Donnerstag, September 29, 2005

Port Arthur

Es soll in der estnischen Stadt Pärnu/Pernau ein Kaufhaus mit Namen PORT ARTHUR geben. Wo liegt Port Arthur? Und was hat dieser Ort mit Estland und/oder Pärnu zu tun? Sein damaliger Name ist längst vergessen. Heute heißt die Hafenstadt im Gelben Meer Lüschun.
Vor 100 Jahren war jedoch der stolze russische Flottenstützpunkt Port Arthur ohne Kriegserklärung von japanischen Torpedobooten angegriffen und im Russisch-Japanischen Krieg von japanischen Belagerungstruppen eingeschlossen worden.
In einer der grandiosesten und zugleich aberwitzigsten Kriegsexpeditionen der Weltgeschichte fuhr die zum Teil völlig veraltete Baltische Flotte unter Admiral Rojestwinski aus ihren damals zum russischen Zarenreich gehörenden estnischen und lettischen Häfen über Madagaskar und die Philippinen in den fernen Osten, um Port Arthur aus der Belagerung zu befreien. Sie kam jedoch nie in Port Arthur an. Die Festung war während der halbjährigen Reise gefallen. Die Baltische Flotte hatte nicht mehr genug Kohlen für Umwege. Ihr blieb nur Entwaffnung in neutralen Häfen oder Durchbruch durch die Korea-Straße nach Wladiwostok. Bei der Insel Tsuschima wurde sie von der überlegenen japanischen Flotte gestellt und größtenteils versenkt.
Der Überfall auf Port Arthur ähnelte dem späteren auf Pearl Harbour. Während Pearl Harbour aber die amerikanische Nation zusammenschweißte, bewirkte Port Arthur im Zarenreich etwas ganz anderes. Was hatten die Bauern und Arbeiter des Zarenreiches, in der Baltischen Flotte viele Esten und Letten, mit den Großmachtbestrebungen Nikolaus II in der Mandschurei am anderen Ende der Welt zu schaffen? Der Krieg mit seinen gewaltigen Verlusten trug zur russischen Revolution von 1905 bei. Sie hatte einen ihrer Schwerpunkte in den Ostseeprovinzen Livland und Estland. Sie richtete sich hier vor allem gegen den deutschbaltischen Adel, aus dessen Reihen viele der russischen Seeoffiziere stammten. Aber das ist schon eine neue Geschichte.
Konrad Heilmann schreibt in der Juni-Nummer der BALTISCHEN BRIEFE dem Schriftsteller Lauri Vahtre den "sehr weitreiechenden Schluss" zu, mit Port Arthur und dem Untergang der Baltischen Flotte habe das alles angefangen: Revolution 1905, Untergang des Zarenreichs und Sieg der Bolschewiki 1917, Untergang des deutschen Kaiserreichs 1918, Intervention der Engländer und Amerikaner in Russland in den 20er Jahren usw..
Wenn das so sein sollte, müsste man eigentlich in Lüschun ein Cafe Pärnu gründen.

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