specialists we have in total is a small number and it is hard to grow bigger teams, you run into obstacles very soon. IT is not popular among university enrollments and the lack of people grows bigger and bigger each day. Which is sad considering Estonia's current position on the world's innovative IT solutions market.
Juri Kaljundi

Kommentare:

  1. Mit der Gewährleistung der Pressefreiheit sieht es dann nicht mehr ganz so rosig aus, wenn die Vorratsdatenspeicherung EU-weit erst einmal eingeführt ist. Da wird auch Estland von ganz besonders betroffen sein, da Presse & Internet hier noch eine viel entscheidendere Rolle spielt.

    Zu sensitiven Themen wird ein Zeitungsreporter nicht mal mehr eben ein Interview übers Internet führen können, wenn die Internetprovider immer schön mitloggen und der Staat beliebigen Zugriff auf die Daten hat.

    So kann man natürlich als Staat dann auch Kritiker zermürben, wie man es von Russland her kennt oder sonst in beliebiger Weise rumzensieren.

    Die Vorratsdatenspeicherung aller Internet- und Telefondaten für einen längeren Zeitraum ist eigentlich eine Gangart, die man sonst nur von China her kennt. Jetzt ist Europa gerade dabei, die gleichen Methoden anzuwenden. Da kann man von der Spitze ganz schnell weit nach unten in der Liste rutschen, wo Deutschland ja heute schon auf dem Weg ist, weil durch illegale Überachungsmasnahmen hier schon im Vorfeld ganze Arbeit geleistet wurde.

    Und sind die Möglicheiten der einfachen Zensur erst mal da, findet sich auch jemand, der Interesse daran hat. Auch in Estland.

    Man stelle sich mal vor, wie die Präsidentschaftswahl in Estland wohl ausgefallen wäre, wenn die Presefreiheit engeschränkt und überwacht würde.

    Dann hätte Rüütel einfach, bestimmte Informationen an die Öffentlichkeit unterbinden können und er hätte das auch durchgezogen, den Manipulationswillen hat er uns (und nicht nur allein) ja sehr deutlich gezeigt. und wir hätten es heute noch mit einem demokratiefernen Dorftrottel, durch unbemerkter manipulation illegal zum Präsidenten wiederzwangsgewählt, zu tun.

    wenn man an der spitze der pressefreiheit ist, darf man sich nicht ausruhen, sondern muss sich täglich dafür einsetzen, dass das auch so bleibt, denn es gibt immer genug personen, denen an einer pressefreiheit wenig gelegen ist.

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  2. "I would not have had a baby without the support,"

    2005 war ein trauriges in Estland. Nicht wegen den Geburten an sich, sondern weil auf 100 Geburten in Estland 82.5 Abtreibungen kamen.

    Da kann die Unterstützung im ersten Jahr nach der Geburt nur ein Anfang sein. Letzedlich ist die Situation in Esltand in Moment doch so, dass man Frauen Kinder zu kriegen schmackhaft machen möchte mit einem einjährigem Lockangebot, und sie danach dann alleine lässt. Welche arbeitende Frau lässt sich davon denn nun eigentlich beeindrucken, Kinder zu kriegen bzw. nicht abzutreiben? Scheinbar können die meisten Frauen besser rechnen und nachdenken, als man sich wohl gedacht hat.

    Ein Kind kostet erst richtig Geld, ab dem Zeitpunkt es zur Schule geht. Und da fragt niemand nach den Bedürfnissen der Mutter oder dem Vater, wenn das gemeinsam verdiente Geld eigentlich gerade mal nur für das eigene Leben reicht.

    Staatliche Unterstützung gibts zu diesem Zeitpunkt so gut wie keine mehr, und Eltern müssen dafür oft hart einstecken, damit es ihren Kindern wenigstens einigermaßen gut geht.

    Noch schlimmer wenn man alleinerziehend ist, am meisten sind davon Frauen betroffen, wenn sich der Ex-Gatte sich der Verantwortung für die Kinder aus dem Staub macht.

    Da Frage ich mich, was für einen Grund es für Frauen in Estland geben sollte, nicht abzutreiben?

    Solange in Estland nicht nachhaltige Kinderpolitik betrieben wird, werden vor allem die Frauen Kinder bekommen, die nicht arbeiten und gerade dringend Geld brauchen, für den Eigenbedarf, nicht dem kind wegen.

    Was aus diesen Kindern dann einmal werden wird, ist vorprogrammiert. Dorgen- und HIV-Probleme in der Jugend werden dadurch jedenfalls nicht weniger.

    Eine quantitative Geburtenrate bedeutet noch lange keine qualitative Geburtenrate.

    Das wissen auch zumindest Frauen in Estland die unabhängig sind und der Arbeit nachgehen. In diesem Personenkreis wird die Geburtenrate auch immer mehr in die 1 Kind Richtung gehen, wenn überhaupt.

    Ein Elterngeld (welches in Deutschland jetzt auch mal endlich kommt) ist an für sich ja nicht verkehrt, wenn die allgemeinen Rahmenbedingungen dann auch stimmen würden.

    Diese Rahmenbedingungen stimmen nicht, nicht mal in Deutschland.

    Politiker denken nur bis zur nächsten Wahl, Eltern denken da weiter in die Zukunft. Schliesslich müssen diese sich dann ja auch mindestens 2 Jahrzente die Kinder versorgen, den Politikern kann und ist es scheinbar auch egal.

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