Donnerstag, Januar 05, 2006

Eine Nation verschwindet?

Heftige Schlagzeile am Ende des Jahres 2005 in der Neuen Osnabrücker Zeitung: Eine Nation verschwindet - Warum Esten ihre Heimat verlassen.

Der Tenor des Artikels lautet: Es gibt bald keine Esten mehr, weil der Durchschnittslohn von wenigen hundert Euro Arbeitssuchende ins Ausland treibt, wo sie sich mit Billiglohnjobs zufriedengeben.

Na ja, das Problem existiert und ein beliebtes Auswanderungsland ist Irland. Aber interessant ist, wie das Ganze auf der Grünen Insel kommentiert wird. Nämlich zum Teil weitaus gelassener. Die Iren sind Weltmeister im Auswandern aus einem ehemals armen Land gewesen, kennen diese Erfahrung. Es gibt einige Millionen Einwohner in der Heimat aber 30 Millionen (?) weltweit. Mit ein Grund, warum Iren soviel Wirbel verursachen. Hier der Kommentar zur Einwanderung am Beispiel der Chinesen aus dem Wochenmagazin Village (Dec05-Jan.06):

Indications are that the busiest days of Chinese immigration to Ireland are over. The visa office has received fewer applications after tighter rules were introduced about how language schools register their students. And China's growing wealth means the rewards are there at home without having to leave everything behind.
A familiar scenario for the Irish.


Warum sollte es bei den baltischen Staaten anders sein?

Das ist eine Telefon-Infotafel in Kenmare/Irland. Die Flaggen repräsentieren entweder die englischsprachigen Länder mit irischer Bevölkerung und die anderen weisen auf Länder hin, aus denen die Arbeitsimmigranten stammen. Aus dem Baltikum sind es vor allem die Letten, die nach Irland gezogen sind.

Und noch was:
Es gibt bei dieser Debatte noch einen Aspekt. Und zwar die Perspektive der älteren Irland-Einwanderer. Ich denke da an die Kontinentaleuropäer, die vor Jahren und Jahrzehnten sich bei günstigen Haus- und Grundstückspreisen dort niedergelassen haben. Damals war Irland cool, günstig und passte zu dem selbstempfundenen Weltbürgertum. Jetzt steigen die Grundstückspreise, neue Nachbarn rücken näher, und aus den ehemals geliebten Iren (in der Provinz) sind nun eigennützige ungebildete Egoisten geworden, die nur an die Baulandaufteilung denken. Abgesehen von den anderen Veränderungen wie dem zunehmenden Autoverkehr. - Ich gebe gerade die Meinung eines Kontinentaleuropäers in Irland wieder, der zurückkehren wird. - Die letzte Genugtuung für ihn war die Aufmischung der örtlichen Geselllschaft durch die andersgearteten Letten, Polen und Esten in jüngster Zeit.

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